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Full text of "Don Carlos' Haft und Tod: Insbesondere nach den Auffassungen seiner Familie"

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11 fi. art,v-^_ .^ . .■■■ T a r ''- - -^ --lA» .- 



■ 1. w. . Tj .ra 



S^w0^v^H<ti,^,ll 




J^arbarli (ÜToUege fLibrarg 



BOUGHT WITH INCOME 



FROM THE BBQJJ'EST OF 

HENRY LILLIE PIERCE, 

OF BOSTON. 

Undcr a vote of the President and Fellows 
■ October 24, 1898. 




f.innoDL — \ 



• '(0'— ' 



Mat ißiiMnger, 



Don datioB' i^aft ttnb Sob. 



Don Carlos' |ttfttinli®ob 

naifi bEtt B-uffaffttttgEn 
fEiner Samilie 



fiofcHoc bei Okf^ti^tc an tin (Bintn Untveifitdt, 



mit Von Carlos' porttatt in Qeliograiriite 



Wien iinl> Stip^i^ 

Bil^clm SraumüUer, 

I. $d[. imb UniDfrfitawbUifiPnbrtr, 

1891 



SWa^SH^,3.ll 




\ X^^c^Su 






%>a% dit^t ber Überfe^ung in frembe ®pxa^tn botbel^aUen. 



J tt l) a 1 1. 



^n @trafl»efi^(n$ gegen ^^attbeni. 

S)Q§ ©(^Io6 tjon SRabrib 3 

2)ic (Sorten toon (Joftilicn im Qalftre 1560 4 

X^ronrcbc bc8 Äöntgg 7 

©aftiUenS Slufqabc im ©cfammtrei^c 11 

Slbfi^ten beS Ä^önigS in ben 92iebcrtanben 12 . 

®ie ©orteS gegen bie 9ZiebcrIanbc 16 

®c« Äönig^ ©d^luBroorte an bie 6:orteS 19 

(Jaftilifc^e Überzeugungen 20 

SiZieberlänbifd^c SBerleJungen caftilif(ftcr ©mpfinbungen . . 21 

SSemid^tung t)on SlnberSgläubigen 24 

SSemic^tung öon iRotlondfeinben (^rloriba) 26 

SBemü^ungen ber Königin (Slifabet^ t)on (Spanien ... 34 

Äirdjens unb 93ilberfturm in ben 9?icberlanben .... 43 

3)aS Serl^ältni« $^ili»)p^ä 11. ju ben ^Reformierten ... 44 

S)ie SJeformierten in ben Sflieberlanben 49 

ablichten ©il^elm'ä Don Cranien 51 

Äönig W^xpp II. über bie ®Iauben§parität in S)eutfcftlanb 55 

SSer^äItni§ ber S^iieberlanbe jum beutfdften iReic^e. ... 57 

Ifaifer ?WafimiIian II. über blc ©tettung ber 92ieberlanbe 67 

^ö^)ftlic^e ©infprodie gegen ben ©trafbefcftlufe 71 

S)on Darios' ^nrebe on bie ßorteS 77 

S)on ©arloö' SBerlangen nac^ ben ?RieberIanben .... 82 

2)9ti datlo»^ (Setftedttf^tnttg. 

2)ie ^errfc^enben SSorfteHungen 95 

IReligiöfe »Jic^tung 97 

^l^ilipp II. über ettoaige Äe|erei feineS ©ol^neS .... 99 

S)ie Sroeifel an beS ^rinjen 9*e(^tgläubigfeit 105 

2)aS erflc ieftament be§ Äronprinjen 114 

3Jeligiöfer S^arafter be§ 2:eftamente« .118 



VI Sn^alt. 

^olitlfc^e ^ic^tung beS SCeftamenteS 124 

^^t)fif4e @d)tt)ä^e beS ^rlnjen 129 

SBereiJ^tigte (gTJi))finba^!eit 140 

^Iltnäl^Ut^e SBerfrüppelung 142 

§eiratl^ggeban!en 146 

2)ie autl^entifc^en Sendete 157 

5lbam öon S)ietricftftein'§ fponifc^e SBegiel^ungen .... 161 

©nt^tDeiung jtuifc^en Äöntg unb Äronprins 165 

^eftamentaiifrfi öerbrannte Elften 167 

äeid^en gunel^menben ©d^road^ftnncS 174 

5lufruf pr (£nH)örutig 189 

9)^orbabfi(^ten 200 

Äömgltc^e äl'littl^ellungen über ®on ßarloS' Sßerfel^Iung . 209 

gronjöfifc^e ©ntpflnbungen über bie Äataftropl^e .... 214 

^öniglic^e (Eröffnungen an fjreunbe 219 

S)ie beiben frül^eften SSenoc^ridftttgungen über bie §aft. . 221 

Slnjetge öon ber SBer^aftung an beutfc^e gürften .... 226 

S)ie ^^atfa^en ber SBerl^aftung 235 

S)te (ginfc^Iiegung in bem Stl^urrnjimmer 244 

äufeerungen öon Sßertoanbten über bie $aft ... .247 

Äaijer 30iafimilian IL über bie ^aft 252 

granjöflfd^e Hoffnungen 255 

Slllgemeine öeiftimmung in ©^)anien 259 

S)er Äönig am 3ittiiiicr feineS (Sol^ne^ 261 

gürftUAe ©efängnigorbnung 264 

(gjceffe in ber |)aft , .... 265 

3)eg grinsen ^infc^eiben 270 

Se^tmiHige Slnorbnungen 277 

SCobtenfrfiau 278 

S^obeganseige on ©rjl^erjog gerbinanb 282 

gomilienred^tlic^e Slnfprüd^e ber Slgnaten 287 

5(uffaffungen beS (grj^eräogS gerbinanb über ©arloä' §aft 

unb Xob 290 

©«lu6 297 

Sln^ong über bie Ur!unben>)ubIicatton ber grau Herzogin 

öon Sllba 298 

Sfiamen^ unb ©ad^regifter ^^ 

^Berichtigungen ^^"^ 



®rfte§ SSuc^. 



Der StrjifbeWnf gegen JFlanbem 



»üb in 9 er, Xon Sartoä* ^ait uiib Sob. 



lias S(t|lo^ von Itabrib. 

Stn Salirc 1568 tft 2)on ©arloö in einem Siwiwicr ber 
föniglid^en SRefibenj jn 3Rabrib öerl^aftet toorben unb in 
einem anbern ßiwimer beöfelben ©ebäubeg geftorben. 

SSon biefem alten, toä^renb beg ftürmifd^en SBeil^nad^tö^ 
fefteS t)on 1734 burd^ geuer jerftörten ©d^Ioffe gibt e§ n^eber 
eine Slbbilbung noc^ eine genaue Sefd^reibung ^). ©etoöl^n' 
lid^, aud^ in be§ Äönig^ ^ß^ili^))) beö 3^^^^^^ Briefen an 
feine %bä)ttx, ttjurbe ba^felbe mit bem arabifd^en SBorte ^U 
cäfar bejeid^net; in ben 5ßrotofoIIen ber cafülifd^en SSoIfö* 
t)ertretung auö ben S)on SarloS' SSerl^aftung junäd^ft öoran* 
gel^enben Salären n)irb eS aber immer nur ^alaft genannt. 

Sltö ®on ßarlog' ©ro^öater Sari ber günfte nad^ feiner 
SBal^I jum beutfd^en Saifer (Spanien jum erften SRale tüieber 
t)erlaffen fiatte, mufete and) ber Sllcäfar öon SDiabrib fid^ Sluf*^ 
ftänbifd[)en ergeben. ?lad^ feiner SiüdEfelir I)at aber ber Saifer 
gerabe biefeg @d^Io§ beöorjugt, xodäjt^ \xä) i^m bei einem 
SBei^felfieber juträglid^ ertpiefen f)atte. 

@g tourbe burd^ Söobenanläufe für ©artenanlagen unb 
burd^ 9^eubauten ju einer mobernen gorberungen einiger^ 



1)' On n*en possede de representation ni de description bien 
€xacte. Gachard, Don Carlos et Philippe II (1863) 581. 



4 S)er ©trafbefd^Iug gegen glanbern. 

mafeen etttfpred^enben ®e[ta(tung gebrad^t. S)e§ ÄaiferS ©oI)n 
Söntg 5ßf)Ut|)p n. liefe mit ber ^etät, toet^e er für feinet 
aSaterg ©ebanlen ftet§ betüätirt J&at, >en Umbau mit i)ieler 
(Sorgfalt für Sinjellieiten bi§ äumrSa^rc 1562 fortfüI)ren. 
S)ann mad)te bod^ ba§ ©attse, iro^ mand^er arc^iteftonifrf) 
gelungenen Sieite, einen unfd^önen ©nbrudE^). Snt Snnern 
freilid) fanben fid^ gal^Ireid^e, ber löniglidien SSürbe ent:* 
fpred^enbe ®emädE)er unb ÄunftfdE)ä§e. 



Die Cottea von Captüien im Saljre 1566. 

Sn einem ©aale biefe§ ®dE)Ioffe§ fanb am 11. ©ejember 
1566, einem SÄitttoodE), eine geierIidE)feit ftatt, öon tr)elct)er 
fdjtüere poIitifdCje SSertoidEelungen unb im toefentlidfien bie Äa== 
taftropI)e be§ fj^anif d^en SCiironerben fid^ t)erftänbli(^ barftetten. 
• gu foldtiem aSerftänbniffe geigt fid^ aber eine genaue Äunbe 
nötl^ig fotnol)! bon biefeg ^ringen allgemeinen ^ßflid^ten unb 
93efugniff en , aU fpeciell l)on ben xi)m burd) bie Statur ber 
9Konard)ie feinet SSaterg gezogenen ©renjen ber ©etnalt^ 
Übung. 2dE| glaube be^tjalb bem ßefer bie mannigfaltigen 
politifc^en unb religiöfen Setoegungen ber geit fd^ilbern ju 
muffen, jo tüeit ha^ fpanifdEje fiönigtl)um t)on il)nen berä£)rt 
unb mit 3flücffi^t auf fie feine ©ntfd^liefeungen ju faffen 
genöti)igt lüurbe. 

Sin bem genannten SCage nun tüurbe eine SSerfammlung 
fpanifdjer SSoII^öertreter eröffnet, ©ie fanben fidE), toie am 
25. gebruar 1563, bor bem tönige unb bor beffen ©ol^nc 



1) . . . feo y de ningun merito. Madoz, diccionario d^ 

Espaila X (1848) 759. * 



S)ie ©orteS bon ©afttlien im Saläre 1566. 5 

ein, bem gürften öon 3lfturien 2)on ßarlo^, tücld^em afö 
®efainttf)ronerben, aU „^rinj" im eminenten ©tnne, fd^on 
t)or Balb fieben Satiren, am 22. gebruar 1560 anf ba^ feter^ 
lidöfte gel^nlbigt tt)orben tüar. ®ie un§ junädift befd|äftigenbe 
SSoIföbertretung I)te§ ©orteg t)on Seon nnb ©aftilien. ©ie 
tagte na^ einem ^erfommen nnb in altüberlieferten SSer*^ 
l&anblnng^formen, toeld^e ^arl V. nnb 5ßt|tltt)p 11. gleid^mä^ig 
in l^ol^en (Stiren I|ielten. 

(Sben bei ber ©effion bon 1566, Ujel^e erft am 15. 3uni 
1567 enbete nnb bnrd^ ifire D|)fern)illtgfeit im 9teid|öintereffe 
fidEi an^geid^nete, ^) bemül^te ftc^ ^ß^ilip^ H. bergeblid^, ben 
fd^Ie:pt)enben ®ang ber 9Sert)anbIungen einigermaßen abjn^ 
fürjen. §atte er bod^ im vorigen Scif)räel|nte, an ber 
©ette feiner gtoeiten ©emal^Iin SWaria Snbor, atö Sönig bon 
(Snglanb bei ben bortigen 5ßarlamentgüert|anblnngen lennen 
gelernt, toie fieilfam für ben ©taat tüie ben parIamentarifdE|en 
©efd^äft^gang bie Slbfttmmung ber Slbgeprbneten nid^t nad^ 
SÄanbaten, fonbem nad^ tl|rer eigenen Überjengnng ftd^ er^ 
tüetft. Sd^ benfe, baß er nad§ biefem 90?ufter bie eiblidie 
SBer))fKd§tung caftilifd^er deputierten, nnr nad^ ben Snftruc^ 
tionen ilirer SBdt|Ier ^n dotieren, anfjulieben fud^te. S)odE| 
ift if|m ba§ erft bei ben näd^ften Sorten öon 1570 gegen^ 
über ber nnbeugfamen ©etpiffenfiaftigfeit einiger SRitglieber 
ber SSerfammlung gelungen, beren 3luftraggeber burd^ fönig* 
lidEie |)anbfd^reiben betoogen tüurben, bie SefdEitDörung it|rer 
Snftruction aufjul^eben. 2) 



1) S)cr ©J)red^er ber ©orte§ bei ber bem Könige bie ®elbbe= 
lüiHtgungen attäelgenben 3lubienj üom 18. SJiärj 1567 l^ebt baS mit 
9le(^t l^eröor: Actas de las Cortes de Castilla. II (1862) 217. 

2) ®on 3KanueI S)anöUa 9 ©oHabo l^at \iie& 1885 in ber einlci= 
tung jum tomo quinto adicional ber SlctaS ©. 13 itnb 14 fel^r tü6f)l 



6 S)er ©trafbcfc^luS gegen gflanbem. 

ßufainmengefelt tüaren bic Sorten fett mefjr aU einem 
Safirl^unbert au8 je ätoei 5ßrofuratoren bon aditjefiTi ©täbten 
ober, tpie in (äalicien unb (£ftremabura, ftdbtifd^en ^robinäiat 
gcnoffenfd&aften. 1) Sin greimut^, aud^ über bie Soften be^ 
töniglidien §oft|aIteg, tpie \ä)on im Satire 1558 unb boEenbS 
im Safjre 1563 2), Ijaben fie e§ nid^t fe{)Ien laffen, tüenn au^ 
öon bem Könige i^x 5Sorfi^enber unb bon ber 9fiegierung 
fogar jene ©elretäre ernannt tüurben, treiben tpir bie 
anfd^aulid^en unb eingel^enben ^ßrotoloüe biefer SSoIf§t)er== 
tretung üerbanfen. 

®ie ©efinnungen aber, todä)t bie caftilifd^en Sorten be* 
feelen mußten, mag man barau§ abnel^men, ba| in ben ffireiö 
biefer bet)oräugten ©täbte aud^ ®ranaba mit befonber^ ei)ren* 
öoHem Stange an Dierter ober fünfter ©teile, ^) aufgenommen 
toar. Site Ie|te SRefibenj eine§ mul)ammebanifd^en §errfd)er§ 



auSgefül^rt: manifestado per algunos que habian jurado cierta In- 
struccion, se expediö Real G6dula mandando ä las respectivas ciu- 
dades: abzasen a los Procuxadores el juramento prestado. 

1) Über ben Söeftanb ber (S:orte§, bepntttt) fett 1480, bte ^ufnal^me 
©ranaba'S unb bie toon ^arl V. unb W^i)ßp II. beobad^teten «RüdEfid^ten 
ögl. aRanuel ©olmeiro^S Introduccion ju ben bon ber äJJabriber 5lfabcmie 
ber ©efd^td^te l^erau^gegebenen Gort es de Leon y de Castilla I (1883) 
23—36, ttJo nod^ "^WPP H. bon ^erm (Jolmeiro bie übüd^en ©eimorte 
*siempre dissimulado y arteficioso* erpit; ebenbafelbft finben fid^ 
II 286 S^iad^rid^ten über ha^ SSerl^ältni^ biefer (Sammlung gu ben Actas, 
»eld^e toon ber fpanifd^en S)e<)utiertenfammer 1861 bt§ 1867 unb toieber feit 
1883 cbiert Werben. Über bie SBefugniffe ber ßorteS unter ^l^ilipjt) n. : 
Actas I (1861) p. XI bi§ XIII. 

2) 4>ierüber ^at fd^on Safuente, historia general de EspaüaXIII 
(1854) 58 n. 1 ganj 3ftid^tige8 bemer!t. Slber bie in hm Actas I p. XII 
mit ©enugtl^uung l^eröorgel^obenen JBegel^ren ber ©orteS öon 1563 fd^elnt 
er nid^t gelaunt ju l^aben. 

3) ©0 bei ben ©orteS öon 1563: Actas I, 4. Sei htn (SorteS öon 
1566 erfd^einen fte an bierter (Stelle, ©in 9fiangftreit über baS Sßor^ 
xtö^t %oUW^ ober ©ranaba^S in ben ®ommiffionen, fpecieH ber gu 
t)crfönlid^er SBerl^anblung mit bem Könige breftimmten, enbete am 



S)ie X^ronrebe be^ ÄönigS. 7 

auf bcr iberifd^en ^albmfcl toar biefe ©tabt erft ju 9leu=^ 
jal^r 1492 t)on bcn ©tjantcrn befe^t toorbcn. ®d|on tl)r 
Sfiantcn brad^te bie burd§ ftcben Saljrl^unbertc gefül^rtcn Äriegc 
bcr fattjolifc^cn 6^riftenf)cit gegen ben S^Iam in Srinnerung. 
SRod^ lebten SSiele, beten Sßäter ober ©ro^öäter gegen ®ra* 
naba für bie Sfleligion unb bie nationale Sl^re gelämt)ft l^atten. 
3u ben in biefen Sorten, toeld^e tedinifd^ aud§ atö „ba§ 
Sßnigreid^" bejeid^net Werben, Vertretenen ©ebieten get)örten 
aber atö Äroneigentl^um aud^ aße fpanifd^en S5efi|ungen in 
ber dienen SBelt 9lur Saftilien toar burc^ bie !atf)oIifd^en 
„Könige" g^rbinanb unb Sfabeßa jum äRutterlanbe unb 
^iemit jur ©ebieterin beö ganjen neuentbedEten Kontinente 
erllärt ujorben. Slfö caftilifdEier Äronbefi^ galt alfo im ^a^xt 
1566 ganj Slmerifa, aufgenommen ben in ber fübIidE)en §älfte 
biefegSrbtljeilee gelegenen, übrigeng für unertieblid^ eradf)teten 
portugiefifd^en S5efi|. 

Die t!Cl)tottrebe be0 3&ömg0. 

©aftilien§ SßoI!§t)ertreter fal)en an jenem 11. ©ejember 
1566 ben ^önig $t)ili|)p IL unb ben Äronprinsen ®on Sarloö 
in bem geräumigen Sßorgemad^e ber Iöniglidt)en 9BoI)nung ^) 
auf einer einftufigen ©ftrabe. hieben berfelben ftanben auf 
beiben ©eiten mit ^eppid^en belegte SBänfe für ben ^offtaat. 
Slfö erfter SRatligeber ber Srone, toie afö Seiter ber f ämmtlid^en 
f)ier erfd^ienenen ^erren ber !öniglid^en Umgebung fiatte ber 
Dberftf)ofmeifter ^erjog t)on Sllba feinen 5ßla^ junäd^ft bem 
äKonari^en. Sind) bei ber SröffnungSfeier ber (Sorten im 

22. S)eäember 1566 mit beiber borläufigem ^uäfd^Iuffe aug ber leftteren. 
Actas n 63—69. 

1) en el antecamara del aposento de Su Magestad, Actas 11, 20^ 
tüo aud^ bie nad^folgenben ©injel^eiten bef^rieben ftnb. 



8 S)er ©trafbefti^Iug gegen glanbern. 

^alafte am 25. gebruar 1563 iptrb er atö obcrftcr §o^ 
beamtet bei emäiinung beg §offtaate§ l^eröorgel^oben. 

©er Äönig liefe fid^ bei ber, tpie eg fd^eint, bieömal be^ 
fonberS feierlid^ geftalteten Sröffnung auf ber Sftrabe unter 
einem ^^^ronl^immel auf einem SSroJatfeffel nieber; auf einem 
gtoeiten 95rofatfeffeI, bod^ nidE|t mel^r unter bem ^^Ijronl^immel, 
fafe ber in allen 9?edE|tgformen anerfannte SReid^^erbe, „ber 
burd^IaudEitigfte 5ßrinj, unfer |)err" ©on (Sarloö. hierauf 
nat)men auf be§ Äönig§ SBeifung bie Eorte§ — gleid^ bem 
^offtaate auf teppid^belegten SBänIen — il|m gegenüber il^re 
5ßlä^e ein. ©ann t)ernal|m bie SSerfammlung bie lur^e Sln^ 
fpradEie iljreS Könige. Unmittelbar brad^ten biefe SBorte bie 
ftolj gebietenbe Stellung ^) in Srinnerung , tpeldEie bei ber 
legten Eorte^eröffnung (25. gebruar 1563) für ©|)anien in 
SlnfprudEi genommen tpar, bornel^mlid^. jur ©id^erung beS 
Iatf)oIifdE|en ®Iauben§, audEi burdEi militärifd^e Snteröention 
in bie franjöfifdEien SReligion^IjänbeL 

S)er^önig Ipxaä): „5lu§ ber ©otfd^aft (proposicion), tueld^e 
@udE| beriefen tuerben tpirb, itjerbet S^r ben ßuftanb ber 
Slngelegen^eiten ber St)riftenl|eit unb biefer Äönigreid^e er^ 
fatjren, baju ba^, toe^l^alb Sc^ ®udE) ju berufen anorbnete. 
S)amit Si|r bag mel^r im Sinjelnen öernel^met, l^abe Sd^ be* 
füllen, bafe e^ (S^mij münblidE) auö einer Slufgeid^nung t)or^ 
getragen tüerbe ^" @§ folgte bie Iöniglid)e SBeifung an bie 
ftäbtifdEjen Sßertreter, it)re §äupter ju bebedfen. 



1) Actas I (1861) 18 fg. %h fitftorlfd^e ©roBartigleit beS bamalg 
entworfenen, wa^rl^eitSgetreuen S3UbeS ber „bem glü^enbften SSerlangen 
be§ fpanifdöen ©emüt^eg fo ganj ange^3a6ten !atl^olifrf)en 2Belt^)oIitif" 
l^at f^on ©rid^ SUlarcI«, bie Sufamntenfunft öon Söa^onne (1889) 17 
nnh 326 l^eröorgel^oben. 

2) y para que mas particularmente lo entendais, e mandado 
que se OS digan por escripto. Actas II 21. 



3)ie 2:§ronrebe be§ Königs. 9 

®ann öernatinten biefe cafttlifd^en (Sottet ben t)on einem 
©taat^fefretäre mit lauter, beutlid^er ©timme gel)altenen SSor* 
trag ber Sotf(f)aft ®^ tüaren ernfte, gu if)ren ^ergen 
bringenbe SBorte, geeignet il^re religiöfen Überseugungen, 
tok ii)x nationales' @f)rgefül)l ju entflammen. 

9iad| ber formellen Ginleitung tt)urbe bie SSerjammlung 
an bie 3^"9^iff^ gegenfeitiger Siebe ätoifd^en bem Könige 
unb feinen fpanifdien SReid^en erinnert, ^ß^ilipj) II. liefe nur 
Ijerborl^eben, ia^ er in benfelben ununterbrod^en feit ben legten 
6orte§ getoeilt l^abe. Sn ber %'i)at fonnte er aber- bei Seber*= 
mann bie Erinnerung borauSfe^en, bafe er feit fieben Scil^ren 
ben fpanifd^en SBoben nid^t Derlaffen ^attt, tva^ feinem laifer^^ 
lid^en SSater nur einmal, bis jum Satire 1529, möglid^ Qt^ 
njefen tDar^). 

Sn ben näd^ften Slbfä^en tpurben bie ©orteS auf bie 
Xptigfeit aufmerffam gemad^t, tpeldje bie 3iegierung feit 
il^rer legten ^Berufung t)ornet)mIid^ für bie SlufredE)t{|aItung 
be§ fatI)oIifd)en ®IaubenS unb für gute 93eäiet)ungen gum 
apoftoIifdEjen @tut)Ie entfaltet f)abe; nur in feinen SBenbungen 
über ben ©ifer in SluSf üf)rung beS S5efdE)Ioffenen 2) toirb fjiebei 
auf bie ©ditoierigfeiten beS 3tbfd|IuffeS beS tribentinifdE)en 
(SonciliumS burd^ fpanifdje Sluglieit unb SKäfeigung l^in^ 
getüiefen. 3^8^^^^) njirb bem feit SciI)reSfrift I)ingefd)iebenen 



1) tarl V. mx toom 16. 3uli 1522 IM jum 27. (28.) Suli 1529 
in ^pamtn. ©tälin, Slufent^altSorte Äarlö V. (gorf jungen jur 
beutf^en ©efd^id^te V) 568 unb 570. ©ad^arb, coUection des voyages 
des souverains II (1874) 32 unb 46. 

2) Con esto mismo celo y fin Su Magestad a tenido gran 
quenta y cuidado y prouehido muy particularmente en que los de- 
cretos y ordenaciones y mandamientos de la Santa Madre Iglesia 
en estos Reynos y en los otros sus estados se guarden, cumplan 
y executen especialmente aquellos que se hicieron y ordenaron en 
el Santo concilio de . . . Trento. Actas II 23. 



10 ^e» ©trafbefd^Iug gegen glanbem. 

^aipft $ßiu^ IV. unertüartet t)iel So6 gefpenbet 2)te S5e^ 
leibigung, tüelc^e t)or tDenigen 3Bod)en t)on bem regtercnben 
5ßapfte 5ßiu§ V. burd^ einen ©pecialgefanbten beSfelben bem 
Äöntge totberfafjren tüar, tnirb nid|t au^rücilid) ertüäl^nt; 
\>oä) tptrb nn§ bie Slngelegenl^eit nodi gegen (Snbe biefe^ 
SBud^eg befd^äfttgen. Snt Übrigen tpirb ber Unterftü^nng 
gebad|t, njeld^e bie caftilifc^e ®eiftlid^!eit in il^rem »erufe 
t)on Seiten ber ^Regierung erfal)re. 

Sn ben folgenben @ä§en !onnte ber Äönig mit ®enug== 
tf)unng an feine nmfaffenbe X^ätigfeit für bie innere tüie 
bie ändere @id)ert|eit be§ Steic^e^ erinnern. ®r f|ob btn 
tiefen grieben I|ert)or, tüeld^er für alle (Sintpofiner of)ne Untere 
f(f)ieb in ben ^n (Saftilien geijörigen ©ebieten I)errfd^e. S)iefe 
®icf)erl)eit ttjar burd) be§ Sönig^ ftrenge, anfmerffame unb 
unparteiifdie ^anbtjabnng ber mit ja^Ireid^en SSerfügnngen 
burd£)an§ öerbefferten Suftigpffege genjonnen. 3JKt Siedet 
lonnte in ber 93otjrf)aft öon il)r gerühmt tnerben, fie tüerbe mit 
„9fleblid)leit 9leinl)eit unb greiljeit" ge^anb£)abt. Slud^ burfte 
bie ^Regierung mit ®elbftgefül|l in^ ®ebäd)tni§ rufen, bafe 
fie burd) befen[it)e SRa^regeln unb Slu^rüftung t)on ©jpebi- 
tionen bie ®id)erl)eit be§ Sanbe§ flogen bie muf)ammebanifd|en 
Spürten unb SRorbafrifaner ju fc^ü^en njiffe. S0tit fo biet 
SBurbe afö S3ejrf)eibenl)eit tüirb bann ber fpanifd^en Streit- 
fräfte gebadet, tt)eld)e ben Sof)anniterorben auf Sötalta (1565) 
üon ber Sebrängnig burc^ bie dürfen I)atten befreien 
Iielfen. ®iefer Sfjeil ber S5otfdE)aft fd)Iie§t mit Darlegung 
ber aSerpflidEjtung be§ Sönigg, feinem „©ruber", bem ^atfer, 
mit njeldjem if)n „grofee Siebe" öerbinbe, gegen bie türlifd^en 
5lngriffe in beffen Sanben burdC) Slufftellung einer ftarlen 
Slrmee unb anbere SSeranftaltungen beiäufte{)n. 



(SaftilienS Stuf gäbe im ©efamtreid^e. n 

(Ia|iiltett0 Aufgabe im (5efamtret(l)e. 

„©t^, ^anpt unb öornel^mfter %\)dl fetner Staaten finb 
biefe Äönigretd^e". 9Kit biefen t)on ganj @i)anten ge^ 
brandeten, bod^, tüte Sebermann unter ben bei ber (£r= 
öffnunggfeter Stntüefenben em^jfinben mufete, tüefentlid^ bon 
©afttlien geltenben SSorten läfet ber Äönig afö feine in ber 
SRatur ber !£inge liegenbe Slbfid^t au8f predien , l^ier feine 
bleibenbe Stefibenä nel)men ju tüoHen*). S)ie 9fiebenrei(f|e 
t)on Slragon mit Satalonien unb SSalencia toaren burc§ ilire 
^artifularred^te unb jum %tik tDunberli^en greil^eiten ge^^ 
lätjutt unb ol^ne red|te ®ic^erl)eit be^ SSerIeI|r§ im Snnem, 
o!^ne gäfjigfeit energifd^er Äräftefammlung für dunere Stetion. 
3n SSalencia luar überbie^ bie maurifdö=arabifd)e SBeööIIe^ 
rung big jum 3al)re 1523 aud^ an Qai\l übertoiegenb ge:= 
tüefen, bann nad^ bem Siege ber !öniglid)en unb i)od^abeIigen 
aSaffen über bie aufftänbifd^en ©emeinen bod^ nur geUjalt^^ 
fam befetjrt tuorben^). ©rufte Ääntpfe, tüeld^e aud^ in 
ßaftißen gegen foIdE)e SRorigfen nod^ unb fd^on toieber bei 
beren Slufftanbe im ©eptember 1568 nöt^ig Ujaren, I)atten 
bodö nur einen befd^njerlid^en (SI)ara!ter. 

9Son bem ®efid^t§j)unlte if)rer gebietenben (Stellung in 
aüen aufeerlialb ber iberifd^en ^albinfel gelegenen Sanben 
ber caftilifÄien ÜKonard^ie — gleidEifam ^onbomänen tDie 
3D?eji!o unb 5ßeru ^) — l^atte bann bie caftilifdEje SSoIteöertretung 



1) Su Magestad ha residido en estos Eeynos, en los quales a 
sido y es su continua y ordinaria residencia, por ser como son la 
silla, cabeza y principal parte de sus Estados. Actas II 22. 

2) Saumgarten, ©efd^td^te be§ ÄaiferS Äarl be§ fünften, IIa (1886) 
145 flgbe, IIb (1888) 78. 

3) Que parecia que se dava a S. M. muy poco por aquel peda^o 
de tierra por tener muchos reynos — bie S^iieberlanbe fittb ja tüirfs 



12 S)er ©ttafbefd^lug gegen glanbem. 

ben »eridit über eine fc^tpere, tl|r tüiberfa^rene »eletbtgung 
SU berne^men, über eine Uranfang in i^ren tieiügften Über^ 
Beugungen unb an ber S^re i^reS, mit feinem caftttifc^en 
aSoIfe augenjc^einlic^ in religiösen fingen gleid) empfinben-^ 
itn Äönigg. S)ie SWittfieitung in ber »otfc^aft erfolgte mit 
ber au^brüdlid^en SSorauöfefeung, bafe bie SSerfammlung mit 
bem SBefentlic^en ber nieberWnbifc^en Unruhen befannt fei: 
„tt)ie St)r ge^rt t)aben tperbet". M finb bann", fagt bie 
SBoi^d^aft, „bie Steuerungen, Öetpegungen unb SßoIBaufläufe 
in gianbern eingetreten". SKit biefer 5ßrot)inäiaIbeäei(f|nung 
tDerben bie «Rieberlanbe in^gefamt unb mit ben mafebolten 
SBorten über bie borttgen Slufftänbe t)ornef)mIid| bie no^ 
äu erörternben Sird}enplünberungen gemeint. 

Slbfidiien be0 lontge in ben Uteberlanben^ 

gormett tüurbe bei einer öeratijung ber i3ornet)mften 
fpanifdien $RatI|geber ^^ilipp§ IL am 29. Dftober 1566 burd) 
eine, mit ben ^jolitifd^en ganj befonber^ bie religiöfen SWotiüe 
erörternbe, ®cf)Iuferebe be§ ^erjogg öon Sllba bie fd^ärffte 
Seftrafung ber nieberlänbif^en 2lufrül)rer unb ^e|er be^ 
fd^Ioffen. Ob ber SBortlaut biefer Siebe bei (Sabrera, bem 
SBiogra))^en be§ Sönig§, ed^t überliefert fei, möd)te id| hoä) 
ni(J^t fo beftimmt n)ie 2lnbere bet)aupten unb tüie felbft ber 

It(Ö „dn @tüdd)en ©rbe" gegen ba§ fonftige ^red bon ^:^iIH3<D'§ 
[Retd^en. — ©o jprad) am 26. SuU 1566, wie eS fc^eint, im ^arf= 
fd)lofie (S3o§que) bon ©egoöta felbft unb unmittelbar nad^ einer (Si^ung 
be§ f öniglid^en eonfeil, ber für feineS belgif(S^en SSaterlanbeS (gl^re, iRec^t 
unb grei^eit begeifterte SJlarquiS bon aJlontign^ ju ben beiben nieber= 
Iänbif(!^en (Staat§fe!retären beS lönigS nac!^ einem SSriefe Sllonfo'S be 
Saloo an ben ©rafen ^oorne bom 3. §luguft 1566 (3Jlontignt)'§ leven 
en dood Bylage 12 bei (Sacf)arb, ^on Garlo§ 347). 



Slbfic^ten be§ ^önigä in ben S^iieberlanben. 13 

t)orfid^tige belgtfd^e Slrd^ibar ®ad^arb in 2)on ®arIo§' Seben 
getoagt l^at; benn ju fel|t ift audi ©abrera bon bem un- 
glüdEIid^en SSorbilbe ber erfunbenen Sieben bei bem alt* 
römif^en ©efd^i^tfd^reiber Sibiu^ abl^ängig, alä ba§ man 
i^m für gefprod^ene SBorte ol^ne toeitereö ©lauben fd^enfen 
bürfte^). 9lud^ l^at ber beretpigte ®ad^arb felbft fogar bie 
tt)ie mid^ bünft, tpenig gntreffenbe SRögli^Ieit offen gel)alten, 
bafe ber Äönig biefe Siebe mit bem ^erjoge berabrebet l^abe. 
Sn ber 3;i|at bürfte aber ber entfd^eibenbe @nt[d)Iu^ ^I)ilipp*g 
anberg jn erHären fein, nad^bem bief er gürft $!Ronate lang 
in feiner nad^ fo bielen ©eiten beranttnortnng^bollen ©teßnng 
ben rid^tigen SSeg gefud^t i^atk. 

So liegen nämlid^ bon bem franjöfifd^en S3otfd^after am 
fpanifd^en |)ofe, toeld^er burdEi bie Königin, eine franjöfifdEie 
Äönigötod^ter, oft entfd^eibenbe ?iad^rid)ten erl)ielt, ätnei für 
biefe x^xaQt erl^eblid^e Söriefe bom 21. unb 22. September 1566 
t)or2). Sn bem erften berid)tet er: „ber ^erjog bon 9llba 
ift niebergefd^Iagen (marri) big jnr SBerätpeiflnng tcegen ber 
SSersögernng nnb Sangfamfeit, toeld^e ber fatt)oIifdE|e König 
antt)enbe, oI)ne ben Unorbnnngen bon glanbern äu begegnen; 
er toitt proteftieren nnb fidf) bann äurüd£äiel)en, bamit bie 
©d^nlb an bem SSerInfte il^m in 3i^^^f^ ^^^^ jngefd^rieben 



1) (£t leitet bod^ aud^ bei biefer Söeratung bie Sllba'g 9tebe öor]§er= 
gel^cnbe SJlanrique'S mit ben ^Sorten ein: dixo palabras casi seme- 
jantes. S)ie (£inleitung§tt)orte für Sllba^ä Otebe l^aben freilid^ ben 
(Beisein ber ^djtl^eit: El Duque dixö. Luis de Cabrera, Don Felipe 11. 
(1619) 414 bis 416. 

2) üJad^arb, la bibliotheque nationale ä Paris II (1877) 215, bringt 
bie entfc^eibenben ©ä^e au§ biefen ^Briefen. "Slaä^ ben nodft ju be= 
fpred^enben SBriefabbrürfen be§ 93otfd^afterS bei S)u $rat nnb bcffen 
Äritifer ©affarel erfrf)eint ein balbiger öoüer Slbbrucf ber inl^altreid^en 
SJorrefponbenj in ben Documents inedits um fo ertüün fester. 



14 2)er ©trafbefc^lu6 gegen glanbcrn. 

roerbe". ©d^on am folgenben STage aber fdiretbt er: „ber 
IatI)Dltfcf|e Äönig. i)ai an ben gatfer gefenbet, um ju erfahren, 
toaä beffen Stnfic^t über bie ffietje nac^ gianbern ift (5^ 
wäre mertoürbtg, ttjenn ber ^erjog i)on SHba ni(f|t juerft 
Ilinginge, um bie 3tngelegenl)eiten in Drbnung ju bringen unb 
e§ mit bem $öbel aufjune^men *); e§ ift bat)on im ^arffd^Iof je 
(bei ©egoöia) bei ber SBerat^ung am legten (Sonntage bie Siebe 
gettjefen; genannter ^erjog t)at bie ®id^t an beiben güfeen". 
3n biefen . S;agen bürfte ber Siönig feinen (Sntf^Iufe 
über bie 5Riebertanbe gefaxt ^aben. ©afe man fi^ über bie 
ungemeine (2d)tr)ierig!eit einer ri^tigen (Sntfdjeibung in 
^i)ilip))§ fo überaus f^tt)ieriger ^ßofition nic^t täufdje! gür 
aUe bie §od)^eräigIeit, trabitioneße unb jum S;i|eile Verbriefte 
Sered)tigung ber nieberlänbifc^en Dppofition gegen fein 
centraIiftifd)=monard)ifd)eg ©^ftem t)atte er, aud) nac^ feinet 
aSaterg Sluffaffung, feinen @inn; aber einüerftanben tüar er 
mit beg ^arbinal ©ranöeEe, n)ie man nun n:)eife ^), ©elgien 
im Übrigen fo überaus freunbli^en ®eftd)t§punlten; aud) 
t)on beffen SRifebiUigung ber gräfelid)en Z^aUn %lba'^ in 
ben SRieberlanben toar er unterrid)tet; aU er, fobalb e§ an^ 
ging, ©ranbelle jur Öeitung ber ©efd^äfte nad) 50iabrib be^ 
rief. Sefet entfdjlofe er fi^ aber, nad^ SUbtfS Slat^e ^n 
:^anbeln. ©erabe biefen 3tatt)geber, äugleid) feinen beften 
(Senerat, beftimmte er, fd^toerlid) nad^ beffen aBunfd)e, für bie 
SSottftredung. 2)enn Sllba toar in einen ^eifeen £iebe§i|anbel 

1) Sera grand' chose, si le duc d'Albe ne passera premi^rement 
pour aller dresser les affaires et recevoir la masse. S)er leitete ^US- 
bturf läßt mehrere Deutungen ju. S)le im ^ejte angetoenbete leibet an 
bem (Sebrauc^e öon recevoir ftatt reprimer; bo(^ fij^eint fie mir am 
e^eften guläffig. 58gl. Littr6 dictionnaire unter recevoir p. 1596 n. 25. 

2) Sfiad) ben treffenben S8emer!ungen ©^arleS ^iof§ (1884), öon 
lueld^en gegen (Snbe biefeS S3uc^e§ noc^ näl^er bie 9^ebe fein toirb. 



^bfi^ten beS ^önig^ in ben SfJieberlmtben. 15 

mit einer ^ofbatne bcr Königin öerftricft, tpälirenb er eben 
feinen ©ol^n griebrid^ mit fedigjätirigem SÄilitarejile l^atte 
beftrafen laffen, nieil berfelbe fi^ ol^ne bäterltd^e (Srlaubni^ 
mit einer anbern S)ame öerlobte ^). ^aä) feiner ©rnennnng 
I)at er and^ über ©ebül^r mit bem Slbgange an§ ©panien 
gezögert 2) unb nod^ in 3;irIemont mit bitterm ©d^erje 
(22. 5lnguft 1567) jn (Sgmont gefagt, er I)cltte il^m „in 
feinen alten 2:agen'' bie Wtüi)t biefer toeiten Steife erfparen 
!önnen^). S5ei bem Slriege gegen ^^ortngal {)at ^I|iIit><J 
feinerfeitg fid) im SRärj 1580 nnr tüibertoiEig nnb gegen 
feine Steigung ^) entfdjloffen, anf ba^ Slnbringen ber ÜJiinifter 
mit bem Äommanbo ben ^erjog t)on Sllba jn betranen, 
tüeld^er in gänjüd^e Ungnabe gefaHen toax, todl er bie 
©d^ttjäc^e gel)abt f)atte, eine I)eimlid^e, nnel^ren^afte §anb- 
lung feinet ®oI)ne§ ju begünftigen. 

5luf alle gäHe toar be§ Sfönig^ Sntfd^Infe ^n fd^ärffter, 
t)on an^reidienber SRilitärmad^t nnterftü^ter Seftrafung ber 
SRieberlänber gefaxt, afö er feine caftilifäjen EorteS an jenem 
SBintertage öon 1566 eröffnete. 

3Kit jener fd^önen SRä^ignng, tpie fie ben atl)enienftfd^en 
9tebnern be§ fünften öordjriftlid^en 3af)rf)nnbertg and^ bei 
fnr^tbaren SRatl^fd^Iägen eigen ift, tuerben bie @trafabfidE|ten 
in bem SSortrage be§ fpanifi^en Staatsmannes ange:^ 



1) S)e<)efci^e beS franäöftfd^en S3otfci^afterg, 5. Sanuar 1567. 
©ad^arb, bibl. nat. ä Paris II 227. 

2) (Sboli fagte am 26. Sunt 1567 ju bem ftansöfifd^en iBotfd^after, 
%\ba l^ätte §tt)ei SJlonate früher abreifen fönnen. ®a^arb, 3)on ©atloS 
II 404. 3n ber X^at berlieB 5llba 2Jiabrib erft am 15. 5t<3nl 1567. 

3) ^6f)n Sotl^ro^) Wloiltt), rise of the Dutch republic (Sei^Jjig 1858) 
n 97. 5llba mx 1508 geboren. 

4) plustot chose forc6e et ne pouvant moins que non volontaire 
et agröable. Stu§ einer SJiabriber 3)e^efd^e beS ^otfd^aflerS Saint 
©ouarb bei ©ad^arb, bibl. nationale ä Paris II 592. 



16 5)er ©trafbef(ftlu6 gegen glanbern. 

lünbigt. „Seine SRajcftät ^at aüe bie SSeranftoItungen unb 
SSorfel^rungen getroffen ober jn treffen befot)ten, njelc^e mög:^ 
lid^ toaren unb in feiner Slbtpefenl^eit ftatt f)a6en fonnten, 
unb fie ^at fid^ aßmä^tid^ ber anberen SÄittel unb gormen 
bebient, toeld^e geeignet fdieinen, um ba§ in SBettjegung ge== 
fommene Übel ju l^emmen ^) unb jene ©taaten ju berut)igen 
unb in grieben ju fefeen." S)ie für ba§ grü^jafir in 2lu§=^ 
fic^t genommene SReife be§ ^önig^ nad^ glanbern unb bie 
eben angebeuteten SSeranftaltungen mad^en SluSgaben nötl^ig- 
gür biefe toerben aud^ bie ©orteä in 3lnfi)rudt) genommen ^), 
toie benn ©elbforberungen überl)aupt ben ®df)Iu§ ber S5ot^ 
fc^aft bilben. 

Die Corte0 gegen bie Hieberlanbe* 

Unmittelbar erl^ob fid) ein 5ßroIurator öon SBurgo^ äur 
Slnttoort. S)er König ^at audf) bieSmal im ©inne ber 3Jia=^ 
jorität an Siolebo^g So^alitat a))peniert, tüddjt^ ben SSorrang 
nad^ einer uadEitpei^IidEi feit 1348 beftrittenen (Stilette t)tx- 
langte unb beffen SSertreter fdE)on bei ^Beginn ber Eröffnung^* 
feter öon 1563 il)ren SlnfprudE) fo I)eftig geltenb mad^ten, 
ba§ fie öon jnjei ^ofpoliäeibeamten jur 9iut)e genötl^igt toerben 
mufeten ^). 3iad) bem Snljalte mufe Söurgog' Slntnjort irgenb=^ 
njie t)or ber geier t)on ben deputierten ertoogen unb ge- 



1) para atajax este mal que se ha movido. Actas II 29. 

2) S)ie Hilfsmittel für bie S3eftreitung ber Soften ber ©j^iebition 
nad^ ben 9lteberlanben finben fic^ übrigen^ lü ®ad^arb, S)on ©arloS 
367 bi§ 371 jufantmengefteHt. 

3) Actas I, 27. ^ie fctjon am 25. gebruar 1563 gebrauchten un\> 
je^t öon ^l^iltpp IL lüteber^olten SSorte Toledo harä lo que yo 
mandare; hable Burgos! (Actas I, 28 II 32) ^aben, aud^ bei SRanfe 
irrig bie S)eutung eineS befpotifc^en ^!te§ erfa:^ren. 



2)ie ßorted gegen bte Sf^teberlanbc. 17 

ncf)migt toorben fein; fte brüdt stoeifellog i^rer SlHer SKei^ 
nung an^. ®te nimmt bon bem übrigen Sn^alte ber 95otfd)aft 
tücntg SRotij nnb betont auf baö fcf)ärffte mit ber §errfd^er* 
fteHnng, aud^ in Sejug auf bic SWiebertanbe, bie bon bem 
©taatgfefretär nur mit ben SBorten bou „bem ©ienftc ®otte§ 
unfrei §errn" berührte religiöfe ©eite ber bortigen Unruhen. 
3n beg Sönig§ §anb t)abe ®ott nic^t nur jum SBiber^^ 
ftanbe gegen bie 3;ürfen ba§ borjuglid^fte Heilmittel gelegt, 
fonbern aud^ gegen alle bie 2lbtoetd^ungen unb Srrt^mer in 
bem großem 3;^eile bon Europa. 5)ie caftitifd)en Sönig:^ 
reidie begreifen bie SRotfitoenbigfeit großen (Selbaufttjanbeö ju 
fold^em Qtotdt „unb nid^t minber ertodgen fie bie großen 
Slu^gaben, toel^e nötl)ig fein ttjerben jur Leitung bon Gurer 
SRajeftät Staaten bon glanbern ^). ©in großer %i)t\l biefer 
©taaten folgt ber äJieinung ber unglüdüc^en unb unfeligen 
ipäretifer unfrer Qtxt, I)at fic^ bon ber ©intjeit ber latfjolifc^en 
Äird^e loSgefagt. ®ie leugnen ben fdE)ulbigen ®ef)orfam 
gegen ®ott unb (Sure äJiajeftät; fie t)aben leine 2ld^tung für 
bie öffentlid^e SRu^e unb bie ^anbl^abung ber Suftij; fie finb 
in bie gäl^re it)rer bertoerflid^en unb blinben Sluffaffungen 
eingetreten; ba ^at fie ber ©türm in fo grofee SSerirrungen 
unb Übel gefdjleubert, bafe e§ fid^ nidE)t leidet au§fprec^en, 
norf) f)inlänglirf) beflagen Id^t.'' S)ie caftilifdE)en SReidtie 
toerben, ttjenn be§ Sönigö SReife nad) glanbern unbermeib* 
lid^ fein foHte, feine 2lbttjefen^eit aug guten ©rünben „fd^toer 
cmpfinben"; „atö I)ödE)fte ®nabe, SBo£|Itf)at, SSefriebigung 
tocrben e^ feine I)iefigen Untertt)anen empfinben, toenn er 
bei it)nen bleiben fönne." 



1) y tambien consideran los muchos (gastos) que seran ne- 
scesarios para el remedio de los Estados de vuestra Magestad de 
Flandes. Actas II 32. 

©übingcr, Xon SarloS' ^aft unb Xoö. 2 



18 ^er ©trafbefc^luft gegen gflanbcrn. 

SRadö einigen heiteren, fel^r ernft gemeinten unb fe^r 
innigen |)ulbignngen folgt bann bie gormnlierung eineö 
eventuellen SBunfd^e^ biefer loyalen (Sottet in ©ejug auf 
35on 6arIog. S)iefer SBunfä) l^at bie efirentoert^en §erren 
nod^ im Saufe biefer ©effion in einen fo tounberüd^en tpie 
anftö^igen ©onflict mit bem franfen Xfironerben bringen 
foUen. 

S)er fd)tt)ülftige ßorte^rebner fiatte bie SBirfungen ber 
(£igenfd)aften be§ Äönigg alö ein 6(^0 (resonancia) öon 
®otte§ (Slorie unb ber ®lüdfelig!eit tDie beg guten ®efd)ide§ 
berer ge|)riefen, n)eld)e ^tjilip^) 5um Sönig unb |)errn Ijaben. 
®ann ful^r er fort: ,,2)iefe ©tüdfeligfeit unb bie§ gute &t^ 
\ä)xd finb um fo größer, ate fie fid^ fortfej^en in bem fel^r 
erlaud)ten unb grofemäd^tigen ^ßrinjen, unfrem §errn, in 
tüeldjem betüunberungötoürbig toieber erglänät bie ®rö§e, 
SRilbe, §odE)t|erjigfeit unb §errlid^leit mit ben anberen 
großen S^ugenben Surer SJiajeftät in ber glüdlidiften 9?adE)' 
al)mung. 9Kan fann alö fidfjer annel^men, bafe @ott, njetd^er 
Surer SKajeftät grofee 9ieid^e unb ^errfd^aften gab, toeld^e 
5!RitteI finb jur Teilung fo großer Übel, (Surer SJtajeftät bei^ 
fielen njirb, i>a^ ba^ gute unb erfe^nte Qid erreid^t ttjerbe." 

9^ad^ bem 3"f^^^^"^^^9^ bebeutet bie^ in einfad^en 
aSorten ben SBunfdE), ba§ S)on SarloS, toäfirenb ber etttja 
notljtoenbigen flanbrifd^en SReife be§ S!önig§ gur Seftrafung 
ber Ubeltl)äter, im ©inne feinet SSater^ aB beffen ©telloer^ 
treter mit ber 8iegentfdE)aft in Spanien betraut toerbe. 

2)ie Siebe fd^Iiefet bann mit einer SSariation aller ber 
nod) I)eute bei ben europäifd^en feftlänbifd^en SBoIföbertretun- 
gen in monardjifd^en Staaten üblid^en toot)IfIingenben @r^ 
fidrungen befter 3lbfic^ten unb befc^ränlter (Selbmittel. %üx 
einen Iieutigen Sefer ift bod^ nidEjt gan§ lei^t begreifüdö, toag 



^eg ^önigd ©d^Iugtoorte an bte (Sorten. 19 

ber franjöfifdie SBotfi^after berftd^ert: biefe Siebe fiabe aUe 
?lnh)efenben ju 5;^ränen gerül^rt *). 



Hts löntga <Sil)ltt|n)orte an bte Corte0. 

Slud^ ber ^önig fagte ettoa, toa^ nod^ l^eute getoö^nüd^ 
aug furftlid^em 3Kunbe nad^ ber Ü6erreid)ung bon :parla== 
ntcntarifd^cn Slntoorten auf 2;f)ronrebcn geprt iotrb. 
^f)ilipp n. erflärte „bem Äömgreid^e", b. ^. ben SSoIf^ber- 
tretern, er banfe t^nen für ben guten SBiden, Ujetd^en fie in 
feinem Sienfte gegeigt l^aben; berfelbe entfpred^e bem, nja§ 
tx bon ilinen ertpartet l^abe unb ber ^^reue, mit njeldEjer i^m 
ju bienen biefe Königreiche getoofint feien; aud^ glaube er, 
bafe fie biefelbe betoal^ren unb t)ierü6er in SSerbinbung mit 
ifirem 5ßräftbenten — eö ift S)iego b'Sfpinofa gemeint, ju* 
gleid^ ©rofeinquifitor unb Seiter be^ ]^ol)en ?tiaii)t§^ bon 6a== 
ftilien^) — uub ben i^m ßnget^eilten ber^anbeln n)erben; 
er ertparte baö aud^ bei ben übrigen 2(ngelegent)eiten, todäjt 
t)on feiner ©eite bem ßönigreid^e Vorgelegt unb if)nen be-- 
tic^tet tuerben foUen. „hierauf erhoben fid^ 3f)re SJiajeftat 
unb ©eine §o^eit bon it)ren ©effeln unb begaben fid^ in 
i^re ®emädt|er" ^). 



1) . . . amplifiant de sorte sa harangae, qu'il esmeut les larmes 
ä aucuns assistants. Gachard, bibl. nationale ä Paris II 227. 

2) (grft anfangs 1568 ©arbinal, fnr^ öor bem 1. 2Jlal 1568 Sifd^of 
t)Ott ©iguenja, aB S^at^folger beg, nur mit ©pameinonbaä öetgteid^baren, 
fetbftlofen SBiebererobererS öon ^eru gegen bie rebeUifd^en ^ijarro, 
bcS im ^fioüember 1567 geftorbenen 2)on $ebro be la ®a§ca. Gachard, 
Don Carlos 247 fg. Prescott, conquest of Peru (ßonbon 1858) II 
287-302. 

3) Actas II 34. 



20 ^er @trafbefd^Iu6 gcßcn glanbem. 



aSer ben, t)on ben übertriebenen Slu^brücfen beS 9fieb^ 
ner§ bon Surgoö cibgcfeljen, überaus einfad^en unb anfd^au^ 
üdien öertdit über btefe (gröffnung^feier jur §anb genom^ 
nten ijat, tütrb bie Scftüre mit ber ©mpfinbung beenben, bafe 
tf)m I)ier eine ftarf unb ftols ausgeprägte aSoIföinbiöibualität 
t)on i)o\)tx, eigentümlid^er Söilbung gegenübertrete. S)em dtt^ 
genten biefeg fpanifd^en unb fpecieU biefeS caftiüjdien Sßolfe^ 
ift eine gro^e 2Äacf)tfüIIe äugetoiefen. (£r fann fid^ berfelben 
aber nur in beftimmter SRic^tung bebienen, fo ba§ jebe er^^ 
liebliche 2lbn)eid)ung bie ©siftenj feiner 9Kad)t in ®efal)r 
bringt. ®enug, n)enn biefer fpanifd^e Äönig ben Sßer^ 
pflicf)tungen notf) natf)fommen !ann, tüeld^e i^m afö öfter- 
reitf)ifd^em ©r^tieräoge, bann awij atö beutfd^em 3fleid^Sfürften 
obliegen, doppelt entpfinblic^ muffen xi)m, ber burdf)au§ an 
ben Srabitionen feinet faifertid)en SSaterS feinen SBeg finbett 
möd^te, bie nieberlänbifcfien Setüegungen fein, beren Seitung 
ober SBänbigung er fo lange al§ möglid^ feiner t)erät)aften 
unb einfid^tigen §aIbfcf)tDefter, ber ^erjogin öon 5ßarma, 
überlaffen t)at. 

9tun aber ^aben fie eine ©eftalt angenommen, loetd^e 
be§ S!önigg 5ßofition in feinen fpanifc^en Sanben, ingbefonbere 
feinem caftilifc^en 9teic^e gefäl|rbet, in bem ©ebiete, toclc^eö 
er felbft, toie toir fa^en, unb böffig jutreffenb afe „<Bx^, ^aupt 
unb üorne^mftenSIjeit feiner Staaten" bejeidjnete. ^a^ langem 
3ögern I|at fid) W^^P H. entfct)loffen, ber fpanifc^en Über- 
Seugung gegen bie 5RieberIanbe freie §anb ju laffen. SStr 
ttjerben nocfi fe^en, tüie aud^ S)on SartoS biefe Sluffaffung 
t^eilte. 



S^iebcrlänbifc^e SJerle^ungen caftiüfd^er empfinbung. 21 

Hieberlanbtfdje Hetleluttgen tap:iUf(l)er dmpjxttbttttg. 

Sn bcr Srbitterung gegen ,,gtanbern", tueld^e ficf) in ber 
Slntoort auf bie 3;i|ronrebe augf))ritf)t, brid)t ein lange ge= 
näl^rter tiefer ©roß burd^, tneld^er fic^ bei ben ©aftilianerri 
gegen bie SBeööHerungen ber reid^en nieberlänbifd^en ®ebiete 
tl^reg Sönigg gebilbet t)atte. SSon fpanifc^em ©eftd^tgpunfte 
ift eä eine nun unertragltdt) getporbene ©umnte bon Unbill 
nnb ©ünbe gegen ©:panieng Sieligion unb (S^re, tod6)t ftd) 
bollenbg feit be§ ^önigS Slbreife öon bort (?Iuguft 1559) 
anget)äuft fjat. 

9lun l^atte 5ßt)ilip)} IL freitid^ fd^on bamalö ben 3lb= 
marfd^ ber ettt)a biertaufenb 9Kann ^) betragenben ©arnifonen 
fpanifd^er Infanterie äugefagt. (£ben ixt\t Slru^jpen aber er^ 
toiefen fid^ befonber^ juberläffig bei ber immer naf|e liegen^ 
ben 9iot^tt)enbigIeit beö Sinfd^reiten^ gegen bie bortigen, ber 
föniglidöen tuie ber fird^Iid^en ©etpalt n)iberftrebenben Sbel* 
leute unb SBürgerfc^aften. SBibertoiHig genug l^at fie ber 
Äönig boc^ in ber SSinterlälte 2) t)on 1560 auf 1561 ein^^ 
fd^iffen laffen, 'äunäd^ft jur ©ienftleiftung in 9?eapel unb 
©icilien, bo^eigentlid^äum Kriege gegen bie norbafrüanifd^en 
3RuI)ammebaner. Sebermann wn'^tt, ba§ bie Slbberufung tüegen 
ber üblen (Stimmung ber SRieberlänber erfolgt ttjar. ®a 



1) SWotle^ I 238 ttjol&I nad^ einer Überfefeung öon ^a^en'S $anb= 
fd^rift gibt: hardly to four thousand men unb I 247 nad^ ben Sfiiebets 
länbcm : ä»iWen 3-4000. SÄoria SRttter, ©cutjc^e ©efd^id^te im 8ett= 
alter ber ©egcnreformation (1889) I 321 l^at etwa 4000 aJlann. 

2) ^o(ti Safuente XIII 158 ^tU baS untoiHig l^eröor. 9^ad^ ben 
©riefen ©ranöefle^S — biefe 9f?amenform ift in ber gamüie $errenot §ei= 
matf) grand^e=®omte biS l§eute üblid^ — erfolgte bie 3lbfal^rt am 31. DU 
lober 1560 unb am 24. S^nuar 1561. Correspondance de Philippe II. 
ed. Gachard I (1848) 192. 



22 ^ct ©trafbefd^luß gegen glonbcrn. 

f^rieb unmittelbar bor ber 9lbfaf|rt biefer ©olbaten ber toett^^ 
blidenbe Sarbinal ®rant)clle bem Slönigc: ber offen erllärte 
allgemeine §a§ ber SRieberlänber gegen bie fpanifc^e Station 
toerbe jtoifd^en ben beiben SSöIIern eine5tbneigung erjeugen, bie 
fid) erft na^ fel)r langer Qtit Iieilen laffen tüerbe^). S)a^ 
bie geinbfeligfeit big gegen bie SKitte beg ficbjel^nten Salärs» 
Iinnbertö bauern follte, l^at and) ©ranbeße fd^toerlid^ bcr^ 
mutl^et. Um bie SBirfung biefeö fieute fd^toer begreiflid^en 
^affeö ber Slieberlänber gegen bie iberifd^en ©ölbner jn ber^^ 
fteljen, bürften nad^folgenbe SrhJögnngen bienlid^ fein. 

®ie fpanifd^e Infanterie biefer Qtxt, fotoeit fie auö 9ia^ 
üonalfijaniern beftanb, bilbete fid^ ganj n)efentlid^ au8 bem 
SRittelftanbe unb bem Ileinen Slbel. SBie bie Sorten tourben 
aud) biefe ©olbaten 9litter (caballeros) genannt. Stire Of- 
fiziere galten aU ©tanbeggcnoffen ber äWannfd^aft, traten 
ettüa aud^ in biefelbe äurödt, n)urben aud^ getegentlid^ jur 
©rgänjung au^ il|r gettjäl^lt^). 2)ie gefeiertften SRamen ber 
fpanifdtien ©id^tfunft — man benfe an ßope be SSega unb 
ßerbanteä — erfd)einen in ben ßiften biefer „S^ercioö", b. f). 
jum ©rittet jebe^ ^Regiments berfd^ieben Söetüaffneter. Slu§ 
Statien in bie §eimat surüdEgelel^rte f^janifd^e Dffijicre 
ttjaren e§, toelc^e ba§ nadt) antilen ÜKuftern entftanbene 
2:i)eater bort eingebürgert unb fo jur ©d^öpfung be^felben 
im moberften Suropa il)r S^l^eil beigetragen l^aben. Unb bieg 



1) . . . universalmente . . . con declaracion del odio, que tienen 
a la nacion .. . odio entre las naciones de manera que passarian 
afios y aflos antes que esto se remediasse. 28. Oltober 1560. 
Papiers d'Etat de Granvelle ed. Weiss VI (1846)' 195. 

2) Duo d'Aumale, histoire des princes de Conde IV 22 — 25, 
®. ZvLxba, 8ug Äarrs V. gegen Algier (3(rd^ib für öfterr. ®ef*. LXXVI 
1890) 67 bis 70 über ben btefen 2:rup<)en gugel^örigen ©raä^Icr ber 
gelbäüge Äarr§ V. 




^teberlänbifc^e SSerleJungen caftilifc^er ©mpfinbung. 23 

fpanifd^e Slfieater gelangte jur beften SnttDtdelung faft gletd)- 
jetttg mit ber fpanifd^en Sütd^enmufi!, beten f)erborragenbfte 
©ont^jofitionen, ettua öon Someg, au§ 5ßt)iltpp'§ IL ßeit fid| in 
bielen fpantfd|en ^rd^en njofjl nod^ ^eute im ®e6raudt)e er^ 
l^alten ^aben ^). S)en 9lieberlänbern gegenüber füf|Iten biefe 
fpanifd^en ©olbaten fid^ aU f)öl|er geartet unb liefen fte 
xf)xt militärtf^e tok fuItureUe Überlegenfieit rüc!f)aItöIo^ 
enH)finben. 

Slnberfeitö empfanb man eö — tüie nod^ in einem an^ 
beren ßv^fammenfiange einlend^ten bürfte — in ßaftilien f d^on 
nnangenel^m genug, bafe ber S!önig auf bie SBer:pfIanäung 
ber Snquifition in fpanif^er gorm fiatte öerjiditen, \a, ba^ 
er im S)ecember 1562 förmlid^ tjatte erflären muffen, e§ fei 
if)m nie ju ©inne gelommen, biefelbe in ben SRieberlanben 
einjufüliren. SRid^t afö ob e§ fid^ f)ier um eine fleinlid^e Qit^ 
ttjaltfamleit t)on caftilifdfier Seite l^anbelte. ®a§ Slction^gebiet 
ber fpanij^en Station toar bamate fo mannigfaltig, ba§ ber 
ebelgefinnte amerifanifd^e ®efd^id)tfd^reiber 5ßt)ilipp§ 11. eine 
c^ronologifd^ georbnete ©d^ilberung nid^t rätl^Iid^ fanb^). 

Sn biefer Stimmung unb auf bie 9?ad|ridt)ten t)on ben 
äügellof en nieberlänbifd^en Unrul)en, toeldE)e jebem be§ SJiamen^ 
tpertlien ©aftilianer tuegen ber ÄirdEienfrebel atö ©räuel er^ 
fd^einen mußten, ift bie in be^ SSertreter^ bon S9urgo§ ?lnt^ 



1) Charles Weiss, histoire d'Espagne depuis le regne de Phi- 
lippe II jusqu'ä ravenement des Bourbons I (1844) 29—32. 

2) W. Prescott, history of the reign of Philipp the Second II 
(1855) 267 bebouert l^iebei ben ©egenftanb nid^t na^ bem, ttaS il^m 
als SBorfd^rift f(3^ien, bel^anbeln ju lönnen: where the action is simple 
and continuous as in biography for the most part. 2ln einem 
jci^ärfem Xone, oI§ mir je^t rid^tig fd^eint, l^abe ic^ btefeS SSerf In ben 
Öfterreic^ifd^en SBIättern für Siteratur unb Äunft (SSeUage jur Söiener 
3eitung) am 5. guU 1856 9'ir. 27 eingel^enb befjjrod^en. 



24 ^^^ ©trafbefd^lufe gegen Srianbern. 

tüort enthaltene fpanifd)e (Smpfinbung jum Sluöbrucf gelangt. 
Seber Sinjelne in jenen (Sorten, njelc^e fid) bor i^rem @oii* 
berän befanben, mu^te fid^ eben jagen, bafe ber religiöfe Qu- 
ftanb in ben 9?ieberlanben für beren erblid^en ©ebieter, i^ren 
eigenen ^önig, unb batier aud) für ba§ SSoIf ßaftitienä 
fd^impflidö unb unerträglid) fei. 2)enn immer mufe man fid^ 
gegentuärtig I)alten, bafe eine burd^ Sci^rl^unberte gel^enbe 
@ntn)icfelung unb feit ©olumbu^* SntbedEungen „bie ^olo* 
nifation einer entfernten SBelt" t)ier ju ertragen ift. S)iefe 
SD^omente öerbunben ,,erfüllten bie fpanifd^e Station mit einem 
ben I)ierard^if(f|en Sal)r^unberten entfpred^enben ©eifte ber 
Sied^tgläubigfeit nnb SJerfolgung" ^). ®o fann man bie 
Erbitterung begreifen, ttjelc^e bem SSoHe bon Saftilien bie 
Hemmung erregte, tüeld^e feinet Königs njie ber Sifd^öfe 
®Iau6en^tribunaIen in einem bon offenlunbiger Äe^erci 
erfüllten Sanbe tüie jenem „glanbern" bereitet tüurben. 
S)ie 9SoIläieI)ung ber beftel)enben SJeligion^ebicte be§ f)inge^ 
fdjiebenen Siaifer^ Äarl V. tüax bort ju einer feltenen unb in 
le^ter 3^^^ fctum mel^r au^füfirbaren ^Tu^nal^me gett)orben. 

llernid)tung von ^nberBgläubigen» 

S)on Garlo^, ber Don ben ©orte^ ate sufünftiger ©ebieter 
gepriefene, im Suli 1545 geborene Sit)ronerbe, l^atte im SD?ai 
1559, alfo nod) nid)t öierjelin 3al)re alt, bem frommen ^olU^ 
fefte eineö ®tauben^acte§ (auto-da-fe) in Siertretung feinet 
nod| in ^Belgien tueilenben SSater§ beigettjp^nt. 2)ie bamalige 
geierlidjfeit in SSaHaboIib bauerte sttJöIf ©tunben. 9Jiit bem 
fpanifdien Äronprinjen toar beffen it)n beauffidjtigenbe. 



1) dianU, S)eutyc^e ©ef^id^te IV 3, 51. 



SBernid^tung öon llnbcr^gläubigen. 25 

fd|önc SSaterfditoefter, bie öemittücte Sronpriuäeffin 3of)anna 
öon ^Portugal, ju btefem glänjenben unb impofanten geftc er* 
fd^iencn. SBeibe gürftlid^Ieitcn leifteten nad^ bcr bie eigent* 
lid^e geier einlettenben 5ßrebtgt einen für ba^ Seben binben* 
ben @ib, ftetö ba§ rrl^eilige 5lmt" ber Snquifition unterftü^en 
unb bemfelbcn jebe ju il^rer Äunbe gelangenbe äWittl^cilung 
t)on SSerfu(|en anjeigen ju tooHen, tpeld^e in SBorten ober 
S:^aten gegen ben IatI)oIifd^en ©laubcn gerid^tet feien. 

Äönig $I)iIip^ II. felbft mufete nod^ in bemfelben Scil)re, 
©onntag ben ad^ten Dftober, t)on feinem @oI)ne unb ber 
^ßrinjeffin Sol^anna begleitet, jum erften SKale in feinem 
Seben einer fold^en ®Iauben^feierlidf)feit in SSaHaboIib bei* 
tt)o!^nen. 2)a fanb er fid^ öeranlafet, fid^ gleid^fam atö natür* 
lid^eö Dberliau^t ber fpanifd^en Station 3U erflären, inbem 
er mit gejogenem S)egen ebenfalls einen ©ib auf Unterftü^ung 
be§ l^eiligen Slmteö ber Snquifition ablegte. 

®er Äönig ttjar fid^ betpufet, in ber bei biefem Slnlaffe 
borgenommenen öffentlid^en SBeftrafung fpanifd^er Sut£)eraner 
red^t nad^ ben bringenben äWal^nungen ju l^anbeln, n^eld^e 
fein laiferlidEier SSater an bie fpanifdt)e ^Regierung lurj tior 
feinem Slbleben im Saläre öortjer t)atte ergel)en laffen. 68 
gefd^al^, aU ba& SSorlianbenfein foldjer Äe^erei, unb felbft bei 
®eiftIidE)en in feiner 9läl)e, entbedEt tourbe. S)a fd^rieb ber 
Iran!eSaifer: „bie SSid^tigleit unb Sigent^ümlid^f eit biefer 2ln* 
gelegenl^eit bulbet leine SSerjögerung" ^). Sn biefem Sinne 
fam 5ßl)ilipp 11. audE) ferner ber 9fiic^tung gebietenb entgegen, 
toeld^e bem Sßolf^geifte auf ber iberifc^en ^albinfel entfprad^, 



1) *no se ha tratado mas de los Luteranos, la impor- 

tancia y calidad del negocio no sufre tanta dilacion!' Gachard, 
retraite et inort de Charles V (1855) 11, 441. 



26 ^^^ ©trafbefd^lug Qegen glanbern. 

unb bte bon feinem ^Regenten l^ätte intBaditet toerben bürfen. 
SRo^ in ben liebeboüen ©riefen, ttjetc^e öon feiner §anb an 
feine Z&^ttx erhalten finb, fcfjilbert er, n)ie er in ber ^aupU 
ftabt be^ bor furjem eroberten portugiefifd^en Sönigreid^eö 
o^ne 3n große ©rmübung an bie öier ©tnnben lang einer 
fold^en ©laubengfeier beitpol^nte, big bie toeltlid^en 3li(!^ter 
pr SSerHinbung beS generurtf)eile§ ficf) anfc^idten ^). 



Uertiitliiuttg tion Hationalfeinben. 

Sluf ®runb ber Sntbedung unb tJäpftlic^er aSerleifiung^^^ 
bullen beanfprudjten bie ©panier baS au^fd^Iiefeli^e SRed^t 
auf §errfd)aft unb ßolonifation bon Sfiorbamerifa. 9?ur 
ber ^ortugiefen bamatö nod) toenig gefd^ä^ten S5efi^ öon 
Sörafilien t)atten fie in Sinterifa überf)aupt t)on 5lnfang an 
ate im 9ierf)te begrünbet anerfannt. ®ie f)atten fid^ aud£) 
irgenbtt)ie, nad^tüeiöIidE) im 3Sinter t)on 1566 auf 1567, mit 
einanber öerftänbigt, ba§ 5ßortugal geredete 3InfpriidE)e auf 
Sanaba beft^e^). S)er (SntbedEeranfprud) gebüfirte freiließ 
junä^ft ben ©ngtanbern tüegen ber, mit ben jegt t)orf)an=» 



1) Ayer fuymos, my sobrino (fein Jlt^t ©rjT^eräog ^Ibred^t) y 
yo al auto .... estuvimos hasta que se acabaron las sentencias y 
despues nos fuymos . . . De lo auto no vine muy cansado, . . . que 
no durö quatro horas. Gachard, lettres de Philippe II. ä ses filles 
(Paris 1884) 159, 162. 

2) . . . la Floride, qui ne vaut rien, que pour les corsaires, et 
moins que la terre du Bresil . . ., lesdits deserts. S3erid^t tiom portUs^ 
giefifd^en $ofe in gourquetoaulj* S)epef(i^e auS 9Rabrib öont 4. Januar 
1567 an bie Königin Äatl^arina öon 2Kebici§ bei Du Prat, Elisabeth 
de Valois (1859) 442. (Sbenbort 444 in einer S)e^)ef(^e öom 2. SWärj 
1567: Je suis averti que . . . Portugal [veut] . . . s'impatronner du 
pays ... de Canada . . . ; car TEspagne et Portugal veulent que 
tout le nouveau monde soit leur. 



SSem^tung bon SfjQtlonQlfeinbcn. 27 

• 

bcncn Mttfd^en SRttteln nid^t mef)r nä^er ju befttmmettben, 
Sanbung etncö engfifc^en ©^tffd^en^ unter Sodann Sabot 
an einer norbamerifantfd^en, in l^ol^en Sreitengraben ge^ 
legenen £üfte im Suni 1497. Slber ba bie Snglänber balb 
nnb big ju bem unS befd^äftigenben Satire 1566 auf ernft^ 
lid^e S8ertt)ertf)ung ifireö @ntbecferrecf)tö berjid&teten, fo tuürben 
bie portugiefifc^en Slnfprüdie um ber ^^firten ber 6orte*9ieaI 
unb allenfalls einer borlianbenen Sarte bon 1534 tüiUen 
einige Söegrünbung I)aben, ttjenn itinen ni(f|t ein Diel emft* 
lieberer Slnfprud) granfreid^S entgenftünbe. 2)iefer bafiert 
auf ben üon Sartier auS ©aint^SKalo bom grfi^jal^re 1534 
biö äum §erbfte 1536 unternommenen breimaligen @nt^ 
bedEungSfal^rten unb lartograpl^if^en 3lufnat)men längS ber 
norbamerilanifd^en Äüfte ^). 

6S toaren fd^on bie ^ortugiefen in aßen S^agen i^reS 
überfeeifd^en Söefi^eS äufeerft empfinbUd^ unb anf:prud§öt)ott. 
S)ie ©panier aber Iiatten fid^ getuö^nt, tt)egen i^rer innerhalb 
ätoeier SRenfd^enalter burd^ bie größte Äül|nl)eit, SluSbauer unb 
Älugfieit erhjorbenen amerifanifd&en großen unb reid^en ®e^ 
biete jebe ©inmifd^ung Slnberer, afe ber auf Vertragsmäßige 
®renjen befdiränften ?ßortugiefen in ameri!anijdt)e ßolo^^ 
nifation atö einen Slct entfd)iebener SRationalfeinbfd^aft ju 
bctrad^ten. 

3n biefer Situation beranlaßte ober betrieb minbeftenS 
eine norbamerilanifd^e ©olonifation grauIreid)S mit großem 



1) H. Harrisse: 1) les Corte— Real (1883) 151 unb 168; 2) Jean 
et Sebastien Cabot (1882) 88 big 98. Über 3aco6 (SartlcrS @nt* 
bedungen: 77 bi» 79. ©ienad^ fcj^einctt bie feit ntcl^r als 200 Solaren 
gefud^ten hatten btefcS fo juberläfftgen (gntbederS bod^ toielleicftt no(!^ 
irgenbtüo in ^fiorbfranfrcld^ oufftnbbar ju fein. ®ie fönnten öieffeici^t 
in eine ©olbertinifd^e ©antntlung übergegangen fein. 



28 2)er ©trafbefcj^luß gegen Stonbern. 

(Sifer einer ber er:pro6te[ten ©egner f|ab^burgtfdö4t^^^if^^^ 
SDSad^t im legten Kriege, ber Slbmiral bon ßolign^. Sßodö 
toar unbergeffen, tt)ie er nad^ ber SJiieberlage öon ©aint 
Duentin (10. Stuguft 1557) bie ©tabt big ju feiner ©efangen^ 
nat)me ofine Srbarmen^) gegen bie ©ntuo^ner bertfieibigte, 
toeld^e nad^ ber ©roberung in grfiuelboHer SBeife^) unter 
Äönig 5ß]^ilipt)8 5lugen aUe ©d^redCen be§ Äriegeg ju erleiben 
l^atten. Sben biefer fürftenglei^e Slbmiral ift üom Scit)te 
1562 an bemüht getüefen, für feine neuen (Slaubenögenoffen, 
bie f ranjöfif d^en SRef ormierten, eine §eimatl| jenf eit beS Dcean^ 
gu fidiern. (£r tpoHte ntit anberen SBorten ben, nad^ bem 
bantaligen ©f)arafter be§ fraujöfifd^en ©taat^toefenS, öor bie 
SBal)! jtüifd^en blutigem Kriege ober Slugftofeung (SefteHten 
eine ßw^wnft eröffnen, tüie fie feit bem Saläre 1620 in i£)rem 
SSaterlanbe bebrängte englifd^e 5ßuritaner in Sleuenglanb 
gefunben l^aben. ®er erfte SSerfud^ im heutigen ©übcarolina 
fd^Iug jebod^ Solignti fel^I. 

Salb nad^ bem erften SIeligionSiriege gewann er aber 
für eine Srneuerung beö Unternel)men§ bie ßuftiw^niung be§ 
jungen S!önigö unb ba§ lebliafte^ntereffe ber eigentlid^ regieren* 
ben Äönigin^SRutter Äatliarina öon SKebiciö. 2ln ber SRorb- 
grenje be§ l^eutigen ©taate^g gloriba entftanb l^ierauf ^) tüirf- 
lidE) feit bem ^erbfte be§ gal^reö 1564 eine t)orI)errfd^cnb 



1) aianfe, gransöfifd^e ®efd^l(j^te I, 297. 

2) SWotlet) I, 168. 

3) George Bancrofb — nunmel^r am 17. Sanuar 1891 l§ingefd^le= 
ben — history of the United States I (Routledge ed.) 47 bi§ 57, 
toor einem ]§alben ^^Wunbert gefd^rieben unb nocä^ l^eute für biefe 
©rcigniffe betounberungSwürbig, ift in (Sinjelangaben burd^ neuere 
Srorfcftungen überl^olt, befonberS bnrc^ Paul Gaffarel, histoire de la 
Floride Fran9aise (1875), ber feinerJeitS SBancroftS S)arfteIIung un= 
ermähnt läfet. 



SScrnid^tung Don Sf^ationalfeinben. 29 

reformierte, bod^ aud^ öon S^at^olifcn betüo^nte franjöfifd^e 
©olonie, toetdö^ burd^ eine im ÜKat 1565 angelangte SBer^^ 
ftärfung ben Sfiaralter eineö beginnenben ßolonialreid^e^ . 
gettjinnen follte. 2)er ®eift aggreffiben Umfid^greifenö ber 
bamaligen franjöfifdien Sieformierten ergriff aber aud^ f|ier 
einen Xl^eil ber oI)nef|in toenig biöciplinierten Soloniften. 
Sei einer, tro^ be§ jtoifd^en @t)anien unb granfreid^ beftel^en^ 
ben griebenö gesagten, (SEt)ebition gegen Suba, bei ttjeld^er 
felbft ber bortige ©tattl^alter auf feinem nnbetoe^rten ©^iffe 
in il^re §änbe fiel, njurben biefe ©orfaren rafdt) betoältigt; 
SBenige entlamen. 

Sinn erft fanben (Spanien^ Sönig unb Station, toaö ber 
^erjog öon 9It6a langft ^) unb lebfiaft l^eröorgetjoben ^atte, 
ba§ ber freilid^ t)on allem Slnfang itjnen toibernjärtige 
©olonifationSpIan einen Slct ber 9lationaIfeinbfd^aft bebeute. 

©eit bem Saläre 1512, ba eine Heine fpanifd^e ©treit^ 
mad^t in gloriba (anbete, toar ba§ Sanb big jum Sa^re 1549 
t)on ©t)anien jum Dbjelte t)erfd^iebenartiger Stu^beutung^^ 
6oIonifationS= unb SBeletirung^berfud^e gemad)t toorben. 
2luf ®runb il)rer öerfd^iebenen Sied^t^titel ging nun bie 
fpanif^e ^Regierung an bie SSernid)tung ifirer franjöftfd^en 
SRad^baren in il^rem norbamerüanifc^en ©gentljume. 

3Kit einem caftitifc^en Sbelmanne äKenenbej, nidt)t eben 
guten Seumunbe^, aber gegen amerüanifd^e Seeräuber er^ 
probtem Dffijier, öertianbelte ber Äönig über eine (£Et)ebition 
nad^ SRorbamerifa fd^on im grül|ial)re 1565. SRunmel^r 
fd^Iofe bie fpanifd)e Siegierung, faft njie einft mit granj 
?ßijarro, einen förmlid^en SSertrag, toeld^er SKenenbej jur Se^^ 
feitigung ber granjofen in gloriba öerpflid^tete, aber bod^ 



1) ^m ll.SH)rlI1565. Wlaxd^, 3)ie3ufotninenIunft öon öa^ontte 168. 



30 ^cr (5traf6cf(^lu6 gegen glanbem. 

aud) eine bleiBenbe fpanijd^e ©olomfation in 2lu8fid)t nal^m. 
Unter ben für biefc (Sjpebttton eingcfd^tfftcn ^^rujjjjen Be^ 
fanben fid^ aiidi, tPtc eg fd^eint: in ntd^t geringer 3^^^^ 
^ortugiefen, entf^red^enb ben frfil^er erörterten ®runbfä|en 
beiber Stationen über baö ©ntbedungSred^t in 3Imerifa. Sei 
ber SKorbarbeit an ben fransöfifdien Slnfieblern I)aben ge^ 
rabe biefe $ßortugiefen fid^ burd) ©ranfamfeit bemerfbar 
gemad^t ^). 

Slm 29. 3uni 1565 fegelte ba^ jur SSernid^tnng ber fran- 
jöfifd^en Siationalfeinbe beftimmte ®efd^n)aber ab. 9?od^ 
tobte ber am 18. äWai begonnene Äampf gegen bie mit 
granf reid^ in einem ob and^ lodEern S5nnbe 2) fte^enben tür^ 
fifd^en ®Ianben8feinbe anf Sttalta, toeld^em am 6. nnb 7. 
©eptember ein Snbe bnrdfi fpanifd)e ©treitfräfte bereitet 
tourbe. S)a erft ful^r bie angeblid^ anf ein 9Siertt)eiI rebucierte 
§eeregmad)t ber ^^ürfen öon 3ÄaIta ab ^). SJiit befd^eibenen 
aSorten gebadete, toie toir fallen, bie SBotf^aft an bie ©orteg, 
toeldtie bie 9lngelegenf|eit öon gloriba unertuälint laffen mnfete, 
biefeS gIorreid)en ©rfolge^. 

S)ie ft)anifd)^t)ortugiefifc^e ©jpebition nad^ ?iorbameri!a, 
fo gänjüd^ ber ®ei[tegridE)tnng ber bamaligen 95et)ölfernng ber 
iberifdien §albinfel entfpred^enb, ijait^ üoUen Srfolg. 3Rit ber 



1) ^auptquelle ift bie faum benu^te eibUd^e, im S^l^re 1568 ah= 
gegebene ^u8fage eine8 bem Slutbabe entfommenen gebilbeten jungen 
SWanneä bor bem franjöfifd^en Sotfd^after in SRobrib bei S)u $rat 433 
unb bei ©affarel 446: les Portugals . . . feirent plus de meurtres et 
de cruautös. äl^nlid^eg l^atte ber SBotfd^after fc^on am 2. SiJoöember 
1566 feinem Könige berichtet (S)u ^rat 434. ©affarel 447). 3u ©affarer^ 
hartem Xabel (p. 339) ber Slbbrücfe bei S)u ^rat liegt boc^ fein an^^ 
reid^enber ®runb cor. 

2) aWardS, gufammenfunft bon 93ai)onne 169, 171, 190. 

3) Prescott, Philipp the Second II 313, 369 biä 377. 



SBemic^tung üon Sfiattonalfeinben. 31 

fpanifdicn ©rünbung bcr älteftcn ©tabt 9iorbamcrtfa'^ 
©anct Slugufttn, bleibt bie ©rtnnerung berbunben, toie 
einige SKeilen norbtoärtg bie fratiäöfifd^en Slnfieblcr getöbtet 
tDurben, angeblid^ gegen neunl)unbert, obttjol)! geringere 
3iffern tDol^I rid)tiger finb; eine Slnjal)! Satf|oIifen tonrbe 
ttjie bie meiften SBeiber nnb Äinber, lebenb abgefüfirt; and^. 
bieömal entfamen SBenige. 

S)a8 ©reignig ift an fid^ entfe^Iid^ genng; aber eä ift 
gtoeifel^aft,. ob bie überlieferten münblid^en nnb fd^riftlid^en 
@(^Iagn)orte ^) beö ft)anifd^en Sefel^töfiaberS begrünbet finb. 

SRad^ be§ nüd)ternen seitgenöffifdien ©efd&id^tfd^reiber^ 
Slnton t)on ^errera^) Serid^t tuurben bie granjofen bei 
bem erften 3iifoi^^e"teeffe^ g^^cigt: „SJinn, tt)a3 ntad^t 3t)r 
in biefem Sanbe be^ ^önigg §errn ^ßfiilip^)? Safet eS frei 
nnb gel^t mit ® ott!^' Sei ber Äataftrot)^e Idfet er bod) nnr stoölf 
ober fünfjelin öerfd^onen, „toeld^e^atl^olifen jn fein fd^ienen". 
5ß]^ilipp'ö SSiogroptl Sabrera fa^t bie ®aä)t bon bem ®e=^ 
fi^t^pnnlte religiöfer ^fß^t gegen bie (Eingeborenen, für 
beren ©eelenfjeil nnb Änitur @^)anien fdf)on jn biel getl^an 
Iiabe, ate bafe eö fie nid^t bor ben Strlel)ren ber „fred)'' in 
be§ Sfßnig§ (SntbedEungögebiet eingebrnngenen ©abiniften ^) 



1) ®Ieid^ ©affarel p. 341 l^abe au* id^ \>k im Slrd^iöe Don ©eöiaa 
aufbetoal^rten unb, lote e§ fd^eint, nod^ immer ungebrurften ^Briefe beS 
©ommatibierenben ber ©jpebilion, bcS ©eneralS $ebro SRenenbej be 
^öilc§, nic^t benu^en fönnen, burd^ treidle bie in ben näd^ften ©ä^en 
beS XejteS bcl^anbelte ©ci^loierigfeit ftd) tüol^I löfen bürfte. 

2) ffistoria general ed. 1606 I 632 sg. 

3) . . . por esto y para castigar el atrivimiento de los Calvi- 
nistas. Cabrera 421 (ed. 1619). S^tmer foHte man fid^ bei öenu^ung 
©obrcra^S baS tteffenbe Urteil gegenwärtig l^alten, »eld^eS Sco^jolb IRanfe 
1829 in ben 3Siener Qa^rbüc^ern ber Siteratur XLVI 236 m 239, 
246 niebergelegt l^at. 



32 ^er ©trafbefd^luB gegen glanbem. 

fc^ufeen unb biefe beftrafen muffe; tüic fe^r trofebem aurf) 
bei i^m ber ®efid)tgpunft ber (£oIomfterung öomaltet, setgt, 
bafe er in benifelben 9tapM bie gleid^seitig auf »efe^t be§ 
SBicefönigS bon SReufpanien erfolgte »eftebelung, ber 
$f)ilippinen be^anbelt. Sie SataftropI)e erfolgte übrigen^ 
6nbe ®e))tember 1565. 

9?ad^ bem t)on bem ©d^njager be§ ft)amfd^en a5efef)tel)aberg 
berfafeten SBerid^te fagte biefer: >er fi(^ aU Sieger ertoeift, 
toirb fterben" 0- 2)ag lautet in einer nod) raui)ern gaffung, er 
fei gefenbet, „burd^ ©trang ober ®ntJ)auptung atte ßut^eraner 
ju tobten"; auf einem »rette I)abe er bei ben ©etöbteten bie 
Snf^rift anbringen laffen: „get)enlt nid^t afö gransofen, 
fonbern afö Sut^eraner!" 5Doc^ erfäljrt man ba^ nur au§ 
bem S8erid)te über ben, ol^ne Söetl^eiligung ber franjöfifd^en 
^Regierung, im Sal)re 1568 unternommenen 9fiad)eäug eine^ 
patriotifdjen ©belmanne^. 3laä) feinem ©iege f)ie^ biefer 
eine neue Snf dE)rif t bei ben I)ingerid)teten Spaniern anbringen, 
ettoa be§ nid)t fidler überlieferten Snl)alteg: fo gefd£)el)e „m(f)t 

©paniern ober ©eeleuten, fonbern SSerrät^ern, 3iäubern unb 
aRörbern."2) 



1) *el que friere herege morira!' JBancroft I 53 unb 56. Über 
ben SSerfaffer: ©affarel 181. 

2) La reprinse de la Floride par le cappitaine Gourgues (®affatel 
483 biä 515 mit ben toid^tigften Sßarianten), fonft jur SSer^errtt^ung 
unb görberung beS fül^nen Slnfül^rerS gefdjrieben, geigt firf) in tJ^aU 
fädftttc^en STngaben bod^ überatt genau, ©affarelä eigene Sluffaffungen 
über bie Slut^enticität ber fpanif^en Snfd^rift fd^hjanlen (e. 229: on 
raconte que. ©. 304: affreuse legende). 5£)ie 9fleprinfc erjäl^It aber 
IcineSiüegS, ha^ ©ourgueS' Snfdjrift auf bemfelben SSrettc, loie bie öon 
SRenenbeä angebrarf|t »orben fei, fonbern ©. 510, au lieu d'un escriteau 
in f^anifd^er ©^jrat^e, en une table de sapin avec un fer chaud. S)te 
SSarianten biefer Snfd^rift ©. 304 unb 510. fDlit Seeräubern (marannes, 
marrans, marraus) in bereu erfter ^älfte gewinnt man feinen logife^en 
Sufammenl^ang. 50^eine Überfe^ung folgt ber jmeiten SSariante (S. 304. 



SBemic^tung öon S'iationaifcinben. 33 

S)ie§ ent jpric^t fd^on et)cr ben f etneötpegg religtöfen, f onbern 
augfcf)IieBli^ poIittfd)en unb Iriminellen ©efid^t^tjunftcn, tpelci)e 
bie beftunterrtd^tcten SSertreter bcr fpanifc£)en ^olxtit bei biefem 
Slnlaffe geltenb mad^ten unb bie un§ t)on ben öerfd^iebenften 
©eiten übereinfttmmenb borliegen. 

@o äußert fid^ fd^on ber fpanifd^e 93otfd)after am fran^ 
jöfifcfien $ofe fi^riftlidö nur in biefem ©inne über $ßf)ilipp§ 
beabfid^tigteg ©nf^reiten in gloriba. 2)er ^önig f)abe be^ 
folgten ^), nadigloriba ju fenben, um toie Seeräuber, grieben§== 
bred^er unb 9iul)eftörer einige Untertfianen feinet Sruber^ 
beg Sllterd^riftlid^ften ^önig§ ju äüd^tigen, toeld^e nad^ gloriba 
gegangen feien, um biefe feit fo öielen 3cif)ren für feine 
SWaieftätentbecCteunböon il^r befeffene ^robinj ju ufurpieren. 
2Ran tüirb an bie „entfd)iebenen unb rauf)en ^löne" be§ 
SSer!eI)reg erinnert, toeld^e $t)iltpt) fdE)on einmal im äJfai 1563 
gegen granfreic^ angefd^Iagen Ijatte.^) 

(Genauer äußerte fid^ ber jugleid^ bertrautefte unb auf fein 
Saftilien ftoljefte SRatligeber be^ Stönigg, ber |)eräog t)on Sllba, 
gegenüber bem franjöfifdEjen Söotfd^after in SÄabrib. (£r er^^ 
Härte für „ba§ ©d^Iimmfte auf ber 3BeIt, ba§ nad) einem 
Sanbe, ttjeld^eg bie Qpankx feit ber ^Regierung be^ §errn 
Äönig^ gerbinanb", ber im Sal)re 1516 ftarb, ,rbefi|en, grau* 
jofen gegangen feien, um fie ju ftören unb auö bem Säefi^e 
ju üerbrängen; ia^ ©ebiet fei ifjuen ju tüid^tig, um e§ ber^^ 



1) Que haviendo Su Magestad intendido, que algunos subditos 
del Rey Christianissimo, su hermano, havian ydo ä la Florida para 
usurpar quella provincia tantos annos a por Su Mag. descubierta y 
poseida, mandö embiar a castigarlos como a pyratas, fractores y 
perturbatores de la pas publica (Du Prat 469). SSie man fielet, ift 
^ier ha^ teligiöfe SWoment gepiffentlid^ öemiieben. 

2) SWaurenbrec^er, Slrd^iöalifc^e Beiträge jur ®efd^id)te beS 3^^^^'^ 
1563. Seipäiger ^efanat^programm 1889 @. 27flgbe. 

©übingcr, Don SortoS' ^aft unb Xob. 3 



34 ®er ©trafbefc^Iuö gegen glanbern. 

lieren ju fönnen." Mnx nebenf)er bemertte 2116a oi)ne Statnen^ 
ttcitttung, man tütffe in Spanien ganj gut, bafe ber Stbmtral 
©olign^ reformierte ^ßrebiger mit it)ren grauen unb ^nbern 
bal^in gefenbet :^abe. ^) Sßon ber Königin erfut)r ber ©efanbte 
fd)on am 5. Sßoöember 1565, bafe nid)t^ fo fidler auf ber 
SBelt fei, atö bie neuen SRüftungen für gioriba, ha^ ii)r ®e^ 
ma^l fict) bie ®ad)e fe^r ju ^erjen ne^me unb bie granjofen 
t)on bort tiertreiben tüerbe.^) 

Bemüljungen ber löntgin dlifabetl) tion Spanten. 

Jiic^t oI)ne 9Sertt»unberung l^ört man bie 9Kittt)eitung be§ 
franjöfifdien 95otfd|afterg, bafe bie Königin bie fc^merslid£)en 
@m))finbungen il)rer SJiutter, tüeld^e et)entuett mit einer 
^jroteftantifd^en S^efdEjüefeung ii)re§ ®oI)ne§ be^ l^öntg^ 
^arllX. bro{)te, über biefe 9lngelegenf)eit bon gloriba tlieile.^) 



1) . . sait on assez en Espaigne, par qui et comment Ton y a en- 
voyö des ministres avec leurs femmes et enfants. fjourqueöaulj an 
Äarl IX, 24. ^ejember 1565. ^u «Prat 410. ©affaret 414. 

2) qu'il en prenait le fait fort ä coeur, qu'il dechasseroit las 
Fran^ais. 5. 9lopember 1565. ®u «ßrat 204. ©affarel 411. 

3) Elle avait partage ses douleurs en les confirmant. Sl. cu £). 
Unter ben entrüfteten Briefen ber Königin SKutter über bie ©ad^e ift 
ber öom 17. Wdx^ 1566 über ce malheureux massacre de la Floride 
(fdfton bei S)u ^rat 416 bi§ 420) ber ftärffte mit ber S)ro]^uttg in ber 
^ad^fd^rift mit einer afatl^oUfd^en e§e be§ tonigS: qui ne soit pas de 
notre religion, ce que nous ne fairons qu'ä l'extremitö. La Ferriere, 
lettres de Catherine de Medicis II (1885) 353 big 356. S)em ©riefe 
t)om 12. 2Kai 1566 ift beg Äönigg ^arl IX. Snftructlon 'memoire' 
(p. 360) beigebrudt, in ber e§ l^eigt: II ne faut baptizer du nom de 
pyrate (bgl. oben ©. 33 Slnm. 1) les subjects de S. M. qui n'ont 
faict aucun acte de brigandage, mais sont allez au Heu oü leurs 
prödecesseurs ont este de tout temps. S)a8 foH tt)o]^I Uon hm fran= 
jbfifd^en gifd^em an S^eufnnblönbifd^er füfte unb an ber 3nfel 
öreton, namentlid^ ober öon kartier gelten. 



SBcmül^ungen ber Königin ©Ilfabetl^ toon ©Jjanien. 35 

SBte bei fo üielcn anbeten, granfreic^ unb fein SEönigöIiauö 
betreffenben 5lnläffen t)at fie burd^auö nad) ben [triften 
SSeifungen biefer if)rer fo fingen nnb t£)ättgen, toic rüdfid^tö^ 
lofen 3Kntter anf SJönig ^^ilipp einjutoirfen gefnd^t, toenn 
ond^ regelmäßig ol^ne Srfolg. Wlan fann fagen: e§ gab 
nnr eine grage, in toeld^er ©lifabett) felbft ifjrer jnn^eilen 
für ^jaritätifd^e SReligionöorbttung geftimmten SÄutter ent^ 
gegenjntreten toagte. Smmer t)on Wienern unb noc^ t)or bem 
^obe, bef onberö eifrig bei ber ßuf amntenf unft in Sa^onnc *), 
empfaf)! fie bie, fpanifd^em Sbeengange unb Sntereffe fo ent^ 
fpred^enbe Söefeitigung alleä 9?icf)tfatf)oIifd)en in granfreid^. 
Slber bag SRätl^fel biefeö fonft fo bemüt^igen unb oft übel 
angebrachten ®ef)orfamg ber föniglic^en Xo^ter löft fid^, 
tocnn man bie furd^tbare S)rof)ung lieft, ttield^e i^r bie mebi^ 
cäifdEie SRutter fd^on am 10. 9?oöember 1560 jugefdEiIeubert 
l^at „@ib Sld^t auf ba§, toaS icf) S)ir beim Slbfd^iebe fagtc; 
benn S)u toeifet, toa^ e§ für 35i^ ju bebeuten^ptte, loenn 
man baS bemerfte, toaö 5)u f)aft; benn tütnn ©ein ®atte 
e8 tofißte, fei überjeugt, bafe er ®i^ niemals ttjieber fe{)en 
ttürbe." 2) gin ^anf^eit^gift foOte fi^ nad^ biefen SBorten 
t)om ©roßbater, bem Könige granj L, auf bie im Slpril 1545 
geborene ©nfelin bererbt fjaben. @§ toar ein Iofe§ ®erebe 
ber §ofIeute, toetc^e^ Slatl^arina SÄebici^ bieüeid)t ipirflic^ 
glaubte, ©id^er ift, baß fie biefe |[ngftigung ate SBaffe jur 
(Srjttjingung be§ ®ef|orfam§ ber in Spanien lebenben fönigs* 



1) Wlaxd^ 191, 196, 205. 

2) suives set que je vous dis au partir; car vous Bav^s, coment 
y vous ymporteret que Ton sent set que vous aves; car set [si?] 
vostre mari le savest, aseur^-vous, qui ne vous voyret jeamäs. Cte 
de la Fernere, lettres de Catherine de Medicis I (18S0) 152 juerft 
mit genouer Datierung. 

3* 



36 ^c'^ Strafbefc^IuJ gegen fSflönbem. 

lid^en %oä)ttv öertuenbete. (£§ toirb fd^on rid)ttg fein, toa^ 
ber erjä^lungSluftige SBrantöme feinem leiten ßeferlreife t)or^ 
trägt: nur mit ß^tern l^abe bie junge Königin ^Briefe tl^rer 
SRutter empfangen.^) Sn ©egentoart beö beiberfeitigen ®e^ 
folget tparf fie fic!^ am 14. Wtai 1565, afö [ie i£)re fran== 
jöfifdien SScrtüanbten an ber fpanifd^en ©renje DorSaintSean 
be ßuä tpieberfat), auf ben 93oben, um bie Äniee il|rer SDhitter 
äu f üffen. SBirKic^ äärtlid^e, fogar Ieibenf(f|aftlid^ jdrtlid^e @m^ 
^)finbungen t)aben bab.ei biefeö mertoürbige 5ßaar bon Sßnig* 
innen öerbunben. 9ReI|r al^ in it)ren Söriefen geigen fid^ 
aberbiefeäugIeic^t)on !inblict)er Siebe unb bon ttjeiblid^er 9lngft 
gemifc^ten ©mpfinbungen in ben SSerfen, toetcfie (Slifabetf) nad§ 
bem in jenen 3)roI|niorten ertoäl^nten 2lbfd|iebe bom 2)e^ 
cember 1560 if)rer SDlutter fenbete. „S^ tonn Stinen, ^errin, 
nid)tg bieten; St)nen unb Stjter SKad^t gehöre id^. ©eien 
Sie öerfidEiert, bafe id) biefen ®eI)orfam, ttjeld^en id^ S^nen 
ftf)ulbe, fo fel)r leiften tüerbe, ba§ iä) f)ierin meine $ßflid^t tl^ue. 
S)emütf|igft bitte ic^ ®ie, §errin, um be§ $eile§ meinet Seibeg 
unb meiner ©eele n)illen, mir 3^re ®nabe ju erl^alten".^) 
©oirf) nagenbe Sorge I|at bie moralifd^ tabellofe, fi^öne, 
fromme, t)on Sebermann I)od^gefd)ä§te, junge, grau, toieman 



1) 2)ie8 aUeS bei unb bor bem erften Slbbnicfe öon 1841: Louis 
Paris, negociations de Fran^ois II, 701 bi§ 707. 

2) Je ne vous peulx, madame, rien offrir, Je suis ä vous et en 
votre puissance; Assurez vous que cette obeyssance, Que je vous 
doyts, si bien observeray, Que mon debvoir en cela je feray, Vous 
suppliant tres humblement, madame, Pour la sainct^ de mon corps 
et de mon äme M'entretenir en votre bonne grace. 3)u ^rat 78. 
S)te ©cene beS SSieberJel^enS ebenbort 180; fie fel^It in bem *recit du 
temps' bei La Ferriäre, lettres de Catherine de Medicis (II, 293 n.), 
monad^ biefe esprise d'une grande joie, passa la riviäre et se trouva 
en face celle qu'elle avoit tant desir^e. 5)a§ ift Wol^I ber officieH 
Verbreitete SBerid)t. 



S3emü]§ungen bcr Königin ©lifabet!^ öon ^pamtxi. 37 

bcrmutf)Ctt barf, baju getrieben, ftd^ bon allen ©etten gegen 
ein nic|t öor^anbeneS Übel i^eilmittel ju t)erfd^affen, tt)eldf|e 
il^r tt)ieberI|oIt f^tüere ffiranfl^etten unb am 3. Dftober 1568 
ben Xob gebrad^t l^aben i). 3BaI)rl)ett^gemä§ fonnte bann 
tl)re SUhitter bem Äöntg ^^ilipp in einem üerfpäteten Xroft^^ 
briefc bom 13. SJiobember über ba§ frü£)e ^infd^eiben feiner 
in allen Äranl^eiten öon if)m treu gepflegten Oema^Iin er^ 
Maren, fie empfinbe SSerpflid^tung für bie gute S5el)anblung 
i^rer Slod^ter. ^ Sat^arina t)on Sßebici^ f äl^rt mit folgenben 
füllten 3Borten fort: „Stf) tueife, bafe fie greunbf d^aft für 6ure 
SRajeftät liegte". 5lm folgenben Xage fd^rieb fie freilid^ bem 
©efanbten einen jur Sßorttieifung bei bem Könige beftimmten 
SBrief, in lüeld^em fie fagte, fie tuiffe, tpie fei)r bie Königin il)n 
geliebt l^abe, um fofort ^^ilipp IL it)re fernere greunbfd^aft 
anjutragen, toäl^renb gourqueöaulj gleid^jeitig ben dürften 
t)on(£boliöergeblid^ für ben ®ebanlen ju getrinnen fud)te, fein 
Äönigmögeber SSerftorbenen @d^ttiefter3Rargaretf)aI)eirat!^en. 
Site nun ber ©efanbte bem föniglid^en 3Bittüer ben SBrief 
t)orla§, in toeld^em bon ber „Siebe" feiner ®attin bie 9iebe 
tpar, \>a traten i^m „bie bidEen St^ränen in bie Slugen" unb 
er fagte, nie tüerbe er biefen großen SSerluft bergeffen 3). 

®er reblidEie SBotfc^after aber bat gleid^ nad^ bem ^in- 
fd^eiben ber jungen, franjöfifd^en Sntereffen fo bienfttnittigen 
Königin (13. Dftober 1568) um feine ©ntlaffung, inbem er 



1) S)ic in folc^en Slften hodj nid^t getoöl^nU^en J)atl^oIogif(3^en 
2Ritt]^eilungcn beS franjöfifd^en ©efanbten in 9Kabrib gelten bi§ ju ber 
unfrem l^eutigen ©efü^le f)'ö^^t befremblidjen 2)e^)efd^e über bie Ur= 
fQ(i|en beS 5:obeS bcr Königin bei S)u ?ßrat 362. 

2) raubligation du tretement que la reyne ma fille a eu et 
ramitie que je say qu'ele portoit ä Votre Majeste. 1568 bei Sa 
gcrriöre IE (1887) 304. 

3) Gachard, bibl. nationale ä Paris II 271, 273. 



38 3)er ©trofbefc^Iug gegen iJIanbern. 

bcnterite, ba§ SJJittel, tueld^eg fein 9lmt biö£)er leidet gema(i)t 
Ijaht, fei nid)t nte^r öor^anben. ©ein ®efud) tuurbe übrigen^ 
in e!^rent)oner gotm abgeleljnt, unb er blieb franjöfifc^er 
Söotfdiafter am ft)amfdE)en |)ofe bi§ jum SÄärj 1572 1). 

S)er Sönig bon ©panien l^at fteilid^, minbeftenö bor bem 
Xobe feiner britten ®emal)lin, !eine Ä^unbe t)on allen ben 
feltfanten SSegieliungen jtüifdien SKutter nnb S^oc^ter gel^abt, 
ttield^e un§ je^t gebrudt Vorliegen. So mag aud^ fein, ba^ 
er feiner franäöfifdE)en ®emal)lin mand^e ungel^örige ))oIttifc!^c 
Sinmifd^ung im öetpu^tfein feiner eigenen S?erfd^nlbung ^xn^ 
gelten lie^, ba fein unerlaubte^ SSerpItni^ ju ber gürftin 
t)on Sboli, ber SCodEjter feinet Sßicefönig^ Don ^eru, ber ®e^ 
mal)lin feinet gefälligen ®ünftlingeg 9iu^ ®omej, ein öffent:= 
lid^eö ®el)eimni^5 tüar. Slber bei aller äußern 9iad^fid^t unb 
aEer aufopfernben ^^flege f)at Äönig 5ßl)ili:pp fid) toegen 
biefer :poUtifd)en Störungen mit einem tiefen ©rolle gegen 
bie ganje franjöfifdEie SSerbinbung erfüllt. 

S)er laiferlic^e ©efanbte gibt be§ SEönigö Slnftfiauungen 
über bie böfen Slbfid^ten ber granjofen gegen ba§ §au§ 
§abgburg mit öorn)urföt)oEen SBorten lieber. (£g finb bie^» 
felben, toeld^e äKajimilianö IL SSater, gerbinanb L, bem afö 
befangenen eingebrad^ten Äurfürften Sodann JJri^i^ri^ ^on 
©ad^fen gegenüber unmittelbar nad^ ber ®i)ladjt öon SRül^t* 
berg (29. Slpril 1547) gebraucl)t l^atte: „S^r fudEjtet mid) unb 
meine ^nber t)on Sanb unb ßeuten ju tjerjagen" 2). Slfö 
eine fold^e SBeraubungöabfic^t fa^te ber fpanifd^e Äönig aud£) 



1) 2)u <Prat 368, 391, wo berfelbe irrig annimmt, bo8 ©ntlaffungS* 
gefuc^ fei fofort genel^migt ttJorben. SBgl. Gachard, bibl. nationale de 
Paris II 270, 358. 

2) dianU, 2)eutfc^e ®ef*id^te IV^ 404. S)ie entfj)red§enbe Sugerung 
?Jt)iIit)^3§ burc^ Sllba« 3Kunb bei S)ietri*ftein unten e. 41 SCnm. 1. 



Semü^ungen ber Äönlgin ©lifabetf) öon Spanien. 39 

bic franjöfifdie Äolonifation in Jlorbamerifa. 9Bie milbe er 
anä) feinen Sntf^lufe frfjärffter 2t6tDe^r ber granjofcn in 
gloriba gegen feine ®emat)Iin an^fprarf), toeldfie fid^ jnr ^ür* 
f^jrec^erin biefeS feinblic^en 5ßlaneö gemacht f)atte, fo begreift 
man bod|, ba§ fol^e Sinmifc^ung eine SSnnbe in feinem 
§erjen äurudliefe. 

SBir finb über biefe X^atfac^e burrf) ein ^IftenftüdE ^) be§ 
faiferli^en S3otfc^after§ am fpanifc^en §ofe nnterri^tet, njet 
c^eg feit ber nun über ätüei 3at)rje^nte bauernben »eifen 
Sröffnung beö Sßiener ©taat§artf)it)e§ für bie 3^^^^ t)iftori^ 
fcf)er gorfdE)ung öergeblid^ aEen benen äugänglicf) getuefen ift, 
tpelc^e fid) mit biefen für bie ®ef(^icf)te ber SJienfd^^eit fo 
tüiditigen gragen injtüifdien befc^äftigt f)aben. 

^aifer SKajimilian IL unb beffen ®ema£)Iin, bie ^aiferin 
SWaria, tüetc^e burd^ nie getrübte, innig 2) geftf)miftertid)e 



1) „Spanien, ©orrefponben^ 6. 20 Crininalberidite beS faif. ©e^^ 
fanbten %xf)xn. 5lbam öon S)ietridiftein de 1566." @8 l^anbelt fid^ um 
ben auf fieben ©rogquartfeiten gefij^riebenen Söeric^t öom 11. gebruar 
1566. 3Rot^iag Äoc^, CucHen jur ©efc^ic^te beS ÄaifcrS SKafimilian I. 
(1857) ©. III, faßt itoax, er l^abe hk Söeri(]^te 2)ietric^ftein8 auS bem 
5Slener ©taat^orc^iöe öon 1563 bis 1568 „geiüinnen" fönnen, boci^ »ic 
eS f(]^eint ni^t ober ni^t immer im Original, ba fo öietc SluStoffungen 
gerabe oft be8 SSic^tigften faum begreifüdj wären. 60 fte^t eS andj 
mit bem öon Äoci^ I 153 biS 155 in ganj unäulänglic^cm 5tu§5uge ges 
gcbcnen SBerid^te öom 11. gebruar 1566. 2)ie l^ier nid)t öon il^m ab- 
gebrucften Srflärungen bc8 Äönigä ^l^ilipp l^at er in einer fürjcm 
SBiebcrl^oUmg au8 ber 2)epef(i^c öom 18. 2Kal 1567 gegeben (I, 188) 
wo fic ol^ne öiel Söclang fmb. 

2) Gachard, lettres de Philippe II ä ses filles 133 (15. Qanuar), 
138 f. (29. 3önuar, aucf| über bie ^(l^nlic^feit i^rer ©efic^tSjüge), 154 
(19. Srebruar), 140 (5. aKärj), 155 (19. gKärj), 161 (2. Slpril), 175 
(4. 3uni). Sämtliche l^ier citierte S3riefe beS S^önigS finb au8 bem 
3a]^re 1582, bancbcn fommt noc^ ber beforgte öom 20 S^ioöember 1582 
(@. 128) über ber geliebten (Sc^wefter ©eefal^rt in S3etra(f|t unb befon^^ 
berS ber über ba§> Söieberfe^n „nod) 26 ober eigentlich norf) 34 3a§ren'* 
öom 7. 3Kai 1582 (@. 167). 



40 3)er @trafbcfd^Iu6 gegen glanbern. 

Zuneigung mit ^f)ilip^) IL öerbunben tuar, I)atte ftd^ in einer 
überanö n)id)tigen nnb bi^creten Slngelegenlieit an biefen 
Äönig getpenbet; benn 5ßt)ilipt) galt in ber ganzen gamilie 
ate ber SSefonnenfte unb ©dEiarffid^tigfte. @§ I)anbelte fid^ 
nm eine SBerbinbnng il)rer S^od^ter Slifabetl^ — nad^ be^ 
laiferlidöen S5j)t)d^after82luffaffung: Snfanta 2)onna Sfabel— 
mit bem Könige Starl IX. t)on granfreid); über biefe SBerbnng 
tourbe 5ß^ilipp um feinen SRatl) erfud^t. 9lad^ feiner öorftd^== 
tigcn 3Beife überlegte Äönig 5ß^ittp|) bie ^InttDort längere 
3eit „mit I)öd^ftem gleite". (£r fd^eint fie bann in ein* 
gel)enber gormuliernng mit bem |)eräoge l)on §Uba feftgefteßt 
gu I)aben, tüeld^er ben 5tuftrag erl^ielt, fie bem 95otfd^after 
münblid^ öorjutragen. (£§ gefdjal^ um ben 10. gebruar 1566, 
alfo el)e gegen ®nbe biefe§ 5!Konat^ bie ?ladE)rid^ten aug 
gloriba eintrafen, tpeld^e bie, njie e§ fdjeint, öon allen <)0* 
litifc^^benfenben Spaniern gemünfd^te 9Sernidf|tung ber bor=^ 
tigen franjöfifd^en ßolonifation melbeten. 

®e§ ^erjogg non Sllba SRitt^eilungen begannen mit 2lu§* 
brüdEen tion greube unb S)an! be§ Äönigg, bafe ber ^aifer 
fid^ fo „brüberlid^ gutfiergig" geäußert unb in biefer Singe* 
legenl)eit erniiefen l^abe. 2lud^ ber S!önig feinerfeitö toerbe 
bem Saifer gegenüber ein redl)t treuem, suüerläffige^, brüber* 
lid^eg ©emütl) ertDeifen. Über biefe @intrad)t beiber ^errfd^er 
erllärte 2llba feine f)öc£)fte greube unb bie aller 3Belt („me* 
ni!f)lid^")f ^- ^- '^^^ Quitn ©efellfc^aft ©panieng. ©iefem 
^ärtlid^en ©rguffe fügte ber finge Staatsmann jebod^ bei, 
ba§ „ju üerl^offen" fei, e§ n)erbe biefe Sntimitdt aud^ ben 
gemeinfamen geinben unb, b. l). junädift in ben $yiieberlan* 
ben: ben 3BiberfadE)ern fid^ fd^äblid^ ertoeifen; aber beSSönigS, 
unb alfo aud^ beS §errfdE|erreid^e§ ßaftilien, Sanben unb 
Seuten tperbe fie ju glüdlidjer 2Bol)lfal)rt unb Smporblülien 



SSemül^ungen ber Königin @Ufabetl§ öon @J)amcn. 41 

gereichen, hiermit meinte aber Sllba biefe ©efü^töäu^erungen 
„lieber abbred^en" ju tüoüen. 

Se genauer ber SJönig bie grage ber franjöfifd^en §eirat^ 
ertDogen t)abe, um fo ftärfer feien feine Säebenfen gegen bie*= 
felbe getüorben. S)iefe SSerbinbung toerbe bem Äaifer leineö^^ 
tpegg ein ]^öf)ere§ 3D?afe t)on franjöfifÄier greunbfdiaft unb 
®üte bringen, hierauf enttüidEelt Sllba im föniglidien 5luf== 
trage bie golgen ber ©^efdjliefeungen mit gran!reid) t)on 
©eiten ber gemeinfamen SSorfafjren beö ^aifer^ tuie beä 
Sönig^. Unter benfelben erfd^eint aber aU jüngfteS öeifpiel 
$I)iIipp'§ eigene S^e al^ bon genau benfelben golgen tpic 
bie frül^eren begleitet. 2)er ^aifer toie atte "SBelt fennen 
biefe§ ©rgebni^. S)ie granjofen merben eben if)re falfdö^n, 
I)eimlid)en ßiften, Sauden unb 9tänle nie aufgeben, um ben 
S!aifer tüie ben Äönig um ßanb unb Seute ju bringen. 
9?od) ganj neuerlid^ l^abe fid) ba^ in ^loriba gezeigt ^). ©ine 

1) 5lu§ bem betreffenben überaus langen ©a^gefüge, nield^eS bem 
unmpgüd^en ^erlobenbau in unferen „^enetianifd^en S)ej3efc^en öom 
ßaiferl^ofe" beinal^e entfiprid^t, fe^e idj bie für bie öorliegenbe grage 
lütd^lige erfte ^älfte bon ber glveiten ©eite ber S)e^3efc^e t)it^tx: 'Dan 
aimal so khunten und hetten sich Eucher M[ajestä]t diser heirat 
halben nit mer freuntschafit und guet zu inen zu versehen, dan 
zuvor aus soliher und dergeleihen befreuntung erschinen sej, bej 
denen heyraten, so anher kha[y8erliche]n M[ajestä]t und ier 
kh[unigliche]n Wie[rde] hochlobliche Vorforderen, auch er am 
jungisten selbst, mit Frankreich gepflegt hetten, gegen 
wolchen (!) sj ain weg alls der andere , wie Euher M[ajestä]t und 
der gantzen weit bewist, ier falsche hambliche lust (!), tukh und 
pracktikhten, umb laut und leit zu bringen, zu treiben und 
zu geben nit unterlassen, auch noch nit lassen thaeten und hierz 
jungist mit Florida ertzaigt hetten und sei seines erachtens 
nit muglich, das ainer so grossen und von vill iaren her anererbten 
naturlichen feintschatft sj durch mitel der heirat oder ainicherlaj 
anderer befreundung vergessen oder gar fallen lassen und gegen 
dem haus Ostereich ain rehte lieb zuenaigung und vertrauen fassen 
khunden oder mögen.' 



42 2)er ©trafbefc^Iuß gegen glanbern. 

fo öieliä^rigc ererbte geinbfd^aft gegen ba§ §au§ Dfterreid^ 
laffe fid^, nad^ beg S?ömgg ©ragten, ntd^t buri^ ^eirat^ ober 
fonfttge Slüianä in njal^re Siebe, 3"^^i9i^^9 ^^'^ SSertranen 
t)ern)anbetn. SBei jeber fic^ bietenben (Gelegenheit tüerben bie 
granjofen biet mei|r ju it)rer alten Slrt nnb 9?atur (aigen^ 
f^öffO äurüdCtreten. ©anj fo ftel^e e§ mit bem je^igen ®rän* 
gen ber granjofen am ^aiferl^ofe; fie fjoffen, burd^ enge SBer»' 
binbung i^re bösartigen, falfd^en SRänfe mit befferer SBe^ 
red)tignng nnb Gelegenheit jum Qkk jn führen (bnrd^ju^ 
rn!f)en nnb jn bringen). 3^te ©efinnnng geigen fie burdf) 
tt)re 2lngflnd^te gegen |)ilfeleiftung für ben S^aifer gegen bie 
Slürfen. 93ei ber ^mat^ njoQen fie nur bie (im Sai)re 1552) 
bem beutfdien 8teic^e entriffenen Oebiete für fid^ fetbft fid£)ern. 
aSie fe^r aber ber Äönig fortn)äf)renb bie feinbfeligen 
^anblungen granfreid^S gegen feine eigenen näc^ften 
Sntereffen, audE) ganj abgefe^en t)on gioriba, im Singe I)at, 
fie^t man red^t, menn man über bie betreffenben Äonflüte 
bie fcf)on früfier (©. 34 Slnm. 3) berü{)rten SluSfüfirungcn 
ber Königin tat^arina SRebiciS öom 17. SRärj biefeS Satjreä 
1566 äu diati)t jie^t: aöe SQef^ulbigungen beS S!önig§ toegen 
SKarfeiße, ßorfica, ©enua^) njerben Ijier atö irrig ober er* 
funben abgelet)nt. 

aSie man fiet)t, ^at bie t)on i£)rer SRutter befohlene ))oIi- 
tifc^e Intervention ber Königin ©lifabet^ in ber Stngelegen^ 
^eit öon gioriba bei bem fpanifdEjen ©ouöerän einen fel)r 
bittern ©inbrnd äurüdgelaffen. SludE) ber faiferlid)e ®efanbte 



1) 3n bem nid)t unrichtigen ^fcerpte bei f od) I 154 ift 3eile 3 
üor $ebro ^orfo nic^t 'dem Juan' ^u lefen, fonbern *dem jitan' 
(= guiton), b. ^. Taugenichts, Sanbftreic^er; ic^ benfe, e§ ift ein corpfdber 
(Sonbottiere «ßeter, weldier biefe§ 2lttribut njo^l öon bem ^erjoge öon 
3llba öerbient l^aben toirb. 



Äir^en= unb Söilberfturm in ben ißieberlanben. 43 

bcrid^tet übrigen^ feinem ®ebteter mit ©enugt^uung am 
legten gebruar bie eben angelangten SRad^ric^ten öon ber 
aSernid^tnng ber granjofen in Jiorbamerifa. 3)er fpanifd^e 
S5efe{)föf)abet bei biefer ©Inttfjat em))fing neben großer 2Iu§^ 
ftattung bie Srl^ebnng jnm SJiarfgrafen nnb l^iemit ben britten 
aiang nnter ben ©rofeen be§ 9ieid^eg, SBeibeö ber Slid^tung 
ber öffentlidien Sßeinnng be§ ßanbeS entfpred^enb. 

3&tr(l)ett« unb Jilberpturm in ben Hteberlattbett* 

S)iefe ung tüie ein fd^red^afteö SÄärcfien au§ graner 
SSorjeit erfd^einenben ^anblnngen unb Überjeugungen finb 
ein tüefentlid^eö ©türf ber nationalen SBetljätigung be§ nodE) 
fo n)affenmäd)tigen fpanifd^en SSoIfeg. Slber toenn ba^ 
Slutobafe bie @m^)finblid^feit be^felben für feinen ©tauben 
er!ennen ließ, fo muffen tpir auc^ bei ben ©cenen öon 
gloriba au^ bem jener SorteSöerfammlung Vorangegangenen 
Sa^re jugeftetien, baß toie auf religiöfem, fo aud) auf t)oIi^ 
tifc^em Oebiete bie SSernic^tung beö nationalen ®egner§ 
caftitifdier SSorfteÜung jener ßeit aB 5ßflid^t erfdE|ienen ift. 
Um bie 5lufnal)me unb öeanttoortung ber nunmel)r ju bt^ 
fpredienben SKitt^eilungen ju toürbigen, tooUe ber Sefer fid^ 
biefe politifd^e jugleid^ unb reügiöfe Sigenart ber caftilifd^en 
3lation gegentt)ärtig t)alten. 

3n ber üon bem ©taat^fefretäre am 11. ©ejember 1566 
ben 6orte§ öerlefenen SBotfd^aft mürbe, toie toir (®. 12) 
fa^en, nur in einer 5lnbeutung ber 3^^ftörung gebadet, 
toeld^e t)or toenigen SKonaten in ben 9?ieberlanben an I)eiligen 
Oebduben, SBilbtoerfen unb ®erätt)en öerübt toorben toar. 

3n etttja ad)t ober neun öon ben breije^n fogenannten 
Staaten ber SRieberlanbe, n^enn aud^ nic^t überall mit 



44 2)er ©trofbefd^Iug gegen grtötibern. 

gleid^er |)efttgfeit toar, bei gänjltd^er ^tlf^Iofigfeit ber 
Stegierung^getDQlt, eine Wct elementaren SßoIföfturmeS gegen 
Äird^en nnb Älöfter loSgebrodien, bnrd^ toeld^en eine 3Renge 
nnerfepdier Sunfterjengniffe bernid^tet tporben ift ©o biele 
tt)ilbe S5egel)rlid^leit nnb niebrige Seibenfd^aft ^iebei cmä) 
mitgetoirlt ^atte, fo erflärte bod) ein altabeliger SSertreter 
berjenigen religiöfen Slnffaffnng, toeld^e fpanifd^er Sied^tS- 
glänbigfeit am meiften entgegengefe^t toar, in ^njel ^^hxQ- 
fc^riften, bafe biefer „Silberftnrm" gtoar irregnlär, iteil ol^ne 
obrigleitlid^e Slnorbnnng öoUjogen, aber :prinei|)ieß jn 
billigen fei^). 



Da0 ^erl)altm0 }ll)iliy|i0 IL ju ben Heformiertett. 

§ier möge mir geftattet fein, biefe in iliren folgen anäf 
für ®on Sarlog' S)afein fo tpidEjtig getoorbene Sataftropt)e 
ber nieberlänbifd^en SBetüegnngen nod^ bon einem anbern 
®efid)t§punfte jn betrad^ten. (£§ ift bie Srtoägnngr ttjeld^e 
ftdö nnter allen bei jener ©orteöeröffnnng im Sllcafar bon 
SKabrib 5tnn)efenben borau^fic^tlid^ nnr bem Könige felbft 
barbot. 2)er ©ebanfengang be^felben t)at nng bod| fd^on 
bi§I)er and^ nad^ anbern ©eiten bef^äftigt. 

2)ie aggrefftüe (Sr^ebnng ber reformierten ^rd^e in ben 
SWeberlanben mufete für 5ßf)i%p IL aUe bie SBebenfen nnb 
®efal)ren in Srinnernng bringen, tt)eld£)e biefe religiöfe 
Sßenernng feit met)r afö bier Safirjelinten für feinen faifer^^ 
lid^en Sßater nnb bann für it)n felbft im (befolge gel^abt I)atte. 
SDKt ber boQen Sinfül^rnng oon ß^i^^S^^^ SReformibeen 
entzogen fid^ bie ßö^d^er ^Irnppen, n?eld^e n)efentlid^ bem 



1) SSloü^ mntx Q. a. D. I 317, 360 flgbe. 



3)aä SSer^öltnig $^ilH)J)8 IL ju ben Sieformierten. 45 

mit bctn ßatfer berbunbenen 5ßapftc ^arnia unb ^ßtaccnja. 
erobert l^atten, bent italienif^en ©ienfte. Snt Suiti 1529 
f)atten bann bie reformierten Santone nnter ßtüingli'ö Seitung 
mit bem erften, nad) puritanifd^en ©runbfä^en lebenben Sßolfö^ 
fteere, loel^eö bie Unit)erfatt)iftorie fennt, bie fat^otifd^en 
„Drte" gejtoungen, . bie Urfunbe ifire^ neuerlid^ gefd^Ioffenen 
Sunbe^ mit ^ß^ilipp'g DI)eim Äönig gerbinanb in einer ß^tt 
fo öieler, auc^ bon ben 2;ürfen bro()enber ©efal^r I)eranö^ 
angeben, ©elbft naä) bem ^appeler ©iege bon 1531 über bie 
9ieformierten finb bief e fatf)oIif cf)en Kantone nid^t me J)r jn einem 
eigentlid^ politifd^en Sunbe mit bem §anfe |)abgbnrg ju 
bringen getoefen, fo ^erjlic^ fie fidEi and^ fpäter gerabe ^ßl^i* 
Ixpp IL. aU bem SSater ber (£t)riftenl)eit religiös, nnb für bcffen 
mailänbifd^en S3efig militärifd^, Verpflichtet I)aben ^). SRid^t gan j 
fieben Saläre nad^ jener 3)emütt)ignng bnrd^ ben S8ünbni§= 
brndE) toar ein anberer Df)eim be§ Äönigö, ber .^erjog öon 
©abo^en öon ben Sernern, n)eldf)e it)ren reformierten 
©laubenSgenoffen in ®enf jn §ilfe sogen, be^ SßJaabtlanbeg 
beranbt toorben; erft anö biefem ©iege ber fd^toeiäerifdien 
Sieformierten fjatte and^ ber Sönig öon granlreid^ Slnlafe 
genommen 2), bie Sanbe be^ |)cräog8 anzugreifen, i^n ju 



1) 2. Sötiuar 1573 bie fünf Orte on ben Äönig. SfJac^ bent borro* 
mäifd^cn Söunbe öon 1579 il^r förmlicher SSertrag öom 12. üRax 1587 
bei aWatl^iag Äo(^, CueHen jur ©efc^ic^te Äaifer aRofimilian, II. 
S5anb II (1861) 125 biS 133. 

2) S)ie entfcfteibenben ©teilen bei fRanle, ^eutfd^e ©efd^id^te IIP, 
322 fg. 6. ^ü. Cornelius, 3)ic Sßerbannung dalöinS (Slbl^anblungen 
ber ba^cr. ^fabemie 1886 XVII 713): ,,®er SBefc^Iug ber aßgemeincn'' 
;,S5ürgert)erfammIung öom 21. Tlai 1536 l^atte bie neue ^rd)e jur" 
;y©taatS!irc^e erlauben unb ben Äatl^oliciSmuS ouS ®enf auSgefc^Ioffen.'' 
S)erfelbe, bie SRüdfe^r ©alöinS nad^ ® enf (©benbaf. 1889 XVII, 434) : 
„S)ie l^eröorragenben SBertreter ber alten Äirij^e, ©eiftlidje unb SBürger" 
„waren Vertrieben unb au§flewanbert." 



46 ®er ©trafbefc^Iuß gegen gianbem. 

t)ertreiben uiib fo einen neuen ßrieg gegen ben Siaifer mit 
einem für biefen ungünftigen 5lu§gange anzufangen (1536). 
®ie SRüdfid^t auf bie 3it^til)me ber ^Reformierten in granf* 
reid^ mar eineg ber SKotiöe getpejen, tpeld^e ^tjilipp trog 
feiner Siege im Scil)re 1559 ju bem griebenfd|luffe bon 
Kateau ßambrefiS belogen ^). 

SBie mäd^tig tüar il)m tnätt)ifd)en baöjelbe 93e!enntm§ in 
^Britannien entgegengetreten! SBäf)renb ber bier Satire, ba 
er als Äönig aud^ bon ©nglanb neben feiner ©emal^lin 
3Karia S^ubor, unb beren Sifer gleidö feinem faiferlid)en SSater 
ef)er mä^igenb, an ber §errfd^aft betf)eiligt geniefen ttJar/ 
l^atte er bie fird^üd^e SanbeSberfaffung njefentlidE) im refor^ 
mierten ©inne beränbert borgefunben. 9lac^ Sßaria Xubof S 
S^obe I)at bort beren geifteSmac^tige ®dE)tt)efter ©lifabetl) 
regiert unb an biefe gelangte, eigentlid) gtoeimal, 5ß]^iIit)pS 
aSerbung. ©ie t)at biefe SSerbinbung „mit bem naiven 
aSertoanbten", toie fie fagte, banibar, aber bod^ entfd£)ieben 
abgetüiefen. Srft bann I|at biejer fid^ nad^ einigen 
SKonaten entfd^loffen, feinem SeboHmäd^tigten, bem §er* 
joge bon Stiba, jene bamalS bierjeliniä^rige franjöfifd^e 
ÄönigStod^ter be§ gleichen SRameng ©lifabetl^ antrauen gu 
laffen, beren feltfameS ©efd^id unS früfier (@. 37 fg.) be== 
fd)äftigt ^at unb nod^ toeiter unfere 3lufmerffamleit in 
9lnfprud^ nel^men toirb. 

S)ie bon bem fpanifd^en Slönige fo fel^r begeJ)rte englifdEje 
Slifabetl^ toar nun ätoar eigentlid^ tüeit me^r ben l^ierard^ifc^en 
Drbnungen im ©inne il)re§ SSaterS jugeneigt; bie anglifa^ 
nifd^e ^rd^e I)at fie aber junäd^ft bo(^ nur burcE) mannig^ 
fad^e 2lnnäf)erungen an jene unter i^rem SBruber, Sönig 
6buarb VI., eingebrungenen reformierten Sluffaffungen ge^ 

1) SRanfe, 5ranjöftfd|e ©efc^id^tc I 197. 



S)a§ SBerl^ältniS ^^llippS IL ju hm SRefovnüerten. 47 

ftalten fönnen. 3n totit l^ö^erm, ja entfd^eibenbem ®rabc 
finb btefe Sluffaffungen, unb stoar gteid^seitig mit Slifabctl)^!^ 
Slbfd^tuffe ber angltfanifd)en Äird^enüerfaffung, in ©d^ottlanb 
burd^gebrungen. S§ erfolgte freiließ biefe fdjottifd^e Jjreöb^te* 
rianifd^e ©eftaltung nici)t in ber urfprünglic^en ^üxiä)tv, 
immerl^in einigermaßen in ber ®enfer gorm burd) einen 
SBunb ber reformierten ®eiftlid)feit mit bem Slbel, tpeld^er 
f)terbnrd^, gefe^Iid^ tjom Saläre 1568 an, ben beften S^^eil 
ber ^rd^engüter getüann. SBie toeit biefer $ßa!t öon 
ßtoingli^ ®runbfä^en entfernt toar, ergtebt fid) freilid^ fdfjon 
au§ ber Srtüägnng, baß B^^^Ö^ feine Äoßegen Dom (Sl^or:^ 
l^errenftifte beS ßötid^er (Sroßmünfterg betoog, mit ber 3ln* 
nal)me feiner 9teformation ben großen ©mnbbefi^ biefeg 
©tifteS an ben ©taat unb bie t|iebei frei erflärten Seib* 
eigenen ju Derfd^en!en. 

(Sben in bem 3al|re 1524, in toeldiem baö in Snxxä) ge^ 
fd^al^, tourbe bort aud) unter obrigfeitlid^er Seitung ber biö 
auf Sird^enorgeln fid^ erftredEenbe „95ilberfturm" burdtige* 
fül^rt, n)eld^er bann in aüen Sanben reformierten Selennt* 
niffeg nad^geal^mt toorben ift SBie toir gefe^en ^aben, ift 
felbft bei ben ftjüften Sj^effen ber nieberlänbifd^en ^rd^en* 
unb ÄIöftert)Iunberung t)on einem leiblid^en Senner refor^ 
mierter ©ogmatif, toie jenem in ®enf t^eologifc^ gebilbeten 
Sbelmanne, ber bie jtoei SSert^eibigungöfd^riften „t)om 93ilber^ 
fturme" fd^rieb, biefe 9^ad&at)mung gebittigt toorben. 

3n ber %^at toax im Sa^re 1559 bei bem errungenen 
©iege ber Sieformierten in ©d^ottlanb unter njeltlid^er 
gülirung ber meiften (Sbelleute unb geiftlid^er StHigung beö 
unbeugfam raul^en Saloiniften Sotiann Änoj^) eine gänj* 

1) Burton, history of Scotland (mit bem atJ^ten SBanbe 1873 ab* 
gefd^loffen) III 352 bi§ 356. 



48 ^er ©trafbefc^lufe gegen glanbern. 

lid^e SSernid^tung ber meiften tlöfter unb ein organifierter 
SBilberfturm an faft aßen Äird^en Vorgenommen toorben in 
t)oIIem ®egenfa^e gegen ben 2BiIIen ber Iatt)oItfd^en Königin* 
Stegentin unb il)reg 3tat^eg. SBag t)on ben franjöfifd^en 
9Jeformirten, namentltd^ in ben Salären 1561 unb 1562 
gegen Älöfter unb tirdjen gef(i)ef)en ift, toax boc^ nid)t tion 
foldiem Gelange unb ift nidjt ju folc^em ©rfolge gelangt, 
ba§ e^ i^ren ©lauben^genoffen in ben S^ieberlanben afö 
SSorbilb l^ätte bienen lönnen. 

SRun mufete gett)i§ aud^ aufeer Äönig 5ß^ilipp jeber 
fatI)oIif(^ benlenbe ©laubige unb befonberg in Saftilien tief 
empört fein über biefe Sßerle^ung feiner elementarften ©m^ 
pfinbungen in beg Äönig§ W^^W 5RieberIanben. Slöe t)on 
bort nad^ (Spanien Oefommenen, tJoHenb^ bie SSertreter t)on 
Slnfpriidjen ber nieberlänbifdEjen ©täube, tourben t)on ben 
6aftitianern gemieben, aU bie $Rac^rid^ten t)on biefen txxä)tn^ 
fd^änberifdEjen Saaten nieberlänbif^er aSoIfötout^ eintrafen. 

aJJan rügte Von Seiten ber ßffentli^en SKeinung in 
Spanien, biefe tüilben Slugf^reitungen in ben 3iieberlanben 
feien erfolgt, o^ne bafe bort felbft aug bem Slbel au^ nur 
irgenb Semanb erfdjienen tt)äre, „ber feine ©timme für ®ott 
unb ben tönig er{)oben f)ätte". ®ie 5ßrebiger mcf^ten bon 
ber Sansel ben ©laubigen SSortoürfe, bafe fie mit unterge:^ 
fd^Iagenen Slrmen I)ier blieben unb bie ^eilige Sir^e, i{)re 
SÄutter, in gtanbern entehren liefen i). 



1) 3n aut^enüfd^er SSeife finb mir hierüber burd^ jenen ©toanier 
unterri^tet, toelc^en ber ©raf öon §oorne mä^renb feinet ftoonifAen 
Slufent^alteg in S)ienft na^m unb in feinem §Qufe, befonberS als @e- 
fretär, öertoenbete (Th. Juste, le comte d'Egmont et le comte de 
Hornes 1862©. 131 ögl. oben®. 12 Sinnt.) ©iefer SllfonS öon Saloo feit 
bemSanuar 1566anben©of gefc^icft, berichtet anben®rafenöon$oorne am 



^ic SfJeformierten in ben ^iieberlanbcn. 49 

S)en 93tlberfturm ber SReformtctten in ben SRieberlanbcn 
l^atte bte bortige SRegtcrung unb eine 3^itlang, obtool^I unter 
geheimem notariellem ^rotefte Äönig $ßt|ili<)p felbft, burd^ 
Sonceffionen ju befd^tüi^tigen fud^en muffen, gür ben König 
ftanb aber nod^ ganj Slnbere^ auf bcm ©piele, atö ber religiöfe 
SSiöen feiner getreuen ©panier, bem boä) bor faft bierjig 
Satiren aud^ fein faiferlid)er Sßater, nad^ ber 5ßlünberung 
9f{omS burdö feine Xxnpptxtf fid^ fiatte fügen muffen. ©0 
toirb e§ au(^ ni^t blofe ber UntüiHen über bie ©c^dnbung 
feinet ®Iauben§ unb feiner 3lutorität gettjefen fein, toeldtier 
bei xtjxa nacE) bem ©ntreffen biefer fd^Iimmen ^iad^rid^ten au8 
gtanbern ein f)i^ige§ gieber fjeröorrief. 

Die Kefotmietten in ben Hieberlattben* 

9?ad^ jenem fd^ottifd^en SBilberfturme im Salute 1559 l^atte 
e§ bie Kombination ber europäifd^en 5ßoIiti! mit fid^ gebrad^t, ^) 
ba§ 5ßi)iltpp bie §ilfeleiftung ber Königin (Slifabett) tJonSngtanb 
für bie f(^ottifdöen ^Reformierten gegen franjöfifd^e Xruppen 
unb ©d^iffe nid^t nur billigte, fonbern nad^ Kräften betrieb. 
(S§ gefd^at) ba8 gleid^mäfeig im Sntereffe ©panien^ toie ber 
SRieberlanbe. 

SBä^renb ber feitbem öerfloffenen fteben 3ci£)re l^atte 
fi^ aber bie Königin SJiaria ©tuart atö eine treue ©tü^e 



20. @eJ)temBer 1566 al§ fpanifd^e ^Inftc^t: que no aya parecido nadie 
que tomasse la voz de Dios y del rey; ... los predicadores . . . 
hazen .... por las cosas de Flandes .... reprehension ä los 
Espailoles que estan aqui con los brazos cruzados; dexando violar 
allä la Santa madre yglesia. (Baö^ath, ^on ©arloS II 356 fg., roo 
aud^ anberc S^ugniffe ber allgemeinen fpanifdjen ©rbitterung übet hm 
nieberlänblfd^en S3ilberfturm.' 

1) dianU, englifd^c ©efcftic^te I 330. 
8ftbinger, 2)on daxioy $aft unb Xoh. 4 



50 3)cr (5traf6cfc^Iu6 gegen gianbem. 

beö fatl)oItfc^en Olauben^ unb in ben Hauptfragen au^ bcg 
Sntercffcg bcr fpantf^^ijab^burgifd^en europätfd^cn 5ßoIttif cr== 
tpiefen. 9lad| ilirer ^erfunft, ilirem ©firgeije, it)rer ©tcnj^ 
nadEibarfd^aft hjar fie bie bom ®d)irf)ale gegebene SRad^foIgertn 
ber Königin (Sltfabetl^. 5)iefe aber I)atte fid^ injtoifd^en eine 
große, ber fpanifd^en $ßoIitiI in fteigenbem SWafee fi^ ent* 
gegenfteHenbe^ßofition getponnen nnb afö gef ät)rlid^e ©d^ü^erin 
ber Unäufriebenen in ben SRiebcrIonben tt)ie ber 9lugtt)anberer 
au§ benfelben ertoiefen. SJlod) njar im ©ecentber 1566 SKaria 
©tuart t)on ben fd^ottifd^en Sieformierten nid^t befeitigt 
3lm 17. S)ecember fanb bie feierlid^e Xaufe ilireg ©ol^neS 
unb 9?ad^foIgerg 3a!ob ftatt. ©ie tiatte nod^ einen ergebenen 
Sln^ang borneljmlidE) IatI)oIifd^er ©beHeute. greilid^ lonnte 
SWiemanb fagen, toie nad^ fo fd^toeren, i£)r angeti)anen ^rän^ 
fungen trog aller Sluöfötinung fid^ ba^ S?erl|ältni^ ju i£)rem 
bamaligen (Satten §einric^ S)arnle^, ber im näd^ften gebruar 
(1567) umgebrad^t tourbe, geftalten unb fie felbft in ©d^ott^ 
lanb ein ernftIidE)er galtor für bie großen IirdE)Iid^en unb 
politifd^en fragen ber Qdt bleiben tt)erbe. (£rlag fie il^ren 
©egnern, fo toar bie ©ad^e ber äieformierten in ©d^ottlanb, 
njie ja aud^ bie näd^ften beiben Saläre gejeigt tiaben, für 
immer gefid^ert. ©er politifd^-religiöfe 3Biberftanb in ben 
SWieberlanben, toenn nid^t inäloifdien gebrod^en, ^atte bann in 
beiben britifd^en Steid^en einen modrigen SiüdE^alt — ganj 
abgefel^en t)on ben unberedCjenbaren ©d^toanlungen beö ®ange^ 
ber 9ieIigion§friege in granfreic^. 

SWod^ über ein anbere^ SWoment fonnten ber fpanifdt)e 
Äönig unb t)ermutf)Iid| audE) 3)on 6arIo§ fid^ nic^t tauften, 
tüeIdC)em e§ für mantfie Kombination, toie n^ir nodE| fet)en 
toerben, an (£infidf)t leineiloeg^ gcbradE). SJiit einer Drganifation 
ber reformierten Äird^e in ben Jßieberlanben trat, toie bem Sat^o* 



Slbfid^ten SBlll^clmS t)on Otanien. 51 

liciämuö fo ber abfofuten SWonard^ic, eine SKad^t entgegen, 
tt)eld)e auf gang entgegengefe^te SSorauöfe^ungen gegrünbet 
toar. §ier toax eine neue Sluffaffung ttjie ber d^riftlic^en ®e^ 
nteinfdiaft ber ©laubigen, fo auc^ be8 ©taateä jum S)ogma 
gemad^t. Seibeö, Sir^e unb ©taat ber SRefomtierten, bafieren 
auf bem felbft^errlic^en aSiöen ber ©emeinbe, tt)ie it)n juerft 
gtpingli in bem SKutterftaate Qixxiä) jum StuSbrude gebrad^t 
l^atte unb im näd^ften Saljrl^unberte in tüirfung^öoHer Un^ 
nafjbarfeit bie 5ßuritanerftaaten Don 9ieuenglanb ju bem 
DoHen Seben ertoeden foHten, tod^t^ bem S)afein ber 9Ser^ 
einigten Staaten nid^t am toenigften fein nun me!^r afö I)un* 
bertjö^rige^ ©epräge gegeben i)at 

6^ beburfte benn bod) erft einer langen SReif)e bon fd^lüeren 
Seiben, eineS graufigen Strömend Don 3Renf(^enbIut, bi^ felbft 
äh)ifd^en ben reformierten ©emeinben in ben 9iieberlanben, ben 
bortigenSbelleutenunbbenbal^in ©ngetoanbertenbeS beutfd^en 
fürftlid^en Slbet^ fid^ fefte Segieliungen l^aben finben laffen. 

^bftc^ten )DUl)eIm0 tion Uranien. 

Slud^ ber, tDeld^en ^önig ^f)ilipp im ©ecember 1566, unb 
mit gutem ®runbe, aU feinen entfd^iebenften unb erfinbungS^^ 
reid^ften ©egncr in jenen ^roDinjen betrachtete, audE| ber 
„fdEitoeigfame" ^ßrinj Don Dranien, ®raf SBit^elm Don SWaffau, 
l^at fid^ in biefer Qtxt nod^ ftarl genug gegen bie refonnierte 
Seigre auSgefprod^en. 6r lüoHte bereu SBefenner in ben S^ieber^^ 
lanben baju bringen, fic^ ben Don feinen (SItern unb Sörübern 
unb i^mfelbftaföSnabengetfieiltenSluffaffungen ju bequemen, 
toie fie bie ßutljeraner in Derfd^iebenen Formulierungen, bod^ 
bi§ ju einem gett)iffen ®rabe fämtlic^ im 3lnfdE)Iuffe an bie 
bem 5lug§burger 9f{eidE)§tage Don 1530 übergebene ©onfeffion, 



52 ®cr ©trafbefc^Iuß ßegen fjlanbcrn. 

. ju il^rem ®Iau6en§gefe^c gemad^t l^atten. S)ie in bcr SReid^S^ 
gcfc^gcbung t)on 1555 auögefd^Ioffencn ^Reformierten, obtDOl^I 
toäJirenb ber nieberlänbifd^en Unruhen felbft ber Äurförft öon 
ber 5ßfalä ä^^ i^"^^ gel^örte , ignorierte Dranien bei biefen 
fd^roffen SSerföfinunggborfd^lägen. ^) Über allem §aber ber 
OlaubenSparteien unb of)ne ©crnpel, ja of)ne eigentli^eS Sn* 
tereffe für confeffioneHe fragen, fo ba§ er tooljl gelegentlid^ 
über fein momentane^ Söefenntniö gang entgegengefe^te 
Änderungen öerneljmen lie^, toünfd^te er ein bel^aglidEieS unb 
tptigeg, aöer ©etoaltfamfeit obl^olbeg Seben ju genießen 
unb ben if|m untergebenen JBet)öIferungen ju fidlem ober 
äu bereiten. Seber Unrufieftiftung loie jeber ©raufamleit 
toax er nad^ 9iatur unb Überjeugung abgeneigt. 

@r Iiatte SSertrauen unb Zuneigung beö mäd^tigften §ab§* 
bürgert, beg ffaiferg Sari V., in beffen legten SRegierungö^ 
jatjren toie lein anberer ©terbli^er befeffen. SSon bem 
©ommanbo ber faiferlidEjen Slrmee gegen granfreidE) toar jum 
SSoIIäuge einer (Spod^e mad)enben geierlid^Ieit ber bamate 
ätoeiunbätüanäigjälirige gürft burd^ einen 93rief beö Äaiferg 
felbft^) nad^ Srüffel berufen ttjorben. SRit feiner redeten §anb 
auf beS Sünglingö ©(^ulter geleljut, ooHjog ber §errjd|er 
am 25. DItober 1555 bie Übergabe ber 9iegierung in ben 
Jßieberlanben an $t)ilipp IL SSon bem fo geftü^ten faifer^ 
lid^en SSater ergieng bamaB an ben ©ol^n bie SmpfeI)Iung 
ber latl^olifd^en ^Religion unb ber ®ered^tigf eit 3). ©erfelbe 
junge Dränier I)atte bann in be^ jurüdEgetretenen ÄaiferS 



1) 3)ie ^l^afen biefer Slbnetgung gegen bie afJefortnierten l^at fRitttt, 
3)eutf(^e ©ef^ic^te 1 322, 356 fgbe, 368 treffenb ^eröorgel^oben. 

2) ©0 melbet er feiner ©emal^rm am 28. September 1555. Groen 
van Prinsterer, archives de la maison de Nassau- Orange I (1835) 16. 

3) Gachard, retraite et mort de Charles-Quint I (1854) 85, 95. 



Slbft(^tcn mif)tlm^ t)on Dranicn. 53 

Flamen am 25. gcbruar 1558 bie SSetäic^turlunbe auf bie 
Iaiferlid)e ®tvDalt fed^g Äurfürften, je brei latl^oltfd^cn unb 
brei lutl^erifd^en, in granffurt borjulegen. Srft nadE)bcm er 
bort t)or aßem SSoIfe biefe Urfunbe am 14. SRärj 1558 burd^ 
bcn SSicefanäler bcö SRetd^eS fiatte beriefen laffen, „toarb 
Söntg gerbtnanb aföerh)äI)lterrömifd^erÄatferprocIamiert^)"^ 
@r empfing baö Äaiferttjum gicidifam auS ben ^anben bicfe§ 
©rbgrafen bon SRaffau. 

SBie ptten fid^ fold^c ©cenen bem jungen gürften nid^t 
tief einprägen foHen! 3"^^f* ^^^ S8er<)flid^tung be§ neuen 
©ouüeränö in örüffel, bann SfnblidE unb SBalten ber bor^ 
nel)mften SSertreter be§ paritfitifd^en beutfd^en 9ieid^e§ in graut 
fürt, burd^ it)n bie Übertragung ber Äaifertpürbe. ©benba 
tiatten bie beiben festeren 3Hte ftatt, too einft SRuboIf, ber 
3l^nl)err beS nun fo l^od^ geftiegenen l^ab^burgifd^en §aufeg, 
äuerft unb bann afö beffen 9^ad)foIger jener Slbolf, ber einzige 
beö naffauifd^en §aufe^, ber nod^ bie Ärone getragen l^atte, 
ju römifd^en Königen beutfd^er Station gelüäl^It tt)orben 
tt)aren. 

@o lieft man nod^ tjeute nid^t oI)ne SSetuegung DranienS 
erften ©rief, ate er im 3at)re nad^ jener granffurter ©cene 
burd^ feinet SSaterS 5lbleben im Dctober 1559 regierenber 
Sleid^Sgraf tourbe. (£r ermal)nt feine Srüber, toie fie in 
boHer ©ntrad^t mit it)m jur 6rt)ebung i^reö alten ruf)m^ 
lid^en §aufeg ^ fid^ anftrengen muffen. S§ befeelt aud^ il^n 
ber eble ß^rgeij, tüeldfier bie größten furftlid)en gamilien 



1) 9ian!e, bcutfd^e ©efd^id^te V 325. 

2) . . . que nostre maison . . . soit . . . augment^ — ... de 
ma part . . . me emploieray tres voluntiers pour vous assister en 
tout ce que sera pour vostre bien et augmentation de nostre maison. 
©rocn ban ^rinfterer I 27. 



54 ®et: ©trafbefc^Iug gegen Slanbem. 

ju t^rer bamaltgcn ERad^t gehoben Iiatte. Äöntg 5ßl|tltpt) 
felbft lüurbe im SuH 1561 bur^ einen ©rief be^ ©arbinatö 
©ranbeHe benadirici^tigt , bafe Dranien fein §au§ auf feften 
©runb« ju bringen beabfi^tige ^). 

(S§ liegt naä) aüen biefen Srlüägungen gar lein SSiber^ 
fprud^ feines ß^arafterS in ber 3;t|atfad)e Dor, bafe er fid^ 
im grü^ia^re 1565 tabelnb über bie Säffigleit ber «erid^tc 
gegen pretifd^e EReuterei auäfprad^ 2)^ {^a ©ommer beS ndd^* 
ften SafireS aber bem ©ecretäre ber ©tattf)alterin ättjeifelloä 
begrünbeten Slnlafe ju einem 93erid^te nad^ 9Kabrib über feinen 
SRüdtritt äum 5ßroteftantigmuS gab 3). Sm grü^ja^re 1567 
f|at er mit feiner SBeigerung eineS neuen, ju unbebingter 
aSillfäfirigfeit berpflic^tenben ©ienfteibeg ficf) mit Siecht afö 
au§ beS StönigS ©ienften entlaffen betrad^tet ^). ©in fo eigene 
artiges ©adtjüer^ältniS l^at bie |)erjogin==®tattI)alterin äRar^ 
garet^a beffer, afö bie ®efd^id^tfd^reiber bis in unfere Qdt 
ju tüürbigen getüufet. ©ie genel^migte in ben freunblidEiften 
SBorten biefeS 3BitI|eIm öon 9?affau*Dranien ®efud^ um Sr=^ 
laubniS ber 5lbreife auS ben SRieberlanben unb fügte fiinju, 
bafe fie ilju immer lieben tt)erbe, tt)ie i^ren eigenen ©ol^n 
ober na^en 3Sertt)anbten ^). 



1) . . establecer su casa, que es lo que dize pretender. Papiers 
d'Etat de Granvelle VI 533. 

2) dpnt le prince d'Orange a marque . . . un grand m^conten- 
tement ntelbet bie ©tatt^dterin am 11. §lpri( 1565. Gachard, corre- 
spondance de Philippe 11. Tome I (1848) 349. 

3) 12. 3uli 1566 (gbenbaf. 431. 

4) Cranien an feinen ®efinnungSgenoffen ben Slbmlrat ©rafcn Don 
©oomc 13. Sl^ril 1568. Gachard, correspondance de Guillaume le 
Tacitume II (1850) 358. 

5) . . . ung mien fils ou parent proche. 30. ^xxl 1867. (gbeus 
baf. 371. 



V 



ßönig $l^Uit)p über bie ®Iaubend)Mirhät in ^eutfc^Ianb. 55 



jHomg |Il)ili|)|i über bie (Slauben0|iantat in Deutft^lanb. 

9Ran barf nid&t glauben, biefer für Dranicn fo bebculenb 
geworbene furfttid^ xeidi^red^tlid^e ®efid^t§punlt religiöfer 
^Parität fei ctoa bcm ftrengcn ©d^ü^er ber Snqmfition, bcm 
Söntge ?ßi|Utpp, fo ganj frcmb getoefen. ?iad) biefer ©ette 
liegen un§ je^t I|öd^ft unerwartete SKittiieilungen öor, auö 
benen fid^ ergiebt, töie boc^ im ®runbe ber öfterreidE|if(^e ©rj^ 
Iierjog in biefer ftarlen ®eete mädt)tiger tüar, atö ber fpanifdie 
Sßnig. 

S)er fd^on afö flaffifd^er 3^"3^ erlüä^nte faiferlid^e ®e== 
fanbte am äJiabriber $ofe, Slbam üon Sietrid^ftein, beridE|tete 
om 8. SRat 1568 in einer ber bieten beutfcf)en S)epefd|en Don 
feiner §anb, tDeldöe nac^ Snl^alt unb ^orm ^u ben t)oräüg== 
lidöften be§ ganjen fed^jetinten Saf|r^unbert§ gef)ören, über 
bie ©runbfä^e ber fpanifi^en Siegierung bem beutfd|en 9f{eirf)e 
gegenüber. Sn biefer Qtxt ttjar, toie toir nod^ feijen tüerben, 
ba§ f))anifc^e SSoIf über feinet Äronprinjen §aft beruJ|igt 
unb bie caftilianifd^e ^errfc^aft in ben SRieberlanben nad^ 
menfd^Iid^er 3Sorau§fid^t für elüige 3^^*^^ f^f* begrünbet. 
2lud^ toar ber ^önig, tüie id^ ebenfaE^ gleic^ I)ier t)oraug== 
ne^me, üottfommen fidler, bafe fein faiferlii^er ®d)tt)ager unb 
SSetter in allen Sfngelegentieiten aU fein treuer SSerbünbeter, 
ja toie ein leibli^er Söruber l^anbeln toerbe. 5ßl)ilipp I|at 
aud^ feinerfeitS, il)rer 2)ifferenäen Dor gtoei Saf|räei)nten ganj 
öergeffenb, hjieber^olt erflärt, immer nur Siebe gegen ben 
Äaifer ertoiefen ju I)aben unb mit aß ben ©einigen i^m 
ftetg 93efriebigung gelüä^ren äu lüoEen^). 



1) 3)cr Äönig ]§abe ,,tnit großer XeftificQcion feiner 5lffcction8 unt 
SSertraioenÄ gegen etoer f]^at)[ferlic^e] 9Ä[ajeftQ]t geonttouert, ba§ er tüol 



56 ®cr ©trafbef(]^Iu6 gegen glanbern. 

©er .^aifer fetnerfeitg toünf^te bur^ SBerbung unb dnU 
laffung Don @tteit!räften in ben 9?teberianbcn ben tnnent 
grieben^äuftanb be§ 9tetd^eg nid)t gefä^rbet. S)a bemerft 
bcr »otfd^after; er I)alte in btejer grage bafür, bie ©panier 
toerben e§ nid)t „bifficultieren"; benn, tüie fie fagen, fo meinen 
fie änt)erfid)tlid^ , ha^ fid^ 9Kemanb biöi)er bent ^aifer unb 
be§ 9ieid)e§ ©afeungen correcter („gemäßer") gel^alten t)abe, 
aK fie. %^ai\ää)l\^ I)eben biefe fpanif^en ©taatömänner 
l^erbor, bafe fie nad^ bent 3teid)§grunbgeje^e „treffen ba§ 
Sanb, beffen ber ®Iaube" (cujus regio ejus religio) auä) in 
il^ren 3tei(i)§gebieten ju t>erfal|ren bered|tigt feien. 

?lugbrücflic^ erlennt bei biejem Slnlaffe Äönig ?ß^ilipp, 
tDenn aud^ ni^t mit biefem 2Borte, nod^ mit ber eben er== 
tüä^nten gormel, bod^ unätüeibeutig ben paritätifd^en &)a^ 
ralter be§ 3fieidC)eg an : „SBeil fie feinem ©tanbe be§ 8?eid^e§ 
ober anberen Potentaten" — e§ ift f)ier junäd^ft ©nglanb 



tD% tt)ie gan^ getretolid^ etüer Il^a^ 3Kt bereu all fein ©al^en an- 
gelegen fein laffen, f)ab auc^ nit Urfad^ gel^abt, baran ju jttjcifeln, 
funber btelmer ettjer l^at) 3Jlt obligtert ju beleiben nnb ju banfl^en". 
(£in ungenannter ,,furnemer" §err Iftat bei einer niilitärifd^en $8erl^aub= 
lung „mir ^odi gefij^tooren, iä) foll im glauben, baS ber ßl^imig ain 
fol(3öe§ SSertramen in etoer i^atj SSftt fteüe unb ber[felben] berma^en 
affectioniert unb getoogen, aU§tt)an[n] ewer SDlt ^)aibe [« 93eibe] fl) 
[= feien], este termino uso, estubieran y salieran de un 

vientre Ob ic^ gleid^tool bem Äl^unig inS ^er^ nit feigen 

ober fol^eg erfreuen !§an, fo l^alte ba§[8] ber ^l^unig ett)er[er] Il^a^ SÄt 
auffre^t, gereift, ^jrueberlil^^guet ®emuet unb Söol^lmainung ert^ent." 
3n einem ®ef^)räd^e über einen toctlofen SBrief 5llba'§ an ben Äaifer 
fagte W^^\^ H., ber ©efanbte f önne Senge für bie ftetS öon htm Könige 
für ben^aifer betoäl^rte fiiebe fein: no deseaba otra cosa mas qua dar 
el, y que lo den todos los suyos, siempre satisfacion a Vra Mag[estad] 
©eite 4 unb 5 ber ^epefc^e. SK. ^o^, ClueÜen jur ©efd^id^te SDlaji^^ 
milian II. (I, 1857) l^at aud^ bei biefem ^ftenftücfe nur ©türfe beS erften 
^l^eileS 6. 215 gegeben, auf welche i^ bod^ für ha^ im Stejte junäc^ft 
Srolgenbe öerweife. 



S5er]^ältni§ ber 9'JlcberIanbc jum bcutfciften SRelcfte. 57 

gemeint — „je SRafe ober Drbnung, toebcr in profan* nodft 
JReligionStüefen", bor5ufd^rei6cn gefud^t t)aben, fo lönnen fie 
ertoarten, ba| jene biHigemeife il)nen in i£)rer SRed^töfpl^äre 
and^ nid^t entgegentreten. @ie faffen bag bal)in, bie anberen 
3teid^gftfinbe feien aud^ nid^t fid^ ju befd^toeren ober eö jn 
Derl^inbern befugt, tpenn bie 9icgierung beg burgunbifd^en 
Äreifeg in il^ren „ttjol^lererbten" Sanben baö borneI)me unb 
berorbne, toaS „i^r am gelegenften unb gefäHigften" erfd^eine. 
S)ie8 einjige SOlal, fo biet id^ toelfe, ift ber ^önig in ben 
SBerl^anblungen mit bem Äaifer über bie Unrul^en in ben 
nieberlftnbifd^en ^robinjen auf bie ganj eigenartige ftaatgs= 
red^tlidie ©teHung berfelben eingegangen, au8 tüetd^er bie 
mit fold^en ©trömen oon ERenfd^enblut gelittete unb nad^ 
einem boüen Sal^rl^unbert (1548 bis 1648) tpieber befinitib 
getöfte @inl)eit il^reS politifd^en 2)afein§ entfprungen ift. 

Derl)altnt0 ber Itieberlanbe }um beuifdjen Hetdie* 

Slud^ 2)on ßarloS \)at, tro^ feiner notorifd^en p^t)'\u 
fdE)en unb geiftigen Unfät)igfeil, bie 9WeberIanbe afö ba§ 
gegebene 5Serfud^8fetb feiner |)errf tf|erfä{)igf eit betrad^tet ^^üx 
jeben einigermaßen mit ben Sebenöbebingungen beS fpanifdEien 
SSoIfeö bef annten JBeurtl^eiler njar aber faum ein ß^^if^t mög* 
lid^, UJte ein Iiaböburgifd^er Sönig ©panienS fid^ in S8e5iel)ung 
auf feine „flanbrifd^en" 5ßrobinjen ju I)alten Ijabe. Unber^^ 
geffen toar allen politifd^en lüie fird^lid^en ^art^eien in ©uropa 
ber SSerfudö einer aiegierung be§ fpanifd)en ßanbeä burd) 
9?ieberlänber in beS Äaif erS Äarl V. erften SRegierung^iatiren. 
@in gefal^rüoßer fpanifdEier 3lufftanb, beffen fd^on im Slnfange 
biefer ©arfteöung gebai^t tt)urbe, lonnte nur mit SKül^e bt^ 
•tüältigt tperben. 



58 ^er ©trafbefd^Iug gegen glanbern. 

©cttbem ttjar in ©panien §anbtt)crl unb Slderbau, ja faft 
jeber anbete SSeruf al8 ber beö ^riegerö, be§ (Seiftlid^^n unb 
beö Beamten in junelimenbe SSerad^tung gefallen. Sm ®t- 
bäd^tniffe ber 2Kenfd|en lebten aöe bie unüergleid^Iid^en frie* 
gerifd^en unb abmtniftratiüen Stnftrengungen ber f|)anifd^en 
Sebölferungen in ben legten fiebenjig 3cil)ren für il^re na^ 
tionale SBetoälirung, toie in 2(merifa fo in ben leiten aufeer^^ 
fpanifd^en ©ebieten il^rer ^errfd^er in Suropa. 

ERan ftelle fid^ nun bor, bafe ber gro^e Pan beS Saifer§ 
ICarl V. nadE) bem über feine ®egner beö fd^malfalbifc^en 
SBunbeS erfoc^tenen ©iege jur 2lu§fü^rung gelommen toäre. 
Sn biefem gaHe i)ättt mit ber fpanifd)en aud^ ber beutfc^en 
unb einigermaßen aiiä) ber für §errfd^aft§jloede weniger be^ 
tüä^rten italienifd^en Siation ein 2lntt)eil an ber ©efamt^ 
regierung ber fiabSburgifd^en S)ot)peImonar^ie nid^t entgetien 
!önnen. ®enn biefer bon bem unermüblid^en §errfd^er er=^ 
badete unb im Saläre 1548 aufgearbeitete 5ßlan beftanb in 
einer regelmäßigen SlbtDed^felung ttjie ber Äaifer^ fo ber rö^ 
mifdfjen ÄönigStoürbe in ber fpanifd^en unb beutfc^en ßinie 
beS §aufe§. Slber ber 5ßlan t)at fid) unau§fül)rbar crtoiefen. 

2ltö ein ni^t unlüefentlid^eö ©tüdE beäfelben blieb aber 
ber „burgunbifd^e SSertrag" beg Slugöburger 9ieid^8tage§ 
eben biefeö Sa^reö 1548 in ßraft. SRad^ bemfelben follte 
ber burgunbifc^e Sreig, b. t|. e^ foHten bie fämtlid^en fo 
berfd^ieben gearteten n ieberlänbif dE)en ©ebiete be§ SaiferS 
Sart V. unb ber ©e^cenbenj bemfelben ein mit getpiffen noc^ 
SU erörternben Stuönal^men abgefd^loffene^, ber ©erid^tSbar^ 
feit beg beutfd^en 9ieid^e§ burd^aug entjogene^ Oebiet bilben. 
S)ie centralifierte SRegienmg biefe§ burgunbifc^en S^rcife^ toar 
t)iermit gegeben. S)er ^aifer I)atte ben burd^ fol^eg reid^g- 
gefe^lid^eö Slbfommen ju einem ftaatüc^en ©anjen gefd^affenen^ 



^erl^ältnid ber ^^ieberlanbe jum beutfd^en Sieic^e. 59 

t^m als ^eitnatl^ feiner Sugenb immer befonberä tl^euer ge- 
bliebenen Jiieberlanben jugleid^ eine rec^tlic!^ gefd^ü^te, eji^ 
mierte ©tellung gett)äl|ren tooHen. S)iefe reichen Sanbe fiatten 
freilid^ bie bop^jette Seiftung ber furförftlid)en Setrdge an 
aieici^gftenern unb S;rupt)en[teIIungen, fogar eine breifad^e 
bei 3;ürlenlriegen übernommen, ©einerfeitö fjatte ficf) aber 
ba§ beutfd^c SReic^ jnm ©d^u^e ber Jiieberlanbe unb it)reS 
9iegenten berpfiid^tet, tueld^em felbftöerftänblid^ fein fürftUd^e§ 
9ied|t ber S^Iieilnal^me an 9?eid§gtagen unb anberen, in ber 
bamaligen 3?eidE|§t)erfaffung borgefeI)enen befd^liefeenben SSer^ 
fammlungen getüal^rt blieb. SlUein bie SBefiegung beä ÄaiferS 
burc^ bie mit granlreid^ berbunbenen luttierifd^en beutfd)en 
Surften nal^m biefem burgunbifc^em SSertrage ba§, toaS Sari V. 
jur ^auptftüge begfelben beftimmt ^attt: ben mititärif d^en 
S^u^ bon ©eiten beS beutfd^en Steid^eS. 

Smmer toirb eö für baS Slnbenfen biefeS SlaiferS, tuie 
feinet SBruberS gerbinanb, l^ödEift elirenboU bleiben, bafe er — 
ttjie toir nun tüiffen ^), unter Eonnibenj be§ tpeitblidenben 
^apfteg 5ßaul III. — mit bem burgunbifdEien SBertrage gleid^* 
jeitig baS StugSburger 3ntenm getüonnen I)at. gär gar mandfje 
fübbeutfc^e confeffioneUe 9SerI)äItniffe tüirlt baSfelbe noc^ 
I)eute beftimmenb fort. ®o ^aben red)t eigentlid^ Äaifer 
unb ^apft, jttjar »ibertoillig, aber boc^ bur^ befonnene 
ftaatlic^e ©rttjögungen bei i()ren Sntfd^Uefeungen geleitet, ben 
paritätifd^en ©taat in ©eutfd^Ianb juerft gefrfiaffen. 

Sltö aber biefer mit bem Snterim berfud^Sloeife unb probi^^ 
forifdi gefc^affene Jjaritätifd^e Staat mit bem 3luggburger 
9ieligion8frieben bon 1555 eine bleibenbe ®eftalt erl)ielt, 
tourbe audE) bem SieidEi^fammergerid^te eine befinitibe gorm 

1) Giuseppe de Leva, la politica papale nella controversia sull* 
Interim di Augusta. Rivista storica V unb VI (1888 unb 1889). 



60 2)er ©trafbefdftluß gegen gianbern. 

mit einer ejecutionöorbnung gegeben. Sn biefer ift burd^ 
eine befonbere (grflärung feftgefe^t toorben, bafe fie nur für 
bie ©tänbe gelten foHe, njeld^e be^ SReid^eg ©erid^t^barfeit 
anerfennen, mit anberen SBorten: nid^t für bie S^ieberlanbe. 
liefen nnb it)rem 9iegenten tüurbe I|iemit ber ®d^u§ be§ 
9teid^e§ tljatfäc^Iid^ entjogen 0- S!arl V. aber, Verbittert luie 
er nun einmal über ben ®ang ber beutfcEjen S)inge getpefen 
ift, erlüeiterte nur bie Äluft älüifd^en bem 9ieid^e unb ben 
t)on Srüffel au§ ju regierenben (Gebieten, inbem er für bie^ 
felben bie ausbrfidEIid^e 2lu§nat|mebeftimmung bur^fe^te, \>a% 
bort bie für ba§ übrige SReid^ feftgefe^te 9luff)ebung ber 

1) ^6)^0% ®ef(I)ld^te ÄQifer gerbinanbS I., VII 217 benterÜ, bafe 
Äönig gerbinanb bie 3lufnal^me fcfterreid^^ unb SBurgunbS unter bie 
©fecutionSorbnung berlangte, toon 6eiten ber Äurfürften aber minbeftenS 
für ,,S3urgunb" ^ilfe gegen auSIänbifd^e geinbe abgelel^nt würbe; ,,au(Jö 
fönte SBurgunb im gaUe eine§ SanbfriebenSbrud^eS am Äammergerid&te 
belangt ttjerben lönnen." 2Jiefeg gugeftönbniS würbe bon (Seiten ÄgrIS V., 
ba bie ßilfe abgelel^nt Warb, ben burgunbifc^en SSertrag ^u einer Saft 
unb illuforif* gemad^t l^aben. %o^ f^aht \^ bie gan^e überaus ttJi(3^= 
tige fjrage nirgenbS fo altenmögig, wie man wünfd^en muß, erörtert 
gefunben. S)a6 Äaifer 9KayimiIian II. bie ©laufel nidftt anerfannte, 
nad^ weld^er bie militärifd^e ©ilfe für bie ^Jieberlanbe abgelel^nt warb, 
ergibt ft^ auS einer Siener Sufd^rift feine« ©abinetS an ben fpanifd^en 
93otf(^ofter toom 21. Wobember 1567 (Ambassade de Chantonnay t m 
fol. 164—171. Söefangon), in Weld^er man lieft, ha^ ein Singriff in 
bem burgunbifd^en Greife bon ©eiten beS ^fal^grafcn für biefen bie 
reid^Sred^tUd^ feftgefteUte Strafe nadt) ftdft gie^e, ha^ er „in bie ^ecn" 
(Strafe) „beS Sanbfrieben§, aiiä^ bie Slij^t jelbS ipso facto fallen" 
„würbe unb barauf ber beraiten (gyecution berfelben. nac^ SluSwclfung" 
„foldöer l^eUfamen ©onftitution gewertig fein woHe." 3c^ l^abe l^ier gu 
bemerlen, ha^ bie in öorliegenbem »uc^e berwert^eten ]§anbfd^riftlid^en 
©tücfe ber SBibliotl^ef bon SBefauQon im ^ecember 1861 bon mir ej= 
cerpiert unb bann burd^ bie gütige SBermittlung be§ «orftanbeS biefer 
Sammlung §erm 5lugufte ©aftan codiert worben finb. ©uftab 3BoIf, 
ber ^ugSburgifc^e ^ReligionSf riebe (Stuttgart, ©öfc^en 1890) l^at auc^ 
S. 139 bis 168 in bem, fjerbinanb unb bie Stäube bel^anbetnben m>^ 
fdjnitte bie nieberlänbifd^e fjrage faum berül^rt. 



SSerl^ältnig ber S'Jieberlanbe jum beutfd^cn dltidjt, 61 

2;obc§ftrafe für ba§ lut^ertf^e 93efenntnt§ öon Unterttjanen 
lat^olifc^cr SReic^gftänbc feine ©ültigleit Ijaben foHe. SSer^ 
geblic^ bemül|ten ftc^ ba{)er auf einem fpätern Stugöburger 
SReic^gtage im %pxxl 1566 bie proteftanttfd^en SRet^öftänbe 
auf Sitten einer Slborbnung nteberlänbifd^er ©laubenöge^^ 
noffen um eine SRecIamation t)on Saifer unb SReict) bei 
5ß^ilipp n. gegen bie Erneuerung ber blutigen 9ieIigiong=» 
ebifte au§ ber ßeit Sartö beg fünften. S)ie legale mb^lxä)^ 
feit eineö fold^en ®tnfcf)reiten§ n)ar eben bem bamaligen 
beutfd^en Sunbe^ftaate entjogen. SSon ber tiiatfäd^Iic^en 
Abneigung ber fatf|oIifcl§en 3ieid)gftänbe, überf)aupt auf bie 
©ad|e einjugefien, foHte man bei biefem reditlid^en ©ac^öer^. 
pitniffe faum nod) fprec^en ^). 

0iunmel)r bürfte bie t)on ben SKiniftern $ßl)iltpp§ 11. an:^ 
fangg SRai 1568 abgegebene ©rflärung über jene öon feinem 
faiferlid^en SSater bem SReid^e entrücften SBeööIferungen in 
iiirer gangen 85ebeutfamfeit bem Sefer entgegentreten. 

Site bie faiferlicfie 2Kaieftät ^oc^Ifiblidien ®ebäc^tniffeg 
bie |9?ieberlanbe bem 9ieid)e „jugetl^an", alfo gleidifam in 
engere SSerbinbung mit bemfelben gebrarf)t l^abe, fo fei 
ba§ ju gegenfeitiger SSertt)eibigung gefd^e^en. 5)a§ ift nun 
freilid^ für ben SSertrag öon 1548 ebenfo rid^tig, afö illu== 
forifc^ nad) ben SBefd^lüffen t)on 1555. 

@§ ift berfelbe ®ebanfe, tDeldEjen auf bem ©peierer 9iei(^§=^ 
tage Don 1570 bie 95et)oIImädE)tigten be§ |)eräog§ öon Sllba 
mit ©rfolg geltenb mad^ten, aU bie proteftantifc^en ©täube 
Don bem Äaifer Derlangten, fid) ber bebrängten 5Rieberlänber 

1) 5lu^ agitier, 2)eutfc^e ©efd^i^te I 352 f^at \>odj bieS legale 
SD^omcnt unterfd^ätt. 5)erfelbe bemerft aber in ber ^iftorifd^en QdU 
f^rift (üeut golge. 1887.) XXII, 432, bag unter „bie ber af^eligion" 
im jjöl^re 1566 ^Reformierte unb Sutl^eraner in ben 3fJieberIanben gleich* 
mäfeig ju öerftel^en finb. 



62 ®er ©trafbefd^Iufe gegen gtanbern. 

,,afö SKitgltebet be§ Ijeiligen 3teidöe§" ansunclimen. ©er 
3iei(f)§tag fafete aber leinen Sefc^lufe auf bie SSorfteHung 
jener S8et)oIImäd)tigten, M'^ e§ bem Könige bon ©panten 
freiftünbe, feine toiberfpenftigen unb aufrü^rerifc^en Untere 
tl^anen ju beftrafen ^)." ®emä§ bem burgunbifd^en SSertrage 
toirb, toie man fie^t, jebe ©ntüirf ung ber 3leid)§iuftiä unb jugleicJ) 
gemäfe ber Älaufel öon 1555 jebe Slntoenbung ber 6jecutton§:= 
orbnung, toenn aud^ nur fd^tüeigenb, bon bem ateidö^tage 
abgeleljnt, tüäl^renb ber Saifer felbft bie ©xecuttonSorbnung 
aud^ für ben ©c^u§ ber 9?ieberlanbe in ©ültigfeit ftel^enb 
erflärt2). 

2)ie ^Regierung be§ fpanifd^en SönigS mad^t aber ferner 
golgenbe^ geltenb. SDa fie bem 9iei^e i^re „ßontribution" 
leiften, nämlid^ bie oben @. 59 ertt)äl)nten erl|öt)ten Seiträge, 
„bem Siaifer gebe, m§> be§ Äaifer^ ift" % fo lönne man fie 
mit SiEigfeit unb gug nid^t tabeln, nod^ befd^ulbigen, tüenn 
fie i^re unget)orfamen Untertf)anen unb ©iener ftrafe, 
aud^ in ber SReligion leine SSeränberung julaffe, fonbem 
an „ber alten, aUgemeinen, d|riftlid|en , Iatt)oIifdE|en ^alte". 
®egen ettDaige gettjaltfame ©törung i^reS Sled^teg Vertraue 
fie, näd^ft ®ott unb i^rer eigenen bodE) sule^t genannten 
9Kad|t, auf beg Saiferg öeiftanb. §Iuf biefen ääf)Ie fie 
tDegen ber nal)en SSertüanbtfd^aft mit bem SEönige unb tüeil 
i^n bie Slngelegen^eit um feinet faiferlid^en Slmteg tüitten 
berül^re. 



1) §äberltn, «Reid^Sgefd^id^te (1779) VIII 498. 

2) S8gl. oben (@. 60 Slnm. 2) bie ©rüärung ber ^amld beS 
ÄoiferS t)om 21. SfiobemBer 1567. 

3) S)ietrtd^ftein (8. aWai 1568) f (treibt bie SSorte ber SJuIgata 'etCae- 
san quae Caesaris sunt reddunt' (^d^ I 215), boc^ ipo^, h)ie fie beS 
Äomg§ ungenannte Beauftragte gebrauchten, bie ntan nicijt ganj im 
heutigen ©inne alg Sjjinifter betrod^ten barf ^ » ^ 



SSerpitniS ber Sf^icberlanbe jutn beutfd^en 9Jeid^e. 53 

S)tc8 leitete Slrgument ^at nun freitid^ SJiajintilian IL 
ntd^t gern öffentlid^ emä^nen laffen. 2)od^ fpttd^t er baüon 
in einem nod^ gegen ben ©d^Iufe biefer ©arfteßung in einem 
anbem ßujammenl^ange bon un§ ju erörtemben ©diretben 
an feinen in 3nn§6rudE regierenben SJmber (Srjl^eräog 
gerbinanb bom 25. Suli 1568 1). S)a erflärt er fef)r aujS=^ 
brücflid^, bafe man il^n nnbiUiger SBeife in SSerbad^t l^abe 
(berbenfe), afö ob ®on Sarlo^' SSerl^aftnng nnb Sltba'^ 
Sßerfal^ren in ben SJiieberlanben mit feinem SBiUen gefd^el^e, 
anbereSiften (pratika) ba^inter berborgen feien „unb 3Bir alfo 
mit ©panien unter ber 2)edE liegen foHten". 

©iel)t man nun aber bie au§ bem fpanifd)en ^taat^^ 
ard^ibe t>ublicierten Slften über be^ ^aiferg 9SerI)aIten in 
ber nieberlänbifd^en Stngelegenl^eit nä{)er an, fo fann man 
baöfelbe tt)al)rlidb et^ifd^ nid^t billigen. SJSie 5ßl)ilip|) babon 
badete, äußerte er bem ^ergoge bon Sllba ju 3Bei^nad)ten 
1569 bei ®elegent)eit einer ber in 3KajimiIian§ IL SSerlel^re 
übermäßig l^äufig n)ieber!et|renben ©ifferenjen über ®elb* 
angelegenfieitcn: „S)ietrid^ftein tooHte ben SSorfd^Iag feinet 
§erm entfdjulbigen unb färben" 2). Slus^brüdlii^ befditüerte 
er fi^ am 19. Suli be^fetben Sal|re§ gegen Sllba, toa^ biefer 
aud^ birect bon bem fpanifd^en (Sefanbten am laiferlid^en 
§ofe bernommen l)aben toerbe, ha^ ber Saifer „®ä^e unb 
3Borte au§ ber aBgemeinen 9lnttt)ort entfernen liefe" ^), 



1) S^nSBrudfer @tatt]^alterei=§lrd^lt). @S tüurbe mir im ®ei)tember 
1890 burd^ bie ®üte be§ ^errn ^rofeffor Dr. ^im beffen (SjcerJ)! 
be§ bcnnalen in htm betreffenben gaScüel nid^t mt^x auffinbbaren 
^2l!tenftüdEe§ mitgeteilt. 

2) el Dietristan quiso excusar y colorar la propuesta de su 
amo. Goleccion de documentos inediios para la historia de Espana 
XXXVIII (1861) 275. 

3) Por aviso de Chantone habreis entendido las cläusuias y 



64 2) er ©trafbefci^luj gegen gflanbem. 

toeld^c bcr Äönig bem in SKajintiltanö Sluftragc bei it)m 
erfd^tcnenen jüngften S5ruber beäfelben, bem ©rsl^crjogc 
Sari, gegeben ^atte; förmltd^ ^abe 5ßPipp l^tegegen in einem 
SSriefe SSemal^rung eingelegt. %m 12. Suni ebenfalls be^ 
Salireg 1568 fd^rieb jener ®efanbte an Sllba, toie fi^ über 
beffen SÖriefe ber Saifer gefrent nnb it)m „fel^r eingel^enb 
feine Srflärung Don feiner SBereittoiEigfeit für bie Slngelegen^^ 
l^eiten beö ffönigS au§gefüt)rt" ^), aud^ feine §offnnng balbiger 
Setoältignng ber 8fiebeIIen nnb ^erfteHung ber 9iul)e in jenen 
Sanben auggebrüdt Iiabe. SRur jn fel^r für ben Äenner 
jeneö 3nnöbrnd£er Sriefeg nnb fo mand^er anbern, ft)anifd^er 
9Kad^tübung in ben Jiieberlanben abt)oIben Sufeerung biefeS 
Äaiferg tpiberfprid^t beffen ©d^reiben an ben ^erjog 
t)on Sllba öom 29. DItober 1568. SJSie gibt er ba feiner 
grenbe über eine brieflid^e 3Äittt)eitnng 5ln§brud£ nnb 
über ben gnten SSiUen nnb ©fer beöfelben für be§ 
Sönigg h)ie beö Äaiferg Vernunftgemäß berbunbenen ©ienft 
beg |)errfd^er]^aufe§! (Sr felbft ^abe nur immer feineS fönig^ 
lid^en ©rubere SSefteö im Singe, möd^te übrigen^ bie ©enbung 
feinet leiblid^en 95rnber§ ffiarl nacE) Spanien gern ungefd^etien 
mad^en. Sr ft>rid§t e§ mit geraben SBorten quo: „mit ®runb 
fönnte man mid^ für einen fel^r nnbeftänbigen 9Kenfd6en 
nnb böfen SBillenS fogar gegen (Sud& l^alten".^) 



palabras que el emperador hizo quitar de la respuesta general que 
yo di al archiduque mi primo. (Sbenbaf. 164. 

1) Holgöse Su Md muy mucho de todo y se me estendiö muy 
largamente en la declaracion de la voluntad que tiene a las cosas 
del rey. ©benbaf. XXXVII 265. t^nlid^ über bie bewaffneten @m* 
p'6xtx: 269. 

2) que luego ä la hora revocara la ida de mi hermano, aunque 
es ya partido . . . ; me tendrian con razon por hombre inconstan- 
tisimo y aun ä. vos mala voluntad. ©benbaf. XXXVII 494. ?(ud& 
S)ietri(§ftein entf^ulbigt förmli^ im ^Beginne eineS langen gef(^äftllc^en 



SSer^ältniS ber 9?icbcrlanbe jum beutfc^cn SRcid^e. 65 

©0 fd^rcibt bcnn aud) feine Äanälet gelegentltd^ tüte im 
SSBiber^aUe liebeboUcr Sufeerungen Äönig ^ßj^ilip^jg *). Scnen 
©eftlufeiüorten ber jpanifd^en ©rflärung mit bem 2lppeIIe an 
beS ÄaiferS bertoanbtfd^aftlid^e (Sefinnung entfprec^enb, lieft 
man ba (21. SRoöember 1567) an jenen fpanifdien ®efanbten, 
beS ßarbinal ©ranbeHe SBruber, ben 2Warquiä öon ©l^antona^ 
T^otgenbeö gerid^tet: „SBeId)ermafeen 3^re faiferlid^e SÄajeftät 
mit SI|ter Bniglid^en SBürbe" (b. 1^. 5ßl^ilipp IL) „in un* 
betoeglidier, ftanbl^after, ganj briiberlid^er, innerfter SSer=^ 
toanbtfd^aft unb SSerbinbung ftel^e, baö ift ber ganjen SBelt 
offenbar 2)". 

(£^ fehlte töo^I nid^t an gelegentlid^er SSerftimmung, 
toeld^e ettoa ^od^müt^ige SBorte in einem ©d^reiben 9ltba'ö 
ober eine toiE!ürKd)e Sluölegnng löniglid^er ©efeljle bon 
Seiten be^felben ober Slic^tbeanttoortung breier Söriefe ^) bei 
bem Saifer erregten. 3Kan fiet)t aber an8 einem l^iefür ht^ 
fonberö belel^renben @d|reiben be§ laiferlid^en Sotfc^afterö 
in SKabrib, toie peinlid^ fold^e Sßerftimmungen in ben Greifen 
ber bortigen ^ofgefeüfd^aft berßf)rten. 5Kan erflärte fid^ 
beg in ben SRieberlanben begpotifd^ abminiftrierenben §erjogö 
SKangel an ®f)rerbietnng nid^t au§ einem äRifetrauen gegen 
SJiajimilian IL, fonbern au§ ber natürtid^en Slufregnng nnb 
Seforgnig, toeld^e bie ©eftaltung ber S)inge^) in ben if)m 
untergebenen ^ßrobinjen erjeuge. @r foüe freilid^ geäußert 



©(^teibenS in fpanifd^er <Bpxa6)t an ben Äöntg (Sbenbaf. 359) bie 
(senbung bc8 ©rjl^erjogSÄarl. 

1) «gl. oben @. 56 3lnnt. • 

2) 3n ber oben @. 60 5lnm. 1 fdfton bcriocrtl^etcn S^W^^ft ^n ber 
SSlbüotl^el Don ©efan9on. 

3) W^^PP n. an mU 14. Dftober 1568 Coleccion XXXVII, 467. 

4) . . . au^ 93elforg unb grol^rt beS ietigcn SSefenS. 8. Tlai 1568 
(Wiener ©taatSare^iö) 5)tetrt(i^ftein§ ditlatxon, öierte ©eite. 

Sübinfiei, Sott (EarloS' ^aft unb Zot>. 5 






ee S)ct etrafbelt^lufi gegen JJlanbem. 

^aben, mit fec^äe^ntaufenb SDIannju %u^e unb Diertauieiib 
JReitetn allen ®efal)ren 9eroac|(en ju (ein. 

Sn einer Unfettebung mit bem Stönige (eltift tarn ber (Se= 
fanbte nod| einmal auf bie unangenehme togelegen^eit äuriict 
®r t^eilt feine aSorte wie beä SönigS Erroiberuiig in caftt^ 
fijcEiet ©ptad)e mit. ®er §eräDg »on ?tlba, fagte ®iettid)ftein 
offen, ^alte feine Sorrefponbenä mit bem Äaifer Kic^t Bet= 
trauenStoU faeffen gutem aSiUen unb Siebe ju Sönig ^tjilipp 
entfpied)enb, tod<i)tx bie ©iffetenä in geeigneter Seife i)er= 
fteUen möge. Jtiefer bonite I)ievauf fe^r unb jä^tt an= 
bauetnb grofee SBerlDunbetung über bie tufeerungen bcS 
©efanbten. SüemalS ^abe er in SKa^rtiett ettoaS berart Dort 
bem §ersoge geljört. ©ietric^ftein Jelbft fönne ^eugniä a6= 
legen, melt^e 3uneigung er immer bem Sdfet gegenüber 
erroiefen l^oAe. darauf nel)me er, roie ®ott luiffe, befonbere 
9iä(ffitf)t, ba er fein anber Sing fo fel)r rounfc^e, q1§ ba% 
er uttb aUe bte ©einigen immer bem S?aifer ©enugttjuung 
gemäl)ren. ©einerfeitä erbat unb etliielt ber ©efanbte oon 
bem ffiönige bie Sufage öollfommeuev ®i§crettort •). 3luf 
'■ "; ionnte er fid) öerlaffen '). 



1) Et Duque de Alba no tenia aquella correspondenzia ny 
ianza de Ta Mag. cotno la voluntad y afflcion tan grande que 
Mag. tenia a todaa sus cosas lo merescia, y que por easo mi- 
e de poner en ello el remedio que le parescia conbenir. 
adescidme lo mucho j mostrd quedar muy eapantado dello, 
lendome, que verdaderameute nnnca tal cosa abia eutcndido 
Dnque ; que yo mismo podja sei testigo, quan afficionado 
ipre ae abia moatrado ä V» Mag,, mas que miraria en ello. 
que no deseaba otra cosa mas, que dar el j que lo den todos 
suyos siempre satiafacion ä V» Mag. Pedile que no me diesse 
ly por autor y asay me lo prometio. S)ietri(^[tetn a. 0. D. 

2) 3(^ mag mi^ betriegen; ober otnmnt ^att ii^ ben f^iinlg 
trumb, erbat unb treiotierjig. ffiietric&iicin am 11, 5luti 1564, 

} I 131. 



^aifer SJ^ajimilian IL über bie Stellung ber 9'ZieberIanbe. 67 

3&aifer MarimiHanll, ober bie Stellung ber Uteberlanbe* 

S)te Befte Sie^tfertigung für S)tetridE)ftetn'§ unter an^ 
beren Umftänben DieHetd^t aU äubringltd^ ju erad|tenbe§ SSer^ 
fal^ren, bermutliltd^ aud^ in be^ fpantfd^en Söntgg Singen, 
bttbete ein in aller gorm abgefaßter ©riafe be§ Saiferg. 
9Ke£)r aU aUe fd^önen SBorte t)on gegenfeitiger Siebe unb 
im ®egenfa|e ju ben gelegentlid)en, oben ertt)äf)nten, in un^ 
n)illigem Sione borgebraditen, SSertiüHungen unb Syiegierungen 
feiner ©^mpatfjien tritt er I)ier boE unb ganj für ba§ 
Sntereffe feinet löniglidien ©d^tüager^ unb SSetter§ ein. 

e^^ift ein am 20. SRobember 1566 an aUe 3ieid^§ftänbe 
gerid^teteg Iaiferlid|eg Slu^fd^reiben, todijt^ bem Könige ^ß^ilipp 
^ru|)t)enn)erbungen in ©eutfd^Ianb tpegen ber nieberlänbifdien 
Unruljen nic^t nur geftattet, fonbern möglid^ft erleid^tert. 
®er ©ngang erüärt au^brüdlid^, baß W^^PP ein foId^eS 
(£rfuc|en geftettt Iiabe unb beäeitfinet il)n al§ Äönig ju §if:panien, 
läßt aber unmittelbar mit einem 2C. aUe Xitel be^felben tüeg, 
ujeld^e auf bie Sefi^ungen aufeerlialb beg römifc^en 9fteid§e§ 
beutfd^er Station ge^en, um fofort beffen reid^^red^tlid^en 
Stnfprud^ atö Srjlieräog t)on Öfterreid^, ^erjog öon Surgunb 
unb ®raf t)on i^I^nbem — toieberum mit SBeglaffung ber 



1) „2Bir SJlafimiUan 2C. embieten 2C. itnnfer Sfteunbtfd^afft, genab 
unb aUeS guet^ ^o6)' unb ©l^rtüirbige aud^ ^od^geborn greunbt, S'Jeöen, 
SSetter, ©d&toager, Ol^eini; ©l^urfürften unb fjürften Sieb unb SBol^ls 
gebom, @bl, ©rfani, Sieb, 5lnbed^tig unnb ©etretoen! UnS l§at ber 
burd^teuci^tigft fjürft, Äi^ünig ju |)l^anien 2C. ©rjl&erjog ju Ofterreid^, 
^erjog p S3urgunbj unb ©raöe ju glanbern, unfer freunbtUd^er lieber 
SSetter, ©d^wager unb ©ruber freunbtlid^ ju erl^ennen geben laffen, 
»ctd^ermagen öenoeUter S^it in feiner Sieb S^überburgunbifd^en @rbs 
lanben" S)aS junäd^ft grolgenbe im ^efte. @S tag mir eine in ber 
SSibliotl^e! öon SSefauQon (Ambassade de Chantonnay t. HI fol. 161) 
erhaltene autl^entifd^e ^luSfertigung ber Äan^lei öor. 

5* 



68 ^er ©trafbefd^tug gegen Splanbem. 

rein forntellen beutfdjen Sanbe^titel — geltenb ju mad^en. 
Scgrünbet toirb ^ßl^tlipt^^ Srfud^en baburd^, bafe neuerltd^ 
in beffen „nieberburgunbifd^en ©rblanben" reid^Sre^tlidE): bem 
jelinten, bem burgunbifd^en Streife, fd^dnblid^e Unruhen ent== 
ftanben feien. S)iefe »erben fo beseid^net, bafe bnrd^ ,fböfer, ber^ 
fül^rerifd^er, unruljiger unb bem grieben feinbfeliger (fribfe^ 
fieffiger) ßeute geheime ©inbilbungen ein unbegrünbeteS ®t^ 
rüd^te(®efd^ra^) unb 3Sorg eben nnter bem gemeinen untoiffenben 
SÄanne" berbreitet fei. ©ie gereid^en bem 3lufe be§ fpanifd^en 
Sßnigg ju I)öd^ftem SRadEitl^eile unb jur ^erabfe^ung unb feien 
„nid^t ol^ne ^oijt Selaftung beg ®emutl|e§ ©einer Siebben 
erfdioüen unb berbreitet tüorben". S)iefe 93et|auptungen gef)en 
auf angeblid^e |)erftellung ber 3nquifition unb ©d^arfung 
ber nod^ bon Äarl V. erlaffenen SJianbate, obtüof)! be§ SiönigS 
SIRilbe an bergleid)en nitfjt benfe. 

Dl^ne minbefteng officieHe Äunbe bon bem gel^eimen no* 
tariellen ^rotefte f^rid^t ber laiferlid^e Srla^ bon ber burd^ 
5ßi|ili^|) genel)migten öertrag^gemä^en Slu^gleid^ung ber $er^ 
äogin-SRegentin ber Sßieberlanbe mit bem „confßberierten" 
Slbel, toel^er mit beg fpanifdien Äönig§ „liebgnäbiger @r* 
Ilärung juf rieben fei", hierauf erft lommt ba§ faiferlid^e 
Slu^fd^reiben auf ben Silberfturm unb feine Sjceffe „ent* 
gegen ©einer Siebben ß^^^i^fi^t unb aufgetoenbete öielfad^e 
fo ernfte aU gütige Srinnerung" burd^ eine größere „3^^^ 
berfelben ungef)orfamen e{|r== unb ^flid^tbergeffenen Unter^^ 
tlianen". SSieber unter bem ©dEjeine einer SeförgniS bor 
ber Snquifition, nadC) allen Slnseid^en aber nur um ilirer 
eigenen STenbenäen („®efudE)§") unb ifire^ SSortt|eiIe§ toegen 
fiaben fie fid£) freöentlid^ unterftanben, ©etoalt unb SÄutJ^^* 
toiüen gu üben, ©ie ^aben l^iebet bie bon ber beftel^enben 
SReid^ögefe^gebung bertoorfenen Sefjren Verbreitet. 



^aifer 9RafimiItan IL über bic ©tellung ber Siiieberlonbe. 69 

SlugbtüdEIid^ toxxb „bte calöinifd^e unb toiebertauffifd^e 
©elte" genannt. 5lugbrüdEItd^ tpirb bei btefen aud^ ber pofo 
tifd^e ®efid^t§pun!t l^nborgefel^rt. @te l^aben „unter 2lnberm 
bte t)on ®ott üorgefefete Dbrigfett nid^t bulben tüollen, in 
it)ren ^^rebigten baö Sanbe§füT[tentt)um Ijerabgefe^t, ^) neue 
Drbnungen unb ©a^ungen, if)rent ärgerlidien Seben unb ge= 
fud^ter Sibextät" gemä^, aufgefteßt. 9?ur afö eines gleid^fam 
gefteigerten ß^iigttiffeS tüirb Ijierauf int ©njelnen ber j^xt'od 
an Sird^en, Älöftetn „unb ®ottegI|äufetn gebadet unb ber 
in biefen SluSfd^reitungen bet^ätigten SKifead^tung ber !önig== 
lid^en Slutorität, |)ot)eit unb 9teputation". 2(ud^ be§ ben 
unfd^ulbigen Untertlianen l^ierbei angefügten ©d^abenS unb 
ber ®efa£)r be§ böfen SSeifpieleS für bie 9?ad^barlanbe tüirb 
gebadet, toenn bieg „ungeftraft :^inge£)en foHte". 

Db aud£| toibertüiEig l^abe be§ Könige Siebben fi(^ ge^ 
nötf|igt gefel)en, „ju |)anbl)abung if)rer Stutorität" ©etüalt 
ansutoenben. SJiit öorgängiger !aiferlid^er ©rlaubniS fei für 
biefelbe beutfdjeS ßriegSDoII ju 9{ofe unb gufe in ©olb ge= 
nommen, junäd^ft auf SBartegelb gefteüt njorben. Sei n^eiterm 
SSiberfireben in ben 9?ieberlanben muffe „jur Slbtüenbung 
unb SluSlöfd^ung biefeS beforglic^en geuerS" bon aBaffenge= 
tnalt ®ebraud§ gemad^t tüerben. 2)e§t)alb I)abe ber fpanifd^e 
fißnig um be§ SaiferS „betterlicfie unb brüberlid^e SrIaubniS 
unb S5egünftigung angefud^t", beutfd^e S^ru^^pen bis ju 3000 
SJiann ju $ßferbe unb 10000 ju gufee ju toerben. @ie foHen 



1) 50111 bem ©efamtlntereffe beS l^abSburgtfd^en §aufeS in biefer 
nleberlänbtf(i^en Söetoegung leitet ben taifer, beffen tngftlid^feit freilid^ 
?(J5ili|)^)'S ^ntuefenl^eit in ben ^^iebertonben ju trontiJglid^ güttid^em 
SluSgange wünfd^te, hoä) aud^ ein ftarl auSge<)rägte8 b^naftifd^eS ®e= 
fü^I. SBeibeä fd^eint mir bei Flitter, ^eutfc^e ®efd^i^te I 393 flgbe 
hoä^ nic^t gelDürblgt ju fein. 



70 3)er 6trafbef^Iu6 gegen glanbern. 

gegen ber meberlänbifd^en „erblid^en Untertf)anen ©nt^jörung, 
SiebeHton, Unge£)orfam unb mutl^tüiHige .^anbluttg" öemenbet 
tüerben. 5Dag bort ©efd^etjene tüiberftreite bireft (geftrad^^) 
göttlid^em unb tüeltltd^em ®efe^e unb aller SSöIfer natüxltd^em 
IRed^te, baju ben feften Drbnungen be§ Saifexg unb be§ 
SReid^eS, bem SReligton^f rieben unb bem „nieberburgunbtfd^en'' 
(Srbbertrage (öon 1548). Slug beffen Seftimmungen bringt 
Ijiebei ber Slaifer bod^ bie ii)m felbft nal^eliegenbe l^otie SSer^ 
pftid^tung ber SRieberlanbe für ben SCürtenWeg atö Setfpiel 
il^rer reid^grecf)tlid^en Stellung in ©rinnerung. (Serabe ber 
it)m fo nötljigen SBerbung gegen bie STürfen fjalber nimmt 
ber Saifer aud^ bei bem ©rfud^en an bie 9fieid^^ftänbe um 
Unterftu|ung be§ bon 5ßf)ilit)p bejeid^neten Sommanbierenben, 
beg §eräog§ Srid^ t)on SraunfdE|tt)eig^Menberg , alle ßfter^^ 
rei^ifd^en ©rblanbe t)on ber ßuläffigfeit ber SESerbung für 
be§ Sönigg 2)ienfte au§. ©^liep^ tüerben bie 9ieidö§ftänbe 
erfuc^t, an ben beutf^en ©rensgebieten be§ burgunbifd^en 
greifet 9SorIeI)rungen ju treffen, bafe nidE)t§ bie beftet)enben 
Drbnungen be§ Sanbfrieben§ 9SerIe^enbe§ gefdfietie. ®ie !aifer^ 
lidEie Slaufel ignoriert ^iebei toieberum bie Sieferbatbeftimmung 
ber ®jecution§orbnung bon 1555. 

SBenn ber 3nf)alt biefeg 5RunbfdE)reibeng nodEi einen 
3tt)eifel äuliefee über be§ Saiferg SWajimilian IL gänslid^e 
Übereinftimmung mit Sönig $ßt)ilit)t)§ ©efid^tgpunlten bei 
bem ©trafbef^Iuffe gegen gianbern, fo bürfte ein bertrau^ 
lidEjeg §anbf ^reiben be§ tofer§ bom 16. Februar 1567 
aus aWdfirif^^SErübau an ben fpanif^en ©efanbten biefc 
Stoeifel löfen. 3Äit äiücffic^t auf bie bem ßaifer burc| ben. 
»otfc^after eben jugefenbeten fc^riftlic^en, mit SKten belegfen 
aBünfdie be§ Siönigg, bie in befonberS bringli^er ^orm 
getialten feien, erflärt berfelbe fic^ auS Siebe ^u bem Könige 



$cH)ftIic^e ©infprad^c gegen htn ©trafbefd^tug. 71 

unb um if)n ju erfreuen bereit, tu einem neuen 2luSf(f)reiben 
an bie SieidEi^ftänbe bie Stus^fciilie^ung ber öfterreic^ifd^en 
ßaube t)on ben fpanifdien SBerbungen ^) für bie ©treitfräfte 
in ben SRieberlanben tDegjuIaffen. 



|Ia|)fllid|e (ltnf|irad)e gegen ben <Strafbef(l)ltt||. 

®en)al)rt man, tüie mit bem Könige ^Ijilipp, ben Sorten 
t)on Saftilien unb allen Sufeerungen ber öffentlid|en SDieinung 
be§ fpanif^en SSoIfeg über bie SRotfjtüenbigfeit eineg fc^arfen 
©trafüerfafirenS gegen bie rebellifd)en SJüeberlänber aud^ 
ber Äaifer einberftanben unb ju geeigneter Unterftü^ung 
ber entfpred^enben äRa^regetn bereit tüar, fo ertüartet man 
nid^t minber SBiUigung unb ^ilfe in biefer Slngelegenl^eit 
für ben Sönig öon Seiten ber römifd^en Surie. SlHein bei 
biefer ujalteten ganj anbere 3lb[id^ten unb ®efid{)t§j)unfte. 

S)er feit bem 8. Sanuar 1566 regierenbe, fo mönd^ifdE)^ 
a^Ietifdje, atö mutl^öoHe 5ßapft 5ßiusi V., toel^er öon feiner 
£)oI)en SSürbe erllärte, fie trage jum §eile feiner ®eele nidE)t 
bei, tl^eilte, toie e^ fc^eint, neben bem lebl^aftem SBunfd^e per^^ 
fönlid^en (Srfd^einen^ be^ Slönigg in ben SRieberlanben aud^ 
bie übrigen ®efic§t^punfte ber ^ersogin^^SRegentin unb ber 



1) . . . mit auglafeung beß SBorbel^oItS unnferS J^od^tobltd^en 
§au6 Cfterretc^§ Unbertl^anen. SBibl. öon S3efan9on. Ambassade de 
Chantonnay t. III fol. 141. ^benbort fol 146 ftnbet )icf| ein ©rief an 
ben ©cfanbten 'Monsieur mon fr^re' au8 SSien 21. Dftober 1566 öon 
einem für bie nieberlänbifd^e (3<)eciQlforfc^ung öermut^Iic^ nid^t gleid^s 
gültigen SRobert be ©reberobe, ber fein 'partement du camp de Sa 
Majeste' mit firanf^eit entfc^ulbigt unb um weitere ®unft beS SBot* 
fd^afterS banfbar bittet. 



72 ^CT^ @trafbefd^Iu6 gegen gtanbcrn. 

aÄeI)räal|I be§ lo^aMöniglic^ gefilmten Iatt|oIifc^en Slbefö ber 
3lieberlanbe. S)iefe meinten, e§ genüge bie 9f{et)reffion ber 
Unruhen an fitf) unb eine nta^öoHe §anbi)abung ber SSor- 
fd^riften gegen SJe^erei, tuie fte gegen @nbe be^ Salireö 1566 
ber ttieberlänbifdfien 3legierung in ber %i)at gelungen ttjar. 
SSon einer äielbetüu^ten Seitung ber fo fd^arf ausgeprägten 
S^atlraft ber für Äönig ^^ilipp in erfter Sinie in 93e== 
trad^t lommenben caftilijd^en 9lationaKtät I)atten fie feine 
SSorfteHung. 

S)e§ ^apfteS ftänbiger Sßertreter in SKabrib, ber 9luntiu§ 
Sodann Saptift ßaftagna, (Sräbifd^of Don SRoffano, galt mit 
SRec^t ate ben fpanifc^en ®efid)t§punften bur^auS ergeben: 
biefe feine ®eifte§rid)tung ^at im Saläre 1590 feine SBal^t 
jum S^ad^folger ©ijtuS' V. öeranlafet. 2lber nad^ einem nur 
jtDöIftägigem 5ßontificate ift er afö Urban VII. geftorben ^). 
(£ben njegen biefer feiner, ©panien ju freunblid)en ©efiunung 
bürfte er t)on bem 5ßapfte nur betraut tnorben fein, ben mit 
ben fdEjarfen unb ganj genauen 2) SBeifungen beSfelben be^^ 
auftragten neuen S3ifd)of öon StScoti, einen 9lngel)örigen be§ 
Slbete t)on Slrejso, 5WamenS $ßeter ßamajani bei bem Könige 
einjufül)ren. 

2)iefer bradEjte aud^ eine ältere ^), bem Könige unangeneijme, 
toeil feinen 5ßietät§gefüt|Ien gegen feinet laiferlid^en SSaterS 



1) dianlt, S)ie rötnif^en ^äpfte I s ao8, II 216. 

2) ®arfiarb, S)on Darios II 373 fTgbe. 5lber bie entfd^etbenben 
SBriefe ^l^UippS IL f(j^einen mir bon bem öeretoigten ^errn ®a(^arb 
bei ber Übertragung au§ bem ©panif^en ttJeber überalt mit ermünfd&ter 
©enauigfeit überfe^t ju fein, nod^ na^ il^ren erl^eblid^ften Äugcrungcn 
genügenb getDÜrbigt. 

3) El obispo de Ascoli se disculpa con decir que tiene Orden 
y instruccion expresa de lo que hizo y ä la verdad yo lo creo asi 
9tanbbemer!ung ^^ilippS ju ©ranöeUe'ä S3rief öom 22. 5)ecember 1566. 



^eH)ftIi(]^c @inf})ra(]^e gegen bcn ©trafbcfd^Iuß. 73 

?(ntoetfungen ^) tpibcrftrebcitbe Sefd^toerbc über bie fett nun 
ftcben Salären in einem Serfer ber Snquifition bauernbe 
SSerfiaftung beS, lutl^erifd^er SJieinungen befd^ulbigten (Sri== 
bifd^ofä bon S^olebo Sartl^oIomäuS ©aranja, über beffen 
^erjon nnb 2lngelegenl)eit bie ©nrie felbft in SRom entfd^eiben 
tt)oIIte. 5ßt)ili^^ toar oI)neI)in berftintmt über bie aud^ toeiter 

bi§ jum Slbfi^Iuffe ber })ä^[tlid^4pö^^f^^^ ^W ^*^^ ^^'^^' 
öerjögerte SJetoiHigung ber i^m für bie flanbrifd^e (£Et)ebition 
toünfd^enStoertlien ©rusaba. (£§ ift ba§ eine ben fpanifcfien 
SRonard^en oft getoäl^rte SBuHe, burd) ttjel^e nnter ben 
alten formen ber ÄreuäjugS^jrebigten alle ®Iänbigen ju einer 
Slrt ©teuer tieranlafet tourben, toelcfie ber löniglirfien ©äffe 
ettoa eine SRittion ©olbftüde eintrug. 2)ie bon bem 5ßapfte 
gugeftanbene Unterftüfeung aug ben Sinfünften ber ®eiftlicf)== 
feit betrug faunt ein ämilid^eg S)ritteL 

SRun mufete ber Äönig mit 3om t)on bem oI)neI)in über feine 
SKiffion leineStoegg bi^creten Italiener gleic^ bei ber erften 
Slubicnj in toenig gett)äl)lten SJBorten^) bernefimen, ba§ ber 
^a:pft gerabe bag mißbillige, toa^ 5ßl)ilit)p nac^ fo langer 
Überlegung, toie toir toiffen: aud) unter SBeiftimmung beö 
Äaiferä SJiapmilian, für unbermeiblid) I)ielt. (£§ ift bie %n^ 
tüenbung militärifd^er ®etüalt, blutige^ Strafverfahren in ben 
IRieberlanben. S)er ©ifi^of t)on Slöcoli aber erllärte atö 
ben SRatf) Seiner ^eiligfeit, ber Äönig möge bort nid^t 
SBaffengetoalt, fonbem SSerlianblung gebraud^en unb be^ 
nügen, ba au§ bem Kriege fo biele Übel entftel^en fönnen; 



1) S8gl oben (5. 25. 

2) este dicho obispo ha usado ... en la primera audiencia . . . 
de tal manera y con tal forma y sombras que me hizo venir en 
cölera. W^^P «" fei^i«!^ S3otfd^after in SRom 26. ^ioücmbcr 1566 
(®a(3^orb, SJon ßarloä 374). 



74 2)ei: ©tra(6e(^lu6 gegni gianbtcn. 

nic^t« fei für ben Sönig fo ju reünji^en, an nic^tä müffc 
t^m \o gelegen fein, al§ an bet Serufiigung jener Sanbe 
ofjne S8tnt unb 3erfl6rurtg berfelben, ba 3!iemnnb gtei(^e§ 
Sntereffe nn ber ©ac^e Jiabe i). entfdiieben etflärt aber bet 
Söntg feinem Hngen Sotfc^ofter jur SRittfieilnng on ben 9ßapft 
gofgenbeä. „3e^t ift ba§ Mittel ber Sßer^anblung unb beS 
SBcrtrageä mit i^nen fo fd|te(i)t unb Berberblic^ für ben ©ienft 
®otteg unb bie Sictierftellung unfreä ^eiligen !fltI)oIitct)en 
©laubenS, bafe id) micEi lieber bem ^ufoUe be§ Sfriegeä tjabe 
auäfe^en ipoaen, mit att ben Unjuträgtid)teiten unb ©diaben, 
loeli^c barauä für mii^ folgen Idnnen, ate ä" eiit^'^ §erati= 
laffung ju fd)teiten, meiere i^^nen ermöglii^te, irgenb etrtiaä 
ju geftatten, luaä gegen ben fatt}Dlifcf)en ®lauben ober ba§ 
päpftlidie 3lnfef)en gienge. Jievgtei[f)en iräre, toenn man 
ju SßerttÖgen ober Kapitulationen lommen follte, unent* 
jii)ulbbar". 

©ebantengang unb einäetne 2lu§brü(fe biefeS ©a|e§ ^atte 
(c^on am 18. Sioöember, gerabe atfit Xage, el)e bet Sönig 
feinem SSotfc^aftet in JRont ben Sgtief öoll Sntrüftung fcfirieb, 
bet franjöfifi^e £Sotfii)after üon bem §eräoge öon ?ll6a ber= 



1) . . qua en el remedio destas coeas no quiera uaar ni apro- 
Bbajme de laa armas, Eine de la negociacloii, por los dailoB que 
'- — erra se podrian aeguir y que no bay nadie que tanto haya 
ir (in bietet %ona etf^eint oUcrbingä ble aSele^mng ^üi^ft 
) ni que tanto !e importe la reduooion de aquellos paises 
% ni deetruccion dellos, como ä miniismo, pues nadie tiene 
lo que yo. (aflan benieric bie beleibtgcnbe SBicber^oIung beS 
8!) Ta (nic^t: y, iai feinen ©inn ergibt) el medio de la 
ion y tiato es tan malo y pemicioao , . . que yo he querido 
aates ä aTentura de la guerra . . , que venir ä condescender 
■les de permitir ninguna coaa que fuesse contra ella (la fe 
ni de !a auctoridad deasa aancta Bede; lo quäl, en veniendo 
y capitulaciones, no podria eacusaree. (91. 0, D. 376.) 



$Q})ftlic!^e einfi)ra(^e gegen ben Strafbefc^tufe. 75 

Tiommen, ber fi^ I)iebet mit erftaunlid^cr Dffenl^eit über feine 
militärifd^en unb politifc^en Slbfid^teit äußerte. S)em Könige 
muffen, tuenn er in itn Slieberlanben erfdieine, „fo au§* 
reid^enbe ©treitlräfte jur Sßerfügung ftef)n, baß er bie Stuf* 
rüf)rer ttirf)t ju fürchten, nod) ju bebenfen l^at, bafe fie if)n 
ju einer Sapitutation jtüingen fönnen" ^); lieber a(g ben ®ang 
ber Singe toeiter bulben, tPoUe ber Sönig „Staaten unb 
Seben Verlieren". $^ili^3p fagte einmal ^jerfönlid) (14. äWdrj 
1572) ä" bemfelben SBotfd^after: „fei eg toegen religiöfer 
S)ifferenä ober toegen eineö anbern SSorttjanbeg, baä Sei* 
fpiel öon 2lufrut)r unb Unge^orfam ber Untertfianen eineS 
gürften jeigt ben 9^aÄ|baren ben 3Beg, fici^ ebenfo gegen ben 
irrigen ju bertjalten" 2). gr glaubte, tüa§ er je^t an ©träfe 
gegen bie SRieberlänber beabfid^tigte, aud^ bem monar(J)ifd)en 
^Principe f(i)ulbig äu fein. ÜKit SSorten, tüeld^e an bie fo 
jart geformten unb fo furd^tbar ernft gemeinten 2)ro{)ungen 
ber ®egner 2ltl|en^ t)or bem peloponneftfd^en Kriege erinnern, 
herbittet firf) biefem ©ebanfengange entfpred^enb, König 5ß^ilipp 
t)on ?ßiu§ V. jebe anbere gorm ber SSerfianblung atö bie 
5tt)if(f)en gleic^ftefjenben 3Käd)ten üblid) fei 3). (£r Verlangt, 
bafe ber 5ßapft il^m nidf)t in ber ganjen S^riften^eit einen fo 



1) ni doubter, qu'ils le puissent constraindre de capituler 

avec eulx , plustöt que Sa Majeste Tendure aultrement, il 

veut demeurer sans Estats et sans vie. Gachard, biblioth. natio- 
nale k Paris (1877) II 221. 

2) ebenbaf. 359. 

3) que aya tan buena correspondencia y un respecto y amor tan 
reciproco entre nosotros. (31. a. D. 378.) 3^ erlaube mir auf bie SBe= 
mcrfungen ju öertoeifen, tretd^e ic^ in „^oefie unb Urfunbe bei Xl^ul^bibeS" 
öorgelegt ^abe: (2)en!fc^riften ber faif. ^2l!abemie. XXXIX. SBien 1891) 
ätoeiter %^di @. 24 unb 73. 



76 ^cr ©trafbefd^tug gegen gtanbern. 

üblen S^iamen berette mit Sluöeinanberfe^ungen über ba§, 
toag t)on ©eiten beö Äönigö gejdie^en muffe ^). 

S)er 5ßat)ft feinerfeitö entfd)ulbtgte bei bem 83otfc!^after 
fein Sßorgel^en unb einigermaßen ba§ feinet ©pecialgefanbten. 
9luf bie fd^arfen SBorte be§ Sönigö erfolgte jebod) feine 
eigentliche 3lnttoort. ®§ toar an ber Surie nnöergeffen, 
toa^ innerijülb be^ legten Safiräe^ntä gefc§et)en tüar. 9iid^t 
nnr 5ßaulIV. l^atte bei einem gegen bie fpanifd^e ^rone gesagten 
))oIitifd)^ nationalen Ärieg^nnterneiimen eine bemütt|igenbe 
SRieberlage erlitten. 3lud) beffen SRad^foIger 5ßiug IV., ber 
SSorgänger beö nunmehr regierenben geiftlid^en Dberl^errn, 
JDar bon ber Slnbrol^ung eineö SSorgetjenS tüegen prettfdier 
Steigungen, gegen bie SBa^I bon 5ß^ilipp'§ ©d^toager unb 
SSetter 3Äajimilian jum römifd^en Könige, auf beg fpanif^en 
§errfd^er§ SSorfteUungen jur ^ügfamfeit in ba^ politifd^ toie 
fird^Iicf} UnüermeiblidEje gebradE|t ttjorben^). 

5Dafe ftd^ bie Stimmung an ber Surie oudt) in ber grage 
oon ^^ili^pg aSerfa^ren in ben SJiieberlanben änberte, bürfte 
au§ einem ber gel^eimen Söerid^te fid) ergeben, n^eld^e ber 
ßarbinal S)eIfino minbeften^ ätpeimal im 9Konate bem Saifer 
ajtajimilian IL ju erftatten ^jftegte. 2lm 26. Snni 1568, afö 
Sllba'g entfe^Iid^e 9Ibminiftration in ben SRieberlanben in 
boöem ®ange tt)ar, fdirieb biefer mit ben Stimmungen ber 
entfdieibenbften ^erfonen be^ ^äpftli^en §ofeg Vertraute 
Sirdienfürft ^olgenbeg: „3d) fpre^e leinen aufrid^tigeu 
2Kenfd)en, tüel^er ni^t be§ ^er^ogg t)on Sllba §anbf)abung 
ber Suftiä in glanbern lobte, ba e§ faft aßgemeine Slnfid^t 

1) dar tan mala voz de mi per toda christiandad con hazer 
demostracion de que se ha menester. {%. a. C. 375.) 

2) aWaurcnbrec^er, Beiträge jur ©efc^ic^te SJlay imiliaitg II. ©hbcL 
©Iftorlfc^e Seitjc^rift SBanb 32, ©. 283 unb 295. 



S)on ©drloS* Slnrebc an blc ©orlcS. 77 

ift cS fei bieg ba^ einjige 3KitteI, um ben lattjolifd^en Sönig 
in grieben unb Siul^e bie flonbrifd^en Staaten genießen jn 
laffen; imnterl^in mufe bie 3^^ ^"^ ^i^f^ Söal^r^eit in§ 
Slare fe^en ^V 

aSermut^Iid^ bürfte aber öon ben betben ftrengen Sllter^ 
natiben, toeld^e ber Äönig über bie DueUe bon beg 5ßapfte§ 
berle^enber 9Raf)nung auffteUte, bie jtoeite bie rid^tige fein. 
„®aS lann man nad| meiner 3(nfid)t nid)t guter ©efinnung, 
bielme^r böfem SffiiHen enttoeber ©einer ^eiligleit ober ber 
5ßerfonen juf einreiben, toeld^en er mel^r traut aU Un§" ^). 



JDott (lüarloB^ ^nrebe an W €oxUs. 

SBeld^er unbefangene SBeurtt)eiIer möd^te na^ unferer 
Iieutigen Äenntni^ aller ber Slräfte, ©mpfinbungen unb Seiben^^ 
fd^aften, toeldie Sönig ^ßl^ilipp II. in SRed^nung ju jiel^en l^atte, 
fein SSerfafiren in ber nieberlänbifd^en Slngelegen^eit für ein 
unridEjtigeg ju erflären unternet)men! ^aä) langem, langem 
ßögem f)at er feinen ©ntfd^Iufe gefaxt, bei tceld^em er, aud) 
bem ^apfte gegenüber, üeriiarren ju toollen erfidrte. Slber 
tpenn überf)au|)t Semanb, fo tDar nur bie äuberläffige §anb 



1) Jo non parlo con huomo alcuno sincero, il quäle non lodi 
l'essecutione di ^ustitia !atta dal Duca d'Alba in Fiandra essendo 
quasi commun' opinione, clie questo fosse unico rimedio per fare che 
il Bä catholico potesse goder pacifichi et quieti li stati di Fiandra; 
ma il tempo doverä chiarire anche questa veritä. SSiener ©taatS* 
ard^tk). Romana 1568. 

2) . . asi ya me va paresciendo que esto no se quede atribuir ä 
bnena intencion, sino .de ruin (in $5ilt^3^)'8 STOunbc ein auffaHenb 
raul^eS ^ortl) voluntad 6 de Su Santitad ö de las personas ä. quien 
cree mas que ä nosotros. (^ac^orb, %on (Sarlod 374. 



78 ^er ©trafbefd^Iuft gegen gianbevn. 

etnc§ caftiKfd^en ^ofmanneä, ©taat^manne^ unb gelbt)errn 
biefen büftern Sntfd^Iufe au^äufüliren im ©tanbe.^) 

S)a trat nun ber an ®etft tDie Körper fdjtüadic Sronerbc 
mit einem unertuarteten Slnfprud^e l^eröor. 

Sängft xoax il)m, tr)ie frül)er (©. 5) bemerft tuurbe, in 
ßaftilien f eierlidö unb nad^ altem, §er!ommen al^ äufünftigem 
^errfcfier gel^ulbigt unb minbefteng fein 3;{)ronred)t aud^ in 
ben brei ba§ Sönigreid^ Slragon bilbenben Staaten jtoeifeUoö 
anerfannt toorben. Slnber^ ftanb e§ um fein (Srbred^t in ben 
berfd^iebenen jum römifdö-beutfd^en ober aud^ jum fronjöfifd^en 
9teicf)§t)erbanbe get)örigen ©raffd^aften, |)erjogt]^ümern unb 
fonftigen ^errfd^aften, toeld^e ben ))oIitifd^ feit 1548 unb 
firdf)Iid^ feit 1561 ju einer ©onbergeftaltung gebradE)ten nieber^ 
länbifdEien, nad^ f^janifd^er Sejeid^nung : flanbrifd^en ©taat 
bilben unb I)ierburd^ einen ber Xräume feinet 2lf)nt)errn beS 
imScit)re 1477 gefallenen ©urgunberfjeräogg Sari beg Sülinen 
öertoirHid^en foUten. §ier tüar S)on ©arloö burd^ feine ®e^ 
burt julunftiger. Sanbe§I)err nad^ beutfd^em unb franjöfifdE)em 
Set)n§red^te. 

5Run l^aben loir (@. 18) gefef)en, tüie ber eine ber beiben 
SSertreter ber $au|)tftabt öon Slltcaftilien bei ber Sröffnungö^^ 
feierlid^feit bc§ 11. 2)ecember 1566, ob audE) in einer bom^ 
baftifdEien UmpHung, bodf) ganj öerftänblid^ ju erlennen gab, 
ioo bie ©orteö bon Eaftiüen iJ)ren „^ßrinjen, ben burdf)Iaud^== 
tigften §errn" befd^äftigt toünfdEiten. Sm gälte einer SReifc 
feinet föniglid^en SSater§ nad^ ben SJiieberlanben I)offten fie, 
it)n mit ber aud^ einft t)on bem nur fed^äetinjäfirigen ^ß^ilipp 



1) Sluc^ ©ictrid^ftem l^ebt baS in ber ^Relation bom 2. ganuar 
1567 ]§eröor: bei allem ißeibe über Sllba^S Ernennung ju einem mit fo 
augerorbentlid^en löefugniffen ouSgeftatteten Slmte jei e§ notorif^, baft 
fie „boc^ ierer S^afeion fünft f§ainen l^aben" (Äod^ I 177). 



3)on ßarloS' ?lnrebc an blc ß^orteS. 79 

in Äarfg V. STbtDefen^eit feit bem 3a^re 1543 geführten 
SJegentfdiaft in ©^janien betraut ju fel)en. Sn ^^ilipt)'^ brei 
erften 3iegierung§ia]^ren, n)äf)renb beffen^lbtuefenl^eit in Belgien 
unb ©nglanb ober auf bem franjöfifdjen SriegSfd^aupIa^e, 
toar eine fold^e SRegentfd^aft, nxä)t eben mit Iräftiger §anb, 
t)on it)re§ lönigüdien §errn ©ditDefter 3ot)anna gefütjrt 
toorben. 

3la^ feiner ®en)ot)nt)eit 30g fid^ ber Äönig aud^ am 22. 
©ecember 1566 jurgeier be§ SBeif)nad^t§fefte§ in bie ©tiHe 
eine§ Älofter^ äurüd. SBie bie mom^tane Situation be§ 
9?ei(^e§ bon caftiüfd)em ®efid^t§:()unlte nun einmal befdiaffen 
toar, befd^äftigte in bem ^au^jtlanbe be^felben bie faum ber^ 
meiblid^ fd^einenbe bemnäd^ft eintretenbe längere Slbtoefenlieit 
be§ Äönig§ in glanbern bie ©emutl^er. Sn ben nädtiften 
©orteSberatl^ungen fam bie grage nur, nad^bem aud^ SSor:^ 
mittag^ eine ©i^ung ftattgefunben l^atte, am 9?ad§mittage be§ 
30. S)ecember, fotoeit fid^ au§ ben ^rotoIoHen i) ertennen 
läfet jur S3eft)red^ung, ol^ne bafe bod^ über bie ©teüöertretung 
be§ Siönigg in ©^janien beftimmte 9Bünfd)e aufgegeid^net 
loorben n)ären. 

SJian toolle nun golgenbeg ernjägen. S)ie l^ier ju be* 
fpred^enbe anftöfeige ©cene toirb juerft in einer brieflidien 
furjen SBenad^ridötigung bon ©eiten beg nieberlänbifdjen 
©iegelbett)ai)rer§ Xi^nacq am 31. ©ecember 1566 mit fol^ 
genben SBorten ertoäJint. „Unfer ^ßrinj toitt burd&au§, in 
irgenb toeldEjer gorm, ben ^önig feinen SSater auf biefer 9?eife 
(nad^ ben 9?ieberlanben) begleiten, unb ber toäre fein greunb 



1) Actas II 75, aud^ clnigermagett ©.79 in etn^etnen SBoten ol^nc 
SBcfd^lufl. ©i^ungen tourbcn wä^renb beS l^ier in Setrad^t Iomnien= 
ben 3eitraume§ am 22., 23., 27., 28., 30., 31. 2)ecember 1566 ge* 
Italien. 



80 S)er ©trofbefd^lug gegen glanb^m. 

ntd^t, ber tf|m ba§ ®egentl^eil rtetfje. Unb er erflarte neulid^ 
(lautre jour) bett ätbgeorbneteu ber ßorte^, ba^ fte fid^ 
mä)t einmifd^en foHen, eg ju berf)tnbertt, öottenb^ md)t 
über feine .^tixati) reben, tote fte ein anbermal tfjaten*'. ^m 
Stnfangc eineS am iSanuar 1567 begonnenen SBrief e§ beS faifer* 
Keinen Sotfd^afterg toirb baö (SreigniS afö „t)or mel^reren 
S^agen" unb dl^nlid^ in einem ^Briefe be§ franjöfifd^en SBot 
fd^afterg bom 4. Scinuar (ces jours passez) ftattgefunben 
bejei^net. Sn bem k^ttxn toirb auSbrüdKid^ ber Slbtoefen:^ 
l^eit be§ Äönig^ (l'abrfence du roy son pere) gur Qtxt ber 93e- 
gebenfjeit gebadet. 3Kan toirb baSfelbe fonac^ auf ben 27. 
28. ober 30. ©ecember berlegen bürfen, bon toeldjen bie ^ro^ 
tofoHe (@. 71 f.) freilid^ nur je in Wenigen 3^tlen 9iad^rid^t 
geben; bod§ tüurbe am 28. gerabe bie Übergabe einer finan^ 
äieHen SSorfteHung an ben Äönig burd^ eine ©ommiffion in 
ber aSerfammlung befd^loffen, fo bafe biefe ©i^ung mit Zi^^ 
nacq'g S)atierung faft nod^ beffer ftimmt, afö eine ber beiben 
®i|ungen be§ 30. ÜDecember, toeld^e er ttjol burd^ „geftern" 
bejeid^net l^aben toürbe. 

Über ba§, toag nun erfolgte, gibt ber laiferlid^e SBotfd^ofter 
bie genaueren $WadE|rid§ten unb in aller Slugfu^rlid^feit. Slu^er 
feinen eigenen manigfad^en »egie^ungen gu ben beftinfor^^ 
mierten $ßerfonen beg §ofe§ bürfte - toorauf toir in einem 
anbern ßufammenl^ange surüdEfommen — aud^ feine, bem 
grofeen ^aufe ©arbona angeprige ©emafjlin aug ben Greifen 
i^rer ©tanbeggenoffen, toenn nid^t burd^ ben 5ßräfibenten 
ber ©orteg, ben freilid) bigcreten ©rofeinquifitor Sö^jinofa, 
einjeltieiten erfa{)ren I)aben. SBag ber franjöfifdie ©efanbte 
unb noc§ ffirjer ber p&p^Üiä)t Siuntiu^ (am 7. Sanuar) be- 
rieten, liegt fid^ loie ein met)rfad^ ungenauer Slu^äug. ®ie 
erjäfilung be§ genuefifdEjen ©efanbten bom 8. Sanuar lennt 



S)on ©orloS* «nxAe an bi« 6;ortc8. 81 

felbft an biefcm %aQt tue Qüt k§ ßmgniffcg mtr afö 
„Hcuetltcj^'' (Mtro giorno), meint irrig, bie €t3rtc86eta* 
t!^nng fiabc in ber ^aIaftcat)eHc ftattgcfunben nnb ebenso 
irrig, ba§ bt^ !563 in 59Jabrib an ben Äönig gcfd^cBienc 
SSorftcIIung t)on ber SWotl^toenbigfeit ber Setmäf)Iung be§ 
^ronerben bei SorteS t)on ^olebo erfolgt fei; hk ^er 
tDiebcrgegebenen SBorte fammt ber ©ingangSfrage, ob aße 
SWitflIieber jngegen feien, fotoie ber brfiölc ©d^lufe „unb er 
felirte i()nen ben Siüden nnb gieng baöon" foHten gtei<^ 
bem ganjen ©diriftftücfe für ben tüid^tigen §ergang nnbe* 
nn|t gelaffen toerben^). ©o t)iel über ba§ fe^r dnfad^e 
DuettenntateriaL 

2)er 5ßrinä begann na^ bem (Eintritte in ben ©e== 
ratf|ung§faal feine 2lnf|)rad^e mit einer (Srflärnng, toeld^e 
bod^ and^ i^rerfeit§ einen förmlid) gefaxten Sefd^Iul ber 
Sorten anäfd^Iiefet ®ie legt aber bie SSermutI)nng na^e, 
man I)abe nnofficieß ben äWitgliebern ber jnr SSer^anblnng 
mit bem Sflnige beftimmten ©ommiffion ben SBunfd^ au^jn* 
f|)red^en empfotilen, ba§ ber Xljronerbe mit ber 9{eid)gt)er:^ 
toefnng in Spanien toätjrenb beS ^önig§ flanbrifdier 9ieife 
betrant toerbe. 

®on (SarloS fagte nngefäf)r: er t)abe bernommen, einige 
2lngel|örige biefer SBerfammInng ptten in (Srtuägnng ge^ 
jogen, feinem SSater öorjnftellen, tt)enn er in bie SJiieberlanbe 
äiel)e, it|n, ben ^ßrinjen, „t)ier" ju taffen. SSor f öliger %n^ 



1) f o(j^ 1 177 l^ctt ®ietrt^ftetn'§ ©rjäWung, %a^axh (®on ©atloS 
n 390 fg.) bie genueftfd^e unb franjöftfd^e 9teIation unb ben betreffenben 
SluSsug aus 'iiSnacqS SBrief boUftönbig abgebrucft. SBet (Stadjaxh tft \dU 
fom genug SHetrid^ftetn'S ©ertd^t nur ju ©rgänsungen benu^t unb bie 
®e<)efc^e g«rabe beS gcnueftfi^en ©efanbten feiner 2)arfteffung §u ®runbe 
gelegt worben. 

ȟbtnget, 35ott dartoS' $aft unb %oh. 6 



82 3)er Straffielt^Iul gegen glanbem, 

mafeung reoHe er fte geroantt Ijüben, ba er feinen ^Bater 
gu Bertreten feineälnegä beabfiä)ttge *); nur ^örfift ungern 
Werbe er jurücfbleiben. S)ic antoefeniien (SorteS foDen ft^ 
überzeugt galten, bafe eä il)ncn, toenn fie ben geringfteit 
Mnlüfe bap geben, nii^t jum ®ufen gereiäien Werbe, fonbern 
fie unb bie 3^tigen foHen e§ ftcts bereuen. So t)ätfen ft(^ 
bie legten SotteS (1563) feinem SSater eine ©emaljlin für 
i^n Dotiufdjtagen unterftanben unb i()n ^ierburi^ fe^r be» 
leibigt. ©ie foüen itiren Obliegen t)eiten nai^lommen unb 
fic^ berortiger ©egenftänbe entgolten, il)n aber „unbetrübt" 
laffen. ®on ßatloS fprod) fo äotnig, bflfe bie 3?erfammelten 
crfdirafen unb feine 9lntn)ort fonben. 3mmerl)in ^oben fte 
am ©c^tuffe bcr ©effion, too^t um ben ^ringen gu begfitigen, 
bie Sitte an ben fiönig gerii^tet, für bie Sßermöfilung bel= 
felben ©orge fragen ju looDen. 



Don datlos' Verlangen nai^ ben lltetierlantien. 

®er fo gut unterrichtete, Wie ongietienb barfteUenbe fatfer= 
lii^e SSotfrfiafter fäf)rt in folgenbet; SBeife fort, tnbem er 
jenen irunberfic^en SJotfatl befpttc^t. 

S)e§ ^rinjen Siertangen nad| ben SRieberlanben ertfäre 
i) aus ä»e! SRomenten. ^aS eine fei fein SßunfcEi, feine 



1) „bnn K mit roiUen unter leinen Batctn nlt bcleiben UjiU; &Q er 
)er beleiben mueffe, werbe im (o^eä nit ju geringer ÜSefc^roär reli^en." 
if^ I 177. Sier leif bem 10. auguft 1566 [Sodf l 167) wleber^oll 
rlDinmenbe auSbntd, ba|i %m Carlo« „unter Jein Sotem nit bleiben" 
)lle, legt bie SJeulung na^e, bai eä f"*) «•" «ne ffinlfemung auS ber 
terlic^en aiufüiftt feinblf; ^d^ W"nt mir ber 3"f<"'>'"™^i>n0 "n 
berer Stelle ju forbetn, „unter" \o ju Berfte^en, baß eB bie ®lellBet= 
lung bejeic^nen [oQ, alfo gleite „ftatt." 



S)on ©arloS^ SBerlanöcn nad^ ben 9ilebcrlanben. 83 

©ouftne, bie am 1. 3lot)cmber 1549 geborene, in ber gamiüe 
tt)ie bon ben fremben ®efanbten gleid^mäfeig gerül^mte ja 
betpunberte 1) Grjtierjogtn Slnna, ju I)etrat^en. gut biefe 
l^atte er aHntä^lid^ eine Slrt f d^tpärmerif d^er Siebe gefaxt 2), oh^ 
toof)l er fie eigentlidi nur nad^ einem Silbe lannte. @g ift 
biefelbe, lueld^e faft bier 3a:^re fpäter (13. SJiobember 1570) 
ben glüdEIid^ften ©iiebunb mit ^i^ili)))) II. fd^Iie^en foüte, 
toä^renb i^re jüngere ©d^toefter Slifabet:^ faft gleid^jeitig 
bie ^od^jeit mit bemfelben Könige Äarl IX. bon granfreid^ 
feierte, bor beffen SBerbung ber fpanifd^e Äönig tbtn 1566 
einen f o toarnenben StatI) ertlieilt ^atte ^). S)a^ anbere 9Ko^ 
ment für ©on Sarlog ift nad^ ©ietrid^ftein^g SJieinung bie 
bon i^m ertoartete SKöglid^Ieit ^j, met)r atö in Spanien nad^ 
feinem ©efallen leben jn fönnen. 9iad^ be§ „nun ein unb 
ätoanjig jährigen" ^ßrinjen eigener 3lnfid^t — bie er, toie 
mand^ anbere, bei einem SJienfd^en bon einiger ©rsieljung 
laum glaublid^e, njenn aud^ immer toafjrl^afte 3Kittf|eiIung, 



1) ©a^arb, ^on (SarloS 1 178. 

2) ^oä^ als ^on ©arlo^ öcr^aftet war, f einreibt 3)ietri(]^ftein am 
22. ^pril 1568 (Äotj^ I 214), bie ©rsl^eraogin fei ntd^t mit „Unred^t" 
betrübt über baS ©efd^el^ene; „ban ic^ l^alt aigentlidft, baö er fain 
9Äcnf(i^en auf @rben nit lieber gel^abt l^at." 

3) SSgl. oben 6. 41 f. 

4) „ain mererer greil^eit unb öibertät alS er bi^l^er gel^abt." ®iefe§ 
SWotit) bürfte am faiferlid^en ©ofe nid^t gern öemommen »orben fein. 
Smei ©d^rciben beS fpanifd^en SBotfc^ofterS in SBien — eben ©ranöelle^S 
SBruber« ©l^antonna^ — t)om 20. 9Kai unh 30. 3uni 1565 berid^ten, h)ie 
fc^r bort bie S^iad^rid^t bcfrlebigte, ha^ 2)on ßarloS bie (S^e mit ber 
©rjl^erjogin wünfdje unb ha^ er feit feinem lebenägeföl^rlidlen ©turje 
in Alcala havia hecho voto de no llegarse jamas ä. otra muger, 
»öl^rcnb ^l^ilij)^)^^ Sögerung mit ber SSermä^lung feinet ©ol^neS ben öon 
S)on ©arloS' Siebe jur ©rj^erjogin gerührten Äaifer berftimmte. 
Papiers d'Etat de Granvelle (Docum. ined. Paris) IX (1862) 214 
unb 377. 

6* 



84 "^t Strajtefd^lug gegni ^lanbem. 

5Di€trti3^ftem öorgcplaubert ^bcn tuirb *) — fielen ber ^ct* 
ratt) Uint t>l)5fifd^cn ^rabctniffc me^r entgegen, fonbern nur 
be§ Sflnigg ^IBneigung, it)m, »ic nac^ ber ^eirat^ unber^ 
mcibfid^ , „ntel^r ®ctoatt geben ju muffen." 3ln(f| gebe er 
fid^ bem „Xrofte" l^in, in golge btefer SJermdl^Iung tperbe 
ber filatfer für i^n gartet nefimen. 9Son ber ®ntfernung 
ätoifdien SBien unb SBrüffel fc^eint er feine SJorftettnng ge* 
l^abt ju l^aben. 

Stnf bie etoaigen ©ejiel^ungen be« Äronprinjen mit ben 
irgenbtme jur SBertretung ftänbif^er ^Infprüd^e nad^ ©panien 
bon ber Siegentin gefenbetcn, freitpißig gefommenen ober 
gelösten großen nieberWnbifdö^n ©belleuten foQte man lein 
©etoidft legen. 9iid)t ol8 ob i* ben ®eficl)tgpnnlt t^eilte, 
bie SDlarfgrafen bonSergI)en nnb SJiontignt) feien „toäf)renb 
i^rer Wiffion in ©panien ftet§ ebenfofel^r loyale Unter« 
tl^anen, getreue SSaffaüen il^reS ©onöerfinS afö ergebene 
S5nrger il^reg SSaterlanbe? gett)efen" ^. SBarcn bod^ Seibe 
religiös tt)ie politifd^ in I|ot|em ®rabe compromittiert, toiber 
©rtoarten burdf) bie berfagte Srlaubni^ ber 9iüd£reife bei un^ 
öerI)oI)Iencr geinbfeligfeit i^rer fpanifd^en Umgebung in eine 



1) . . . „rebt gern unb fragt umb olle bing, atüer mit f^dncn 
judicio ober in nullum finem." 2)ietric]^ftetn 22. 2l|)ril 1564 (Äoc^ I 
122) nac^ allgemeinem Urtl&cile, el^e er ben $rinjcn gefe^en l^atte. S^iod^ 
feinen erften S3ef^)re(^ungen mit ll^m (29. Sunl 1564) (Äod^ I 128): 
,;®r l^at mit mler avL6) Diel mal gercbt unb öill gefragt, »ie fein ^xan^; 
aber feine fragen fein gar nlt ungerelmbt geroefen . . . . 3ft gar feint« 
ttd^ (b. ^. ungemein) gottSford^tlg, (du groffer ßteb^abcr ber ®ere(^tlg- 
lelt unb ber ^Sal^rl^eit; mag gar !§ein Unn^arl^eit nlt lelbcn unb ben 
er alnmal auf Unwal^rl^elt befunben, beS mag er nlmer." 

2) ®a(3^arb, S)on (SarloS II 365. SJlaurenbreci^er, ®on ©arloS 
(©lftorlf(3^e 3eitf*rift 1864) XI 302 f(g. matj^t bagegen gdtenb, bafe 
©abrera'« attein baftel^enber Söerid^t „gar nicf)t aufeer^alb be§ ®al^r= 
fd^elnlld^en" Hege. 



%on (Sarlod' SBerlongen ttod^ ten ^ieberlanben. S5 

p^inii^t Situation gcbraä^t, totläjt SRontigntj'* heftige %vä^ 
hxu6)t unb ©ergl^ett'« ju na^em SEobe (21. SWat 1567) 
fül)rcnb€ Sran!t>cit nod) berf^Iimmcrten. Siamcntßd^ b€§ 
©rftcttt Unbefottitcnl^t fielet eS äf)nK^, baJ5 er fi^ mit feinen 
nieberlänbtfd^ Panen tpieberl^olt bem ^rinjen ju n&l^em 
fu^tc 

Slber be^fiolb niöd^tc i^ bod| ni(!^t bie SJenunciatton 
ffir begrfinbet galten, toeld^e Sönig ^I>ili|>t)'ö »togro^^^ bor= 
fanb unb toiebcrgab — öieHeid^t gor nad> aufgeregten, öon 
bem ubeltooHenben SBerid^terftatter übertriebenen Sufeermtgen 
beö über feine ^ratp== unb @elbftänbigleit§plane in ftei^ 
genbe ©ereijtlieit geratl^enen S;i)ronfoIger^ 0- ®o^ meine 
id^, bojj mäi Sabrera nid|t nati^ fritifd(er Srtoägung bem 
trafen iägmont i)iebei eine Snitiatiöe jufd^reibt, tüetd^e bie 
beiben anberen |^erren nur fortgefefet l^ätten. Ate ein fo 
gefeierter ^eerfü^rer toie Sgmont bon ber Siegentin bie 
SDiiffion annal^m, bem Sönige bie bebrängte Sage ber SRie^ 
berlanbe im 3al|re 1565 borsufteUen, ^tte er afö fel)r ptx^ 
fönlid^cä ^u^jtintereffe eine Slnjal^l |>ecuniärer SSortt)eile 
unb ©enel^migung bon großen ®üterertt)erbungen, barunter 
aug bem ©rbbefi^e beö unmünbigen Ä'önigä ^einridf (IV.) 
üon Siaöarra bie ^errfd^aft bon (Sngl^ien burd^ bcö Äönigä 



1) ^ahxtta YII 2 p. 396, too bie beiben nieberlSnbif^^ Ferren 
itm vdäft nur, »enn er gc^en ben ^Ilen be§ ^fiterd in ben ^^ieber- 
lanben erfd^einc , Vne Armee gut ^ert^eibigung berftnrcd^ctt, ^onbern auc^ 
bog et biefe ftrmee k>ertt>enben lönne mn ra prima, eben bte ^^l^jogtn 
ftnna, ^tt l^rot^en — moS fd^ ^on (Sorlo^' Ironfer yi^ontafte 
ä^nlid^ fte^ S^eberl^olte l^eimlid^e akf))r2k4e mit SRontigit)^ erfdjeinen 
Yn 22 p. 470 imter ben bem Äönige öorliegenben IBetge^imgen, 
mtiä^ §n bed $rin5en Serl^aftung filieren, nid^t eben mtf gitte geug:: 
niffc l^in. 



86 ^« Sirafbc^Iii^ gegen gionbem. 

®nabe ober SBermittelung im Singe '). Unter feinen Umftän= 

ben lonnte er butc£| eine 3Jei:t)e|unö be§ ®o^ne§ gegen beit 

Iönigticf)ert S?atet feiner ober and) nnr ber nieberlänbifi^en 

Sacfie nfigen. Smmerfiin (onnte er aber bem Qiexäjen ®e= 

banten StuSfarud geben, wie ber ßarbinal ©ranoelle bon 

feiner §eimat£| SBefan^on auS. 9Jtit §erDortef)rung feinet, 

roie nunntet}r jroeifelloS ift, ben Setgiern fo überaus fteunb= 

lidien ©efinnung ^, ^atte biefer in einem Briefe an ^llilipp II. 

f etbft im §erf)fte biefeä 3af)reS bemerft, e§ emj)fet)Ie ftcEi, toenn 

Äönig mit bem ^prinjen feine SHefibenj einige 3at)re in 

Siieberknben ne^me unb tiiefen feinen @o^n als ©tatt= 

er bort juriiälaffe ^. 

g§ toar boc^ im ©ommet 1564 ber fuiferlii^e ®efanbte 
tt in ber Soge äu berichten, bafe ber Sönig beabftditige, 
!n ©ol|n in bie Stieberlonbe mttäunefimen unb i^m 
;lben nai^ bort ^ergefteHter Drbnung jur ^Regierung 
befeljlen"*). Unb alä ©gmont nad) etwa einmonal= 
:m 9lufentt)alte in ©panien fid) am 9. Slptil 1565 Bon 
. Könige fii)riftli(f| Derabfc^iebete, ft^rieb er in 9luäbruden 
SBeWunberung über beffen SSauten unb Einlagen unb 

1) ®ai^arb, Son SatloS I 317 f. Neffen SuriidineiSung Bon 
ntamc'ä erjä^tung über ggtHontS äßeäie^ungen ju bein Sptinsen: 
66. 

2} $ieS ifl trefftnb Bemetit in bet Bon ber betgitc^en Hlübemie 
uägegebenen goitjeeung Bon ©tonDeUe'Ö eotrefponbenj ieil 1565 in 

»ierten (nat^ «PouHeiS ^obe am 12. Secembei 1882) ton S. 5|8iDt 
4) herausgegebenen SSanbe p. XXVII: Ttöa dfivoui k la natdonaliW 
rlandaiBe il a'aimait paa l'fitiaiiger , , . En TCrtu de ce principe 
oulait constamment faire primer les Beiges, en ecatter autant 

poaaible les Eapagnols. SJieä ge^t beJonbetS auä einem Sötiefe 
gieopel Dom 9.©e))leTO&et 1572 p. 418 ^etDor. SSgl. oben ®. 14 annt- 2. 

3) Gachard, correBpondance de Philippe II. t. I (1848) 371: 
October 1565. 

4) Sittric^fteln 29. 3um 1564 (Äoi^ I 126). 



S)on ©arloS' SSerlangen nad^ ben 9'iicberlanben. g? 

crfldrte, er feiere naä) glanbern in I)öd^fter ©efriebigung 
äurüd 1). 

©afe in ben Älagcaften gegen S)on ßarlo^, toeld^e Sönig 
5ßl|ilipl)'8 Siogra))]^ ju benagen I)atte, aud^ Scäiel^ungen 
beffelben ju ®gmont öermutliet tüurben, tüie f)armlo8 bie^^ 
felben mä) getoefen fein ntod^ten, ift \a ganj 6egreiftid^; 
Sgmont tourbe toegen §od^t)erratI)g entl^aut)tet, tpafirenb ber 
5ßrinj befangener im Sllcafar öon SJiabrib geworben toar. 
aSie ftd| bie böfen 3^^9^^ ^^ SJiabrib biefeä ß^^f^^^^^* 
treffend bemfiditigtett, fann man auö einem ®efd^idE|td§en bon 
SBrantome entnef)men, an toeld^e^ tt)oI)I f)eute ol^nel^in ?iie^ 
manb mel^r glaubt unb ba§ iä) nic^t lr)ieberI)oIen mag. 
Slnberfeitö ift fd^on möglid^, ba§ mit fo mand^er anbern 
Unbefonnentieit ber 9Karqui§ t)on SKontign^ aud| bie be^ 
gieng, mit S)on 6arIo§ einige SRale „geljeime" 95efpredE|ungen 
JU Ijaben 2), tueld^e bei ber 9latur beg Slronprinjen lein ®t^ 
l^eimnig bleiben fonnten. S)enn e§ gilt avai) bon it)m, tDaS 
bie Saiferin Satl^arina IL t)on il^rem ®emat)Ie öerfid^erte: 
er toar „öerfd^toiegen toie ein Sanonenfdöufe." 

Slber üoUfommen toal^r unb jutreffenb ift ja, bafe bie 
nieberlanbifd^e 5tngelegenl)eit bie pJi^fioIogifd^, tüie man mic§ 
öon funbiger ©eite berfii^ert, ofjnel^in unbermeiblid)e Sata* 
ftro^l^e beS ^ßrinjen befdE|Ieunigt unb junädjft I)erbeigefü^rt I)at. 

S)er ^erjog Don Sltba tooHte fid^ am 17. Slpril 1567 
Don il^m t)erabfd£|ieben, um feine @tattl)alterfd^aft in Srüffel 
anjutreten. 2)em franjöfifdien (Sefanbten I)atte er gefagt, er 



1) n s'extasie sur TEscurial et sur le bois de Segovie il *re- 
toume en Flandre rhomme le plus satisfait du monde.* ®a(]^arb. 
a. 0. O. 349 n. 278. SBei Theodore Juste, le comte d'Egmont et le 
comte de Hornes (1862) ©. 117 ift ha^ bod^ nic^t erttJö^nt. 

2) Montiili . . le hablö diversas vezes en secreto. (Sabrera VII, 
22 p. 470b. 



88 ®CT Otrafbefd^S Ö«9«tt SI««^«»- 

tooBc bort bcn f{attbrifd>cn Mebcttcn fo t)iel »6fc§ ate uiäg^ 
Hc^ äufügcn ^). Bunäc^ft aber ^atte er 2) f elbft bei ber »er^ 
abidriebimg in ^tranjues t>tm S)on Sarloö einen aSu^anfaH 
jtt «rbulben, tt)eld|er Sllbtf^ Seben jtoei 3Äal in (Sefa^r 
braute. Sin eintretenber Sammerer fonb ben ^ßrinjen, 
beffcn arme ber ^erjog l^ielt, nod^ mit geäüdtcm S)oI(^; 
trft bei bem Slnblide biefeö Beugen lieg ©on 6arIo« ab unb 
entfernte fid^. Sei einer SBejt)rec^ttng mit bem fiönige — 
ttrie eg fci^eint, ber lejjten bor feiner 2lbreife öom l^oflogcr 
ju Slraniuej am 17. 3lpril 1567 — fieUten SJeibe mä) bie=^ 
fem aSuti^anfatte feft, bafe ber ^rinj jur Slegterung unfäl^tg 
fei, toie ^\)xi\pp'^ »iogra»)^ au^brucflic^ berfic^ert. 

S)er Sönig ^^xi\pp H. I)atte feine, an fid^ fo bielen 
3Jcbenfen nnterüegenbe SReife na6) ben Slieberlanben tool^I 

1) qu*il va en Flaadre faire au rebellee du roy eon maistre tout 
le mal que sera en sa puissance. f^ourquetooul; 24. ^ärj 1567. Bibl. 
nat. k Paris II 234. 

2) 5>ietri^ftein 21. Sonuar 1568 (äöc^ I 204) !ann bo(]^ für ein 
©retgitiS öom 17. %pril 1567 nt^t in erftcr ßinie in SBetrad^t lommcn, 
öoHenbÄ ba baffelbc in ber SRdation über beS ^rinjen fJcrl^aftimg nur 
al^ ^f)iiel neben jtpei onberen SlSutl^ntällen beffelben etfd^eint; melci^en 
Sßertl^ l^iena^ bie einzelnen Sorte über ben ^onflict mit ^Iba l^ben, ift 
bo(^ nid^t fi^er: „Sie er . . . ge^aften . . . le^tlid^en ben ^er^ogen Don 
Alba, boÄ er imc htn Xold^ an ficib gefegt, allein bonimbcn, hai^ er im 
{eined $ater$ Q^d^etm nit fagen wollen." tiefer @^ruitb feiert aber bei 
bem Sutl^anfaU auf ^on Sodann t)on £)fterrei(j^ Dom 17. ^annuar 1568 
äl^nliii^ »ieber: „ttJiffen woHen, »aS ... ber Äl^unig mit ime trocticret". 
©enn QJad^arb, ^on (JortoS 406 f. ben »erl^t dobrera'g (VE, 13 
@. 443 f.) im ^e^e genau wiebergiebt, in ben Slnmerlungen aber ht^ 
merft, ed lofte i^m ^ül^e h en admettre tous les d^tails, fo fc^eint 
er ben altenmäfeigen S^arafter biefer ©rjäl^Iung öerfannt. ju l^aben, 
»el^e in einer unmittelbar folgenben ©onferenj mit bem Äönlgc auf= 
gcäcid^net ju fein fd^eint. S5eibe, fagt Gabrera, »aren nunmcljr öon 
be* ^rinjen „Unföl^igfeit" tief betrübt (se laatimaron ... de la incapa- 
cidud de Don Carlos) unb beriet^en über baS Heilmittel eineS fo großen 
Itnglücied für htn 5Eönig unb bie ^one. 



^on Siarlod^ SSerlangen rtüä^ ben 9ltebeclanben. ^9 

o^nel^in oar^eg^ktL ®ei fatferli(^e ^tf($after erflorte 
fte fd^oit am 2.. Sauimx 1567 in ber aUelatiDtt übtx bte 
anftö^igc ©cene mit ben Corteä für ^^dß, ätoeipcl^aft 
S4t ma^ ^^iliff) Bei bief em @eifte%uftQttbe f eked ^^on^ 
«rbeit ffilbftoerftdubtid^ (Utf biefelbe t)erji<i^ten. ßuxKid^fj; tool^l 
tnkberum bo^ breiterer ^itflo|, möglid^ft t)ermiebeti toetbe, 
fu^te ber ^Si% feineic totib- aufgeregten imh auf bk %ad^^ 
ru^t toktiiä) erfreuten @o]^n burd§ (£t)ren unb ®elb: 30. bt^ 
rul^ig^em @t Iie|; in ®on ©arbS' äBoJ^natnsi unb usiier 
beffen Serfig ben ^Staatöp natb ben SriegSrotl^ obl^alten; er^ 
l^ö^te feine ^oüitLon t)on fed^gig^ auf f)unberttaufenb (^Ib>> 
ftüde unb öerf^rad^ il)n mitäuncf)men, „mxm er in. bie 
9?ieberlanbe reife", tüic ber franjöfifdie ©efonbte ftd^ mit 
äutreffenber ®enauigleit auöbrüdt. @e^r irrig meinte freilid^ 
im. nad^fien geBruox ber ücnetianifd^e ®efanbt£, ber in ber 
gongen ISutoidEsiung bet fragen ußer S)on Sarlod- §aft vmb 
%übf toie früTjer fci^on bemerft tourbe, niemafö bie entfci^eiben?= 
ben SDlotiDe erfoi^ren l^at. ber ^m% fei t)Ott ber %ifi)C^t aug<> 
gegangen, man mfiffc felien, ob eine fold^e 3ieife biene, ben 
^ßrinjen ju berul^igen ^). 

Smmerl^titt öetfid^ert ber foiferKci^e Söotfrfjafter nad^- jenem 
SScrid^te über bie ©cene mit Htba, ber Röntg l^abe feinem 
©al^ne üiel unb oft gebrol^t,. bag er feinen ungiejiemenben 
(unbtäi^en) unb mtberet^tigten (unbefuegten) äßstl^tDiUen 



1): ®a^acb> %on (&axlo§k 410 bringt bie entfd^eibenhett ^orte ax& 
beiben S)e))ef(i^cn, bec f!um^ftf<l^tt bom 2L ^Oloi 1567 -- bie fiii^ MüU? 
ftänbigen in bibl; not äPairi» II 238 mit eiitgel^enbeit ^c^rid^tes über 
^rgi^anf ^ cm. biefem Xoge erfolgten %ßb fmbet — unb ber Deuetionifd^ 
tsont 11.. ^ebcnat 1568. @ie lauten: 'le roy son pere Iny a psomiB 
de- le menttr %aaxit et luy [va?] en. Flaiidre8\ *vedendo se per 
giomata si andasse a componerlo." 



90 ®er StrafBefd^Iug gegen fjlanbern. 

ntd)t butbcn tooHe; „benn toenn aud^ fein SSatcr, fei er 
bod^ ein Äönig unb öerpflid^tet, feinen Untertl)anen nid^t 
UnredEit unb Un6iE äufügen ju laffen." 

Unb bafe man nid^t glaube, irgenb eine 5ßartei in ben 
SWieberlanben lönne ©on Sarlog' Stniangen tpirllid^ getuünfdEit 
I)aben. 1) Sntmerl^in t)at SBilfielm bon Dranien nad^ ber 
Sataftrop^e red^tfertigenbe S5riefe feinet 9SerI)aIten8 nad^ 
öerfd|iebenen SKd^tungen, an ben Äaifer, toie an „95ürger:= 
meifter unb Siatt) t)on 3^^^" ergeben laffen, in toeld^en er 
be§ ^ßrinjen SSerI)aftung atö SBirfung feinet Sntereffeg für 
bie 9lieberlanbe unb feinet ©egenfa^eg ju Stlba^S bortigem 
SSerfa^ren barfteüte^). 3m Satire 1581 I)at er fogar in 



1) 2lu(j§ l^ier l^at ©ac^arb bie entfc^eibenben ©teilen gefammelt: 3)on 
SarloS 170. SBü^elm öon Dranien'S iBrief an feinen SBruber 2. Sfloöember 
1562 über beS ^ßrinsen mafelofen ©enufe bon Dbft mit SBaffcr: I 283; 
^lonfo be Saloo 29. SRai 1566: et haze la vida acostumbrada, toad 
als SBamung bei bem Slbreffaten ©rafen §oorne genügen fonnte: 
n 366; SBigliuS an ©ranbeHc 23. Sluguft 1566: la venue de monseig- 
neur notre prince au lieu du roy . . . ne seroit ce que convient. 
2)ieS bürfte genügen; man fielet, »aS alle ^Parteien ber Sliieberlänber 
Don il^m badeten. 

2) 5«ac^ gütiger SKitt^eilung beS ^errn ©taatSard^ibar« Dr. ^aul 
(5(i|tt)eijer in ^u^^i^ befinben fid^ in bortigem Slrd^iöe jwei berartigc 
@(j^reiben wcfentlid^ gleid^en Snl^alteS, baS. an bie güri^er ^Regierung 
öom 23. 3uni 1568 mit eigcnl^änbiger Unterfd^rift, baS an ben Äaifer 
öom 6. 3luguft 1568 in ben „geitungen an SuUinger." ^icr lieft man : 
„Sßeld^eS au4 sum Überflujs ou§ biefem augenfd^einlid^ unb wol ift 
abjunemen, bafe fie [fön. üJlajeftät bon @^)anien] burd| ire Slrgliftigfeit 
bie Ba6^ bal^in erj)racticiert unb gebraut l^aben, bag ^öd^ftermelter tön, 
aJlajeftät aigner Sul^n gefengflid^ eingebogen unb berioal^rt ift toorben, 
bamit er ftd^ ber betrangten ©rbniberlanbt, fo burd^ ben ^uca bc Sllba 
fo jömerlidi öertoüftet unb öerberbt werben, fo M befto weniger anncmcn 
unb bem bon 5llba in feinem und^riftlid^en ^Beginnen unb SBüeten ja 
feinen SBiberftanb erzeigen möge." S)er Äaifer fonnte über biefc ©e« 
l^au^)tung freilid^ nur traurig löd^eln; in Qüxx6) mod^te man fie für 
mal^r l^alten. 



S)ün ßarlog' SBerlangen nad^ ben ^f^leberlanben. 91 

feiner 5lt)oIogte unter ben „t)eftigften Snüectiöen gegen 
Äönig ^^ilip))" ^) bef)auptet, berfelbe l^abe biefen ©oI)n 
unb feine ®emal)lin (Slifabet^ untgebrad^t, um feine SWc^te 
?tnna l^eiratl^en ju lönnen. 

Db S)on 6arIoö in ben Siieberlanben nid^t tDÜber unb 
graufamer al^ Sllba in jenem „glanbern" regiert l^ätte, für 
beffen o^jpofitioneUe Setoegungen er nie bie geringfte ®t)vx^ 
pat\)k ober S)ulbung geäußert l^at, ift eine grage, toeld^e 
ber geneigte Sefer au8 ber folgenben ©(^ilberung t)on beö 
ft)anifd^en Xt)ronerben ©eifteöart fid§ felbft beantworten möge. 



1) Seopolb fRanlt, jur ©efci^icä^te bcÄ S)on (£atIoä (SSiener So^r^ 
büd^er ber Äitcratur XLVl. 1829) gcbraud^t btefc SBortc in ber noc^ 
unübertroffenen Äritif biefeS ^eile^ öon DramcnS ^Hjologie ©. 230 
bis 232. @r fd^Iiefet mit ben ©orten: ;,ber ^iftorie aber loürbe eS 
fc^lec^t anfielen, äl^nlid^en SSermutl^ungen SRaum ju geben." 



BweitcS Stt4 



Jon Carlos' (Bet|le0nr^tiin0. 



h 



Die ^errfdienben UorpteUungett. 

©anjltd^ in fpanifd^cr unb t)orI)crrfd^enb in caftilif^cr 
Umgebung toax bcr S:i|roncrbe $ß]^ilipp'g n. aufgetoad^fen. 
®r toar üicrjcl^n Seilte alt, afö er im ©patjal^re 1559 feinen 
^ater überfiaupt <)erfönlid^ fennen lernte. 9ln natürlidöem 
©d^arfblide toie an gutem ®ebdd^tniffe t)at e^ i^m nie ge* 
fel^It^). S)a ^at er benn balb bemerfen muffen, toaä ber 
©arbinal ©ranbeHe feinem öertrauteften ©orrefponbenten 
über ben ffiönig f^rieb: „id^ fenne ben falten SKann, tüeld^er 
ju fd^toeigen unb ju t)ert)ei)Ien tüeife, aber ju feiner 3^^ 
nid^tä bergifef' 2). gt fa^ beffen :perfönlid)eg, milbeS, immer 
l^öftid^eS SSenel^men, feine ftete ©elbftbel^errfd^ung, bie einfalle 
geinlieit feiner Äleibung unb SKol^nung, feinen unabläffigen 
glei^, feine bollfommene |)errfd[jernatur, SlHeg ange]3a§t ber 
©efinnung beg caftilifd^en SSoIIeg biefer 3^'*- 

Unb toie eigenartig im<)ofant ift unä biefeS 9?oIf entgegen- 
getreten. SKit ber ganjen Kultur ber 3^^^ erfüttt, ftegreii^ 



1) „@o l^at er ein treffcntlid^eS ®cbec]^tnu6 unb ift, loie man fagt, 
in SBielen nur ju gar agubo". S)ietri^ftcin 29. guni 1564. Äod^ 1 128. 

2) Je connais rhomme froid, qui sait taire et dissimuler; mais 
en 8on temps il n'oublie rien. 3ln ben ^reööt SJloriHon auS '^Heapd 
11. 3Ral 1573. Correspondance du Card, de Granvelle t. IV (Bru- 
xelles 1884 ed. Piot) p. 559. 



96 2)on ©arloS' ®elfte^rid§tung. 

äu Sanbc unb jur @ec, glüdli^ unb ftolj bei entbecfungcn 
unb eolonifationen in fernen ©rbtiicilen, unerbittlid^ gegen 
religiöse ?l6tt)eid|ungen toie gegen nationale ®egnerfd)aften, 
glei^giltig gegen ©tröme bon SÖIut, toenn fie feiner ^err== 
fc^aft bienen. Sßa^rlid^, ein ftarler unb auf feinen eigenen 
Öberjeiigungen rul)enber (Seift, ber aud^ einer SBSelt öon 
geinben gelaffen bie ©tirn ju bieten befäl)igt toar, erf^eint 
einjig geeignet, bie^ fponif^e SSoI! ber fed^jiger Saläre be§ 
fec^je^nten Salirl^unbertö ju füljren unb feinerfeitä ate ge^ 
^orfame^ SBerljeug feiner ©ebanfen ju öeripert^en. Sine 
nid^t getoölinlidie SSetbinbung t)on ©elbftbe^errf^unfl unb 
mannigfad^er Senntni§, t)on falter ©ntfd^Ioffen^eit unb 
jarter ©(^onung öermodE)te uEein bie Slufgabe ju löfen- 
(£§ ift eine ©umme bon Sigenfd^aften, tüeld&e, bei ntand^er 
perfönlid^en ©^tt)ädE)e ^), ber Äönig W^^PP H. in fid^ t)er^ 
einigte. 

(Sine biel fdjtüöd^ere unb ju geringer 2lu8bilbung be^ 
fäl)igte ©eifte^fraft ttjar feinem in allen StnfprüdEien unbe^ 
bingter |)errfd§erge^alt unb nur auf iberifd^em ©oben auf^ 
getoad^fenen ©ol^ne befd^ieben. 2luf biefen ntod^te bie 
eigenartige fpanifdE)e unb f^ecteU caftilijd^e 2RifdE|ung öon 
I)Od§l)eräiger Sulturbeftrebung, Iriegerifd^er Xl^atfraft unb 
3J?ifead)tung anberB gearteten 3Äenf(^enbafein§ eine öetberb^^ 
lid^e SBirfung üben, tt)enn nid^t eine fel^r toadEjfame ®r* 

1) 9?uf toentg trifft bod) hit ginalrelation 3](lanno ©abaErs öon 
1551 an ben benctlanifd^en ^ai^ ber $regabi trofe aller einjcll^citcn 
üBcr ben bamalS öterunbatoanjigjäl^rtgen W^^PP ^o^ 2BcfentIt(J6e. 
Alberi, relazioni degli am'basciatori Veneti. ser. 1 1. II p. 218. fiber 
eine ^Injal^l fad^Itc^^er Errungen in (S;at)airr§ Seriö^t unb unrichtige 
Sefungen ^IBeri'S ögl. Gachard, les monuments de la diplomatie 
Venitienne (memoires de racademie royale de Belgique t XX Vn, 
1853) 101. 



k 



«Religiöfe fR^tung. 97 

jiel)ung tl^n fd^ü^tc. Unb eben an einer fold&en ^at cä S)on 
6arIo8 gänältd^ gefehlt i). SBa3 an aBtüfür unb @tsoalU 
tf)&tiglett einem fpanifd^en SÜ^ronerben möglid^ fd^einen 
lonnte, xoa^ er an graufamen ^anblungen, Blutigen 9Jer* 
folgungen auä religiöfen, ^joliäfd^en, jubicieUen ©rünben faf| 
unb ]&örte, toirlte öertoirrenb auf fein ju aller ©gentDillig^ 
feit neigenbeS ©entütl^. 3ni ©egenfa^e ju feinem ftetg in 
äierlid^er Sinfad^tieit erfd^einenben SSater, bemerfte man an 
biefem S:t|ronerben möglid^ft „unfaubere'' ©rfd^einung 2). 

SBeld^e SRid^tung bie Jiad^rid^ten bon ben kämpfen gegen 
bie 2;är!en auf 3RaIta unb in Slfrifa, gegen bie granjofen 
in gloriba, bie bon ber fpanifd^en Station getoottten mili- 
tärifd^en 3Sorbereitungen — unb biefe gar unter feinem eigenen 
SSorfi^e — jur SBeftrafung ber Siieberlänber S)on ©arloö' 
®eifte audi in gefunben Siagen geben modE|ten, bebarf faum 
ber (Srtoäiinung. 

Heligiofe llliditung. 

SRad^bem be^ SaiferS SBotfd^after Slbam bon ©ietrid^ftein 
ben ^ßrinjen toieberl^olt gefprod^en, beobacf)tet unb Don bieten 
©eiten ?tadf|rid^ten über il^n unb feine Seben^ttjeife erliatten 



1) Multa, quae videntur peccata naturae, educatione corri^ 
poterant SfJadft öerbreiteter toftci^t ^^fej aud^ bll öerfaumbt toorben, 
boS et nit anberft erjogen; hau feine naturalia fein guet, fo fei er aud^, 
tt)ie er l^liner, nit alfo gett)eft." S)ietrid^ftein mobificiert, nad^bem er 
ben ^ringen lennen gelernt, am 29. Quni 1564 bur^ ba§ l§ier an erfter 
Stelle Vorgelegte lateinifd^e Urtl^eil bie öcrBreitetc ^nfti^auung, weld^e 
er am 22. Slpril 1564 mitget^eilt l^atte (Äod^ I 128 unb 122). 

2) „^aS er im fümimbt, baS ttJitt er ha^ bortge unb läft im fein 
SBiUen nit bred^en, unb ift bod^ bie SSernunfft nit alfo, baS er ju unter= 
f^eiben tonnte unter bem, toa^ red^t unb unred^t, fc^eblic^ ober nu^ ift; 
toaä acondicionado: al possibile unfauber" (^od^ I 122). 

ȟbtnger, 2)on SqtIoS' ^aft unb 2ob. 7 



98 ^on ^axm' ©cifteSrid^tung. 

\)attt, bejeidinete er it)n ate „fetntlid^", b. I). ungetpöl^nlid), 
gottegfürd^tig 0- ©o erflärtc aud^ fein SSeii^tbater bret 
SJÄonate nad^ ber SScrI)aftung feierlich, ber 5ßrinä Ijabe fid^ 
ftetö unb in ieber Sejie^ung fo gut IatI)oIifd^ unb bcmge^ 
mä^ toal^rl^aft d^rtftlid^ gel)alten, aU benfbar^). ®cr be== 
treffenbe SWöttd^ ®iego be 6t)at)eö tt)ar für unfern SSertd^t* 
erftatter ein um fo juberläffigerer 3^«9C/ ^I^ ^^^ i^^ genau 
genug aU ©eclforgcr ber betben ©öline beS Äaiferä fannte^), 
ttjeld^e S)ietrtdE|ftetn'g gürforge anvertraut tparen; berÄönig 
felbft I)at biefen SKönd^ fpäter jum SJeid^tbater Qttoä^lt 

gür bte rid^tige SBeurtl^etlung ber religiöfen ©eite öon 
2)on ©arlog* ©eelenrid^tung tooEe man fid^ pnäd^ft bte S9ei^ 
fpiele t)ergegentüärttgen, totlä)t er ate Änabe unb Süngltng 
t)or fid£) \ai). 

@r I)atte am 21. 3Jiat 1559 bem gräultd^en gefte eineS 
®Iauben§acteg mit SSerbrennungen unb (£rbroffeIungen tjon 
SRenfd^en aU fürftItdE)er Seiter jum erften SKale beigett)of)nt. 
S)ann mufete er, nun tiieräel^njälirig, bei jenem ebenfalls fd^on 
früt)er (©. 25), ertr)ä£)nten ättjeiten SSallaboIiber ©laubeng^* 
acte biefeS Sal^re^ am 8. Dftober jugegen fein , aK fein 
föniglid^er " SSater ben SSorfi^ fütirte unb bie antoefenbe 
aSoIBmenge ernftt)aft auf 200000 SKenfdien gefd^ä^t 
tt)urbe. 



1) 8S9L oben ©. 84 5lntn. 1. 

2) S)ie bei Äod^ I 214 nic^t genau loiebergegebenen iDtdftttgcn 
SSorte S)ietri(^ftein§ in ber 5)epefd^e tjom 22. W^xii 1568 lauten in ber 
|)anbf(^rift be§ S5ot{(^after§: „®er l§at ntier l^od^ unb temer affirmicret, 
ba§ id) gettJiStid^ glauben foü, ha^ ber ^rin^ ie unb albeg ain fo guetcr 
(SatolicuS unb baöon fo d^riftlil^ geilten, aM imer bijer l^alten Il^unbe." 

3) „l^ert meine gnebigiften Ferren aud^ J)eil^t " (£r ioirb bc= 

Seid^net alö ein „feiner, d^riftlid^er, frumer, gefdiitl^ter" 9Jli)nd^. §1. a. D. 



¥^ili))() U. über etwaige ^e^erei feinet ©ol^neS. 99 

}Il)ili|jji IL über etwaige Äe|eret feines Soljttea. 

Unter ben für bicfeS geft refertJterten befonberS jafit 
rcid^cn Dpfern bcfanb fid^ auc| ein in laiferlid^em firiegS* 
bicnfte toie afö fpanifd^er SScamter erprobter ©bclmann auä 
SBcrona; aU bicfer jum glammentobe an bem ffifinige borüber 
geführt njurbe, rief er bemfelben l^eftige SBorte beS SSortt)nrf8 
entgegen, ba er bod^ and^ ebler Slbfunft fei. 5ß^itipp 11. er* 
hjiberte lual^rfd^einlid^: „®anj red^t, toenn ebleä SBIut fid^ 
im geuer reinigt; toäre mein eigenes in meinem ©oI)ne be* 
fledEt, id^ toäre ber Grfte, if)n l^ineinjufd^teubern!" ©o liegt 
man bie Stnttt)ort in ben freilid^ erft im ^af)xt 1639 in 
©ebiUa erfd|ienenen „SlnSfprüd^en unb %i)attn beS Äönigg, 
^errn ?ßt|ilipp be§ Streiten be§ Singen" ^). S)iefe 3Borte 
ftimmen toenigftenS am meiften mit benjenigen, toeli^e im 
Salirc t)or jenem 5lutobafe bon SSaHaboIib (1558) beS Äönigä 
Vertrauter SBeboHmäd^tigter am ^)äj)ftlid^en §ofe bon il^m ju 
gebraud^en befehligt tt)urbe. S)iefer „©efanbte" (orador) toar 
ber SSorgänger jenes früf)er (©. 19) ertoälinten 5ßebro be la 
®a§ca unfterblid^en SlngebenlenS im 85iStI)ume bon ©iguenja: 
©arbinat $ßac^eco. %U ^apft ^anl IV., S^nlic^ toie acftt 
Saläre fp&ter 5ßiuS V. 2), bie SluSlieferuug beS bon ber Sn== 
quifition toegen lut^erifd^er SReinungen in §aft genommenen 
erjbifdfjofS t)on S^olebo Verlangte , mufete 5ßad^eco bie Slnt* 
rvoxt geben, über njeld^e er bem nod^ in Srüffel refibierenben 

1) SBon SBaltl^afar ^orreflo, angefül^rt bei Adolfo de Castro, liisto- 
ria de los Protestantes Espanoles y de su persecucion por Felipe II 
(Cadiz 1851) p. 178. ©ad^arb glaubte (S)on ©arloS I 56), §ier eine 
SluSmalung ju flnben (Porreflo amplifie), wie man au8 bem ieyte er* 
feigen bürfte: nld^t mit fficii^t 3)le 9f?ac^rld^ten über ben Verbrannten 
Äarl t)on @efa l^abe idf ebenfalls ©aftro entnommen. 

2) SBgl. oben (S. 73 unb tregen ber SBer^aftung lutl^erlfci^er ^ärefte 
»erbäd^tlger ©. 25. 

7* 



100 5)on earloä' ®eifteSric!^tung. 

Sönige berichtet i). „3Bag (Sure äRqeftät Verlangte, mx, 
bafe feine Steuerung in S5ejug anf ba§ gemad^t tt)erbe, toa^ 
auf baS Iieilige Stmt in ©panien Söejug ^at" , „tt)eil jebe^ 
§anbanlegen an biefeS, nantentüd^ in gegenwärtiger 3^^*^ 
ein großer ©c^aben für bie Slngelegenf)eiten ber ^Religion 
fein tt)ärbe. Unb ttjenn ber (Srsbifd^of fd^ulblog ifi, toie jn 
glauben ftel)t, fo tüürbe (Sure äKajeftät fid^ fef)r baröber 
freuen. SSenn er aber nid^t fd^ulbloä tüäre, fo toürbe ®ure 
SRajeftät auf if)ren eigenen ©o^n feine 3Hicffic^t nef)nten, 
t)ottenb§ nid^t auf eine anbere $ßrit)at^erfon 2). Um bie^ 
l^abe ic^ i^n öon ©eiten ©urer SKajeftät gebeten unb (be* 
merft), bafe nid^t^ SlnbereS (£. aÄaj. bett)egt, alä ber §immel, 
toenn e^ fid£) um Slngelegen^eiten ber 9fleIigion ^anbelt, für 
toeld^e toenn nötl^ig (Sure SKajeftät if|r eigene^ SBIut ber^^^ 
gießen toürbe^)." 

SRauf)cr unb l^Iatter, al§ man üon biefeg ÄönigS gein^ 
füf)Iigfeit ertt)arten barf, läßt ein 5ßrebiger bei ber Seid^en== 
rebe nad^ ^f)ili^)p'§ 11. ^obe im 3af)re 1598 i^n jenem 
t)erurtf)eilten SSeronefer äurufen: „SBenn mein ©ol^n ber 
fatf)oIifdE)en S<rd)e entgegen toäre, fo tt)ürbe id£| felbft bie 
SReiferbünbel fierbeitragen, baß man il^n berbrenne ^). (S§ ift 



1) S)aS Slctenftücf ift bei ©öHinger, iBeiträge pr ^JoUHfd^eti, Kvd^^ 
lid^en unb totturgef(j^i(^te ber brei legten ^a^x^unhtxtt I (1862) auS 
beut S'^aifilaffe Dr. §eine'S naif) einer in ©imoncaS genommenen W)^ 
f(ä^rift abgebrudEt, aber curioä genug ©. XIII mit einer ©d^eibung ber 
einen $erfon beS SöeöoHmärfitigten in jtoei , ^ocj^eco unb ©iguenja, 
angefünbigt. 

2) a SU hijo proprio no tendria Vuestra Msigestad respeto, 
cuanto mas ä otra persona particular . . . 

3) derramaria su propria sangre. 

4) Si mi hijo faere contra la Iglesia catölica, yo llevare los 
sarmientos para que lo quemen. 5luguftin 2)abila bei Castro, pro- 
testantes Espafioles p, 184. 



W^^\>P U. über cttoaige Äetcrci fcineS ©ol^ncS. lOl 

bcmiutlilid^ btefe gaffung, toeld^e mä) jtüei Sa^rje^nten bcn 
»iograp^en bc§ ^ötttgg nod^ gröblidier fagen läfet: „3d^ 
Mrbe bag §oIj tragen, um meinen ©o^n ju berbrennen, 
tüenn er fo fd^Ied^t toie 3t|r h)äre!"i). 

Il^nltd^ toie bei jenem 3lutobafe fingerte \iä) übrigen^ ber 
Sönig ettoaS über ätüei Saläre fpäter bem franjöfifd^en fSoU 
fd^after gegenüber, ©tefer berttjenbete fid^ für einen bon 
ber Sttquifition toegen Se^erei berl^afteten frauäöfifd^en 
§lpüt^eler ber fpanifd^en Königin, bem ©d^ttjager beä Seib* 
argteg ^arf g IX. bon ^ranfreid^. 5ßt|ilipp IL erllärte 
I)ierauf tt)ieberi|olt, njäre eä fein eigener ©o^n, ber in biefer 
SBejieliung gefünbigt ptte, fo toürbe er i^n fterben laffen. 
'S)er SBotfd^after aber, bem er ba§ fagte, ttjar felbft ein l^oI)er 
®eiftlid£)er, Sifd^of bon Simogeg ^. 

S)ie entl^ufiaftifd^en SBorte be§ ^önig§ muffen bamalä 
in (Spanien nii^t eben auffaHenb gefunben toorben fein. (S^ 
entfprid^t il^nen minbefteng ein förmlid^er SSefd^Iu^ be8 
fpanifd^en ©taatöratf)e§ an^ bem 9iobember 1561: „©eine 
SÄajeftät t)at bem ^ap^k unb ber fatI)oIifd)en Äird^e bei5U* 
ftel)en, unb toenn fein ©ol^n auf ber anbern ©eite iDäre, 
mü^te er gegen i^n fein ^)." 

aSie toenig ®runb e§ l^at, n)enn au§ fold^en unb äf)n^ 
lid^en lebhaften fo^erungen, gleid^fam SBelenntniStoorten beö 

1) eabrew 1. IV c. 3 p. 236. 

2) 81 c'estoit son propre filz et qu'il eut en cest endroit pechö 
il le feroit morir. ©ebaftlan b^j^ubeS^Jine an bie Äönigin Äatl^arina 
SJieblciä 20. Qanuar 1562, guetft bon ©ad^arb, ^on Darios I 57 mit= 
getl^etlt, bann öon bemfelben mit 5lbbrud beS ganjen auf bie ©ad^e 
bcjügli^en (StüdEe§ ber 2)e:pefd^e in biblioth. nationale k Paris II 129, 
^ienad^ tourben alle in ^pankn lebenben granjofen öon ber S^fjui« 
fttion beaufftd^tigt. 

3) Slrd^it)alif(]^e ©ntberfung SBil^elm SRaurenbred^ef ä. ^iftorifd^c 
Scitfd^rift XI 287. 




102 2)on ©arloS' ®ciftc8rld^tung. 

Äöniflg, feiner SWimfter unb ©efanbten, ernftlid^e ©d^Ififfe 
auf l^äretifd^e, fogar lutl^erifd^e Sluffaffungen be§ fiöntgS^ 
folineä gejogcn toorben finb, bebarf itad^ ber eben gegebenen 
ßufammenfteHung leinet Leitern 93en)etfe§. 

(Sine nur fd^einbar berttjanbte ^u^erung ^l^ilipp'ö IL 
uiufe nod| in biefem ßi^f^^w^wienliange berül^rt werben. (£8 
l^anbett ftd^ um bie föniglid^e ©enffd^rift über bie 9?ot^* 
toenbigleit rafd)er 9?euorbnung ber nieberlanbifdien ^r^en^ 
berfaffung bom 6. SKärj 1559. S)er frul^er ertüälinte 6or^ 
binal ^aä)tco Iiatte fie ber römifd^en Kurie öorjulegen. ©ie 
tt)ar bon fe^r bringlid^en föniglid^en $ßribatfd^reiben an biefen 
SBeboHmäd^tigten unb an ben 5ßat)fi felbft begleitet 

Sn beut je|t in ©intancag aufbetüal^rten (Sjentplare ber 
S)enlfd^rift finbet fid) biennal bie 3Janb6emerIung: „S)ag mit 
einem ©trid^e SBeseid^nete ift üon ber §anb ©einer äRajeftät 
Ijinjugefügt." 2luf biefe 3Beife finb im ©anjen öierjelin 

• 

©rudtjeilen be8 2;ejte§ ber 3)enffd^rift ]^erborgeI)o6en. S)ag 
SlctenftüdE in ©imancaS lann baf)er nid^t alS ©ntttjurf, f onbern 
nur aU ®o<)ie gelten, dagegen finb bie beigelegten ©jeniplare 
ber löniglid^en ^anbfd^reiben an ben ^a))ft unb ben Sarbinal 
in ber %f)at Driginalenttofirfe; man lieft jur britten 3^^^^ 
be^ SBriefeä an 5ßaul IV. bie Söemerfung : ,9Son ©einer Wta^ 
jeftät §anb': „bieg fd^reibe id^ mit meiner ^anb, um ju feigen, 
ob e§ melir SBirlung ^aV* Slud^ in ber S)enffd£)rift finben 
ftd^ bei Slnfünbigung biefeg SBriefeä^) bie brei mit einem 
©trid^e bejei^neten, bon bem Äönige in bem nid^t erl^altenen 
(Snttourfe Iiinjugefügten SBorte: „bon meiner §anb." ©benfo 
Heft man ju ber Uberfd^rift ,an ben ßarbinal ^ßad^eco ge^ 
fd^riebener ©rief bie 9?ote: ,am SRanbe ftet)f : „bon ber $anb 
©einer aRajeftdi" 

1) S)öIIlnger, »cttrögc I 250 unb 253. 



$]^mp<) II. über ettüdge flefeerci fclneS ©o^neS. 103 

S§ fd^ien mir unerläfeltd^, bicfeä I)anbfrf)riftli^c SSerf)äIt^ 
niö Ijicr borjulegen, um ©ntftc^ung unb SBebeutung beS 
©a^c§ ju toürbtgcn, tnet^er ju ben SBctüeifcn t)on Äönig 
5ß^ilt|)p'ö ßtoeifeln über bie SRed^tgläubtgfeit feinet ©ol^neS 
gefteHt h)orben ift. 

3n bem tncorrecten Slbbrude tütrb biefer ©a| fretltd^ in 
einer 3lnmerfung mitgetl^eilt unb gtoar mit ben, bem 3Kanu=^ 
fcrtpte entnommenen ©nleitungSttJorten: ,3Im JRanbe ftef)t 
bon ©einer SWaieftät §anb*. Slber ber fd^einbar ganje ©a§ 
ift öon 5ß^ilip|) IL nur aB ©tudt eineö größeren ©a^eg ge^ 
meint, für toetcf)eS er eine, allerbingö fet)r tr)i(i)tige, (£rgän^ 
jung bilbet. 3Kan barf I)iebei nid)t SInftofe nel)men an bem 
für un§ ungett)öt)nlid) lang unb fd^ttjerfäEig erfd^einenben 
5ßeriobenbau. ©in fold^er ift aud^ fonft in biefer ß^it überaE 
unb red^t befd^ttjerlid^ in unferen ,9SenetianifdE)en ©epefd^en 
öom SaiferI)ofe' ju finben; ganj befonberS gef)ört aber biefe 
©tilart ju ben läftigen Äennjeid^en t)on 5ßl|ilipp'ö IL Äanslei. 
3d^ mufe bal^er ben ganjen ©a^ öorlegen unb beseidine nur 
bie t)on bem Könige j^injugefügten SBorte mit boppelten 
2lnfüf)mng§äeid^en. 

(S^toar eben auSeinanbergefe^t tporben, tüie bie SWeuorbnung 
beibe§Äönig§unt)ermeibIidf| beborftet)enber@ntfemung auSben 
SWieberlanben ol^ne raf ^e papftlid^e (£ntf df)eibung nid^t ju (£nbe, 
ja überliaupt nid^t in ®ang f ommen tt)erbe. ,Überbie§', Iieifet eS 
nunmehr, ,liegt eine anbere (Sefa^r t)or, unb e§ ift bie, ia%' 
,ba tt)ir SlHe fterblid^ finb unb e§ leine getüiffe nod^ fidlere* 
,©tunbe gibt, fo lönnte mid^ (Sott ju fid^ ^) rufen, unb bafe' 
,nad^ meinen Ziagen „bieHei^t ber ^ßrinj, mein ©ol^n, nid^t" 



1) a si, niä^U ä mi. SSorl^er gel^ört baS ^omma nid^t nad^ cierta, 
fonbern nad^ segura. 



104 ^oK daxM' ©cifteMd^tung. 

„bie Sorgfalt »ic td^ bafür Ijaben tüirb, noc^ anä) bie ^icfigen" 
„ßeute bafür glcid^ mir tptig fein toürben, tüeil td) fetje," 
„tpie fe^r cg bem ©ienfte ®ottc§ entfpridjt, ba id^ bodE) augcn^^" 
„fd^einlid^ leinen anbern 3tt)ed ]^abe\ [bafe aud^] ,©eine' 
,§eiligfeit berfd^iebe unb auf jenem I)eiligen ©tnl)te ein' 
,anberer ^a|)ft nid^t bon ©einen SSerbienften nnb ©gen^' 
,fd^aften folgte, nod^ aud^ (Siner, ber fo großen (Sifer unb fo* 
»einzige Steigung unb Eingebung für bie 2lngelegenl)eiten beS* 
,2)ienfte§ unfreä §errn Ijdtte unb für 2BoI)It]^at unb SRel^rung- 
»unfrer 9ieIigion, um berentn)illen SSerjögerung nid^t gut ift/ 
,t)ielmef)r eine raf d^e ©ntfd^lie^ung erf orberlid^ um ber bringen** 
,ben Siot^toenbigleit toiHen, tt)eld£)e größer ift, al8 (£ud^ l^ier' 
gefagt toerben fann/ 

S)ie S)arlegung gi))felt, toie man fiel)t, bartn, bafe ber 
nädEifte Äönig bon ^pankn unb ber näd^fte 5ßa<)ft für bie, 
nad) Slarfg V. ))oIitifd^er ©nigung unb ©elbftänbigfeit fo 
)oünfd^en8toertI|e, öon ©eutfd^Ianb unb granfreid^ unb beren 
^e^ereien unabl^ängige Sird^enorganifation ber 9tieber= 
länben bieHeid^t lein red^te^ Sntereffe t)aben bürften ^). 

Wlan tt)irb alfo nid^t annef)mcn bürfen, ber Äönig l^abe 
bie t)on if|m tiinjugefügten SBorte .ftd^ felbft gefagf , um ber 
feinen fatt)oIifd^en Überjeugungen fid^ aufbrängenben ,3loti)^ 
tüenbigleit' ju genügen, ,bie ©d^öpfung feinet Sebenö bor 
feinem eigenen ©oI)ne ju fd^ü^en'^). 



1) ©erabe ber näd^fte ^a^Dft $iu8 IV. l^ot übrigens am 10. 3Jlära 
1561 baS nod^ 1559 bon $aul IV. begonnene, öon ^l^ilij)}) gettJÜnfd^te 
SBcrf ber nieberlänbifd^en ^Ird^enberfoffung bcenbet. 

2) SS. gjlaurenbre^er , l^iftorifc^e Seitfe^rift XI 286 unb SSortrag 
über S)on (JarloS (ätoeite 5luf(age. Hamburg 1876) ©. 12 unb 27, »o 
bo^ @. 28 mit fRei^t l^eröorge^oben toirb, bag eS bem Äi)mge mit 
feinem veUgiöS=<)olitij(^en „Streben ©mft, l^eiliger @mft" gewefen fei. 



S)ie Sroeifcl an be§ ^rinacii [Red^tgläubigfeit. 105 

S)on 6arIo§ ää^Itc bamafö (ÜÄärj 1559) faft gtoölf unb 
brei SBtertcI Satire, unb fein ©tätel^er l^atte neuerltd^ ü6er 
beff en Slrfieitöfc^eu nnb üble Steigungen berid^tet ^). S)a mod^te 
bem föniglid^en Sßater bei ©rtoä^nung beö ju fürd^tenben 
borgeitigen Sobe^ beä ^ßapfteö aUerbingg aud^ ber ®ebanfen 
fid^ erl^eben, toie toenig bem ^ßrinjen, toenn er balb gum 
2;£|rone gelangen foUte, an ber ntül)famen fird^Iid£)en 9ieor=^ 
gantfation ber nieberlänbifd^en ^robingen gelegen fein toürbe. 

3m Übrigen tt)ar ja Siönig 5ßf)ilit)|) IL ftetö entfd^loffen, 
jlieber ^unberttaufenb ßeben, tüenn er fie fjfitte, ju Verlieren/ 
,al§ in eine SSeränberung auf religißfem ®ebiete ju toiHigen/ 
jSBeber Oefa^r für bie eigene ^$erfon, nod^ ber SRuin biefer* 
,^rot)injen unb aHer meiner anberen Staaten Serben mid^' 
,t)er]^inbem, ju tl^un, toaö eine§ d^riftlid^en dürften ©d^ut' 
,bigf eit für bie Slufred^terl^altung be§ latljolif c^en ©laubenö iff 2). 



Die Jweifel an bes Jlrinjen Redjtglattbtgkeii 

S)ic Sßorte, treidle S)on ©arloä bei jenem Slutobafe bon 
Sßattabolib feinen SSater bem SSeronefer ©betmanne jurufen 
I)örte, bürfte er in feiner gamilie oI)ne!^in tt)ieberf)oIt, aud^ 
toot)I fc§on bon feinem faiferlid^en ®rofet)ater bernommen 



1) ^onorato Suan'S SBcrtd^t on ben Äönig auS SBaüaboIib öom 
30. (1.) October 1558 (öennutl^Iirfi Qm 30. ©e^tcmber begonnen) in ber 
Coleccion de documentos ineditos para la historia de Espaua XXVI 
398 f. 

2) . . . menos tengo de consentir que haya mudanza en ella 
(la religion) y en que no teme en nada perder cient mill vidas, si 
tantas tubiese, antes que consentirla. ©igenl^änbig in einer Qn« 
ftruction für ©gmont 2. ^pril 1565 (©ad^arb, ®on ©arloS 316). S)er 
äweite (Saf in einer Qnftruction für ben fpanifd^en Söotf c^after in IRom 
12. 5luguft 1565. Gachard, corresp. de Philippe II t. I 445. 



106 5)ott ©arloS' ©eiftcSrlci^tung. 

]^a6cn. SRtd^tä bercd^ttgt anjunclimcn, ba§ fic ntd)t ganältd^ 
feinen eigenen Sluffaffungen entfprad^en. SBenn ein reblid^er 
gorfc^er toie ßlorente bennod^ htf^anpitt ^at, feit jenem un8 
cntfefelid^ fd^einenben ®lau6en8fefte ^abe S)on (Sarloä eine 
Slbneigung gegen biefe ©attnng bon geftlidifeiten gefaxt, fo 
bürfte ba§, ba ieber anbete S3ett)ei8 mangelt, eine ©d^Iufe* 
folgerung auS ber 3;t)atfad^e fein, ba§ er leinem tueitern 
Slutobafe beigeh)of)nt ju fiaben fd^eint. QtotVidloS ift ba* 
gegen feine ©d^tt)dd^e unb fittßd^ anftöfeige Haltung gegen*» 
über ben umfaffenben religiös * <)oIitifd^en planen feineS 
Jöniglid^en SSaterg ^), ber mit gutem 9ied)te an ber gä^igfeit 
beg ©ol^neö jnjeifelte, bie aud^ für bie SKad^t ber SJ^naftie 
gebotenen SBege tpeiter ju Verfölgen. 

9Son proteftantifd^er ©eite finb bei ben — tt)ic tüir nod^ 
im folgenben SBud^e autl)entifd^ genug unb im ©injelnen feigen 
hjerben — auö bringenben ®rfinben in tiefet S)unfel ge^üHten 
Slnläffen feiner ©nfperrung, 9SermutI)ungen geäußert tüorben, 
bie §aft I)abe tuegen l^öretifd&er Slnfid^ten be^ ^ßrinjen ftatt* 
gefunben. 3lud^ ber fd^on melirertüöl^nte 2), feit bem Dctober 
1565 bei W^^W H. eingeführte frangöfifd^e SJotf^after 
Staimunb bon gourquebaulj toufete, bafe bergleid^en 9lad^* 
rid^ten namentlid^ unb gefliffentlid^ in granfreid^ tierbreitet 
n)urben. @r toax einer angefe^enen italienifdEjen, in granfreid^ 
eingetoanberten gamilie, Seccaria t)on 5ßaöia, entf<)roffen. ®r 
I|ielt fid) entfpred^enb^) feiner eigenen eljrenöollen mititfirifd^en 



1) SKaurenbrec^er, l§iftorifd^e Seitfd^rift XI 305; bogcgcn ^%on 
©arloS" (1876) 10 f., 18 f., 21, 25, 39 f. bie 3ÄögIic^!eit unlat^olifd^cr 
©m^jpnbungcn bei bem ^ringen nid^t für auSgcfd^loffcn gel^alten toirb. 

2) SBgl. oben ©. 19 unb 37; boju baS 9Jcgifter unter tjourqueöaulj. 

3) SDie beften SebenSncd^rici^ten bod^ bei Du Prat, Elisabeth de 
Valois 382 bi« 391. 



®ie Swelfel an hti grinsen 3?ec^tgläubig!cit. 107 

unb biplontatifd^en SSergangenl^eit üon bcm ^crbftc bcä 
Sai)rc8 1565 an, ba er bte ©efanbtjd^aft in 9J?abrib ixbtx^ 
nat)m, 6i8 p feiner rül^müd^en 3l6berufung nad^ fieben Saluten, 
©eine SBerid^te tt)ic an bic ßöntgin^3J?utter, fo an ben jungen 
Äönig finb in ben ©renjen ber ftricteften S33a^rt)eit unb rein 
fa^Iid^en S)arfteIIung gel^alten. ©elbft wo er, tüie bei beut 
^infd^eiben ber Königin Süfabetl^ (3. Dctober 1568), tt)eld|e 
il)m fo rüdl^altöloS SSertrauen gefd^enlt ^atte, tief betpegt 
toar, lä^t er feine ©ntpfinbungen gegen feine 5ßffid^t äurüdt^ 
treten, gür man^e Segebenl^eit l^aben feine Depefd^en frei:^ 
lid^ nid^t bie Slnf^aulid^feit ber Srjäfilungen feinet ©oUegen, 
be§ faiferlic^en JBotfd^afterS. Slber gerabe feine nüd^terne 
unb unbefangene, aud^ burd^ lein fpanifd^e^ gamilienintereffc 
gebunbene ßuöerläffigfeit ift unö für biefe grage ber Qtod^d 
über S)on Sarloö' 9iedf)tgläubig!eit üon unfdE)ä$barem SBertfie. 
(&btn gourquebaulj l^atte nun feinem föniglid^en ®e^ 
bieter bie fd^toierige grage barjulegen, tod6)t aud^ unö nod^ 
näl)er befd^äftigen toirb, au8 tod^tn ®rünben unb unter 
toeld^en Umftänben beut notorifd^ geifteSfranlen , berl^afteten 
Äronprinjen baS fieilige 3lbenbmai)I am S)iengtag nad^ Dftern, 
alfo am 21. Sl^^ril 1568 gereift toerben fonnte. ©eine 3n* 
formation empfing er bieSmal t)on einem ,§errn, toetdEier 
?llle§ tüaS gefd^el^en ift, toeiß unb mel^r tion ben Slngelegen^ 
l^eiten beS bcfagten ^ßrinjen, aU biejenigen, tpeldfie barüber 
reben'. 3)iefer Ungenannte t^eilte il^m baS Gntfd^eibenbe in 
SBejug auf bie ©penbung beS 3lbenbmaI)Ieg mit, beffen ®e* 
nufe jur Dfterjeit ber ^ßrinj toieberl^olt unb bringenb be^^ 
geirrt l&atte. ,@g ttjurbe t)on ben Xlieologen geratf)en, man* 
,müffe' eS fo mad)en, um bieten Seuten bie SÄeinung ju* 
,bene]^men, befonberö ben ©acramentirern* (b. 1^. fiebern, 
fpeciell 9ieformierten), ,tt)eIdE|e Verbreiten, ber ^rinj gel^öre* 



108 ®on ©arloS' ©clfteSrid^tung. 

,il)rer ©ectc an; er gel)ört il^r aber niäjt an; er l^afet fte' 
,t)ielme^r töbtlid^/^) 

S)ag t)on )3roteftantifd^er ©eite t)erbrettete ©erüd^t I|äre== 
tifd^er Stuffaffungen bcS f))anifd^en ^onprinjen ift aud^ bem 
5ßap[te äu D^ren gelommcn. ®er ©arbinal S)eIfino ntelbete 
fdjon in bem SÄonate bor ber eben befl^rod^enen Slbenb^ 
nia£)Ifeier bem Äaifer 9Kajimilian IL l^ierüber goIgenbe§. 
,®er ßarbinal bon ©anta ©roce erjäiilte mir, bafe er ©einer* 
^eiligfeit einige 9?adE)rid^ten au8 S^on borgelefen I)abe. Sn' 
,biefen befanb ftdE) nnter 3lnberm, bafe ber Äatl^olifdöe Sönig' 
,gegen ben 5ßrinjen SSortDürfe ber Äe^erei l^ege. ©eine* 
,^eiligfeit er^ob bie §änbe unb bie 5tugen jum §immel' 
,mit bem Slugruf: „D ®ott! D ®ott!" unb fügte ^inju: 
„nur ju biel ®runb ift ju ä^eifeln, hjeil man Un§ l^at ber=" 
„nefjmen laffen, bafe biefer Jüngling feine SiüdEfid^t lüeber" 
„auf 5ßriefter nod^auf SRönd^e genommen l^at unb feiner" 
„fird)lid§en SBürbe 2ld^tung betoieS." 2) 



1) . . . j'ay apprins d*uii (ung?) seigneur, qui s^ait tout ce qui 
a passe et plus des aflEaires dudict prince que ceulx quie en de- 
visent, qu'en ce qui touche la communion, il a est^ advise par les 
thöologiens qu'il le failloit faire ainsy, pour oster Topinion ä beau- 
coup de gents, nomm^ement aux sacramentaires , qui publient 
que ledict prince est de leur secte; ce qu'il n'est, ains les (la?) 
hait mortellement. (£S folgt bie Darlegung ber fanonif(]^en 
©rünbe. ©ad^arb, ^on ©arlog (1863) 594. S)od& muß iä) be^ 
nterlen, ha^ ©ad^arb in feinen @jcer<)ten au§ ben ^anbfd^riftcn ber 
5fJationalblbIiot^ef öon $ariS (II 1877) atüar @. 258 biefen frühem 
Slbbrud erwähnt, aber unter 9Äiltl§eilung anberer ©tüde biefcr ©e^efd^e 
bom 8. 3Kai 1568 bodb ni(!^t erfennen lägt, in tt)eld6en S^föiw^c^^^i^Ö 
fte gehören, tüo Einfang unb (£nbe ju fud^en ift ; nad^ bem TObrudfe bei 
S)u $rat 497 biS 499, ber immerhin nod^ einen loeitem Slbfaf am 
©d^Iuffe bringt aU beibe (£jcerj)te ©ad^arb'S, fommt man aud^ nid^t 
ins Älare über bie§ SSerpItniS; einige SeSarten l^abc id^, toenn aud^ 
mit Sragejeid^en, 2)u ^rat entlel^nt. 

2) Sua Santitä hebbe questa mala nova (öon ®on SarloS' nod^ JU 



S)ie Stocifcl an beä ^rinjen SRed^tgtäublgfclt 109 

Sitätoifd^cn mufe bod^ aud^ 5ßapft SßiuS V. balb erfannt 
l^aben, ba§ alle bie 9iüdftd|töIoftgfeiten, tDcId^e 2)on ©arlo^ 
t)or feiner 9Sert)aftung tote gegen toeltlt^e 5ßerfonen jebeg 
©tanbeg, fo aud^ gegen ©eiftli^e öerfi^iebener Kategorie ftd^ 
l^atte ju ©d^ulben fommen laffen, nod^ nid^tä für SSoraug== 
fe^ungen I)äreäfd^er ©laubenSric^tung betoeifen. SßoHenb^ 
bie Serid^te über beö ^ßrinjen toieber^olte Seid^te, Som== 
munion, ganjeg religiöfeg SSerl^alten im ®efängniffe mußten 
bicfe franjöfifc^e 9lad^ric^t bem ^ßapfte alö üerläumberifd^ 
crfd^einen laffen, toie benn aud^ ber ©arbinal ©elfino in 
feinen SBeridf)ten nie ntel)r auf biefen SSorttJurf jurüdEfommt 

Site ba^er am jtoeiten (September (1568) bie officieHe ?lla6)^ 
rid^t t)on ®on Sarlog am 24. Suli erfolgten Xobe bei ber 
(Snrie eintraf, berfügte ber 5ßapft, ber feine 9Renf(^enfurd^t 
lannte, tro^ ber pfifd^en 3iii^ö*^<^Itang beg fpanifd^en ®t^ 
fanbten, ba§ am ndd^ften SRontage, bem fed^ften @et)tember, 
ein feierlid^er Strauergotte^bienft für ben §ingefdE)iebenen 
abgel^aUen toerben foUe. ®ie Sßerfügung erregte bodE) felbft 
bei bem faiferlitfien SotfdEiafter, bem ®rafen bon Slrco, Sluf== 
feigen, toeld^er am t)ierten ©eptember nad^ SBien berichtete, e§ 
fd^eine ba^ eine Steuerung ju fein^), ba biäl^er Sjeqnien 



Beflt)rcc]^enben Slbfid^tcn beS SSatermorbeS) la prima volta dal secre- 
tario del Gardinale Santa Croce, il quäle (bod^ ntd^t ber @ecretöt?) 
m'ha referito che nel leggere ä. Sua Stä alcuni auuisi da Lione 
neu quali fra Taltre cose si conteneva, che il R^ Catholico hauesse 
contra^l Principe cause d'heresia, S. St& alzö le mani et gl'occhi 
al cielo esclamando: *0 Dio, o Dio!' et soggionse: *pur troppo h 
da dubitare, perchä a noi e stato fatto intendere che questo gio- 
vane non teneva conto n^ di preti nh di frati et non faceva stima 
d'alcuna dignitä. ecclesiastica.' 6. 9Rärä 1568. Söiencr @taat8ar(!^lö. 
1) cosa par nuova.' Slrco^S SBerid^te öont 4. unb 11. @e<)tember 
1568 im SBicner @taat8ar 6)\t)t liegen betn in biejem gonjcn Slbfa^c 
®efagten ^u Q^runbe. 



1 10 S)ott ©arIo8' ®ctfte§n^tung. 

bicfer Slrt nur für gürften, bic ntd^t unter bem Äöniggrange 
ftanbcn, abgefialten Sorben feien. 3n ber S^at erfd)ien bei 
biefer geier ber ^apft mit bem ©arbinakoHegium unb attcn 
©efanbten. (£rft am Freitage ben getjuten September folgte 
bann bie ^rauerfeier bon ©eiten beS fpanifdien Sotfd|aftcr§ 
,unb ber ganjen fpanifd^en Station*, tüeld^er bie in Siom be^ 
finblid^en Karbinäle 6eitt)oI)nten , fotüeit fie gefunb tüaren; 
bie übrigen S9otfd|after fanben fid^ aber nid)t ein, ,um bem 
fpanifd^en ben erften 5ßlafe ju laffen. Sine Seid^enrebe tourbe 
babei ni^t gef)alten'. 

Sä) beule, ber in aüen bogmattfd^en S^agen unerfd^ütter^ 
lid) ftrenge ^ap\t tüar bei feinem becibierten Sßorgel^en mit 
ben ©Eequien für S)on ®arIo§' ©eelenl^eil ^inlängüd^ über 
beffen öoHfommen fatt)oIifct)e ©efinnung unterrid)tet, fo bafe 
audi bie l^eutigen ß^^iff^^ fid^ berutjigen lönnten. 

Siod^ ift aber eineg 5lctenftü(feg ju gebenfen, tod6)t§> in 
uuätüeibeutiger S33eife erfennen läfet, tt)ie entfernt ber Äönig 
5ß^ilipp IL felbft babon tpar, an ben correcten religißfen 
Überjeugungen feine§ unglüdlid^en ©ol^ne^ ju streif ein. 
SSenn er gleid^fam beräd^tlid) unb nebenl^er in ben officieUen, 
nod^ ju erörternben Slu^fd^reiben felbft an feine SSettern, über 
bie SSerI)aftung, unb anbeutenb aud^ bei bem S^obe feines 
SE^ronerben, foIdE)er Qtotifd gebeult, fo tDirb man au§ ben 
je^t boräulegenben intimften tufeerungen be§ Äönig§ erfennen, 
bafe jene officieHen SEBorte nur einfad^ ber SBal^r^eit ent* 
fprodien ^aben. 

Sm ©runbe gab e§, boHeubS el)e feine Stöd^ter l^eran^ 
tDudEifeu, bei aHer ßuneiguug unb SlnI)ängIidE)!eit, toeld^e er 
feinen SBIutSbertoaubten, felbft feinen une^ten^albgefd^tuiftern, 
ftetg betoiefen I)at, auf Erben nur ein aSefen, bem feine 
Siebe unb §od^adE)tuttg unberänberlid^ ftar! unb treu burd^ 



^ 



^ie 8»eifel an bcS ^rinactt SRed^tgläubigtcit. m 

fein ganjeö Seben getotbmct toar: feine ©d|tt)efter, bie Äaifcrin 
SKaria. 9?id^t oI)ne SSenjegnng lieft man nod^ l^eute in ben 
Briefen an feine S^öd^ter ^), mit toeld^er äfirtlid^en ©orge unb 
©etinfnd^t er bent S^age entgegenfal^ , mit tod6)tt reinen 
greube er bie ©tunbe feierte, ba er biefe geliebte, nnn \)tx^ 
toitttjete ©ditoefter, sngleid^ bie ©ro^mutter feinet nnnmel^^^ 
rigen S^fjronerben 5ß^ilip}) beä Stritten, nad^ fed^ö unb 
jtoanjig Salären überl)aut)t toieber fal), bier nnb breifeig Saläre, 
nad^bem fie gum legten Wlalt längere 3^^ bereinigt ge=^ 
tpefen tüaren. ®egen feine ®etooI|n^eit pul^tt er fid^ für ba§ 
ßufantmentreffen fierau^: bor aßer ?Iugen t)ielten fid^ bie 
Oefd^toifter umfd^lungen. @r liefe e§ bann gern fiber fid^ 
ergeben, bafe bie SRäume, in benen er tool^nte, bon ber 
faiferlid^en ©ditoefter big in alle ©injel^eiten burdimuftert 
tDurben. ©elbft feine 3äic^tKd£)feit für beren ©ot)n, feinen 
fteten bamaligen ^Begleiter, feinen Steffen nnb f|3ätern ©d^toie^ 
gerfol^n Srjlieräog 3lIbredE|t, trat neben biefer SSefriebigung 
gefd^tüifterlid^en ß^^f^^w^^^f^i^^ ^^t beffen SKutter jurüdE. 

Dijxit ben Darlegungen über beS 5ßrinjen Sataftroplie, 
toeld^e uns im nädEiften S5ud§e ju befd^äftigen I)aben, l^ier 
borgreifen ju tooßen, mufe idE) bod^ bemer!en, bafe bie Saiferin 
3Raria auf bie 9lad^rid^t t)on S)on 6arIo§' 3SerI)aftung ben 
unglüdEItd^en SSater mit liebeboüen SBorten unb mit ber Qu^ 
fid^erung getröftet f)attt, für il)n beten ju tüoHen. S^^öt^^di 
aber I)atte fie bemerft, bafe eineS ©oI)ne§ ©efunb^eit, S3e^ 
bienung unb gute Pflege, fottjol^l für ben SJörper ate in§be== 
fonbere für bie ©eele, be§ SSaterS ©orge fei unb immer 
bleiben toerbe ^). Snbem ber Sönig biefe SBorte ber ©d^toefter 

1) S5gl. oben 6. 39 ^nm. 2 bie bort bezeichneten ©teilen. 

2) S)a8 ergibt ftd^ au§ folgenbem ©afee in beS ÄönigS SlntttJort: 
siendo negocio de tal qualidad y de padre d hijo, de cuyo salud, 



112 ^on ^xM' ®ctftcSn(ä^tung. 

totcbcrl^olt, fügt er tiitiäu, ba§ fte aud^ ein ®ebot ber SScr^ 
nunft entl)alten. Stn Übrigen äußert er fid) in btefem gangen 
Briefe bom 19. SWat 1568 einigermaßen l^erauSgelienb an§ 
feinen SSorfteüungen t)on ben einengenben SSerpfIidE|tungen, 
toeld^e feine I)ot)e S33ürbe if)m auferlege. 9Ran glaubt Bei 
ber Secture Dor Slllem, einen jugteic^ burdigebilbeten unb 
religiös angeregten, bon Stummer niebergebrüciten ©eift in 
t)ertrautem fürftlidiem gamilienfreife ficft äußern ju Ijören. 
S)ie aSorte finb aud^ an ben laiferlidien ©c^toager unb 
SSetter gerichtet; bod) toenbet biefem ber Sönig nur gelegent^ 
Kd^ unb mit einem 3lnfluge t)on mitleibiger SWißac^tung feine 
Slufmerffamfeit gu. ,(£ure §ot)eit', fagt er feiner ©dEitoefter, ,iff 
,eine große S)ienerin ®otteg; batjer Ijalte id^ mid^ überseugt/ 
,baß bie ©ebete ©urer §of)eit ©einer ©ötttic^en SKajeftäf 
fel)r tt)oI)IgefäIIig fein werben. ,®roßen SBibertüiHen' errege 
if)m freilid^ ,ber ©egenftanbS über toeld^en er fidEi ol^nefiin 
fd^riftlid^ gegen beibe faiferlid^e ©l^egatten geäußert tjabe, 
fo baß er if|n tüeber fetbft jum jtoeiten äßale einnel^men, 
nod^ feiner .©d^toefter eingeben tDoHe ^). ,9lur f)abe id^ mid^' 
,fo bertraulid) 2) äußern unb (£u^ meine SBruft eröffnen* 
,tt)oIIen, um Suren §ot)eiten ju genügen, toie eS unfere ®t^' 
,fd^toifterfd^aft Verlangt. Seinem Slnbern I)abe idE) mid^ ju er*' 



servicio y buen tratamiento se tiene y ternä siempre el cuydado, 
que es razon y V. A. me ad vierte asi de lo del cuerpo como 
principalmente de la del alma. ©ad^arb, S)on ©arloS IE 571. 
©ad^arb^S SJc^art a vierte l^abe id^ irt advierte geänbert, tote ber 
tönig frül^er bemerft (p. 596 'äum, 1) he querido advertir ä 
V. A. 

1) Que pues la materia es de tanto disgusto, no lo he querido 
repetir en esta, por no le recivir yo dos veces ni darlo ä V. A. 
®ad^arb, S)on ßiarloS 570. 

2) en particular. (Sad^arb, S)on ©atloS 595. 



k 



^er Stt^eifel an be§ ^rinacn ffttö^t^länbiQUit 113 

,flärcn ^\ ba cg eine Slngclegenl^eit jtütfd^en SSater unb ©ol^n' 
,iff. Unb nunmelit äußert er fic^ unbefangen über feineS 
©ol^neg ©eelenfjeil. S)on Sarlog ijabt am ©tiarmittood^ 
(14. ^Ipril) unb am ©tenftag nad^ Dftern (am 20. 3IpriI) ge== 
beid^tet, aud^ am legieren S^age ba^ Slbenbma^I empfangen. 
,Dbtoof|I für baffelbe toeber xä), nod^ bte bem ^ßrinjen ^n^ 
,getl)ctlten ^erfonen fet)r befriebigt t)on feiner ®emüt^8t)er*' 
jfaffung (disposicion) toaren', b. 1^. toir l^ielten il^n für fort^^ 
toalirenb geftörten ®eifte§, ,fo I)abe id^ e§ il)m bod^ geftattet/ 
,tDeiI e§ feinem S5eid^tt)ater fd^ien, eg fei eine frömmere unb' 
,juträglid^ere SntfdEieibung^), e§ it)m ju reid^en, uhb fo tourbe* 
,e§ i^m gereid^t. S)arauö t)aben einige ^erfonen fd^tiefeen' 
,unb einen Setoeiögrunb mad^en tnoßen, ba§ in bem $ßrin^* 
,äen lein SKangel an Urtlieil^fraft fei.' 

(£g toirb fid^ in einem anbern ßufammenl^ange ä^igen, 
bafe ber Äönig biefe Sluffaffung mit untoiberleglid^en ®rün^ 
ben ate unjutreffenb erHärt. Sr fd^Iie^t übrigen^ bamit, 
,ba§ eine einjelne Vernünftige §anblung bem SRangel an' 
,95erftanb (entendimiento) nidE)t tpiberfprid^t, ttjeld^en, um' 
,meiner ©ünben njillen, unfer §err an meinem ©ol^ne ftatt^' 
,I|aben liefe.' 

S)on Sarloö f)at — toir fommen aud& barauf jurüdE — 
beifd^toac^er ©eifte^Iraft unb einem mafe^^ unb äieHofen SSer^ 
langen in toilber SSersnjeiflung äJJorbabfid^ten geljegt, t)on 
benen er aud^ einmal reblid^en ^rieftern gegenüber nid^t 
taffen ju toollen erHdrte; eben be^^alb l^at er fie ju bem 
^ruge Verleiten itJoQen, if)m beim 2lbenbma{)I eine ungetüei^te 
§oftie 3U fpenben. 



1) SBie man fielet, erftärt ber Äönig fogar feine 2Kitt]^eiIungen an 
ben ^a^ft für nid|t erfd^ö^jfenb. 

2) que sia mas pio e sano consejo administrärselo (p. 595). 
eftbingcr, 2)on (EartoS' $aft nnh ^ob. 8 



114 S)on 6arW ©eifteäric^tung. 

Slber bicfc Slliatfa^e, boHenb« in SBerbtnbung mit fetner 
tt)äi|renb ber §aft gesetgten ©el^nfud^t mi) ber Sud^ariftie 
unb bent bortigen, un§ in aüen ©njelfieiten begrunbeten ®e= 
nuffe berfelben, bürfte bie religiöse grage fd^on an fid) ate 
aufeerlialb ernftlid^er frittfd^er ertoägnng fte^enb erfd^einen 
laffen. 5d) benfe minbeftenS, ba^ e8 feinen fatf)oIif(i^en Sliieo^ 
logen geben bürfte, ttjeld^er nid)t bie june^menbe SBerffinbi^^ 
gung be8 ^rinjen burc^ böfe ©ebanfen, bertoerflidöe ^anb^ 
langen, felbft mangeinbe Unbnfefertigfeit feftfteüen, juglei^ 
aber erflären müfete, irgenbtoelcfier ßtoeifet am eigentlichen 
(SJIauben, an ben ©nabenmitteln ber Äirdie liege nid^t öor. 

SSon be§ ^ßrin^en eigener §anb t)aben ttjir ^iefür nod^ 
bie Setoei^mittel erl)alten. 



Da0 erpte Cellament bes Ironprinjcn. 

2)a§ nad^ öerf d^iebenen ©eiten f o überan§ le^rreid^e ®ent 
map) öonSon (Sarlo^^ ®eifte§rid)tnng, tpeld)eg nn^ in feinen, 
bei fdtitüerer Sranlf)eit abgefaßten. le^ttüiQigen 9Serfügnngen 
erl)alten ift, tourbe ^reitag ben 24. 9Rai 1564 red^tg^ 

1) 3n bem S:eftaTnente felbft (ögt. @. 115 Slnm. 2) lülrbbaSaKatcrial, 
obgefe^en toon ber burd^ baS itad^tröglicS^e eobicitC um einS crl^ö^ten 
SSIätterjal^l folgenbermafeen befcf|rieben (p. 544): va escrita toda de 
SU [doctor Suarez] mano en cuatro pliegos de pergamino de marca 
ordioaria de papel y van escriptas las siete hojas de ellos de 
ambas partes en que hay catorce planas, que todas van de mi 
firmadas y mas esta plana primera de la octava en que tambien 
firme — traä freilid^ im 5lbbru(Ie öergeffen ober öon bem ^rtnjen 
ntd)t gefdje^en ift. SlnberfeitS er!(ärt ber S^lotar, loeld^em ha^ fertige 
gefiegelte S^eftament gur Stufbetoal^rung übergeben tt)arb (p. 548): la 
cual dijo ser de cinco pliegos y que la primera foja estd blanca y 
las ocbo siguientes todas escriptas y en la decima postrera la 
plana primera della. 



S)aS crfte 2:eftQnient beS Äron<)rinäen. 115 

fräftig untcrjeid^net. ©icfcS ^eftament l^at im 3at)re 1854 ^) 
unb feitbctn nid^t tpicber eine SBefd^reibung crfialten. S)a§ 
Tiodj je^t im Slrc^iöe t)on ©imancaS aufbenja^rte Slcten* 
ftüdE ,beftel)t au^ jelin 5ßergamentblättern üon goliogröfee;^ 
,ba§ erftc biefer SSIätter ift unbefd^riebcn. Sebe ©eitc trägt* 
,unten bic Unterfdirift be§ ^ringen, toeld^cr fel)r fd£)Iec^f 
jfd^rieb unb beffen S5ud^ftabcn, um einen vulgären Sßergleid^* 
,äu gebrauchen, tt)ie Si^ererbfen finb. ^aä) ber Unterjeic^^* 
,nung fügte er fogar nocft fieben anbere Sßerfugungen f)inäu/ 
,unter tueld^en bie erfte getoefen ift, ber ß^^I ^^^ S^efta*' 
,mcntgt)oIIftred£er no^ ben SBifd^of öonSSabajoä beijufügen'. 

S)er, tt)ie eg fd^eint,. gleid^jeitig mit biefer 33efd^reibung 
erfolgte Slbbrud^) lä^t no^ mandje ungetöfte ober nirf)t be* 
merlte ß^^^f^I ober ettoaige ©orrecturen be^ urfprünglid^en 
Xejteö, bereu geftfteHung öieHeii^t tiefer blidten laffen ttjürbe, 
atö mir je^t möglid^ erfd^eint 

3^ meine nic^t, bafe man jagen barf, e§ ,ent^alte bie bei 
jjolci^en ®elegenl)eiten I)ergebrad^ten Sufeerungen fattiolifd^er* 
jgrömmigleif ^). ©aju tt)ieberf)oIen fid| benn bod^ fc^on an 
fid^ bie inbrunftigen SJefenntniffe ju oft. Sßor Slttem ift aber 
baö 2tctenftudE leine^toegg bon irgenb toeldtiem formeIf)aften 
6£)arafter, fonbern gänjiid) treue 9Biebergabe fid^ jum S:i)eile 



1) Lafaente, historia de Espafla XIII 307, bie einzige mir befannt 
geioorbcne biplomatifd^e ©d^ilberung beS ^IctenftüdCeS: el testamento tiene 
diez liojas de vitela tamaiio de pliego, la primer a en blanco y 
las nueve restantes utiles, baS tjolgenbe im 2^eyt. 

2) Ck>leccion de documentos ineditos para la historia de EspaQa 
XXIV (1854) 513 bis 549. S)ie 2)atierung 6. 548. ®ie iebeSmalige 
llnterjeii^nung *Yo el Principe' am ©eitenenbe ift l^ier freiließ getreu= 
Ii(^ »iebergegeben, aber ber SKangel genauer paIaeogra<):^ifc^er Sefc^rei= 
bung etneS für fpanif^e ©efc^id^te fo einzig loici^tigett ^enlmale§ um 
fo em^finbli(^er. 

3) SRaurenbre^er, Sßortrag über S)on ©arloä (1876) 26. 

8* 



metirfa^ genau iDieberl)oIenbet, nti^t eben auf ba§ befie 9«= 
otbnetet, intimer ©ebanten, Übetäeugungen wnb SßJünfc^e. 
%& ift ein für bie ^toede biefer ©arfießung unf(^ägbare8 
3eugni§ ber religißfen »ie bet politift^en Knft^aunngen unb 
3iele be§ Srben biefeö fpanifc^en ÜSeltreii^eS *). 

2>on Sarloä t|at boä Siieftament öor feinen Slugen mit feinem 
JEBflppen ouf beiben Seiten Decfiegefn taffen. hierauf ^at er 
baffelbe Bot fieben ä^ufl^" einem gugleid^ i()m perfönlii^ ju= 
get^eilten öffentlichen SRotar unb löuiglidien ßammetfetretär 
für Slnaetegen^eiten be§ töniglicfien fRat^eS einge^Önbigt mit 
ber bon bem Sfiotare feierlich übernommenen SSetpf(i(^tung, 
baffelbe erft uad) beS Springen Xobe eröffnen ju loffen. 

®§ tft Bon onberen gorftfiern, bieHeidit ju rü()mlid), 6e= 
mertt toorben, bie Urtunbe fei .Doli »on SBerftonb, Urt^eit 
unb ©efü^t', fie ,at§me bie ebelften unb tiorfi^etäigfien @m= 
pfinbungen'.^ 

©in X^eil biefer Sobfptüdie mag bem SJoctor gerbinanb 
©uares gebü()ren, bem einjigen tücit()aftIofen , aufri^tigeii 
greunbe, »ettfien 33on Sartoö gefunben I)at, unb ber auc^ 
unä uoc^ einmal in einem anbern 3"f'""™^f^i''3^ ^^ 
gegnen »itb. ©uatej mar bamalä poliaeitic^er Sßorftanb 
beS Ironptinjlii^en §off)aUe§ unb ^at iia& ganje Xeftamcnt 
gef(^rieben, na<^ S^on Sarloä' eigener Urflärung: auf beffen 
»efe^L») 



1) C'est le plus curieux et l'oa pourrait dire: mSme l'unique 
miMiumeat qae nous ayons des penB^, de l'esprit, du caract^re de 
Don Carlos, ©nt^atb I 126. 

2) ©n^ovl), I 142. afioutmbrei^« in ber ^iftoritt^en 8elt[^rift 
XI 291. 

3) Doctor Hernan SnaieE de Toledo, aloalde de su casa y Corte, 
(ogt baä leftament ©. 590, bugegen bei gtiDätniutifl beäfelben aI8 au8= 
jd^Iiefllii^eii ©^reibeiB ber Uthinbe S. 513 f.: la cual yo mande qne 



®a8 erfte Xeftament bcS Äroitprtnjen. 117 

Slber be§ feinfinmgen ©uarej SKittotrfung burfte bo(| 
tücfentltd^ auf beftttninte ©cbiete ju befd^ränlen fein, ©ic 
tpirb äuttädift für bie tDürbige unb in ber S^fiat oft eble gorm 
be§ SIu§brud£e§ in biefem un§ öorliegenbcn SIctenftüde ju 
gelten I)aben. 3SieIIei(i)t ift aud^ ber eine ober anbere 9?ame 
auf ©uarcj' SRat^ nod^ eingefügt ober mit einer ®abe be^ 
bad^t njorben. ©iel^t man bie 9ieif)e ettoa ber Xeftament^^ 
ejecutoren burd^, fo finbet man unter ben Oeiftlic^en, au^er 
bem SBeid^töater burd^aug S5ifd^öfen, iDeld^e aud^ I)ier nad^ 
bem Könige unb t)or ben Saien genannt njerben, ben glor^ 
reid^en Siamen beg einfügen ^äfibenten öon 5ßeru, nun- 
mef)rigen Sifd^of^ tion ©iguenja ®on 5ßebro ®a§ca^); er 
ift an le^ter ©teHe unb glei^ ben anberen aU SKitglieb beS 
löniglid^en 9iatt)e§ genannt; tooljl möglidEi, ba§ ber Äron^ 
))rinä barauf aufmerifam gemadE)t hjurbe, bafe ein um feiner 
^^l^aten unb feiner reinen (£t)renl)aftigleit tDillen gleid^ ge=^ 
feierter S^iamen tuie biefer bem S^eftamente unb feiner äuöer^^ 
läffigen SSoUftredEung gleidfi tüol)! aufteile. Slber fold^e SSer:= 
mut^ungen öon ©njelfieiten unterliegen bodE) aucE) immer ^^^ 
benfen. 

®er eigentlidie Snijalt, ba§ für bie fritifd^e S5etrad^tung 
SSefentlid^e, ift aber gänslid^ atö au^ ®on 6arIo^' ®eifte§^ 
ri^tung entfprungen ju betrauten. 



escribiese el dicho doctor Heman Suarez de Toledo, alcalde de la 
casa y corte de S. M. que al presente reside sirviendo en la mia 
y va escrita toda de su mano. @(3^on ®ad^arb I 126 l^at gegen Sa* 
fuente mit dit^i bemerlt, baft ber unS belannte SBeid^ttjater (ögL ©. 98) 
S)iego be ©l^aöeS fo tuenig tüte irgenb ein anbetet ®eiftli(j^et an ber 
Slbfaffung Slnt^eil 6atte. 

1) S5gl. oben (5. 19 unb 99. 



118 ^on torlos' ©eifteSrid^tung. 



Keltgtofer Cl|arakter be0 €t^amtnU. 

©igcnart unb (SigentDilltgfeit be^ grinsen treten befonberS 
ftarf im f ed) jel)ntert ^) 3lrttfel ber Utlunbe ]^ert)or. Sr be^ 
jiel)t fid) auf bie für unS nur toegen if)rer J^f^d^ifd^en ^^olgen 
für bie SataftropI)e toid^tigen, bor jtDei Saluten in Sllcala 
überftanbenen fd)toeren Seiben. 3n feiner tiaftigen, l^alb 
georbneten, ftiliftifd^ mangelhaften unb bod^ fel^r d^aralte^ 
riftifdfien gorm berfud^e id^ biefen Slrtilel bem Sefer borju^^ 
legen. 

,SSeiI man mir, al§ id^ ertüäl^nte fi!ranK)eit I)atte — bon* 
,ben ^rjten aufgegeben, unb bon bem Könige, meinem SSater* 
,unb meinem §errn, aU tobt berlaffen, unb Sefel)! für mein' 
jSegrdbnig gegeben ttjar — ben Körper beg befagten ^ater,' 
»genannt fieiliger ©ruber (S^a^) S)icgo, gebrad^t l^at; unb' 
,n)eil i^ t)on bem SlugenblidEe an, ate man i^n bei mic^ ge^^' 
,brad§t unb id^ i^n berührt l^atte, bie Sefferung unb ©efunb-' 
,I)eit empfanb, tt)eld^e ®ott unfer §err mir ju geben gerul)te;' 
,unb njeil id) Urfad^e Ijabe jü glauben, bafe eö toegen feiner* 
,aSerbienfte unb feiner guten gürfprad^e bei feiner ©öttlid^en' 
jäRajeftät gefd^ef)en ift unb e§ fo aud^ benen fd^ien, toeld^e' 
,fic^ babet befanben; unb toeil feit bamate meine Slbfic^t ba^^' 
,t)in ge{)t, fo biel an mir liegt, feine §eiligft)red^ung ju ht^^ 
,toirIen, bamit er Don ber Slutorität unfrer ^eiligen römifdEien' 
,üJhitter ber Äirdje, n)a{)rf)eitgemäfe mit bem Flamen eine«* 
,§eiligen genannt toerben lönne, toelc^en er unter ben Seu^^' 

1) 3)iefe baS SSerftänbniS erleic^ternbe, aud^ in ©adftarb'S ^^cetpUn 
(®on earlo§ 1 12ß bis 140), bercn Überfe^ung ju tüunf*en lägt, gc^ 
brandete gä^Imeife ift ber ^anbfdjrift fremb. ^xt 16 ftel^t öon @. 523 
ber Sbition unten. 



9?eligiöfer ©^arafter be§ 3:eftamentc3. 119 

,ten 06 feines Se6en§ unb feiner SBunber erlangt ^at ; aber' 
,tDenn fid^ baS in meinen 2;agen nid^t betoirlen laffen foEte/ 
,fo flefie ic^ ben Äönig meinen §errn an, er möge mir biefe' 
,befonbere ®nabe ertüeifen, bie gute SluSfül^rung baüon p' 
»beforgen, lüie id^ t)ernel)me, bafe um biefer fettigen ©ad^e* 
.toillen ©eine Sat^olifd^e SRajeftät e§ begel^ret I)at unb be^' 
,gel|rt.' 

SSon ber toilben ^orm abgefef)en laffen biefe ©rgüffc 
eines religiös erregten ©emütl^eS bod^, toie mid^ bünft, nid^t 
ben geringften 3tt)eifel über bie boQIommene fatl^otifd^e 9?edE)t* 
gläubigleit beS ^onjjrinjen. ©d^on an fic^ madfien fie bie frül^er 
(©. 108) ertüäl^nte Slufeerung beS franjöfifd^en Sotfd^afterS öer^ 
ftänbli^er, S)on ©arloS I)affe bie ,©acramentierer', bie 9?e^ 
formierten unb ätinlid^e §äretifer, ,töbtlid^^ greilidö fe^It 
für biefpanifd^e Sied^tgläubigfeit jener Qtxt bod^ noc^ ein ©tüdE. 

2tn fid^ fann ja ber ftrengfte S5eifi§er beS ®IaubenSge== 
rid^teS bie Srllärung beS ©runbeS, auf ttjeld^e SBeife er feine 
©efunbl^eit tüiebergetoonnen l^abe, nur tt)ot)IgefäIIig aufnel)^ 
men. S)on ßarloS fjatte in bem borgelegten teftamentari^ 
fd^en Slrtilel feine ^erfteUung leineStoegS bem toal)rfc^einlid^ 
entfd^eibenben d^irurgifd^en Singriffe gugefd^rieben, toeld^en 
§lnbrea8 SSefaliuS' für bie moberne Slnatomie ftf|öt)ferifd^ 
getüorbener ®eniuS ben nad^ einftimmigem Urt^eile aller 
gebilbeten gremben bur^auS unfähigen bamaligen f:panif(^en 
träten^) anriet^. Sr erllärt ftd§ feierlid^ unb nic^t oI)ne 



1) gtaliener, granjofen unb (Snglänber finb l^icrüber einftimmig 
(®a(]^arb, S)on ©arloS I 75 2lnm.) Qu il^nen gefeilt ftdft aU ermünfciftter 
Seugc ber ©arbinal (^ranbeHe bei bem, tool tüirllidfe burc^ alberne S3es 
]§anblung erfolgten S^obe ber Königin ^nna (26. £)ctober 1580), ber ge^^ 
liebten Stoc^ter ber Äaiferin ^Jiaria. Gachard, lettres de Philippe IL 
ä ses fiUes p. 11. 



120 S)Dn EorloS' IBeifteflri^tunfl. 

Seibentdiaftltc^Ieit burc^ bie ©ebeine be« ^eilig ju fprec|en= 
beit gta^ Iiiego genefen. 3tber gegenübet ben 6Öfen 3""= 
gen ber franaöftfi^en §äretilet jener 3"t unb bec in unferm 
Stifirfiunberte oufgeftellten Seiiauptung Slotente'ä, eine§ ber 
legten ©d|teiber ber Snquifition, Don be§ ^rinjen 9tbnet= 
gung gegen biefeä Tribunal feit jenem aBaffen=S[uti)baf6 ton 
SßaDabolib ') möchte man auä) über bie f;)ecifif(^e fpanifc&e 
©taubenglüde ©ii^erljeit gewinnen. 

@oI(^e geroä^rt benn baä Stctenftüd in geniigenber ÜBeife. 
I brei|igften SIrtifel toerben, »orauf fdion oben (©. 117) 
geteiefen ift, bie ©Eecutoten beä Sieftamenteä bejei^net. 
erfier ©teile wirb ber Äönig gebeten, biefe 9Rüt)ett)Qttung 
übemeljmen; i^m gunädift Wirb bet ©eneraUSnquifitor 
ibifdiof Don ©ebiUa befigniert, an Dorlegter unter ben 
en ber Sicenciat Otalora, TOetdier auf feine SBitte ,Don ber 
inftleiftung im lönigli^en Wattie unb betjenigen ber t)ei' 
;n unb allgemeinen Snquifition enttjoben'^) tnorben mar. 
Slber bie fe^r auägeptägte religiöfc ®etfte§rit^tnng beS 
ingen läfet fii^, Don jener inbrünftigen Sßere^rung ber 
öeine gra^ Siego'S unb bet.correct fpanifcften ©i^Ögung 
Snquifition nocf) oon ganj anbeten ©efii^tä^mnlten er^ 
nen. 

SKon ift junä^ft erfiaunt, bei einem fo jungen aWanne 
m ftarf aStetifc^en 3ug enfmicfett p finben. ®ldt^ ber 
e 9Irti!et Berorbnet feine Seifegnng in einem Jole= 
iifd)en Slofter in gransiSlanergewanb, unb minbeftenä 
et ÄleibungSwunic^ ift an feiner Seiche toie an ber 
leS taiferli^en ©roßDaterS ttiirttic^ erfüllt motben. 9lu«= 

1) BflI. ob« S. 25 unb 98. 

2) que fu6 j qoiso d^ar de aer de el dicho Consejo Real y de 
le la sancta j general Inquieicion p. 540. 



Sieligiöfcr e^araftcr bcS 2:cftainentc8. 121 

brüdEIt^ Verbietet er jugleid^ ein präd^tigcö ©rabmal: ,etn 
einfädlet glatter Saöpi« ol^ne ©culptur* foU feine Siul^eftätte 
bejeid^nen. ©o toill er (Slrtifel 2) bei feiner ßeid^enfeier bie 
äufeerfte ®infa(i)I)eit nnb ©parfamfeit eingel^alten I)aben : ,id&' 
,erfle]^e bon bem Könige, meinem §enn, unb beouftrage meine* 
,Xeftament§tioIIftredEer, fie mögen anorbnen unb SSorforge* 
^treffen, bafe SlHeS ofine ?ßra]^Ierei unb SBelteitelfeit gemad^t* 
,tt)erbe, ipeil eg mein SBille ift, bafe biefe in feiner SBejiel^ung' 
,ftottfinben.' 3m Übrigen ,befel)le id^, bafe MeS gel)alten' 
,toerbe, tpann unb ipie e§ üblid^ ift' 6S ift bem entfpred^enb, 
tDenn er, bi§ auf bie Qa^l ber Äerjen unb Sid^ter, ba^ für 
bie l^erfömmlid^en lird^Iid^en ©ebenifeiern an feiner ©rab- 
ftätte 9ißt^ige feftfe^t. Sntmer^in berlangt er (Slrtilel 15) 
bie Sluöffil^rung ber fef)r loftfpieligen ©elübbe, toeld^e er 
toälirenb feiner legten ÄranlJieit abgelegt f|at. 

©eine ürd^Iid^en ©^mpatljieen gelten ber einfügen neu^ 
caftilifd^en §aut)tftabt S;oIebo, too (Slrtifel 3) 10,000 ©eelen^^ 
meffen im erften, taufenb in jebem folgenben Satire für fein 
©eelenl^eil gelefen toerben foUen unb tPoI)IgemerIt: ,für bie' 
,©eelen ber berftorbenen §erren Äönige, üon benen id^ ab^* 
,ftamme/ So ift nur biefelbe ®ebanfenridE)tung, tnenn bie 
beiben ndd^ften 2lrtifel ©efd^enfe an bie Äird^en berül^mter 
caftitifd^er SBaUfalirtSorte unb eine So^faufung tfiriftlid^er 
©efangener au§, mufiammebanif d^er ©flaberei berorbnen. SSon 
feinen eigenen ©Haben entläßt er (3lrt. 14) bie ber greif)eit 
SBürbigen, bie übrigen fd^enlt er feinem einfügen ©rjielier 
^onorato Suan, nunmelir Sifd^of Don D^ma, für tt)el(^en er ^) 



1) Slrtifel 10, 11, 14 (8. 520-522) unb 37 ober fünfte 8ufat= 
claufel (©. 547). 2)en ©auSl^ofmeifter beä instotfc^cn SJerftotbencn 
cm<)fa]^t er am 10. ®e))tember 1566 gur SBerforgung. Doc escog. (©iel^c 
'än^mcO 403. »gl. oben @. 105 ^nm. 1. 



j[22 2)on (SarloS' ©eifteärid^tung. 

feine ©anfbarlett, burd^ retd^e ©efd^enle unb befonber§ tüarme 
©mpfe^lung bei bem Äönigc betätigt, ^oä) in ber bierten . 
ßnfa^clanfel empfiehlt er bemjelben nnter befonberm ®anfe 
für bie Ernennung feinen fd)on ertoätinten i) »eirfitöater 
S)iego be ^a\)t^ tüegen beffen ,religiöfer ©eftnnnng, löb^ 
Keinen SebenStoanbetö unb aüer guten (gigenfd^aften.' 

Überaus c^aracterifüfc^ ^) für feine fpecififc^ fpanifdi, um 
nid^t äu fagen cafülifd) geartete ®Iaubengent<)finbung ift bie 
gürforge, tod^tx S)on ©arloS ettüa ein ©rittet feinet Xefta^ 
menteä getoibmet ^at. ©r tüünfc^t, äunäd^ft aug ben aUmä^^ 
lid) frei tüerbenben, öon il)m aufgefegten ©e^ältern unb 5ßen^ 
fionen eine jugleid^ fromme unb gelehrte Stiftung tüieberum 
in S;oIebo eingeriditet. aWit genau äetinja^riger S)ienftber== 
^)fli^tung foEen granctölaner ju ftetem &tUtt für fein unb 
feiner föniglid|en SSorfaI)ren ©eelenl)eil 3) t)erpfli^tet fein. 
S)ie Setreffenben bürfen nad)toei§Iid^ unter i^ren beiberfeiti:^ 
gen SSorfa^ren feinen Suben nod) SKauren ää^Ien: ,fie fotten' 
,(Si)riften alter, reiner ^erlunft fein/ au^ auSgef^Ioffen toer^ 
ben, tt)enn fold^er §erfunft§mangel fi^ irgenb einmal fpäter 
I)erau§fteaen tt)ürbe>) ®r bemerft (Slrt. 23) bafe aud^ bei 
ben |)ieron5mitenmönd)en — unter toeI(f)en fein !aiferlitf|er 
®rofet)ater in ben beiben legten Sebengjat)ren »eilte — auf 
f oId)e 9ieint)eit ber Slbf unft gehalten tüerbe. (Sr t)erlangt bief e 

1) SSgl oben ©. 98 unb 117. 2)ic Sobe§tt)orte lauten: por per- 
sona de mucha religion y ejemplo y todas buenas cualidades. 

2) Slrtilel 21 bi§ 27, 35 unb 36 ober 2. unb 3. Sujatclaujel 
(©. 530 Bis 537, 545 unb 546). 

3) por mi anima y de los seöores Eeyes mis antepasados. 
'ävt 21 ©. 530. 

4) . . . no pueda entrar . . . quien tuviere raza de descendencia 
alguna de Judio ni de Moros, sino que sean todos Cristianos viejos 
y limpios y descendientes por todas partes de antepasados que lo 
ayan sido. 3lrt. 22, tgl. 23, 24 unb 36 = 3. (Slaufcl (@. 531-533, 545). 



SReligiöfer (Sl^orafter bcS 2:cflatnente8. 123 

SReinl^eit, beten Setottung in ber :pät)ftltd^en SBeftdttgung^* 
buQe ertüirlt werben muffe, aud^ in. ber afabemtfd^en Stb^ 
tl)et(ung, tüeldie er neben biefent SöetcoQegium etngerid^tet ju 
l^aben toünfd^t. 

S§ mag fein, ba§ eben in Sllcala be §enareg, tüo er ber 
reinen Suft l^alber fo oft toeilen mufete nnb neuerltd^ eine 
gefafirboHe ^anllieit überftanben l^atte, il)m ber ©ebante 
an eine fold^e afabemifd^e (Stiftung nal)e lag. ©ein ^efta* 
ment ift in ber bortigen erjbifdiöflid^en SRefibenj t)erfafet. 
@§ hjar (Sarbinat Ximeneg, ein fo I)od)berü]&mter Sßorgclnger 
beg bamaligen ©rjbifd^ofg, toeld^er in Sllcala Uniberfitdt unb 
Söibltotl^e! geftiftet ^atte. SlugbrüdEItd^ bejielit fid^ i) ber Äron^ 
prinj auf münblid^e SÄttt^eilungen über eine anbere öon 
Sllcala au8 beabfid^tigte fird^Iid^e Stiftung, toeld^e er mit 
päpftlidier Unterftü^ung abgef^Ioffen toünfd^t. S)ie 9Rit* 
ttieilungen l^abe er bon einem bortigen S)omini!aner, bem be^ 
treffenben ©penber, erl^alten. 

®etabe ,tt)enn mögltd^* jtoei ober nad^ einem Slnneje be8 
3;eftamenteS brei S)ominiIanern toünfd^t er bie t)on il)m be^ 
abfid^tigte gelel)rte ©tiftung anvertraut, toeld^e bod^ feltfamer, 
üermut^lid^ unmöglid^er, SBeife ein integrierenbeS ®Iieb be^ 
aus fjrancislanent beftefienben ©oUegiumö bleiben foH. (SS 
finb ätoei, bann brei tool^Ibotierte SeJ^rfanjeln, bie eine, red)t 
in Ximenej' ©inne, für ^l^eilige Sd^rift', bie anbere ober bie 
beiben anberen für bie Seigren ,beS l^eiligen ^errn ^l^omaS 
öon Slquino*. 6r meint, burd^ nad^brüdlid^e feminariftifd^c 
Untertoeifung unb ®m|)fel)lung fetner Sbeen in ber päpft^ 
li^en SBeftätigungSbuUe tjier eine für ben reinen, lat^olifd^en 
Olauben toi^tige ^flansfd^ule errid^tet ju I)aben. 



1) %xt 37 = 4. ©laufel (©. 546). . 



124 2)on ßarloS* ®cifte8ric^tung. 



SBenn fd^on unter ben fad^funbigert ß^itfl^^öffen jebcr 
SSerbac^t trgcnb tt)eld)cr le^erifdiett Stnfd^auung beö f^janifd^en 
Äroitpriitäen afö gänjüd^ grunbtog äurüdEgetDtcfcn njorben tft, 
fo foHte eine berartige SReinung in unferem Salirl^unbert 
au^er S)i8cuffion für Sebcn bleiben, toeld^er baö feit bem 
Satire 1854 gebrudfte S^eftantent gelefen I(at. S)on ©arloS' 
religiöfe Überjeugung fteUt fic§ l^ier t)ielmef)r afö ber ftrengften 
unb ejclufiöen caftilifd^en religiöfen Sluffaffung burd^anä 
entf|)rungen unb gleid)artig bar. 

®a ntufete unS tt)oI)I fcfion ettüaö an biefem ©proffen 
eines §aufeg auffallen, toeld^eS beutfd^er Station neun 
Könige gegeben tiatte, atö er feinen legten SBiEen bictierte. 
(£§ ift it|m n)eber biefe S^Ijatfad^e erlieblid^ erfd^ienen, noc^ 
bie njeitere, bafe unter jenen neun S^önigen fünf — 9iu== 
bolf L, SKbred^t L, griebrid^ III. ober IV., SRajimilian I., 
Äarl V. — feine birecten SSorfaf)ren getoefen finb. @r 
ignoriert fte an ben beiben angefülirten ©teüen, inbent er für 
ba§ ©eelen^eil ber ,§erren Könige', feiner SSorfaliren, ®ebete 
anorbnet: nur bie fpanifc^en tjat er im ©inne. 

2)em entfprid^t nun burd^auS bie 'Titulatur, tt)eld^e er 
ftd^ felbft gibt unb auf bem legten t)on il|m unterseidEineten 
SÖIatte beg XeftamenteS fid^ t)on bem Slotar ertl^eilen läfet. 
6r nennt fid^: ,t)on ®otte§ (Snaben erftgeborcner ©ol^n beS' 
,SönigS S)on 5ßt|ili|)|) , meinet SSaterS unb meinet §errn/ 
,ber id^ @rb|)rinj bin in feinen 9ieid§en unb ^errfd^aften bon* 
,©panien, Stauen, ben ©taaten bon glanbern unb ben Sn*' 
fein be§ SRittelmeereS unb aller Subien unb beg geftlanbeS* 
,beS Dceanifd^en 3Äeere^, toeld^eS man bie 9ieu€ SBelt 



?Politifc^e ^ic^tung beä leftamcnteS. 125 

nennt u. f. to.* Sßtc^t minber tncorrect nennt il)n ber SRotar: 
»nnfer fel)r f)o^er unb mä^ttger §err 3)on ©arIo8, öon ©otteS' 
,®naben 5ßrtnä bon Spanien, Stalten unb SRieberbeutfd^Ianb' 
,(baja Alemannia), ber inbifdjen Snfeln unb beS geftlanbe^,' 
,beö SRittellänbifd^en unb Dceanifd)en 9Keere8/ 

(Sang abfid^tli^, trie man fielet, ift feiner beutfd^en 216^ 
fünft nid^t gebadet. Sr mu§ too^I bon jenen bierjcifirigen 
SSer^anblungen feit 1548 gtüifd^en feinem faiferlid^en ®rofe== 
öater unb feinem bei Slbfaffung beS 3;eftamente8 nod^ leben^ 
ben ®ro§o£)eim, nunmel^rigen S^aifer gerbinanb I. unb bon 
bem Vorläufigen Slbfommen ätoifd^en Seiben am 4. äRärj 
1551 1) gel^ört l^aben. S§ f)atte burd) biefe SSer^anblungen 
ein regelmäßige^ 3llternieren ber römifd^^beutfd^en Saifer== 
unb Äönig§tt)ürben gtüifc^en beiben Sinien be§ ^aufeö ^ob^^ 
bürg erjielt »erben foUen. 3m gaUe il)reg ®elingen§ ttjöre 
W^ipp n. in biefem 3Rai 1564 im »efifee ber römifc^en Äönigg^ 
toürbe getüefen. 3laä) 5ßf)ili<3p^§ äufünftigem Äaifertt)ume mit 
SKopmilian^S II. Stad^olge n^äre bann bermutfiHd^ it|m, 2)on 
©arlog, bereinft tüieberum bie @i|re beö römif^en Äönigö* 
unb Äaifertt)umeg gcfidiert getoefen. Unb tpie ftarf l^at ioä) 
nod^ nad^ bem ©d^eitern bicfeö 5ßlane§ Äönig ^^Sl^ilipp am 
4. ©ecember 1555 in einem @d£|reiben an bie Söürgerfd^aft 
öon gran!furt am 9Äain, ttjeld£|er bie SBad^t für freie römif^=* 
beutfd^e Slönig§toal)l Vertraut tüar, feinem beutfd^en ©efu^Ie 
SlugbrudE gegeben. SRad^ feinem ^erfommen ,t)on einem löb^ 
lid^en Stamme unb ©eblüte' njolle er fid^ ben ©täuben unb 
©liebern be§ SReid^eS gemäß berf)alten. ©r f)ebt t)erbor, t§> feien: 
,SBir f ott)ot)I atö unfere löblid^e SSoreltern . . . nidE|t tüeniger im' 



1) mante, beutfc^e ®e{d^i^te V 3, 98 mit ben bisher nid^t tüibet:^ 
legten ^d^lugfolgenmgen ber Sd^t^eit. 



126 2)on (Sarlog' Ocifleäri^tung. 

j^erjen aU bort ®e|)Iuct ain redetet guter Slcutf d)er' ^). 9iad^ bem 
S^eftamente fann man faum annehmen, bafeSonSarloö ju einem 
fold^en ttjarmen JBelenntniffe ju bringen getoefen toäre. 

Slfifi^riö ^^tt^ ^^ f^i^^^ laiferlidien ©rofeöater in SSer== 
njunberung gefegt, als er bemfelben jornig erlldrte, nie tüürbe 
er gleid^ Äarl V. öor bem Slurfürften 9Kori^ gepci^tet fein. 
SSieQeid^t in ber SBod^e barauf mufete ber Äaifer ba§ heftige 
SBegeI)ren feinet (£n!ete nad^ einem auS ben 9lieberlanben 
mitgebrachten ßimmerofen f d^arf abseifen 2). gn biefer l^art^ 
nädRgen SBeife mod^te ber 3ldE)tje^niäf)rigc e§ aud^ mit ®rott 
empfinben, ba| il)m bie Stiren beö römifd^^beutfd^en SReid^eS 
entgangen toaren. 

©0 nennt er fid^ nid^t gteid^ feinen SSettern ,6rä^eräog 
öon Öfterreid^ nnb ®raf t)on §ab§burg*. 9iid^t mit einer 
Slnbeutung toeift er auf feine Srbre^te im SSerbanbe be§ 
beutf^en SReid^eS unb beffen gürftenftanbeS l^in. Sltö feine 
®ebanfenrid)tung fid^ ettoa brei Seigre ft)äter immer unge^ 
ftumer ju ber SSerbinbung mit feiner Safe, ber ©rj^erjogin 
S[nna, getpenbet tiatte, lernte er feit bem 1. Suli 1566 mit 
aller §aft S)eutf^, unb fein beutfd^er ©prad^meifter Submig 
SÄorifot ift aud^ n)äl)renb be§ ^ßrinsen §aft bis äum 30. Suni 
1568 befolbet tt)orben % obtt)oi|I er ii)n allem Slnfd^eine nadi 
nidE|t mel)r ju ®eficf)te belommen t)at. 5lber obtt)ol^I ber ^rinj 
aud^ je§t fdE)on ju ber beutfd^en SSerbinbung geneigt tüar, ift in 
feinem SCeftamente nur einmal (3lrt. 7) mit einem gtamänber 
Suft gicte bon einem S)eutfd^en ©l^riftopl^ ^ermann bie Siebe: 
bei Seiben toünfdfite er ©elbfc^ulben beri^tigt; biefer ^ermann 
ift aber ber Vertreter beS $aufe§ S^^gger in SlugSburg ge* 



1) tod6, Ouellen II 122. 

2) ©ac^arb, S)on (SarloS I 22. 

3) Slrd^lörec^nung in ©tmancaS bei ®a(^arb S)on ©arloS I 269. 



^olitiftä^e Sfiic^tung beS'Xeftatnente^. 127 

tt)efenO. ©einer beutfd^en SSemanbten gebenft ber 5ßrtnj 
fo tpetiig; bafe er im ^aUe feinet Slblebenö ol^ne legitime 
SJia^fommenfd^aft nur (Slrt. 29) erllärt: ,nad) Siedeten unb 
©efe^en biefer Äönigreid^e* fei bann fein SSater fein ®rbe. 
SWemanb lönnte au8 bem Xeftamente fd^liefeen, ba§ er mirt 
lid^ ein ®efüf)I für bie SBIutötiertpanbtfd^aft I)abe % beren er 
in einem el^rerbietigen SBriefe an ben laiferli^en ©rofe* 
ol^eim gebenft. äWan njirb fagen bürfen: er empfanb laum, 
fo fel)r fein 3lntli| il)n atö biefer S)t|naftie entfproffen er^ 
fennen Iie§^), ha^ er bem §aufe §ab§burg anget)örte, atö 
beffen ®Iieb Sönig ^l^ilipp IL fid) mit ben jarteften 6m=' 
:pfinbungen big ju feinem 'Sobe gebunben ^ielt. 

^o6j fiil^It fid^ ber Sron))rinä feinem löniglid^en SSater 
gänglidfi ergeben unb juget^an. ,6r fagt (Slrt 18): id^ I)abe' 
jSBiUen unb SSerlangen, i^m in Slllem ju geI)ord)en, ju ge^' 
,fallen unb ju bienen*. Sn bem öorange^enben Slrtilel 17 
lieft man (p. 526): *i6) flet)e ben Äönig, meinen ^errn, an/ 
,er befel)le, biefen meinen SBSiUen au^äufü^ren, xok xd) ba^* 
,t)on ber ®röfee unb ^odE)^eräigfeit (magnificencia) , ertoarte 
jtoeld^e er ftet§ bett)äf)rt unb benen gegenüber boIKommen' 
janjutoenben Verlangt, toeldie in fo l^eröorragenber SSSeife* 
,®ott unb ©einer SÄajeftät bienen.' 

@§ l^anbelt fid) um S8eIoI)nungen bei ben rül)mlid^en 



1) SSon S)letrid^ftetn am 27. 3uni 1567 erwähnt: Äoc^ I 191. 

2) asi por lo que me obliga la sangre. 15. Sluguft 1562 eben- 
faflö QuS 6imanca§. ©ad^arb, S)ün ©arloS 642. 

3) ,,fd^Iec^t ntt au§ bem ofterreid^ifc^en ©ejc^lec^t" ift ein ©tüd be§ 
t)on 3)tctri(j^ftein am 29. S^ni 1564 gegebenen ©ignalementS (Äoc^ I, 
127). ®ac^arb irrt; wenn er 1 147 überfefet: rien en lui ne rappelle le 
sang de Habsbourg. Äoc^ l^at fd^on ,4d)Ie(^t" burd^ „f^^ößt" öer= 
bcutlid^t. S)ie Silbniffe, auc^ ha^ ber SBiener unb baS bem Xttelblatte 
biefeS SSerfeS öorgefe^te ber fiayenburger laiferlid^cn ©emälbefammlung 
beftätigcn 2)ietri(^ftein'S 5(nfid^t. 



128 2)on (JarloS' OeiftcSd^tung. 

^^aten f^janifd^er S;rup:pen im öortgcn 3al(re im 9Rai unb 
Sutti 1563 f|)eciell gegen bie 9KuI)ammebaner bon 5ltgier^). 
Sei Slu^fe^ung eineö Segate^ tüegen fold^er 5lugäeid^nung 
für ben itad§ feiner Slnfid^t beften (Sommanbierenben , jnm 
3tr)ecle ber Stiftung eineö SRajorateS, f))rid)t S)on ®arIo§ 
bon Äam^jfen gegen ,2;ürlen unb SKauren* unb ,UngIäut)ige'. 
®r bebauert, bafe ber Äönig bei fo bieten Slnforberungen 
(necesidades) nid^t, tüie er mötf)te, l^anbeln lönne. S)e§!§alb, 
fo fat)rt er mit feltfamem ©elbftgefül^Ie fort, ^^ait ^ä), gemäfe' 
,bem SBiUen, toeld^en id^ immer ^abe, ®uteg unb ®nabe ju* 
,üben für biejenigen, loeld^e fid^ auSäeid^nen unb I)erbortt)un' 
,in guter S)ienftleiftung, bem (benannten . . . breitaufenb 2)u^' 
,Iaten aUjäl^rlid^er bauernber SRente für il^n unb feine 9?ad&==' 
,fommen berft)rod^en.* 

S)iefem if)n befdiäftigenben ®eban!en gibt er aud^ fpftter 
nod^ einmal in einer ber SBieberl^oIungen biefeS SlctenftüdCeä 
(3lrt 19 ©. 529) 2lu8brudE: ,e§ mu§ jeglid^em gürften jur* 
,S&efriebigung gereid)en, ®nabe gegen feine ©iener ju üitn,^ 
»toeldie fidf) fold^e burd^ il^re guten ©ienfte ertoorben l^aben/ 

®en Söegünfiigten feinet löniglid^en SSaterS Iä§t er, tool^I 
toefentlidE) toieberum in ber 5lbfid^t, feine ©elbftfierrlid^feit 
at§ Sronprinj ju geigen, fold^e ®nabe für il^re S)ienfte fret^ 
lid§ nid^t ju 2:f)eil toerben. SDem ©efd^meibigften unb für 
ben ©ebieter Söequemften unter SlHen, bem gürften bon Sboli, 
toiH er in bemfelben 5lrtilel bie (Selbbejüge berfd^iebener Slrt, 
toeldie berfelbe au§ bem Ironprinjlid^en §of^alte genoffen 
I)atte, entjogen unb auf einen anbern §errn übertragen 
I)aben. gür ben ^erjog bon SHba, toel^er SDon ßarlog bor 



1) S)ie Betreffenben ©reigniffe finben fidft in einem S3eri(^tc be§ 
Königs an feineit ©efanbten in Sonbon gefd^ilbert, tueld^en ®aci^arb a. 
a. D. I, 135 jum ?lbbrude gebrad^t l^at. 



^olitifd^c IRid^tung be8 ^cftamentcS. 129 

jtoei Salären tu ben gefätirltd^ftcti 3^^^^^ f^^"^^ ^anl^eit 
mit größter Eingebung, ^rcue unb 9luf Opferung %aQ uub 
jyia^t gekartet, aud^ bie ^erbcibriuguug jeucr tüuuberfräftt^ 
gen ®cbeiue gra^ ®icgo'§ üeraula^t l^attc ^), fiubet ber $ßriuj 
übertiaupt fein SBort ber Slnerfennung. 

3m Übrigen, unb öon ben ©^mpatl^ien I)ab§burgif^en 
gürftentt)ume§ abgefel^en, betuegt fid^, toie man fiel)t, auf 
politifd^em ®ebiete ber ®eift beg ^^^ronerben burd^auS in 
ben Salinen beö regierenben ^errn, beffen SBatten er mit 
betounbernben SBorten anerlennt. 9Äan erinnert fid^ t)iebei 
untoiUfurlid^, tt)ie ber ffiönig am SRorgen beg 16. Suni 1562 
ben jum erften 9Äate nad^ feiner Äranf^eit unertt)artet bei 
il|m eintretenben ^onprinsen in bäterli^er Siebe umfd^Iungen 
I)ielt. (S§ liegt nid)t bie geringfte 3Inbeutung in bem %t^ 
ftamente bor, bafe ®on ©arloö nad^ irgenb einer ©eite 5ßo* 
littf unb Slbminiftration feinet SSaterö gednbert ober aud^ 
nur irgenb mobificiert getoünfd^t l^dtte^ ©otoeit fid^ erlennen 
lä^t, toid auä) er fid£| an bie 3legierung§principien be§ !aifer== 
li^en ©rofeüaterg I)alten, beffen SBeifpiel er nod^ bei &tbtt 
unb Haltung in ber ©terbeftunbe na^jualimen tDünfd£|te, unb 
nad^ beffen Sutentionen ju regieren aud^ ^^iß^Jp H. fid£| alö 
SSerbienft unb ^flid^t anred&nete. 



JII)t)|iCd)e 5d)tt)a(i)e be0 Jlnnjen. 

Sei »eiben, Sarfg V. ©oI)ne unb Snfel, fäOt im ©egen-- 
fa^e äu bem toaffen^ unb frieggfreubigen Saifer auf, toie 



1) ®a^arb, 3)on ©arloS I 80, 85. greUid^ f^reibt 2)ietri(]^ftein 
fc^on am 22. 5(prll 1564 öon bem ^erjoge unb ber ^erjogln t>on Alba: 
„ber $rlnj ift I]§ainem SRenfc^en feinter hon ier unb irem 3Ran" 
(^odj l 123). 

8übtnger, 2)on SartoS' $aft unb Zo\). g 



130 *^^^ darlo'S ®eifte§ri^tung. 

toenig Steigung fie für militärifd^e SBeloä^rung, ja überijaupt 
für Iörperlid)c Stnftrengung unb Slb^ärtung beft^en. ©cf)on 
^Ijtlipp n. liefe fid) gelegeittüd^ bei einer Berufung jum 
S!aifer mit feinem 83ebürfniffe boHIommener 3luf)e entfd^ul^ 
bigen; bei feiner jarten ®efunbl)eit erfc^ien im Saläre 1557 
bie SReife t)on Srüffel auf ben na^en franjöfifdien Ärieg§== 
fd^au))Ia^ als eine STrt SSSagniS, obtool er breifeig Saljre alt 
tüar; in fortgefd^rittenem Sllter I|at man it|n feiten ju ^ferbe 
ober auf ber Sagb gefefien. S)a§ 2llle§ toieberl^olte fid^ 
in gefteigertem SKafee bei feinem @oi)ne. 9?ur einer förper^^ 
liefen Slnftrengung fcl)eint 2)on SarloS fid^ gern (jingegeben 
ju f)aben: bem ©d^tüimmen ^). S)odö toar ober fd)ien er fo 
fd^tt)ad£|, bafe er bei ber *£aufe feiner ju fo grofeer S8erüt)mt^ 
l^eit gelangten ©tieffd^toefter SfabeHa ber ^flid^t atö 5ßat^e 
am 25. 5luguft 1566 nict|t ju genügen bermod^te, fonbern 
baS breijetintägige Stinb ju tragen feinem 9lIter§genoffen, 
ÄarFS V. uned)tem ©proffen S)on Sodann bon Öfterreicfi, 
überlaffen mufete; 'er ift nur ftar! in ben ßätinen', fdireibt 
gourquebaulj bei biefem Slnlaffe an bie Stönigin Satl^arina 
SWebici§2). gjj(jn begreift, bafe ber Äönig unter biefen Um= 
ftänben feiner Umgebung unb feiner ©ema^lin fagen lonnte, 
aU bie Snfantin geboren toar, er freue ficf| mefjr über bie 
%o6)ttx, ate ttjenn e§ ein ©of)n toäre^). S§ toar il^m be== 



1) ©ad^arb, ^on (SorloS 283. S)a6 er aber im ^epitmhtx in einem 
!alten ®ewöffer bei ©egobia mit S)on Qol^ann t»on Öfterreicft gefd^toommen 
l^abe, f(^eint ein JJrrtl^um ©ad^arb'S ju fein. 3n bem »örtlid^en 5lu8= 
juge beS betreffenben ©riefet beS franjöfijd^en SBotfd^afterg öom 11. @ep= 
tember 1566 (Gachard, bibl. nationale ä Paris II 213) Wirb fein 
^amtn nid^t erwäl^nt. 

2) ä faulte que le prince n'a force sinon ä ses dents. Bibl. nat. 
11 211: gourqueöaulf' SBeric^t öom 26. 5luguft 1566. 

3) . . . disant ä tous qu'il etait le plus content prince du monde 



$^t)ftf(]^e @(^toä(i^e beS ^rinaen. 131 

fd^icben, ba§ biefcö Äinb, »cld^eg et natS) feiner ®cburt freub^ 
t)oU bettad)tete unb bann feiner ®emaf)lin geigte, feine befte 
greunbin unb Söeratlierin im legten Sal^rjelinte feinet Sebenö 
unb eine ber beften 9tegentinnen SBelgieng toerben foUte. 

Slber eg njirb immert)in ber Qtodfd geftattet fein, bafe 
ber Äronprinj bod^ ftarl genug getüefen ttjäre, an6) in f^toe^* 
ren Sauffleibern feine Heine ^att)e ju tragen, tüenn er 9iei* 
gung gehabt l^ätte, in ber gefpannten ©tettung, in ber er 
\xä) fd^on befanb unb nod^ mel)r ju befinben glaubte, auf 
feinen Slrrnen bie ebentueHe Srbin feiner Siedete auf bie 
ft)anifd^e 3J?onard|ie mit einem garten fircf|Iid^en S5anbe in 
bie d^riftlid^e SBelt einjufülöten. Sejeugt ift minbeftenS, 
toieberum burdE) Serid^te beö frangöfifd^en Sotfd^afterg, mit 
tüeld^en Hoffnungen fic^ in biefer S5ejiel)ung ber franjöfifd^e 
§of unb, tüie man gleidE) fe^en tüirb, bie franjöfifd^e ©emal^- 
lin Jß^ilipp^S IL befd)äfttgte, tuel^e am 10. Dctober 1567 
eine jtüeite Xod^ter, bie fpdtere ^ergogin Sat^arina öon ©a^^ 
bo^en geboren l^atte. ©d^on eine S)epefd^e üom 30. 3uni 
1567 brad£)te ber Königin SRutter nad^ einer 3J?itti|eilung beö 
Seibargteg ber Königin unb entfpred^enben tüieberl^olten @r=^ 
Ilärungen be^ ^ßrinjen bon ©boli bie ©id^erlieit, baß unge^ 
ad^tet angetoanbter mebicinifd^er SRittel öon 2)on Sarlo^ nie 
Sßad^fommenfd^aft ju ertoarten fei: ,bag fann nur gut für 
bie Ärone granlreic^ fein,' junädift freilid^ mit 3tüd£fid^t auf 
bie öon fpanifd^er ©eite abgelel^nte SSerbinbung mit Äatf)a^ 
rina'^ jüngerer 3;od)ter SÄargaret^a. Slber nad^ ber ©eburt 



et trop plus aise d'avoir une fille que si ce fut un Infant, ^le 
Äönigin fagtc bem ©efanbtcn: le roy mon mari me fait entendre 
qu'il en est plus content que d'un masle. gourquet^aul; an ^at^a^ 
rina SRebicl« 18. Sluguft 1566. %. a. O. 209. Gachard, lettres de 
PhiHppe II (1884) p. 19—21. 

9* 



132 ®on Sm1o8' ®dftc8ri[^tiing. 

jener jweiten 3nfantin unb nac^ beä ffrunpringcn S8ert)af= 
tung ff^reibt berfelbe äUDetläffige ©iplomat (8. ^ebruar 1568): 
,man irttb gegen ben ^ßrinsen geriiiitU^ torge^en, um i^n' 
,fur unfäfiig juc Xtjtonfofge ju erHäien. Sn gotgc beffen' 
:it hie Sinber bet Königin Stirer 2:D^ter mit ©otteö' 
fuccebieten, roetct)e Sftüdfidit allein, Wenn e§ fonff fei=' 
Stunb gfibe, bie greunbfdiaft unb baS gute S8erftänb=' 
roeli^e jtDifcIien Suren aKajeftäten befielen, bauernb' 
;n mufe. Unb obroolir ber ©traben beS geballten 9ßrin=' 
miä) ift für bie Königin, S^re Xod|tei, unb für beten' 
porige, ift fie bod) fo artig (sage), (einen ©c^ein bon' 
le äu äeigeit, fonbetn fid& bem SSitten beS ffiflnigS, i^reS' 
I, ju fügen, unb, bi§ er ifir bie S^^rfinen Berbot, ^aV- 
ei %aQt lang nic^t aufgehört, bie Ungnabe ii)re§ ©tief=' 
ä gn beweinen.'^) ®S wäre bo^ feltfam, wenn ©on 
ä, bem eS nadi aßen ^e^gniffen an fcfiarfet SEteobai^s 
jübe leineSroegä gefehlt Ijat,^ biefe Situation ni(^t un= 
bar ertannt ^aben foüte.*) 

nmer()in fann aucfi rairiticf), roie ja ©on ßarloä' 3lb= 
ng gegen jebe Untt)afjt£)eif entfct|ieben genug behauptet 

a. 0. D. n 240 unb 252. eeltfamer SEBeile i(t in bet legten 
je ber entfc^eibenbe <sa|^ übet bie €ucce{fion onn @U[abet^'S 
m in ©nc^orb'ä ejcerj)! Detgeffen. ©r laulet bei 3Ju $tat 494: 
loi lea enfanU de la reine votre fille, Dieu aidant, Buccederont, 

Beul reapeet, quand il n'y aurait antie raison, doit peq>6tuer 
6 et bonne intelligence qui est entre Voa MajeatÖB, 

„©0 ^of er ein brejenlii^S ©eboi^lnuä iinb, wie mon fagt, in öielen 
it ä» ofliAo." S3ietiri4flein 29. guni 1564. Sod) I 128, boi) 
ir natft bem Originale Derbe (fett. 

©elbflDevflänbllt^ ift boä emtueile SKär^en bon erotift^en 9Iei= 
i jlDiJ^en bem Sprinjen unb [einet ©tiefmutler Bon SDtottten= 

in miebetVller ^flemil (Bgt. Sgotttog übet ©on Eatloa 2. 9luft. 
S. 40 bis 46) mit iRet^t iutü(fgen>ie|en »otben. %it ffönlgin 
t^ ^atle ganj anbete Se^einuiiffe. %gl. oben ©. 35 unb 41. 



^^^fifc^c ©d^toäd^c be8 ^rlnacn. 133 

tDtrb,^) ein ©d^tüäd^eanfall t^n jum gcrnbletbcn t)on bem 
Xaufaftc öeranla^t f^abtn. S)enn jene iSd^toimmübungcn ab- 
gcrcd^net, btc id^ perfönlid^ bod^ auc^ nid^t bei ßcitgenoffen 
befonberö l^erborge^oben finbe, ^at er attetit 3lnfd)eine nad^ 
nie etoag jur Slbprtung feinet Sör^erS t)erfud^t. ©otoeit 
meine SentniS teid^t, ^at er niematö, tt)ie fpäter fein SBetterS-- 
fo^n era^erjog Sllbred^t jn beg Äönigö W^^PP H. ®enng^ 
tl^uung nadö beffen ^Briefen an bie Snfantinnen, auf (Sber^ 
ober überhaupt auf ^od^toilb^Sagben fid^ betocil^rt 3d| er^ 
innere ntid^ au^ nid^t, irgenb eine 3lad^ridE)t gelefen ju l^aben, 
njelc^e barauf ju fd^Iiefeen geftattete, bafe er jemals einen ber 
anftrengenben , fieib unb ©eele erfrifd^enben fd^arfen SKtte 
unternommen i)&tttr an tüeld^en fein faiferlid^er ©ro^bater 
in jüngeren Saluten fo t)iel (Gefallen fanb. 9?idE)t einmal an 
einem unblutigen S^urnier,^) njie jutoeilen bei folc^en bie 
überaus elegante Srfd£)einung feinet Sßaterg in ber Sugenb 
fid^ bemerkbar mad^te, fd^eint er jemals %f)t\l genommen ju 
Iiaben. 

9Son feinem franl^aften Sebürfniffe ungemein reid^Iid£|en 
SBaffertrinfenö toirb im folgenben Äapitet am Snbe ber @r^ 
Tagungen über bie 3^^^^^ f^^^^^^ junel^menben ©d^toa^^ 
finnigfeit eine 95eobad)tung mitjutl^eilen fein. 

3n feinem breijelinten Saläre fanb man, bafe bie l^eftige 
2;ranSfpiration , toel^e if)m, toie anberen Slnfängern, baä 
SReiten üerurfad&te, nid^t oI)ne ®efal)r für feine ©efunbl^eit 
fei, unb fo gab man i^m feiten ®elegent)eit, ju $ßferbe 



1) „ain groger Siebl^aber ... ber SBal^rl^cit, mag Qax fl^ein Un* 
toal^rl^eit nit leiben." S)ietri^ftetn a. a. £). 

2) SSon ben Xumierübungen ^u Srußc in SBaffen, loeld^c i^m im 
Wpvil 1558 in SSormittagSftunben gut befamcn (Docum. in^ditos XXVI 
407), Derlautct ft)äter ni(f)t^ mel^r. 



134 ®on ßarloS' ©eifteSric^tung. 

ju ftctgcn. gür alle feinem bamaligen Sebenäalter tnU 
fprec^enben Scibegäbungen jeigte er übrigen^ fo tüenig 3iet* 
gungi) ate für bie ©tubien; bod^ meinte fein Dberftl^of^ 
meifter äRarqueg be laS S^aöag ,burd^ alle biefe Siinge ^in^^ 
I&nglid^e SSefferung* feiner ©efunb^eit erhielt ju ^aben.^) 
©c^on bamafö fiel bie fa^Ie ®efid^t§farbe beg ftronjjrinjen 
auf, rok fie aud^ bie Silbniff e beftätigen ; ^) immerhin I)atte 
aud^ fein SSater, tt)ie e§ fd^eint, niemals ein blül^enbe^ 2lnl> 
li^, boUenbä in fpäteren Satiren einen auffaUenb tneifeen 
Seint 

$ier ift nun bie traurige SBanblung in ber :pt|^fifd^en 
@rfdt|einung be§ 5ßrinjen ju ertüägen, tod6)t in bem Über== 
gange öom Snaben= jum 3üngling§alter eingetreten fein mu§ 
unb bodf) nid^t nad^ i^ren pat^ologifd^en Urfad)en befannt 
ift. 3Bie e^ fd)eint, I)aben bie bamaligen, nad) einftimmigem 
Urtlieile aller SWid^tfpanier (ögl. oben ©. 119) burd^auS un* 
fähigen fpanifd^en fejte eine neben bem brei Salute lang 
faft ununterbrod^en anbauemben SBed^felfieber entftanbene 
anbere Sranlf)eit üerlannt. ?iur eine fold^e lonnte an bem 
olinel^in radftitif d^en , l^erantoad^fenben Änaben bie no^ ju 



1) „brauet fic^ I^einer Übung nit." ^ietric^ftein 22. SH)rU 1564. 
Äod^ I 122. 

2) ^Qba§^ SBerid^t an ben Äönig öom 29. 3uli 1557 auS bem 
Slrd^be öon ©ImancaS ift bei ©ai^arb, 2)on ©arloS ctwaS auSetn^ 
onbergejogen. @r beginnt p. 25 Slnm. 1, bann folgt p. 23 Slnm. 5, 
p. 26 ^nm. 1. S)on ®arcia be Stolebo flogt bem Äaifcr am 13. 5^3x11 
1558 über mangeinbe gortfd^ritte beS^rinjen bei jeglid^em Unterrici^tc 
unb bemer!t aud^ feinerfeitä, bag man, weil eä übel befommc (hacer 
mal) boS SReiten öorlöufig einfteßen muffe (no . . . por agora lo debe 
usar). Documentos in^ditos XXVI 407. 

3) La color no trae buena y siempre la ha tenido asi. 9{at)Q8 

a. a. O. 25 „gar blauer garb" ; „an ®eftrf)t gar bla^' 

(„bleiblau" nac^ ®rimm, SBörterbud) unter „blau" ju Anfang). 
2)ietridöftein 22. 5H)rU unb 29. Suni 1564. Äo^ I 122 unb 127. 



fd^ilbernben SWi^geftaltungen betütrfen. S)tc ©i^pofttion jur 
©clitoacfiftnmgfeit ju cnttüicfeln unb ju ftetgern toar aber^) 
bag lange toirlenbe SBcd^felfieber fe^r geeignet, ,ba ein fot* 
,d|eg ®eiftegfranff)eiten aller Wct erzeugen lann.* 2Sir totx^ 
ben fogleid^ fe^en, toie frü£)e fdjon bei bem ^ßrinjen bie got 
gen be§ angeborenen, mit Slufregung berbnnbenen ©^tt)ad)== 
ftnneg fidEi geltenb mad^ten. 

S)a fommt juerft ein Srief feiner 3;ante So^anna an 
ifiren faiferli^en Sßater t)om 8. 3luguft 1558 2) in JBetrac^t. 
®rei S^age Iiatte fie, bamatö faft fiebsel^n Satire alt, unb 
ber !aum ftebeniäf)rige Änabe gettjeint, aU fie im Snni 1552 
t)on S:oro ju ii)rer SSermät)Iung mit bem t)ortugie[if(j^en 
3;f)ronerben au^jog. Slfö [ie na^ ettpa§ über Safire^frift 
aU aSittoe jurüdfel^rte, ernannte Äarl V. fie jur ftettöer== 
tretenben SRegentin Spanien^, unb fie tuurbe ä^gleid^ mit 
ber Oberleitung bon 2)on SarloS' ©rgieliung beauftragt, 
©eltfamer SSSeife f)egte.fie bie Hoffnung, fic^ mit if)m ju ber^ 
mäf)Ien, nodö nad^ elf Sauren. St)r faiferlii^er SSater ^atte aud^ 
feinerfeitö lurj öor feinem ^^obe feinem ®oI)ne biefen SBunfd^ 
geäußert; er t)atte freili^ Iiinjugefügt, bafe toenn ,tüegen 9Ser* 
fcfiieben^eit be§ Sllterö ober au§ anberer Unbequemlid^Ieif 
biefer 5ßlan unau§füt|rbar fei, bie altefte S^oc^ter Wla^u 
mitian'S^), feine ©nfelin (£rät)eräogin Slnna mit 5)on EarIo§ 



1) Xiefe ©rflörung über bie SSivfungen be§ SSe^felfleber» t)er= 
haute xdi, wie fo toiele gütige Unterftütung, ber freunbf^aftU^en ^iU 
tl^eilung meines bere:^rten ßoHegen, ^errn ^ofrat^eS ^rofefforS Dr. 
2^cobor Wltt)next 

2) SBei ©ad^arb, retraite et mort de Charles V. II 466 t)oU\t'dn^ 
big, bet entfd^eibenbe ©a^: ©ad^arb, 2)on ©arlo§ 33. 

3) Tempereur demier, mourant, avoit Charge son filz, au cas 
que le mariage de la princesse sa fille ne vint, pour les ans ou 
aultre discommodit^, ä effect, que surtout Ton eust k prendre Taisnee 



^36 5)on earloS' ®elfte§ri(]^tuttg. 

t)ennäf)tt tperben folle. Uitb fo bauerten neben ben Söemü^^ 
t)ungcn ber Königin für t^re jüngere, fpäter (1572) mit §etn^ 
rtd) IV. öor jener 58artt)olomäu§nad^t t)ermäf)Iten ©d^tnefter 
SKargaret^a btefe SSerfud^e einer Sfieftiftung ätt)ifd)en bem 
Äronprinjen nnb feiner öertpitoeten 2;ante eine ßeit lang 
mit Sönig W^W§> Söeiftimmnng fort^) 3m ©ommer be§ 
Sa^reg 1564 njurbe enbli^ bie fdion strifdien bem Sönigö^ 
^jaare nnb ber ^rinjeffin fo lange bebattierte ^rage bnrd^ 
einen SSefc^Infe beg löniglidjen 3iat§e§ jnr (grtebignng ge^^ 
bracht 2)ie entfd^iebene Slbneignng be§ nnn faft nennjetin:^ 
jährigen ^ßrinjen gegen biefe (S^e fanb im Sftatlie lebhafte 
Unterftü^nng, t)or Slüem üon bem ,gröfeern gürftenS^) bem 
Sönige felbft. ,S)ie ^ßrinjeffin foU ba§ fc^tt)er empfnnben' 
,^aben nnb für gar läftig Ijalten nnb xotil fie fid^ in ben' 

fiUe du roy de Bohesme. 95end^t be§ franäöfijd^en ©cfanbten, SBt- 
f^of§ toon Simoge§: 13. fjebruar 1562 bei ©acj^arb, bibl. ä Paris 

II 136. 

1) . . . ber ßuntg l^obe ein Sufagen ber ^rinjefftn getan beS 

grinsen l^alber SBeil er (^on ©arloS) atücr nit ju Iperfuabtren, 

funte er im amer nit ba^in bringen, ^tetridiftcin 19. «pril 1564. 
Äoc^ I 119. S(ä^on im ^^otoember 1561 fagte 2>on ©arloS feinem ^of* 
meifter, comme il est bizaxre et capricieux, s^il y en a au monde, 
que plustost se laissoit il mourir, si son pere Vj YOuUoit forcer, 
pour ne l'aimer en fa^on que ce feust. @r tooQe SÄaria Stuart unb 
bie Siegierung ber SWebcrIanbe. S3erid^t beS franjöfif^en ©efanbtcn an 
Sat^rina 9RebiciS. ®ad)arb, bibl. ä Paris II 128. 

2) sed vicit melior pars (bie« fd)on bei Äo(^ I 130 , ber aber bie 
entf^cibcnben nScä^ftfolgenben SBorte auöläöt); majorem habuerunt 
enim principem (»ol^l in l^eiterm ©egenfa^c ju 3)on ©arloS) ipeis 
omnino adstipulantem. S)ietric^ftcin in einer ätüci Seiten langen 
^e^ef^c an ben Äaijer Dom 2. ^uW 1564. ^Bunberlid^e onberc (Sm^tU 
Reiten über bieje ^eiratb^offairc er.jäbtte auS ibren intimen Q^efprä^en 
mit $^ilipp II. bie Königin bem fran^öiifc^en ©efonbten (®a(!^arb, 
bibl. nat. a Paris II 135) unb nod) im 3Jiärä 1564 auS 3)on (SorloS' 
^unbe: ce mariage la, qu'il montre dedaigner grandement. Lettres 
de Catherine de Medicis II (1SS5) 166. 



V 



»legten Sagen nic^t ido^I bcfanb, fo ücrmutl^et man, bafe' 
,i]^rc gange ^anff)eit aug jener ©eifte^aufregung entftanben fei/ 
2)a§ ift bie feltfame ©tätel^ertn, toeld^e fid^ faft fed^§ 
3al^re öor biefer S)emut]^igung in ben un^ angetienben SBor^ 
ten an ben franfen Saifer toenbet, bafe er ben ®n!el ju fic^ 
nad^ 2)ufte nel^me: ,06tt)oI|I e§ ein njenig Saft (trabajo) für* 
,@ure SRajeftSt fein tpürbe, fo tpdre eö bod^ für i^n eine' 
,Sebenörettung (dalle la vita) unb begj^alb ffelje id^ Sure' 
,9Raieftat an, ©ie tooUt ifjnt ju befet|Ien gerufen, fofort ba==' 
,l)in abjngel^en; benn (S. SKaj. fann nidE|t glauben, tote bief 
,baran liegt, bafe S. SKaj. unö SlHen biefe ®nabe ertoeife/ 
(£§ Iianbelt fid^ um nid^t mittl^eilbare, nur unter ber größten 
Stutorität ju f)eilenbe g^Ijler ober fdt)Iimme, auf ©ittenber^ 
berbniö toeifenbe Steigungen beö l^erantoad^fenben Änaben. 

SBa§ man au§ biefen Satiren au§ anberen SBerid^ten unb 
t)orneI|mIid^ auS ben mir fonft fo nal^e liegenben benetiani^ 
fd^en ^Relationen gefd^öpft l^at, ift burd^aug unbraud^bar. 3d£) 
glaube I|ier ein für aQe SRal bemerlen ju foHen, ba§ über- 
^aupt bie benetianifc^en ®efanbten niemals in ber Sage ge^ 
toefen finb, bie nur einem ganj Keinen Sretjie üertrauenS- 
toürbiger ^erfonen befannt geworbenen ©njel^eiten über 
be^ ^ßrinjen pl^^ftfd^e unb pf^dEiifd^e Snttt)idelung, tpie über 
feine Äataftropl^e autl^entifd^ f^n erfal^ren. 

®ie näd^ften autt)entifd^en SRad^rid^ten bon @rl)eblid^feit M 
batieren au§ bem Slnfange be§ Sat|re§ 1561. ©eitbem ftanb 
bie ©enbung bon SKajimilian^S 11. älteftem, erft ad^tjä^rigem 
©o^ne, be§ fpätern Slaiferg 9iuboIf IL, nad^ ©panien ate 



1) gür ha^ in biefem unb bem folgenben 2lbfaje ©efagte öcrtueifc 
i(f| auf ©il^elm aJiaurcnbred^cf S 1873 i)ubliciertc „Seiträge gut ®e= 
fd^ti^tc SÄQ^milianä II." in ber @^belf^en ^iftorifc^en Seitfd^rift 
XXXII 286 bis 292. 



138 2)on ©arloS' ®eifte8rl(]^tung. 

eöentueEcm bortigen S^^ronf olger fcft, ba ber Äönig fd^on 
bamaU auf bie ©ucceffiongfä^tgfeit feinet ©ot)neS, tote toic 
fogleid) autl)entfd^ erfahren toerben, ttid)t met)r ernftltdö ge=^ 
ted^nct ^at. 3m Sluguft 1561 erfolgte bie förmüd^e Stn=* 
labung feiner beiben älteren Steffen, SRuboIf unb Srnft, nac^ 
Spanien. SSon ©eiten il^reg @ro§t)aterg, beS Äaiferö g^r== 
binanb L, unb ii)rer ©ttern fal| man S)on ßarloS' guftanb 
nod^ für fo toenig bebenflid^ an, bafe feine SSermä^Iung mit 
ber @rät)eräogin Slnna toieber^olt angeregt hjurbe. ®a§ 
SBed^felfieber, an toelc^em ber nun ©ed^jefinjä^rige fo lange 
3eit notorifd^ litt, l^atte boci^ aud^ feinen ®ro|t)ater unb 
SSater oft genug I)eimgefud&t; atö 3l6let)nung§grunb ber Sßer* 
lobung lonnte eg auf bie Sauer nid^t gelten. 3m SRärs 
1562 eröffnete enblid^ auf neue§ Slnbringen beS SBiencr 
§ofe^ ber ^erjog t)on Sllba münblid^ in be^ Königs 9lamen 
bem laiferlid^en SBotfd^after SKartin bön (Sujman in ungtoei^ 
beutigen SBorten, toaä er üorl^er auf löniglid^en Sefe^t in 
einer SRote ^) angebeutet I)at. 

©^on in biefer toar bemerft, ba§ ©ujman felbft bie 
mangelfiafte gnttoidCelung beg Iranfen ^rinjen gefeljen l^abe 
unb fenne: eben fie t)eri)inbere ben Sönig, bie SBerlobung 
ju öoüäie^en, toeld^e, ,toie ®ott toiffe, bie ©ad^e fei, toeld^e' 
,er im Seben am meiften erfel^ne.* 3efet liefe er unter Sei^ 
jie^ung unb ettoaö toeniger empliatifd^er SBieberlioIung biefer 
9Serfid£)erung bem Vertrauten SSertoanbtentreife goIgenbeS er* 



1) 6. 9Jiärj 1562. Documentos in^ditos para la historia de 
Espana XX.VI 498 f., tt)o bie burc^ lang anbaucmbeS Unwol^Ifcin (in- 
disposicion) eingetretene grogc ©d^wäd^e (flaqueza) alS aSetl^inberungS- 
grunb für feine ^erfteHung unb feinem ^Iter entfi)recf|enbc crfennbore 
männliche ©nttoidelung (mostrar los otros efectos que se requerian 
ä SU edad) angegeben mirb. 



^^^fifd^e @(f|hJä^e beS ^rinjen. 139 

öffnen. ,®er ©efunb^ettSmangel be§ grinsen t)cr6unben mit* 
,ben in ©einer §o^eit 5ßerfon gelegenen (SRdngeln) ebenfo' 
,tt)0]^I in Urtfieil unb SBefen^) toie in SBerffänbni^, toeld^eä' 
,tt)eit t)inter bent änrüdbleibt, tüa^ t)on feinem Sllter verlangt' 
jtüirb, bereiten ©einer SJJajeftät grofee SSerlegenl^eit. ®er* 
,Slönig l^abe, nad£)bem er baS Sßertranen in bie Sefä^ignng' 
,feine§ ©ol^ne^ Verloren, bie §iel)erfenbung feiner Steffen* 
,t)orgef^Iagen'2). (£g njirb t|iemit ber befinitiöe Sntfd^Infe 
t)om Sluguft be^ borigen 3ai)reg er!(ärt. S)ie Slnfunft feiner 
Steffen, fo lantet 9lI6a'ö Slnftrag tüeiter, »Verlange ber Äönig* 
,in ßärtlid^feit unb fef|e \>oä) bie ©tunbe nid)t, ba er fie* 
,erbIidEen njerbe* ^). Stnmerfjtn gibt ber Äönig bie Hoffnung 
auf SBefferung be^ ®efunbf)eitgäuftanbe§ be§ grinsen nid^t 
ganj auf ^); big ju biefer 3^^ ^^^i^t er, fönnen jebod^ atte 
fonft ätt)ifc^en i^m unb bem SSiener §ofe fd^tDebenben gra* 
gen abgefd)Ioffen unb georbnet* toerben. 2)em t)ier über 
S)ün (Sarloä ©efagten gibt ber SBotftfiafter nod^ ba§ ß^^Ö^^^f 
ba§ eg ,in SBirflic^Ieit ber SBal^r^eit entfpred)e' unb bafe ber 
^rinj, tt)enn feine ©efunbl^^it fid^ nid^t beffere ,aud^ nid^t* 
,in jtpei ober brei Salären fo fein tt)erbe, toic fid) gel^öre, um' 
,t)erf)eirat]^et ju fein'. 

9lm 19. Sanuar 1563 berid^tet bereits ber öenetianifd^e 



1) ^tc Differenzen meiner Sluffoffung ber entfd^eibenben ©teilen 
in ber öon aJlaurenbred^er (bgl. an^ beffen SBortrag ©. 19 f.) ent= 
bedten Urlunbe mögen nac^ ©ad^= unb ©^)rac^funbe biefer ^di tx- 
toogen tDerben. 

2) y que: despues desconfiado de su hijo avia propuesto la 
embiada de sus sobrinos aca. 

3) cuya Uegada desseava tiemamente y no via la ora de verlos. 
%o6) bürfte no via für ein beg ^önigS ©el^nfud^t auSbrücfcnbeä SSort 
toerf(^rieben ober irrig ge^rt fein. 

4) . . . en este medio se verra sy . . el Principe va mejorando 
en salud mejora. 



140 ^on (Saviog' ©ctfteSrid^tung. 

©efanbte ^), ®on eotloö fei ,fleinften SBud)fe§, t)on fififelt^er* 
,unb unangenehmer (grfd^etnung , meland^oltfdier Slnlage/ 
,tn golge beren er an bte bret Satire ununterbrod^en an 
,Duartanfie6er, manchmal mit ©eifte^öertpirrung gelitten ^aV 



Beredittgte (Km|)finbli(l)keit* 

aSie fet)r bie bon 2lI6a bem laiferlid^en ©efanbten mit^ 
get^eilten SBorte beö Slönigö ben ®mt)finbungen beffelBen ent* 
f^jrad^en, jeigte fic^, aU am 17. SJJärä 1564 bie beiben faifer:^ 
lid^en ^ringen, unter be§ J^reil^errn Slbam Don ®ietrid)ftein 
gett)iffen^after 3^^^^^ ^^ Söarcelona lanbeten. 5ß^ilipp IL 
liefe ben nun elfjdl^rigen Srjl^erjog SRuboIf trü| be§ t)ün bem 
3ufammenf)ange tt)ot)I nic^t ganj uuterrid|teten §ofmeifter§ 
unb Söotfd^afterg ©inrebe ju feiner SRed^ten in bie ©tabt ein^^ 
reiten: tüie e§ fd^eint, um ben ©^janiern itiren eöentuett 
fünftigen Äönig ju jeigen. ,S3Jie Sebermann fagt, f)at man 
,ben Sönig lange nic^t fo frö^Iid^ gefel)en*; ber SSater fetbft 
I)ätte feine ©öljne ,nid^t mit meljr Siebe em^jfangen fönnen*. 
®ann erful^r ber getreue Slbgefanbte au§ beg Sönigg Um^ 
gebung, bafe er mit ,grofeem groIjIodEen' bie 9?ad^rid^t üon 
ber Stnlunft feiner Steffen empfangen ^abe unb au§ feinem 
S5enef)men fid) ergebe, ba§ SBeseigen fei nid^t fingiert -). 2lu§^ 
brüdElid^ erflärte er nod6 im gebruar 1566 bem laiferlid^en 
®efanbten, toieberum burd^ ben 9Kunb be^ §erjog§ 'oon 
W)a, afö bie Königin .^offnung auf 9?ad^!ommenfd^aft gab, 
Srj^eräog SRuboIf fei oI)ne biefe^ ju ertt)artenbe ©reignig 



1) SlBbrud ber ©epejc^e bei ©ad^arb, S)on (5arIo§ I 154. 

2) Äo^ I 117 f. 



S3ereci)tigte @mpfinbli(]^!ett. 141 

,fein Srbe' c(ctt)efen ^ SJJan ftel|t, tüte nad^ fünf Sauren feine 
Übetäeugungen t)on S)on ßarlo^' Unfä^igleit für bte 9iegie* 
rung \xä) nur befeftigt l^atten. 

©0 ganj I)aben nun freilid) bie beiben ^rinjen bte aUer^^ 
bingg ^oc]ögeft)annten ©rtoartungen be^ ÄönigS nid^t erfüüt 
unb bei aller greunblid^feit unb gürforge ift fein S5enel)men 
gegen fie bod^ aHmä^Iid^ fül)t getoorben. ®ie eigentl^öm^ 
litfie ^Bereinigung fierborragenber ©genfd^aften befofeen fie 
eben nid^t, toeldtie fpäter it)ren jungem ©ruber, ©rj^erjog 
Sllbred^t, be§ Sönigg toie feiner SieblinggtodE)ter Sfcibella unb 
bann ber t)on Reiben bef)errfd^ten SSelgier t)oEe ßiiiteigung 
getDinnen liefen: SJfutf) mit ©efügigfeit, grömmig!eit mit 
l^eiterem ©inne, 3^^^9^fö^t ^it Srieg^Iuft 2). 

3^ur äu fet)r lüurbe ber !ränllid§e f^janifd^e Srontjrinä 
fic^ feiner ^jti^fifd^en ©d^tt)äd^e bett)ufet unb aller folgen, 
meldte biefelbe für hk feinem Sßater nunmefjr afö nötl)ig er== 
f d^einenbe S8eauffitf)tigung unb argtr)ö£)nifdE)e SBebienung^), tt)ie 
überl^aupt für feine Stellung unb ßulunft im ©efolge I)atte. 
©d^on in SSalencia, tt)ot)in ©ietrid^ftein mit bem ft)anifdt)en 
§ofe im ST^jril 1564 fam, unb nodt) et)e er it)n gefet)en I)atte, 
gab er feinem §erm eine ß^f^^^^^Wf^^^Ö ^^^ Urti)eile, 
njeld^e er über ben Äronprinjen üernafim. ®a S)on 6arIo§ 



1) „obgle^ ml ^er^og tobolp^ on ha^ fein ©rb." Äoc^ I 154. 

2) Über bie langjamen gortfd^ritte in htn (Stubien beiber ^rinäen, 
namentlich beS ^rgl^eräogS SRubolf flagt 2)ietrid^ftein'§ Serid^t öom 
30. Dctober 1564 tod^ I 134. Slm 31. SJiärs 1566 (Äoci^ 1 159) äufeert 
er ftd^ freili^ günftig über beä (Srjl^erjog ©mft „furtreflit^ gueten in* 
genium" unb bag er glaube, berfelbe „werbe ain ^od^öerftenbiger 
tapferer fjürft »erben." 

3) „was in ber Sußent mit ime berfaumbt geweft, ]§at man l^lerj 

motten remebieren atte 2)iener, bie er gel^abt, ime attc miber 

einen, ^Bitten äuegeben." 3uni 1564. Äod^ 1 127. 



142 ®on ©arloS' ®eifte§n(^tung. 

,fiel^t, bafe fein SSatcr feiner fo gar nid)t adjtet unb er fo' 
,gar nid^tö üermag, fo fei er I|aI6 berätueifelt' ^). 



^Uma|)litl)e ?lierkrfi|3|ielttttg» 

STOan t|o6 ©ietrid^ftein gegenüber, Balb naä) beffen San^^ 
bung, iieröor, eine tüie ungönftige SSeränberung feit feiner 
Sinbtieit mit bem Äronprinjen tiorgegangen fei 2). 3lfö er 
bann benfelben gefprod^en f)atte, lonnte er ,il|n S^ten* 
;3Jiajeftäten nid)t biel anberg bef direiben , atö er gnöor* 
,get]^an'^). @r fanb it|n bon mittelgroßem Äopfe, nid^t be== 
fonberS I)ol^er ©tirn, ftetö offnem SRunbe, mit einer ein- 
gebogenen Sruft. 6ben bieg ße^tere Ratten toir atö ba§ 
3eugnig feiner rad)itifd^en Störperanlage fd^on frütjer ju be^ 
merfen. @g folgen in ©ietrid^ftein'g SBerid^te nod^ bie für 
beg ^ßrinjen 9?atur im Suni 1564 fo überanS toid^tigen 
toeiteren SIngaben. (Sr fd^ilbcrt beö ^ßrinjen Körper aU 
leibenb an einer erl|öl)ten ©d^nlter, einem ^ödEer in ber 
SKitte beg 9iüdten§, einem auffattenb fürjern red)ten gufee, 
bie ganje redE)te ©eite gebrandEi^unfäl^iger al^ bie Knie — 
bieä aöem Slnfd^eine nad^ erft in golge be§ fogleid^ ju er^ 
toäI)nenben ©turje^ i:)on Sllcala — , mit Slnfangö fd^ioer* 
fälliger, bod^ »giemli^ üerftänblid^er* Slebetoeife, ,gar Heiner' 
,unb fubtiler ©timme*. 9^od§ einmal fprid)t er i)on biefer 



1) ©eine ©nti^altfamfcit in fejueller Söej^ie^ung »urbc bon SBielcn 
l^iemit in SSerbinbung gebrati^t. 22. Slpril 1564. Äorfi I 122. 

2) . . „fo fei er au(^, tt)te er Ü^Ilner, nit dfo getoeft." Sl. a. O. 

3) S)o§ golgenbe nadft ber bon mir ft^on tnel^rfad^ benu^tcn 3)e= 
pcfd^e bom 19. 3[wm 1564; nur wegen beS SUlunbeS bie bom 4. 3uli. 
^oc^ I 127 f., 130; bie bann erwäl^nten S)inge: (5. 132 mb 134. 



«amä^Ild^e SBerlriH)peIung. 143 

mit einer mebicinifci^ freilid^ unbegrünbeten ©d^Iu^folgerung 
bei Smä^nung feiner nad^ ®ietrid^[tein'§ SWeinung ju einer 
folcfien nii^t bered^tigenben , mangeinben fejneßen S5e^ 
äiet)ungen *). Slu^fül^rlid^ unb nid)t ganj biHigenb fommt 
er in jtüei folgenben ©epejd^en bom 11. Suli unb 24. ^iobember 
ouf biefen bebenllid^en (Segenftanb jurfid 3n auSfü^rlid^er 
Unterrebung I)at il)n be§ ^ßrinjen Seibarät beruf)igt. (£r 
referiert bod) gtoeifelnb, tpenn aud^ unter SKittl^eilung bon 
Äußerungen, tüdä)t bei 2)on ßarloö einen feufd^en ©inn 
boraugfe^en ließen; aber audE) bon einer üblen (£rfa!£)rung, 
bie er gemad^t t)abe, ift babei bie Siebe. 

2)er ?ßrinä ^atte, tüie bemerft, in Sllcala be §enareg im 
grü^Iing 1562 fid) toieber einigermaßen erI|oIt. (Sr toar 
ganj erfdjöpft, ja bem 2;obe naf)t bal)in gelommen. Söeinal^e 
brei 3al)re lang ^atte er faft ununterbrod^en am SSed^fet 
fieber gelitten. 

SSir muffen feinen ^rjten banfen, baß fie bie 2;age ber 
eingetretenen gieberfreil^eit jäfjtten. 2lm funfäigften^) biefer 
3'age, greitag am 19. Slpril 1562 erlitt ber ^rinj eine 
fd^tt)ere Äört)erbertefeung. ©leidö nad^ S^ifd^e, um I)alb ein 



1) S)ie öon ®ad»arb (I 149 ff.) unbefel^en au(^ überfe^ten SBorte 
^ietrld^ftein^S bei Äo* I 128 in jener S)et)ef(3^e bom 29. 3uni 1564, 
tt)eld^e im Original 26 Ouartfeiten füllt, ftnb gevabe l^ier befonberS 
fe^letl^oft. ®ie lauten in SSirflidfifeit: „©o öiH ba« ^uelen betrifft, 
l^ot er biSl^er nod^ fein $rob getan, unb iS Äl^ainer, ber ha f!§unt in 
©runbt, quod impotens sit, aliquid affirmare. Si mihi indicium esset 
faciendum, tox (nic^t nox mit ko6)^^ unb ®a(]^arb'S ©d^lugfolgerungen 
unb Überfe^ungen) tantum mihi aliquam suspicionem praeberet. 
S)ietri(^ftein liefe bantalS bie beiben ©r^l^erjoge S^erenj lefen (f od^ I 
129) unb beult an beffen ^beH)^i IV 4 (SSerg 617 gledeifen): id anus 
mihi mdicium fecit. 

2) ^ad) bem aud^ für bie Slrt be§ gfalleS aut^entifd^en äratlid^en 
©erld^tc (coleccion de documentos ineditos XV 554, beffer XVIII 
538): cincuenta dias justos, que le faltaba la cuartana. 



144 3)on ©arloS' ©eiftcSrici^tung. 

Ut)r, eilte er in ben ©arten ju einem ©teHbic^ein mit einer 
3;od^ter beS 5ßortier§. ®a ftürjte er auf ber fünftle^ten 
©tufe einer [teilen unb fdiabl^öften ^iebentrep^je. 3n feinem 
SBIute befinnunggloS liegenb iDurbe er batb gefunben. Sr I)atte 
fid^ jene gefdl^rlid^e, früher (®. 118 flgbe) ertt)al)nte 3Bunbe ju^ 
gejogen. ©ie befanb fid^ an ber Unten ©eite be§ §interl^aupte§ 
unb reid^te bi§auf bie 85einl|aut. 9?ad^ einer 3ctc£|nung in ber 
näd^ften franjöfifd^en ®efanbtfd^aftSbe))efcf)e ,]^atte bie SBunbe* 
,bie gorm eineg ®reied§, beffen ©d^enfel ettra fünf 6enti=^* 
,meter Sänge betrugen*.^) SBir ^aben beS ^ßrinjen ^erfteUung 
unb ber Pflege gebadet, njeld^e er aud^ t)on ©eiten feinet tief 
belümmerten SBaterS unb ?llba'^ fanb, fotpie beS d^irurgifd^en 
©ingriffeS burd^ Xretjanation nad^ SSefaliug' Slngabe. liefen 
l^atte ber Äönig felbft in näd^ttidtier ga^rt in feinem SBagen 
nad^ Sllcala gebrad^t^). ©ben biefer grofee gorfd^er f)at toälirenb 
ber 9iecont)aIe§cenä be§ ^rinjen benfelben bur^ Slnratl^en 
eine§ eiterentleerenben Sinfd^nitteg über bem Singe aud^ öon 
einer mit ftarlem gieber berbunbenen Slugenentjünbung be* 
freit. SBie fet)r t)on bem Äron^jrinäen unb feiner Umgebung 
bie ^erfteHung burd^ bie S8erüJ)rung ber ©ebeine be§ gran^ 
cigfanerg gra^ ®iego erllärt tt)urbe, ift ebenfalls, frül^er 



1) ©ad^arb, S)on (JarloS 77. S)ie d^irurgifc^e ©rfläruttg öerbanfc 
i(^ ber freutibfd^aftlici^cn SKitt^eilung meines öerel^rten (Sollegen; $erm 
^ofrat^cS ?5rofeffor3 Dr. Xl^eobor SBiarotl^. 

2] . . . moy estant en la chambre de Sa Majeste et le duc 
d'Alve aussi eile se resolut de partir la nuict, ce qu'elle feit en 
poste dedans wag coche, menant avec soy le dict duc et (le?) prince 
d'Evoly seuls et le docteur Vesalius. ®e^)efti^e beS SBotfc^afterS be 
rSlubeäpine 10. Wai 1562. ©ad^arb, S)on ©arlo» II 634. 3)cr eng* 
lifc^e ©efanbte ß^aloner toerl^öl^nt gra^ 2)tego^§ §tlfe, weig aber aud^ 
ni(]^t öon ber burd^ SBefalinS gebotenen: I believe that God's mi- 
nister Nature hath in despite of the surgeons .... doone more for 
the prince than they wäre of. ©ad^orb II 640. 



^ciratl^^gebanlcn. 145 

erörtert toorben. ^f^diifd^ unb pfi^fifd^ erfd^ten er nad^ 
feiner ®enefung unöeränbert, tüenn man au§ bem SKangel 
jeber Slufjetd^nnng über eingetretene SScrcinberungen fd^Iiefeen 
barf. S)ie oben ertoäl^nte l^albe Sätimnng feiner redeten 
Äörper^Ifte burdEj bte SSerle^ung ber Knien ©d^äbelfeite 
mag erft aHmä^Iid^ bemerlt ttjorben fein. 

3lber bei aEer toieber ertuad^ten Siebe beö löniglid^en 
SBaterö l^aben ttjir bie Slnfid^ten beffelben über bie Unfät)ig* 
feit feinet gleid^fam ^nb gebliebenen unb t)erfrüpt)elten 
@oI)ne§ jur Siegierung^nad^folge toie jur SSermä^Iung feit 
bem ?lnfange be§ bem Unfatte bon Sticala borangegangenen 
3al|re§ 1561 feftftetienb gefunben. 



3|eiratl)0gebanken. 

(£8 tft ja menfd^Iid^ ganj begreif lid^, toenn ber ^önig, 
tro^ feiner Überjeugung Don ber ©d^toad^finnigfett be§ Äron^ 
prinjen, burdfi fieben lange Scil^re immer öon Jieuem |)off^ 
nung liegte, bafe bod^ nod^ irgenb eine Söefferung an Seib 
unb ©eele feineS einzigen ©otjueg eintreten lönne. ©d^toer 
genug I)atte fid^ bem Sßater im STugufi 1561 ba§ furd^tbare 
unb befd^ämenbe ®eftänbni§ bon feiner iraurigen ftberäeugung 
in tiefftem ©e^eimniffe für bie Äunbe ber aUernäc^ften SSer^ 
toanbten entrungen. 

®ar fdEjarffinnig unb argtt)öl)nifd^ , toie bag l^erange^ 
tt)a(i)fene Äönig^finb tüar, jeigte e§ na^ feiner §erftellung 
eine Slrt f^ftematifd^er Setriebfamleit, ju einer ftanbeggemäfeen 
®^e unb mit berfelben ju einer möglid^ft unabijängigen 
©tettung als Sanbegt)err, toomöglid^ in ben Slieberlanben, ju 
gelangen. 

2tl§ erfte gru^t biefer feiner SBemüI)ungen unb »einigen* 

Sübinger, S)on (larlor $aft unb Xob. 10 



146 2)ott darlog' ©ciftcSrid^tung. 

,^rü^cg gegen feinen SSater unb beffen S5efei|te' ntod^te e§ 
S)on ßarlog betrad|ten, ba§ bie burd^ feine gefä^rlid^e Ärant 
^eit tpieber mäd^tig erregte öäterlid^e Siebe be§ SönigS il|m, 
toenn aud§ erft naä) jtpei Satiren, einen ©i§ im löniglid^en 
©taatörat^e gen)äf)rte. 3lm 16. Suni 1564 erfd^ien er äum 
erften 2RaIe in bemfelBen unb empfieng t)on ba an reget 
mäßige Söerid^te t)on allen ©taatöangelegenl)eiten 2). 

©leid^jeitig — bie Srnennungen batieren bom 14. 9Kai 
1564 — ertjielt er feinen eigenen §offtaat ^), ganj ber großen 
©teEung be§ Srben eineg SBeltreid^eS entjpred^enb. 2)en 
äußeren 3lnla§ ^ieju fd^eint ber ßönig in bem ju beginne 
biefeS So^reg eingetretenen Slbleben beg tabellofen, toenn 
aud) etttwg äornmütl^igen §ofmeifter8 ®on Oarcia be S^olebo 
ergriffen ju l^aben, toeld^er bes 5ßrinjen ©rgieliung unb 
^augfjalt feit beffen Änabenjal^ren geleitet l^atte. S)a toax 
eg nun freilic!^ junäd^ft gang unb gar nid^t nad^ 2)on 6ar= 
M' ©inne, bafe ber gürft bon ®boIi, 3iut| ©omes be ©ttoa, 
bem neuen §offtaate borgcfe^t tourbe unb big ju beg ^rin^^ 
äen Sobe borgefe^t blieb. Slltabeliger ^ortugiefe t)on ®t- 
burt toar er atö Sinb mit feiner SKutter im ®ef olge öon 
tarrg V. ©ema^Iitt nad^ ©panien gelommen, ate faiferlt^er 
5ßage mit W^ipp H. aufgetoad^fen, in beffen üoHer ®unft 
er big ju feinem Slbleben berblieb. ^reilid^ i)aben totr fd)on 
früher (@. 38) gefefien, bafe feine ©ef^meibiglett toeit genug 
gieng, um unerlaubte SBejiefjungen beg Äönigg ju feiner 



1) — lequel commence k se monstrer asses rebours ä luy et k 
ce qu'il luy ordonne. @aint ©utpice an Äatl^artna SUlebicig 12. Suni 
1564. Gachard, bibl. nat. k Paris II 172. 

2) ,,SReIaäion öon ^aem, mag gel^anbelt tüicrbt". S)letriÄftein bei 
Äod^ I 128 f. 

3) gut bog äunä(]^ft golgenbc bcaie^c tdft mid^ ouf ©ac^arb, S)ott 
a;arlo8 I 155-160. 



i 



®attin mä)t ju bemerfcn. 6§ tft boc!^ nur ein neueä 
ßeifien fetner ©etoatibt^eit, ba§ er ju ß^it^"^ ^i^ ^ ©om* 
mer 1566, unb boöenbS im Saufe ber'^aft unb XobeS^ 
Iranf^eit, tuie man aud^ au§ ben le^totüigen SSerfügungen 
fielet, ®on ©arloä' ß^^^^Ö^^fl getoann. 

Über beä Äönigö 2l6fid^t bei biefer ©rnennung [inb tt)ir 
burd^ eine bertraufid^e SKittl^eilung beffelben an feine ®t^ 
ma^Iin unb burc^ biefe, ttjie fo oft, an ben franjöfifd^en 
SBotfd^after auö bem SWärj 1565 unterrid^tet Sr Iet)nte 
beren, üon franjöfifdiem Sntereffe befol^Icnen SBunfd^ ab, 
ba§ Sboli fie jur ßufammenlunft mit il^rer SKutter ju 
SBa^onne begleiten möge. ^]^ilit>P II. erflärte, tt)äf)renb ber 
SReife feiner ©emal^Iin foHe ber ^rinj eine SSattfai)rt nad^ 
©uabalupe untemel^men; nur "Stuf) ©omej toolle er il^n ba== 
bei anvertrauen ; ,tt)enn biefer nid^t immer ganj nalje bei' 
,il)m ift, fo finbet man ii)n bei ber SRüdtfunft nid^t melir, too* 
,man if)m beim SBegge^en gelaffen ^aV^) ©0 unberblümt 
äußerte ber Äönig fein SKifetrauen in bie S5ered^enbar!eit ber 
6ntf c^Iüff e feines @of)neg, ben er übrigen^ mit beränbertem 
(Sntfc^Iuffe aud^ ni^t nad^ ©uabalupe toaüfaliren liefe. 

9lod^ anbere ®efidE|tgpunIte machte jebod^ 9iu^ ®omej felbft 
bem franjöfifd^en (Sefanbten gegenüber SlnfangSDftober 1564 
geltenb. ©r l^abe fein neueS 5lmt bei bem 5ßrinjen bem SSers« 
trauen be8 ÄönigS ju banfen, er foHe bei bemfelben big ju 
feiner SScrlieiratl^ung bleiben; ,benn bann toerbe feine grau' 



1) Söei TOfoffuncj fcincS S)on Sarloä l^attc für $]§ia<)p'8 unb ffiut^ 
(Sporne}' fo toic^tige llugerungen (^adjavh nur ungenügenbe @tü(fe aud 
bc8 Sotfc^afterS @t (Sulplcc S)e^3efd^cn jur SSerfügung. 3)ic bolleren 
«uSjüge gab er felbft 1877 in 'bibHoth^que nationale ä Paris IL' 
3unä4ft seigte fic^, bag $l^tli))p n. ju (Slifabetl^ unb nid§t |u bem 
^efanbten fprac^: La reine a parl^ ä son mari. Le roi lui r^ponda etc. 
p. 183. 

10* 



148 ^on a:arIoS^ ©elfteSrid^tung. 

,bie ©orge für il^n üBernel^men. 3Benn jebod^, um bie Seute' 
,in glanbern aufrieben ju fteHen, fein SSater, ber Äönig, i^n' 
,bal)in fd^idEe unb fclbft in Spanien bleibe, fo toerbe er' 
(SRuti ®omeä), if)n begleiten, um fein §aug ju beauffid^tigen;* 
,bie SReife toerbc aber nid^t lange Qdt bauern ^).* SKan toirb 
annel^men bürfen, ba§ — natürlid^ mit SBeglaffung ber legten 
SBorte üon ber ffiürje ber JReife — ber getüanbte ^öfting 
biefelbe 9Kitti|eiIung bem $ßrinjen ju S^l^eil toerben liefe, 
toeld^er fte in biefem ^aUe aU ba§ erfel^nte 3^^! f^^^^^ 
SBünfd^e mit finblid^er greube unb ©anfbarfeit begrufet 
tiaben bfirfte. 

Slttein bie Sufeerung be§ ®önftting§ unb jtoar 3lnfang§ 
Dftober 1564 über bie @I)e erregt ein tüeitereS SBebenfen, 
faQö ber feine§tt)eg§ ganj genaue 93otfdC)after fie rid£|tig toieber^ 
gibt. 2)amate tt)ar, tt)ie tüir faf)en, (©. 136) bie @l^e mit be§ 
Äronprinjen 2;ante, ber Snfantin^^SBittüe Sofianna, fd^on feit 
einem SSierteljatire befinitiü aufgegeben, bie mit ber erft am 
1. 9iot)ember 1564 fünfäcj^njäfirigen ©räl^erjogin SInna in 
ernftlid^e SSerI)anbIung genommen. 8Son biefer aber lonnte 
bodE) nic^t tool^I gefagt ttjerben, bafe fie bie (Jö^f^^^Ö^ i^ ö^^^^ 
net)men f)abe, toelc^c 9iu^ ©omej nad^ feiner eigenen ^ax^ 
ftellung aufgetragen toar. S)afe ba§ efieproject mit ber Staute 
aufgegeben toar, ^atte ©t. ©ulpice freilidE) erft am 31. Suli 
gemelbet, bie SBebeutung biefeS ^rojecteS aber am 12. 3uni 
1564 mit aQem SRadE)brude ]^ert)orgeI)oben: ,ganä ©panien 
,tDünfd^t e§ »egen ber äiemlid^ imbecillen ©igenfd^aften be§' 



1) . . . car lors sa femme prendroit le soing de luy et si ce- 
pendant, pour contenter ceulx de Flandres, le roy son pere le leur 
envoyoit et luy demeurast en Hespaigne, qu*il Taccompagneroit 
pour prendre garde ä sa maison; mais le voyage ne seroit pour 
beaucoup de temps. p. 177. 



W J 



^eiratl^Sgebanlen. 149 

,5ßrinjCTt, toeldie burd^ bie aSoIIfoTninenI)citcn, bic in tt)t finb/ 
,]^öd^Ud^ geftü^t uitt) geförbcrt ttjerben lönnen/ ^) @o Bleiben 
beg ©ünftlingS SBorte unb beS Sotf^aftexS SBericf|t ßtoeifeln 
untertoorfen. 

Slber ntod^te ber 3^^^^^^ ^^^^^ ®t)ebunbe§ unb einer 
flanbrifd^en SReife bem aufgeregten Äronprinjen öon feinem 
neuen Dberftl^ofmeifter gefd^ilbert tüorben fein ober nid^t, eine 
.^anbgreiflidöe S^atfad^e toax bie Slntüefenfieit ber (Srjtieräoge 
unb mit itinen be§ ebentueCen fpanifd^en S^ronfolger^ auf 
fpanif d^em SBoben feit bem 2Rär j bief e^ SalireS. ,5BieI me{)r ate 
gegen feinen ©oI)n geigte* ber Äönig fid^ gegen fie gütig, 
leitete fie auf ber Sagb an, bi§ Seber bon Seiben einen 
§irfd^ gefd)offen l^atte. S)on SarloS geigte it)nen, ,obtoo]^I er 
äur ©iferfud^t ®runb gel^abt i)ätte, grofee ßiebe'. S)er laifer*^ 
lid^e SBotfrfiafter fügt Iiinju: ,id£) glaube: SlHeS ber ©d^toefter' 
,f)alber.' 2) 

Sn ber Sl^at l^atte er ^) nad^ feiner Äranf t)eit unter fteter, 
ob aud^ t)öflid&er Slblel^nung ber mel)rertt)ät)nten franjöfifd^en 
^ßringeffin 3Rargarett)a nad§ bem 3tatt)e feineS SBeid^tüaterS 
unb beg 9?untiu§ einige Qdt Siebi^aberei für eine SSerbinbung 
mit ÜRaria ©tuart geäußert, toeld^e ilirerfeitg nod§ 1564 ben^^ 
felben SBunfd£| t)egte *). ®on ©arloä äußerte babei auc^ Sn*= 



1) Gachard, bibl. nationale k Paris II 172. 

2) Ä'o^ I 148. 3)e^)ef(]^e bom 18. Sluguft 1565. 

3) ©ac^otb tft im ad^ten Äo^jitel feiner SBiogro^jl^ie 173 flgbc 
tiefen ^l^etirojeften mit grogem %Uiit nad^gegangen, l§atte aber ben 
öon aJiaurenbred^er f(^on in ber §iftorif^en geitfciftrift XI mitgetl^ellten, 
bann im „SSorttag" (1876) 17 unb 42 ttjieberl^olten S3efd^Iu6 be§ fpa* 
nif(^en ©taatärat^eS öom 18. Sf^oöember 1563 gegen bic fd^ottifd^e @]§e 
überfeinen. 

4) Lettres de Catherine de Medicis II (1885) 106 unb 185. 3d& 
bemerfc, baß bic an ber erfteren ©teile citiertc ^t^t\ä)t @t. ©ulpice'8 
öermut^lid^ bem Oftober 1563 angel^ort. 



150 S)on darloS' ®ctfte«rid^tung. 

tcreffe tocgen bicfer Äöntgtn Slnfprüd^c auf Snglanb. S)cr 
f<)amfci^c Staatsrat]^ faßte aber ,Tntt JRüdfid^t auf bte Sc*' 
,fd)affen]^cit (disposicion) beg 5ßrittäcn unb ttjcil ©eine SRa-' 
jeftdt bte flctDünfd^tcn religtöfen unb })oItttf(i|en Sßortl^etlc nid^f 
,au8 btefer SScrbinbung jtel^en fönne* im §crbftc 1563 einen 
entfd)ieben ablelinenben Sefd^luß. ©toa gleid^jeittg, öieQeid^t 
aud^ ettoaS fpäter fal) ber Äronl^rinä ein Söilb ber Srätierjogin 
%nm unb erllärte fi^ befinitib für biefe. ©o biete Sld^tung 
unb fd^idttid^e ©d^eu er t)or ber eblen SBeiblid^Ieit ber il^m faft 
gleid^alterigen unb immer gegen if)n gütigen, um nid^t ju 
fagen mitleibbollen Königin empfanb unb äußerte, fo l^at er 
bodEi aud^ il^r gegenüber feine lebfiafte Steigung für bie 6rj* 
fierjogin unb I)iemit boHenbS bie 2lble(|nung il)rer ©c^toefter 
SWargaretlia fortan bei jebem Slnlaffe offen belannt. 

Srtoünfd^t an fid^ unb ber Sbentualtoeifung ÄarPö V. 
entfpre^enb n)ar bieSSerbinbung; auS ben frülier erörterten 
®rünben jögerte bod^ ber Slönig, fid^ unb feine Sffiiener SSers^ 
toanbten burd^ eine minbeftenö jur Qdt unmöglid^e, ja Ifi^er* 
lid^e SSerlobung mit einem fold^en SBefen, toie fein ©ol^n toar, 
bloßjufteHen. 

9?un geriett) aber S)on ßarlog, ba er ben ®runb ber 
gögerung erlannte, auf bie anftößigften 3lu8fünfte. ERit 
feiner Slnbeutung toirb, fo biel id^ fel)e, bor bem @nbe beg 
Saures 1563 t)on Unge^örigfeit beg ^ßrinjen gegen grauen 
berid^tet; toir fallen bielme^r, toie er alle Sluöfd^reitungen 
mieb; felbft baö beabfid)ägte ©teHbidiein mit ber ?ßförtner* 
to^ter in 8llcala mac^t babon laum eine Slu^natime. SS 
toirb aber f^on rid^tig fein, toaS SSrantöme erjäl^It, tt)elc^er 
fi^ im ^erbfte 1564 in 3Jiabrib auff)ielt i). S)on ©arloS t|ielt, 



1) A la reine. Madrid 9. Novembre 1564. II (St. Sulpice) pro- 



^eiratl^Sgebanfen. 151 

öon einer Slnjat)! junger ^erren be8 l^ol^en Slbete begleitet, 
nid)t nur bei ben fd^on bamafö tt)ie I)eute bem Ältma gemäß 
in ber guten ©efellfd^aft übltd^ getoefenen ndd^tlid^en ©pajier^ 
gangen, fonbem aud^ bei Xage l^übfdie grauen, felbft S)amen 
l^oljen Siangeg, auf ber ©trafee an unb infultierte fte mit 
SSorten unb Umarmungen. 3Wit einer ju aÜen 3^^^^^ ^^ 
einem I|od)gebiIbeten SBoIfe unter ntc^t fd^toa^finnigen SDien^^ 
fd^en faum begreiflid^en Unbefangenl^eit trug er bann bem 
JBotjd^after auf, er foHe inöge^eim bem Äaifer mdben, baß 
er feine Sefä^igung jur (S^e mit ber (£rjt)eräogin erh)iefen 
l^abe^. Sarbier unb |[rjte tourben bann aud^ reid^lid^ bt- 
lo^nt. 3Rit ober oljne SRed^t tuurbe beg ÄönigS JSiUigung 
beg gangen, in toefteurojjäif^er gürftengefd^id^te giemlid^ 
fingulären SSerfal^renö bon bem 5ßrinjen, toie eä fdEieint, 
aud^ am ^ofe berbreitet, ja fd^mS^Iid^eS ©tabtgefprdd^. Stuf 
biefem bebenllidien 3Bege gieng aber ber feltfame 5ßatient 
tpetter: big lurj bor feiner SSerI)aftung tourbe er 9?adf)tg 
»oJ^Ibetoaffnet in ben berrufenften Käufern bon SKabrib 



fite du passage par Madrid du seigneur de Bordeille (^nmer!.: 
Brantöme), revenant du Portugal, pour lui annoncer 2C. Gachard, 
bibl. nat. ä Paris II 179, öon bemfelbcn fd^on: S)on ©arloS I 162 
bemcrlt. 

1) . . . „l^at er mier foli^eS aUeS f eiber belennt unb anjatgt wie" 
;,er ble jungift ^rob .. — ... getan l^ab, .... »ofle fte (fid^?) aud^" 
„l^infueran öor oHen unorbentlic^en ©fceS l^ueten, ^ah audi SBein" 
„wlebcr angefangen jue trinfl^en. ©0 l^at er ber SUiabatna aln aigen" 

„§aug gel^aufft 3SeiI ber Äl^unig eS barjue fl^umen laffen" — 

follte bie öäterlic^e ©d^toäd^e toirllid^ fo weit gegangen fein? Im 3uU 
1564 l^atte ^l^lllp^ eine fold^e 8umutl^ung abgelel^nt (Äod^ I 132) — 
„unb er an ber ^rob beftet, l§alt Id^, er werbe ble ©ad^en nunmel^r'' 
,M^ afö blSl^er treiben." 3)letrld^fteln 5. 3unl 1567. Äod^ I 190. 
Über ble SSerfü^rung elue^ anbem ^UJöbdienS burd^ ben ^rln^en be^ 
rld^tete berfelbc fd^on am 11. gfebruar 1566 nad^ Oerüd^t: „man fagt." 
Äo(^ I 155, nad^ ber fpätem 3Jlltt^elIung: wol ol^ne ®runb. 



152 ^on ©arloÄ' ©eifteöri^tung, 

gefeiten ^). ©d^on im gcbruar 1566 äußerte fid^ ein faifcr^ 
üd^ct ©ourier, tüdä)tx S)on ©arlog' %xiAbtn auö eigener 
Slttfd^auung !annte, gegen ,ben franjöfifd^en (Sefanbten Be* 
trübt, bafe ein ^^^rinj t)on fo übler ®eftalt unb ©itte bie 
©rälierjogin l^eiratlien folle; er tooHe bem Äaifer felbft er* 
äät)Ien, toaS er gefel)en tiabe^). 

3u biefer jud^tlofen Oebanlenrid^tung gefeilten fid§ in 
ännetimenbem SKafee ?[n§brüd^e üon mafelofer ^eftigleit nid^t 
nnr gegen fein ©efolge nnb feine S)ienerfd^aft; and^ ber 
SSorfi^enbe beg föniglid^en 'Stat^t^ S)iego b'@8pinofa I)atte 
toegen SSerbote^ einer bon bem 5ßrinjen beabfid^ttgten ©d^au* 
fpielanffül)rung 2;i|ätlid^!eiten öon il|m ju beforgen^). SBie 
er ben ^erjog öon 2llba am Seben bebrol^te, i)aben n)ir 
früher gefefien. 

®abei giengen bie SSerl^anblungen tt)egen be§ Äron))rinjen 
S5ermä{)Iung mit gegenfeitigen ®efdE)en!fenbungen immer fort 
SIm 14. 9Kai 1657 enipfieng ber beiben ©ouöerdnen gleii^ 
gcnel^me nnb Söeiben bielbetoä^rte Dberfttiofmarfd^aU Subtoig 
SSenegag be gigueroa feine Snftrnction für eine anfeer* 
orbentlid^e ®efanbtfd^aft an ben Äaifer mit nener SSer^ 
fid^ernng ber SSermäl^Inngöabfidfit, münbIidE)en Snftrdgen unb 
aWidtoeifen auf be§ S!önig§ frühere S5riefe über bie ©rünbe 



1) 3)ie SBetteife bei ©ad^arb, S)on ©arloS II 420, glcid^ nad^ bem 
guten Sflefume bon SSenegaä' 3nftruction. 

2) . . . qu'il ne les celera point k son maistre, ^tant bien marri 
qu'il faille que madame la princesse Anne de Bohesme espouse un 
prince si mal compose de personne et de moeurs commeil est. 
fjourqueüauli* an Äatl^arina 3Jlebiclö 11. gebruar 1566. Gachard 
bibl. nat. ä Paris II 202. 

3) eabrera VII 22 p. 469. S)ie erft bem Saläre 1568 gel^örigen 
geiftlicS^en 2;ite( esjJtnofa'S l^ätten ©a^arb 271 nid£|t aweifeln laffcn 
follen, tpo fo öiel SlnalogeS Vorliegt. 



^eiratl^ggcbanf cn. 153 

bcr SSersögctung. 9^ur bei einer perfönltd^en Sefpred^ung 
beiber SRonard^en lönne bie 2lngelegenl)eit ju einem 3^^^^ 
gebrad^t toetben. 3nt f^janifd^en Sntereffe toünfd^te baneben 
?ßl)ilip}) bie SSermätilung ber ©rj^erjogin (Slifabet^ mit feinem 
Steffen, bem jungen Könige ©ebaftian bon ^Portugal, toelc^em 
fransöfifci^er ©eiiS bie bon S)on ©arlog abgelel^nte ^ßrinseffin 
SÄargaretl^a angetragen tpurbe. S)er Äaifer aber meinte, in 
eigenem Sntereffe unb für bie ß^^^f* ^^^ Ijab^burgif^en 
Saifertl)ume8 bie §eiratl) jener (£räI)ersogin mit bem fran* 
göfifd^en Sönige bod^ nii^t ablel^nen ju bürfen. 

Unter biefen, auf fo öielfad^en Srtoägungen berul^enben 
§eirati)8geban!en »urbe ber ©trafbefdE)Iufe gegen glanbern 
auSgefüIirt, beffen golgen aud^ bie Sataftroj)f)e beö fpanifd^en 
Äront)rinäen l^erbeigefül^rt l)aben. 



drittes a3u4 

Ute &aia^xoT^\^t 



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I 



Die atttl)ettiifd|ett Beridjte. 



68 fei mir geftattet, ben ®ang bcr ©arftcHung im f8t^ 
ginne biefeg legten ?l6fd)mtte8 mit einer äufammenfaffenben 
Erörterung über bie ed^ten Duellen unferer Äunbe t)on ben 
l^ier äu f(f|ilbemben Söegebenlieiten ju unterbred^en. 

SBer biefem feit mefir atö brei Scit)rt)unberten aufgel^duften 
SRateriale mit ben ^anbl^aben ber feit S^tjulijbibeö' SRufter 
ertaadifenen l^iftorifd^en Äritif näl^er tritt, toirb immer mit 
©anfbarfeit Seo|)oIb 9tanfe'8 bor ^totx unb fed^jig Satiren, 
im fed^ö unb öierjigften Sanbe ber SBiener Safjrbüd^r für 
Siteratur, erfd^ienene 3lbf)anblung über ©on (Sarloö jur §anb 
nehmen. S)urd^au8 entfprid^t fie ber gorberung, n^eld^e ber 
SSerfaffer l)ier für jebe I)iftorifd^e ©arfteßung erl)ebt: ,ba§ 
bie SSoHenbung in Älarfjeit unb SBoI)IgeftaIt ift*. Unter ber 
befd^eibenen gorm, ,fid^ mit einer genetifd^en 9lufääI)Iung ber' 
»vorgetragenen SJieinungen, ber mitgettjeilten SJiad^rid^ten be^^' 
,gnügen* ju muffen, bringt er eine für bie £unbe be8 3al)re§ 
1829 erfd^öt)fenbe unb nod) l^eute in einer Steige t)on fragen 
unübertroffene Sritit 9?ad^ feinen Darlegungen fonnte t)on 
SBrantömeg' ®efc§id^tdE)en über ben 5ßrinjen nur nebenl^er 
unb nidE)t mit 5ld^tung, bon be§ fonft fo berbienten Sorente 
l^alber gorfc^ung unb ganger ®d£)IufefoIgerung auf biefem 
®ebiele aber gar nic^t bie SRebe fein. 



158 ^ie Äataftropl^c 

SlUen feinen SJiadifoIgern 6et btefem Probleme ^) ^dtte, 
tDte td^ glei^ bemerlen toiH; bte Sefire in ®rinnerung bleiben 
foHen, todä)t er über S)on ®arIo§' Sob giebt (©. 249), nad^^ 
bem er fein bamate nod^ ungebrucfteg SKaterial genannt I)at. 
,Sn aUen biefen ©d^reiben fo öerfd^iebener SKenfd^en l^abe* 
,id^ niemals andfi nur eine leife ^Inbeutung bon einem fd^rift^* 
,Iid^en ober münblid^en ©prud^e, nirgenbö aud^ nur eine' 
»geringe ©Jjur bon einer getoaltfamen §erbe^ffil|rung biefeS' 
,S;obe8 gefunben; fie tpiffen t)ielmel)r fämmtlic^ nur bon einem* 
,fe^r erflfirlid^en SSerlaufe ber Äranffieit, auf toeld^e ein natür^ 
,Iid^e§ SSerfd^eiben folgte/ 

SRod) lonnte er feine Äunbe bon ben (SorteSöerl^anblungen 
f)aben, toel^e erft fo t)iel f))ater unb bon ben ®orref|)onbenjen 
beS Sönigö mit feinen SSertoanbten , toeld^e t^eitö neuerlid^, 
ttieifö überl)au|)t nod^ nid)t <)ub(iciert finb, enblid^ öon ben 
geheimen mfinblid^en ©röffnungen, toeld^e baS ffiönigSjjaar 
burdEi bie Jöotfd^after na^ 9Bien unb $arig gerid^tet l^at 
S)ennod^ l^at 3fianIe'S Intuition erlannt (©. 260 f.), bafe ju 
bem ,getoaltfamen ©d^ritte* ^u ber ,ffiataftrop^e beS 5ßrin5en* 
,bic nieberlänbifd^en SSerl^ältniffe gefül^rt I)aben, bie in ber' 
,®efd^id^te biefer SKonard^ie überl^aupt t)on fo äbemjiegenber* 
,S5ebeutung finb.' 

68 lag nur in bem ©tanbe be§ bamalö erreidE)barcu 



1) „§lnberc ©timtnen l^abcn anbete 3)inge in bie SSelt gefifiicft." 
„'^atii ben ©inen ift ^on ©arloS ftranguliert, nad^ ben Slnberen" 
„tjergiftet, nadft Slnberen »icberum förmlid^ entl^aitptet »orben. @S" 
„finb ®erüd^te, bie bon il^ren Url^ebem »enig ^Beglaubigung l^erleiten" 
„fönnen .... SSetd^er Serid^t bie l^iftorif(]^e SBal^rl^ett entl^alte ober" 
„i^r toenigftcnS nal^e fomme, id^ gcftel^e, id^ toeij e8 ntd^t." 2B. SWau= 
renbred^er, SBortrag (1876) 34 f. ®ie ^)ofitit)en ©rgebniffe bon 8lanfe'S 
Slbl^anblung ]§abe id^ 1856 in ben öfterr. iBIättern für SIteratur unb 
^nft (5. 3uU) ©. 209 f. jufammengeftellt. 



S)ie autl^entifd^en Scric^te. 159 

SBtffenS, ba§ 9tanle nod) ben Scrtd^ten beö italtcitifd^en 
(Sefanbten in SKabrib in mel^reren gragcn einen entfd^eiben* 
ben SBertl^ beimaß. 5n ber S^l^at aber l^aben fid^ bie auf 
anbeten ©ebieten unentbel)rlid^en benetianifd^en ^Relationen 
für bie nnferen ©egenftanb betreffenben ®el)eimniffe ganj 
unbraud^bar ertoiejen. SBa^ ber J8eid)tt)ater be§ SönigS mit 
t)ielleidöt befol^Iener, bod^ laum entjd&ulbbarer SnbiScretion bem 
öenetianifd^en (Sejanbten ©igi^munb ßabaHi erjalilte unb biefer 
fetner ^Regierung am 3. gebruar 1568 fc^rieb, ift feineStoegö 
,eigenttidö toid^tig'. ®ief e ©d^itberung berul^t bielmel^r, toie jeber 
je^t bon ber ©ad^e Unterrid^tete fofort erlennt, in allem SBe* 
fentlic^en auf fonft notorifdt)er ober auf unjureid^enber Sunbe. 
3)er mittl^eilfame SBifd^of nannte: ,mel^r afebreiSa^re* öor ber 
SBer^aftung, feit ber^önig an bie SRegierung§unfäI)igfeit feinet 
©ol^neS glaube, ja bafe er ,Ieinen ©rben feiner ©taaten ^abe'. 
SBir l^aben gefelien, ba§ jene 3Keinung fieben 3al)re lang, 
feit bem Slnfange beS Sa^teö 1561, in aUem SBefentlidEjen 
bei ^ßl^ilt^j^) U. feftftanb, unb bafe er nur bie bäterlid^e ©d^toäd^e 
^atte, fid^ bon SReuem gUufionen I)injugeben, obtool)! er bertrau^ 
Ii(^ über bie S^l^ronfolge leinen 3^^if^^ Kefe. dint) Oomej \)at 
freilid^ ettoa gleid^jeitig (am 28. Sanuar 1568) bem franjöfi* 
f(^en ©efanbten aud^ bon ,etn)ag über brei Satiren' gefpro(i)en ^), 



1) S8ci ©adjorb, S)on ©arlo» II 658 bom 5. gebruar 1568: qu'il 
y a plus de trois ans qu'il s'avercevoit bien, que le dict prince 
estoit encore plus mal compose de son cerveau que de sa personne, 
. . . la dicte Majeste . . . a perdu enti^rement l'esp^rance que le 
dict prince devienne jamais sage ni digne de la succession de ces 
royaumes et 6tats. %a^ entfj)rld^t genau ber Söal^rl^elt unb ift ho6^ 
etwas S^nbcreS, alS toaS ber föniglid^e SBeid^töater {agte: che era piü 
di tre anni que sua Cattolica Maestä. sta^a con questo pensiero per 
causa del principe suo figliuolo, parendole che dalle operationi che 
faceva e dal cervelo che conosceva in lui potesse di non haver 
herede de li suoi stadi. ©abattl 11. Sfebruar 1568 a. o. D. II 672. 



160 2)tc Äataftro<)]^c. 

icbod^ nur in beut ©innc, bafe ,man* feit biefcr Qüt ba§ 
©e^imlciben bc8 ^rinjcn immer mti)x ate bleibenb unb ber 
Äönig bie Unmögtid^Icit feiner ©ucceffion immer bcutüd^er 
erfannt l^abe. 

Slinlid^ in Sejug ouf einbringenbe erl^eblid^e ffiunbe toie 
mit bem SSenetianer ftet)t e§ mit ben jlorentinifd^en S)epe^ 
fc^en: fie finb für nebenf&^lid^e S)inge braud^bar, toie man 
fie eben t)on untergeorbneten 5ßerfonen auflefen lonnte. SSon 
bem 5iuntiu8 ©aftagna, bem fpätem 5ßapfte Urban VIL, 
iiaben tt)ir früher (@. 72) gefprod^en. 2Rit feinem fidfem Sacte 
erlannte 3ianle bie bleibenbe 3Bid|tigfeit ber auf ßaftagna 
jurüdEgefienben SÄittl^eilungen über ben Snl^alt üon S)on 
©arloS* configcierten rebeUifd^en Slu^fdö^eiben; für Slnbereä ift 
er nur l^alb ober gar nid^t unterrid)tet, Dielleid£)t toeil er fid^ 
ju fef)r mit ber fpanifdf)en Eigenart öerfd^moljen füf)Ite unb 
Snbi^cretionen fdt)eute. Slud^ für bie 3Rorbabfid)t beö 5ßrinjen 
gegen ben SSater, mit ber eö fidf) bod^ nid^t gerabe nac^ aianle'g 
©^lu^folgerung tjertjielt, getuinnt man auö ©aftagna'^ mir 
befannt getoorbenen S)et)efcf)en nid^t ben rid^tigen 3Beg. 

S)enn burd^au§ fd^ien mir ju einer bie SBal^rfieit för* 
bernben Darlegung biefer |)oIitifd^ toie etl^ifd^ unb tJf^d^o^ 
logifd) gleid) fd^tüierigen Sataftrot)t|e baS SSorbringen ^n ben 
bezeugten Slnfid^ten ber §au)3tperfonen erforberlid^. 2tm boll* 
fommenften liegen biefe bieIIeidE)t in ben ©riefen ber bem 
tjaböburgifd^en ^errf^er^aufe felbft angeprigen gürften ju 
Sage, toenn id^ aud) nur bei einem SSetter beg Äönig§, bem 
SanbegJierrn ju Snn^brudE, @räf)eräog gerbinanb, ben ®e* 
banfengang au§ 2)ictaten unb Sorrecturen biö in aUe Ginjefc 
tjeiten äu erlennen öermod^te. Sieben biefen fürftlid(en ©riefen 
lommen in erfter Sinie bie ©erid^te ber SSotfd^after be§ faifer^ 
lidtien unb beö franjöfifd^en |)ofeg in ©etrac^t. 



SDie Qutl^entlfd^en S3erid^te. ißi 

gran!rctc^ öerttaten bon 5ß^ilipp'g ü. 9tüc!funft nad^ 
©panicn bt§ über S)on SarloS' %o\> f)tnaug brct ©efonbte. 
ßucrft btente atö foId)cr ©ebafttan be rSlube^pine, ber nid^t 
fe{)r getoanbte SBijd^of t)on SimogeS, btö jum Suni 1562. S^ann 
folgte ber loenig bebeutenbe unb nid^t gaitj äuberldffige, toenn 
aud^ t)on feinem 9iad^foIger gerül^ntte Sof)ann t)on (£brarb,^err 
t)on ©atnt ©ulpice. ©eit bem D!to6er 1565 töar ber §of ber 
SSalotg burd^ ben früher (®. 161) gefd^tlberten, öon betben §öfen 
gleid^ ^odögefd^ä^ten unb für unfere Untertüeifung fad^Iid^ toit 
formell erfreultd^en .§errn üon gourquebaulj re^jräfentiert. 
SBie öerfd^iebenen SBertl^eö unb 6I)arafter§ nun aud^ biefe bret 
SSertreter granfreid^g getoefen finb, fie f)aben gleid^mä^ig öon 
ber Königin bte tnttmften 9?ad^rtd^ten |)oIitifd^er toie perfön^. 
Itd)er Slrt ert)alten. @ett ben ebenfalls berül^rten ©rfal^rungen 
(©. 40 ftgbe) ifi ber Äönig fretlid^ gegen feine ®emal)lm mit 
feinen SRittl^eilungen au§ guten ®rünben jurüdfialtenber ge^ 
ttjorben, toä^renb fein SSertrauen ju gourqueöaulj immer 
gleid^ blieb, fogar mit ben Salären et)er junatim. 

3n toeit t|ö^erm ®rabe toar ba§ aber bod^ bei bem feit 
1564 fungierenben laiferlid^en S9otfd£)after ber gaU. Deffen 
frül)er (©. 318) ertoäl^nter SSorgänger SRartin (Sugman toar 
am Gnbe bod^ geborener fpanifd^er Untertl^an unb ift al§ 
foIdEier bel)anbelt toorben. 



^bam tion 3)tetrtd)|leitt'0 f|iamf(l)e 3Be}tel)Uttgett, 

68 ift fel^r ju tt)änfd£|en, bafe bie in bem 3Biener faifer^ 
lid^en unb löniglidtjen §au§^ §of^ unb ©taatöard^iüe fo forg=^ 
fditig aufbetoa^rte, in i£)rer 2lrt unt)ergIeic^IidE|e, nad^ allen 
©eiten inftructibe Sorrefponbenj biefeS S9otfd^after8 mit au§^ 

©üblnßcr, S)ott Carlo»* $aft unb Xob. H 



162 ^i^ Äatoftroj)]^c. 

xcid^enbcn ©rllärungcn in mrf)t ju ferner ^Jrift bon !unbiger 
^anb publicicrt toerbe. 

®r gehörte bem jungem, SRifoIöburger, f|)dter in ben 
3fürftenftanb erf)obcnen S^^ti^t feiner gamilie an. ©ein 
Seben berfief, fotoeit bie^ bei einem im öffentlichen Seben 
tl^ätigen Sbelmanne beS fed^jel^nten Sai^rl^unbertS benfbar 
ift, ol^ne fonberlid^e gä^riic^feiten t)om 7. Df tober 1527 biä 
jum 5. gebruor 1590^). SRad^ ßaftilien gelangte er afö 
SRnnbfd^en! beS mit if)m gleid)alterigen SräJ^erjogg, fpdtem 
Äaifer« SWajimilian, alä biefer im Satire 1548 bei ®e* 
Icgenl^eit feiner SJermä^Iung mit ^axV& V. ältefter S^od^ter 
bie ©tattl^alterfd^aft in ©<)anien übernal)m. ©ort üermfil^Ite 
er ftd^ mit 9KargaretI)a öon ©arbona. SRun toar ber Ur^ 
grofeöater biefer 2)ame, griebrid) ^enriquej burd^ feine ältere 
%o6)ttx and) ©ro^bater be§ SSönigg gerbinanb beg SJat^oIi* 
fd^en getoefen. @r toax fomit ein ?ll)n^err toie ber nnn^ 
me^rigen greifran 9Äargaret^a J)on ©ietrid^ftein, fo be^ 
Sönigg W^^P II. unb beg ffiaiferg üRapmilian H. 

Sei fold^er SSern^anbtfd^aft begreift man eS leidet, toenn 
bie öier S^öd^ter be^ @^c:paareg fid^ mit ^erren beS caftilifd^en 
l^ol^en S[bcfö öermäl^Iten. JBei einer biefer SSermäl^Inngen 
im Sa^re 1582 l^atten anf SBSeifnng be« ^önigg^) and^ beffen 
beibe ältere Snfantinnen jn erfd^einen. Äbam J)on Dietrid^^^ 
ftein felbft toar fd^on 1569 in bem Sa^re nad^ S)on (SarloS* 
3;obe mit einer Somtl^nrei be^ SaIatrat)aorben§ belel^nt toorben. 

Sm Sßobember 1563 tourbe in aSJien feine ©rnennung jnm 
Dberftfjofmeifter ber beiben jungen, jur eöentueUen ©ucceffion 
nac^ Spanien gefenbeten erjl^eräoge nnb jugleid^ jum faifer* 



1) ^f(!^ unb ©ruber, enct)cIoJ)äbie XXV, 156 f. 

2) Gachard, lettres de Phüippe IL k ses filles 162. 



Itd^en SBotfdfafter in SÄabrib befd^Ioffeit. @r empfieng I)ic=« 
burd^ fd^on an ftd^ bie bcfte ©nn^fetilung bei ber SBere^rung, 
toeld^e ^i^ilip)) IL befonbcrg bamafö feinem laiferlidien Dl^eime 
gerbinanb I. toibmete unb bei ber järtlici^en Siebe, toeld^e 
if)tt mit feiner ©d^tpefter äJiaria, ber SÄutter ber beiben S)iet* 
ridiftein'ö Dbfint Vertrauten ^ßrinsen, berbanb. Smmerl^in 
mufete bem fpanifd^en SKonard^en SBeruftigung getoal^ren, 
toaä fein ©efanbter bei gerbinanb I. , ber ®raf bon ßuna, 
fd^on am 30. SRärs 1562, afö bie ©enbung ber (Sräl^erjoge 
unter fold^er Seitung j)rincipieH befc{)Ioffen n?ar, über ben 
befignierten Sßertreter beö faiferlid^en §ofe8 beridl^tete. »Sr* 
,ift lat^oüfd^, fdiarffinnig , fe{)r fad^funbig, fel^r el^renl^aft/ 
,bermät|lt mit S)onna 3Rargarett|a bon ©arbona unb bem* 
,5)ienfte Surer 3Kaj[eftät fel^r ängetlian/^) 

©ennodf) glaubte ber neue JBotfd^after ?lnfang8 einiges 
9Äi§trauen bei bem Äönige gefunben ju Iiaben.^) SBir bürfen 
nad^ unferer je^igen Sunbe beS ß^f^wtmen^angeg biefer S)inge 
lool^I fagen: bie Sfnnal^me ge^t üon einer Unterfd^ä^ung ber 
fd^toierigen, ja gerabeju peinlid^en ©ituaüon au8, in toeld^er 
fid^ ber Sönig feinen Steffen gegenüber befanb. 3Bir toiffen 



1) Coleccion . . . para la historia de Espana XXVI (1855) 439. 

2) ^n ber jmei biegte Guartfeiten langen 3)epefd^e öom 2. gitli 
1564, beren wegen ber beflnitiöen ^bte^nung ber 83etIobung mit ber 
3nfantin S^^^nna fdjon ohtn gebadet warb (@. 136 Slnm. 2) unh t>on 
ber mat^a^ Sto^ (1 130) nur einen für tl^n felbft (j^arafteriftlfd^en 
lurjcn ÄuSjug gibt, beflagt ftd^ S)ietrid^ftein, bag ber Äönlg nie mit 
i^m ton (£arIo§' SSerlobung mit ber (Sr^l^erjogln ^nna fpred^e. 
„3ft baS alfo, loie man fagt, miteg Id^ eS bal^ln öerften, baä mler'' 
„ber ^l§unlg wenig öertrawt ober amer, ha^ er ölllet^t meint, boS Id^" 
„bc§ SSertrawen bei @m§eren aRalefteten nit (fel^It etwa: würbtg 
fei), \>a^ inier foli^eä ju toertrawen unb nlmbt mld^ frembb" ^er 
telbenfd^aftUcö gefc^rlebene, etwaS ftllwibrige @a| beweift neben bieten 
(Sorrecturen In ber ganzen S)e^)efdöenrel]^e, bajj bie unS borllegenben 
S^riefe ol^ne (loncepi gefd^rleben ftnb. 

11* 



164 S)ic Äataftro^jl^c. 

ja, bafe er fte auf baS benfbar 6efte emt)fieng, iijneit aUc ^t^ 
toeife t)on Siebe uitb QMoxtommtn\)t\t gab, bem dltem 
Änaben, bem ©tä^erjog SRuboIf, ben ei)ren^Ia| auf feiner 
redeten ©eite bei feinem Sinreiten tro^ S)ietrid^ftein'§ 3Jor^ 
fteHung antüieg: ba toottte er it|n, feiner ßufagc gemäfe, afö 
lünftigen 3Konard^en anerlannt feigen. Stber tpir toiffen aud^, 
bafe er immer nod^ gleid^fam Sid^tftraljlen t)on Hoffnung auf 
bie ^erfteHung feineS ©ol^neö ju fe^en meinte. 3e mel^r 
biefe fd^toanben unb öoUenb^ ate if)m bie Königin Slifabetl^ 
eine Zoä)ttx geboren l^atte, jeigte er bem gefinnunggboQen 
beutfd^en S5otfd)after junelimenbeS SSertrauen. 

aSie an einem Seitfaben fann man in ©ietrid^ftein'^ un* 
gefdiminit ttjal)rl)aften unb in aUe SinjeII)eiten eingel^enben 
©epefd^en SSorbereitung unb erfte ©tabien ber ffiataftrop^e 
be^ Äronprinjen öerfolgen. ©ie unterfd^eiben fid^ öon gour* 
queüaulj' Söerid^ten — ganj abgefe^en öon ben unerlaubten 
Snbi^cretionen ber Königin — ganj tt)efentli(^ baburd^, ba§ 
biefer S)on Karlog' SSerberben ef)er bem franjöfifd^en ^n^^ 
tereffe gemäfe finbet. 3la(i) ber fd^toer empfunbenen Slb^ 
lefjnung ber 85ermäI)Iung mit ber ^rinjeffin 3Äargaretl)a 
t)on aSaloig trat il^m ber aug bem SSerfd^toinben beg ber* 
jeitigen fpanifdE)en Slronprinjen für bie 9?ad)fommenfd^aft ber 
franjöfifdEien Königin ertt)a(^fenbe SSorttjeit immer t)on SWeuem 
t)or bie©eele: er iftein erfreuIidE)er Srjä^Ier unb juberläffiger 
3euge, aber feineötoegg, toie toir ja aud) fc^on früljer (©. 132) 
fa^en, tooliltüoHenb für ben ^ßrinjen. 6r erflärte S)on ©arloS' 
SSerliaftung für ein 3^i^^^ ^^^ göttlid^en ßiebe für ^atljarina 
SD?ebici§ unb bereu fromme Slbfid&ten; bie 3^^^^ ^^^ 3^^^^^ 
gung berfelben für bie Königin ©lifabetf) finbet er tt)unberfam.^) 



1) Dieu vous ayme, Madame, et il lui plaira conduire vos 



(gntäwciung jtoifd^en Äönlg unb ^ottprinj. 165 

S)entbeutfd)en95otf(|after ftanben,abgefef)cn aber t)on feinem 
SBo^Itooöen für beit SBerlobten ber %oä)ttt fetneö faiferlid^en 
(Sebieterg, in golge feiner caftilifd^en SBermäl^Iung nod§ ganj 
anbere, oft ol^ne SJiamennennung öon if)m angegebene SSer^ 
binbungen ju ®ebote, atö beut franjöfifd^en ®efanbten. ^aä) 
Sllba'^ Slbgange in bie 9lieberlanbe öerfagte it)m freifid^ eine 
§auptqueHe feiner Informationen; benn ber nätfift biefem* 
SBeftunterrid^tete, ber gfirft t)on Sboli, felbft SWiditf panier, 
geigte bem franjöfifd^en SBotfd^after mel)r SSertrauen aU bem 
SSerfd^toägerten ber caftilifd^en 2lrifto!ratie, ber ja freilid^ aud^ 
eboli^g treulofe ©ema^Iin angehörte. SRit Sttba^^ Greife 
tritt aber aud^ bie ©ntätociung gtüifdien Äönig unb Äron^^ 
|)rinä in ein immer bebrol^Iic^er toerbenbeg ©tabium. 2)a l^at 
benn ettüa t)om Wai 1567 an ©ietrid^ftein'S freunblid^eS 
9Sorurtt)eiI für S)on SarloS burd^ feine tüeitere intime 3Jiit^ 
tl^eilung über beS ÄönigS 2tbfidE)ten gegen benfelben eine 
(Srfdöütterung erfatjren. 



dtttjmeiung jmiftl)ett JEtonig unb Uronprin}. 

2)ie Slnfänge be§ auc^ uniüerfal^iftorifd^ fo bebeutenb 
geworbenen ßtoifte^ fjaben toir (@. 146) unb gtoar bon bem 
franjöfifdien ©efanbten ertoäl^nt gefunben, aU ber nad^ 
fd^toerer Äranffjeit ber boHen Siebe feinet föniglid^en SSaterS 
toieber fidler gett)orbene ^ßrinj aud^ nad^ me^r atö Satire^^ 



sainctes intentions ä bon port. ®ad^arb, 3)on ©arloS II 567 . . . . la 
reine . . . en pleure pour ramour de tous deux (SBatcrS unb ©ol^ncä), 
veu qu'aussi le prince l'aime merveilleusement. Bibl. nationale k 
Paris II 251. Selbe »riefe gourqueöaulj' finb bom 19. Sanuar 1568. 



166 ^i^ J^ataftrof^e. 

frift nod^ leinen eigenen §off)aIt erlangt l^atte. Äfö t^m 
biefer in glänjenber SBeife getüäl^rt tt)ar, ritf)tcten fid( feine 
®cbanfen nod^ ftärler atö früfier auf ia^ it)m einjig be* 
gel^renötoerti^e unb gleid^mäfeig immer unerreid^barer toerbenbe 
©oppeljiel: (£l^e mit ber ©rj^erjogin Slnna unb in ben 9iie^ 
berlanben ober fonft irgenbtoo mögüd^ft unabl^ängige ^err^^ 
fd^ergetoalt. S)ann toaren bie näd^ften 3^^^^^ ^^^ beginnen* 
ben (Sntjtoeiung bie 3otntt)orte gegen bie ©orteS (®. 82), 
gegen ben öon bem SBater mit ber Setoälägung ber Sßieber:^ 
lanbe betrauten §erjog öon Sflba (®. 88) unb gegen ben 
ipd^ftgefteQten ber eigentfidien SSertrauenöjjerfonen im !önig* 
liefen SSeamtenftanbe, ben fpdtern ßarbinal ©fpinofa (@. 166). 
2tte ein tüeitereS SRoment für beffen Erbitterung gegen ben 
SSönig I)at tro^ jeitnjeifer @unft be§ ^ronprinjen 9iu^ ©omes' 
(Srnennung ju bteibenbem SSorftanbe feines enblid§ eingeric^^* 
teten §ofl)atte3 abgegeben (©. 116). SBie fc^merjlid^ ber^ßrinj 
eS immer empfanb, bon feinem löniglid^en SSater toegen feiner 
Unbraudibarfeit fo ganj jurüdEgefelt, \a mi^ad^tet ju Serben, 
erful)r, ttjie toir (©. 141 ftgbe) bemerlten, ber beutfdie fdoU 
f^after gleitf) nad) betreten be§ fpanifdjen SBobenS. 

SRiemate toar nod^ im tiabSburgifd^en ^aufe ein offener 
gtoift jtüifcfien SSater unb ®o^n eingetreten, tt)enn aud^, toic 
no^ neuerlid^ ätoif ^en Äaifer ^erbinanb I. unb SRajimilian 11., 
ftfiarfe SÄeinungSbifferenäen, ^ier toefentlidE) religiöfer %Tt, 
nicf|t of)ne bäterlid^e S)roI)ungen au§geglid)en n)orben loaren. 
Offene 8Btberfe|Iid|feit, ja Kriege t)on Äöniggfölinen gegen 
il^re aSäter f)atte man big in ba§ brei^elinte Salirl^unbert im 
germanifd^en toie romanifdjen Europa unb nod) im fünfje^n* 
ten in granheid^ unb auf ber iberifd^en ^albinfel erlebt. ®« 
berütirt tieut^utage feltfam genug, bei ^^itipp'S IL SBiograpI)en 
ein k)on bem Äönige berlangteg juriftif^eS ©utac^ten ju finben, 



in tDeld^em auf bic @mt)örung bcS ftugcn S)am)]^tn, fpätcrn 
ÄßmgS Subtüigg XL gegen feinen SSater ejemplificiert toirb. *) 

3)er t)iel ältere, au8 ganj eftenbürtiger @l^e entft)roffenc 
»ruber be^ Urgrofebater« ?ß^ilipp'g IL, gerbinanb bc3 Äa- 
tI)oIifd^en, ber $ßrinj (Sarlog bon SStana, führte mel^rmatö 
Ärieg gegen feinen SBater, fiel in beffen §aft unb ift aud^ 
einmal öor bemfelben in baS Su^Ianb geftfid^tet 2)antt ift 
er aus neuer, bon feinem SSater über if)n berl|ängter ©e« 
fangenfd^aft burd^ bie S^a^ferfeit unb ^^reue ber ©atalonier 
befreit toorben unb tttoa f)unbert Sa^re öor ben unS je^t 
befd^aftigenben ©reigniffen, am 23. ©e^jtember 1461, ge=^ 
ftorben \) 

S)a8 öerlodEenbe SJeifpiel mag S)on SarloS, fo gering fonft 
feine Slenntniffe klaren, bod^ burd^ Srabition befannt getoefen 
fein, ©ein SSater, toeld^er $ietätg|)flid^ten gegen feine ga^^ 
milie nie au^er ?ld^t liefe unb eine tiefe ©c^eu emDfanb, bie 
SBelt über bie ©ntjtüeiung mit feinem franfen ©ot)ne aufju* 
Haren, l^at fid^ bod^ gleid^ nadi ber SBerfiaftung beffelben 
über baS SSerfafiren gegen ben ^ßrinjen t)on Jßiana informiert. 
68 ift tool benfbar, bafe er in 2)on Sarloö' confiScierten 
^at)ieren eine ^intoeifung auf biefeS gefciI)rlidE)e SBeifpiel ge== 
funben f)atte. 



ff 

Ce|iamentarifd) Derbrannte ^kten. 

§ier ift nun ber Drt eine§ feltfamen 3Rifet)erft(inbniffe8 
unb einer nod^ feltfameren ard^ibalifd^en ©dE)lufefoIgerung 



1) ©Qbrera VII 22 p. 471. 

2) SB. ^rcScott, gerbinanb unb Sfobctta bie Äat^oUfc^en (3)cutf$e 
Überfefung 1842) I 111. 



168 ^ie Äotaftrojjl^e. 

ju gebenlen, an tücld^er gorfd^ung unb S)arfteIIun9 be§ unö 
befd^äfttgenbcn ®egettftanbe§ feit langer ßctt, inSbefonbere 
aber feit ettoa bier Sal^rjelinten, leiben. 

Slnf $i)ili<)p'§ n. 95iogra)j]^ Gabrera unb beffen ©genart 
finb tüir in ber SBefpred^ung bon 9?anfe'S 6arIo§^@tubien 
fd^on getoiefen Sorben. Sben er f)atte benn aud^ bei ber 
©d^itberung Sabrera'g barauf aufmerffam gemad^t, ba§ ber^ 
felbe ber großen görberung gebenft, tüeld^e if)m für bag bon 
i^nt JU (Srjäl^Ienbe baburd) getüäl^rt hjurbe, bafe fein SSater, 
unb bann er felbft t)on ber Äinbl)eit an unb tüie er l^eran* 
njudf)g, Qntxxtt bei ,niel|reren SRiniftern beg Äönigg, befonberS 
bei JRu^ ©ontej unb ßfirifto))!) SRoura gefunben i)abe*. ©elbft== 
i)erftänblid^ ift bieg fo 5U berftel^en, ba§ er ate ^abe noc^ in 
be§ am 22. Snii 1572^) geftorbenen |)ortugiefifc^en ©ünftlingg 
Shi^ ®omej' ®entädE)ern berf el)rte, {jerangetoad^fen aber mit bem 
jttjeiten 5ßortugiefen, mit äKoura, in nat)en SSejief)ungen ftanb. 
S)iefer tt)ar nun freilid^ balb nad^ Übemal^me ber (Sefamt* 
gefd)äfte burd^ ben Sarbinal ©ranbeUe im ©ommer be§ Salireö 
1579 in Äönig 5ßt|ilipp'§ Siienften einflufereid^ unb bermutl^* 
lid^ für bie ©rttjerbung 5ßortugafö nüpd^ geworben. Dberfter 
unb überaus mädjtiger JRatligeber beö ÄönigS tourbe er aber 
erft, afö ©ranöeHe am 21. ©et)tember 1586 geftorben toar. 
9Kit aHer S5et)aglid)!eit fdEjtlbert benn aud^ Sabrera^) baS 
rafd^e 9luffommen be§ gremben : tüie bie caftilifd^en (Sro^en 
il^re ,(£m:pfinblid^leit* befonberä über ben golbnen ffiammer^^ 
I)erm=^©dE)IüffeI ju erfennen gaben, tpeld^er SKoura ober ca* 
ftilifdE): 9Kora atö ,einfad^em Siitter* nid)t julomme; ha übt 
ber ®efd£)idE)tfd^reiber bie 5ßietätS<)ffid)t, bie alte unb t)or== 
nelime Slbfunft feinet ®önner§ ju ern^eifen. 68 brandet tool)I 

1) SRanfe, fjürften unb SSöIfer Don ©übeuropa2 166, 192 ff. 

2) XII 17 p. 1043 ff. 



Xeftamentarifd^ berb.rannte Elften. 169 

faum befonberö l^erborgetjoben ju lüerben, bafe er eine ber== 
bäd)ttge ober gar nur auf ©erüd^ten berufjenbe Eingabe über 
eine tüid^tige ^anblung biefeg SRinifter^ unter leinen Um^ 
ftSnben in fein SBerf aufgenommen tjaben tüürbe: 3Roura'^ 
SSertrauen beranlafete bie SSertuenbung be§ ®efd§id^t§fd^reiberg 
unb t)or il)m feineS SBater^ im föniglid^en 2)ienfte, in toeld^en 
ber festere burd^ (Somej gefommen toar: fo erfd^einen feine 
2KittI)eiIungen ate golge biefer intimen Sejieliungen ^). 

3tun tDurbe feinem SJerid^te jufolge nad^ ber Seeibigung 
ber für SBad)e unb SBebienung be§ öerl^afteten Stonprinsen 6r^ 
nannten eine ©reiercommiffion jur 3?ed)tfertigung be§ Ißnig* 
lid^en SSerfal^reng gegen benfelben eingefe^t, beren Slrbeiten bei 
bem balb ju ertoartenben Slbleben beg ©efangenen natürlid^ 
äu einem ©rgebniffe nid^t gefüt)rt njurben, njeld^eg unter 
biefen Umftänben nur einen gepffigen ßJiarafter Iiaben 
lonnte. gür bie §lrbeiten biefer ßommiffion ,fd^idEte ber' 
,Äönig nad^ ^Barcelona* toegen ber Slften über ba§ SSerfatiren 
gegen jenen ^rinjen t)on aSiana ,unb befal^I bann, biefelben 
,aug bem Eatalanifd^en in ba§ 6aftilifcf)e ju überfe^en, um' 
,äu feilen, loie er unfdE|äbIid| unb it)m ber 5ßrojefe gemad^t' 
,tt)orben fei. SBeibe befinben fid^ im Slrd^iöe t)on ©imanca^', 
,100 fie §err 6f)rifto^)]^ be 9Kora aug feinem ©d^tafgemadje 
,in einem grünen Ääftd^en, in toeld^em fie aufbetoal^rt ttjerben,* 
,nieberlegte.' ^) 



1) cuya resultancia en mi padre Juan Cabrera de Cordoba i en 
mi i la acceptacion de Su Magestad de nuestros servicios nos hi- 
zieron mas comunicables i allegados. YIIl 5 p. 497. 

2) . . . i mandöle traduzir de Catalan en Castellano , para ver 
como estaba fulminado i causado. Anbos estan en el arcbivo de 
Simancas, donde en el ano mil i quinientos i noventa i dos los 
metiö Don Christöval de Mora de su camara en un cofrecillo verde 
en que se conservan. VII 22 p. 477 b. 



170 3)tc Äataftrol)^c. 

S)a8 SSort »SBeibc* läfet fid^ ja bei flöc^ttger ßefturc auf 
6ctbe ,5ßroccffc* bcäiel^cn unb e8 mufe fi^ lool^I in iiingcren 
?[6brüdt€tt t)on Sabrcra^ö SBcrfc btefeg SBort ^inäugefügt 
finben. 9?ur baburd^ tüirb fid) bod^ erflärcn laffen, ba§ ein 
fo befonncncr (Sclel^rtcr toie äKobefto Safucntc in feiner 
©efd^id^te (Spanien^ (Xni 334) ba^ betreffenbe Sitat mit 
biefem cntfteHenben ß^föfetoortc auö SIorcnte'8 Oefci^ici^te ber 
Snquifttion tuiebertjolte. 

©ad^arb ^at in feiner ©efd^id^te be§ ^ßrinjen (©. 519) 
fidC) bor einer S33ieberI)olung beg formeßen 3trtl|ume8 ge* 
ptet, inbem er ben SBortlaut ber Originalausgabe toiebergab. 
Slber bie fad^Iid^en ©d^lufefolgerungen bel^ielt er bei. @r 
bemerfte alfo nid^t, bafe ©abrera für baS tool^I SBenigen befannt 
getoorbene ®ef)eimniS ber ©infe^ung biefer jur juriftifdien 
öegrünbung ber ^rinjenliaft eingefe^ten (Sommiffion eine 
ard^ibalifd) nod^ 1619, aU fein SBerf erfc^ien, nac^tociSlid^ 
getoefcne ^^atfad^e anfülirte: fein ©önner 3Roura tjabe eigene 
l^änbig Original unb caftilifd)e Überfe^ung beS gegen ben 
^ßrinjen öon SSiana angeftrengten ^roceffeS im 9icid^^rdf|it)e 
niebergelegt. (£§ liegt Ijierin allerbingS eine SKifead^tung be§ 
ßanbeöard^ibeg t)on Satalonien ju Söarcelona. 9lber man 
mufe ertoägen, bafe in bem betreff enben Sa^re 1592 ffiönig 
^t)ilipp II. eben befd^äftigt tüar, bie ^erfaffung beö mit 
Katalonien ftaatgredE)ttidö fo enge tierbunbenen Sönigreid^eS 
Siragonien umäugeftalten. Unb biefe Umgeftaltung fanb nad^ 
einer militärifd^en SJefe^ung beS ßanbeö im öorangegangencn 
Satire ftatt; il)rerfeit§ toav biefe in S^Ige gettjaltfamer S5e^ 
freiung be§ einfügen ©ecretärS unb nunmef)r bitterftcn 
geinbeS be§ ÄönigS, beS nad^ granlreic^ gtpd^teten 5ßerej, 
burd^ ba§ SSolf t)on ©aragoffa eingetreten. S)c§ ^rinjen 
t)on SSiana 2llten brad^ten aber ben frütjer gefd^ilberten fieg^ 



Xeftamentarlfcö tocrbrannte Elften. 171 

reid^cn Äampf bcö SBolfe^ t)on ßatalonten gegen ^l^tlipp'g II. 
föniglid^en 5ll^nt)errn in ©rinnerung. SBenn ber SKinifter 
SKonra biefe Sitten im 3üt)re 1592 nid)t me^r in feiner 
SBoIinung auf6eit)at)ren mod^te ober foUte, fo toar baö 9ieici^8=^ 
ard^it) ber ^jaffenbfte 5ßtag für biefelben. 

©ne anberc unb nid^t mel^r ju löfenbe grage ift, xok 
fie in feinen Söefi^, an^ bem ber ©reiercommiffion, gefommen 
fein mögen. S)ie beiben ^auptmitglieber berfelben, Sfpinofa 
unb diu\) ® omeg, toaren feit jtpei Scif)r jel^nten tobt. 5)er Stritte, 
ber löniglid^e ÄammerratI) öirbiefca bttrfte SJeibe überlebt 
l^aben, unb nid^t ganj unbenibar ift, bafe bie Slften eben im 
vorangegangenen Scilire bei (Gelegenheit ber aragonifd^en Un* 
ru^en bem leitenben SKinifter übergeben tourben. äRoura 
felbft erfd^eint jtoar nid^t in ber urfprünglid^en ß^fö^wten^^ 
fe^ung be§ fron^jrinjlid^en .§oft)aIteg t)om 3Kai 1564, tpotit 
aber im ©ommer 1565 unter S)on ©arlog' ©aüalieren ^) unb 
Iiatte i^n fonad^ gut genug gelaunt. 

Sie grage, ob bie Slften orbnung^mäfeig ober getoaltfam 
au8 bem Slrd^iüe ju Barcelona entnommen toaren, Idfet fid^ fo 
toenig beanttoorten, afö bie jtoei toeiteren, ob fie bem 9teidö^== 
arc^iöe etioa nur gegen S5ef d^einigung , mit Sßerbot ber Ste*^ 
giftrierung, als 2)e<)ofitum übergeben unb in ober nad^ bem 
Satire 1619 n)ieber famt itirem ,grünen Ädftd^en* orbnungS* 
mä^ig surüdEüerlangt toorben finb. ©etoife ift, bafe ^errn 
®ad^arb'g glei§ nad^ beffen auSbrüdlidEien Grflfirungen 
(©. 516 unb 519) t)on ber einfügen Spftenj biefcr Slften 
in ben Slrd^iöen t)on S3arcetona unb ©imancaö gleid^mdfeig 
leine ®pnx ju entbeden t)ermod)te. 

Slber bie Sßermengung biefer jttjief^jrad^igen jubicieüen 



1) (Sabrera VI 24 p. 361 togl ©ad^orb, 3)on ©artoS I 159. 



172 ®ic ÄatQfttot)]§e. 

©tüdEc mit bcn nad^ S)on 6arIo8' SScrl^aftung confiScterten 
papieren l^at anbete üble golgen gel^abt. 3Ran öermut^ete 
bie curtofen ©d^riften beä angebtid^ gegen ben nnglüdlid^en 
Slron^jrinäen angeftrengten ^ßrojeffeg in einem toirllid^ in 
©imancag befinblid^cn feft berfd^Ioffenen Soffer. 2ltö biefer 
tüä^renb ber napoleonifd^en Stiege auf S5efet)I eineö ftanjö* 
fifd^en ©enetate geöffnet tüutbe, fanben \iä) nut ^ßroäefealten, 
tüeld^e t)on einem im Scif)te 1621 ]^ingetid|teten f^janifd^en 
©taatämanne l^anbelten. ©abteta^S SSetid^t, nod^ baju in 
einer gtage, toeld^e (£^te unb 5ßietät begf etben betül^rte, erfd^ien 
aber fortnjäl^renb unglaubnjürbig, boßenbö in ber Verbreiteten 
interpolierten J^orm. JBei biefer Slnnatjme blieb §err ©ad^arb 
fogar mit bem neuen Slrgumente eine§ SobicillS t)on Sönig 
^t|itipp'§ n. Xeftamente, n?eIdE)eö bie SSerbrennung jener auf 
ben berftorbenen atteften ©oI)n beffelben besüglid^en ©d^rift= 
ftüde ben ©jecutoren feinet legten SBillenS jur ^flid^t mad^te. 
S5ie Folgerung toar nämlid^, ba'^ lein 2;j|eil berfelben in be§ 
SRinifter SKoura grünem Säftd^en genjefen fein lönne, toa^ 
ja Eabrera aud^ ganj unb gar nid^t bef)auptet l^at. 

Sei aIIer§od^ad)tung für®ad^arb'ggen)iffenI)aftegorfd^ung 
^at 2)on aKobefto Safuente bod§ bei ber SRitt^eilung öon 
beffen S^^if^^^i^S^bniffen feine Seiftimmung nur unter friti^ 
fd^en SBebingungen gegeben. Sßor SlHem l^at er aber in feiner 
®efd)id^te ©panienS (Xin 340) aHe gorfdE)er auf biefem ®e:= 
biete bur^ boHen 9lbbrudE ber in jebem SSetrad^te mertoürbigen 
t)ieräe]Önten Staufei bom 24. Sluguft 1597 au§ Sönig ^ßl^ilipp'g 
Seftamente berpfßd^tet. 

3unad^ft fdat l^ier bie ©orgfalt auf, bafe atte unter be^ 
Sönig§ eigenen SSerfdjIuffe gebliebenen Rapiere ju fidlerer 
aSertua^rung gelangen. Unter benfelben befinben fid^ eben biele, 
,n)eld)e meinem SBunfd^e nad) tüieber burdE)fet)n ju fönnen,' 



2:eftamentarif(i^ öerbrannte Elften. 173 

,inctnc Unpä^Itd^feitcn unb Söefdjäftigungen mir feine äKög-* 
»lid^feit gegeben fiaben. 3d^ befeijle, unb e§ ift mein SBiUe, 
M% i^ß^n id^ eö nid^t bei meinen Sebjeiten getljan l^abe, nad^*' 
,bem ic^ geftorben bin, alle ©c^Iüffet, toeli^e id^ befi^e, bem' 
,§etrn Eü)ri[top^ bon 3Kora übergeben tüerben/ Wtan fielet, 
tDeld^ unbebingteS SSertrauen ber Sönig biefem SJIinifter 
fd&enfte. 

Sinen beftimmten 2:!^eil biefer ©d)luffel foU 3Roura bem 
ffiöniggfofinc geben, toeld^er bamatö ben 3;itel ^ßrinj f d^Icd^tljin 
füfirte, toie einft 2)on ©arloS unb bann ber öiertcn @emaf)Iin 
5ßl)ilippg, ber Königin Slnna älterer, im Änabenalter an 
Äranf^eit geftorbener, Ijod^begabter ©ot)n S)iego. Se|t ift afe 
,5ßrinä* ber jüngere ©ol^n, ber toirllidie SRad^foIger ^f|ilii)p IIL, 
gemeint. 2)ie anberen ©d^Iüffel foö SRoura bel^alten, um 
bie ©d^reibfä^er (escritorios) in ®emeinfd^aft mit feinem 
©oHegen, bem Saufen Sbiaquej, unb bem föniglid^en Söeid^t== 
bater ju eröffnen unb ätoar ,mit ber größten SBefd^Ieunigung,' 
jttjeld^e möglid^ fein n^irb'. S)ie brei Ijaben einen getoiffen 
SSela^co jujujiel^en, ,n)eld^er fie in Äenntniö fe^en lönnen 
,n)irb, tüo fid) gelüiffe $ßa^)iere befinben*; benn n)ir erfafiren^ 
ba^ ber fiönig einen S^l^eil biefer $a:piere auf feinen ^Reifen 
mit fid^ füljrte, bie übrigen in 3Rabrib liefe, b. f). in einem 
©emad^e be§ bortigen 5llcafar. 

2lu§brüdEIid^ tt)irb nun öerorbnet, bafe ,alle bie geöffneten' 
.ober berfiegelten 5ßapiere, toetd^e fidt) t)on bem berftorbenen' 
,3Rönd^e 2)iego be ©Ijabeö, befanntlid^ meinem SSeidjtüater,' 
,t)orfinben* — er tuar ja öorl^er 2)on Earloö' Seid^töater in 
beffen legten SebenSjal^ren — ,feien fie bon i^m an mid£)' 
,ober bon mir an i^n gefd^rieben, bort fogleid^ in i^xtt 
,®egentr)art berbrannt tüerben. 3"^*^^ f^^en fie, ofjue fie*^ 
,äu lefen, feftgefteUt Ijaben, ob fid^ barunter irgenb ein öreöe^ 



174 3)lc ÄotQftro<)^c. 

,ober anbcrcS ^apkt öon SBid^tigfett bcfinbet, tocld^cö auf^* 
,jubett)al^rcn gejicmenb ift; in fotc^em ^^Hc foH bag bc** 
jtreffenbc auS'gcfdiiebcn hjcrben.' 2Kan fief)t bod^, tote bcr 
Äflnig baä ard^ibalifd^c ©taatömtereffe felbft in biefcn ganj 
))erfönlid^cn Singen gctoa^rt toiffcn toiU. 

9?unmef)r folgen bie, bon ben Sricfen be8 Seid^tDatcr^ 
abgefeljen, ft)cciell aud^ auf 2)on Garloö' literarifd^en 9lac^* 
la^ fid^ bejiel^enben SBorte. ,Unb berbrannt toerben foQen' 
,bort ebenfo anbete ^a^jierc bon anbeten 5ßetfonen jebetlei* 
,2ltt, tocld^c bon ©egenftänben unb ®efd^&ften bet SSetgangen^* 
,^eit l^anbeln, toeld^e leine SBiditigleit meljt l&aben *), inöbefon^** 
,bcte t)on SBctftotbenen, aud^ betfiegelte Sötiefe.' 

S)cn btei fetten, toeld^e mit bet SluSfül^tung biefeg 
©obiciüe^ beaufttagt toaten, ift, toie man fielet, boUe gtei* 
I)eit bet Sluötoa^I nad^ betfd^iebenen ©eiten l^in gelaffen, 
toie fie eben baS Snteteffe beg ©taateä unb bc8 jungen 
Äönigg auffaffen mod^ten. @g btaud^t laum bemetft ju 
toetben, bafe bie Sjecutoten eö ben @m<)finbungen unb SBün=s 
fd^en aud^ be? neuen ©oubetdn^ unmöglid^ entf}3ted)enb fin^ 
ben fonnten, gegen ben fid^tlid^en ffiunfd^ feine« SSatet« bie 
fd^metjüd^en bocumentatifdfien (Sinjel^eiten bet Äataftto|>]^e 
be« bot bteifeig 3al)ten geftotbenen Äton^itinjen bet 9ieu* 
gietbe ptei^jugeben. 



Jeidien }unel)menben S^ß^maJ^fxmtB. 

S)ie8 ift baS SBott, mit toeld^em bet fd^on mit S)ant 
batfeit ettoä^nte, gefeierte §ßf^^iattilet nad^ Sttoagung 
bet entfdEieibenben Beugniffe übet ^Ij^fif^e« unb geifttge« 

1) *que no sean menester/ fogt ctgcntlld^ etwa» »cnigcr. 



3eic!^en junel^menbctt ©d^wad^finneg. 175 

S)ofetn bctt 3^ft^^.^ ^^^ unglüdlid^en f^janifd^en Stton^ 
pvin^ext bcäetd^net l^at, ba man t)on neuen fiunfttoorten 
tDte moralijc^em Strftnn (moral insanity) burd^auS abfel^n 
muffe. ©0 trifft, 1üq8 bte t^entige ätäflid^c ^nft in SSejug 
auf ©ciftcSfranl^etten le^rt, burd^au^ überein mit ber SJe^^ 
jeid^nung, tüeld^e bom SKärj 1562 an biS nad^ S)on ßarlo^' 
^obe ber Äönig über bte ©eifieSmfingel beffelben, toenn 
er ba^ fd^merälid^c Xf^tma überl^aupt berühren mufete, münb== 
Iid| unb aud^ fd^riftlid), fotpol^l in officieHen toie in ben 
intimften ©d^reiben gleid^mä^ig geäußert I)at: er leibe an 
©d^njad^finn, an mangeltiaftem SSerftänbniffe (entendimiento). 
ytxtmaU toären 3^^flc^«^ff^^ ^^i> ©pätere, 5ßublicum unb 
gorfd^er auf aÜe bie Slbtüege ber ^^antafie unb S)arfteQung 
t)erfaQen, tueld^e biefe einfädle S:t)atfad^e auS ben Singen 
Vertieren liefen, ttjenn man fidE) ol^ne SSorurtI)eiI an be§ fo 
fd^arffinnigen, tüie belümmerten SSaterS Sßorte gefialten f(ätte. 

®ie frül^er ertoälinten 3^^9^iff^ ^^^ beginnenben (&nU 
jn>eiung jlDif d^en ©ol|n unb SBater l^aben toir oben (@. 166) 
nod^ einmal äufammengefteHt. SKan fann ftd^ beulen, bafe 
eine n>eit beffere ÜberfidEit in ben ^^a:pieren enthalten getoefen 
fein nrirb, meldte im September 1598 im ^afafte bon äKabrib 
bcrbrannt tt)urben. 

SBir bürfen aber nad^ aH ben ))at!£|oIogifd^en 2:f)atfad§en, 
toeld^e unS entgegengetreten finb, bie äu^erungen etneg 
beginnenben unb fid^ fteigernben ^affeg beä ©oI)ne^ gegen 
ben föniglid^en SSater überl)au<3t nid^t mel^r bom ^joßtifd^en 
®efid^t§punfte betrad^ten. SRur i^re legten SluSläufer, bie 
Slufrufe jur @mt)örung unb bie graufigen 3Äorbgeban!en 
berul)ren lieber ba^ ftaatfid^e (Sebtet. Snt Übrigen tl^ut man 
gut, toaö t)on toegtoerfenben ober au(^ madiger Iritifd^en 
|[ufeerungen beg Äronprinsen über beg ÄönigS §anblungen 



176 ^ie ÄatQftroJjl^e. 

berid^tet tuirb, ate Unarten etncö för^icrlicf) toic geiftig Setben'» 
ben ju betrad^ten. S)ie ganje ©nmmc bon Sjceffen unb 
©enjaltt^ätigfeiten, todäjt jtotfd^en ber Grrtd^tung feinet 
felbftänbigen §ofJ)alte§ im ©ommer 1564 unb feiner ©in^ 
ft)errung im Sanuar 1568 liegt, mufe neben unb über jenen 
perfönlid^en Unarten gegen ben SBater ju ben ©rtoägungen 
gebogen tcerben, toeld^e biefen enbtid^ jtoangen, ju ben 
SRitteln jü greifen, beren ftd^ aud§ bie gcrid^tlid^e SRebicin 
unferer S^age ^) nid^t entfd^Iagen lann. Sd^ barf gleic^ ^ier 
fagen, bafe bie gorm i^rer Slntoenbung burd^ Äönig ^ßl^itipt) 
gegen feinen ©ol^n bon einem ber l^erborragenbften gad^^ 
lenner auf biefem ®ebiete ate allen gorberungen entfpred^enb 
begeid^net toorben ift 

?iun mu§ man unter bie ©^mptome biefer, mit ber 
ttjunberüd^en ©egnerfc^aft gegen ben föniglid^en 9Sater 
toad^fenben ®eifte§fd^tt)äd^e aud^ aUe bie f|ä§üd^en ©jceffe 
ttjefentlid^ fegueUer Slrt jäl^Ien, toeld^e tt)ir am ©d^Iuffe beö 
Vorigen Slapitetö lennen gelernt l^aben. S)erlei ift ja aud^ 
fonft oft genug in fürftlid^en gamilien borgef ommen , unter 
©rben großer Sfleid^e Dieüeid^t am ärgften, am @nbe beö 
ad^tje^nten 3af|rl)unbertg in ©nglanb bei bem fpätern Könige 
®eorg IV. Stber bie bamalige fpanifd^e 3Ronard^ie mit il^rer 
t)on ber Station gebietertfd^ auferlegten 3?ic^tung fat^olif^er 
Uniöerfalfierrfd^aft Verlangte t)on it)rem ^errfd^er ein ben 
gorberungen ber aietigion unb föniglid^en SBürbe burd^au§ 
entfpredEienbeg »eäeigen. gür beg Sönigg eigene Slutorit&t, 
n)ie er ba^ in jenen früher (©. 88) ertoä^nten SBorten nad^ 
be§ ^ßrinjen hjilber ©cene mit bem ^erjoge öon Sltba au^ 
offen au^fpra^, lag eine ©efa^r in feinet ©o^neg toie bem 

1) ©buarb öon ^ofmonn, Sel^rbuA ber gerlAtUAen SWcbicin* 

(1887) 878 bis 898. 



Slnftanbe, fo bem SRed^tc ctne§ cibilifierten ©taateS unb einer 
auf if)rc ejclufiöe SReligtofitdt ftoljen Station gletd^mäfetg 
äutoiberlaufenbeö SJene^men. 

9?un toäre e§ fo ermübenb afö unter ber SBürbe ber 
©efd^id^tfd^reiBung Itegenb, toenn td^ bie fo erjäl)lten beft 
bejcugten, fd^on einmal (©. 150 flge) angebeuteten Sllte reget 
tt)ie jud^tlofer ®ett)alttt)ätigleit, tljörid^ter ßetrftörungSluft unb 
lange unterbrütfter 9?ad^fud^t be§ $ßrinjen f|ier im ©injelnen 
toieber tJorfüI)ren tPoUte. (Sinige JSeifpiele mögen genügen. 

Slnfang äRärj be§ ^al^reS 1567 gab er einem feiner 
ÄSmmerer, bem ©ol^ne jene^ getreuen unb nur ju ängftlid^en 
^uterö feiner Sngenb beg 3RarqueS be Ia§ 9?at)a§, Sllfon^ be 
©orboöa, ol^ne Urfac^e eine SRaulf dielte; 'fein löniglid^er* 
jSBater toar barüber l^öd^ft unsufrieben unb nal^m benfelben' 
,afö Sammertierrn in feinen eigenen S)ienft' ^). S)er floren* 
tinifd^e ©efanbte öerfidEiert d^arafteriftifd^, toenn aud^ erft am 
24. Suni^), ber ?Prinj Ijabe bei bem ©daläge I)injugefügt, 
feit mef)r al8 fecf|§ 3Ronaten ^abt er biefe Slbfid^t mit fi^ 
getragen. Sm ©taatSard^iüe öon ©imancaS ift auö bem 
Dftober 1 566 eine 3cif)Iung t)on Ijunbert 3?ealen an ben SSater 
junger äKäbd^en berjeid^net, toeld^e ber ^rinj l^atte fd^Iagen 
laffen. 5lu§ einer üon einem S^eftamentSejecutor Veranlagten 
3eugenaugfage au8 bem Salute 1583, abgegeben t)on einem 
SSebienfteten in ber Sammer be§ t)or fünfjetjn Satiren ge- 
ftorbenen S)on ©arloö ergibt fid^, ba§ ber 5ßrinj plö^lidö, 
ju 3lnfang beg 3al)re§ 1567, toegen eine§ it)m fel|lenben 
löniglid^en §anbfd)reiben§ (billete) gegen feinen ©arberobe- 



1) 2)lctrid&ftein 10. aJiörj 1567. 

2) ©ad^arb, S)on Darios II 394 f., m fic^ au* ber Xcft ber ein= 
tragung über bie SBejal^Iung für bie Sülöbd^enmiftl^anblung flnbct, fo= 
tolc bie ganj unbefangene unb fad^lid^e geugenauSfage öon 1583. 

ettbtnger, 2)on QTarloS' $aft unb Xob. 12 



178 ®ic Äataftto^j^e. 

unb ffilcinobicn^ütcr einen Slbfd^eu fafete. ®on ßarloö tourbe 
t)on einigen (Satjalieren jurüdge^olten, i^n jnm genfter l^in^ 
auä jn tperfen; er entließ if)n aber, erflörte if)n einer 3Ra^ 
jeftdtöbeleibigung fd^ulbig unb liefe eine Sfteöifton ber 3?ed^^ 
nungen über aUeg bem burd^ang eiirlid^en SKanne anbertrant 
©etDefene bornel^men. 

Unter bem jum %i)dlt nad^toeiSlid^ ungenauen SRai^ric^ten 
über beg ^ßrinjen Sjceffe, toeld^e feineS SSaterö a5iogral3l& 
lieferte ober jufamntengefteQt fanb, finben \i6) gerabe biefe 
beiben jule^t ertt)dt|nten für ben junel)menben , mit 9luf* 
regung berbunbenen ©d^njadjfinn beö ^ßrinjen c^aralteriftif^en 
3eugniffe nid^t. Slber eg toirb ein anbereä angeführt, beffen 
®enauigleit man bejtoeifelt l^at, ol^ne ju erto&gen, bafe ber 
föniglidie DberftaHmeifter, unb inbirect ber Sönig ^^ilipp 
felbft, atö 3^^S^^ genannt finb ^). SSon biefem SSorftanbe beö 
föniglid^en SRarftaUeS Verlangte ber Jtronprinj ein lönig* 
Iid|e§ Sieblinggpferb ju feljn, inbem er 'bei bem Seben feineö' 
,SBciter§' fii^tour, il^m ni^t^ ju ßeibe ju tf|un; mit bem eblen 
Sioffe allein gelaffen, rii^tete er eö fo ju, bafe e§ ju ®ruribe 
gieng, njie er ja brei unb jtoanjig, too^I feiner eigenen, 
?ßferbe irgenbtoie abfttf)tlid) öerlefet l^atte^). 2Ran fottte 
glauben, bafe er baburi^ aucf) geigen tooßte, toie toenig i^m 
an bem Seben feinet 9Sater§ gelegen fei. (So bebeutet ba^ 
neben nid^t einmal für fein ^erj ettoa^, ha^ feine t)er== 
fd^tüenberifd^e §anb gelegentlid^ ®elb für bie (Sräiel^ung öer^^ 
laff euer ^nber ober eine§ ju ©d|ulbl)aft SSerurtl^eilten gab ^). 

Slber bcffer atö aEe fold^e ©inäell^eiten gingen für bie 



1) ©obrera VII 22 p. 470 a. 

2) hace mal a veinte y tres caballos toirft i^m Dr. Suare^ im 
mHxff 1567 öor (®a(!^arb II 403). 

3) Adolfo de Castro, protestantes Espafioles 377. 



Scld^en auncl^mcnben ©(i^tood^finneS. 179 

ung l^tcr bcfdöäfttgenbe gragc bic aBarnungen, tpeld^e bcr 
bei ber äbfaffung bc^ 3;cftamenteg (©. 114) bet^eütgt getpefcnc 
aufridötigc unb furd^tlofc grcunb bcö ^rinäen, bcr 3ttri[t 
©uarej an il)ti rid|tetc. 

©^on nac^ jener bie Sntjnjeiung mit bem SSater offen 
anifinbenben, fo anftöfetge Slnfproc^e beS ^rinjen an bic 
ßorteö (©. 116) l^attc berfelbe unter ^innjciö auf bic @^r^ 
furcht, tx)dä)t 5ßl^ilipp U. immer feinem faiferlic^en SSater 
beriefen ^atte, ben S^^ronerben, unter Slnfu^rung ber gabel 
öon Scaruö' ©turje bei bem öcrfuci^ten ^immetöftuge, öor 
tociteren ä^nticf)en ^anblungcn ju ttjarnen, bie ju feinem 
3Serbcrben fül^ren müßten. SluSbrüdli^ bejeii^netc er in 
einem jtoeiten n^arnenben ©riefe f^on nad^ toenig über jtoei 
SRonaten bie Sage be§ Äront^rinjen alö eine bem SSerne^men 
nad^ gcfdl^rlid^e ^). ©anj auöbrüdlid^ unb me^rmatö fprid^t 
er baüon, bafe ber ^ßrinj fid^ auf bem SBege ber geinbf^aft 
(enemistad) unb be§ Unget)orfameö gegen feinen SSater 
befinbe. 6r begel)t befel^alb bie ©ünbc, fid^ bcr SSeid^te unb 
©ommunion ju enthalten. äJiit ben ftär!ften, feierlid^ften, 
ber ^Religion unb ber ©ienfttreue entnommenen SfuöbrüdEcn 
befd^tt)ört er il|n, burd^ ®£)rerbietung unb unbebingten @e^ 
f)orfam gegen feinen SSater fid^ ju (Sott ju befel)ren unb fo 
ben n)o]^IgefäIIigften ©ieg ju erringen. Slütäglid^ toadEife bie 
3al^t ber erftärten geinbe beg 5ßrinjen. *©c^rcd£Ii^c S)inge* 
treibe er — man foHte meinen: unnatürlid^e ©unben — 
bafe man jtoeifeln fönne, ob er ein ß^rift fei ober nid£)t unb 
bei einem Slnbcrn bie Snquifition eine Unterfuc^ung aufteilen 
mü^tc. *(SnbIid^ erfläre id^ (Surer §o^eit*, fo toagt ber I)od^^ 



1) Teniendo aus negocios en tan peligroso estado como entiendo 
que estan. (^ad^arb, ^on ^arlog II 399 fg. l^at bie entfd^eibenbften 
©teilen fc^on in Original unb Überfe^ung gebrad^t. 

12* 



180 S)lc ÄQtaftrop]§e. 

Ijcrätgc ©elc^rtc äu fagen, *bafe fie ®cfat)r um Sf)te ganjc* 
©tcHung (estado) lauft*. 

SBenn nun S)on 6arIo§ mit feinem fiinbertro^e ftd^ im 
Sa^re 1564 ben eigenen ^offtaat erftritten ju l^aben meinen 
mod^te, fo \)at er im näd^ften 3al)re ftd^ jutueilen bereditigt 
gehalten, eine möglid^ft auffallenbe unb toegtoerfenbe Äritil 
über aUe §anblungen feine« SSaterS ju üben^). 2Bo£)l 
möglid^, ba§ er fid§ auggebad^t I)atte, ber Sßnig tüerbe i^n, 
toenn er fid^ in ber 9?df)e fo unangenel^m mad^e, ju einer 
©tattljalterfd^aft in bie gerne fenben. 

Sine anbere 3fieif)e bon SBetoeifen biefer uncontrolierbaren 
Duer^ unb SIbtoege be§ ^ßrinsen bringt am 24. 5luguft 1567 
eine S)e})efd^e be§ franjöfifdEjen SBotfd^afterg gourquebaulj 2). 

3lo6) tuaren bie Vorbereitungen für bie flanbrifdt)e 3fieife 
beg ßönigg in boHem (Sauge. S)ietric^ftein freilid^ bemerfte 
tüieberl^olt, bafe man an ber 2lu§füt)rung berfelben ätoeifle, 
ber König unb bie ©einigen aber toünfd^en, bafe man baran 



1) Quant au prince il est aujourd'huy le plus honneste et obe- 
issant du monde; car bien qu*il resprouve et mesprise communement 
toutes les actions du roy son p^re et qu'il n'aye agreable chose que 
la princesse ny que les petis princes de Hongrie facent ou disent, 
il faict n^aumoins semblant de trouver bon tout ce que la royne 
vostre fille fait et dit et n^y a personne qui dispose de luy comme 
eile et c'est sans artifice ny faincte; car il ne scait feindre ni dis- 
similer. Yoilä., Madame, ce que S. M. m*a respondu jusques 
icy. ®S finb alfo bie ©pottloorte ber Königin über ben 
tl& brieten ©tteffolfen, bie er wiebergiebt! fjourqeöaulf an J^atl^arina 
aRebldS 3. «Robember 1565. Gachard bibl. nat. ä Paris II, 198. 
^ierju S)ietrid^ftein 24. Sanuar 1566 (^oc^ 1 151): 9hin trmut Ime ber 
SSater nit, berff ime quc^ nit ju öitt ©ettJalt geben; fo tft ber $rinj 
feintUc!^ (= überaus) fre^ mit 9fleben unb <)affteret fein SSattem au(^ 
nit MeS. 

2) Gachard, bibl. nationale ä. Paris II 249 biS 289 für biefc unb 
bie nöd^ftfolgenben Sf^atJ^ri^ten, loo feine anbere DueHe citiert ift. 



3e^en ^unel^menben ©c^toac^finned. igi 

glaube 0- ^ourqueöaulj: i)at, obtDoIjI er nod) am 16. öult aUe 
Slbfa^rtööorbereitungen für SSerftettung ju Ijalten geneigt 
tüar, feine erl)eblic^en öebenfen me^r: ,biefer ganje §of ift* 
,tr)egen biefer Steife im UnMaren mit 3?üdfi^t baranf, bafe* 
,bie SSorbereitung t)on SSorrätJiett unb SlugftattungSftüden* 
jfortbauert. 9D?an Verfertigt carmoifinrot^e 2)amaftf[aggen' 
,mit bem 2lnbreaö!reuäe für ben Äönig, ben ^rinjen unb* 
,bie ^ßrinjen bon SJö^men. S)er König ertüartet, n^eld^en* 
,©proffen il|m ®ott bei ber bemnäd^ftigen 3lieberfunft ber* 
,Äönigin geben toirb. S)enn ttjenn e§ ein ®oI)n ift, fo toirb'. 
,bie ertoäl^nte §eirat{) mit ber ©räl^erjogin Slnna in ®efa^r* 
,fein, fid^ nod^ einige ©ommer aU SSerlöbniö Iiinjuäietien/ 
,n)eil ber König unäufrieben mit bem ^ßrinjen ift unb too^I* 
.fiel)t, bafe berfelbe fid^ i^m entjielien tüitt. S)enn er geljt* 
,barauf auö, ©olbftüdfe anäufammeln unb er Verlangte Vor* 
,Kuräem, ba| i^m 9iu^ (Somej 200,000 ol^ne SSornjiffen feinet* 
,9Sater§ burc^ Siarlei^en berfd^affen fotte. S)aS tDurbe ent*' 
,bedt, unb 9?u^ ®omej fiel fe^r in Ungnabe bei bem $ßrinjen/ 
,beffen gortge^en nad^ 5ßortugaI ober fonft irgenbtool^in biefe* 
,2Waieftät fel^r für^tet. 3lu§ biefem Slntaffe unb toegen' 
»anberer Sngenbftreic^e feinet @o{)ne§ em^jfinbet er gro^eä 
j^erjeleib unb e§ gibt Seute, toeld^e meinen, njäre e§ nic^f 
,um bag ®erebe ber SSJelt, fo njürbe er il|n in einem S^urm' 
»unterbringen, um if)n ge{)orfamer ju mad^en. Überbieg* 
,fiel|t biefer König Vorauf, bafe ber ^rinj, toenn er einmal* 
,verf)eirat{)et ift, atte ©tunben be§ S^ageg in ©treit um ®elb* 
jfein toirb.' 

S)ag Se^tere bürfte leine SRittljeilung Von 9iu^ ©omej 
toiebergeben. (£^ fönnten ganj toof)! be§ über 2)on Sarlo^* 



1) 10. unb 29. 3luguft 1567. Äoc^ 1 192, 194. 



X82 '^^^ Äatoftropi^e. 

©d^toad^finnigfeit bcfc^ätntcn SBater§ SBotte an btc Sönigm 
fein, obmf)l er, ttjie toir ©pätgeborenen, ntd)t sttjeifeln fonnte, 
bafe ber ^ßrinj in einer unmöglid&en Sfie ju ©treit nnb SGöut^ 
nod^ geringere SlnWffe al§ pecnnidre aS3ünfd)e gefunben l^ätte. 

®er »otfc^after ffi^rt tt)O^I felbftänbig fort: ,@r toürbe' 
,ftatt ^unberttaufenb ®oIbftü(fen, toeld^e er ie|t jälirlid^ feinem' 
,©tanbe gcmäfe empfängt, ba§ 2)rei- ober 9Sierfa(f|e tnoOen 
,nnb SDiailanb, SReapel ober gianbern für feinen Unter^alf 
»bedangen; benn fein SBater ift toeber in bem Sllter nodö ber 
,Äört)erbefiaffen^eit, um i^m auf lange 3eit ^in feine Srone* 
»abjutreten. ©o ift aud^ ju furzten, bafe ber ^rins, nad^ 
,ben erjä^tungen über feine Slu^brü^e, ber aRann toäre,' 
,einige Unorbnung anjuftif ten . mit SRüdtfi^t barauf, bafe' 
,er ein unru{|iger, bijarrer ®eift unb mit feinem SSater fe^r 
»unsufrieben ift* 

S«a^ brei SBodien (12. ©eptember 1567) fc^reibt ber ®e^ 
fanbte ferner an bie Äönigin Äatliarina aRebici^: ,§errin,' 
,©ie lönnen glauben, bafe ein tüunberfamer UnttJiüen unb' 
,üble »efriebigung sttjifd^en bem Iatf)olifd^en Könige unb bem' 
»grinsen, feinem ©o^ne, befielt, unb toenn ber SSater il^n' 
,]^afet, fo t^ut e§ ber ©ol^n nid^t n^eniger, fo bafe, ttjenn' 
,®ott feine |)itfe f^afft, barauö ein grofee§ UnglüdE ent^' 
,ftel)en lann.' @ben ein fold^eö njdre bem ©efanbten toie 
ber Äönigin=3Äutter ganj ertüünfdE)t. 

,§iaein fo fel)r bet ^rinj feinen SSater ^afet, eben fo' 
,fel)r berme^rt er feine ßuneigung ber Äönigin, feiner* 
»Stiefmutter, gegenüber unb St)re a^ajeftät ift fo Derftdnbig,* 
,ba§ fte fid^ mit S)i§cretion bem entfpred^enb Ijält, if)rem* 

1) pour remuer quelque menage, »Q§ freiltd^ Quc^ auf bie ©rregung 
öon Unorbnung int ^aufe gel^n fann, aber trol^l auf SiebeHion beuten fott. 



3etd^en june^menben <B^tDa^[mnt^. 183 

,®cinal)lc unb tl^rcm ©ttcffoline ju ©efaHeii.* S)a§ entfprid^t 
flanj bcr florcntinif^en Slug^eit il^rcr geffird^tetcn SJiuttcr, 
toeld^c bei bcr Scctfirc bic fd^ßnften grüßte für il^rc ft)antf(^cn 
@n!cl leimen gefeiten l^abcn burfte. 2luf baS inftänbigftc 
bittet tool^I be8l)alb ^ourqueöaulj feine ®ebieterin um @t^ 
l^etml^altung feiner SKittl^eilungen, ,ba fo SBiele auf fpanifd&e' 
jSBürben unb ©infünfte Ijoffen*. 

Siod^ bcffere Siad^rid^ten lonnte ber eifrige S)iener ber 
franjöfifd^en Ärone nadft jttjei SBod^en geben: (23. ©eptember) 
,S)cr ^ßrinj öon Sboli \)at mir gefagt, id^ foHe nur bie' 
jSiieberfunft ber Königin ertoarten unb je nacf| ber grud^t/ 
,tDeIdE)e fie bringt, werbe man eine Sntfd^Iiefeung faffen.* 
SRad^ ber SSerl^aftung beS ^rinjen l^at dint) ®omej bie ^ier 
ertüäl^nte ^ufeerung fo gefaxt: ,3Ran toerbe barüber lauter 
jfc^öne S)inge befd^Iiefeen* ^), tt)a§ er bamafö bod^ nid^t auf bic 
?lbfic^t einer (Sinfperrung beg ^ßrinjen gebeutet I)atte. S)a* 
mate ful^r er bal^er in feinem SBerid^tc fort: ,biefe äu^erung* 
,Iäfet mid^ benfen, ba§, toenn bie Königin einen ©ol^n be-* 
jfommt, man l^ier meint, bem Siönige (Sari IX.) bie ältere* 
,2:od^ter bc^ Äaifer^ ju geben, fo bafe ber ^ßrinj leer au§==* 
,gc]^t, Don bem man ol)neI|in beult, bafe er feine ^iad^Iom*^* 
,menf^aft l^abcn toerbe.* 9Kit Srftaunen lieft man in einem 
SBcrid^te bcSfelben SBotfctjafterg bom 5. gebruar 1568, bafe 
5ß^üipp n. nac^ ber ©infperrung feinet ©ol^ne^ bag ^roject 
bcr SBermät)Iung ber (Srjlierjogin Slnna mit bem Könige 
Sari IX. nad^brüdlid^ empfal^I, toie baö aud^ ber SRuntiug 



1) £t ne s^aurois dire, si Ruj Gomes entendoit parier de ce 
qui est ad venu .... peu de jours avant les demi^res couches de la 
royne votre fille, me disant qu'il falloit voir ce que Dieu donneroit 
ä la dicte dame, pour resouldre lä - dessus tout plein de bellea 
choses. 19. Sanuar 1568. (Sac^arb, ^on ©arloä 657. 



184 ®te Äataftro})l^c. 

Billigte ^). ®Ieid^äeitig mit jener Slnfünbigung Dom 23. ©ep^ 
tembcr 1567 t)atte aber (Sboli bem franäöfifd^eit ®efanbten 
boc^ auc^ ntitgetl^eilt, bafe bie löniglid^c gat)rt in bie 9Weber^ 
lanbe anf bag grüf)jal)r üerfd^oben fei. 

2tm 10. Dftober gena^ bann bie Königin jener jtüeiten 
frü£)er (©. 131) ertt)ät)nten ^^od^ter. 9?arf) bem befinitiben 
Slufgeben ber SReife nad^ glanbern unb bieHeid^t nod^ öor 
biejem Oeburt^ereigniffe bürfte ber Äronprinj ben (Sntfd^Iufe 
jnm Stufftanbe gefaxt I)aben: atö ein ,SSerjtoeif elter*, ttjie er 
ftd^ jelbft feinem SSater gegenüber bei ber SSerl^aftnng ge^ 
nannt l^at. 

3)ie für nnfere 3^^^^^ ^^^ ^ßrinjen §aft unb %o\> bor^? 
netimlid^ nad^ ben ©efid^töpunften feiner gamilie gu erllären, 
er{)eblid^en 9^adf|ridE)ten über ® on ©arlog' ©dEitüad^finn lonnten 
toir, nädift ben gamilienbriefen, in erfter Sinie ®ietrid|ftein'§ 
2)e|)efdE)en bon beffen Sanbung in ©panien bi^ ju 5llba'§ 
Stbgang nad^ ben 3iieberlanben entnel^men. gür biefe Qtit 
ipurbe feine eingel^enbe Äunbe jum %f)üU, tt)ie gleidEtjeitig 
(@. 112 flgbe) I)ert)orgef)oben tuorben ift, au§ ben caftilifd^en 
SSerbinbungen feiner ®emal)lin gefd^öpft. 3)a tourben feine 
58eridE)te atö ber redete Seitfaben eineä tDOl^Igefinnten güJirerö 
für bie öorliegenbe ©arftettung benu^t. 



1) Gachard, bibl. nationale de Paris 11 252 auSbrüdlid^ avec la 
princesse aisnee de Bohesme. (Sbenfo ber S^JuntiuS am 4. fjebruar 
1568: II parentato con la figlia dell' imperator ^ espedito tal che^ 
se'l re di Francia fa quello che deve et resta vero padrone del 
suo regno, sarä facilmente sua. ©ad^arb, S)on ©arloS 666. S)ens 
felben ©ebanfen äußert auc]^ ^ietricJ^ftetn alS nunmel^rige SluSIutift 
am 19. 2Rai 1568. Äod^ I 217. ®er «ßo<)ft bllltgtc biefen (g^ebutib 
f^ö6fiidi, toeil bann le cose de la religione in quel Regno (Fi-ancia) 
dovesero sempre andare di bene in meglio nad^ einer S)cJ)efc^e bc8 
a;arbtnaIS S)elfino Dom 26. 3uni 1568 an Äaifer 3RafimiIian IL im 
SBiener ©taatSard^iö (SRomana 1568). 



Beleihen gunel^ntenben Sd^toad^ftnned. Ig5 

3Som 9Kai 1567 an, tote ebenfalls bemerft (@. 164), ber^ 
ftegt btefe befte Queue ber aut^entifd)en Snformation. Söntg 
$l^iltt)l)^g ©d^arfblid !onnte nid^t entgel^n, toie ber getreue 
ISotfd^after bei ber SBeurtlieilung be§ fj)antfd^en Äömgöfotineg 
eben nur biefen einen ®efid)töpunlt feiner großen ^errfd^aftö^ 
anft)rüc^e unb ber lönigltd^en S^^^i^^f^ ber älteften %o6)tti 
feineg faiferlidien |)erm im Singe I)abe. 2)ag ift ja aud) in 
fold^em 3Raafee ber gaU getoefen, bafe berfelbe ©ietrid^ftein 
nad^ be8 5ßrinjen SSertiaftung , ba jebe Sluöfid^t auf feine 
©ucceffion öerfd^toanb, bie Srjl^eräogin Slnna, toie König 
^^i%|) felbft unb ber ^Qp\t ebenfalls meinten, bem fran=^ 
jöfifd^en Könige ju öerloben rietl^^)^ ^^^ \^^j^ Slbleben ber 
Königin (Slifabett) aber glüdCIi^ genug toar, bie SBerbung 
be3 Könige W^^P Wt um beö ebenfaßg tobten 3)on ©arloö* 
einfüge SSerlobte big gur SSermaf|Iung förbern ju !önnen. 
gfir bie furd^tbare ^jf^d^ifd^e unb, toie toir gleid| fel)en toerben, 
bie nid^t ungefätirlid^e poIitifd)e Situation beö Könige feinem 
f raufen ©o^ne gegenüber, l^atte S)ietrid£|ftein'^ Sifer lein 
SSerftänbniä. 

Smmer bon 9leuem finbet man in feiner ©orrefponbenj, 
nad^bem einmal baö ^eiratpproject mit ber ^^ante 3of)anna 
aufgegeben toar, Slu^brüdCe beö ©rftaunen^ über bie S?er* 
jögerung ber SSerlobung be^ ^rinjen mit ber Kaifertoi^ter 
unb SJial^nungen an feinen ©ebieter, SKajimilian n., bie 
©ac^e ernftlid^ ^n betreiben ^). ®rft am 10. SJJärj 1567 öer^^ 
l^el^lt er fid^ nid^t, bafe feine größere Ungleic^l)eit benfbar 



1) S)on ©arloS ein ^)reften^ffter fd^wac^er $err, aber l^in^ 

toieberum eineS großen ^^unigä <5un. 29. Sunt 1564: Sioä) I 129. 

2) Sßgl. oben @. 184 tont. 1. 

3) SBefonberS am 31. Tt'dv^ 1566, 10. aRärj, 26. ?H)riI unb 18. aJlai 
1567: Äod^ I 159, 183, 185, 189. 



fei, ate jtoifdien bicfem SSatcr unb ©ol)n, obtüol er fd^on 
im Sanuar be8 borange^enben Sal)re§ bie Unbotmäfeigleit 
unb bie uitäiemtic^en tufeerungen ^) beS grinsen übet ben 
ßönig referiert ^aitt. (Srft gegen ®nbe Stpril 1567 toirb 
er über ®on (Sarlo^^ ßure^nungSfä^igleit bebentlid^; er 
fü^rt eben nur an, SBiele meinen, toegen ber SSerjögerung 
ber ^eiratli fei er ,fo feltfam'. ßum erften 9Rale fügt er 
aber Iiinju, e§ fei über i^n ein Urtl)eil abzugeben feine 
leiste 3lufgabe2); benno^ I)ätt er bie^eirat^ gleic^fam für 
baö Heinere Übel. 

©ietrid^ftein ^atte t)on bem faiferlidien ©rofeöater öor 
ätüanäig Sal)ren bod) genug gefef)en unb glaubtoürbig ge^ 
f)ört, um äu tüiffen, bafe Äart V. überaus unmäßig im 
©t)eifengenuffe toar. Sind) bie Steigung ber I)ab§burgif(ä^en 
9fiegenten ju übermäßigem Dbftgenuffe 3) bie ja fd^on öon 
Äaifer griebrid^ UI. bemerlt tüirb (ja für biefen öermutfjli^ 
töbtlic^ geworben ift unb nod) nad^ ber :portugiefifd)en ©r^^ 
oberung burc^ ju reid^Iidie SSerjel^rung öon SKelonen auf 
bag Sranfenlager tnarf^),) tt)irb if)m befannt getoefen fein. 
©0 mod^te er 9Kan^e§ mel^r alö tüir begreiflid) finben. 
3loä) el)e er S)on ©arloö gefeiten Iiatte, erjälilte man it|m, 
baß berfelbe ju nidE|tö ,incliniere ate jum @ffen'; ba§ be* 
treibe er mit größter ®ier unb immer bon S^euem; ,foId^e§ 



1) ,Setntlid) frei mit ?Reben'. SBgl. oben ©. 180 ^nm. 1. 

2) ,@§ ift befd^töerlid^ öon ime ju jubicieren'. 

3) (£itt gute§ SBeifpiel, wenn aud^ nur au§ 9BiIl^elni8 t)on Dranien 
©orref^jonbenj (Groen van Prinsterer, archives I 434 öom 2. Sfioöember 
1565) bringt fc^on (Sa^arb, S)on ©arloSi 470, tt)ie ber ^rinj wieber 
erlronfte, nod^bem er fedöjel^n $funb Cbft, bann einmal öicr ^funb 
Xrauben gegeffen unb SBaffermengen (,5tt)cn SSaffertrund*) baju öer:= 
f(]^lungen l^atte. 

4) Gachard, lettres de Philippe II ä ses fiUes p. 109 n. VII. 



8et(^en äunel^menben ©d&wad^flnne«. 187 

,Übercffen fei bte UrfadE)e aUct feiner ^änllid^feit; ballet' 
,ntan aUgemetn beforge, er tüerbe bei fold^en ®eh)ot)n]^eiten* 
,ni(]^t lange am Seben bleiben'. 

6g möge bod| gleid) f|ier bemerft fein, tüaS id^ ber mel^r^ 
fad) fd^on ertt)ät)nten Äunbe ber Iieröorragenbften 5lutorität 
auf biefem ©ebiete unter unferen ß^itgenoffen banle. Sßon 
biefem ,Übereffen' unb bem gleid^ ju ertüdl^nenben burd^ 
.Slngftgefül^I* öeranlafeten ,maffenl^aften 2;rinfen üon SBaffer/ 
öerbunben mit ,SntoIeranj gegen 5lIIof)oP gilt nad^ Xtieobor 
SKetjnerf § Sluffaffung tt)ie t)on anberen, bei fold^en ©d^tnad^^ 
finnigen unb bal)er aud^ bei S)on (SartoS, üorfommenben 
(Sjceffen, bafe fte ,©^mptome reijbarer ©d^tüäd^e finb, nidjt' 
,S!ranft|eit§urfad^e nad^ einer aud^ unter ben 5ßf^d^iatern 
jöerbreiteten 5lnfdöauung*. "^timv tooUt ber ßefer 'ooxnt^m^ 
lid^ für aQeg in biefem Slbfd^nitte t)on ben 3^^^^ äunel)men^ 
ber ®dE)tt)adE)finnig!eit be§ ^ßrinjen ju Grörternbe bie %f)aU 
fad^e im 3luge beljalten, bafe ber äRenfd^ ,fd^tt)ad^finnig' fein 
,Iann, oI)ne öertnorren ju fein*. Sn biefem ©inne folgen 
n)ir ben immer möglid^ft gunftig geliattencn SBerid^ten be§ 
laiferlid^en SBotfdE)afterg über bie (Sjceffe in ber (Srnal^rung 
beö 2;i^ronfoIgerg beö ft)anifdt)en SBeltreid^e^ ^) 



1) 3)en 22. 3H)riI unb 29. 3uni 1564, 22. Oftober 1565, 31. aWärj 
1566, 18. SOflalunb 23. 3iiU 1567 Äo^ I 122, 128, 149 f., 159, 189, 
192. 2)ie SBergleic^ungen mit ben Drigtnalien l^aben ^ier nur un= 
erl^eblic^e SSarianten ergeben ^mmerl^in glaube id^ bemerft ju l^ben, 
bag ®ictrici^ftein'S ®et)efc^en au§ bem ©ommer unb ^erbfie 1567 in 
gebrüdterer ©ttmmung unb tod^l In bem beutltcften, »te wir je^t feigen, 
nur gu begrünbeten ©efül^le qefd^rieben ftnb, bag il^m im ©egenfa^c 
jur frül^eren 3Jlittl^eiIfam!eit be§ ÄönigS unb feiner SBertrauten in Sc* 
jiel^ung auf 3)on ©arloS SRand^e^ bcrl^eimlid^t werbe. 3)od^ fd^eint er 
ftd^ — menn mir ntd&t etwa eine 3Senbung entgangen ift — nic^t 
wieber, wie brei Qal^re frül^er (ögl. oben @. 163 3lnm. 2) bei bem Äöttigc 
befd^wert p l^aben. 



188 ®^c Äatoftro<)i^e. 

3m STpril 1564 gilt er, faft neunjcl^niä^rtg , at^ ,tn 
.SSielcm einen guten SSerftanb jeigenb, in Slnberm noä) fo' 
,finbifd^ tüie ein fiinb öon fieben Salären, fo bafe er ni(i)f 
»ju unterfd^eiben tDt\% toa^ redE)t unb unred^t, fd^äblid) ober* 
,nä§Iic^ ift*. 3m Suni biefe^ Sal)reg ^at man il)n ju einiger 
S)iät gebrad^t, fo bafe er fidf) mit einem ganjen Kapaun be^s 
gnügt, er trinft aud^ baju ,nur einmal unb SBaffer, ttjeiP 
,i^m ber SBein gänglid^ toieberfte^t'. Sm Dftober 1565 ift 
ber 5ßrinä toieber leibenb ,unb bei biefer l^öd^ft ungeorbneten' 
jSeben^toeife beSfelben ift tt)al)rlid^ ju beforgen, bafe er nid^t' 
,alt tüerbe. 3e§t toiH er nur einmal täglich effen, nimmt' 
,3Rorgen§ toenig, 3lbenb§ fo biel gu fid^, bafe eä 5lnberen* 
,fur ätüei, brei 9Kal genügen njürbe; trinft nur SBaffer/ 
,toeld^eg burd^ ©d^nee gefeilt unb ge!ül)lt ift, unb bod^ er^* 
»fd^eint e§ if)m nid^t lalt genug* — toie un^ ja nad^ ben 
oben gegebenen 5lufflärungen ganj öerftänblidi ift. 

Snbe äRärj 1567 ift ber »fel^r gelangtoeilte*, geplagte 
5ßrinä ,ganä toolilauf unb, toenn er feinet Slppetiteg 3Reifter* 
toäre', t)ätte ©ietrid^ftein §offnung auf bleibenbeö SBol^lfein, 
,aber er lann nid^t an fid£| I)alten*. 9iad^ einem äRonate 
faßt ber ©efanbte feine Seobad^tungen bal^in jufammen, ©on 
6arlo§ ,fei fd^on ungejogen unb toerbe fid^ ni^t änbern, bi§* 
,ftänbig ein guter ©influfe*, tüie etttja t)on ,ber (Srä^erjogin* 
,3lnna, auf il)n geübt toerbe. (Sr ^at öiele böfe ©ad^en an' 
,fid^, anbrerfeitö audi) öiele gute unb l^at fid^ feft üorge^* 
,nommen, feinen SBiUen auf nic^tg Unrec^teg mel^r ju lenfen*. 
S)ietrid)ftein meint, n^enn ba§ eintrete, bann lönne man fjoffen, 
er tnerbe nod^ ganj anberö toerben, ate man ertoarte. Slber 
toir ^aben auö ben franjöfifc^en SBerid^ten gefeiten, toie rafd^ 
ber geifteöfd^toacfie SC£)ronerbe fol^e Sßorfä^e öergafe. 

Unb tt)eldjen (Sinbrurf mufete eg, tro^ ber öon gour^ 



?lufruf äur @m)>örung. 189 

quet)aulj gemetbeten glaggenftiderei auf x\)n tnad^cn, bafe, tote 
©ietttd^ftetn @nbe SuK 1567 fc^retbt, bei ben testen f(i)etn== 
baren Sßorbereitungen für bic Söntg§fdl|rt nad| ben SWieber* 
lanben ,Iein ^offtaat für tt|tt angeorbnet tüarb unb fein* 
,toentge§ ^ofgeftnbe* feine Slntoeifungen für SReifeDorbereitun* 
gen erl^ielt, fo bafe e§ atö unbefannt angefe^en tuerben mufite, 
ob ber 5h:ont)rinj übertiaupt mitreifen tüerbe. 

SBir l^aben frül^er bemerft, bafe um ben 20. September 
1567 bei ber befinitiüen Slbfage ber Steife ,bi§ jum grül^iö^te* 
unb ben ©rtoartungen über bie am 10. DItober erfolgte 
$Rieberfunft ber Königin, ber ?ßrinj feinen t)erätt)eifelten Snt^ 
fd^Iu§ ju offenem SBrud^e mit bem SBater faßte. 



Aufruf jitr (Km|)5tuttg. 

Sltö bie Königin eiifabet^ im Sluguft 1565 bon ber 
ßufammenfunft mit il^rer äRutter in SBa^onne äurüdfefirte, 
tourbe fie, mit ilirem ©emal^Ie fd^on frül^er toieber bereinigt, 
einige ©tunben bon ©egobia bon ®on SarloS begrüßt, ber 
clirerbietig bom ^ferbe ftieg. Sn ber Segleitung beffelben 
befanb fid§ fein ettoag jüngerer Sugenbgenoffe, be§ Sönigg 
uned^ter §albbruber ®on SoI)ann bon Öfterreidi. S)iefer 
^attt fidt) in§gef)eim mit einigen Süttern nad^ (Katalonien 
begeben, um auf äRalta gegen bie "iJürlen ju fed^ten. S)urd^ 
fein Seifpiel {)atte er eine größere Qai)l bon (Sbelleuten in 
SSetoegung gebrad^t, um gegen be8 bebädE)tigen S!önig§ SBunfd^ 
an bem rutimboHen Slampfe %ijtxl ju netjmen. ^tkxliiS), 
unter 2lnrufung bon ©otteö ^^^^Ö^^f^^ft erllärte 5pt)ilipp 11. 
nod^ im DItober beffelben Sal^reö einer laiferlid^en ^n^ 
forberung gegenüber bie SBefd^ränftl^eit feiner äWittel jum 



190 ®ie ^ataftrop^e. 

Äampfe gegen bie Xürfen^): er burfte Spanien fid^ mi)t 
m^ biefer einen ©eitc erfd^öt)fen laffen. ©o toaxtn benn 
feine unb aud& feines ©o^neS münblid^e unb fd^riftlid^e 
aSeifungen jur 9ificffe^r an ben §alb6ruber unb bie ©bet 
leute ergangen; auSbrüdli^ erllärte il)m ber SJönig im gaUe 
beS Unget)orfameS feine Ungnabe; bennotf) tpurbe S)on 
Sol^ann nur mit größter 2JiüI)e burd^ 3^^^*^^^ ^^^ ^^^^ 
Seiten^) baju gebrad^t, an ben §of jurfidEjuIetiren. Se^t 
,lief er birect auf ben Äönig ju, um i^n um aSerjeii)ung ju* 
,bitten. ®er Äönig empfieng i^n tad^enb mit großer Siebe unb' 
»umarmte tl)n. S)ann fcf|icfte er i^n, bie ^anb ber Königin ju* 
jfüffen, tpel^e nad^ ber SBegrufeung il)n lad^enb fragte, ob' 
,bie Xürlen unb SJiauren feine redeten ffiriegSleute feien/ 
,2)a anttDortete er, man f)abe i^m ni'd^t baS ®Iüd£ ju Xl^eil* 
jtnerben laffen, eS feigen unb er:proben ju fönnen^)'. 

S)iefe tieitere ©cene, toeld^e fid^ üor S)on ßarloS' Singen 
abfpielte, mod^te in feinem guten ®ebädE|tniff e *) toieber auf* 
leben, als er feinerfeitS nadE| ettt)aS über stoei Salären, im 
§erbfte 1567, fid^ entfd^Iofe, tütxtt Sreife ber ft)anifd£)en Se* 
ööllerung jur ^ilfeleiftung bei einem äunä^ft auf glu^t 
aus Spanien, eüentueH auf ®ettjaltantt)enbung abjielenben 
Unternetimen aufsurufen unb fid^ für ein fofd^eS bie nötl^igen 
©elbmittel irgenbtt)ie ju berfd^affen. 3m fc^Iimmften gaUe 
mo^te ber ©ol^n tpot}! auf eine älinlid^e fönigli^e Onabe 
red^nen, toie fie bem uned^ten §albbruber feineS 95aterS ju 

1) 3)tetri(^ftein bei ^o6) I 149. 

2) Sf^ic^t übel bei (Sabrera VII 24 Seite 360 f. gcfd^übert. 

3) giod) bem nur tl^eilmcifc wörtlid^cn ©fcerpte au§ beS feineStüegS 
genauen ©t. ©uH)ice 3)et)efd)e an Äatl^arina ajlebid« öom 11. «luguft 
1565 bei Gachard. bibl. nat. k Paris ü, 188. 

4) ^^06) einmal [ei erinnert, »ic 3)ietri*ftein beS ^rlnjcn treffe 
lid^e» ©ebäd^tnig rül^mt. Stoä) I 128. 



J 



Aufruf 5ur @irH)örung. 191 

3;^etl (jctoorbcn toar. 3dö crloäge bie ©d^tDieriglcit ber ba^ 
inaligen ßornmuntcattoncn unb unter tocld^en ^inbermffcn 
borf) junäd^ft bie SBemfil^ungen um ®elbbefd^affung in 
fpanifd^en Sanben an il^re STbreffen gelangen lonnten, aud^ 
ba§ beren ©riebigungen an ben ^ßrinjen in ber ^a6)t beä 
i8. auf ben 19. Sanuar 1568 mit beffen übrigen ?ßapieren 
ber Äönig in fein Äabinet bringen Iie§. ©o toirb man ettoa 
(Snbe September ober Slnfang Dftober 1567 alö bie 3^* 
äu beseid^nen tiaben, in toeld^er fid) ®on ßarloö entfd^Iofe, 
in offenem SBiberfprud^e mit bem SBiUen feinet SSater^ baö 
©oppeläiel feinet ßebenö, bie unabl^ängige SRegentenftellung 
junäd^ft in ben SRieberlanben ober Stauen afö ®ema^l einer 
Äaifertod^ter, ju erreidEien, ba e8 nun einmal nid^t anberä 
gel^e: mit &ttoalt @ö ift ein getoöl^nlid^er 5ßrocefe, toie il|n 
bie fljen 3been ber ©d^toad^^ unb Srrfinnigen burd^mad^en. 

Unabl)dngig bon biefer Sered^nung ber 9lnttt)ort§friften 
Iiaben toir oben (©. 184) benfelben entfd^eibenben Siermin 
au§ ber Slbfünbung ber ftanbrifd^en 9ieife unb ber 3iieber^ 
fünft ber Königin gewonnen. 

StuSgefertigt liegen im Slrd^iöe öon ©imancag bie SRed^^ 
nungen über (Selbbeträge, au8ge5a]^It auf SBefe^I be§ Sprinjen 
an ätoei Sammeriunler. 3Ran toeife au§ feinem eigenen 
fpätern Säeglaubigungöf^reiben bom 1. S)ecember biefeä 
3a]^re§, ba§ er fie toegen ganj gefieimen 3lbfd^Iuffeg eineö 
Slnlel^enä oon fed^ömall)unberttaufenb ®oIbftüden auäfenbete. 
Sn ©imancaö ift bie S)atierung ber bon S)on (Sarloö felbft 
am 31. Dftober 1567 unterjeid^neten erften SSoIImad^t für 
ben einen ber beiben Beauftragten au^brüdHid^ bemerft^. 



1) ©ac^orb, S)on SarloS II 455 big 459. SB^I. oben ©. 181 ur\i> 126. 
Sd^ l^abe nur ®a(^atb'S franjöftfc^e Überfe^ung bed auf @. 192 he^ 
fpTod^enen, in S3rüf[el aufbetoal^rten beutfc^en ©c^reibenS t)or ^ngen. 



192 ^ic Äataftropl§e. 

3um erften äJtale begegnet unS feltfamer SBeife unter 
ben bi§ in ben 2cinuar 1568 fortgel^enben SBorbereitungen 
äu glud^t unb Smpßrung biefeg gegen feine beutfd^e nnb 
fpecieH I)ab§burgifdE)e ^erlunft fo gleidigiltigen Srben be§ 
ftjanifd^en SBeltreid^eS ein bon if)ni ebenfalls unterjeid^neteS 
Slltenftüd in beutfd^er ©prad^e, in toeld^em er feiner Slb- 
ftamntnng officieU ju gebenden l^atte. SRid^t nur al§ ^ßrinj 
t)on ^igpanien, fonbern aud^ aU *(£rät)eräog bon Öfterreid^/ 
,§erjog bon SBurgunb 2C., ®raf bon ^abSburg, bon glan=^* 
,bern :c/ lel^nt er gleid^ feinem löniglidEien SSater bie (Sin^ 
labung beö ^erjogS Sllbert bon Sägern jur SSemtäl^lung 
feineg ©o^neS I|öflid^ft ab. (Sg gefd^ie^t bod^ mit einer 
SBenbung, toeld^e auf be§ $ßrinjen gebrüdCte Sage l^inju* 
toeifen fd^eint. @r lönne 'ben geftIidE)Ieiten nid^t beitootinen* 
,aug getoid^tigen ©rünben unb ttjegen 9Sert|inberungen, todäjt' 
,@uer Siebben nid)t t)erfel)len lann, I)inlänglid^ ju tt)urbigen/ 

aSenn nun aud^ biefe finanjieHen Unterl)anblungen, fei 
eg feinen^), fei e§ nid^t auSreid^enben^) Srfolg l^atten, fo 



1) Tillen anberen eingaben gegenüber ftel^t bie goutquebaulj' öom 
5. gebruar 1568 (®ad^arb, ^on SarloS 659), man l^öbe bei bem ^ßrinjcn 
nur gefunben: trois mil escuz d'or et un nombre de dösirez de 
Portugal; voylä tout son tresor. 

2) ©abrera'g Eingabe (VII 22 @.474a), er l^abe 150 000 ©olbftüdte 
baor unb für ben SReft, atfo 450000 (SScuboS, SBet^fet erl^alten, »irb 
bon ©ad^arb für ,certainemeiit inexacte* erüärt, Wie fie benn, Don 
gourqueöaulj abgefel^en, aud^ jum "^dk urfunblid^en SBeric^ten über 
25on Darios' 3WangeI an baarem ®elbe bei feiner SBerl^aftung nic^t ent* 
fprid^t; aber 9Jiinifter, toie SRu^ ©ouiej unb 3Äoura, muffen bod^ tool^I 
als ©au^jt^eugen ßabrera'S für biefe ginanjfroge gelten, fo bag bieHeic^t 
bie 5lu§Iunft möglich ift, ber aufgeregte ^rinj l^abe baS ®elb tocrgeubet 
unb^ bie 3Bed^feI für ein nid^t auSreidftenbeä Sal^lungSmittel gehalten. 
Übrigens melbet bod^ audft ber ißuntiuS Don bem ^rinjen: giä haveva 
insieme una sommetta di denari. 30. März 1568. — circa 30000 scudi 
nennt ber florentinifd^e ©efanbte: 25. Sanuar 1568. S)iefe ©umme fönnte 






5lufruf §ur (Stn))örun(j. 193 

« 

blieb bod^ ber franfe 5ßrtnä bei feiner Slbfid^t getpaltfamer 
Söfung be§ ifjtn unerträglich getDorbenen ßi^ftoni^^^- 

§ier fommt nun aU seittid^ ältefte^ 8eugni§ in Setrad^t 
ein, fc^on (®. 160) t)on Sianfe in feiner SSii^tigleit aU (Sjcerpt 
bemerfteg, 9lufma]^nung§fc§reiben be^ ^ßrinjen, tüetd^eg fid^ 
in ber 3ieIation beg päpftlid^en S^untiu^ öom 30. äRärj 1568 
finbet unb un§ je^t freilid^ öoQftänbiger unb genauer aU 
JRanle öorliegt^). 

5lud) bie^mal geigt fid^ tüieber, tüie mangelijaft bei ben 
anberen italienifd^en ®efanbten, beut DenetianifdE)en, floren^^ 
tinifd^en, genuefifd^en, bie Sunbe über itn Sul^alt ber nur ben 
Sßertrauteften lunb getoorbenen aufrütjrerifdEien Rapiere be§ 
^ringen getoefen ift. ®en florentinifc^en (Sefanbten 9?obiIi 
f)at — tüenngleid^ mit beffen: ,fagt man' — aud^ ®adE)arb 
(©. 460) unter ben Haffifc^en ßeugen für bie glud^t^ unb 
JRebeHion^gebanfen aufgefüf)rt; in ber %f)at begießt fid^ aber 
berfelbe einerfeit^ auf bie beffere Information, ipeld^e ber 
faiferlidEie Sotfc^after au§ be§ Slönig^ eigenem 9Äunbe ,am* 
,frül)en SÄorgen* be§ 19. Sanuar über bie mit ber 9Ser* 
Haftung be§ Äronprinsen äufammen^ängenben Umftänbe 
empfangen l^abe ober beffen faiferlid^er .§err nad) be§ Sönig^ 
©rllärung erljalten tüerbe. 5lnberfeit§ giebt er fein ,man' 
,fagt' bod^ nur in folgenbem ßufammentjange in einer ftitiftifc^ 
feine§tt)eg§ mufterl^aften 3iad£|f(^rift t)om 25. Januar 1568 



aber aud^ au§ betn 5)arle§n tjon 40,000 6cubi entftanben, öon toeI(^em 
ber öenetianifd^e ©efanbte am 22. Januar 1567 fd^reibt. (®a(^arb, 5)on 
©arloS 667, 676 unb 669). 

1) ©aiiarb a. a. 0. 666 bi§ 668, tjor^er 663 bi§ 666 beS 9luntiu§ 
^epefd^en t)om 24. Januar unb 6. Februar. S)iefe autl^entifd^en ^a^^ 
rid^ten werben in einigen ©injell^eiten beftötigt unb ergön^t bur^ baS 
borftd^tige !(eine ©jcerpt bei (Sabrera VII 22 p. 470 1> C: i le con venia 

armarse Infanta DoSa Anna. 9^äl^ere§ l^ierüber @. 196 biS 198. 

»üb in 9 er, !Dott SarloS' §aft unb Xob. 13 



194 ®ic ÄatQftro<)^c. 

an feinen ^erjog ®o§mo öon SJtebtci. S)er Slönig Iiabe fed^§ 
©aöaliere, toeld^e bem ^rinjen nod^ nid)t bienten, ju beffen 
SBac^e beftimmt ,nnb alle friil)eren ©icner beffelben öer^* 
,abfd)ieben laffen, ol^ne fie trgenbtüie ju öerforgen/ tt)a§ 
übrigen^ feine^tüegä rid^ttg ift^). ,®efe^alb ben!t man, bafe* 
,SSieIe bon btefen mit itjter §anb ein SSerf^red^en ge** 
,f ^rieben l^aben, il^m ©ienftfolge ju leiften, ol^ne ju toiffen* 
,toobin ober tüie. 3Äan fagt ami), bafe ebenba^felbige üer^' 
jfprod^en I)aben: ber ^erjog bon ©effa, ber ®raf Don' 
,3Äebina, nunmeljr §erjog bon SKebina bi Siu^feco' (SRiofeco) 
,unb ber äJtard^efe bon ^e^cara, unb man f^ricf|t aud) baöon/ 
,ba§ ^i6) unter ben fortgefd^idten unb entlaffenen Wienern' 
,£ubh)ig 6i)ifftaba befinbe'^)*. Unter bem Settern ift ber in 
bem S)ienfte ^arPg V. bielbeti)äl)rte, getreue unb entfcf)toffene 
Duijaba gemeint, toeli^er feit bem "iJobe be§ SJaiferg bem 
^ßrinjen afö DberftftaHmeifter äugett)eilt, unb tüeldt|er bon 
bem Sönige unmittelbar nad^ beg ^ßrinjen SBeriiaftung neben 
9iut) (Somej bielleid)t in erfter Sinie mit ber §ut beffelben 
betraut njarb. $ße§cara unb SRiofeco to erben am 30. 3Rärj 
übrigen^ tt)ir!(id^ bom SRuntiug aU burd) ein S)on ©arlog, 
jebotf) mit SSortüiffen beg Sönig^ unb SSorbe^alt ifjrer 
^flic^ten, geleiftete^ SSerfprei^en gebunben genannt. 3c^ 
meinerfeitg tuage baf)er überfjaupt nid)t, ba§ bon SRobili atö 
®erüct)t ©emelbete unter bie f)iftorifd^en Xt)atfad^en ein== 



1) Delli suoi gentilhomeni che lo servivano alquauti sono stato 
accettati dal re in quelle gradi et carichi che con lui tenevano 
fe^reibt am 11. gebruar ber öenetianifdje ©efonbte, tüdd^em bod^ oud) 
md)t öiel beffere Cuellen aU bem florentinif^en p Gebote ftanben. 

2) ^e:pefd^ebom 25. Januar 1568 belöa^arb, S)on(5:artog676unb678, 
wo ber genuefifci^e Script folgt; bie öenetianifd^en finben fid^ ©. 668 blS 673 
Dom 22. unb 27. Sanuar unb 11. gebruar 1568. Über ein anbere§ 8eug= 
ni6 etwa gleid^en SSert^eS in ben doc. escog. p. 416 ögl. ben ^nl^ang. 



2lufruf jur ©mjjörung. 195 

jurettien. Snimer£)tn bietet fein SBeridEjt ettna^ mef)r, atö ber 
feinet genuefifd^en ßoEegen ®|)inola. 

SSon ben brei, anmutfiig gcfd^riebenen S)epefd§en be§ 
benetianifdien ©efanbten ©abatti gettjinnt ber juDerläffige 
Xfiatbeftanb gar feine 2lufftärung. ©aju trägt freilid^ aud^ 
bei, baJB biefer ©efanbte Srrungen in einem frut)ern Briefe 
in einem fpätem ju berbeffern nidjt fonberlid^ befliffen ift. 
®ie ganj attgemeinen eingaben, xoddjt if)m diut) ©omej am 
27. Sanuar — unb äJ^nlic^ lantenb bem englifd)en, au^füfirlid^er 
bem franjöfifd^en (Sefanbten — auf lönigli^en SSefef)! münb^ 
Iid| jufommen Iie§, ijattm nur bie befonbere ^öflid^feit, ben 
SSenetianer aU 9Sorne£)mften be§ biplomatifdjen Eorp§ 
(principal ministro in questo corte) ju begeid^nen. 

Sn bem britten erljebltd^ften Serid^te lt)irb äunäd)ft bie 
au§ Slanfe^g Erörterung fd^on früher (®. 159), unb in ab^ 
toeid^enber Sluffaffung, befprod^ene inbi^crete ®räät|lung be§ 
föniglid^en S3eid§tt)ater§ mitgett)ei(t, h)elcf)e baju aU eine öer^^ 
trauüdEie (con confidentia) beäcidE)net tuarb; fie enbet mit 
einem Sobe beg Äönigg über feine Eonfequenj in einmal 
gefaxten ©ntfd^lüffen. hierauf folgt eine S)arfteIIung, toie 
ber 5ßrinä je^t (hora) betüadE|t toerbe. S)ann lieft man ganj 
unvermittelt — n)ie auc^ in gar mand^er benetianifc^en, 
einige Satirjel^nte altern ®epefrf)e — bie für unfere gegen^ 
tt)ärtige Slufgabe ert)ebli(^e 3Äitt£)eiIung: ,®enannter ^rinä' 
,^atte t)or feiner 9Serf)aftung ©rief e an einige (alcuni) ©rauben* 
,k)on Spanien gefd^rieben, in tüetd^en er itjuen ju Derftet)en gab/ 
,bafe er fidE) i{)rer bei einer Sieife Don SBid^tigfeit bebienen* 
,tt)oIIe; begl)alb bat er fie, firf) in ©ereitfd^aft ju f)alten. 2)er* 
,grö§ere %i)dl t)on biefen geigte 5llle§ unb aucf) bie t)on i^nen* 
»gegebene Stuttuort ber SKajeftät be^ Ä'önig§ an. 2)ie Übrigen* 
,t)atten ^tt)ax eriüä^ntem ^ringen Dorfidjtig geantlüortet, inbem* 

13* 



196 2)ic ^ata\txopi)t. 

,fie jagten, bafe fie iebe^al bereit fein würben, fofern eS* 
,nid|t gegen bie ^Religion nnb ben S)ienft tJ^re^ Äönigä toäre;' 
,nid)tg befto tüeniger bleibt ©eine aKajeftät übel aufrieben mit* 
ifinen, ttjeil fie if)n nid^t babon öerftänbigt I)aben/ ^a6) 
ber gaffung get)t aud^ biefe ©arfteöung auf ^erfonen ber 
!önigli(i|en Umgebung äurüd ^6) meine aber, tt)ie gejagt, 
nid^t, bafe bie gange ^roüenienj biefeö legten S)rittefö ber 
5Depefd^e auf ben löniglid^en SBeid^tDater äurüdEjufütiren ift 
3d) bermutl^e eine untergeorbnetere SBejiet)ung ©abaHi'^. 

Serid^tigt unb ergänjt toerben feine 9Jtittt)eilungen burd^ 
anbere, tueld^e tiieüeid^t auf beä I)iebei genannten 9iu^ ©omej 
Slufseic^nungen ober auf SJZoura'^ (Srääijlungen t)or ßabrera'g 
SSater ober t)or biefem felbft über ben 5lufruf, in bem SBerfe 
biefeö Siograplien ^45t)ili|}p'^ IL jurüdgel^en. ?iod^ einmal 
fü^rt ßabrera beg ^ßrinjen ®emütt)§juftanb öor. (£r fei 
beforgt getoefen, bafe fein 9Sater if)n gefangen I)a(ten lönne, 
öoüenbö nad^ jenen gel)eimen S5efpred£|ungen mit 9Kontign^ 
(®. 85). Sr ^abe bie SBergebIid)Ieit aUeä faiferlidf)en ©rängen^ 
auf feine SSermätjlung erlannt, au(^ bie SSerjögerung toegen 
feiner nur Vorgegebenen SfZctngel für bie (£t)e. ,Unb eg pa^te* 
,it)m fid^ äu ruften (armarse), fotüof)! gegen biefe^, ate gegen* 
,bie berbedte 2lbfid^t, toeldie toiber it)n nad^ feinem S)afür^* 
,I)aIten ber Sarbinal S^pinofa I|abe, al^ autfi gegen ben SBerid^t* 
,feiner ^f)aten an feinen SSater t)on bem ^Jütften SRut) ®omeä.* 
,@r fd^rieb an alle ®ranben unb SBürbenträger (titulos), in^** 
,bem er fie um Unterftü^ung bei einem ©efc^äfte erfud^te/ 
,tt)eld^e§ fidj i^m barbiete. Sie anttüorteten if)m mit SSer** 
,fpred^en, if)m ju bienen unb bie Steiften: fofern e^ nidE|t* 
,gegen feinen SSater fei. ®er 2lbmiral frf)idtte feinen SSrief 
,bem SJönige unb bat i^n, ben Snt)alt beffelben ju prüfen.' 
,Unb baä ©id^ere tüar, fie ju i)erpflicf)ten , ha^ fie i^m mit* 



»' 



Slufruf jur (&mp'6xvin^. 197 

,®elbcrn ju §üfc fämen, um öon bcm §ofc ju flicl^en itnb* 
,na6) 2)cutfc^lanb ju reifen, um fic^ mit feiner Safe, ber' 
,3nfantin ®onna Slnna, ju bcrmö^len/ 9D?an fie^t leicht, 
ba§ öor biefem legten ©a§c, toelc^er nur ,bag Sichere* bar^ 
legen folt, eine ©rörterung be§ föniglic^en ©abinetö über bie 
Slbfid^ten beS ^rinjen auegefallen ift, lüie fie fic^ au§ feinem 
Slufrufe ergeben unb öor Slüem ®omej befannt fein mußten. 

^iunmel^r erft tt)irb ber öoUc SBertl^ ber 2luffd)Iüffe ein^ 
leud^ten, tpeldöc ber, auc^ I|ier t)on ßabrera öorseitig mit bem 
©arbinaltitel gefc^mücftc ^räfibent be§ Iöniglicf|en 9?atJ)e§, 
S^pinofa, bem (Spanien fo freunblic^ gefinnten unb fo fingen 
9luntiu§ Saftagna gegeben I)at. 2Bir fallen eben, toie ©fpinofa 
nad^ bem SBiograp^en ber eine ber beiben öon 2)on SarIo§ 
beftgel|a§ten SKinifter beö Äönigg geiüefen ift 3n ber %f)at 
i|at er in ben unö fjier angel)enben 3af)ren 1567 unb 1568 
toie fein anberer in ßaftilien Sebenber, unb mit tt)eit Isolierer 
Sld^tung al^ 9?u^ ©omej, be§ Äönig^ SSertrauen befeffen. 
5ßoc^ in einem anbern ßwföntmenfiange fiaben tt)ir S^pinofa'g 
bie SSer^aftung begrünbenbe ©röffnungen ju erörtern, gür 
ba8 unö je^t 2tnge£|enbe £|örte Saftagna allem Slnfd^eine 
nad^ nur ne6enf)cr ^ufeerungen, beren SBebeutung biefem 
9^untiu§ erft flar geworben tt)ar, afö er feine näc^fte 2)e^ 
pefc^c üom 4. gebruar fcfjrieb. ,@ie fagen, e^ erfjeHe au§' 
,beö 5ßrinjen eigenen Schriften, bafe er bie Slbfic^t gef)abt* 
,f)abe, fict) ber glotte unb ber ©taaten ju bemächtigen ober 
,äf|nlid|e S)inge. Unb tpeil ber 5ßräfibent mir fagte' — fä^rt 
er feine Duelle nennenb in ber ©rörterung ber §aftfrage fort. 
Unter ben ,©taaten' t)erftef)t er bie bem Äönige get)örigen 
italienifc^en unb nieberfänbifc^en Oebiete. 

3u boller Überfielt atter SKomente ift biefer, näc^ft ben 
2tngef)örigen be^ Äaifert)aufe^ unb beffen SSertreter beft- 



198 2)ic Äataftro^j^e. 

untcrrtdE)tete pöpftüci^e Sotfd^after bod^ erft Snbe SKärj ge^ 
langt. 3Btr I)aben bei ber ©rtuägung einer fIorentinifd)cn 
®epefdE|e fd)on bemerlt (©. 194), bafe ber 9?untiu^ gtüei ®ran^ 
ben jtoar atö burd^ it)re SBriefe bem Äronprinjen jur golge^ 
leiftung auf einer Steife t)er|)flid^tet erflärt, aber nur unter 
9Sorbet)alt i^rer Streue gegen ben ^önig unb mit Senad^* 
rid^ägung beffelben^). ®r fügt l^inju, ,t)ielleidöt* fei aufeer 
jenen Ferren nod^ ,irgenb ein anberer' betf)eiligt getoefen; er 
nennt aud) an erfter ©teile ganj ricf)tig S)on Sot)ann bon 
&fterreic§. 

SRan fiet)t fdE)on \)kv, toie unboßftänbig Sabrera'^ immer^ 
l^in tDid)tige§ ßjcerpt auS ©omej' ober SJioura'ö 9Wit* 
tiieilungen für unfere Information erfd^einen m\x% ©d^lim=^ 
mer ift, ba^ er nid^t erfannt I|at ober überliefert fanb, tote 
e§ fid) um smei ganj t)erfd)iebene Slufrufe I)anbelt. S)er eine, 
toeld^er un§ bi^fjer befdjäftigt t)at gilt ber Seif)ilfe jur glud^t, 
ebentueH mit ©etoalt, minbeften^ nadf| S)on Sarloö' eigener 
9Keinung. ©eine Slbfaffungg^eit genau ju beftimmen, fc^eint 
mir nid^t möglid^; e§ ifi fcine^tüegg notfitüenbig, mit ©ad^arb 
anäunelimen, fie falle erft nad^ ber Slbreife be§ ÄönigS au^ 
SJiabrib äur üblid^en ^efttag^rutje im (S^curial am 20. S)e^ 
cember. 2(n biefem Sage melbete freilidö ber franjöfifd^e ®c* 
fanbte feinem tönige ,grofeen Untoißen' be§ ^rinjen über 
bie aSerjögerung feiner §eiratf| 2); aber ia^ ift eine feit Saluten 
fid^ tüieberliolenbe tiage. S)ie nur finanjieße gtoeite ©enbung 
beg Äronprinsen ift öom 1. S)ecember 1567 batiert. SBiet 



1) dove promettevano di servirlo in un viaggio andando in sua 
compagnia. Questi non fecero cosa senza saputa del r^ o con altra 
riserva per la quäle salvassero la fedelta et debito a Sua Maestä, 
la quäle, essendo informata del tutto etc. 

2) Bibl. nationale ä Paris II, 251. 



2(ufruf jur @titt)örung. 199 

leidet Qtijöxt ber erfte Sfufruf in btefelbe ßett. SRan begreift 
fünft nid|t, toie, abgefetjen t)on ber bei ©abrera gemelbeten 
jeberjeit ntögIidE|en Slnjeige be§ Slbmiratö öon ßaftilien, ättjei 
ober gar met)r ®ranben, bei ^btt)efent)eit be§ ^önig§ öon 
äJlabrib, nad^ au§brüd£IidE)er SBerfidjerung beg fo gut untere 
ri(i)teten Sftuntiu^, bie föniglidie ®enet)migung jur juftimmen^^ 
ben SBeanttüortung einl^olen fonnten. 

9?ur bei biefem finbet man in ber Sil^at^) eine au§^ 
reid^enbe Darlegung be§ Snt)alte§ ber t)on 2)on Sarlog für 
ben gaü feiner gelingenben gluckt ju I)interlaffenben t)tx^ 
fiegelten unb am 18. Sanuar confi^cierten Sriefe. 2)er an 
feinen 9Sater gerid^tete befagte offen, trag il^m ,feit bieten' 
,SaI)ren' ju Seibe gefct)el)en fei, unb bafe er aug ben Sfleid^en 
begfelben getje, toeil er fo grofee Ärdnfungen nid^t länger 
ertragen fönne. 2)en ©rauben, SRätlien, ^rotiinciaIbeI)örben 
unb t)ornet)mften ©tabtgemeinben fdEjrieb er nod^ aufeerbem, 
©eine äJJajeftät berjögere feine ^eiratf), um bie $Rad)foIge ber 
^nber aug beg ^ßrinjen ®{)e äu fünften ber eigenen Sinber 
beg ^önigg — b. f). ber beiben Snfantinnen ber Königin 
©lifabet!^ — ^n t)erl)inbern; er erinnerte fie an if)re (Sibeg* 
^^flid^t gegen it)n felbft, t)on ber fie fid^ nid^t abbringen laffen 
foCen; er bittet fie um if)ren 9?at^, in toeld^em Drte ber SSelt, 
fern bon ben Sleid^en feineg SSaterg, i{)m aud^ ju refibieren 
genef)m fein toerbe. 2)en ©etreuen unb im Sibe feft Sleiben^ 
ben berfprid^t er: ben ©rauben Segünftigungen, uamentlidE) 
§erftellung beg it)nen angeblid^ burdC) ben Sönig entjogenen 
©teuerredE)teg in if)ren ©ebieten^); ben ©tabtgemeinben S5e== 



1) Sögl. oben ©. 193. 

2) renderli la gabella, che diceva che il rh gli ha tolto nelli 
stati loro, ba§ l^iege ettoo eine §erftellung ber Suftänbe öor 3fabeIIa'§ 
ber Äatl^olifd^en X^ronbefteigungl 



200 ^ie Ä'otaftro^jl^e. 

feitiguttg ber tl)nen angeblid) neuerlidi aufgelegten Saften. 
,^rä, er öerfprad^ Sebem, tt)a§ er tt)ufete, bafe it)m angenel)m 
tüäxt.' S)en fämmtlid^en unabl)ängigen, fat£)oIifd)en Surften, 
aud) bon Stauen, gab er 9flec^enfd^aft, tt)ie er biefen @nt:= 
fdC)Iufe ju faffen genöt^igt getDefen fei, bat fie, benfelben gut 
aufäunel)men unb fuc^te mit guten SBorlen unb bieten Sln= 
erbietungen um \ijxt greunbfdjaft nad). SBa§ ber ebenfalls 
borgefunbene 95rief an ben ^aifer enthalten I)aben mag, 
tüirb nidjt mitgetl)eilt. (£r tüar bod^ fdE|tt)erIic^ nad^ ©du 
©arlo^^ 2lbfid)t ber SBeförberung burd^ ^^ilipp'^ IL §anb 
ober Wiener überlaffen. 

2)a^ ift nad) ben SBorten be§ SRuntiu^, tüa^ er über bie 
Sriefe I)at erfa£)ren fönnen. (£r nennt • I)ier feine DueHe 
nic^t augbrüdlid); boc^ fd^eint ba§ SBefentlid^e irieber auf 
®ft)inofa äurüdEjuge^en. 

,SSon anberer ©eite' (d'ailleurs) aU bon ?fint) ®omej t)at 
ber franjöfifdöe ©efanbte erfaf)ren, ha^ ber ^ßrinj nad^ 
©enua ju reifen beabfic^tigte. ,Sn Stauen tt)ürbe e§ ntdEjt 
,an Seuten gefef)It f)aben, toeldje tl)n angetrieben tjätten,* 
,alle S)inge ju ijertoirren. SSenn er bort angelommen toäre,' 
,tt)oEte er gebadete 93?aieftät aufforbern unb ^toingen, il)m' 
getoiffe gang unt)ernünftige S)inge ju betoiUigen' ^). 

3lllorbab|td)ten* 

S)er $yiuntiu§ berid^tet nad) feiner genauen Information 
über ben Snl)alt ber confi^cierten Rapiere be§ 5ßrinäen, bafe 
fid£) unter benfelben aud) eine§ befinbe, ,auf toeld^e^ er mit* 
»feiner eigenen §anb feine ^reunbe unb bie ^einbe gefd^rieben* 

1) .... de luy accorder certains articles hors de toute raison, 
gowrqueöaulj an ^axi IX. bei ©ad^arb, 2)on ©arloS 659. 



/ 



Wlox\>ah\\ä)ttn. 201 

,t)on benen er fagte, er £)a6e fie immer bt§ jum S^obe ju* 
jöerfolgen. Unter btefen toar aB ber erfte gefdirieben: ber' 
,Äöntg fein 9Sater^), £)ieranf 9{n^ (Somes nnb gran, ber* 
,$räfibent (©fpinofa), ber ^erjog t)on 2lI6a nnb gett)iffe* 
,2lnbere. Sie greunbe: an erfter ©teile bie Königin, t)on' 
»tüelc^er er fagte, bafe fie am Iiebet)oIIften (amorevoglissima)* 
,gett)efen fei, S)on 3oI)ann öon Öfterreid^, fein tf)euerfter unb* 
,gelie6tefter Df)eim, S)on Sni^ Dniiaba, toenn id^ mid§ gut er^ 
»erinnere/ ein je^t in SlomSebenber unb 5tnbere, bie er nid^t tt)iffe. 
3n bem früf)ern, Idngft befannt getüefenen 95ericf)te be§ 
SJiuntiu^ bom 4. gebruar txijält man bie einjige ganj aut{)en^ 
tifd)e SRad^ridjt über bie bon un§ früt)er bei ber Setradjlung 
ber religiöfen Slicfitung be§ ^ßrinjen (@. 113) ertöäfinte t)er^ 
geblidöe ßumuttjung an 5ßriefter. Sie foEten it)m, ,bamit ba§* 
,9SoI! feine Sommunion fel^eS eine ungett)eit)te $oftie reid)en, 
ba er gegen Scnianb einen ^afe f)abe, tüegen beffen i^m bie 
©arreid^ung einer gett)eif)ten t)ertt)ef)rt fei, ba er in Söejug auf 
bicfeS ©acrament ftet§ fet)r getoiff enl)aft n)ar 2). ®g ift übrigen^ 
ganä rid^tig, bafe ^iebei ber ^önig nicf)t genannt tuirb^). 



1) Vi h ancora una lista, dove scriveva di sua mano gli amici 
et li nemici suoi, li quali diceva di havere a perseguitare sempre 
fino alla morte; fra li quali il primo era scritto il rh suo padre. 
®e})ef(3^e bom 30. 3Jlär§ 1568. 

2) . . . porque en esto ha sido siempre escrupulosissimo. 3<^^^^ 
an 5tlba 24. 3H)rir 1568 in Doc. escog. 416. (@. 5lnl§ang.) 

3) ,©0 !ann man, unb man fü^It fid^ jufrieben babei, nid^t anberS/ 
,al§ ben ^rinjen tjon bem beftimmten SSorl^aben be§ Sßatermorbe§ frei*' 
.fpred^en'. dianh, S)on ßarloS 258. @§ toax x^m bocft entgangen, baj 
ber löniglid^e SSeicfitöater bem öenetianifd^en ©efanbten (5)epeJ(i§e b.ll. 5e= 
bruar 1568) auSbrüclUd^ jagte, ber ^rinj ^abe diversi religiosi tjergeblid^ 
bal^in ju bringen gejuxt, il^m eine ungeweil^te ^oftie jur ©ommunion 
p reid^en per celar questo raal animo che aveva contra i ministri 
et contra il padre; benn felbft bei einem ©d^ttjad^finnigen lie^e baS 
SBertangen ol^ne eine S^atabfi^t \\6) nid^t erflären. 



202 2)ie S^ataftro<)]^e. 

Sin au§füf)rltd^er 93eric^t über biefe @ad|e^) geljt auf 
einen Sammerbiener be§ ^rinjen jurüdE, beffen SKittljeilungcn 
nac^ ben ©inleitungötüorten tpiebergegeben tüerben foUen. 
S)iefe (Srjät)Iung flö^t f(^on tüegen il)rer ju aCen 3^^^^^ 
bebenilicfien ©ienerqueße unb tüegen ber tt)örtlid£|en 3Bieber== 
gäbe ber ©efpräd^e mit ben ®eiftlicf)cn tüenig Sßertrauen 
ein. SBenn l^ier ber $ßrinä enblid^ um jtüei UI)r ^aä)t^, 
t)on bem ^rior t)on Sltod^a gebrängt, ben ju nennen, 
tüeld^en er umbringen tüoHe, fagt, e§ fei ber S!önig, fein 
SBater, mit tpeld^em er fd)Ie(i|t fte^e, fo ift i>a^ gett)i§ nid^t 
betüei^Iräftig. ©elbft Stanfe, ber ia^ gan^e Slftenftüd boc^ 
nid^t für unglaubtt)ürbig Ijalten mo^te, fam auf bie 3lu^^ 
fünft, ba§ ber Sammerbiener nur geprt I)aben bürfte, ber 
5Brinä ijabt ben ^afe gegen feinen SBater belannt, bafe ber 
^ord^er toegen früher geäußerter 9KorbabfidE)ten, ,au^ bie§' 
,auf eine Slbfic^t, ben ^önig morben ju tüoHen, beuten* 
,mufete'. 9IQein biefe 2Iug!unft ift bodE| eine foIdE)e ber ®üte. 

2tuf aHe SBeife ^at ber Äönig felbft ben ®räuel ber 
Slbfid^t eine§ 5ßarriciba bon feinem ®ot)ne unb l^iemiit Don 
fid^ unb t)on bem §aufe |)ab§burg abäutoenben gefudf)t 
®effen Sl^n^err Sönig SWbred^t I. tt)ar ja burd^ einen fol^neö* 
gleidE) gef)altenen Steffen umgebradE)t tüorben. (Sntfepd^ für 
aHe 3^it^ttf ö^ We birecte 9lbfid[)t be^ SSatermorbeö Don 
©eiten eine§ ©rjfieräog^ unb Infanten glauben ju laffen! 
(S§ tüar bod^ S)on Sarlo^' ©d^tüad^finn , SKangel an 
Sßerftanb, fel^Ienbe ©infidfjt, mit gug unb SRed^t Don bem 
IönigIidC)en SSater oft genug feit bem SKär} 1562 bel^au^^tet 



1) SBci ®a(3^arb nacft einem 1841 in SKabrib erfd^icnenen genauen 
»brud re^jrobuciert: ^on (SarloS 684 biS 686. S)ie bon filorentc 
bcnu^te unb in einer 38iener §Qnbfd^rtft Don fRanU überclnftintmcnb 
gefunbene Sraffung (a. a. €. 253) ftel^t bagegen jurücl. 



\ 
\ 



aJlorbabfid^tcn. 203 

tuorben, unb biefe§ (Sebatjten t)atte feitbem nur äugenoinmen. 
S)te ®cred§tigfett, tote fie t)oIIenb§ btc Ifeuttge ^ßf^djiatric unb 
gcrid^tlid^e SJiebtcht berlangt, ftel)en bcm Könige gut Seite, toenn 
er tro^ aller toilben Sieben beffelben feinen Iranlen ®oI)n toie 
jebeg anbem ernften SSorfa§e§ fo auä) beöjenigen beS t)or^ 
bcbac^ten 9Satemtorbe§ unfät)ig erad^tete. 2lm ©anct 2lntoniu§^ 
tag (17. 3an«ar) öon 1568 tooHte er freiließ nad) einem nod^ 
ju erörternben unt)ertr)erfIidE)en ß^i^Ö^iff^ feinen föniglid^en 
Sßater umbringen. $Rocf) einmal I|at er aber bem Sßater — 
auc^ ba§ toerben tt)ir gut bezeugt finben — gerabe an biefem 
S^age bie §anb gefügt; nod^ einmal ift er mit if)m jur 3Reffe 
am folgenben Sage, einem (Sonntage (18. Sanuar) erfcf)ienen. 
3lm 5tbenb biefeö "Sageg, gtüifd^en 10 unb 12 Uf)r erfolgte 
bie Äataftro^3l|e feiner SSert)aftung. 

®anj au^brüdlid^ fprad^ fic^ nadC) be§ Könige .Sluftrage 
ber ^ürft t)on Sboli 9tu^ (Somej ba ©ilöa in bem bie 
Slttentat^abfid^t läugnenben ©inne gegenüber ben borneI)mften 
Oefanbten au§. 6§ fei nic^t toalir, bafe ber ^rinj ben 
©ebanfen gel)abt f)abe, ©einer äRajeftät na^ bem Seben ju 
fteHen, fd^reibt ber 3Senetianer. S)er 9luntiu§ melbet: 'ber' 
,Sönig l^at S3efeI|I gegeben, bafe in ben an aße gürften unb' 
jSReid^e ju fd)reibenben ©riefen gefagt toerbe, bafe ba^ ber^' 
»breitete ®erüd§t, ber ^ßrinj tiabe ©eine föniglidie ^erfon' 
,felbft beriefen tooHen, falfd^ ift. S)affelbige läfet er burd^' 
jSRu^ ®omej ben ©efanbten ber Könige unb öon SSenebig/ 
,tDeId)e ^ier finb, fagen; aber ber ^räfibent (S^pinofa) fprad^' 
mit mir in eben ber gorm, toeld^e id^ oben auffd)rieb ^)'. 



1) iDsidiar alla* vita di Sua Maesta. Cavalli 27. S^J^^^^xr. — 
In questo mezzo (jtüiftiftcn bem 24. unb 27. S^i^i^fli^) Sua Maesta ha 
dato ordine, che nelle lettere, che si scrivonno a tutti li prencipi 
et regni, si dica che la voce ch'e uscita che'l prencipe havesse cer- 



204 5)ic ÄatQftroJ)5e, 

S)iefe leitete in bcr %\)at fet)r abtoetd^enbc 2Ktttt)ctIung 
erfolgte am 24. Sanuar unb iDurbe bon bem SRunttuS nod) 
an bemfelben S^age aufgejeid^net. @r tijeitte juerft, tüte e§ 
fdieint, gefliff entlief) meift nac^ S^pinofa^g SBorten bie Sluf^ 
träge mit, tpetcfie biefem ber ^önig äur Übermittlung an ben 
5ßa))ft über einiget S)on ßarlo^' SSerf)aftung Setreffenbe 
ertljeilt tjatte. S)ann fäl)rt ber bei aU feiner freunblid)en 
©efinnung für Spanien bod^ feiir nüd^tern überlegenbe 
Sotfi^after ber Surie fort: ,®ie§ l^at mir im SBefentlid^en' 
,ber ^ßräftbent gejagt unb ate ic^ i£)m fagte, bafe mir eine' 
jfeltfame ©ad^e ju fein fd^eine, tt)a^ man überatt erjätilt/ 
,nämlic^: bafe jener Süngling fogar ©ebanfen gegen bie' 
,5ßerfon be§ Sönig^^ feinet 9Sater§ gehabt l^abe, ba ant^' 
jtüortete er, ba§ ttjürbe baS ©eringfte fein ; benn, toenn nid)t' 
,anbere ©efal^r gett)efen toäre, afö toegen ber ^erfon beö' 
,Äönig§, fo toürbe man ftdf) get)ütet unb bem auf anbere' 
jSBeife abgel^olfen tjaben; aber e§ fei ® dt)Iimmere§ , toenn' 
,©d£)Iimmere§ fein !önne, bem ©eine äJlajeftät fdjon feit stoei' 
»ganjen Sauren abgutjelfen gefudE)t f)abe'. 

®em t)ier gegebenen ß^S^f^^^^i^^^iff^ ^^^ SSertrauteften 
unter aüen 9iätt)cn be§ S!önig§, ba^ gegen benfelben oon 
bem ^rinjen tt)irflid^ ein Sittentat beabfidEjtigt trar, toerben 
tüir fogleid^ bon unertoarteter ©eite eine Seftätigung ge^ 
geben finben. S)odE) bürfte e§ fid^ empfef)Ien, jubor no^ 



cato di offendere la real persona sua propia e falsa; et questo 
medesimo fa dire a bocca da Ruy Gomez all' ambasciatori di r^ et 
di Venetia, che sono qui (SSermutl^Ud^ gel^t biefer SRelotiöfot öuf baS 
fj eitlen ber ©efonblen öon ©c^ottlanb, S^aöarra, (Sd^weben unb 2)äne= 
marf am jpanifd^en ^ofe im Sanuar 1568; benn alle anbeten föniglid^cn 
®efanbten waren in SJlabrib); ma il presidente parlö con me nella 
medesima forma che io scrivö di sopra. ©aftagna '27, Sanuar 1568. 
S9eibe§ bei ©ad^arb, ®on ßarloS II 67], 665. 



2Rorbabfi^ten. 205 

jtt)et anbete in ben ert)altenen 2)epefdE)en beg JJiuntiuö fid) 
finbenbe ©ä^c in (Srtüägung ju jietjen, ber eine in ber eben 
ertnä^nten bom 24. Sannar 1568, ber anbete im Slnfange 
bet t)om 6. gebtuat batietten. 

,S)ag tft, fo t)iel iij in Sesug auf baS jagen fonnte, tt)a§* 
,ntit bet 5ßtäfibent gejagt ^at Slbet bet S)tnge, toeld^e in* 
,ben @ef^)tadf)en am §ofe umlaufen, finb t)iele unb et)et* 
,®inbilbungen atö SBiffen. 3mmetl)in Ijält man füt feljt' 
,ftat unb allgemein, bafe, tDenn bet ®elegenf)eiten biete unb' 
,feit langet Qdt getoefen finb, nid)tg befto toeniget 3)on* 
,3o]^ann bon Öftetteid^ firf) jule^t pfIi(J)tmäfeig gestüungen' 
,gefunben I)abe, ©eine SKajeftät öon einigen Singen in' 
,SenntniS ju fe^en, tt)eld|e biefe ©jecution befci^Ieunigt ^aben;' 
,ba§ lann iä) iebodi auf feine anbete SBeife aU nad^ bet' 
,aUgemeinen ©timme be§ |)ofe§ bel^aupten'. 

,3d^ tüat nid|t fid)et, bafe bie ^Briefe nid)t gelefen unb' 
,bie S^ifften befeitigt tDUtben; be^l)alb fd)tieb id) mit bet' 
jlegten (©enbung) nidjt ba§ golgenbe'. (£t etjäfilt nun bon ben 
JBefd^Iüffen übet be^ ^tinjen ßi^'f^^ft namentlid^ aud^, bafe 
et feine gteil)eit nie etlangen toetbe (nonloliberarannomai^). 

S)ie S)epefd|e öom 6. gebtuat, beten Slnfangötnotte eben 
angefül)tt n^utben, btaud^te fef)t lange Qtit, um nad& 9tom 
JU gelangen. ®iefe S;i)atfad)e fann nid^t SBunbet nel)men, 



1) %\t iDi^tigften ©teilen lauten im Original: che queeto giovane 
ha^esse pensato etiam contra la persona del re suo padre, rispose 

che questo saria il manco , ma che ci era peggio, si peggio 

puö essere. Don Giovanni d*Austria si sia trovato necessi- 

tado dal debito suo d'avvertire Sua Maesta di alcune cose che hanno 

accelerato quest' essecutione. Non era sicuro che, le lettere 

non fossero apperte et le cifre brusciate (? bod^ nic^t berbrannt, 
bruciate? JJdft benfe: brucate); perö non scrissi questo per il passato. 
5t. a. O. 663 bi§ 665. 



206 2)ic Äatafh;o<)]^c. 

loenn man crtoägt, bafe bie Scnadirtc^ttgung be§ fi)anifd^en 
S5otfd)after8 Bei bcr Surfe t)on bem Slbleben beö ^rinjen, 
toeld^eö gegen ein U^r äRorgenö am 24. Suli 1568 erfolgt 
toax, erft strifdien bem 28. Sluguft unb 4. September in 
9?om eintraf. Sin bem erftern S^age melbete nämlid^ ber 
laiferlid^e ®otfc^after am päpftlid^en |)ofe, ®raf 5ßro§per 
bon 3lrco, bafe er mehrere ©riefe au§ Surgo^ unb ß^on 
gefe^en t)abe, meldte ba§ tüidEjtige ©reigniö ertüälinten; bi§ 
ju ber ©tunbe biefer Slufjeid^nung l^abe aber ber fpanif^e 
®efanbte no^ leine SRad^rid^t erf)alten0- Unb bod^ toar 
toeber ®runb, nod) bei irgenb 3emanbem in SJiabrib 
Steigung, bie S^obeSnad^rfd^t gel^eim ju l^alten. 3n ber 
näd^ften, am 4. ©eptember gefdfiriebenen unb am 19. in 
3Bien angelangten S)epef^e be§ Sotf^after^ berfd^tete ber^^ 
felbe, ba^ ber fpanifd^e ©efanbte juberläffige Äunbe em=^ 
pfangen unb Xrauer angelegt Iiabe^). 

2lm 24. Suli 1568, gerabe bem S^obeStage be§ ^rinjen, 
fdEirieb aber in einem am 10. 2tuguft in SBien angelangten 
SSriefe ber bertraulic^e, regelmäßige Sorrefponbent be§Äaijer§ 
bei ber Surfe, Sarbinal S)eIfino, niiftt^ aU ba^ golgenbe: 
,®ef)eiligte Saiferlic^e gKajeftät! S)ag tuag i^ ber ^enntni^^^* 
,nat)me ©urer Äaiferlid^en SRajeftät toürbig gel)alten l^abe/ 
,ift in biefem furjen @dE)reiben in 6i)iffren. S)a]^er fällt* 
,mir nid£|t bei, ettüa^ Slnbere^ §u jagen, atö baß id^ ©iefetbe' 
,bitte, mic^ in Stjren guten (Snaben ju befeftigen.' 2)ie je^t 
beiliegenbe Sf)iffrentöfung entt)ält jtüei ©ä^e; ber erfte betrffft 
be§ ^rfn^en ätüeifelloje 3ted^tgläubigfeit. 2)er jtoeite ©a^ 



1) L'inbasciator dil Rh catco fino ä quest'hora non n'ha nuova 
alcuna. 3Siener ©taatSarc^iö, Romana 15(58. 

2) Catholici regis orator certum ipse quoque nuntium habuit 
de morte Principis et lugubrem induit habitum. (Sbenbafelbft. 



3Rorbabfic^ten. 207 

lautet: ,bie anbete ®a^e ift, bafe ber ^a^jft für Ijöc^ft getoife* 
,\)&it, bafe ber ^rins öon ©|)anien ntemafö üon feinem SSater* 
,frei gelaffen iperben unb im ©efängniffe fterben tt)trb, unb' 
,er fdöeint t)terüber fold)e ®id)erl)eit ju I)aben, bafe id) Sure* 
jäKajeftät baöon benad£)ric^tigen ju foEen meinte i),' S)ie 
SRttt^eilung be^ 5ßapfteg toar eine gel^eime, tüte benn ber 
©arbinal bem Äatfer einen äKonat frül^er, am 26. 3uni 1568, 
berid^tet I)atte, ber 5ßapft tt)ftnfc^e nunmet)r ^öd^lid^ bie SSer^ 
mät)Iung ber Srätierjogin Slnna mit bem Könige t)on ^ran!^ 
reid) unb l^abe bei biefem Slnlaffe über t)iele Slngetegen^eiten 
t)ertraulid^ mit if)m gefprod^en, i^rer früheren S)ifferenjen 
öergeff enb 2). S)aö ®ef)eimni§ über ben 95efc!^Iufe etüiger 
©infc^Iiefeung be§ ^ßrinjen erfut)r ber $apft t)on feinem 
5Runtiuö in ber S)epefc^e t)om 6. gebruar 1568. 

9iun erft finb trir in ber Sage bie 32Bid^tig!eit jener 
anbern, auf S)on Sarlo^^ SJiorbabfic^t beäüglidjen SRad^rid^t 
ju toürbigen, todäjt fid^ in einer brei Seiten langen Stelation 
beffelben ßarbinatö an ben Äaifer finbet. ®ie ift t)om 
6. äRärj batiert unb am 26. ÜKärj in äJlajimilian'^ IL 
§änbe gelangt. §ier lieft man: ,2)ie ©panier ftrengen fid^* 
fykx an, glauben ju madE)en, bafe gegen ben ^ßrinsen treber' 
,®lauben8angelegen^eiten Dorliegen* — tt)ir l^aben baöon 
frütier (©. 109) gefproc^en — ,nod^ ein ©ebanfen gegen ba^* 
,Seben feinet SSater^. Smmerl)in bin id) t)erfic£)ert ttjorben/ 
jbafe ber SRuntiu^ für Spanien bem 5ßapfte gefd)rieben I)at/ 



1) L'altra cosa h che il Papa tiene per certissimo, che il Principe 
di Spagna non sarä mai liberato da su padre et si morira (fel^lt: 
in) prigione, et di questo mostra havere tanta certeza, che mi e 
parso avisame V. Mtä. ©bcnbafelbft. 

2) .... Sua Stä, la quäle, hauende meco parlato di molte cose 
particolarmente, quasi non fosse mai stato disparere alcuno fra lei 
et me. ©benbafelbft. 



208 S)ic Äataftro^D^e. 

,ba§ ber ^ßrinj feinen SSater am STage be§ Ijciügen SIntoniug' 
(17. 3anuar) ,ermorben lüoUte, unb bafe 2)on 3ot)ann bon* 
Öfterretdt) ba§ ©anje (Seiner äRqeftät funbgemadit l^at^- 

2)er erfte ber bon bem SJinntiuö über beg ^ringen SSer=^ 
l^aftung gefc^riebenen ©riefe tcar am 24. 3cinuar begonnen 
unb am 27. beenbet tt)orben. Sm Slnfange feiner näd^ften 
S)epefcf|e bom 6. JJ^bruar unterfcf)ieb er in öejug auf bie 
früt)ere: SBrief nnb Sfjiffren. Slnalog ber ertoäl^nten ^obe^* 
nad^rid^t bom 24. Suli ober einem ber nädjften Slage an 
ben fpanifd^en Oefanbten bürfte aud^ biefe 2)et)efd^e öom 
24./27. Sanuar na^ etoaö mel^r atö 9Konat§frift in 9iom 
angelangt fein. 3Kan fann nid^t tooI|I jt^eifeln, bafe beS 
©arbinal S)eIfino 9Kitt£)eiIung bom 6. SKärj begrünbet ift^). 
(£§ ift alfo anjune£)men, bafe, toie bei 3)eIfino'ö eigenem 
©dEireiben an ben Slaifer, bem uri§ befannten ^Briefe ober 
SJopbelbriefe be^ 9?untiug nod^ ein befonbere§ Statt in 
(Stjiffrenfc^rift beigelegt getuefen fei, todä)t^ bie SRad^rid^t 
bon ber SlbfidEjt be§ ^ßrinjen ent£)iett, feinen SSater an jenem 
©anct 2Inton§tage umsubringen. 

S)afe irgenb ettüaS berart nod^ jenfeit be§ un§ nat)er 



1) Qui li Spagnoli si sforzano di far credere che contra'l detto 
Principe non ui siano ne cose di fede ne pensiero contra la uita 
del padre; perö 8on io certificate che il nuntio di Spagna ha scritto 
al Papa che il Principe uoleua amazzare suo padre il di di Santo 
Antonio, et che Don Giovanni d'Austria ha pallesato il tutto ä Sua 
Maestä. ^benbafelbft. 

2) 3(^ nel^me bocö nld^t an, bafe aud^ jeft no(ii ernftUc^ biefe SRafi^- 
ri(]^t ju ben »reid^Iid^en ©c^änblic^feiten unb SBoSl^eiten' (hartas ruin- 
dades) y malignidades) gejäl^lt tüerben Wirb, meldte t)on Stalten, fpedell 
bon diom au§, noc^ SBerft^erung beS fpanifd^en S3otfc^after8 aiaöa in 
^ariS, über S)on Sarlo^^ %o\> Verbreitet »orben finb. ©adftarb, S)on 
©arlog 623. 



I 



Äöniglici^e SWittl^eilungett über (Sorloä^ SBerfel^Iung. 209 

Scianntcn t)on bcm fran!en S)on 6arIo8 ge:plattt toorbcn 
tt)ar, gieng fd^on au^ ber Sbentualbejaliung ©StJinofa'g an 
ben 9lunttu§ l^erDor. 



lottiglidje Mittljeilungett über darlos^ Klerfeljlttng. 

^ä) glaube l^ter juerft bic ber engltfd^en Königin ©lifabet^ 
gemad^ten Sröffnungen nennen ju muffen. SBir l^aben ja 
frülier gefe^en (@. 46), toie ernftltd^ unb t)ergeblid^ Wttt)p IL 
fid^ um bie §anb biefer ^Jö^fttn beworben ijat, bereu ijo^tn 
©tun unb umfaffenbe SJtIbung ber f)od^gebiIbete Äöntg atö 
®emal|l tf)rer ©tteffd^toefter Ijinlängltd^ fennen lernte. ®ann 
l^atte er fid^ mit bem fd^önen franjöfifdEien Äöniggftnbe Stifa* 
betl^ öermä^It, ba^ fid^ aU feine britte unb mit aUer ®üte 
bcl^anbelte ©emal^Iin fo fügfam, tf)dxäj tabello^ unb l^erjlid^ 
unbebeutenb ertüiefen ^at. ßieft man bie SKittl^eilungen an 
ben englifd^en ©efanbten unb ^^ili))p'§ örief ^) an bie gro^e 
Königin, fo getüinnt man ben SinbrudE, bafe an if)rem günftigen 
Urt^eile ober fein SSerfal^ren bem Könige befonberä üiel ge^ 
legen toar. Sftu^ ®omej, ber gleid^ mand^ l^eutigem SKinifter 
nad^ ßalaienart bie (SnU)finbungen feinet ©ouöeränä t)or^ 



1) ©benfaH^ in bem öon ©ad^arb feiner 2)arftettung angel^ängtett 
Urhmbenbu^e fe^r ertDÜnf(i^t abgebrucft: II 661 f. 654. S)ort nur unb 
laum auf gelöugnete ?lttentat§abfid)ten bejiel^bar: Gomes . . . willed 
me, not to credit the common rumors and hedles (headless) talke 
spreed abroad heare. — .^ier bie ^nrebe: soror et consanguinea 
cliarissima; bie Unterfd^rift: Serenitatis vestrae bonus frater et con- 
sanguineus Philippus; bie 93etl^euerung ber S^J^^^iQUiig : summa et 
sincera nostra necessitudo meaque erga Serenitatem vestram singu- 
laris benevolentia; be3 Vertrauens in il^r SSerftänbniS : Eam majorem 
in modum rogamus, velit eundem oratorem nostrum grato (tool^l für 
gratioso t)erlefen) animo, ut solet) exaudire. 

eübinger, 2)on daxloV ^aft unb Xot>. ^4 



210 ®ie Äataftroi)]^e. 

jufüljlen tradjtete, toar benn anä) gegen ©tr 3of|n 3Rann — 
beff en 2l6berufung ber Äöntg fpäter tt)egen Srregung reltgiöfen 
ärgemiffeä Derlangt i)at — ungemein mittl^eilfam, ganj 
anbete atö ctoa bem SBenetianer gegenüber nnb in einigen 
©ejteljnngen fogar rüdEIjaltlofcr, aB ©fpinofa gegen ben 
SluntiuS. @r erfidrte in feinet ÄönigS STnftrage ännäd^ft 
auSbrüdEIici), bafe ,3t)te SRajeftät, feine gute ©d^tüefter', genau 
(diügentlie) unb boUftänbig über bie äJJotiöe t)on ®on ®arIo§' 
SSert)aftung unterrid)tet tüerben foße. S)ie Slttentatgfrage 
toirb nid^t btrect beljanbelt, nur attenfall^ mit ber SBarnung 
bor ,gebanIenIofen S3eric|ten* geftreift; aber bie Slu^ffi^rung 
bon ben bem Könige atö fold^em obliegenben unb ju bem 
etngefd)Iagenen SSerfaljren nött)tgenben ^flic^ten tüirb bod^ 
mit folgenben SBorten eingeleitet: ,©eine Söiajeftät I|at feit* 
»langer 3^* Ö^^fe^ Ungebühr, ungel^orfameS unb getoalt^* 
,tl|ääge3 S5enel)men be§ 5ßrinjen gegen ?ßerfonen aQer Slrt/ 
,unb namentlid^ gegen ©eine SKajeftät unb Slngefjörige feinet- 
jSiat^eö ertragen 0'. S)er fiönig felbft äußert mit ber il^m 
für Siebe unb ©d^rift geläufigen, fd^on auf bem 5lugöburger 
3(ieidf)§tage bon 1548 betüäljrten Äunft Iateinifd)en Stu^brudEe^ 
feiner ,S5Iut8bertüanbten*, toaö fie in feiner SBeife getoefen 
ift, ben aSunfd^ aufmerifamen ©el^öreö für bie bon feinem 
■ ©efanbten borjutragenben Söiotibe feineS SSerfal^ren^. ®r 
toieberl)0lt Ijiermit nur bie ©ntfd^ulbigung, tpeld^e 9lut) ©omej 
in feinem Jiamen Vorgetragen l^atte: ,®er Äönig f)&ttt bem* 
,®efanbten ba§ felbft bargelegt, f önne aber nid^t barüber fpre^* 
,dE)en ober berl)anbeln, o!£)ne feinen Summer unb ©d^merj ju* 



1) His Majestie hath of long tyme boren with great disorders, 
disobedient and outragiose dealing of the prynce towardes all 
parsons and namely towardes His Majestie and others (? those ?) of 
bis conncell .... 






Äöniglid^e SJlitt^eilungcn über ßarlog' SBerfel^lung. 211 

,cmeuern unb ju fteigcrn, ber olinel^m größer fei, ate et* 
(®omeä) ,il|n tüoljl au^brüden lönne.* 

S)er ettoa^ raulje (Snglänber fannte benn bod^ aud^ feiner^ 
fcitö bie Stgenart feiner f lugen ®ebieterin genügenb, um 
ftd^ ju erinnern, ba§ biefe fidö im Dorliegenben galle tDo^l 
fagen tüürbe, xi)x untt)iberftet)Iid^er SSater ^einrid^ VIII. tüürbe 
einem toiberf^jenftigen ©oljne gegenüber nod^ öiel toeiter ge^ 
gangen fein, afö 5ßt)ili|)|) IL gegen S)on Sarloö. ©o brüdte 
er benn feljr tüarm ber Königin Seileib mit be§ ^önigg 
ftummer über feinen ©oI|n aug, unb ba§ fie bie bertraulid^e 
SRtttl^eilung ber ©injell^eiten ,ätt)eifeIIo§ fet)r gut aufnel^men* 
,toärbe ^)*, SRit feinem eigenen ßeibtüefen fprad^ er feine 3Rei^ 
nung au§, bafe ber Äönig fel^r richtig unb umfid^tig^) mit 
ber Sinftjerrung be§ ^^rinjcn gel^anbelt I)abe. Riebet be^ 
bleute er fid^ einiger SluSbrüdEe, unter toeld^en bie 3fiebeIIion 
toie bie Slttentat§abfidE)ten beg ^ßrinjen gleid^mäfeig ju öer^ 
ftel^en finb ^). ®a gab ber f önigüd^e ©ünftling feiner freubigen 
Überjeugung Stu^brudC, baß ber Äönig über ba§ bon bem 
englifd^en SBotfd^after ©eöufeerte fel^r erfreut fein toerbe unb 
toagte feiner Erbitterung gegen ®on ßarlog mit ben SBorten 
SluSbrudC ju geben: ,e8 ift ber tüberlidEifte, unfinnigfte unb* 
,für menfd^Iid^en SSerlel^r ungeeignetfte SRenfdE), ber mir je* 
,DorgeIommen, beffen greilieit einäufd)ränlen I|oI|e ^dt ge^* 
,n)efen ift; benn fonft u. f. n)., unb bie§ mit 3f|rer SKajeftäf 



1) ®od^ ol^ne @nt^)l^afe: Her Majestie must needs take in great 
good part, that it has pleased liis Majestie, to imparte the know- 
lege of the particularities thereof. 

2) very well and circumspectlie. 

3) considering the great enormitiea and unsufferable attempts 
he has goon about of late, which .... wold have breat greater 
unquietnes in some of his Majesties Estates than cold well be boren. 

14* 



212 3)ic ÄQtaftro^l^e. 

,@rtaubnt8 ^y, b. 1^. eS toar ju unäietnlid^en 3nl^alte§, um eö 
toicberjugeben. 

®ic Äöntgin antoortete 5ß^tlipp IL nur in einem ^Briefe 
an tliren ©efanbten. 9Son bemfelben fd^eint bag ©(^reiben 
ber ft)anifd^en JRegierung in einer Slbfcl^rift übergeben toorben 
äu fein, toeld^e fid^ je^t in ©imancag befinbet. Sluf bie Sitten- 
tatöfrage gel)t bie Jifönigin fo toenig toie auf anbere ©njell^eiten 
ein. ,3^r tuerbet bem Könige für fein freunblid^e^ unb brüber^* 
,IidE)eg SSerfal^ren gegen Un§ banfen, ba^ er Ung l^erlömmlid^' 
,burd) feine SBotfd&after t)on allen Slngelegen^eiten t)on 3Sid^** 
jtigleit unb bie einer Serid^terftattung mertl^ finb, benad^^* 
,rid&tigt; unter allen toaren 3Bir nur bie§ le|te 3KaI betrübt/ 
,tt)egen be§ feinen ©ol^n SBetreffenben, unb bod^ Vertrauen* 
,SBir, be§ ÄönigS SBeig^eit n)erbe fidE| für bie Sefferung* 
,(reformacion) alle§ SSerfel)rten (amiss) in bem ^ßrinjen feinem* 
,©of)ne ertueifen. @§ tüirb aK ein fef|r guteö ®lüd£ für" 
jfeinen ©of|n ansufetien fein, ia'^ er bie ©efferung t)on einem* 
,fo tlieuren unb guten 9Sater empfängt 7- 

S)ie @ucceffion§I)offnungen für bie fpanif^en ©iproffen 
beS §aufe§ SSaloiö n)aren bod^ ju nat)e liegenb unb öon 
©eiten be§ ©efanbten n)oI|l ni^t nur in feinen (©. 132) er^ 
tüäljnten ©epefc^en an ben franjöfifd^en §of mit Subel bc^^ 
tont, fonbern audli in Sölabrib empfunben ober öernommen 
toorben. S)ie Slönigin SKutter l^at freilidl) i^re greube unter 

1) I never dealt with a more dissolute, desperate and uncon- 
versable parson and there thinke, it was high tyme to cutt him 
shorter of bis libertie or ells etc. and this with Her Majestie's pardon. 

2) ©ac^arb a. o. £). 562 mit einer franjöftfti^en Überfe|ung, tt)el(^c 
iä) bem Kolorite beS Originales nic^t thtn entjpred)enb finbe. — 3Bie fti^ 
eiifabetl^ gegen f^janifd^e ©ranben gnöbig unb ansiel^enb öerpit, crpel^t 
man jefet au§ ben doc. escog. (ögl. ?tnl§ang). Slm 20. gebmar 1567 
banft fte bem SJlarqueS Don ©arria in fponift^er ^praä^t für eine 
©enbung 4)anbf^u]^e qI§ ,gute SBafe'. 



Äömglic^e aKittl^ellungen über ßarloS' SBerfe^Iung. 213 

üerfd^ämtem 5!KitIetbe mit bem 5ßrtnäen unb beffen Sßater 
verborgen, ba ja ,bie ©ad^e jum ®ef)jräd^e in ber ganjen 
(£^riftenf)eit gelüorben fei* ^). SSiel tt)enigcr atö ber Äönigin 
öon (Snglanb ift bat)er ber franjöfifi^en Stegierung fott)of)I 
in SJiabrib burd) münblid^e (Srflärungen an gourquet)auIj, 
atö burd^ ben fpanijdien ®efanbten an bem nod) nid^t ju fefter 
Siefibenj gelangten franjöfifd^en §ofe mitget^eilt lüorben. 
StUeg 5lnftö^ige nnb t)oEenb§ bie Slttentat^abfid^t tt)nrbe öer^ 
fd)tt)iegen, ba man fonft ber greube biefer lieben Sßertnanbten 
bod^ fidler fein lonnte. 

2lm S:age nad^ ber SSer^aftnng, am 19. Sanuar, ^atte 
gourqneöaulj snnäi^ft gemelbet^), e§ gebeSeute, tüeld^ejene 
gepffige ©cene ber 3Serf)anbInngen be§ ^rinjen mit ©eiftlid^en 
toegen ©acramentft)enbnng mit ber 3lbfidE)t be^felben, ettt)a§ 
JBöfeg gegen feinen SSater an^äufül^ren in SBerbinbung bringen; 
unmittelbar barauf I)at er bann ba§ näd^tlid^e ©inbringen 
be§ SSater^ in be§ ©o^ne^ ©dE|Iafgemad§ gefdE)iIbert. 

S)er Äönigin^äRutter fd^reibt er gleidEigeitig mit biefem an 
ben Äönig gerid^teten ©riefe beutlid^er, er tüoKe fid^ be=^ 
müljen, ben SInlafe ber SSertjaftung be§ ^ßrinjen ju erfahren, 
,obtDoI)I ba§ allgemeine ®erüd)t ift, ba§ er feinen SSater^ 

1) 3lm 1. 3Kärj 1568 fenbet fte §errn öoti 3Kontinorln nad^ 3Kabrii> 
um Tnünbli(3^e Snformattonen au faict de l'emprisonnement du prince. 
51m 24. Wt&x^ berlangt fie t)on fjourquebautj audö fc^riftlidfte genaue 
9Rttt]^eiIungen über 3lIIe§ benfelben Setreffenbe, Tinfortune duquel 
je plaints et regrette avec celle du p^re incessamment, estant leur 
faict aujourd'huy en la bouche de toute la chrestiente, qui est tout 
ce que vous aurez de moi par ceste despesche (La Fernere III 131. 
1887) ^at W^^PP II. ^urd^ fei^e ©emal^Iin l^ieöon ÄenntniS er^alten^ 
fo tt)irb er nid^t überrafc^t unb nod^ »eniger erfreut getrefen fein. 

2) et y en a qui veulent dire, qu*il avoit desliböre de faire 
un mauvais tour au seigneur roy son pere roy. Quoy que soit, Sire, 
cette nuict paasee ce roy est entre en la chambre du dict prince 
etc. Oad^arb, a. a. O. 656. 



214 3)ic ^ata\txopf)t. 

»tobten ober fid^ mit irgenbtDem in biefen Sönigreid^en er^' 
,]^eben tuoHte/ ®en ©^lu^ bilbet t)ier bie oben (©. 164) 
ertoäl)nte innige SBeglüdtüünfdiung tüegen S)on ßarloS' S5e* 
feitigung öon ber ^I)ronfoIge. 



JFrattjS|tf(l|e ümpfinbuttgett über bie 3Rata|iro|il)e^ 

S)ann em^jfieng berfelbe ©efanbte SRittl^eilungen be^ 
ÄönigS t)on ber $anb feiner ®ental)Iin ^) nod^ an bemfelben 
19. Scinuar, nnb biefe finb red^t c^aralteriftiftf) für alle SSe=^ 
ttieiligte. 3)ie S!önigin erflärt in biefem ettüaS ftitoibrigen 
SBriefe, gleid) am SKorgen über ba^ bem 5ßrinjen SBiber^^ 
fal^rene l^aben fdjreiben ju tDoUen; fie fprid^t öon it)rer SSer^* 
Jjflid^tnng gegen il^n, bafe fie fein UnglüdE fü^tc tüie ba§ eine^ 
eigenen ©oI)neö ,in 2lnerlennung ber greunbfd^aft, tüeld^e* 
,cr für mid) empfinbet (Sott l^at jn meinem Seibtüefen ge** 
,tooIIt, bafe er für baS erllärt toorben ift, toaS er ift*. 

2lud^ l^ier gibt alfo bie gntmütl^ige 2)ame ber SJieinnng 
SlnSbrnd, ba§ fie ben ^ßrinjen eigentlich) längft für f^toad^* 
finnig nnb ber ©ucceffion nnfäl)ig gel)alten ijabt^ beren Sin* 
fjjrndö nunmelir anf i()re eigene S^od^ter (Slara Sfcibeüa tf)aU 
fftd)Iid^ übergegangen ift. 

©el^r ftarl l^ebt fie aber i^re $fIidE|ten gegen ben fiönig 
l^eröor; ,ben Kummer (peine), in tüeld^em berfelbe fid^ be** 



1) ©citfamcr SBclfe l^at ber betreffenbe ©rief ber hänfltd^en Königin 
(gllfabctl^ fi(3^ in ba§ ^Ird^it) beg ©auf e8 ®ramont öerirrt. ^ux^ ben eben* 
fattS öeretüigten 3Jiignet l^at (Sad^arb (S)on ß^orloS 525) bie t)on il^m 
reprobucierte ^Ibfd^rift erl^olten. ©ieju tnug man aber tl^re oben 
@. 180 Slnm. 1 citierte f<)öttifd^e Sufeerung über bie geiftige ©^wäd^c be8 
^Jrinjen Dorn S^ioöember 15G5 ]§alten. 



fjranjöftftä^e ©ntpflnbungen übet bie ^ata^ttop^t. 215 

jfinbet, toeil er genötl^igt tüar, t^n ju l^alten unb ju fc^en/ 
jtute er il^n l^ält*; fottft t)ätte fie bem ©efattbten gern au§^ 
fül^rltd^ erjäl^It. ,SnätDtfd^en I)at ber Äönig mir befot|len/ 
,nur fo t)tel ju fd^^riben, aU er mir fagt, unb ba| id^ Sud^* 
,auftragen foHe, feinen (Sourier abjufenben, unb überbteä i)at 
,er SBefel^t gegeben, ha^ fein ©ourier ober S^fesö^ö^i^ ober' 
jJReiter fortgef)e, tüenn er ntdE)t etoaS Slnbereö befolgten l^abe'. 
Sd^ braud^e lüol^I nid^t gu jagen, ba^ bie t)on 5ßf)ili^^) öer^ 
geblid^ umtüorbene Königin ©lifabetl^ bon (Snglanb niemals 
einen fold^en Sörief gefd^rieben fjaben tüfirbe. SBir tüiffen, bafe 
bie jpanifd^e Slifabet^ übrigen^ ben Slnftanb fo artig toafirte, 
ba^ fie ätt)ei Xage lang über 2)on Sarlo^^ 3Rifegefd£|idE tueinte, 
big i^r ®emaf)I fanb, bafe e§ nun genug fei^). Slud^ ba§ 
geft unterblieb, tüeld^eö öon if)r unb ^ßrinjeffin Sol^anna, 
ber äRutter beö t^ortugiefifd^en ÄönigS ©ebaftian, für ben 
19. Sanuar aU ben SSorabenb t)on beffen (Seburt^^ unb 
9?amen§tag unb SSoEjäl^rigfeitgerflärung 2) borbereitet tüar. 
@rft am 22. Sanuar SRorgen^ toar für ben fran^öfifd^en 
SJotfd^after ber SBerf ef)r tüieber frei ^). S)a i)at er instoifd^en 
bie ^ufeerung beS Äßnigg fid^ ersä^Ien laffen — gourque:^ 
öaulj giebt feine Queue an, erjä^It ba§ aber ate ätueifellog 
fidler — bafe er öierjig ®rünbe unb Sriüägungen (causes 
et raisons) aufjeigen ttierbe, toeld^e it)n genött)igt I)aben, in 
fold^er 3Beije ju berfal^ren. Sin biefem S^age öerjeid^net er 
aud^ bag ®erüd^t eineg ©inberftänbniffeö mit ben 9lieber== 
länbern, namentlid^ mit 9Konttgnt|. SBie er bann mitjutl^eilen 



1) SBgl. oben @. 132. 

2) . . . . Le quel a este declare majeur ce dict jour. Fourque- 
vaulx, 22. Januar 1565 a. a. 0. 

3) S)a§ golgenbe nad) ben beiben 2)e<)efd^en öom 22. Januar unb 
5. gebruQt 1568 bei Oac^atb, %on earloä 657 biS 660. 



216 3)ic Äotafttopl^e. 

t)at, bafe btc gctcr be§ 3iamengtagc§ be§ Äöntgö ©ebafttait 
t)on Portugal, tüegen ber SSetrübniS fetner SDiutter unb ber 
fpanifcfien Siöntgin über bie SSerl^aftung unterblieben fei, 
unterläßt er nid^t, and) IiinäUäufügen, bafe bie ^ortugiefen 
am troftlofeften feien ober bod) ju fein öorgdben; benn 
®on ®arIo§ ttiar biird^ feiner SWutterJRed)te bei linberlofem 
Slbleben be8 Sßnigg ©ebaftian ber näd^fte 2!I|ronerbe aud) 
bon ^Portugal. 3lber gleii^äeitig {)at er feinem §ofe ju er* 
iJffnen, bafe 5ßt)ili^p IL gleid^ am SKorgen nad^ ber SSer^^ 
Haftung bem faiferlid)en ®efanbten SWittl^eilungen über bie^ 
felbe gemad)t f)at; er erflärt bag, unb bie I)iemit il)m felbft 
lüiberfalirene ßurüdfe^ung, au§ bem Sßerlöbniffe be§ ^rinjen 
mit ber (Srä^erjogin. 

(Srft an bemfelben 27. Sanuar, an tüeldiem naä) fönig* 
Iid)em S3efef)Ie SRuti ®omej bem englifd^en ©efanbten bie* 
felben 50iitt^eilungen unb baju in gormen rüdI)att§Iofen 
Sßertraueng augäuft)re(^en f)atte, erfolgten an gourqueöaulj 
bie feit ad^t S^agen t)on bemfelben ertoarteten ©röffnungen. 
®ie enthalten na^ ber 2)epefd^e bom 5. gebruar, über ba§ bem 
Snglönber ©efagte l)inaug, ettoa nod^ ben früt)er erörterten 
Termin t)on ,mel)r aU brei Scit)ren*, feit ber Sfönig fid) bon 
beg ®of)ne§ ©d^toadöfinn unb Unfäljigfeit jur ©ucceffion über* 
äeugt {)abe, unb toie er nun gemä^ ber löniglid^en SSerjjflid^* 
tung gegen feine Untertljanen f)abt einfd£)reiten muffen. 3n* 
ätoifdf)en toar ber ©efangene nad^ SRu^ ©omej' ©rjäl^Iung 
t)om 27. Sanuar bereite in ein übrigens ju feinem Slparte* 
ment gel|örige§ ,guteS 3^^^^^ ^^^^^ hidm S^^urmeS biefeS* 
,5ßaIafteS t)on SWabrib* gebradjt toorben, ,gerabe unter bem' 
,3immer, in ttield^em bie ^ßrinjeffin tool^nt*, bie eine B^^Iang 
it)m äur (£I|e beftimmt getoefene Spante, bie ^on^}rinjeffin* 
SBittoe SoI)anna bon Portugal. ,S)ort toirb er fortan aW 



granjöftfcöe (£tn^)finbungen über hit ^ata\ttopf)t. 217 

,^rinä t)on gutem §aufc bebient unb gehalten toerben, fo=^* 
,n)ett ba^ feine ^erfon angelet, aber fo forgfälttg bettiad^t/ 
jbafe er SWemanb mel^r fd^äbigen, nod^ au§ Spanien fKet)cn' 
lann.* 

®§ ift aUerbingg ntc!^t ntel^r f eftäufteüen , ob nid^t 
gourqueöautj in ben nädiften SKonaten nod^ genauere 
SWad^rtd^ten ober fönigltd^e SWittlieilungen über be§ ^rtnäen 
SRebeHiong^ unb 9Korbgebanfen erl^alten l^abe. S)ie Königin 
Äatl^arina 3Rebtci§ gab fid^ freiltdEi bi§ in ben ©pätt)erbft 
1568 ber füfeen Hoffnung {|in, il)ren @ot>n ÄarllX. mit 
ber ©rgl^erjogin Slnna t)ermäf)It ju fel)n, toeil ber Äaifer 
,mßglid^ertbeife öerjtoeifelt, ben ^ßrinjen toieber in bie ®nabe 
feinet SSaterg äurüdEIel^ren jU fet)n*^). ©ie fd^rieb ba§, 
atö fie ben am 3. Dctober eingetretenen 2;ob it)rer eigenen 
^^od^ter, ber Königin öon Spanien, fdE)on fannte; fie fd^rieb 
eg, obtoof)! fie bor faft ä^^i 2Konaten 2;rauer für S)on 
©arlog angelegt Ijatte. S)iefe tounberlid^e "SiiatfadEie unb 
unfere Unfunbe über ettoaige toeitere, bem franjöfifd^en ®t^ 
fanbten jugefornmene 9iac^rid^ten bon Sebeutung erflären 
fid^ aber au§ folgenben SSorfäHen. 

9D?it ber Iriegerif^en SBiebererl^ebung ber franjöfifd^en 
^Reformierten unter gül^rung be^ ^ßrinjen bon ßonbe im 
©pätfommer beS ^al^reS 1568 fallen ungefäl^r bie ©rmor^^ 
bungen jtoeier au§ SWabrib nad^ granireidö gefenbeter 
©ouriere, felbftberftänblidt) mit 9flaub it)rer 95rieffd|aften, äu= 
fammen. S)er eine biefer Soten, ein granjofe, ^atte Slnfang 
Sluguft 5ßaquete an ben franjöfifd^en ^of ju bringen unb 



1) desesperant, possible, de voir le prince rentrer en la 

bonne grace de son pöre. Sin htn SBotfc^after bei bem Äaifer, 16. iRos 
öember 1568. La Fernere, lettres III 208. 



218 3)ie ÄQtaftro<)]^e. 

tfi t)crmutf)Itd^ ber öon gourquct)aulj abgefenbete Überbringer 
bon genaueren 9?aci^rtc^ten, tool)! aud^ ber Königin Sltfabet^, 
über ®on ©arlog' §aft unb 6nbe gettiefen: S)er smette 
S5ote, ein ®panxtx, brad^te balb nad&^er S)e:pefd|en an ben 
fjjanifdien 93otfd^after. ©inselne auf bie fpanifd^en Sln^ 
gelegenl^eiten in ben SWieberlanben bejüglidie 5ßa]piere biefer 
©enbung tourben — bei ber freilid^ bergeblid^en, mit Sluf* 
gebot aller militärifd^en unb gerid^tlid^en SRittel unter^^ 
nommenen Jiad^forf^ung ber franjöfifd^en ^Regierung nad^ 
ben SRörbern — an §eden unb ©ebüfd^en gefunben. S)er 
fjjanifdE)e ©efanbte tüeigerte fid^, unter l^ödfift berle^enben 
Slnfpielungen über bie Urheber be§ äRorbe^, lange 3^^, bie 
^a^iere auäunel^nten. Katharina 3Rebici§ tf)eilte, i^rerfeitS 
gereijt unb berbad)tt)oU, ba§ SlHeg ^ourquebaulj für i^re 
S^od^ter unb Sboli mit, unb toie fidler S)on SarloS* %oh ,na6) 
l^unbert ^Briefen ber Sauffeute' ju fein fdEieine^). 9hir ber^ 
geblid^ erfud^te fie aber um SQ3ieberf)oIung ber berlorenen 
SRad^rid^ten. S)enn injtüifd^en ftarb il^re föniglid^e Siod^ter 
unb ber SJioment, boQenbö mit bem neuen franjöfifd^en 
Sftrgerfriege äufammenfaUenb, toar nid^t geeignet ju (5r== 
jäl)lungen über be§ tobten fpanifd)en S;i)ronerben Sbeen 
unb Ie|te ßeiten. 

©0 finb toir auf bie inbirecten (Sröffnungen beg Sönigö 
öon franjöfifdier Seite befc^ränft, toeldtje bie oben anal^fierten, 
leine^tüegS auffd^Iufereid^en brei 2)epefd£)en enttjalten. 



1) S)e^3efc^en öom 8. @e<)tcmber unb 16. Sluguft 1568 an fjourque« 
öaulf. (gbenbayelbft 170, 177 bis 179. 



ÄönigUd^e ©töffnungen an greunbe üBer blc ^aft. 219 



J&omglidie (Eröffnungen an JFreunbe über Me i^aft 

©elbft feinen bertrauteften Wienern, ben beiben (Statu 
Iialtent Don SRaöarra unb ,gianbern*, ben ^erjogen bon 
Slttuquerque unb 9lI6a^) l^at \>oäj ber finge unb feinfül)lige 
Söntg mel^r atö ben gelegentüd^ get)ätfdt)elten, aber ftetS mit 
ttiol)Ibegrünbetem SRifetrauen betrad^teten franjöfifd^en SSer^* 
ttjanbten mitgetl)eilt. 

2lnt 2;age öor jenen Eröffnungen an bie ©efanbten öon 
SSenebig, (Snglanb unb granfreid^, am 26. 3anuar, fd^rieb 
5ß]^ilipjj n. an Sllbuquerque, toie eö fd^eint, eigenl)änbig über 
bie SSerI)aftung beS ^rinjen, um fie in bem biefem großen 
©beimanne anvertrauten S!önigreid^e lunb tl)nn ju laffen. 
Sn leiner SBeife l^ätte ber S!önig e§ beranttoorten (escusar) 
fönnen, ,bei fo befiimmten unb ätoingenben ®rünben* anberg 
ju t)erfal)ren aK »gefd^al^; mit lüeldfiem ©d^merje unb ®e** 
jfül^Ie* eg gefd^elien fei, lönne ber ^erjog fidE) felbft beulen. 
SluöbrüdEIid^ toiß er benfelben bena^rid)tigen, ,ba§ ber (Snt^' 
,fd^Iu§ nidE)t abl^ängt t)on einer gegen midE) begangenen feinb^* 
,IidE|en ^anblung (trato) ober SSeleibigung* — 85eibe§ toirb 
jUid^t in Slbrebe gefteHt — ,audE) nid^t auf ©träfe ober' 
,Seffemng geridE)tet ift. S)ie ?iaturanlage unb S8efdE)affen^* 
fyüt beg grinsen l^at auf foldfie SBeife, bei ber güt)rung* 
,fetne§ Sebenä unb SSerlel^rS (trato) 2) borjugel^en, ben ®rnnb' 
»gegeben/ fo lange audE) ,bie bäterlid^e Siebe unb 5ßietät' bei 



1) 5lud6 blejc SBriefc tt)le Mc übrigen in bicfcm ^aragrctpl^en nod^ 
bc^anbelten finbcn fic^, »0 ni(i^t auSbrüdltd^ SlnbereS bemcrft ift, in 
ber Utfunbenfammlung bei ©ati^arb, ®on ßarlo« II, 643 biä 653. 

2) ^6) bemerle, baß baS öicibeutige SSort aud^ in ben Briefen beS 
Äönigö mit ganj berfc^iebenen ©ebeutungen, toie l^ier in bemfelben 
Safte, erf^eint, feineStoegS am l^äufigften für »SBerratl^*. 



220 ®i* flafnfttop^e. 

bem aSocfifen jener ©igenfdiaften gejögert ^abt. ^ule^f 

,ü6etroog bie S8erp| 

.bcftcat l)at, mä fe 

,unb ©toaten betri 

roie bie ©tönbe ju 

brauche Stbfdtriften 

bie ©tobte, ®end)ti 

SJiefe entl)alten 
ber SBrief an 3llbui 
ftanb conftatierten 
erben bebarf in be 
bem natüttic|en ^i 
unb 33e|c{)tufefafeun[ 

Sertvautii^er, o: 
an Sltbuquetque ta 
oon einem ©ectetä 
®ä beginnt mit bet 
lannte ,3tatutQn(a9 
,be§ ^ßrinjen' famt ,1 
!Diefet Slnögong luii 
nad) Portugal unb 
atS ,@in|i^Iie§un9 m 
bejei^net unb famt 
gefc^itbert, Sie ® 
fenne 3llba; Bon i 
beutung; ev fügt i 
,91fte Don SRefpectroi 
,Dber eine anbere • 
,SIut teine Müdfii^t 
i)olt bon uns erm 
muffen. Qm geeig 



Äöniglid^e ©röffnungcn on greunbe über ble ^aft. 221 

©el^örben, ©tänbc unb 5ßcrfonen erl^ält bcr ^erjog in 
franjöfif^er ®pxaä)t ein föniglidieS ©d^reiben. SluSbrücffid) 
tüirb il^nt unterfagt, ,irgcnb 3emanb Qid unb ®runb* bicfer 
,21ngclcgcn]^eit ju eröffnen ober auf irgenb eine anbere' 
»Sinjel^eit einjugel^n aU in beut beigefcI)Ioffenen ©einreiben* 
,entl^alten*. 

3n einem in (Soncejjt ober ©opie in ©imancaS ebenfalls 
crl^altenen jtoeiten SBriefc üom 6. Stpril banit ber Sönig 
gunäd^ft für bie am 19. gebruar gefd^riebene, t)on Siebe unb 
SSerftänbniö jeugenbe Slntoort beS ^erjog§, toeldEje, bod) bor^^ 
auSfid^tlid) unmittelbar nad^ Smpfang ber fo bringenben 
§aftnad)rid^t gefd)rieben, aud^ il^rerfeitS faft bier 9BodE)en 
afö regelmäßige Sommunicationgjeit gtüifdEjen SKabrib unb 
SBrüffel erlennen laßt, ©r fel^e mit ©ottöertrauen bem 
SluSgange ber fdEjmerjIid^en Slngelegenl^eit entgegen, in 
toeldier er feine ^f(idE)t gett)an ju l^aben fid^ betoußt fei. Slber 
aud^ Sllba'g SBünf dE)en um toeitere ©injellieiten be§ ®efd^el)enen 
crflärt er toieberl^olt nidE)t entfpred^en ju fönnen. 9?od^ ein* 
mal erinnert er, baß nid^t ©d^ulb (culpa) be§ ^ßrinjen e^ 
öeranlaßt l^abe, ba bie UrfadE)en ,gan5 natürlid^e' (tan naturales) 
feien. 3ebe, bie religiöfen Slnfd^auungen be§ ^ßrinjen, feine 
ßl^re unb SBert^fd^ä^ung l^erabtoürbigenbe 9D?einung foH ber 
^erjog aU Vernunft* unb njal^rljeitStpibrig äurüdtt)eifen. 
®anä befonber§ aber foH er ,aug fielen 9fiädEfidE)ten* 2)ar* 
ftellungen entgegentreten, afe ob berfelbe auf ,SSerratI| unb 
Siebettion* gefonnen f)abt; in einer ,fo toid^tigen Slngelegen* 
l^cit* muffe man ftet§ ,ba^ 3^^^' ^^ ^^^9^ t)aben. 

Die beiben frül)eflen Benat^ridittguttgen über bie ^aft 

©d^on bebor er an irgenb 3lnbere gefd^rieben t)at, am 
20. Sanuar, ergiengen $£)ilipp^^ IL brieflid[}e ©rÜärungen 



222 2)ie Äataftropl^c. 

an bic SBetben, toel^en er junäd^fi Sluffc^Iufe f^ulbtg ju 
fein glaubte, ©einer ^^ante, beten ©ol^n er fid^ mit 
bemüt^igen gormen nennt, ber Äönigin^^SBittoe SÜatl)arina 
t)on Portugal, ®on 6arIo§' ©rofemutter, mit tüeld^er er in 
le^ter Qtxt fd^on nad^ bem ©ingange be§ neuen SBriefeS fiber 
bie Seben^fül^rung be§ franlen ^rinjen corref^jonbiert l)atte, 
gilt ba§ eine ©d^reiben. 5ßf)ilipt) 11. fe^t tjier mit ben unö 
nun fd)on belannten, bod) ber bertoanbten Königin gegen^ 
fiber ettüag gemilberten Slu^brüdfen bie für il^n afö d^rift* 
lid^en gfirften eingetretene SRotl)tt)enbtgfeit au^einanber, feinen 
©ol^n ,einäufd^Iiefeen unb in §aft ju l^alten.* Sltö ,3Kutter* 
,unb ©ebieterin SlUer', ilirer SSertoanbten nämlid^, toerbe fie 
feinen ©dEimerj bei biefer SRotijtüenbigleit ttiurbigen, alle 
anberen menfd^Iid^en ©rtoagungen neben benen feiner il^m 
öon ®ott aufgetragenen $ßfß^t bei ©eite ju fe|en. 2)ie 
filteren, tüie bie neuerlid^ eingetretenen Urfac^en feien berart, 
,ba§ tueber id^ fie bortragen, nod^ Sure §oI|eit l^ören lann/ 
,oI|ne ©d^merj unb 9Kitteib*) ju erneuern.* 3)a§ ift, toie 
toir njiffen, bie öoUe SESalir^eit, tüie fie W^^P H- ^^^ ^önig^ 
lid^en 2)ame gegenüber alg 50iann t)on ®efül^I nid^t anberg 
unb mel^r im ©injetnen au^fül^ren fonnte. 

Qtüd ©d^reiben liegen an ben 5ßapft bor. 3)a§ eine ift, 
tt)ie gefugt, ebenfalls t)om 20. Sanuar unb in ber urfjjrüng^ 
lid^en fpanifd^en, ba§ anbere, auf be§ 5ßapfte§ Slroft^ unb ©r^ 
mal)nung§brief am 9. 3)?ai gefdjriebene, ift nur in lateinifd^er 
Öberf e^ung erhalten. 3n beiben »riefen ^ält fid^ ber ßönig bei 
aller finblid^en @f)rerbietung gegen ben ^eiligen SSater bod^ 
nur in ben un§ Jefet l^inlänglid) belannten ©renjen ber WäU 



1) lastima, waS bo^ aud^ mit ber SSorfteHung öon ©(^intpf öcr« 
bunben ift. 



3)ie beiben frül^eften S3ena(j^ri(]^tlgungen über bie §aft. 223 

tl^eilung. Wit bem legtern ©d)ret6en bemerlte er äugteid^ 
feinem ©efanbten in 9iom, er l^abe über bie ©runblagc 
feinet SSerfal^ren^ fid) bem 5ßapfte gegenüber auöfül^rlid^ 
geäußert unb f)ieburd) aud) ber Srittl unb bem argtDöl^nifd)en 
©erebe t)on anberen Urfad^en bei biejer Slngelegenf)eit ein 
@nbe mad)en tüoHen. Slber minbeftenö bei ber bon un8 
nunmel^r getüonnenen ^enntnig ift bie Sectüre be§ fönig^ 
lid^en SBriefeS an ben ^apft leine^tüegg geeignet, un^ für 
t)ier gebotene njeitere Slufflärungen banfbar ju ertüeifen. 
3lu^ bie bem ^apfte gegebene Sßerfid^erung öon ber bem 
^ßrinjen feit feiner Äinbl^eit ju %i)t\l geiüorbenen forgfamen 
©rjiel^nng unb 5ßflege fönnen toir bod) ni^t für ganj 
bered^tigt l^alten. SBie an bie Äönigin*SBitn)e öon 5ßortugaI 
fo fdireibt er an bemfelben %aQt an ben 5ßapft — am 
folgenben an ben Äaifer — t)on bem auf feinen SBefel^t er* 
folgten ,Sinfd)Iiefeen unb in §aftf)alten' feinet ©ofineS. 
9iur in bem jn)eiten S5riefe fprid)t er über ben ©eeleujuftanb 
augfüfirlid^er, um beffen )30litif^==fird§Iid^e ^olge unstoeibeutig 
atö ®runb öon S)on SarloS' ©ntfe^ung bon allen Siedeten 
borjutragen: ,®a eg ©Ott um meiner SBergel^ungen toiHen* 
»gefallen I|at, ba^ ber ^rinj im Übermaße öiele unb grofee* 
,SD?ängeI l^abe, jum Xl^eile ber ©infid^t, jum S^l^eile ber' 
,SßaturanIage , fo bafe it)m' für bie Seitung ber t)on ^l^ilipp 
regierten Staaten unb SReid^e: ,\tht notI)H)enbige 93efdl|igung* 
,abgef)t, fid^ mir überbieg fd^toere äKifeftdnbe barfteüen, toenn* 
,bic Stegierung^nad^folge auf il)n fibertragen toürbe, unb' 
»offenbare ®efaf)ren SlHeg fd^äbigen njürben.* S)od^ mad^t 
ber Sönig auf baö entfd^iebenfte geltenb, bafe au^fc^Iiefelid^ 



1) ©ad^arb, o. a. £). II 552 im ^uSjug auS htm S3efel§le an ben 
®efanbten Dorn 13. Wlai 1568. 



224 S)ie Sataftrop^e. 

3)on ©arloS' ©d^tDac^finn if|n titeju betpcgc, alle btc öcr^ 
breiteten ©erüd^te anbetet Sltt abet gtunblog feien, öot 
Slllem bet Sßottüutf gegen feine fatl)olifd^e 9iecl^tgläubig!eit 
unb audö bet ,t)on ©inigen öotgebtad^te* ,be§ SSetbted^en^* 
,bet SRebeHion/ gut ba§ ©eelentieil beS (befangenen toetbe 
man nid|t§ nnüetfud^t laffen. 

3Kan ettoäge nun biefe nad) fo üetfd^iebenen Stid&tungen 
etgangenen SJiittl^eilungen. ©aju fommt unfete ^unbe öon 
bet ©igenattigfeit biefeg, ttienn ^timogenitut fd^on ein ^an^^ 
gefe^ getoefen tüäte, afö Dbett)aupt bet t)abgbutgifd|en 
§ettfd^etfamilie gebotenen gutften. i^a^t man biefe SÄomente 
jufammen, bann lann man im 3BefentIi^en ben Snl^alt bet 
Stöffnungen fid^ botfteHen, toeldEie übet ®on ßatloö' 9Set^ 
gel^ungeit unb ^aft an baS Äaifetpaat in Öftetteidö et* 
giengen. 2ln ben ©d^toaget unb SSettet, ben nid^t aQju 
l^od^ t)on il^m gefdtjä^ten Äaifet, fdE)tieb bet Äßnig öon 
<Bpanim W)l unb lutj genug, im Übrigen, tüie ettoa bie 
Königin Don ©nglanb auf feinen, aud) 9KajimiIian IL fo 
genel^men ©efanbten öettoeifenb. 

2)a§ ift nun n)iebet ein ßeugniS t)on be§ ÄönigS SSet* 
legenl^eit unb Se!ümmetni§ übet ba§ unöetmeiblid^ ge:* 
tootbene, füt fein Äönigg{)aug fdEjamboüe Steigniö. ®Ieid^ 
am SKotgen nadE) bet SBetl^aftung ^) , alfo am SRontage ben 
19. Sanuat 1568, I)atte et S)ietrid^ftein ^u fic^ befd^ieben. 
2)a I)atte bet Sönig nut lutj bie Sinf^jettung beg ^ßrinjen 
,in feinem ßimmet etn)äf)nt, ol)ne totittxt SSegtünbung aW 
,toeil bie ©ac^en fo tüeit gefommen feien*, bod^ mit bet Slm 
lünbigung, et toetbe bem Sotf^aftet fpätet bie Utfad^en* 
,t)etmelben laffen*, bamit er fie toal^ttieitgemäfe feinem §ettn 



1) ^o6) I 202: 2)e)3efc^e bom 21. Sanuar 1568. 



S)ie beiben frül^cften 35ena(^rid^tigungcn über bic ^oft. 225 

bcrid^ten fönne. @in cigenpnbigeä ©döreiben ^^ttipjj'g an 
bcn Äaijer l^atte ©ietrid^ftein nur ,fur getot^* öorau^gefe^t. 
Sn ber %f)at erl)telt er aber niemate tüeitere officiette Slug= 
fünfte unb 3Senega§ mtnbefteng !eine öon ©rl^ebltd^feit. S)ie 
Abneigung gegen alle fd)arfen, trgenbtüie üermeiblt^en 9Ra^* 
regeln, njeld^e 5ß^tlipp 11. felbft in biefen ^^agen in allen 
ben öertrauteften un§ öorliegenben ^Briefen — an bie portu* 
giefifd^e Spante, an ben 5ßa^)ft, an Sllba — al^ jebem i^m 
näl^er ©tel^enben betannte 9?atnreigenfd)aft ertüäfint, tütrb 
bo6) gteid^jeitig öon S)ietrid)ftein at^ nad^ allgemeiner 2ln* 
fid^t bejeidEinenb für ben ^önig l^eröorgel^oben: ,beg Äönig^' 
,fanftmütt)tge§, gütige^ ®emütl| nnb SJBefen (Sligenfd^affty, 
bem aUe ©djärfe fel)r äutniber i[t'. 

(£r erttjartet Don feinen Sßernjanbten nur I)tnlänglicf)e§ 
Vertrauen in bie 9teinl)eit feinet S^tjung unb ©f)arafterg. 

@o frfjreibt er benn aud^ bem Saifer tJerfönlid) unb 
baju feiner geliebten fai)erli(ften @dE)tt)efter äugleidE) für il^ren 
®emal^I am 2;age, na^bem er ber Königin Sat£)arina unb 
bem 5ßapfte 5ßiu§ V. S8erid)t erftattet t)atte, genau nur ben^ 
felben ©ebanlengang für alle§ Xf|atfäd)lidE)e. 9tur toirb bem 
Saifer gegenüber bie ß^i^^ö^fl^ttiing , tüelcfie ba^ ©reigni^ 
ouferlege, (la decencia del caso), toenn gleidt) in etlüa^ be^ 
flemmtem ß^f^^^^^^^^Ö^ ertcäl^nt, aud) l^erüorge^oben, 
bafe be§ ÄönigS Eingreifen, nod) t)or ber gett)ünfd§ten SBe^^ 
fpredE)ung mit bem Saifer, unöermeiblid) au§ 9tüdfidE)ten für 
®egenn)art unb 3^^^""!^ getcorben fei; an ber SSeiftimmung 
beSfelben ätueifk er nii^t, fobalb 5ߣ)ilipp in bie Sage lomme, 
bic Sinäel£)eiten mitjutlieilen. S)ie Saiferin berut)igt er ju^ 
näd^ft: ,in feinem ©emac^e' fei ber ^rinj Derlüal^rt. S)er 
Äönig ift fidE)er, bafe fie bie Unöermeiblid^feit be^ ©efd^e^enen 
tt)ie bie auf bem SBtuber laftenben ©efül^Ie beg ©c^merje^ 

Sübinger, 2)on SatloS' $aft unb Xob. 15 



226 ®ic Äotaftrop^c. 

unb aJittleibeg ,t)erftänbig beurtlieilen utib glauben tocrbe^ 
S)ann fallt hoä) ein SBort t)on bem unjüd^tigen unb mafe- 
lofen S^reiben (licencia y desorden) bc§ 5ßrinäen, aud^ ^icr 
t)on feinem ,Unge]^orfame unb feiner SRefpecttoibrigfeit*. SWur 
biefer @d)n)efter gegenüber nennt er offen ,meine 95eleibi^ 
gung* — bie !ein grember al)nen barf — , beS ©ol)ne§ 
,@l^re unb ©d^fi^ung* tüerbe er ju fid)em ttiiffen. SBie in 
einem @cf)merjau§brud^e erinnert er, er l^abe feit längft ver- 
gangenen Sagen ,ben gel^Ier feiner ?iatur unb SBefdiaffen- 
Iieit begriffen* — n)ir tüürben fagen: feine ©eiftesfranfl^eit. 
$Iö^Iid§ brid^t er ab, in boUer ©idierl^eit gefd^toifterlidier 
SRad)fid)t: ,id^ tüiU ni(i)t toeiter fortfal^ren, um ben Sourier 
nid|t aufjul^alten*. 

^dj benfe, fo öoUftänbig, aU man fid^ menf^Iid) in einer 
fo traurigen SSertoidEelung njünfd^en fann, dufeert fid^ ber 
Äönig gegen feine 9?äd)ften. 2)ie Sorrefponbenj über §aft 
unb %o\> feinet (Sot)ne^ mit feinem jungem SSetter, bem 
@räl)eräoge gerbinanb bon Sirot lege 16) bem Sefer lieber 
am ©(^luffe biefeö SSudjeg üor; benn iljre ]^anbfc^riftIidE)e 
Überlieferung ermöglid)t, bem ©ebanfengange beö ^06) U^ 
gabten, fcf)arfblidenben unb d^aralterüollen gürften, ttiie 
einem fiebern gü^rer für bie jarteften emt)finbungen ber 
ganzen , in £)fterrreid) geborenen Sinie be§ I|abgburgifd)en 
§aufeg in biefer peinlid)en 3lngelegenl)eit ju folgen. 



^njetge tjon ber ?llerl)aftung an beutfdje |fir|lett, 

93ei biefer Betrachtung ber löniglic^en aWittiieilungen 
über ben @oI)n fei etne§ Ie£)rreid)en Slltenftücfeg gebadjt, 
tnel^eg fic^ in bag 3ürid^er ©taat^ard^iü auf äBegen ber* 



Slnjeige Don ber Sßerl^aftung an beutfd^c gürften. 227 

irrt f)at, todijt bod^ auc^ iiirerfeit^ in baö Sager be§ t)od^^ 
I)erjigften unb gefaf)rlid)ftcn geinbcö beö fpanifd)en ÄönigS 
in biefer 3^i^ fül)ren. 

S§ ift ba§ gormular ber be^ ^rinjen Sßert)aftung 
melbenben SSriefe an beutfd)e gürften, t)on beffen Slbfaffung 
©tetrid^ftein fc()on am 22. Sanuar fd^reibt: ber Slönig ,Iä§t* 
jtüie man mir berid)tet, beiben fürftlii^en ®urd)IaudE|ten ben* 
,@rjt)eräogen gerbinanb unb Äarl faft in glei^er %vt (in' 
,simili) tüie ben ®ranben fd|reiben, be^gleid^en ben ^erjogen* 
,t)on Saiern, 3ülid^ unb öraunfd^tüeig'. Sßon bem S^age, 
an tüeld^em ©ietrid^ftein biefeö fd^rieb, finb in ber Xt)at 
bie 9lu^fd£|reiben an bie ®ranben batiert, öon bereu Raffung 
ber faiferlid^e ©efanbte nad| ben gamilienüerbinbungen feiner 
©ema^Iin unmittelbar Äenntni^ erhalten l^aben tüirb. S)iefe§ 
fd)on oben (@. 220) ertt)ä{)nte, an jeben ©rauben gericf)tete 
©d)reiben ^) enthält nun aber Uo§> einen einjigen, aßerbingg 
jtüölf 3^il^tt fleinen 2)rud£e§ umfaffenben @a|. (S^ beginnt 
mit ber "Stiatfa^e ber gefdEjefienen Sinfcf|Iiefeung be§ ^ßrinjen, 
ber 9Seränberung feiner SSebienung unb Haltung, bemerft 
nur bie S)rlnglicf)!eit ber SRaferegel ,für ®otte^ 2)ienft unb* 
,öffentlid^e§ SBo^r unb ftellt fc^liefeUd^, ,f einer 3^^^ ^^^"^^ 
,tüenn eö nött)ig fein njirb', föniglic^en S5efef)l Ujeiterer S5e^ 
nad^rid^tigung in 9tu§fidf)t. S§ braudE)t tooijl faum bemerft 
ju ttjerben, bafe bie bem ®efanbten jugelommene Snforma- 
tion, ia^ gormular ber Söriefe an bie beiben (Srätjerjoge 
unb bie brei beutfcf)en §erjoge folle ,in simlli' ber ettpa^3 
rauf)en S3ena(f)ricf)tigung ber ©rauben abgefaßt njerben, ber 
3lbfid)t beö Äönig^ bod) nic^t entfprec^en !ann. S)a^ er:= 



1) En esta conformidad se ha de escrivir .... mudando lo que 
paresciere segun la qualidad de cada uno dellos. f&ti (Sad)arb; ^on 
©arloS 507 n. 2. 

15* 



228 ^ie ÄQtaftro^jl^e. 

tpeifert aucf) bie nod^ ju befprec^enben ©tüde, bereit Gattung 
©tanbeggleidi^eit be^ beutfc^en gürften auf bem fpanif^en 
%i)XOixt ertüeii^t. 

Sin ber SBenai^ric^tigung ©ietric^ftein^ üon bem fönig^ 
liefen 85efet)Ie, auc^ biefe ®cf)reiben, tüenn gleich nur in SBe^ 
jug auf bie fad^Iid^en SRitt^eilungen, n)o fie tütrfltc^ ftimmen, 
nad^ bem SRufter ber an bie ©rauben erlaffenen ju tjalten, 
läfet ftd) natürlid^ nid)t ätüeifeln. 2)odö liegt bie Slufseid^^^ 
nung eineö löniglid^en 95efef)Ieg au^ biefen Sagen im 9lrd)it)e 
öon ®imanca§, tDonad^ golgenbe^ öerorbnet n)irb. 2)em 
^erjoge üon Sotf)ringen unb beffen ©emal^Iin, be§ Äönigö 
Safe, foH t)ielmef)r nad) bem ett^aö längern SJiufter be§ 
officieUen frauäöfifd^en ©riefet an Sllba 93eri(f)t jugefenbet 
Ujerben, ebenfo ,S)eutfd^, in öejug auf Slnbere, folt)of)l bie* 
jSSerUjanbten, atö greunbe, JDeld^e ©eine Sftajeftät im Steige* 
,f)at, mit entfpred^enber Stnberung je nacf) Stellung be§ 93e^* 
,treffenben'. 3cf) benfe aber, bafe aud) über S)ietrid^ftein'g S8e^ 
nadirid^tiger t)on ben Slbreffatennamen nidjt t)iel ßtoeifel fein 
fann. @§ ift ber regelmäßig auf ben betreffenben Sitten 
unb fo auc^ auf unferm gormulare am ©rf|luffe unter be§ 
Sönigg 9?amen erfdieinenbe, au§ SRiirnberg ftammenbe 5ßaul 
5ßfin^ing, $pipp^^ II. beutfc^er ©ecretär, beffen SRamen unb 
gamüieburc^ ben geleljrten SRat^ unb äÄitarbeiter beöÄaifer^ 
aRajimiliang I. 2Relcf)ior 5ßfin^ing ju befonberer Serü^mt^ 
Iieit gelangtift. ©c^on am 22.DItoberl565 t)atte S)ietric^ftein 
auf beffen Sitte mit 3iüdfid)t auf bie öon feinen SSorfa^ren 
bem ^aufe Cfterreic^ geleifteten S)ienfte Don bem Äaifer 
ben 3iatt)gtitel für \f)n erbeten '). tiefer ^aul ^fin^ing t)at 



1) tod) I 150. ebenbafelbft bie SBetiac^rlc^tigung bom 22. Sanuar 
1568: I 207, ber nic^t fe^r tncorrecte 5lbbrucf be« gormuIarS o^nc ben 



^iljiäeige öon ber SSerl^aftung an beutfd^e dürften. 229 

aber nod^ anbete Söeäieliungen gepflegt. G§ liegt ein 
©d^reiben aBiIt)eIm§ bon Dranien an it|n (21. Tläx^ 1563) 
bor ^), in tüel^em er biefem ,®ecretär ber löniglidien SKajeftät 
t)on ^ifpanien* feinen Iebl)aften ®anl für »geneigten S)ienff 
,erbietent)en SBiUen' augfprid|t, if)n um gelegentfid^e Senad)^ 
rid^tigung (,bigmeilen ß^tttung') erfud^t unb fold^e feinerfeitS 
in 9lu§fic^t ftellt, i^n übrigeng auc^ mit ben flingenben 
SBorten ermuntert, berfetbe Ijabe fi(^ ,aucl^ fonft atteö Outen' 
,t)on Unö ju t)erfel)en*. 9luf biefem 3Bege bürfte benn aud^ 
ber injiDifdien bon bem Könige jum 2;obe öerurt^eilte 
Dranien baS ij^rmular be§ @d)reibenö ertialten f)aben, beffen 
9lnfertigung il^m o£)ne feine erflärte geinbfd^aft gegen ben 
Jfönig aU regierenben, bem Drben öom golbenen Sßliefee 
angel)örigen, ®rafen bon S^iaffau fo gut toie ben bret 
oben genannten .^erjogen f)ätte jufommen muffen. S)a§ 
mag fid^ bieUeidfit audt) 5ßfin§ing gefagt I)aben, tuenn er 
pffid^tbergeffen bie ©enbung I)at abgel^n laffen. Safe 
SSanbeneffe, fein nieberlänbifc^er ©oHege in be§ Siönigg 
pcrf önlid^em ©ienfte toegen feiner laut bejeugten @^mpatt)ieen 
für bie belgifdEie Dppofition feit bem 19. September 1567 
gteid^jeitig mit bem SRartgrafen bon Sfiontign^ Dertiaftet 
n)orben, mochte 5ßfin^ing immerl^in borfid^tig bei ber @en> 
bung gemad)t t)aben.. 

S)enn bie ^robenienj be§ Stattet aug Saftilien ift toafir^ 
fdE)einüd& anjunefimen. 6^ enttjält baöfelbe beutlid) genug 
baä bamalige äSappen biefeg Sanbeg mit feinen Stiürmen 
unb bem ©ranatapfel bon ©ranaba^). ©iefeg SBaffer^eii^en 



©dftluß unb mit irriger SBermut^ung eincä (SrjfieräogS olS Slbreffatcn: 
II 124. 

1) Groen van Prinsterer, archives I* 79. 

2) ^crr ©taat^arc^iöar Dr. ^^Jaul ©d^meiäer in Sürid^ l^at bie ®üte 



230 3)ic Äataftro»)]^c. 

{)at [tdö bod^ in feinem ber 5ßa^3iere gefunben, ttjelc^c in ben 
fcd^jiger 3ot)ten bcS 16. Sal^rfiunbertö au§ Spanien an ben 
faiferlidien §of gelangt unb aufbeiual^rt finb. S)iefe ftammen 
f ämmtlicf) au§ ® übbeutf d^tanb ober Statien ^). Sn ber früher am 
©djluffe ber ©d)ilbcrung be§ ©trafbefd^Iuffeö gegen gtanbern 
ertt)ät)nten ©orrefponbenj be§ Ijelbenmüt^igen 9?affanerg mit 
ber ^Regierung bon 3^^^ i^^^ ^^^ ^^^ ^^^ ßwingli'ö S^obe 
3ur bortigen religiöfen gütirung berufenen SSuHinger lieferte 
auc!^ bie »ßeittung' biefeä gormularg ein erttjünfd^teö S5Iatt. 
S)a§feI6e ift feit 1861 in feinen erften %i)txkn gebrudEt 
68 entbietet einem ungenannten f)od^ge6orenen gürften afö 
beffen freunblid^ ^lieber DI)eim unb Drben^bruber greunb^ 
fc^aft unb alle8 ®ute; bie SRad^rid^t toirb bann gegeben: 
,bem 6efonber8 öertrauten greunbe in freunblic^er SÄeinung*. 
S5em Srjfieräoge gerbinanb, n)ie ba§ betreffenbe in Snnö- 
6rud n)oI)Iert|aItene ©d^reiben letirt^), unb öermutl&Ii^ mit 
benfelben SBorten bem Sräfieräoge Äarl in (Sraj, toxxh na^ ber 
Segrüfeung al8 ,burd^Iaud^tigem gürft unb befonberö freunb:^' 
,IidE) liebem SSetter mit greunbfd^aft, betterlid^em geneigtem* 
,gutem SSiUen unb aUem ®uten bie Sftad^rid^t ber naiven' 



gcl^abt, mir mit einer Slbfc^rift aud^ eine öefc^reibung unb 9?a(]^bllbung 
beS SBafferjeid^enS julommen |u loffen. 

1) ^^ öerbanfe biefe S^iad^rid^t gütiger SBcnad^rid^tigung bc^ ^erm 
f. unb f. ©taatSsHrc^ibbeamten $au!ert. 5E)ie ©(^reiben au8 SJiabrib )Don 
1568 im QnnSbrudCer Slrd^löe l^aben, tüo ein SBafferjetd^en crfcnnbar 
ift, ben S3ären ober SBuc^ftoben. 

2) $err Dr. Dälar iReblid^ öom SnnSbrudEer tlrd^iöe ^ai hit ®üte 
gel^abt, hm SBortlaut beS Slftenftüdeä mit mir ju collationicren. ^ 
bemerfe gleich l^ier, ha^ ber fürftlid^e ßanbeSl^err Don ^irol, (Srjl^crjog 
gerbinanb, bie freilid^ auc^ il^m felbft gegebene SBejetd^nung mit ,®raf 
toon ^abgburg unb iirol* otö 2:itulatur beS ÄönigS um \o weniger 
gern gefeiten l^at, ol8 fic^ l^ier öor Xirol aud^ .glanbem' genannt finbet 
®r ignoriert bal^er in ber SlntttJort beS ÄönigS 5lnfprud^ auf ben Xitel 
öon gltanbem unb änbert bafür: SlrtoiS. 



Slnjeigc öon ber Serl^aftung an beutfd^e dürften. ^ 231 

,SSIutöfreunbfd|aft nacf), bamit tüir beiberfeit§ mit cinanber* 
,öettDanbt finb*, mitgetfietlt. 9Son Ijier an i[t bann, 2)ictrid^= 
ftcin^ö Slnlünbigung gemäfe 6i^ gegen baö Snbe I)in in bem 
gomiular für bie gurftcn unb in ber 9lu§füf|rung für bie 
®rjt)cräoge feine erf)eblict)e 2lbtr)eid^nng. S)ie ©d)ilbernng 
ber unbemteiblic^en SSerfiaftung beujegt fid^ übrigen^ n)ir!* 
l\6) in äl)nlid^en SBenbungen n)ie ben ©ranben gegenüber. 
3)en (£räI)eräogen n)irb nnr — toa§> am 22. Sannar nod^ ber 
aßaf)rt)eit entfpra^ — gcfcigt, ber ^rinj tüerbe in feinem 
,gett)ö]^nlici^en ßiw^i^^i^ ^^"^ ®emad)' bernja^rt. Slber t)iemit 
l^ört and^ alle St|nli(^leit mit ben SÄittfjeilungen an bie 
®ranben anf. gaft genau tok in ben öon un§ näfier bt^ 
trai^teten perf önlii^en Briefen be§ ^önigg, tüirb aud^ in biefen 
beutf^en Sluöfertigungen öon ben unbegrünbeten ®erüct|ten 
über bie ®rünbe be§ (£infd&reiten^ gegen ben ^rinjen ge* 
fprodEien, aud) f)kx öon beffen ,angeboren fonberbarer ®igen-* 
jfd^aft*. ©0 werben bie bon un§ fo oft angeführten, öom Wläx^ 
1562 an begegnenben nnb nad^ ber l^eutigen ^f^^iatrie 
burd^aug jutreffenben fpanifd^en SBorte beutfd) ujiebergegeben. 
SDWt SRüdfidEit öermutfjIidEi auf bie jum Sllieile Iut{)erifd)en 
Slbreffaten ift in bem gormulare, bon tüeld^em T^ierin 
auc^ ben ©rstieräogen gegenüber nid)t abgetoidEien tüirb, 
fcineötDegg bon bem für ben Sönig nid^t beftimmenb getoefenen 
religiöfen, fonbern au^f^Iiefelidfi t)on bem |)oIitifcf|en ®efidf)t§^ 
punfte bie Ütebe: ,t)on Unferer Slönigreic^e, gürftentf)ümer,' 
;8anbc unb Seute gemeiner 9lu{|e, JRu^en unb SBot)Ifal^rt;* 
baju ttjirb ba§ ,93efte unb ®ebeil|en' be§ ^ßrinjen felbft unb 
eine Slnjaöl öerfc^ieben bezeichneter, ungenannter ®rünbe^) 



1) ,au8 öielen anbeten e^el^afften, rec^tmeffiigen, billid^en unb not=' 
»tücnblgen SBebencl^en unb Urfac^(en?) trungenlid^ unb unöermeibenlid^.* 
@o l^aben bie (£5em<)Iare Don^ürlc^ unbSimSbrud genau gleichmäßig. 



232 



S)ie Äataftrojjl^e. 



angefül)rt. 3n einem befonberen ©a^e toirb ber in allen 
bon unö erörterten SBenad^rid^tigungen n)ieberfef)renbe ©e- 
fid^tS^unft borgetragen, tüie fci^ttjer e^ bem SSater geworben 
fei, gegen fein eigen SBIut in biefer nnbermeiblid^en 3Beifc 
berfafiren ju muffen. Sei feinem (Srfud^en an ben 3lbref== 
faten, be§ SönigS @^re nad^t^eiligen ©arfteHungen ber 
@a^e entgegentreten ju motten, ttjeic^t ba^ gormular an bie 
Surften bon ber Sluäfü^rung an bie ©rgtieräoge ertjebli^ 
ab ^), ba Ijier bie 9KaI)nung tueggelaffen to\xi>, gelegentlidi im 



1) (S§ fei geftattet, beibe neben etnanber ju fteHen, boKenbä ba ber 
ganje »id^tige ©d^Iufe beS Schreibens bei Äod^ (II 124 f.) nid^t abge= 
brucft ift. 



Sin (Sr^l^eräog gerbinanb in 
QnnSbrucf: 

S)efjen (ob mir tt)oI gettJife ftnbt, 
ba6 @uer Sieb unfer aufebrüdens 
lid^cn Orbnung unb ©eöell^ nad^ 
öor blefem burd^ unfere tßotfd^affter 
be^ ber Äo^ljen SKqeftät, bem toon 
@(^antona^ unb SuQd ^enegai^ k)on 
Unfernttoegen beff^alben aüer ®e= 
legenl^eit öerftenbiget tt)orben fein 
würbet) ]§aben tüxv @uer Sieb 
binid^ burd^ bi^e unfer ©d^reiben 
(bietoeil »ir eS i^ieöor quS @t)l unb 
fjueg nid^t tl^uen mögen) freunt= 
lid^ berid^ten ttjollen, mit SSIeift 
begerenbe, @uer Sieb ttjolle 
auc^S^reStl^ailS dS ber fo na* 
l^ene ^luetSfreunbt folc^en fjall 
m beften uffnemen unb öer= 
ftel^en, tt)aS alleS ungleichen 
^erbac^tS in btfer ^onblung 
freunbtlid^ mueffigen unb ent= 
lic^ unb ungweifenlid^ bafür 
l^alten, 



Srormular in 3üric^ mit ber irri- 
gen ^orfualauffd^rift (SBuHingerS?), 
bag eS ,6o<)ia* fei: 

©olc^eS l^aben wir ©. S. 
alfo l^iermit freunb= 
lid^ berichten roollen, 
beffen als unfer bcrtrauteftcr 
wolmeinenber greuubt ein SBiffen= 
fdjaft SU ]§aben, freunblicft be* 
gerenbt, @. S. wolle nid^t allein 
S^reSt^eilS follid^ fjall im 
beften aufnemmen unb alleS 
ungleid^en SSerbad^tS in blfer 
^anblung freuntlidft muffig 
unb er l äffen, fonber aud^ Rubere 
ba eS 5U ftatten tum^)t unb ba« 
öon öieöeid^t ungleid^ unb ju 
unferm nnglin^jf unb ^Md^t^cil ge^ 
rebt werben wollte, beS ®runbS 
berid^ten [^ier enbet ber 2ieyt bei 
Äoc^ I 125] unb fonft entließ 
unb unjweifenlid^ barfür 
l^atten, 



ba wir bie <Ba(i)tn in anbere ^eg rieten unb bie ®ebur burc^ bequcm= 
lid^ere unb leibenlicf)ere (SnnSbrudf: anbere) SJlittel erlangen mögen, 



Slnjeige öon ber SBerl^aftung an beutfd^e gürften. 233 

©efpräd^e ,UngIim^f unb 3laä)tf)txV Don bc^ Sönigö gutem 
9iufe abjutDe^ren. S)er ©d^Iufe gibt bann übereinftimmenb 
in beibcn öorltegenben ^^^ffungen ein feierlid^e^ SSefenntni^ 
be§ Sönigg t)on bem 3^cinge, n)eIdE)en er, um feiner ^flid^t 
gegen ®ott unb feine Untertlianen ju genügen, ben mtlberen 
Biegungen feinet $erjen§, feiner ,befannten 2RiIbe unb ©anft:^ 
muti)* l^abe auferlegen muffen. SDJan mufe bei biefer 3lrt 
©elbftberü^mung bebenlen, bafe bie Slbreffaten fämmtlid) feine 
naiien 9Sern)anbten ober 3Serfd)n)ägerten finb, ben §erjog 
t)on öraunfd^ttjeig aufgenommen, toel^er burd^ SSanbe ber 
^ietät an i{|n gefnupft toar. 3n bem ©dilufeabfa^e ber^ 
nimmt man bon bem Könige aber aud^ bie ©rflärung, bafe 
fein ©nfd^reiten gegen ben geifteöfranfen Äronprinjen ,ber' 
,ganjen 6t)riftenl)eit ju 5Ruf)e unb aBoI)lfa{|rt* gereid^e. ®ag 
toiH mit anberen 3Borten befagen, König 5ßt)ilipp fei ber 
Überjeugung, baS fpanifcffe SBeltreid) muffe aud^ in ß^^f^^^ft 
unb namentlid^ 5ur ©id^erung ber 6^riften£)eit gegen 3^Icim 
unb §ärefie, bon einem geifte^ftarfen §errfd)er geleitet tt)erben. 
Slber t)on feinblidjer unb boHenbö reformierter ©eite, 
toie in Qüxiiij, gelefen, lonnte baö oI)neI)in mit größtem 



bag tüvt uns als ber gültig Satter unfrer angebomen unb erfl^anten 
(3ürld^: erfannten), 9JlÜbe unb ©anftntuettgfalt ju folc^em ©mft unb 
euScrften SierminiS nid^t liberlid^er tüurben l^aben betüegen laffen, ber 
ttöftlid^cn Hoffnung, ber aümed^tig gütige ©ott ttjolle ßnnSbrucf : foKe) 
SllleS jum beften wenben, unb »aS loir l^ierinnen auS d^riftlid^em unb 
öatterli(]^em gutem ©iffer tl^uen unb fumemen, juöorberft feiner gott= 
Uc^en OTmac^t ju (Stiren unb ban unfern ^l^unigreic^en, fjurftentl^umben, 
ßanben unb fieuten (Süric^: Seut^cn) aud^ ingentain ber gangen 6^ri= 
ftenl^ait ju IRul^e unb SBoIfart gerai^en, in beffen gnebigen ©c^u^ loir 
(£ucr Sieb l^iemit beöcll^en tftuen. ®ebm in unfer ©tabt SJlabrib am 
26. (nur 3im^t)rucl: 5tage) beS 51KonatS Sanuarii anno 2C. (SnnSbrudC: 
im) 68. 2)ie QnnSbrucfer gaffung f erliegt auf öier geilen: (SuerSieb 
lüiüiger — Sßetter $]^ilip^)u8 (R?) — ^fin^ing m. p. — S)ie gürid^er 
Raffung fd^Iiefet auf jttjei Seilen: $§ia^)^)u8 — $. ^finfeing. 



I 



234 ^ie Äatoftro^j^e. 

trauen gegen aUe Slbfid^ten beö für Iiöd^ft unmilbe unb un= 
fanft gehaltenen Söntgö empfangene gormular al§ I)anb^ 
gretflid^er 2Kt ber §eucf)elet unb SSerfoIgung§n)uti| etneö 
felbft gegen feinen einjtgen ©o^n unmenfd^Iid^en SSaterg ge^ 
beutet ttjerben. 3u biefem Sinne n)irb 3Bilf)eIm bon Dranien 
bte ©enbung gemeint I)a6en. 

3um SSerftänbniffe beg merfttjürbigen ©tüde§ muß ic^ 
nodö bemerfen, bafe bagfelbe feine^toegg aU mit bem 'Srifon^^ 
orben in SSerbinbung ftel^enb gebadet werben barf, obtt)oI)l 
jeber ber ungenannten 2lbreffaten, bie §erjoge 2tlbred)t III. 
öon Sägern, ^einrid^ bon S3raunfd)tt)eig ^^ 2BoIfenbütteI unb 
SS8iIf)eIm bon Sülid^ ^^ ßieüe := SBerg atö ,Drben8brüber' eben 
t)om golbenen SBIiefee, bejeid^net toirb. S)er Srftgenannte 
empfieng ben Drben 1545, ber 3^^ite, toelc^er alö ftet^ gläu^ 
biger ^att)oli! im Suni beg 3ai|re§ 1568 geftorben ift, 1555; 
nid^t beftimmen lann id) bie etttjaige Slufnaf)me be§ §erjogö 
öon Süli^, Ujeld^er gleid^ 2tlbred)t bon Sägern mit einer 
©d^tüefter be§ Äaifer^ üermdlilt toar. DI|net)in t)atte ber 
§eräog bon Sllba burd) Drbre bom 24. aRärj 1567 bie boüe 
SSertretung beg .Äönig^ für ben ^loifonorben erl^alten, 
aud| mit bem SRed^te, über bie SRitter be^felben aburtl)eiten ju 
laffen; am Sage nad^ ber QSerfiaftung ber ®rafen (Sgmont unb 
^oorne, am 10. ©eptember 1567, 1)atte er einer SSerfammlung 
ber Drben^ritter biefen SSefd^Iufe mitgetl^eilt. 3Benige S;age 
jpäter Ujurbe mit ben beiben ®rafen au^ ber ^ßrinj bon 
Dranien, ebenfalls Stitter Dom golbenen SSIiefee, jum Xobe 
t)erurtt)eilt ^j. 2lu§ Sllba'ö Drben^lanslei fann ba^ gormular 
f(f)on beötjalb, bon aßen anberen ©rttjägungen abgefel^en, 
nid)t an Dranien gelangt fein. 

1) Reiffenberg, histoire de Tordre de la toison d'or (Brnxelles 
1830,) 420, 452, 500 m 502. 



2)ie S^atfad^en ber 3Ser:^aftung. 235 



Die ®l)atfad)ett ber üerljaftuttg* 

©^ tpitb fd^on richtig fein, voa^ am 19. Sanuar 1568 
ber fransöfifd^e ©efanbte berichtet: ,2lm 13. biefeö SWonatö' 
,^atte ber Äönig in allen Äir^en unb Älöftern bon SJiabrib* 
,®e6ete beranftalten laffen, e^ möge ®ott gefallen, it)m ein-* 
jjugeben unb ju ratzen: über eine getuiffe (Srtüägung unb' 
,Sl6[trf|t, bie er in feinem ^erjen ^abe. 9?un ttjüfete idf) nid^t* 
,äu berfidiern, ob eö njegen be^ ^ringen feinet ©oi|neö toar;* 
,aber tuatir ift, bafe lange öor feiner Slbreife nad) bem Söcurial' 
(22. 2)ecember 1567) ,®eine äÄajeftät gar nid^t mel^r mit' 
,if)m fpracf), fonbern e§ gab fe^r üble ßufriebenl^eit ätuifdEien' 
ji^nen. Unb ber ^rinj ttjufete ben ®roIl nidE)t ju berbeden/ 
,ben er gegen feinen SSater f)atte, \pxa(i) fogar babon un=' 
,bebacf)ter SBeife. SSon fünf ^ßerfonen, bon benen er gefagt* 
,f)at, bafe er it)nen anwerft böfe fei, ttjar ern)äl|nter .§err' 
,fiönig ber Srfte, unb nad^Iier 9tu^ ®omeä!^)* 

SSSir Iiaben früf)er (©. 200) gefef)en, bafe ber pä^jftüd^e 
SRuntiug nad£) feiner 9ieIation bom 4. gebruar bon bem 
5ßräfibenten ®fpinofa erfuljr, bafe unter ben papieren beS 
^ßrinjen ftrf| aud^ eine§ mit ben SJlamen ber bon i^m be^ 
fonberö geliafeten unb geliebten 5ßerfonen gefunben Iiabe; 
unter ben erfteren obenan toirllid^ bie beiben bon gour^* 
queöaulj narf| münblid^en SBeric^ten fd)on benannten. 2lu^ 
bie 9KorbabfidE)t für ben 17. Sanuar f)aben toir mit aUer 
SBat)rfdE)einIic^feit (©. 208) auf biefelbe Information be^ 
Sluntiu^ aug ben 5ßapieren be^ ^rinjen äurüd£fül|ren fönnen. 
^iemit ftimmt bie SSerfid^erung be^ laiferlid^en ©efanbten 



1) Sei ®arf)arb, S)on ©arloS 655; in ebm biefer Urfunbenfamitis 
lung bie @. 236 5lnm. 2 folgenben (Sitate. 



236 ®ie ^ataftro^j^e. 

tont 21. Scinuar über biefe 5ßapiere, 5)on ©arlog I)abe ,bte' 
©igenfd^aft getjabt, aüe [eine ^Infdiläge unb Sebcnlen aup 
Ȋufd^reiben , ja audf) SlUe^, toa^ tf)m 3lnbere geratt)en ober' 
,ntit i^m üerlianbelt tjaben' ^). 2RänbIid^ unb fdirifttid^ I)at 
er genügenben Stniafe gegeben, gegen it)n einäufd^reiten. 

äWünblid^ mä) Sßietrtd^ftein'^ SSerfid^erung unb fd^rtftltd^ 
in jenem SSerjeidiniffe ber geliebten 9Jienfcf)en, toie (©. 201) 
gefagt nannte ber Äronprinj s^erft feinet ©rofebater^ fpät^ 
geborenen natürlichen @oI|n S)on 3of)ann bon Öfterreid^. 
Sllieuer toar i^nt ber tjocfifierjige, afö ©ruber aud^ bon 
^Ijilipp IL getjaltene Süngling fd^on aU fein Sugenbgenoffe 
neben bem i^m tootjl gleid^giltigen Sltejanber garnefe, ben be§ 
©rofebaterö natürltcfie Slod^ter, bie ©erjogin 2Kargaretf)a bon 
^amta geboren tiatte. @ben biefen S)on SoI)ann erfat) fid^ 
ber S!ronprinj junt öornetintften Reifer bei feinen ^^lanen; 
audE) bie SÄorbabfii^t gegen ben SSater mag er it)m in einer 
ber am 15. unb 17. Sanuar^) bejeugten Unterrebungen mit= 
getljeilt f)aben. 95ei ber legten, gerabe am 17., ^at er aud^ 
biefen greunb, n)ie im Vergangenen 2lpril ben ^erjog bon 
§nba, mit gezogener 3Baffe — nad^ S)ietrid)ftein'^ S8eridE)t 
bod) nur: tok man fagt — ätüingen njoßen, über feine ge= 
t)eimen Unterrebungen mit bem S!önige 5U berid)ten. Sben 



1) bei Äod^ I 202 unb baju 204 (am 21. ^anmx gefd^rieben) über 
be§ ^rinjen 3lttentat auf unb Siebe ju S)on Sodann aI8 ^auJ)täeugmS. 
^oö^ ift S)ietnd&ftetn über SBieleS ntd^t informiert. 

2) Sßon l^ier an finb ber, öon aüen Äunbigen als gutoerläfftge Cluelle 
erad^tete fpanifi^e, mit (Sinfd^ärfung ber ©el^eiml^altung (encargo el 
$ecrefco) gefd^riebene in Siffabon erl^altene, S3rief bom 26. S^^uar p. 680 
bis 682 benu^t, baju bie Serid^te beS SBotfd^afterS gourqueöauli* öom 
5. gebruar p. 659, beS iRuntiuS ©aftagna öom 30. SUlärj p. 667. — 
55)etaiIIierte, aber ungenügenb bezeugte eingaben bei bem SSenetianer 
ßaöafli 22. Qanuar p. 669, bei bem Florentiner 9'iobili 25. Sanuar 
p. 676 unb 677, bei bem ©enuefen ©auli 25. Januar p. 679. 



2)ie %f)ai\aö^tn ber SBer^aftung. 237 

bcr fo SebroI|te gab bem Könige SRad^ric^t bon be§ geiftc^:^ 
franfen ©enoffen Slbfic^ten. 

SSor ber legten Unterrebung mit bemfelbcn l^atte er feinen 
föniglid^en, an eben biefem ©anct 5lnton§tage, einem ®onn- 
abenb, angelangten SSater bei ber Königin, in ®egentt)art ber 
^ßrinjeffin Sotianna getroffen: ,nm it|m bie ^änbe ju Kiffen > 
fagt ber Siffaboner S8erid)t, ,tt)ie er fonft pflegte, mit gleid^er 
ß^rerbietung unb ©emutt)/ S)ie SRorbabfid^t ujar öergeffen. 

Sd) nelime audf) meinerfeitö feinen 3lnftanb, bie bon bem 
florentinifd^en ©efanbten am 25. Scinuar beri(i)tete nnb fo 
leicht ju controlierenbe Xf)atfa(i)e für tvai^x jn i^alttn, bafe ber 
5ßrinä nocf) am ©onntag (18. Sanuar) 9Sormittag§ mit feinem 
aSater ,nad) bem gett)öf)nlid^en ®ebrau(i)e* in ber ©d^lofefapeUe 
jnr ÜJJeffe erfd^ien. S)er ©efid^t^auöbrud be§ Äönigg fei bei 
biefem Slnlaffe unüeränbert getoefen. 9?od) am 5. gebruar er^^ 
innerte fid^ gourquebanlj au^brüdlicf) ber öoHfommenen 9tut)e 
beä Sönig^ in Haltung unb Äufeerungen bei einer ^lubienj 
an jenem ©onntag SSormittag. 3laä) bem auttjentif^en 
Siffaboner SBriefe erfolgte jebod) ber ©ntfd^Iufe be^ Äönig^, 
no^ borSlblauf biefe^ Sonntage^ jur 3Serf)aftung be^^ßrinjen 
ju fdireiten, auf nad^folgenbe SBeife erft am Sladimittage. 

Um 1 U^r entfc^ulbigte fid^ S)on Soliann bon Öfterrei^ 
bei bem ^ßrinjen unter Sßortoiffen beö Äönig^^) burd^ ein 
SiHet, ftatt ber für biefe Qtit getroffenen SSerabrebung ge== 
mdfe f elbft ju f ommen : ,e^ fei if)m ju elenb geworben ; 3Ritt:=* 
,tt)OdE) ^aä)t^ um 1 Uf)r njerbe er unfet)l6ar fidE) einfinben/ 
,bamit ba^ 9?otf)toenbige getf)an toerbe. 9luf bie SRitttjeilung* 
,f^öpfte ber ^ßrinj SSerbad^t, bafe ber Sönig etttja^ bon feinem* 



1) Questi Ool^ann, ^e§cara unb 9itofeco) non fecero senza sa- 
puta del Th ,,,., Sua Maesta . . . essendo informata del tutto. ^er 
9«untiu§ am 30. SWära p. ö67. 



238 ®ie ^aia\txopf)t. 

,Pane tüiffe unb legte ftd)* (man follte meinen: nad^ ®on 
Sofiann'ö 9Äu[ter) ,unter bem SSomanbe öon UniDOl^IfetnS 
,iim ftd) entfc^ulbigen p lönnen, ju Sette. (£r fürditete' 
,nämlidö, bafe er gerufen nnb if)m fd^arf jugefe^t werben* 
,Iönnte, ju jagen, ujag Vorgefallen fei. (Sr tüarb gerufen* 
,unb gab feine entfd^ulbigenbe Slntoort. SItö ber ^önig bie§* 
,neben t)ielen anberen, Sinfdireiten öerbienenben ©ingen ge^' 
,fe^en ^atte, aug ©rünben, toeldie ju tüeitläufig ju erjölilen' 
,tt)äre, unb ba ©eine 2Kajeftät oI|ne{)in entfd)Ioffen toar/ 
,berief er auf elf U^r ^aä)t^ biefe§ Sage^ 3iu^ ©omes/ 
,ben 5ßrior S)on Slntonio, ben ^erjog Don ^^eria unb Sui^' 
jQuijaba. 9fiadE)bem er ju it)nen gefpro(i)en I)atte, h)ie nie** 
,mate ein 9Jienf(^ fprad^, gemäfe bem, tpaö biefe fagen, ftieg' 
,er I)inab in bie ©emäd^er feinet ©oiine^'. 

2)er Serid^t I|at nad£) biefen SBorten über bie Duelle 
ber S^unbe be§ unbefannten SBrieffd)rei6.er§, tpeld^er allem 
Slnfd^eine nad§ ju ben ndtjeren JÖelannten aller bier Ferren 
gel)ört, ben 9lnfprudE| auf üoHe ®Iaubn)ürbig!eit. S)ie l^ier 
mit fo tiefer unb eingefdEjränfter Setounberung ertDäI)nte 
Slnfprad^e beg Äßnigg toürbe ein ©efd^id^tfi^reiber fritt)erer 
Sat|rl|unberte Ieid)t genug unb leiblid^ rid^tig in birecter 
fRebeform Ijaben geben !önnen. SDenn au§ bem Don un§ 
ganj im Sinjetnen fennen gelernten Oebanfengange beö 
^önig^, tt)ie er fid^ au§ allen feinen Vertrauten Briefen mit 
®id^ert)eit ergeben tjat, leiten it)n in biefem entfd^eibungS- 
Vollen Sfiomente, ba er gleidtifam bie ©umme feinet eigenen 
Seben^ bei einer it)m auferlegten entfe^lidlien 2lction ju 
äietjen t)at, mit unerfc^ütterlid)er ^raft bie un§ befannten 
®efidE)t§punIte. @r l)abe bie föniglid^e 5ßflic^t, toeld^e if)m 
von ©Ott mit ber 9Jegierung feiner JReid^e für beren ©iä)er^ 
l^eit unb SRuIje auferlegt fei, aud^ feinem eigenen ©oI)ne 



3)ie ^l^atfac^en ber SSer^ftung. 239 

gegenüber ju erfüllen; beffen SRatur unb ©eifteSart ^abe 
il^n ju (äjceffen, aBtberfe^Iidileiten unb 3lb[id)ten gefütirt, 
tt)d6)t er, ber lömglid^e SSater, titeüeid^t um fetner ©ünben 
njtüen tjerbient I)abe, nad) ben SSorlommmffen ber legten 3^* 
nnb t)oIIenb^ bem t)eute offen berfagten ®et)orfame, jum Söeften 
fetner SSöIfer nnb jum ©d^u^e be§ ^rinjen gegen fid) jelbft, 
nid^t länger bulben bürfe. ©r I)abe be§f)alb befd^Ioff en, il|n afe 
fd^tnaiiifinnig für immer ober bod^ big auf Sffieitere^ in feinen 
®emäd)ern mit atter nötf)igen SSorfid^t einjufd^Iiefeen, ot)ne 
feinem f)ot)en SRange, fon)eit ate ber Don ®ott auferlegte ßttjedE 
geftatte, ju na{)e treten ju laffen ^). Sln^brüdEIid^ melbet ber 
S^untiu^, ber Sönig I)abe, n)ie er t)ernel)me, mit ber ,9iut)e' 
unb gaffung einer großen ©eele, n)enige SBorte gefprod^en'. 
@o öoHjog er ben fd)merjlid|en ®ang t)inab in ben 
§aIbftod£2) unter bie ®emäd^er feiner ©tfitoefter, ber Sron- 
))rinäeffin^333itn)e t)on ^Portugal, bereu (SdE)Iafäimmer fidE) in 
einem Slljurme gerabe über bem SRaume bon SDon Sarlo^' 
Slpartementg befanb, in toeldEjen biefer am 25. Sanuar gebrad^t 
tourbe unb tüo er nad^ fed^§ SDionäten geftorben ift. ®er 
S'önig toar. nad^ ber Siffaboner 9telation öon ben Dier früt)er 
erttjäl^nten Ferren begleitet, ferner ätt)ei ebenfalls mit 9?amen 
angefül^rten .Kämmerern unb jujei ebenfaU^, unb jiDar of)ne 
S^itel, eben nur genannten abeligen Äammergeljilfen (mon- 
teros). S)ie in anberen, fonft nur mit §lu§n)a]^I benu^baren 
äRabriber Briefen biefer 3^^^ erfdE)einenbe 9?ad^rid^t, bafe 



1) (Sine SJlabrlber S^^tung (doc. escog. p. 414) lägt l^ier htn Äönlg 
raul^ befel^Ienb SRatl^fd^Iäge ablehnen. SSgl. \)tn 3lnl§ang. 

2) El rey .... baxo al aposento de su hijo, .... mandö se 
subiessen arriba (bie $a<)iere be§ ^ringen) Siffaboner S3rief. Scese 
dalle 8ue stanze a quelle del principe. Avviso (@. 240 ^Intn. 1) 
Diecese fagt aud) ber S^^untiuS p. 663. S)od^ ttJaren bie genfter nad^ ber 
weiteren ©rjäl^Iung nid^t ebenerbig. 



240 ^le Äataftrop^e. 

fönigltd^c Wiener Jammer unb JRägel getragen ptten, 
finbet bod^ Söeftätigung aud) bei (Srtr)äf)nung biefer betben 
S!aininerget)ilfen in jiDei italienifd)en SBerid^ten im SBejent^ 
lidien gnter Ännbe, babon ber eine öon einem italienifiS^en 
SSertranten be§ gärften dint) ®omej ^errü^ren foü^. 
Seibe — nnb ein brütet, italienifdier pl)antaftifd^er nnb 
unbraud^barer — finb, tüie ber Siffaboner SBrief, an jenem 
25. 3anuar gef einrieben, öon n)eld^em and) bie mit bem 
bentfd^en gormniare jnfammenpngenben ^anbfd^reiben beö 
Sönig^ batiert finb. Sene brei ujid^tigen ©riefe fönnen öon 
biefem SWomente an atö gleichmäßig genane unb einanber 
ergänjenbe 3Rittf)eitungen ber bei ben ©tabien ber §aft bi§ 
jum 26. Sanuar öornefimlic]^ bett)eiligten |)erren angefel^en 
tüerben. Sein ©efanbter jeigt fid) in gleid) fidlerer unb 
tfjatfäd^liü^ einfadier SBeife be§ ^ergangeö funbig^). 

Sm ©egenfa^e ju ben SluSmalungen ber minber gut 
Unterrid^teten in SJiabrib^) erllären biefe 3^i^9^^ff^' ^^fe 
ber Sönig über Korribore unb ^^re^pen of)ne SidE)t, ol^ne 
S)egen, im ^au^IIeibe, o^ne ®arbe^) gieng. ©ie beridE|ten 

1) ©a^arb, 2)on ©arloS 687 bis 690. ®iefe ©amtiilung ift auc^ 
»ieber, wo nid^tS 5lnbere§ angegeben tft, in htn folgenben ^Inmerfungen 
gemeint. Avviso ift ber bon 9iul) ©ome§' fjreunbe l^errül^renbe 
ttaltenifd^e genonnt, ber anbere nur: ragguaglio. 

2) 3d^ bemerle, bag ßabrero'S ©c^ilberung ber SSer^aftung (VII, 
22 p. 474) fic^ bei genauer SBergleid^ung mit ben SBriefen alS ein toört* 
lic^eS, aber ungenaue^ ©jcerpt auS einer ä]§nlid)en S)arftenung ergibt, 
bei tt)el^er 9ftuQ ©omeg als angeblid^ juerft in beS ^rinjen ®ema(^ 
©inbringenber eine ungebührlich wid^tige dioUt fpielt. 

3) This king anned under bis night gowne. John Man 19. Januar 
p. 660. Sua Maestä, arm ata di armatura et con vesta longa et la 
spada sotto il braccio. 5lnon^m 26. Qanuar p. 682 ; ber l^ier erwäl^ntc 
®egen bürfte auS bemjenigen entftanben fein, meieren ber ^önig Don %on 
earloS' S3ett nal^m unb öor fic^ in feine eigenen ©emöd^er bringen lieft. 

4) — senza lume et senz' armi in habito domestico. Raggaaglio 
p. 687. Senza lume, senza spada et senza guarda. Avviso p. 689. 



^ic Xf)ai\ad^tn bcr Scrl^oftung. 241 

avL^, ba§ er ben Äämnterern be§ ^ßrinäen, bem ®rafen öon 
Serma unb bem bei S)on ©arloä fe^r beliebten üioberid^ 
öon 9Kenboja, einem @ot)ne be§ §erjogS öon Snfantabo, 
ben 93efef|I gegeben i)atk, bie Spre ju beS ^rinjen 
äpartement offen ju laffen*) ©n 2iäjt ttjurbe bem Könige 
,t)orgetragen atö er in bag ©^tafjimmer feincS ©ol^neö* 
,trat, toelc^er fd^on fc^Iief^) unb auf ba§ ®eräuf^ ber' 
,2;ritte au§ bem »ette fprang: „SBag ift baö? 3Bia Sure' 
,ü»ajeftät mit Stiren mti)tn unb aE bem befolge 3) mid»* 
,t6bten? Söbtet mid|, ober id) tobte mid^ felbft!"*) ®t 
,anttt)ortete it)m: „S)a§ n)iQ id^ ntdE)t. ©eru^igt Suc^!'' @r' 
,t)erfud^te, fidf) in'§ g^ner ju ftfirjen, toarb gehalten. Sr* 
,crgriff einen Sendetet, man nal^m it)m benfelbcn. ©r* 
jtoenbete fid^ fnieenb gegen feinen SSater: „Xöbtet mic^!' 
,3;öbtet mid^!". Sr ftrecfte fic^ auf ben ©oben, inbem er* 
,ba§felbe fagte. @r anttoortete il^m, bafe er ba§ nidf|t tt)oIIe/ 

1) et trattenesero il principe senza sonno l^elßt eS \>o6) nod^ miß- 
öerftänbli^ im Ragguaglio p. 687. 

2) entro con una vela delante en la camara de 8U hijo, que 
estava ya durmiendo. @o ber 95enc^t in Siffabon, locld^em ic^ öon 
nun an allein folge. S)er eben bei ber folfc^en Slmtatur genannte 
Slnon^mu^ p. 682 ^at freilid^ con una candeila inanzi portata dal 
duca di Feria. ©ad^arb p. 478 l^at bieS, tt)ic öiel 3lnbcreS, nici^t SSer* 
bürgtet geglaubt. S)ie beiben übrigen italienifc^en, fonft guten S3eri(^te, 
laffcn btn ^rinjen mit \>en beiben Äammerl^erren plaubern, wol^l jur 
Erfüllung ber Orbre, meiere boc^ nur i^nen felbft, nid^t bem ^rin§en 
©(^lof Verboten ^aben fonn. 

3) todas las ördenes tt)irb boc^ roo^I fo gemeint fein. 

4) Qd) bemerfe bod), bafe bie il§rerfeit§ btn lob bringenbe 9Jla= 
f(^ineric. welche ^on SarloS am ©ingange feineS ®emad)e§ für feinen 
eöctttueHen ®ebrau(6 burd^ ben föni glichen ^ofu]^rmad)er SouiS be gotf 
l^atte anbringen laffen, lüie bie 9ied)nung in ©imancaS nod) neben be§ 
35erfcrtiger§ @rää§lung bei ^e ^^ou crmeift, unb toelc^e goif auf beä 
ÄönigS SBefelöl an biefem Xage unttjirffam gemacht l^atte, (®a^arb, %on 
©arloS 453) in feinem ber in Setradftt fommenben SBcric^te aufeer bem 
fonft fc^let^t informierten britten Staliener feltfamermeife ermähnt tt)irb. 

©übinocr, 5)ott Carlos' ^aft unb Xob. 16 



242 ®ic ÄQtaftropl^c. 

,ba6 er [idE) beruhige. SWan fieng an, bie genfter ju ber-' 
,nagcln unb er ju fagcn: „Srf) bin ntd^t irrf innig, ®ott^ 
,äum Sengen, aber üerstt^eifelt, ®ott snm 3^iJ9^^'" ^^"' 
,brad^te il)n in^ö ^tü. ®a rief ©eine aKajeftät ben ^erjog^ 
,t)on geria, 9lut) ©omes nnb 2ui^ Dnijaba, gab benV 
j^erjog ben Segen, beffen er fid), afö er auffprang, bod^* 
,nid^t erinnert Iiatte*), nnb eine ^iftole. (£r ergriff biefe* 
,nid^t, nnb fprad) jn ben brei ©enannten nnb bem ®rafen' 
,Serma nnb 5Don SRobrigo be aKenboja: „3d^ befef)Ie unb* 
,t)erpfli(i^te (£ud^, auf bie 5ßerfon beg ^rinjen ^n fet)en nnb* 
,fie äu betpad^en, bafe er nid)tg Sßene^ aufteile, bi§ id^ Sud^* 
,ettr)ag Slnbereö befehle, inbem S^t mir bie Sotialität unb* 
,*S;reue betualjrt, ju ber St|r öerpflid^tet feib, bem entfpred&enb,* 
,tt)a§ 3t)r mir gefdE)tt)oren I)abt." hierauf gieng er in ein* 
,anbere§ 3^^^^^^ ^^"^ befal)l ben ©fpinofaer Äammergarben/ 
,bafe fie bie ^erfon be§ ^ßrinjen uad^ ber Drbre bett)a(^en* 
JoHten, tüeld^e ber $)eräog t)on ^eria il^nen geben tt^erbe, in--* 
,bem fie biefem tüie if)m felbft get)ordE)en, bie So^alität unb* 
,3;reue toafirenb, wtlä)t fie immer gemat)rt I)aben. ®r na^m* 
,bie ©c^Iüffel aüer ©d^reiblaben unb befal)l, ba§ fie t)or' 
,if)m ^hinaufgetragen toerben. hierauf fel)rte er ua^ feinem* 
,®emacf)e jurücf. Slm folgenben Stage berief er alle 9fiätt)e* 
,unb fagte Sebem berfelben, tuaö tüegen fo bringenber unb* 
,beftimmter ®rünbe, ttjie fie tüeiter t)ören tüürben, gefdfiel^en* 



1) que aunque no ee acordö della quando saltö. ,No* fcl^It (itii 
^bbriid p. 681 unb too^l audj in bem betreffenben Stffoboner 3Ranuf!ri<)te. 
3Beni ba§ ,no lo tomö* öon ber ^iftole (jUt, ob bem grinsen, ber fie 
5U ergreifen öergeffen Tratte, ober, wie id^ annel^me, bem Könige, ber 
baS eöentuea ju abf^eutid^em 3tt)ecle beftimmte SSerfjeug nid^t bc= 
rühren mochte, leuchtet nid^t gan^ fieser ein. S)ei 53rieff (^reibet liebt 
ben ©ubjectroed&fel nic^t unb erj^mert baburcö ba§ SBerftänbniS, loie 
ber Sefer f^on au§ bem 5Ceyte entnehmen fonnte. 



2)ie 2j^atfa(^en ber SBcrl^oftung. 243 

,fet. — S)a^ ift, tpaS in biejer fd^tperen Slngelegcnlieit nad^' 
,ber Stjäfilung berer ftd) öoUjogcn \)at, tocld^c gegcntuärtig* 
jtoaren unb fagcn, bafe man in SBa^rl^cit bie SBcfd^cibcnl^eit/ 
,®anf tmutf) , Haltung unb ©tärle nid^t übertreiben nodE)* 
,augbrüd£cn fann, ipeldf)e ©eine aÄajeftät bei biefer %\)aV 
jbctoa^rtc, gleic^am o^ne ju benfen, bafe eS eine fold^e, Se*' 
,tt)unberung ern^edEenbe, ^anblung fei. ®ott fd)ü§e iljn, ba* 
,fid^ ^iebei toa^rfiaftig jeigt, bafe er eine befonbere ®abe t)on' 
,@ott ^at, fo bei gegebenen Slntäffen ju fein unb ni(i)t tpie* 
,bie übrigen ÜRenfcf)en. — Sluf bieje SBetfe ift e§ mit bem* 
,5ßrinäen gel^alten toorben, oI)ne bafe ein ÜRenfct) aufeer ben' 
,®enannten unb feinen erwähnten ^ofbeamten (mayordomos)' 
,bei il|m eintrat, ttjä^renb ber §erjog öon geria immer an* 
»berS^üre feiner Kammer mit 3Bad|e f erlief üom IS.biö geftern' 
,am 25. S)a tourben atö foIdEje (2öacf(e) beftimmt: ber ®raf öon* 
,Serma, §crr 3o^ann öon ÜRenbosa, §en SRobericfi öon öe^* 
,naöibe^, §err ®onjaIo t>on S^acon, §err Sranj SRan^* 
,rique, §err Sofjann t)on öorja, fo bafe biefe unb fonff 
,9?iemanb ein- unb au^gel^e, unb JRut) ©omej, aU oberfter um' 
ji^nen S5efe£)Ie ju geben, unb bie Sfpinofaer S!ammergel)ilfen.* 
®a§ ift bie einjig erf)a(tene, üoüftänbige unb fotoeit 
{)iftorif(^e Sritif meiner Srfal^^ung nad^ einen ®dE|tufe ge- 
ftattet, burc£)au§ guüerläffige Sunbe über bie erften ©tabien 
üon 2)on Sarloö', burd^ bie golgen beö ©trafbefc^luffe^ gegen 
glanbern unb feiner ®ebanfenrid^tung allem Slnfc^eine nac^ 
gleid^mäfeig, jur S^ot^menbigfeit genjorbenen ©nfd^Iiefeung. 
SBa^ bie übrigen ©efanbten unb bie 3^itiiJ^9^^ ^on biefen 
©tabien ju berichten tuiffen, ift nur ©tüdEn)erf, ben ®rjä£)ten^ 
ben felbft ätpeifel^aft unb t^atfädE)Iid§ niematö ganj genau ^). 



1) gfourqueöaulf, 19. Qanuar unb 5. gebruar 656 unb 659. @ir 

16* 



244 2)ie ÄatQftropl^c. 

3tt)et aKomcnte finb in bem öon einem, toie man leidet 
[ie^t, für ben Sönig befonberö tparm ©m^jfinbenben ge* 
fdiriebenen ßiffaboner Briefe nid(t ertoätint. S)a§ eine 6e^ 
trifft bie SKittel, tt)elcf)e man jur S5änbigung be^ bei ^x^ 
lenntniä t)on bem itim beftimmten ®efc^icfe rafenb gertjorbenen 
^ringen ergriffen t)at. 3)a melbet ber, toie toir toiffen, mit 
befonberm SSertrauen be^anbelte englifd^e S8otfd|after be* 
ftimmt, man i)abt if)tt juerft, tüie ja bei 3Bat)nftnnigen in 
früheren 3^^^^" allgemein üblid) toar, in JJ^ffeln gelegt; 
bod) Iiabe baS nidft lange gebauert. (Sbenfo beftimmt fagt 
ber franjöfifd^e ©efanbte minbeften^ am 19. Sanuar, bem 
3;age na^ ber SSer^aftung, ber ^ßrinj i)abe jefet (Sifen an 
ben güfeen^). Sc^ benfe, bafe ber SSerid)t beS englifd^en 
©efanbten bu^ftäblidi ri^tig fein tt)irb. 



Die (Einfd)Ue|uttg in bem 3bl)urm}tmmer. 

S)ie gtüeite Sude in bem Siffaboner ©riefe ift in Sejug 
auf ben SBed^fel beg §aftbefel)le^ ju öerjeid^nen. 3lug aüen 
93erid)ten bei (Gelegenheit feiner öfterlid^en SBeid^te unb ßom^^ 
munion toie feiner legten StanII)eit unb feinet 2;obeö, toie 
enblid^ au^ ber fcf)riftKcf)en 2)ienftorbnung tjom 2. SRärj 

Sol^n Mm, 19. unb 28. 3onuar p. 660 unb 662. S)er 9?untiu8 6a= 
ftagno 24. Sonuar unb 30. 2Rärj p. 663 unb 667. (Joöoni 22. unb 

27. Sanuar unb 11. gebruar p. 669, 671, 673. 9f?obtIi 21. unb 25. 
Sanuor p. 674 biS 677. ®er ©enuefe SWorcantonio 6auU 25. Sanuat 
p. 679. 3n biefelbe Äategorie nur tl^eiltoeife broud^barcr 9f?ad)ric^ten 
ge!)ört aber auc^ ^ietric^ftein'g 18ericf)t t)om 21. Sanuar unb 3. gebruar 
(Äod) I 201 bis 203 unb 207) unb bie Seitung in Doc. escog. @. 414 f. 
(f. ben ^nl^ang). 

1) Sourqueöautf 19. Januar p. 656: les fers aux pieds. SWon 

28. Qanuar 662: a while in the first of his emprisonnement he 



S)ie ©infd^üefeung in bem X^urtnjimmer. 245 

1568 gel^t l^erbor, bafe fid^ S)on ©arloö ntcf)t met)r in feinem 
@d§Iaf5tmmer, fonbern in einem anbern, aüerbingö andi jn 
feiner bi8t|erigen SBo^nung — naä) Sönig 5ß^ilipp'^ 
beutfd^en ©riefen: ,®emarf|' — gel^örigen 3^^^^^ befunben 
l^at. Sin eben bem 25. Sönuar, an tueld^em and^ nad^ bem 
Siffaboner ^Briefe bie nene unb befinitiöe Drbnung be§ 85e^ 
toadinng^bienfteg eingeführt rtjurbe, erfolgte biefe Über* 

tragnng. 3^^^ f^^f* ^i^^ ^^^^ ^^ ^^\i^^ Si^i^ fte^enbe SBe* 
ridjterftatter geben über biefe äufecriidie unb IeidE)t erfunbbare 
2;^atfad^e 9luffct)Iufe: ber florentinifcfie ©efanbte 9lo6iti unb 
ber italienifdie, am 26. Sanuar gefdjriebene ,SBerid^t* über bie 
,®efangenfd^aft be§ ^ßrinjen Äarl bon Öfterreid^*. @ie nennen 
ben 25. Sanuar. Sßobili bejeidEinet baju nad§ aüerbingg un* 
genauer, aber üblidfier unb aud^, bon bem engtifd^en SBot* 
fc^after gebraud^ter Terminologie ben neuen §aftraum alS 
,2;i)urmS ber Snglänber mit bem rt)oI)I ridEjtigen SBeifa^e, e§ 
fei berfelbe, tt)eld^er bem gefangenen franjöfifd^en Könige 
granj I. angetüiefen tourbe. S)er italienifd^e ,S3erid^t' bürfte 
t(ier eine toeitere Srgänäung liefern. 3i^^äd^ft erfäf)rt man 
f)icr, tt)a§ fid^ tf)atfci(f)Ii^ aud§ rt^eiter beujü^rt finbet, bafe öon 
ben, feit bem 25. Sanuar unter bem dürften bon Sboli mit 



was put into fetters; but that dured not long. Now he is removed 
from bis accustomed lodging {ho6) ntc^t fo eigentlich'.) unto the tower, 
wheare Frances, the French kyng, was kept prisoner and a verie 
sure gard sett upon it. Sfiobili an ©oSmo öon SJ^ebiciS p. 678: oggi 
che siamo alli XXV Sua Maestä ha dichiarato, che la stanza del 
principe suo figliuolo sia in una torre del palazzo in Madrid in 
custodia del signor Ruy Gomez e sotto di lui sei cavalieri, quali 
non rhänno mai piü servito. S^Qgguaglio 2b. Sanuar p. 688: alli 

25 Una sola stanza si h lasciata al principe, chiamata la torre, 

senza Camino, con finestre alte, picciole et ferrate. L*altre si son 
date al Signor Ruy Gomez. Et perch^ guardi piu commodamente, 
h stato voler di Sua Maestä che vi conduca la mogli. 



246 ®i« totaftropl^e. 

ber §ut beg ^rinjcn betrauten Ferren tägüd^ jtoei mit ben 
Äammergel)tlfen jum 2)ienfte öerpftid^tet tparen. ,®in ein=' 
,ätge8 3'^^^^ tourbe bem 5ßrinjen gelaffen, ber S^^urm gc** 
,nannt'), mit {)Ol^en, Keinen unb eifenöergitterten genftern/ 
,S)ie übrigen 3"^^^^^ tuurben bem §errn dint) ®omej ge^^' 
»geben ^) unb bamit er mit größerer SBe^agIid)feit feinen SBad^-' 
,bienft öerric^te, ift eö ©einer SKajeftät SBiUe getoefen, bafe' 
,er feine grau bat)in füt)re.' SBir bürfen baö üRotiö ber S8e^ 
^aglid^Ieit bei bem Söeric^terftatter in ba^ ber ©c^idli^Ieit 
tpegen be8 nur ju begrünbeten SSerbac^teg änbern, toeld^er, 
tük toir (©. 38) fallen, tt)egen unerlaubter Söejiel^ungen beg 
Königs ju ber gürftin (Sboli gel^egt rtjurbe. 

I)er ,©erid)t* bom 26. Sanuar melbet fd^Iiefelid^ in Über^ 
einftimmung mit ben gefanbtfd^aftliiJöen 9iad^ri(f)ten, bod^ 
bctaiüierter ate biefe: ,5)er 2)ienft uttb SKarftaE beö 5ßrinjen* 



1) %\\o wirllic^ une bonne chambre d'une grosse tour de ce 
palais, wie gouvquetoaulf am 5. Srebtuor 1568 fd^reibt, ber irrig nur 
einer fenestre bien grille de fer gebenft. 3)iefc 2)eJ)ef(^e bringt 
immerhin bic beften ^Rac^rlc^ten über beS ^rinjcn ©mäl^rung, S3e= 
blenung, (Sicherung gegen SReffertoerle^ung, SBerfügung über 2Bert^= 
gegenftänbc. 3)ie 3)epef(^e »urbe bem Könige öon granfreid^ burt^ 
hm obenerttjäi^nten §oful§rma(^er SouiS be fjoiy überbrad^t, ber noc^ 
(Sinselne» erjä^Ien fottte. p. 658 big 660. 

2) Wrigomes is the chefe and lieth in the lodgings, where 
the prince were before. SWan 28. 3önuar p. 662. S)er fonft beffer 
otö ber SRaggucgllo unterrichtete, an bemfelben 26. 3anuar gefd^ricbcne 
Slöifo Don 9tu^ ©omej' fjreunb erflärt p. 690 bie angebliti^c 2:^urm* 
Wohnung, in »elc^e S)on ©arloS am 25. gebrad^t »arb: ,man fcblog i^n* 
,in bem legten öon htn öielen ßintmern ein, weld^e er Inne l^^ttc, baS* 
jX^urrnjimmer genannt, »eil ju einem 2:5urme be« ^alafteS gel^örig'. 
,5iae genfter »urben gefd^Ioffen. 3Ran lieg nur ein genfterc^en für baS* 
,2id^t, feinen Äamln, nod^ anbere SBequemlld^felt, in bem Flaume ju* 
»öerfel^ren* (senza Camino ne altro ristoro de passegiare) p. 690. 
©ac^orb'S ©d^Uberung biefeS befinltlöen ©efüngnlSraumeS p. .582 lelbct 
an SBerwec^SIungen unb mangelhafter 5hlti!. 



S)ie ©tnfd^Ucfeung in bent Xl^urmjimmcr. 247 

,tDurben gänjiid) aufgelöftunb bie 5ßferbc tüurbcn ärt^ifd^cn' 
,Äöntg, Äönigtn, ^rinäcffin uub S)on Sol^ann. gcttjettt' 

S)ie nac^ allen (£rfa£)rungen ber ^f^d^tatric unb gerid^t^ 
Keinen 3Äebicin nod^ I)eute bei fd^tuac^finnigen unb öon %oh^ 
fud^töanfäHen tjetmgefud^ten ®etfte§franlen übüd^cn SSorfid^tö^ 
maßregeln rtjurben im Übrigen nad^ Vorläufig ntünblidEjen 
S5cfeI)Icn beö Sönigö eingehalten. 2)on Sarloö ert)ielt feine 
©peifcn Kein gefd|nitten, nie met)r SÄeffer nod^ ®a6el; lein 
ffamin, alfo !ein offene^ 3^uer, in rt^elc^em er fid^ fcf)äbigen 
lonnte, fanb fid^ in feinem 3^^^^^- SBerboten tuar 
aUeti jum ©ienfte S8efoI)tenen mit irgenb einer 3Baffe *) bei 
i^m einjutreten. ©eine loftbaren Slinge tourben it|m übrigeng 
h)ie bie SBerfügung über feinen fonftigen |}erfönlidöen Söefi^ 
gelaffen, ®elb aufgenommen. 

©ig ju feinem S^obe ift an biefer SJe^anblung beö un^ 
glüdCtid^en Äranfen laum ttwa^ gednbert tporben. ®^e toir 
jebod^ in aUer Äürje bie fpäteren ©tabien ber §aft betrad^^ 
tcn, fiaben tüir jtoei bergeblid&c SSerfud^e ju ertoälinen, ben 
ffiönig ju einer öeränberten S8et)anblung be§ ©ol^ne^ ju be^ 
ftimmen. S)er eine biefer beiben SSerfud^e f)at öon 5ß^itipp'§ 
©eite eine öoUe 9tufbed£ung ber politif d^en ßiele betpirft, toeld^e 
er bei be§ $ßrinäcn ^aft verfolgte unb eine Srflärung ber Un- 
abänberlid^fcit feiner SBerfügungen gegen ben geifteälranlen 
©oI)n. 

Die ^tt|eruttgett von HerwattMen über Jiie ^a^. 

S)on 6arIo§'®ro6mutter, bie Äönigin^^aBittue t)on 5ßortugaI, 
unb beren eben tJoUjäfirig geworbener (Snfel Sönig ©ebaftian 

1) ,?5eria ber tregt feine 3Ser; benn er ift il&me bebotl^en*. 3)ietrid^5 
ftein 22. Sanuor, tod^ I 203. ^aS mag bi8 jum 25. Sanuar beS 
IJönigg öefel^Ien entfprcc^en. 



248 ^ic ßataftrop^e. 

fcnbctcn einen auBerorbentlic^en Sotfc^aftcr nad) SKabrib, 
toelc^cr, unter ©eileib^beäeugung , baö Slnerbtetcn ber alten 
Königin brachte, nad^ SKabrib ju f ommen unb xok eine STOuttcr 
i^ren ®nfet ju leiten. SBie ^ätte man bei be§ ^rinjen ®e^ 
müt^öäufianb baö 3lnerbieten anjunel^men n^agen ober bie 
^eruberfunft ber |)ortugiefif(^en Königin in biefer 3cit aucft 
nur ^ulaff en f önnen ! ® er Äönig fuc^te ben Sotf c^after ju- 
erft burc| aEgemeine Sieben öon ber SSergeblid^feit ber feit- 
famen 3"niut^ung ju uberseugen. Snbli^ njurbe il)ni er^ 
Hart, ber 5ßrinj fönne, atö ungeeignet jur Siegierung, nid)t 
fuccebieren ^). 

Grnftlid&er fal^ für ben mit ben 3^^^^^ menjc^Iic^er 
©c^toäc^e ttjeniger Vertrauten eine 2lrt broI)enber Snter^ 
öention beS Saiferg SKajimilian IL au§. ®er fpanifc^e ®e- 
fanbte in 3Bien beridt|tete über beg Äaiferö ob beg 5ßrinjen 
§aft erregte Stimmung. Qnk^t fc^reibt biefer felbft noc^ 
einmal am 27. Suli ^). SKapmilian'S Haltung loar red^t eigent== 
lid^ im ®egenfa|e ju ber ber Saiferin bei ber erften Se^ 

1) ©oc^arb S)on -Sarloä II 534 cjibt auS einer SKabriber $aiib= j 
fd^rift bie 3nftruction beS portugiefifcften Sotfc^afterS nad^ einer 3)epefcftc ! 
be« 92untiu8 öom 2. SOiärj 1568. gür bie enbUd&e ^bloeifung bringt j 
einmal auSnal^m^weife ber SBenettaner bei SabaHi in feiner aielation j 
t)oni 2. ^ärj ha^ ©ntfc^eibenbe. 

2) Coleccion .... para la historia de Espaüa XXVII 10, 25. S)te 
beiben ©riefe Dom 29. gebruor nnb 16. Suli 1568 üon ©^antono^ aö 
regelmöfeigem fpanif(^ent ©otfd&ofter in Sien an ben Äönig finb ^öc^ft 
präciS unb ungenierter in ben jarteften &ragen, alS bei 3Beitcm Ut 
meiften SBotfd&after toof^l ]§eute roagen »ürben. (Sbenbofeibft @. 37 Wa^i= 
müian'g II. Ie|te nod^ ju befpreci^enbe ^(ugerung an $5Ui^)^) über beS 
^ringen ©aft. 3)er auc^ fomteK feffelnbe S3rief ber ^aiferin an il^ten 
föniglid^en SBruber eröffnet biefen fiebenunbättaujigfien S3anb auf @. 5 
bis 7. 3d^ bemerfe, bog bie ©enadirid^tigung §lIba'S burti^ ©^ntona^ 
toon ber erften Slufna^me burii) ben Äaifer in ber Coleccion XXXVII 
1860) 133 irrig jum 14. gebruar, ftatt mit ber folgenben (Seite jum 
21. gebruat gefteUt ift. 



3)ie Äußerungen bon SBcrmanbten übet btc §aft. 249 

nad^rid^tigung burd^ bie betben fpanifdien ©ejanbten am 
SRacfimittag bcö 21. gebruar, tpeld^e bic un^ belannten Söricfc 
fiberbrad^tcn, o^ne felbft nähere Sunbc ju l^aben. Sei aUem 
fiummer über bie §aft be8 Steffen, in toelcfiem fie afö bc== 
ftitnmtem ©ema^Ie it)rer SiebIing§tod)ter aud) if)rerfeitö einen 
©ol^n gefelien fiatte, tonrbe biefe bocf) jugleic^ t)on tiefem 
SJütgefü^Ie für bag ©eelenleib beg unglüdEIidien 9Sater§, if)reg 
geliebten SSruberg, ergriffen, ©ie erftärte t)or ifirem ®e^ 
ma£)Ie ben beiben Ferren, ber Sönig tpiffe, toai er ate SSater 
tf)ue; ®ott möge if)n in biefer toid^tigen Slngelegen^eit, rt^ie 
in aßen anberen feiten nnb \i)m ben für ©eine löniglid^e 
^erfon, feine ©taaten unb SSafaHen geeigneten Gntfd^InB 
eingeben. S)er Äaifer Iiatte nod) üor bem Srfcfieinen feiner 
©emal^ßn bie ^aä)xxä)t gef)ört, fidE| üerfärbt, nadE| näherem 
85erid^te bergebüdE) gefragt, ©c^tüeigen öor ber Äaiferin bi^ 
na^ SifdEie getoünfcfit. 

SSon feinem erften ^Briefe an ben Äönig t)at fic^ nur 
im Slrd^iöe t)on ©imancag ein ettpa^ geringfd)äfeiger 9lnöjng 
erhalten ^), toonaä) er tt)efentli(^ über bie geplanten §eiratl)en 
feiner S^ö^ter mit ben Königen bon granfreid) unb 5ßor^ 
tugal 9lnttt)ort Verlangt, mit S)on ßarloS' 3lngelegenl|eit ge^^ 
fül^lboü beginnt unb ben SBäunfcf) nad) näherer Information 
auSbrüdEt. 3Im 29. gebruar fd)rieb bann bie Äaiferin an 
ben Äönig in ergreifenb gefc^tpifterlic^em 3Mitempfinben, 
toetd^eö rt^efentlid) unb mit liebevoller @rtt)ä]^nung i^reö 
®ema]^leg, mit S)anf für be§ Äönigg ©orge um il)re eigenen 
^nber, bod^ nur bie ®ebanfen augfül)rt, toeldje fie münb* 
Udo ben beiben ©efanbten au^gefprod^en l^atte; am ©c^luffe 
fügt fie, allem 2lnfd)eine nac^ öon ber Unt)ermeiblid)!eit ber 



1) Slbflebrucft bei ©ac^arb, S)on (Jarlog 11, 565. 



250 ^i€ 5?ataftro))]§c. 

§aft beg franfen 5ßrinjen bi§ ju feinem Snbe fiberjeugt, in 
befdieibener 3ii^ö<if)öftung bic 9lotl^tt)enbigfeit üor, bafe ber 
Sßater für ba§ §eil feinet ©o^neS ,in mannigfad^er 3lrt 
unb 3Beife* (Sorge trage. SBir ipiffen au§ ber Setrad^tung 
t)on S)on ®arIo§' ®eiftegricf)tung (@. 112), toie fe^r ber 
Slönig in feinem 95erid)te über bie Dftercommunion feinet 
©ol^neg bie jarte unb fromme ©orge ber ©ditoefter ju 
tourbigen toufete. 

3lber bem Äaifer gegenüber tüoHte er gerabe bei biefem 
2lnlaffe (19. 9Kai) leine ©elegenl^eit geben, an eine ^eilbar* 
feit beä ^ringen unb eine 2Köglid|feit ber greilaffung be§^ 
felben ju glauben. SluäbrudEIid) t)ebt er im (Singange I)er^ 
t)or^), h)ic bie mangett)afte S5ef(i|affenl)eit unb ßebenSart 
beS 5ßrinjen if)n feit Sangem bie Unt)ermeiblict)!eit be§ nad^ 
langem 3^9^^^ getl)anen ©diritte^ t)abe erfennen laffen. 
,3rf) i)ab^ ber SSerpflid^tung genügt, toeldje idE| gegen (Sott* 
,unb ba§ 3BoI)l meiner SReic^e I)abe*. S)er fo auggefül)rte 
SntfdEiIufe, ,if)n eiuäufditiefeen unb in §aft ju Iialten*^), ujie 
alle bie großen unb ©orge erregenben 3D?tfeftänbe, toeld^e bie 
Sntfdieibung bei be§ Äönigg Seb^eiten bringe, bürfen nid)t 
gegen bie Übel in SBetradE|t fommen, tüdäjt nad^ be§ 
Äönigg Slbteben ,äu großem ^ßräjubiä ber ©taatöangelegem' 
,t)eiten (causa publica) eintreten trürben, fo ba§ man il)nen* 
,3ut)oräu!ommen fid) nic^t entfd)ulbigen lann nod) barf/ 
3ebe »iueitere SSerjögerung' f|ätte ,®elegen^eit ju größerer* 
,9Sertr)irrung unb Unruf)e* gegeben. SSon biefen ,funbamen'* 



1) Originalentttjurf in ©imonca», obgebrucft ebenbofelbft 569 flg. 

2) 9?a^ bem Sufotnmenl^ange lägt fic^ boS au(^ fonft über bic 
^oft öon bem Könige gebraud^te ,encerrarle y recogerle' l^ier nic^t 
onberS alS bon ber 3lbfi(^t lebenSIänglid^er ©infperrung öerftel^en, »ie 
fcf)on ®ad^arb mit SWed^t bemerft l^at. 



^ie Sufeerungen üon SSerttanbten über bic ^aft. 251 

,talcn Oefid^töpunften ergeben fid) bie erforberlid^en SWafe-' 
»regeln, tnbem man mit fo reiftid^er Seratl^ung unb ftber^' 
,Iegung borfdireitct, baju mit ber ©trenge, görmlid^Ieit unb' 
.guten Drbnung, tuelcfic einer fold^en Slngelegenf)eit gejiemt/ 
,bei toeldjer irgenb ein 2tuffd)ub nid^t ftatt f)aben fann.' 
,S8ei toeiterm gortgange berfelben toirb man burd) üRit** 
,t^eilung be§ fid^ Sreignenben mit Surer §o^eit berbunben' 
,t)orget)n, tpie idE| in allen meinen Slngelegen^eiten ju tl^un* 
,gebenfe, namentlidEi rt^enn fie üon ber 2lrt unb SBid)tigfeit/ 
,tt)ie biefe [inb/ 3loii) einmal, mit 9Ibrt)eifung jebeg anbern 
®runbe§, bemerft 5ßt|ilipp IL bem Äaifer, bafe bie ®rünbe 
für baS 9Serfat)ren gegen Sarloö ,fo natürlid^e unb fo feft** 
»gefteüte finb, ba§ fidE| f)iefur leine Hoffnung liegen läfef.* 
,S)emgemä6 ift, tpaö getrau rtjurbe, nid^t für eine beftimmte* 
,3eit, nod^ berart, bafe babei toeiter^in irgenb tt)elc^e SSer*' 
,änberung ftatt^aben tonnte^)*. 

S5eibe§, bie Sonftatierung beg mit S^obfutfit öerbunbenen 
©ditoa^finneg unb bie Unfä^igfeit beg ^rinjen jur ©uccef^ 
fion, ift in biefem öertraulicfien unb ^öd^ft becibiert gef)at 
tenen Söriefe Ilar genug au§gefprod)en. 5)er Slönig toufete 
babei fel)r gut unb jpürbigte aud) ganj öoUIommen, bafe 
ber Äaifer mit feiner jal^treid^en gamilie in feine^rt^egg 
guten SSermögen8t)ert)ältniffen tüar^), unb ba§ er rt^ie bie 



1) . . . . ni tampoco se tomö por medio para su reformacion, 
pues siendo causas tan naturales y tan confirmadas, desto no se 
tenia esperanza: segun lo quäl lo que se ha hecho no es temporal, 
ni para que in ello adelante aya de haver mudan^a alguna. (^a- 
(^Qrb 569. 

2) . . . mas tambien el Rey considere que el Emperador (em- 
bajador ift 2)ru(Js ober Sopiftenfel^Ier) tiene muchos bijos y bijas y 
que es bien tener egbaldad {•^ egualdad) con todas. ^enegaS 
QU« ^reftburg 20. Sitli 1562. 5ln bemfelben %a%t ertüä^nt er in einer 



252 ®ic ^ataftrop^c. 

Äaifcriit ntd^tS fel^nlid^cr tüünfc^te, aU bafe i^rc dtteftc 
unb gelicbtefte %oä)ttt einft Königin üon ©pamen toerbe. 



Madmilian II. über bte J^aft. 

gür bcn Saifer unb beffen ©timmung fam aber boc^ 
l^insu, bafe aud| fein SBotfd^after in SRabrib fid^ fe^r fd^jpcr 
unb n}ibcrtt)illig l^erbeiliefe, bie 2;t)atfad)e ber Unt)etI6arIett 
in bcg ^rinjen ß^^ft^^i^ ansuerfennen ^). SBar eö bod^ eine 
feiner öornetjmften ©emü^ungen feit beut "Jage feiner äh)eiten 
Sanbung in Spanien getoefen, 9Serlöbni§ unb, nad)bem biei^ 
einigermaßen erreid^t tt)ar, Sßermä£)Iung ber (Sräl^erjogin mit 
bem fpanifdien Äronprinjen ju erreidien. ©eine gänjüd^e 
(Snttäufd^ung burd^ bic SBerI)aftung be^felben tuurbe gefteigert 
burd) bie fd^on früher erörterte ßi^^ö^tialtung ber Ferren, 
SRu^ Oomeä öoran, tt)eld)e bei ben ©reigniffen ber Sßad^t 
t)om 18. jum 19. unb be§ 25. Sonuar bet^eiligt geJpefen 
waren, aU ber ^ßrinj in feinen befinitiüen ^aftraum ge* 
brad^t tpurbe. S)a finbet man nun freilid^ am 3. gebruar 
1568 bie Äußerung, Sebermann, ber be^ Äönigö Sigenfd^aft 
unb 3Befen fennt, f)ält bafür, bafe, tuaö er getrau, ujoI^I^ 
bebäd)tig gefd)et)en fei unb er baju große, bered)tigte Urfad)en 



anbern 2)epefci^e »ieber einmol alS be§ Äaiferä 2luSfprud^, er tooHe 
bie jüngere Xod^ter nid^t öor ber altem öerl^eiratl^en especialmente 
amandola como lo ama. %ann folgen am 30. ©cptember 1567 toicbcr 
fel^r üeinlid^e Erörterungen über bie SJ^itgift nad^ SJhifter berjenigen, 
welche beS ÄaiferS ©d^weftcm t^atföc^li^ erl^alten l^oben. Coleccion 
de documentos ineditos para la historia de EspaÜa XXVI (1855) 
556, 558, 563. 

1) @(^on am 26. ^ilpril 1567 (Äoc^ 1 185 f.) §atte er (ögl. oben ©. 186) 
[xäj bod^ für incompetent crflärt, über ben ®eifte§juftanb beS fcitfamen 
SJerlobten ber @rä^er§ogin Stnna ju urt^ellen. 



aKajimiliQu IL ülber bie §aft. 253 

gcl^abt t|a6e. 3l6er jd)on nad^ biet S^agen, ba man i{)m gar 
nt(^tö mitt^eilen rt^iü, iibcriommt il)n grofee ©orge tpegen 
beS ®cfangenen. 9lun folgen fid) immer bon SReuem in 
beS fonft fo unbefangenen unb l^ellfet)cnbcn J)ietrid)ftein 
5)epef(i|en, faft bi§ ju be§ ^ßrinjen Xobe, offene ober ber^ 
bedte ^[ufeerungcn ber Hoffnung auf feine ^erfteHung ju 
®efunbl)eit 3^eit)eit unb Äronanfprud^, toxt be§ ß^^^^f^^^ 
über ®ered|tigleit unb 3^^dmci§igfeit beö gegen if)n ein== 
gefd^lagenen 3Serfa^ren§ unb Ermunterungen feinet faifer^ 
li^en §errn, in ber ©ad|e t^ätig ju fein. @ben bamal^ 
afö am 19. SRai bie Kare unb tiarte bertraulid^e äJtittl^eilung 
be§ Äönigg an ben Äaifer über bie Unabänberlid^feit feinet 
(£ntfd^(uffeg erfolgte, rt^aren in SÄajimilian^^ Rauben bereite 
bie frülier (©. 98) ertodtinten ©cf)ilberungen feinet ^oU 
fd^afterS bom 22. STpril über bie Sßorgänge bei ber öftere 
liefen ®ert)iffen§feier. S)abei barf man bod) nid)t aufeer 
Sld)t laffen, auf toeld^e ^odögeacf)tete Slutorität t)in S)ietrid)^ 
ftein bieSmal berid|tete. @3 n^aren bie 3Borte be§ nid|t nur 
bon bem SBotfd|after gerühmten, feit bem 28. Suli 1563 Ui 
bem ^rin^en unb inätoifd^en aud| für beibe ©rglieräoge ^um 
Söeic^tbater befteüten ÜRöncfieg 2)iego be S^abeS. 3Jtan mufe 
fic^ au§ ben früher (@. 173) ertuätinten SBorten in be§ 
ÄönigS S^eftament erinnern, bafe er bie gleid^e, fo überaus 
toiditige SSertrauen^fteHung bei ^^ilipp II. felbft erf)iett unb 
eine aßem Slnfd)ein nad) umfangreid^e ^jerfönlidie ßorre* 
f)3onbenä Söeiber fid^ 1598 borfanb, toeld&e bie Sjecutoren 
äu berbrennen t)atten. 3Benn nun ber Äaifer auö ben TtiU 
tt)eilungen biefe^ treff(id)en 3^i^9^^ i^ ^^^^ ertüät)nten S)epefd^e 
feines ©efanbten bom 22. Slpril erful^r, ba§ S)on (SarloS bei 
allen feinen gel)lern ,boc^ fonft an SSernunft feinen SWangel/ 
,beineben gro^e ^^ugenben' i)abe, man feine ,®rlebigung für* 



254 2)te Äotoftro^)^c. 

flctoife ijaltt, fo lag e§ für SWaEimilian IL bod) na^c genug, 
©tctri^ftein'8 SRatl^c gcmäfe mit feiner ,9iefoIution* in ber 
|)eiratl^Sfad|e ju jögem unb biefelbe nod^ leinestoegö für 
ganj au8ficf)t§Io8 ju erad^ten. 

3n biefer (Stimmung gefc^al^, toaS ß^antona^ aug SBien 
(16. 3uli 1568) über bcn ©nbrudE berid^tet^, tot^tn bcä 
Äönigg ©rllärung üom 19. (I|ier 20.) 3Rai über ben gegen 
feinen ©ol^n jur Sßoüftredung gelangten (Sntfdilufe auf ben 
ffiaifer l^eröorrief. ©^ gab bamal§ freilid^ aud^ ajtbere 
aÄeinungabifferenjen politifdier unb finansieUer Slrt jtuifdien 
beiben regierenben ©d)rt)ägern. S)odE| ganj au^brüdElid^ unb 
ju tüieberl^olten 2RaIen erllärte SRajimilian bem ©efanbten, 
bafe er, um toegen beö ^ßrinsen mit bem Könige ju f)}red)en, 
am liebften, rt^enn bie beutfc^en Slngelegenl^eiten e^ geftatteten, 
,mit ber ^oft' ju 5ß^ilipt) IL eilen toürbe. ßl^antona^ fanb, 
bafe, toa^ er über bie §aft be§ grinsen fagte, ein feltfam 
SJing (cosaextraüa) fei. ®er Äaifer t)ob f)ert)or, tt)a§ il&n 
l)iebei aufrege, fei nid^t blofe SSerlöbni^ unb SSertoanbtf^aft, 
fonbern aud^ eine 9ieil)e politif^er Srtüdgungen. 9?id^t ein- 
mal fo biel befagt ber furje unb in feiner Segieliung mufter^ 
I)afte Sörief, tceldfien ber S!aifer brei 'Jage fpäter, junadift 
borf) ate Slnttport auf bie gebrungene unb inl^altöoHe (£r== 
Ilärung beä Ä'önigä gefdE)rieben t)at. (£r geftef)t nur ju, einige 
9Äotit)e aug be^ SönigS 2lnttt)ort für ba§ 3Serfat)ren gegen 
ben springen erfel)en ju l^aben, fotpie beffen ?lbfid^t babei 
tüeiter ju bert)arren unb bie 3Küt)faI, rt^eld^e ^^ilipp barob 
empfinbe, unb tuie er felbft am liebften ju xi)m eilen möd^te. 
Um biefer unb anberer 2)inge rtjiHen fenbe er aber tro^ 



1) Coleccion ... de Espafia XXVII, 25. ©benbaf. 26 f. bcS ÄaifcxS 
©rief öom 27. 3uli 1568. 



granaöfifc^e Hoffnungen. 255 

aßen 5l6rat£)cn§ bcr beiben fpanifd^en ®efanbtcn, ju bem 
S^önige feinen Sruber Äarl ,ber mein gleifd^ unb SBlut ift/ 
tüie SWapmilian feltfanter SBeife Ijinäufügt 

S)er ?ßrinä toar begraben, ate biefer SSrief gef daneben 
toarb, 5lfö ber ad^tunbätpanjigiäfirige (SräI)etjog ^arl in 
SRabrib anlangte, toax aud^ bie Königin (Slijabet^ geftorben ^), 
unb beä ÄatferS Sieblingöbruber trug bie Srälöerjogin 5lnna 
nad^ ber i^m eilig gertjorbenen Snftruction bem jum britten 
aKaie üerroittrtjeten Könige felbft an. SBir tüiffen, rt^ie glüd^ 
lid) biefe ©f)e geworben i[t. ©ietric^ftein, ber ju i^rer 
Stiftung fein S^^eil beitragen lonnte, ift befe 3^^9^ S^^ 
tt)efen. SlHe feine ßtoeifel über ben ^rinjen rt^aren öer^ 
geffen. 

iFran}o|tf(l)e J^^fftiungen. 

S)ie S!önigin Stat^arina SWebici^ unb bereu, faft tüie S)on 
©arlo^ nid^t jured)nung§fä^iger ©ot)n, Sari IX. Verbargen 
if)re greube über ba§ grofee ©reigniö in SJiabrib bem ^pa^ 
nifdien ©efanbten gegenüber bei beffen officieUer S8enadE)= 
rid^tigung unter pd^ft berle^euben gragen über politifd^e 
3Ritfc^uIbige be§ (befangenen unb jubringlid^en äu^erungen 
i£)re§ neugierigen SJiitgefü^Ieö. 2)ie rtjunberlic^e ^tubieuä be^ 
of|net|in reizbaren unb f)od^fal^renben 93otfd^afterö lief ba^er 
in einen regelrecf)ten g^nf au§, ben berfelbe bem ^er^oge 
öon Sllba in aller Srregung melbete^). 



1) ^ux biefen ßonbolenjauftrag unb ntc^t ganj fidler ba§ ?(ner= 
bieten ber SlJennä^lung beS ÄönigS mit ber (Srä^^erjogin ^nna fanb 
%, §urter in \>m öon i§m eingef eigenen Elften öerjeid^net, alS er bie 
,®ef*id)te Äaifer fjerbinanb'ä II. unb feiner Altern* fdjrieb: I (1850) 15. 
©rjl^erjog ifarl »ar am 3. Quni 1540 geboren. 

2) ©ac^arb, ^on (5arlo§ 545. 



256 ^ie Äataftropl&c 

S)cm ctttfprec^cnb gieng benn aud^ gourqucöaulj in feinen 
JBerid)ten an ben franjöfifc^en §of über bcn SSerl^afteten 
auf bem ung bcfannten SBege tt)eiter. @r ntelbcte am 18. gc^ 
bruar au8 einer Duelle, über bie er bemndd^ft leinen 2!^d^d 
läfet, tpenn aud) fcf)on I)ier bie gaffung auf toeibßd^c (5r^ 
jä^Iung I}inrt)eift: ,S)er ^rinj öon Spanien ift fortn^äl^renb^ 
,in einem ßiwimer eingefd|Ioffen unb bett)ad)t. 6r ifet fe^r* 
,rt)enig unb miberrtjiHig , unb er fd^Iäft faft gar nid)t, tocS' 
,eben nid^t bient, feine SBerftänbigfeit ju berbeffern. ©r* 
,h)irb augenfdieittlid^ mager unb bürr, unb feine Singen finb* 
,im Äot)fe eingefunfen. SJKan gibt if)m mand^mal fubftantieHe' 
,Ji8rü^en mit eingerül^rtem Sa))aunenfett, Slmbra unb anberen' 
,©tärfungömitteln, bamit er nid|t gefd)tt)äd|t unb ganj au§^' 
,getrodnet rt^erbe. Srmälinte ©uppen werben t)eimlid^ in' 
,din\) ®omeä' 3^^^^^ bereitet, ber 9llle§ an obenertoäl^nteg' 
,®emac£) ®el)örige inne l)at unb burd^ fein 3^^^^ dn^' 
»tritt.* S)ieg rtjirb am 26. SKärj folgenbermafeen ergänjt*): 
,3Äit bem 5ßrinjen öon Spanien fteljt e§ tt)ie frfit)er. @§' 
,ift mir fel)r fd^toer, bon feinem Xlinn ettüa^ ju erfaf)ren.' 
,S)enn e§ tüäre füf)n fein Seben toagen 2), tt)enn ein 3Renfd^' 
,bei if)m einträte, um ju berid^ten, toa^ er tf)ut. ©elbft bie' 
,Sönigin fagt, bafe fie nict)t§ baöon toiffen Ißnne, au^er fo* 
,t)iet ber König i^r ®ema^l i^r babon fagen toiH. SBal^r' 
,ift in^ttjif dE)en , ba§ er bort immer einige 9iarrl|eit begel^t.' 



1) Gachard, bibliotheque nationale ä Paris II, 253, 256s. 3)tc 
neuen ^luSjüge tnobificleren in fel^r ttjefentUd^cn fünften i>a^ frül^cr 
IBefannte unb loffen eine öoffc (Sbition boh gourquebaulf" SBeri^ten, 
wie nodjmolä bemerft fein mag: mit furjcn unb juberläffigen 5£)aten 
in ben ^Inmerfungen um \o njünfdöenSttJertl^er erjd^einen. 

2) car si hardi et sur la vie homme qui entre dans sa cham- 
bre etc. gibt freilid^ , wie fc^on mit einem sie nad^ hardi bie (Jbition 
meint, nur einen ungefähren ©inn. 



gransöfifd^e ^ojfnungen. 257 

,Unter Slnberm i)at er t)or Äurjem in feinem SJiunbe einen' 
,f einer 3fÜngc gel^alten, in toeld^en ein bider 2)iamant flad^-' 
»gefaxt ift, unb öerfc^lnclte il|n, o^ne baran jn benfen, toie' 
,eine $ßille. SRan ^at mand^en %aQ gefnd)t unb überlegt/ 
,tt)a8 er bamit angefangen l^aben lönne. (gnblid^ lam man' 
,baranf, er muffe i^n gefcf)Iudt Ijaben. S)a8 l^at fid^ aW 
,toai)X ertoiefen. (Sr l^at if)n mit |)ilfe t)on Strjneien am* 
,17. S^age nad^^er t)on fid^ gegeben. Sr mad^t genug ä^n** 
jlid^e ©treidle. Dbtpof)! fidö ba§ ®erü^t Verbreitet f)at, bafe' 
jfein SSater i^n eineä SKorgeng befud^t ^abe, fo fjabe id^ bod^* 
,in3tt)ifc^en baS ®egentt)eil erfal)ren. (£r ging nid^t über* 
,ba§ 3^^^^^ ^^^ gürften t)on Sboli; benn bon bort auö* 
,Ionnte er befagten ^ßrinjen beutlic^ f|ören unb, toie id^ glaube/ 
,aud^ burtf) eine $oIät)ergitterung *) fef)en, bie jtoifi^en beiben' 
,(9iäumen) ift. Sin ©efunbl^eit befinbet er fidf) tpol^l, obmol)! er' 
,nod) gelbe garbe I)at; aber er ift fet)r IranI an jufriebenem ®e^* 
,müt^e unb öerätoeifelt für feine greitjeit ^), oijxtt bafe er fic^' 
,bod^ enthalten lönnte, immerfort 2;£)orI)eiten ju begel^en' 
,unb ju fagen unb übel t)om Könige, feinem SSater, jufpred^en/ 
»toeld^e S)inge i£)n anttagen, gleid^fam boHfommen irrfinnig ^y 
yin fein.' 

Sm gaöe ber JReife be§ Äönigä nad^ gtanbern fiet)t ber 
©efanbte — unb toot)t aud^ bie^ nad^ (Srää^Iung ber Königin — 



1) ®§ ift bie gemeint, wetd^e jum 8^t)ecf e ber Slnl^örung beS ®otteg= 
bicnfteg in bie 2Jlauer gebrod^en unb bur^ bie eben aud^ ju Oftern ba§ 
^Ibenbma^I gereid^t würbe. 

2) trös malade de contentement et desconfie de libert^. %a^ 
ftimmt mit bem oben (®. 242) überfe^ten SluSrufe beS ^ringen im 
Siff aboner SBriefe (p. 681): no soy loco . . ., desesperado si. 

3) quasi fou du tout fc^reibt gourqueoaulj, eben[o ber l^erjoglic^ 
jaöotjifd^e bi()Iomatifd^e Slgent am 24. gunl 1568: h pazzo del tutto 

ad^arb, ^on (JarloS II 572). 

©üb In ß et, S)ott ©arloS' ^aft unb Xoh. 17 



258 ^^^ ßatQftTo))^e. 

für ben ^ßrinjcn bag ©d^idfal feinet Urgroßmutter öorau^. 
(Sr ^at bie ®etftegfranf^ett t)on ffatfer Äorr^ V. SKuttcr öor 
Slugcn, an toeld^er biefe Königin Sol^anna burd^ faft fünf 
Sal^rjelinte bis ju il^rem 3;obc (1555) litt, ^od) bei beren Scb^ 
jeiten meinte man, bafe fte bie ®ctftegt)ertt)irrung öon i^rer 
1496 in Strenl^aft ju Slrebalo geftorbenen t)ortugiefifd^en 
©rofemutter Sfabeüa, ber SKutter 3fabeQa'8 ber Äat^olifd^en, 
geerbt t)abe. 9lun ^atte ber öenetianif^e ®efanbte Siepolo 
bereits in einer frülier (@. 140) ertt)a^nten, jum 2;i|eile auf 
übler SRa^rebe begrünbeten Sielation im 3anuar 1563 über 
ben bamate im acfitje^nten SebenSjal^re ftelienben ^njen 
bemerft, baß er toegen feineS faft breijälirigen SBed^felfieberS 
jutoeilen an ©eifteSftörungen gelitten l^abe. 2)iefeS Unglüdf 
nannte ber erfatirene SKann *) ,um fo bemerfenStoertl^er, atö' 
,er eS erbli^ bon feinem ©rofetater unb feiner Urgrofe** 
,mutter ju l^aben fd^eint*; bod) läfet \x6) baS bon bem (Srofe^ 
öater Äaifer Äarl V., felbft in beffen Ie|ten fiebenSjaliren, 
nid^t mit 9ied)t fagen. @S toiE mid^ bebünfen, baß bie 38a^n^ 
finnäfftÜe unter 2)on ©arloS' 95orfat|ren nid^t l^äufig genug 
finb, um bie bequeme ©efcenbenät^eorie I|ier antoenben ju 
fönnen. greilidE) ift furj nac^ beS ^ringen 3;obe aud^ feine 
Jöaterfc^toefter 3o()anna in SSalinfinn mit Xobfud^t t)er== 
faüen^). 

S)er franjöfif^e Sotfd^after melbet an jenem 26. äJiärj 
1568 ferner, ber Unterfc^ieb in 9iatur, Temperament (com- 
plexion), SBiQen unb Steigung jtoifdEien bem Sönigc unb 

1) G^ac^Qtb, ^on (S^qtIoS I 154: accidente in lui tanto piü con- 
siderabile, qnanto che paxe tenerlo per hereditä del avo et della bis- 
avola. ?ln ben (Stogbotcr müttcrlid^erfcitS, ben 1557 geftorbenen Äöntg 
Sol^ann ITI. )?on Portugal, {ann ^iepolo bo(J^ !aum gebQ(^t l^aben. 

2) 8a^a8 an Sllba 14. «tuguft 1568. Doc. escog. p. 410. »gL 
ben ^nl^ang. 



§lilgenieinc SBeiftlmmung in ©panlcn. 259 

feinem @of)ne fei fo grofe, bafe eg mit einem SSunber ju* 
gelten muffe, burdE) toeldE)cS einet öon il^nen ein ganj anberer 
SÄcnfc^ toürbe, e^e man emarten (esperer) ffinne, bafe ber 
®o^n bei Sebjeiten be2 SSaterö auö bem ©cfängniffe lomme. 
Smmerl^in toerbe er nod^ im ^rd^engebete nad^ bem ^a^fte, 
bem Sßnige nnb ber Königin mit ben SönigSfproffen ge= 
nannt: et principem nostrum cum prole regia. ,$)er Äönig/ 
fo Heft man toeiter, ,!^at aUcn ^rebigern Verbieten laffen/ 
,gebadE)ten ^ßrinjen irgenbtoie ju nennen, nod^ feiner in i^ren* 
,9SeröffentIic^ungen Srtüdl^nnng jn tl^wit- Unb fo gel)t er* 
,bal^in in SSergeffenl^eit gebrad^t, bafe man gleidEifam nid&t* 
,mtf)x bon i^m fprid^t, atö ob er niemate geboren toftrc/ 

allgemeine BeifHmmung in Spanien. 

S)er Äönig toar beä ®et)orfamg aUer fiüaffen feiner Unter* 
tränen and^ in biefem gaUe fidler. Sn ber SJibliotl^el bon 
Siffabon ift eine Sammlung ber ?tnttt)ortfd^reiben erl^alten, 
toelc^e bie ®ranben auf bie SBena^rid^tigung bon ber @in^ 
fc^liefeung feines ©ot)ne§ an il^n rid^teten: fie Wetteifern in 
Slugbrüdten beS ©anfeS unb ber üeretirungSöoUen Grgeben^ 
l^eit^). ©benfo lautet bie neuerlid^ veröffentlichte Slnttoort 
beS SBif^ofS unb Äleruä bon ©orboba^). Sietri^ftein fafet 
feinen (SinbrudE über bie Sufeerungen ber öffentlid^en Söiei^ 
nung fd)on am fünften Xage nad^ ber SSerl^aftung in bie 
SBorte jufammen: »Sebermann ift ob biefer Singe l^öc^ft' 
,erftaunt. Dbgteicft man aber mit bem ^rinjen grofeeS' 
,3Äitleib empfinbet, fo meint man bod^, fein SSater l^abe* 



1) «luÄjügc bei Äoc^ I 238, bann 205. fjourqueöaul^ 9. SKärj: 
bibl. nat. k Paris II 254. ^elftno'd ^epefd^en im SSiener Staati^ar^ik^e. 

2) Doc. escog. p. 405« %gl. hen ^(nl^ang. 

17* 



260 ^ic Äatoftropl^e. 

,gcrcd)tc Urfac^c ju fold^em Sßerfal)ren gcliabt.' ,2)cr SESntg', 
fo mclbct ber franjöfifd^e ®cfanbte am 9. SKfirj, ,braud^f 
,nic^t ju fürd^ten, ba^ biefeS Sönigreid^ bei feiner Slb-' 
,toefen]^eit Heine ober grofee Steuerungen t)orneI)me, um ben* 
,^rinjcn, feinen ©ol^n ju befreien. @r toirb gute Drbnung' 
,ju feiner S5ett)adE)ung jurüdlaffen/ 

^f)nlid^ fd&reibt aud) ber ©arbinal S)eIfino bem ßaifer au§ 
9iom am 6. SKärj nur, ,ba^ bie 9?euigfeiten au8 ©panien' 
,atte ®uten fet)r betrüben, befonberl ber traurige ßiiftanb^ 
,be^ burc^Iau(i|tigften Äönigä/ SBie toenig jutreffenb finb 
bann bod^ aber bie SRad^rid^ten, toeld^e berfetbe Ijod^gefteUte 
©orrefponbent gerabe im Slprit 1568 über bie fpanifd^en Qn^ 
ftänbe empfieng unb bem Äaifer julommen liefe ^), beffen Ur* 
t{)eil über biefelben otjuel^in fdjtpanfenb genug toar. S)er 
König bleibe in ©panien um be§ ^rinjen toiöen toegen 
brol^enber Unrul^en beforgt, felbft in einer 2lrt®efangenfd^aft! 

S)er Sefer tDoüe bem, aud^ burdC) bie Slönigin fo gut 
unterridf)teten franjöfifd)en ®efanbten ba§ Söort nod^ toeiter 
für biefen 9. SJJärj geftatten. 

,S8on ©eiten be8 5ßrinjen ge^en bie Singe ab, toeld^e bie 



1) 17. 3H)riI (©. 4) un signor Spagnolo qualificatissimo t^eilt i]§m 
toertrauUc^ mit (6. 5), che per longo tempo il Ser"«» Rö Catholico 
non h per uscire di Spagna, perch^ in effetto la pregionia del 
Principe causa un' altra quasipregionia in Spagna alla propria per- 
sona del Rä, il quäle, mentre che le cose del detto Principe non 
pigliano miglior verso, non pensarä a partire di Spagna (er l^atte 
ganj anbete ©rünbe!) et se pure partirä, uorrä andare in ogni altro 
luoco prima, che in Fiandra per esser quella provintia tanto re- 
mota da gValtri suoi stati et circondata da Inglesi, Francesi et altra 
qualitä. de principi, delli quali non ha forse molto da confidare. & 
Ift erftaunlic^, bog folc^ nichtige S)i§curfe bem Sorbinal jur SDlittl^eilung 
geeignet fc^ienen: tutto sia per auuiso di V. Mtä Cesarea! S)ie bem 
Äaifer jugefenbeten italienifc^en, gefc^riebenen S^itungen entfpred^en für 
bie S)on (5arIo8=5rQge freiltd^ regelmäßig biefem ©erebe. 



Slllgemeinc 93elftiminung in ^panxtn, 261 

»©panier ju Unorbnungen ermutl^tgcn lönntcn ober bie* 
,3Baffen ju feinen ©unften ju ergreifen, felbft toenn eö' 
,unter ben großen Ferren ©aftilienö auc^ nur irgenb ©nen* 
,gdbe, ber ein ftümtifd^er unb jum Slufftanbe geneigter' 
,SO?enf(^ toäre. S)a8 ift aber bnrd)au8 ni^t ber gaö; öiet' 
,me^r ffird)ten fie fel^r ftarl bie JRegiernng biefeS ^rinjen* 
,n)egen feineö toanbelbaren unb fd^redCenerregenben (Seifte^/ 
,fo bafe eö toeber im 9RitteIftanbe nod^ in ben oberen ®e** 
»feUfd^aft^freifen ^) Semanben giebt, ber fein Seben ober (auf 
,für il^n toagen ntöd^te. Sr ift einige 2;age untoo^I getoefen,' 
,iooIIte nichts effen nod^ fonft ju fid^ nel^men, bi§ fein* 
,9Sater, toie man fagt, eineö SKorgenö ätoei ©tunben bor' 
,2;ag, il^n ju befud^en gelommen ift. Se|t get)t e§ il^m gut/ 
,unb e8 ift il^m geftattet, bie genfter feineg ßimmer^ ju' 
,öffnen, bie Sanbfd^aft unb bie SSorübergel^enben ju fel^n/ 
,9lud^ feilen i^n bie &jte biötoeilen unb fein 95eid)tt>ater*^ 
»fielet il^n feljr ^äufig. Sr ift umgänglid^er unb gebulbiger/ 
,atö im STnfange feiner §aft getoorben.* 

Der Äöttig am Jitnmer ftints Soljttea. 

SBir l^aben früher gefe^en (©.257), ia^ gourqueüaulj 
jtoei SBod^en fpäter bie 3iad^rid^t öon bem bäterlid^en SBe^ 
fuc^e einfdiränfte. S)od^ möd^te id) bie frü{)ere SRcic^rid^t 
et)er für toa^r galten. 9?id)t aU ob midö ifire Überein* 
ftimmung mit ben 93eridE)ten ber au^ britter §anb fd^öpfenben 

1) qu'il n'y a sieur ni personnage de qualite. ©ad^Iid^ ftimtnt ba* 
mit 3)ietn*flein am 13. §H)rlI 1568 über S)on ßarloS^ Unbelicbtl^ctt: 
,ftunben feine ©ad^en olfo, bog biefe Sant bie Sßerenberung feiner ^erfon* 
»mc^ tounfd^en, bon öerl^offen fl^unben'. tod^ I 211. S)ie 3eitung im 
?llbaarc^ltoe fdjilbert i§n balb nac^ bem 2^obe als ,raul^ unb fogar grau=* 
,fam*, ,fel^r blutbürflig, »ilb, anmafeenb unb ge^öfflg*. Doc. escog. p. 
418, 421. aSgl. ben Sln^ang. 



262 ^i^ Äatoftro<)l^c. 

®cfanbten tjon ^t^^rcnj unb SScncbig, beibc tjom 2. SWätä, 
baju bcranlafetc. ©ttoaä mel^r 3Bcrt]^ lege id( fc^on barauf, 
bafe Sabrcra au^brüdlid^ babon fprid^t, ber Äönig l^abc bcn 
öon brcitägigcm junger t)aI6tobten ©ol^n befuc^t unb ge== 
tröftet; bcnn SRu^ ®omcj fonntc nad^ bcö ^rinjen Xobc in 
©cgcntoart tjon Sabrcra'8 SSatcr ober bicfem felbft in feiner 
3ugenb baöon erjäf)lt l^aben; aber ßabrera t|at, toie fd^on 
SRanle ^) erfannte, für $aft unb 2:ob beS ^rinjen eine un* 
juberläffig p^tige SßJeife; fo bringt er aud^ bie SBefud^ö^ 
na^rict)t in eine unmöglid^e SSerbinbung mit beö 5ßrinjen 
f^äteren Sjceffen unb Xobe^franffieiten. S)a6 ber Siönig öon 
SBefuc^en bei feinem irrfinnigen unb gegen il|n erbitterten 
®oI)ne, ate ßeic^en ber ©c^wäc^e unb feiner SBürbc tpiber^ 
ftrebenb, nichts tjerlauten laffen tpoütc ^), ift begreiflid^. aber 
fel^r möglid^ bleibt bodi, bafe fein fo ftarf ausgeprägter gami* 
lienftnn i^n metirfadi trieb, fi^ öon beS Unglüdtid^en 3^^ 
ftanb perfönlici) ^n überjeugen. 

Sängft ift ein anbereS, I|ierl|er gefjörigeS SreigniS au8 
einem gamilienbriefe bon ©ömes SKanrique, ber am §ofe an^ 
toefenb toar, an ^^Jeter SWanrique, alfo SSertoanbten, öieKeic^t 
örübem granj SKanrique'S, befprod^en toorben. 35er Sefetere, 
atö ©ruber beS ®rafen bon ^arebeg bejeid^net % toar einet 



1) S)on Sarlo» (1829) 237. ©r ftcbt Verbot, wie ber bei ©abrcra 
über ble {Rätl^Uc^feit bon be» iJönigS »efud^e bei bernfterbenbcneo^nc 
angeblld^ confultiertc frül^ere (Stjicl^cr beSfelben, nunmcl^rige »i^of, 
^onorato 3uQn, f^on feit gtoei Sauren tobt war. Si^eifell^aft tft.auc^, 
ob bad ®utöc^ten be« jut G^inf<)errun9 bcö ^rinjcn rat^enben 3ttriften, 
ba8 er ol» cinjig erl^alten 1. V II c. 22 p. 471 mitt]^cilt> jcmal» htm 
5Jönige öorgelegen f^at S)fe 93efu^8nad^ri(j^t fielet Vül p. 496b. 

2) (So mürben iid^ mit grourqucbaulj' au^ ble bei ®öd^arb, %on 
(JatloS II 586 berjeici^rteten «^iberrufungen ber SBcfu(f|SnQd|ndit bei \itm 
öenetianifc^cn, genuefifc^en unb fforenttnlfc^en ®efanbten crflärcn; 

3) Doc. escog. p, 416. SBgl. ben Slnl^. unb oben @. 245. 



^cr Äönig om Qxmmtx feineS ©ol^neS. 263 

ber mit ber SSetüad^ung beö ^rinjcn betrauten Ferren. S)er 
erbetene SBefud^ beä ffiöntgö bei feinem ©o^ne in beffen %oi>t§^ 
ftunbe unterblieb t)iernad^, toeit ber t)on Seiben fo Ijod^ge* 
fd^äfete »eic^tüater 6f|at)eg abriet!) i): ,ba boc§ ®ott bie Sln^* 
»gelegenl^eit fel^r gnäbig geftaltet f)abe, unb toeit er fid§ nid)t' 
,an ettoa§ erinnern foEe, toa^ il^m Seib bereitete; er fenbete/ 
,um ben JJönig ju bitten, bafe er feiner Wiener, inSbefonbere' 
,ber ätteften, gebenlen möge/ gür frul)ere Sefud^e ift ba§ 
felbftüerftänbli^ otine Söelang. 

SSieHeid^t ift eine 2:i)atfad^e biefer Slrt bod^ el^er, ate 
felbft bie l^eilfame ©ntpirlung be§ S8eid^tt)ater§ unb ber öftere 
lid^en Sommunion geeignet ju erüären, toaS gourquebaulj 
am 8. 3Rai feinem §ofe berid^tet. 2)er ^ßrinj l^abe äumßtoerfe 
beg ©acramentempfangeö tro^ Qmthtn beS S8eid)ttiater8 nid^t 
ol^ne auöbrüdßd^e (£rlaubni§ feinet SSaterö in ba§ hieben* 
jimmer treten toollen, f onbern baS Slbeubmal^t burdö baS ^olj^ 
gitter empfangen, Slud^ fei er über]^au|)t, toa§ ber SRuntiu^ 
bod) ttwa^ unfid^er nur aU Srgebung in ba^ ©d^idEfal ber 
§aft am 1. .9Kai bem ^apfte gemelbet l^qtte, ,milbe unb* 
,l^uman gegen feine ®ett)0]^nl)eit getoorben'. Slm @nbe be* 
bemerft freilid^ ber franjöfifdie ©efanbte: ,in ber Xl^at ift* 
,in il^m gar leine ^^offnung, bafe er jemate Vernünftig ober* 
,äur Xl^ronfolge toürbig toerben fönnte; benn fein SSer^^* 
,ftdnbni§ t)erfd)(ed^tert fid^ täglid^*. 



1)' Enbiö a sa padre que ya no quedava que desear, sino su 
bffliedizion, y el confesor avis'ö que no viniese (fo totit fftanlt 238), 
pues que Dios Ueuaua el ilego'cio bien g[rac]iodo y porque no se 
le acordase alge, que se le diese pena ; enbiö a suplicar al Rey se 
acordase de si^s criados, especialmente ä los mas antiguos. fJroS« 
corini^onbf^rift ber SBiener ^jofbibliotl^c! 6259 93Iatt 627. ©acJ^arb^Ä 
unb Sthbcter gmeifcl/ bojs 9?iemanb bem Äöntge ju fommen abgeratenen 
l^obe, erlebigen ftd^ l^iermit. 



264 ^ie Stata^ttop^t. 



ifir(Wt(l)e (5efattgtti0orbtitttig* 

3u ber milbern ©timmung, toeldic im g^^jal^rc na6) 
icnent aufgegebenen ^ungertjerfud^e über 2)on Sarloö fam, 
mod^te mit ben eben ertt)ät)nten SRomenten — barunter 
bie Suft unb Slu^fi^t burd) baö genfter nid^t ganj ge* 
ring anäufd)Iagen — ein Slnbere^ beitragen. @^ toar 
bie befinitiöe, t3erl)ältni§mä§ig überaus rüdfid^tgtJoQe unb 
nidE)t mel^r ben menfd)Iid^en ,SSerIeI)r' au^fd^Iiefeenbe SBor^ 
fcftrift, toel^e für feine SBetoad^ung t)on bem Könige am 
2. SWärs fdEiriftlid) gegeben tourbe unb fid^ nodE) im 2lr^iöe 
öon ©imanca^ finbet^). S)ie fröl^er gegebenen münblid^en 
S3efef)Ie (©. 242), öon benen gourqueöaulj bod^ fd^on bei 
bem Sendete über bie SSer^aftung. fagte, fie entfpred^en 
ber Se^anblung eineS ^ßrinjen öon gutem §aufe, tuurben 
Ijierburd^ aüem Slnfrfjeine nad^ gemilbert unb ben 2)ienft* 
Iiabenben bie l^olie ©teHung beö Sranfen einbringlid^ft 
Ilar gemad^t. SieUeid^t tourben fie erft bamalö förmltd^ öer^ 
eibigt 2). 

Unter SRut) ©omej' Seitung, bem fonft greil^eit für aUeö 
nic^t befonberg SSorgefd^riebene gelaffen toirb, foU öor SlUem 
auf beg ^ßrinjen SBebienung, Siafel, Äleibung, ©auberleit 
be^ ßimmerg mit aüer Stirerbietung ber S)ienft gerid^tet fein. 
S)ie Zijüxt feinet 3^^^^^^^ f^Q f*^^^ angelehnt, nie gefd^Ioffen 



1) ®a4arb, 2)on ©arloS II 587 m 590. (gbenbof. 595 bie ©teüc 
au8 beut ©riefe toon §opperu8 an SBlglluS: ut . . . laxius habeatur 
. . . satis mihi fit verisimile. 

2) ©Qbtcra'S S3ereibigung§nac^rtd^t (oben ©. 169) crf^ctnt in ber 
gcitung ber doc. escog. p. 416 (togl. ben Slnl^ang) bal^in beftimmt, baft 
IRu^ ©ornej bem C>e^8ogc toon geria baS ©clöbnij ablegte, bie fcci^ 
onberen on SRu^ ©omej' SSeifungen gebunbcnen Ferren t)or bem (Staats* 
ratl§e fc^touren. S)aä 3lIIe8 ftimmt beffer ju ber neuen g)aftorbnimg. 



gürftlic^e ^efängniSorbnung. 265 

tDcrbcn. SKan foüte meinen, ba§ t)iefür ein 5lbIonimen 
jtoifdEien SSater unb ©ol^n gcfd^Ioffcn tourbe, ber, toie totr 
eben faljen, fid^ bem 93cid^tt)ater gegenüber gebunben l^ielt, 
nid^t über bie 2;prfd)tt)eIIe ju treten. 3lufeer ben fed^^ 
jum 2)tenfte beftimmten §erren, ebentueE Slrjt unb Sarbier, 
unb ben Santmerget)ilfen für niebere ©ienftüerrid^tungen 
barf Sliemanb bag 3^^^^^ betreten. Smmer ntu§ einer ber 
Ferren in bem ßintmer fd)Iafen; bie Slnberen foHen nac^ ber 
SReil^e toad^en, fämmtlid^ t)or ber SRadE)trut|e jugegen fein. 
Snnertialb beg 3^^^^^^^ ^^* aufeerl^alb ot)ne löniglid^e 
©enel^migung, muffen be8 ^ßrinsen öefel^Ie öoQäogen toerben; 
nur über feinen 3^fto"^ ä^ reben, l^aben fie fitf) ,entfd^ut 
bigenb' ju toeigern. 3IIIe§ im 3^^^^^^ ©efprod^ene mufe im 
Jtebenjimmer I)örbar fein, nid^tä barf anbertoeitig mitgetl^eilt 
n)erben. Slüeä 2:ragen bon SBaffen aller Strt ift unterfagt. 
S)er ?ßrinä toirb in ©egentoart gtueier Ferren burd^ bie 
nad^ bem Oratorium gel^enbe SBanböffnung bie bon l^ieju 
beftimmten Saptanen ju titiltenbe SÄeffe anl^ören. SRofen* 
fränje, ©ebet^^, 3lnbad^t§^ unb »guter Seigre' entfpred^enbe 
JBüd^er, aber leine anberen, erhält er nad^ feinem Sßerlangen. 
©rtodl^nte Ferren l^aben il^m mit ben in ben SSorfaal ge* 
brad^ten unb t)on bort toieber abjul^olenben ©erid^ten auf- 
jutoarten. Seber ber Ferren l^at einen burd^auä bertraueng* 
toürbigen S)iener ju feiner ^jerfönlid^en SBebienung. S)en 
Sammergel^ilfen unb §eßebarbieren finb in befonberen 
2lrtileln i^re .5ßffidE)ten üorgefi^rieben. 

68 fd^eint bod^, bafe 5)on 6arIo§ biegmal burd^ feine 
§ungerfur lieber feinen SBater toie burd^ ein anbereg äJüttel 
frütier (©. 146) ju einiger S^ad^giebigleit gebraut l^at. ©d^on 
am 25. 5tpril fd^rieb einer ber äRabriber SyHeberlänber nad) 
^aufe, ber 5ßrinj toerbe in S3älbe gelinber bet)anbelt toerben. 



266 2)ic Äataftro<)^c. 



€«effe itt bet Jpaft. 

Safe nun nad^ aücn bcn früf)er (®. 174 fbc.) erörterten 

SBorbebtngungen ©tfimad^finn unb franitiafte Steigung be§ 

5ßrtnjen täglich juna^men, ^at un8 ber franjöfifc^e ©efanbte 

am 9.aKdril568 bereite bemerft Sluc^ barauf tpurbe (©. 187) 

t)ingett)tefen, iDte fein quätenber 3)urft nnb feine unnatürliche 

3(rt, bie ©Jjeifen ju berfc^Iingen junfic^ft golge unb nid^t 

Orunb feiner SJranf^eit toaren. Sn feiner auSffil^rlic^ften 

Älage über biefe Sjcefegattung bemerlt ©ietrid^ftein (22. De* 

tober 1565): ,er trinft nur 3Baffer, toeld^eS man il|m burc^' 

,ben ©d|nee feifien unb im ©d^nee löl^Ien mu^; bennod^ iff 

,e8 il^m faum !alt genug*, ba nun in feinem §aftraume 

fid^ bie 3Bärme eineg SRabriber ©ommerö fül^Ibar machte. 

(Siner bon ^ßl^ilipp'g II. mobemen geinben unb SBert^eibigern 

feinet @oI)neg ertoeift ben bamaligen Oebrau^ unb bie 

gleid^jeitige mebicinifd^e ©mpfe^Iung bon ©d^nee unb öon 

©tüdEen ©8 jur Äul)lung bon 3Baffer unb, mit Slntuenbung 

in gefd^Ioffenen ©efäfeen, aud^ t)on 95etten im ©ommer^. 

2)ag Übermaß beg ®ebraud^e§ biefer ft'dltemittel ffi^rt ba§ 

löniglic^e, im Sn* unb Slu^Ianbe t)erbreitete Sftunbfd^reiben 

über bie le^te ©rlranfung unb ben %oi> be8 ^ßrinjen glei^ 

im (Singange an. 9Kit bemfelben mufe man jebod^ ba§ ®nt* 

f c^ulbigunggfd^reiben t)erbinben, toeld^eö gleid^jeitig ber©taat8=^ 

fecretär 3^^^^ an aüe ©efanbten bei fremben ^öfen ergel^en 
liefet). 



1) Adolfo de Castro, protestantes Espafloles (ögL oben ®. 99) 
369 flgbe. 

2) Coleccion para la historia de Espana XXVII, 38 BIS 

40. einlcitungSs unb ©c^luSformel on bie fpanifc^cn ©täbtc unb »e« 
l^örben bringt mit S)QttCTun9 ^om 28.3uU 1568 ®Qd^arb, a)ott ©orb« 694. 



(Sjccffc in ber $aft. 267 

§ier ijti^t eg, ber SBetreffcnbe tperbc au8 bem anlic- 
gcnbcn S&rtefc ©einer üRajeftät ,ben ÄranHieitögang unb' 
jSob be8 ^rinjen itnfreä §erm rul^mboHen 3lnbenfen8' 
,erfc^en. Unb eg löttnte fein, bafe eö @injelncn fcf)icne/ 
,bcn bort gemelbeten, bon xijvx berubten Unorbnungen I)ätte' 
,entgegengetoirlt toerben lönnen unb muffen, unb man ^ätte* 
,noci^ anberc Semfil^uttgen anjutüenben geliabt aufeer Über*»' 
»rebung unb Slnfletien: man \)&ttt i^m nid^t geben foUen/ 
jtoag er, um \x6) ju fd^äbigen, befafe, nod^ i^m geftatten,' 
,btcfe ©jccffe folc^er Slrt ju begel^en. hierüber tt)erben Sure' 
,^errlid^fett unb aUe biejemgen, toetd^e mit 3i^ft<^^^ ^^i^' 
,9laturanlage ©einer §oI)eit befannt toaren, fein SBebenfen' 
,]^egen. S)enn eg ift fidler, bafe, toenn bieg 3^^^ ^^^ ^^^ ^^*' 
,reid^t to orben toäre, fo toürbe er fid^ getoiffen anberen S)ingen' 
»Eingegeben l^aben, toeld^e gefäl^rlic^er für fein Seben, unb,' 
,toag fd)limmer ift: für feine ©eele getoefen toären.* S)er fiefer 
tooHc fid^ l|ier erinnern, toie bem ^rinjen bie ®efüf)Ie für 
S)ccenä unb ©auberfeit ab^anben gefommen toaren. ,S)a8* 
,berl)&lt fid^ berart fo, bafe nid^tä SlnbereS getl^an toerbcn' 
,fonnte, in^befonbere toeil gemfife feiner pl^^fifd^en SBefd^affen*»' 
jl^cit (complexion) unb ber ©rfa^rung, toeld^e er fold^er Slrt* 
,bon berfelben geliefert l^atte unb toeldie über ©eine ^ol^eif 
,bort|anben toar, man nid^t mit ®runb befürd^ten mufete, 
,ba^ eg fo unjuträglid^ für feine ©efunbl^eit fein toerbe/ 
,3n SBalirlEeit toäre e8 baä aud^ nic^t genjefen, toenn er nirf|t* 
jju effen aufgehört l^ätte. (Sben bieg gefd^at) burc^ fo lange* 
,3eit unb an fo bieten S^agen, bafe, toenn er au^ bei guter* 
,ffiört)erbefd&affenf)eit getoefen toäre, er bod^ nic^t ptte leben* 
,fönnen, unb für ba^ Sffen fonnte nid^t mef)r ©etoalt an^^* 
»gcnjenbet toerben, unb fidler ift er, nadE) ber Slrt feines* 
,®nbeg, im (Senuffe eineä beffern SebenS.* 



268 ^ie ^ataftroj)]^e. 

SRur ju beutttd^ ftcl)t man, tote fid& ber fönigItdE)c SSater 
öor ben toibrigficn SHterrtatiücn bem anerfannten, für menfd^= 
lid^en 3SerfeI)r unb t)oIlcnb§ für Siegierung unfdt)igen S^^ron- 
folger gegenüber befanb. (£r toäre allem Stnfd^eine nad^ 
fd^on im aKärj §unger§ geftorben, tpettn nid^t bag gletc^^ 
fam bertrag^mfifetge ^Reglement itjm fürftltd^e SBitttür nadö 
öerfd^iebenen ©eiten unb inSbefonbere für feine 2)iät er^ 
möglid^t ij&ttt. 

Qnx SBeftdtigung be^ gleid^ ju ertoägenben offisieUen 
Söerid^teg über bie Ie|te ÄranII)eit mag eine an ben §of be§ 
ßrjl^erjogö ^erbinanb nac^ SnngbrudE gelangte entfpred^enbe 
©d^ilberung fc^on ^ier ertoälint toerben. Sie nennt feinen 
3lbreffaten; toä) ift ber SSerfaffer natf) ber ©prad^e ein S)eut^ 
f dE)er ^), unb nad^ bem lamerabfd^aftlitfien S^one beg ©ngangeö 
fd^reibt er einem ©leid^ftel^enben. §ier ift bie fonft neben 
ben ©jceffen in SBaffertrinfen unb ©peifeenttialtung nid^t er^ 
tüä^nteS^^atfad^e ^erborgel^oben ^), ba^ ber ^ßrinj, angeblid^ am 
17. 3uli, eine lalte $ßaftete t)on SRebpl^nern gegeffen unb 
big an bie 300 Unjen (ungefät)r elf Siter) falteg SBaffer 
getrunlen. ,Dbtoot)I er fid) barauf erbrod)en, fo l^at er bod^* 
,nad^l^er toeiter nichts met)r bel^alten !önnen, au^ lein 9ie*' 
,mebium I)elfen tooHen. @o toar am 21. Suli, atö e§ belannt* 



I 1) SWel^r als ^flnfeing (®. 228) ift qI§ Sßerfoffer ber Surtft SBoIf* 

I gang ©rieSftetter ju bermutl^en; am afleid^Sfamniergerid^te ju @J)eter Bc* 

1 ft^fiftigt, fam er in S)ietrid^ftein^S ©efolge na^ (Sponien unb bientc 

! biefem ,treu' fünf 3[al^re b. 1^. bi§ 1569. ^n ber bem|eI6en geloibmeten 

I latelnifd^en ©bition öon SaS ©afaS' SBuc^ über baS angeblttifte ftönig8= 

reci^t ber SSergabung öon llntertl^anen (Francfourti ad Moenum apud 
G. Corvinum 1571. 40. 67 ©.) ergöl^It ©rieSftetter felbft biefe Xi^aU 
1 fad^en. 

i 2) 3m SluSjuge au§ bem betreffenben 5l!tenftürfe be§ S^it^^nidcr 

^td^iöeS bei Sofep'Ö ©i^U; ^r^l^erjog gerbinanb öon ^irol II (SnnSbrucf 
i 1888) 232, 5lnm. 5. 



@£ceffe in ber §oft. 269 

,(Iautt SKär) tourbe, fc^on feine Hoffnung melir öorlianben* 
»getDefen, bafe er am Seben bleiben tDerbe.* 3tügemeiner tx^ 
ääl^lt ba§ nunmel^r gu bettad)tenbe Sftunbf einreiben: ,ßange, 
,el^e biefer SobegfaE eintrat, mad^te ©eine §o^eit bei ®e== 
,tegen]^eit ber ©ommertDärme unb im SSertranen anf feine 
,pl)^fif d^e SSef c^affenl)eit unb fein Seben^alter einige bemerlenö- 
,toertl)e SRegeltuibrigfeiten (desordenes) in SSejug anf ba§ 
,ma§ feine ®efunbf)eit betraf. Sr gieng forttoftl^renb ent^ 
,fteibet, gleid^fam ol^ne jebe 3lrt t)on (Setoanbung, unb barfufe 
,in bem 3tmmer, ba^fe^r befeud^tettoar, unb er fd^üef met)rere 
,9?äd^te bei geöffneten genftern (al sereno) o^ne jebe ®t^ 
»toanbung. S)abei tranf er grofee ßöfl^ f^f)^ IciIteS SBaffer 
,mit ©cf)nee nüd^tern unb legte fogar t)iele 9KaIe felbigen 
,@d^nee in ba§ 85ett. (Sr afe regetoibrig unb übermäßig 
,grüd^te unb anbere feiner Oefunb^eit nad^tl)etlige 2)inge. 
,Obtt)ol^I nun, um bieg ju t)er£)inbem, t)on ©eiten ber bei 
,it)m S)ienft leiftenben ^erfonen alle möglid^en Söemül)ungen 
,ftatt f)atten, fo lonnte in fetntr SBeife bagegen getpirlt nod^ 
,er bat)on abgel^alten toerben, ol^ne bafe man in anbere größere 
,UnjuIömmli(^Ieiten gefallen toäre. 3Kit biefer 9iegeltr)ibrig= 
,Ieit fam eS fetbftöerftänblid^ gu einer 3lbfüI)Iung ber natura 
jüd^en Sraft unb SBärme. ®a er nun in biefer SSerfaffung 
,tt)ar, entf^ieb er ftd^, tpie er eS fd^on anbere SRale gett)an 
,I)atte, in leiner 3Beife effen ju tDoHen. 85ei biefer (£nt= 
,fd|ieibung öerblieb er bur^ elf S^age ununterbrodien. 2Beber 
jburdö Uberrebungen notf) burdfi öiele anbere unb oerfdtiieben^ 
,artigeS5emü^ungen, toeld^eman bei it)m antpenbete, lonnte er 
,getoonnen no(f) betrogen toerben, bafe er irgenb ettüaä ^ai)x^ 
jl^afteö (cosa de substancia) a^ ober ju fid^ nat)m aufeer 
,faltem 3Baffer. ^ierburd^ lam er ju gäuälid^em SSerlufte 
,ber natürlidEien Äraft unb SBärme, berart, bafe, obtoof)! er 



} 



270 ®'« Äataftrop^e. 

,fpätcr einige na^rf)afte ©rü^en ^) Wtxl6) unt) 3lnbereä ju fid^' 
,naf)m, f o fanb fid) ber 3Ragen boc^ fc^on f o berborben unb' 
,gefc^toäd^t, bafe er gar nic^tö bei fid^ bel^alten fonnte, unb* 
,fo fam er jum SSerf treiben , o^ne ba§ irgenb ein WtitttV 
,i^m genügt ptte/ 

De0 JJrittjen 3|ittfcl)eiben. 

S)ag 9hinbfd£)reiben beö Slönigö an bie auötoärtigen ,^ftfe 
fct)üefet nad^ ber Srflärung beö S!ranff)citgt3erlaufe^ mit bcn 
SSorten: ,@ein %oi> erfolgte mit fold^er ©otteäerlenntmS* 
,unb 9ieue, ba^ er Slüen ju großer Sefriebigung unb ju' 
,2;rofte bei bem @d)meräe unb SKitleiben gereid^te, toeld^e* 
jbiefer galt mit fid^ bringt' ©infac^er, tt)a^rt)eitgi= unb fad^^ 
gemäßer fonnte ba§ Sreignife t)on bem näd^ften, fd^tt)er== 
geprüften g^milienange^örigen ben fremben §öfen nid^t ge^ 
fc^ilbert toerben. (S^ ift biefelbe befd^eibene ©prad^e, tueld^e 
mir in ber üon bem ©taatgfecretär öerlefenen ©röffnungä* 
rebe ber ßorte^ im ^meiten Saläre t)orI)er bemerft ^aben^). 

S)er etmag mibermiUige anonyme SSerfaffer beS Snnä^ 
bruder SSerid^teö^) fäf)rt feinerfeit^ nad^ ber big gur ^off^^ 



1) über bcren S5creitung ögl. oben @.256 ben S3eric^t gfourquebaulj*. 
^ie in bem ^ttuSbruder 95eri(]^te eripäl^nte folte fflebljül^nerpaftete bom 
17. 3uU fd^eint bot]^, winbeftenS an biefem 5tage, nic^t üon bem ^rinjcn 
tytt^t^ti Sorben ju fein, tuenn ou^ ber in bem Slunbfc^reiben txtoHf^ntt 
Termin bed elftägigen f^aftenS an biefem Sage geenbet l^aben mag. 
^enn unter bem ,^nbren' (otras cosas), n^aS er mhtn SSouiUon unb 
SRild^ JU fid^ nal^m, !ann man bod^ eine foldje ©peife laum öerfte^cn. 

2) SBgl. oben ®. 10. 

3) @r beginnt: ,^ie eilenb unt)erfel&ene Urfaci^ bicfeS (JurrierS laftl* 
,mid^ nitt Antwort geben, toie id^ gern looUt, auf Suer ©einreiben beg* 
,^atum ben 11. Sunij, fo \6) ben 12. bito ]§ab entpfongen; bann neben* 
,bem, bad id^ menig geitt l^ab unb ber Qliurrier imer jmo ©tunben' 



3)c§ ^rinjcn ^Inft^eibcn. 271 

nuitg^Iofigfeit gefül^rtcn Sranllieitögcfcl^id^tc fort: ,2ltö ber* 
,?ßrinä nun l^ierfibcr öerftänWgt tourbe, ^at er ftd^ fo un^' 
,erfd^rodtcn ci^riftlid^ barcin gcfd^id£t unb ergeben, bafe man m' 
jbarüber tounbem mufe* , b. 1^. man I(ätte e8 ntc^t ertoarten 
bürfen. ,Sr l^at gebeichtet, bag l^od^tofirbige ©acrament unb* 
,mit großer Slnbad^t unb @I)rerbietung bte le^te Ölung em*^* 
jpfangen, o^ne Unterlaß ®ott ben §erm um SBerjetliung* 
,unb aSergebung feiner ©ünben angerufen, unb ftd^ felbft* 
,ange!Iagt, toie gar unbanibar er ®ott unb feinem SSater* 
»gegenüber getoefen, SBeibe um SSerjcü^ung gebeten unb alfo* 
,tft er gar d)riftlid^ am greitag üerfd^ieben nadö 3Ritternad)t* 
,gegen ben ©amStag (24. Suli) unb ©anct Salob'ö Stbenb* 
— SBortag beS 25. — ,toie er lurj jubor felbft gefagt l^atte/ 
,®ott feinem §erm ben @eift aufgebenb, ber i^m unb unä* 
,?inen gnäbig unb barml^ersig fei Slmen! ®g ift nid^t ju* 
,fd)reiben, toie d^rifttid§ er fid) bis auf baS Ie|te ©d^u^jferlein' 
(2:obe8äU(fen)' gel^alten l^at. 9Ran l^at i^n am ©amStag' 
,l^ier in einem Älofter Vorläufig (in deposito) nad) feinem* 
,5Serlangen beigefe^t mit fo üieler ^errlid^feit unb ©erränge/ 
,ate in fo lurjer Qtit möglid^ toar, unb eö l^aben Si^re ^nxä)^' 
jlaud^ten (bie beiben (£rjI)eräoge) baS SBegdngniS begleitet.* 
,gür ben ganjen ^of unb baS Sanb ift bie gro^e 3;rauer* 
,angeorbnet toorben, toie man fie für feinen Sl^nl^erm (®xo^^' 
»bater) getragen ^at 2)er Äönig ift gar toe^ (fel^r tief) be** 
,trübt. @r njoQte ju i^m get)en, ef|e er berfd^ieben ift. S)ie* 
,9iätl^e l^aben il)n aber eS nic^t ju tl^un gebeten unb beö* 
j^rinjen SJeid^tbater felbft, toeil er aüer jeitlid^en 2)inge* 



,tt)C0fcrtig, fo l^ab i^ mit bcr unöctfcl^cnen (Slag* — btc S^roucranjelgctt 
^Qtte frelUd^ ^ftn^ing an bie beutfd^en SBeTtoanbten unb dürften ju 
bcforgcn — ,unb fonftcn fo Dil ju tl§uen, boÄ id^ fester bcft ^VLäj ju* 
»aDlfteren fein mUt l^ab*. 



272 S)ic Äataftroj)]^c. 

jöcrgcffen unb leinen Tetanien nxe^r auf fie getid^tet ^aV 
©in SWadötrag auf ber britten ©eite entl^ält nur bie für bie 
Sluffaffung beS ©d^reibenben bejetdinenbe SRottj: ,®ott ber* 
,§err fjat tl^m 2lIIe§, toaS il)m im Seben gemangelt, gu einem* 
,SBo]^Ifterben t)orbef)aIten*. 

®iefe beutfd^c 2)arfteIIung t)on beS $ßrinäen ®nbe, toenn 
aud^ öieüeid^t irrig in jener Datierung öom 17. Suli, bürfte 
afö bie unmittelbarfte unb jutierläffigfte unter ben auf un§ 
gefommenen ju betrad)ten fein. 

©elbft ber franjöfifd^e ©efanbte jeigt fid^ nur nod^ am 
Sage ber eingetretenen SiobeSgefatir am 21. Suli gut unteres 
rid^tet:^) ba geid^nete er nod^ bie fd^limme SBenbung ber 
Äranllieit auf unb bafe ber ^ßrinj gebeid^tet, aber in brei 
5;agen ben %oi> ju ertoarten^) i^abe. ©afe er am %oit&^ 
tage, toie fo öiele Slnbere, bie Seid^e fal^, tperben toir nod^ 
äu erörtern l^aben. SBon ber Königin erfuhr er nur, ba§ 
biefe il)re SKutter ,anflel)e, berart ju tierfal^ren, bafe ©panien* 
,toiffe, eS mißfalle if)r, bafe ber Äönig l3on ©panien feinen' 
,©o^n öerloren l^abe*. SBirliaben früher (©.217 f.) gefe^en, 
bafe ber franjöfifdie §of tro^ beg SSerlufteg feiner ©epefd^en 
an be§ ^ßrinjen %oi glaubte; er legte S^rauer an unb 
geriet]^ barüber in eine tounberlid^e S)ifferenj mit bem 



1) Gachard, biblioth. nat. ä Paris 11 259 bl8 262 unb S)on eorlo» 
697 bis 699. ^benbafelbft p. 691 btS 697 beS Äönlg« unb bc8 Sf^unHuS 
Briefe, p.'699 bl8 705 bie ^Relationen ber ©efanbtcn öon SSencbig, 
gloren^, ®enua, p. 766, ein italienitd^er broud^barcr Scricj^t an bie 
englifd^e 9legierung p. 707, ein nod^ befferer ouS S3erfoja'8 fritlfc^er 
©ammlung, ber aber, toie p^ fofort crglebt, auS ber römif(i^en ge* 
fd^rlebenen S^itung mit bem ®atum 3Rabrib, 25. Sit'ti genommen ift. 
S)ietric^ftein'g iBerid&t über 3)on Darios' 5lbleben fc^eint feit langer 
3eit, fidler feit ber ÜJiitte biefeS Sa^rl^unbertS, toerloren. 

2) et ne sQauräit etre en vie d'icy ä trois jours. Bibl. nat. II. 260. 



3)eS $rinjcn ^infc^eibcn. 273 

fpanifd^en SSotfcf)after. ©eit bem 13. Suli Iiatte bod& gour^ 
qucöaulj bcn Äönig nic^t gefc^cn, junäd^ft tocgcn ber Anfangt 
leidet, bann immer ftärfer auftrctcnbcn ®xä)U, genauer ^oia^ 
graleiben^ be^felben; feit bem 21. 3uli toax 5ßl^ilipp II. auc^ 
überfiaupt für feinen JSotfd^after met)r ju fpred^en. ®r ent^^ 
f ernte fid^ am 27. ober 29. öon STOabrib unb blieb meift 
ganj einfam, toie e§ fd^eint nur für SRut) ©omej jugänglid^, 
big jum 21. September. ^njtDtfdEien I)atte er, nad^ ber 
SKabriber fird^Ii^en Srauerfeier für feinen ©o^n am 10. 
unb 11. SCuguft, bcn ©efanbten tpieber Slubienjen ju geben 
begonnen^), ©ine neue Srfranfung ber Königin Ijemmte 
bem Söotfd^after instpifcften auc^ üon biefer ©eite STOittel 
ber Information. 

Sttoag beffer ift fetbftüerftänblic^ in biefem galle ber 
SRuntiug unterrid^tet; aber auc§ feine ©epefc^e bringt !aum 
er^eblidfie ß^f^^e ju ben, in bem officietten 9iunbfcf|reiben 
unb in bem Snnöbruder beutfc^en Serid^te entfialtenen 
Sttac^ri^ten, n)äf)renb bie Äranffieitögef^ic^te an Überfid^t= 
lid^Ieit unb ^ßünltlic^Ieit ju toünfc^en Idfet. $Rur öon il|m 
erfäl^rt man boi^, bafe 2)on ©arlo^ bei ber gefä^rlid^en 
SSenbung ber Äranf^eit juerft, tootil am 20. Suli, bc^ 
Seid^töaterg toie be§ Slrjteg |)ilfe jurüdEmieö. 2)ann fei 
plö^Iic^, toot)! am 21. 3uli, eine SBanblung in feinem 
ganjen SBefen mit S3ereittt»iUig!eit für geiftlid^en tüie ärgt^ 
lid^en ®eiftanb eingetreten. 9ioc^ an biefem Xage Iiabe er 
feinen S^ob, mit artigen SBorten für bie 99emüt)ungen, auf 
ben 24. 3uli, bie ©anft Sacob^-Sßigilie, öorau^gefagt. SWac^ 
feinem SBunfd^e t)abe er fein frommet Snbein granjigfaner* 



1) SKabriber 3cit""9 über bie ^rauerfeier unb ^rebigt, 3oi)a8 an 
?llba über bie Slubtenjen am 14. ^litguft 1568. Doc. escog. p, 421 
unb 411. 3SgI. ben Sln^ang. 

Sübtnger, 2)on Sarlod' $aft unb Zoh. -^^ 



274 S)ie Äataftropl^e. 

Heibung gcfunben, ttjctc^er bann nod^ bte ©omtnifancrfctpuäc 
beigefügt iDurbe. S)a§ entjprid^t in ber %i)at ben t)on un§ 
(©. 123) in feinem erften Xeftamente betrachteten SSeftimmungen 
über biefe beiben Drben. 9iur öon bem 9?untiu§ tiernimmt 
man überbieg, bafe ber Äönig aud^ ber Königin unb ber 
^ßrinjeffin Sotianna SBefud) ,afö beiben S:i|eilen unjuträgli^* 
nid^t äugelaffen ^ot. Über ben Sönig bemerf t ber SRuntiuS noä), 
iDaS nid^t eben tüat)rfd^einlidö ift: ,id| glaube, bafe er im Slnfange* 
,bag ©dilimme nid^t geglaubt, fonbern e^ für SSerftettung ge^* 
,]^alten !^at, um auö bem ©eföngniffe lebig unb frei gelaffen* 
,äu toerben. Sd^ öernel^me, bafe ber Sönig biefen %o\> fel&r* 
,em|)funben l^at, aber atö ©l^rift mit ®ebulb ertragt*. S)ie 
gormen fönigIidE|er Seftattung, bei tuetd&er ber ©arg ftetS 
Don (äranben getragen tourbe, finbet ber ))clpftlid^e ©efanbte 
,eincm foIdt)en ^ßrinjen entfpredt|enb*. 2)er franjöfifd^e ®e^ 
fanbte fprid^t bod^ am 1. ?luguft feine SSertounberung auS, 
bafe bie S^raueröorfd^riften tpie für einen Sönig angeorbnet, 
atte Söett»ol)ner t)on 3Rabrib neun S^age ju fd^tparjer Äleibung, 
§of unb StngefteHte für ein Sa^r 5ur S^rauer genötl^igt 
njurben. 

SBon be§ Sönigg perfönlid^en, burd^auS in einfad^er 
SBaI)rf)eit getialtenen ©riefen über ba^ Sreigni^ finb bie, an ben 
Äaifer ttjie ben ^apft unb %lba gerid^teten nur burd^ 3luöbrüde 
toarmer unb banibarer Smpfinbung für baS fromme unb reue^ 
bolle 5lbleben beö ©o^ne^ bemerlenötoert^. Slud^ l^ierüber, bod§ 
erregter unb augfüI)rKd)er, fd^reibt er an bie Äaiferin; aber 
biefe geliebtefte ©cEitoefter erinnert er an bie Srleid^terung, 
toeld^e if)m ber ©ebanlen an il^r järtlid^ gefd^mifterlid^eS 
SSerpItnig getoä^re unb fein ©lauben an bie 3BirffamIeit 
i^rer ®ebete für i^n felbfi S)er nad^ tierfd^iebenen ©eiten 
fet)r bele^renben 3;obeganäeige an ben Sräljerjog gerbinanb 



3)eS ^tinjcn ^inf(i§eiben. 275 

tocrbcn tpir noc^ in einem anbern ß^f^^^^^^iange ju Qt^ 
benfen I)aben. 

aSie geringen SBert^ l^aben i>o^ unter biefen Umftänben 
beg Denetianifd^en ©efanbten unb ferner ©tel^enbcr Söemer- 
fangen über 5ßl)ilipp'g betoälirte »grofee §ärte ja ©raufant^' 
,feit* burd^ Jiid^tgetoäfirung be^ S5efud)eg bei. bem fterben- 
ben ^ßrinjen öon feiner unb ber furftlid^en ©amen unb 
,2lnberer* ©eite. 3)od^ mu§ man fagen, ba§ bie erfte ita^^ 
lienifc^e^ natürtid^ nur gefd|riebene 3^itung, tueld^e bon dtom 
auö bem Staifcr jufam ^) unb bie au^fülirlid^e Xobeönad^rii^t 
unter bem S)atum 3Rabrib 25. SuU entf)ielt, bereite öor 
,anberen SReuigfeiten unb abtoeid^enben SReinungen' aud^ 
über bie Urfac^e beS %o\>t^ tparnt, tpcld^e im 9SoIIe um^ 
laufen 2). S)er SSerfaffer ift über mandEie Singe beffer unter* 
rid^tet, al8 bie brei n)eltlid^en italienifd^en ©efanbten, nament^ 
lid^ über bie le^tmiUigen SSerfügungen. ®r juerft ertoalint, 
bafe 2)on GartoS unmittelbar öor bem i^m afe nal^e be* 
öorftel^enb angefünbigten Xobe bie Umftel)enben, ju benen 
aud^ ber fonft allein genannte SBeic^töater gehört, erfud^t 
l^abe, i^n ju unterftü^en, bag öon Äaifer Äar( V. Sippen 
in ber ©terbeftunbe gef)örte ®ebet ju fpred^en. ,2)a über=** 
,famen i^n QudnnQtn, unter benen er berf d^ieb* ^). (£§ finb 



1) SSiener ©taatSarci^ito Slomano 1568. 2in!§ neben bem ganzen 
Scrld^te über S)on ßarloS' Zoh gel^t ein [(ä^ioorjer Xintenftrid^, »eld^er 
nad^ mir gütig mitgetl^eUter, auf eine Unterfu(S^ung mit ber Supe be- 
grünbetcr ^nftc^t nicht Diel jünger alS bie ©c^rift felbft ift unb auf 
beS ÄaiferS ^onb jurüdgel^en !önnte. S)a8 Schreiben bürfte mit ber 
om 4. (SeJ)tember auS 9lom abgegangenen, am 19. bem ^aifer ju= 
gelommenen ©enbung beS ®rafen Slrco angelangt fein. 

2) che il volgo publica. 

3) che raiutassero a dir una oraüone che diese Timperatore 
CarlOi quando mori, et all' hora lo soprapresero parasismi, per i 

18* 



276 ^ic Äataftroj)]^c. 

bic ,©d^m)ferletn*, öon bencn bcr Snngbrucfcr SBertd^t mclbct 

2)ic 3^^^^^8 9^^^* ^^^tt ^i^ ^^^^ fi^^^ ä" beutenbc SRa^^ 
rid^t: ,in bicfcm SWomente mad^tc bic SKajeftat be§ ffiönigö* 
eine Srjcigung als SSater tpal^rl^aftig tüic er toar*. 3Bir 
Jüiffcn, toie bcr Äönig itid^tö t)on bcn Sußcrungcn feiner 
®cfüt)Ic inä $ßubltfum bringen laffcn ntod^tc. S)ie fcitfamen 
SBorte börftcn bemnad^ nur anbeuten, bafe bcr burd^ Oid^t 
an ben ©cffel gcfeffcite Äönig im ©todEtoerfe über bcm 
©terbcjimmcr, öon bent ©intritte bcr legten ß^^wngen be== 
nadEirid^tigt, in öäterlid^em ©d^meräc bcn bcriorcnen ©o^n 
bcr göttlid^cn ®nabc cmpfol^Ien l^abc. 

JBci ßabrera (III, 5) finbet fid§ eine, öcmtutl^Iid^ au^ 
gcftcigcrtcr Überlieferung biefer S^fiatfad^c entftanbene ^ad)^ 
ritfjt übtt biefe Siebegäufecrung beg SSaterS. ,(£inige ©tun*' 
,bcn t)or feinem Eintritte, jn^ifd^cn bcn ©d^ultern bcö ^rior* 
,2(ntonio unb SRu^'S ®omej, crtl^citte er it)m feinen ©egen* 
,unb jog fidi in fein ßii"^^^^ äurüdE mit größerem ©d^merj* 
,unb njcnigcr ©orge/ S)a6 bcr Äönig »jtüifd^cn ben ©d^ul*' 
,tcrn\ b. I). auf bic Slrmc jener beiben ^erren geftü^t, bic 
©cgcnSlDortc auSfprad^, giebt bcm SBcrid^tc infofern SBal^r^ 
fdE)einIitf)feit, al§- ^t)ilip|3 II. in biefer SRad^t burd^ fein ^o^ 
bagra allein ju get)n get)inbert toar. 2)cnnod^ fd^eint mir bic 
9Ji^tf|enbilbung au^ bcr in be^ Äönigg eigenem ®cma^e 
erfolgten t)äterlid)en Siebeöbeäcigung toa^rfd^einlid^er. 



quali mancö. Et in questo ponto la Maestä del Rli fece dimo- 
stratione di Padre veramente come gVera. f&d SBerfoja (ügl. oben 
6. 271 Slnm. 1) lieft man nad^ Timperatore: il quäl sia in gloria, 
quando morl. Gli (?) presero alcuni parosismi et Sua Maestä. fece 
etfetto di padre. S)ie bun!(e Slnbeutung tft burc^ bie SBcr&nberung 
nid^t l^eüer aetoorben. 



Settiplflige Slnorbnungcn. 277 

2lm 22. 3ult bicticrtc ber ^rinj ein ä^^teg STeftament 
bentfclbcn, nunmel)r it)m sugetpiefenen ^) ©ccretär, toeld^er 
t)or jel^n Scil^tcn bcn gleidien ©icnft feinem ©rofebater er^ 
tüiefen f)atte. Über ben 3nl)alt beöfelben finb tt»ir nic^t mel)r 
nad^ bem Driginale unterrid^tet, tueld^e^ mit ben übrigen 
®on ©artog betreffenben $ßapieren au§ 5ßf|ilipp'g IL 3la6)^ 
lafe im ©eptember 1598 berbrannt toorben fein toirb. S)od^ 
liegen in bem italienifc^en, an ben englifd^en §of gelangten 
Serid^te öom 1. 3Ingnft, in bem beö benetianifd£)en ©efanbten 
öom 31. 3uli,in ber ß^itwng bom 25. Suli nnb in einer %n^ 
ioijl, einjelne biefer Slngaben beftätigenber 9ted[)nnng§auf jeid^^ 
nungen ^ au§ ben näd^ften Sauren im Slrc^ibe t)on ©imancaö, 
Slnl^altgpnnfte genug bor, toeld^e fd^on bem beretoigten §errn 
®adE|arb ermöglid^t ^aben, bie toefentlic^en le^ttoiüigen 2ln^ 
orbnungen äufammenäufteHen. . @g ift bie SSerfügung über 
einen großen fürftlid^en S^ad^Iafe, freilid^ aud^ mit Oeftänbni^ 
öon ©d^ulben, toeld^e bem boppeften Setrage ber mütterlidt)en 
©rbfd^aft gleidjfommen. S)er Äönig tuirb mit bemüt^iger 
Sitte um Vergebung unb freunblid)eg ®ebäc{)tniä um it)re 
Tilgung gebeten. ®en greunben unb ben früljeren Wienern 
iDie ben §erren, toeldfie if|n ju betoad^en l^atten, tperben 
SBorte beS ©an!eä unb Segate ju 2^eil, größere bem SBeid^t= 



1) S)a§ entnel^tnc id^ freiließ mit ®ac^arb 607 nur ßabrero a. o. 
£). 496. 

2) Coleccion de documentos para la historia de fispaüa XXVII 
95, 96, 114—117 aud§ fc^on öon ©ad^arb 609 benuft, bem jtoar nic^t 
bie 8eitw^9 ^^^ 25. jjuli, aber ber für ben ^eftamentSatoed auS* 
rdd^cnbc ^uS^ug bei Serfoja ebenfalls ju ®ebote ftanb. ^gl. oben 
©. 271 ?(nm. unb @. 276 5lnm. S)a8 öon bem SBeid^toater 3)iego 
be G^aöeS am 14. Sluguft für ben ®arberobemeifter auägeftellte 6er= 



278 3)ie ÄatQftToj)]^c 

batet, einigen Älöftern unb Äird^en. ^aä) ben 9fied^nnng§' 
baten p fd|üe§en, I|at ber Slönig bie Segate bod^, minbeften^ 
fo tpeit fie geiftlic^er Slrt toaren, erft nad^ jtoei unb brei 
Satiren, bieHeid^t auf SBunfc^ ber neuen Königin Stnna, ben 
Setreffenben übergeben laffen. 



Cobtettfdiait. 

STOit forgfältigem ©el^eimnig toar bie ©d^mad^ be^ SBal^n^ 
finneg, an toeld^em ber Xlironerbe litt, berpHt toorben. 
2)te fible SRad^rebe begann fd^on in Söiabrib, toie bie SBar^ 
nungen bor SSuIgfirgerüdE)ten betoeifen. S)ann btibeten fid^ 
bornel^mlidEi in Stauen unb grantreid^ rafd^ genug fiber 
Äranffieit unb @nbe beg bertiafteten 5ßrinjen 9K^tf|en, toeld^e 
im Saläre 1606 minbeften§ für bie S^obe^art jum Sufeerften 
gelangt ftnb. S)a liefe 5ß. STOattl^ieu ^) in feiner ®efdE|id^te 
i5ranfreid^'§ in 5ßari§ bruden, S)on 6arIo§ fei tpegen 3Ser== 
binbung mit ^äretifern bon ber Snquifition für einen Steuer 
erflärt, n)egen 3Rorbabfi(^t gegen feinen Sßater aber jur ^in^ 
ridf)titng berurtt)eilt unb biefe bon bier ©ctoben burd^ ®r^ 
broffelung bottjogen tDorben: Slnbere Iiaben bann (Sntliaup^ 
tung ju erfinben borgejogen. S)a fei)Ite nur nod^ ein 
Siebe8berl)ältni§ mit ber fd^önen S!önigin (Slifabetl^ unb 
biefeg I)at ber ©abo^arbe ©aint 9ieal in ber jn)eiten §älftc 



tificat a. a. D. XXVIl 114 Bered^ti(Ht benfelben nur jur Übergabe ge* 
»Iffer ©egenftänbe an eine Slnjal^l bomel^mer Ferren, ffiut) ®omej unb 
ber ^erjog bon Sltofeco an ber ©pl^e, unb an ein SijonnenHofter. 
Slnbere SSergabungen, ttegen beren bie ©rben beS ©aberobenteifterS 
nad^ beffen Xobe 1584 ©ntfd^äbigungen öerlangen, fd^einen htm ©etc^t« 
öater nld^t alS öon htm ^rinjen angeorbnet belannt gemefen ju fein. 
1) 9lanfe jur ©efdöic^te beS S)on daxM 234. 



2:obtcnWau. 279 

bicfe^ 17. 3al)r^unbertg geliefert. Si« l^eute tDirlt feine 
©rfinbung burd^ ^) ©d^iHerg unfterblic^e Sichtung nad^. 

Sn ber %ijat ^at beS ^ingefd^iebenen gatniüe, junädift 
ber fiönig, nid^tö berfdumt, um über bic 9?atürlid^Ieit be§ 
Xobeg biefeg unglüdlid^en gürften feinen B^^^f^^ ä« toffen. 
S)er an bie SRegierung bon ©nglanb gefomntene . anonyme 
©erid^t t)om 1. Sluguft 1568 beginnt: ,3lm 24. Suli ftarb* 
,ber 5ßrinä Äarl unb tüurbe an bemfelben Slbenb mit bieler* 
,geierlid^feit geöffnet unb eö tourben il^m bie ©ingetoeibe* 
»aufgenommen*. ®er, mit biefen nur bie ©ection betreffen* 
ben SBorten gefd^ilberten, (Sinbalfamterung gieng aber ba§ 
l^ierauf in gefd^ad^elten ^ßarticipialfä^en erjäl^Itc 3Serfa]^ren 
öorauä, toeld^eg bie eigentli^e geierlid^Ieit au^mad^tc. ,®ö* 
,tüaren jubor bie ©efanbten unb aQe ®ro§en beö §ofc8* 
,5um föniglid^en ^ßalafte gegangen.' 6^ gefd^a^ ,in bem* 
,3immer, in toeld^em fein ^bxptx fid^ befanb. Sltö fie l^ier* 
,gegenn)drtig n»aren, liefe 9iu^ ©omej bie Urfunbe ber 3^** 
»rüdEfteÜung (restitutione) auffegen, bafe, nadt)bem er bon' 
,©einer STOajeftät bie Seitung (goverao) be^ genannten' 
j^rinjen erhalten ^abt, er i^n gegenn)ftrtig in ber SBeife' 
jjurüdEftelle, in tüelc^er er fid^ nad^ ®otteg ©efallen finbe/ 
,tüorauf einige bon benen, »eld^e il^m gebient Ratten, be** 
»ftätigten, bafe e^ fein Äörper fei. hierauf tourbc er bon* 
,ben Ferren ©rauben in einen Söleifarg get)o6en unb in bie' 
jÄird^e getoiffer 9?onnen getragen, begleitet bon bem ganjen' 
,in 2;rauer gefleibeten $ofe. JRad^bem ber OotteSbienft be*' 
,enbet toar, njurbe genannter Siörper in gleii^er SBeife,' b. 1^. 



1) Sluf einige 3»ifc&engUebcr meift §in: Submig feiger, ju ©d^ittefS 
S)on ©orloS. ^Beilage jur (SRünc^cner) ungemeinen StiUinq 1891 9^. 
33, 2. gebruar. 



280 S)ic Äataftropl^c. 

too^I mit 3l6faffung einer jtoeiten Urfunbe ,|)roöifj)rifc^ bei* 
,Slbtei übergeben, im ©l^ore beigefe^t, um il)n fpäter in bie* 
,im ©au befinblid^c Sird^e beS S^curial ju tragen*. S)en 
®efanbten mufe bei ber geierlid)feit unb Sinbalfamierung im 
Xt)urmjimmer be§ ^alafteä ber Slnblic! ber Sei^e f<t|tper, aber 
in ber fiürd^e ermöglid^t getpefen fein. 3Rinbefteng fc^reibt ber 
franjöfifd^e SBotfdjafter ^) am 26. Suli: ,3c^ ^abe ^ein ®e^* 
,fid^t gefeiten, ate man il^n bei ben ©ominilanerinnen bei** 
,fefete. eg toar ni^t burd) bie Äranlljeit entfteUt (deflfait)/ 
,aufeer ba§ e^ ein tuenig gelb toar, aber id^ berne^me — ' 
tt»oI|l öon ben bei ber §ebung be§ Seid^namö befd)äftigt ge* 
iDefenen ©rauben — ,ba§ er nid^tg atö bie ®ebeine am* 
,3iefte (par le suplus) beg ^bxptx^ ^atte'. SBie eS fd)eint, 
ift felbft bei ber proöiforifd)en Söeifegung junäd^ft ber SÖIei^ 
farg offen ober bod^ ba^ 9lntli^ fid^tbar geblieben. 

2)er »ericfit beg SRuntiu^ öom 27. Suli Iä§t fid^ auf btc 
2;obtenfd^au nid^t ein, bient aber jur (grgauäung ber beiben 
anberen. ,S)aö gemeine SSoI! jeigt barob ©d^merj unb auc^* 
,®nige bon ben Sßornefimften unb ©rauben ©panienö/ 
,toeId|e uidEjt an t)er ^Regierung finb (govemano), unb toeld^e* 
,in i^ren Käufern bleiben, ©elaben tpurben aüt ©efanbten/ 
,ben Sörper ju (Srabe ju geleiten. 2)er tourbe am 24.' 
^begraben, nad^bem ertoufinter Sörper immer t)on ben* 
,®ranben Spanien^, $)erjogen, SRarfgrafen, ®rafen unb* 
,^nberen, toelcfie fid^ am ^ofe fanben, getragen toorben toar.' 
,Unb er toarb begleitet t)on ben beiben grinsen üon Söölimen/ 
,inbem ber ältere in ber SKitte ätt»if^en bem Jüngern SSruber* 
,unb bem ©arbina^^ßräftbenten* (S^pinofa) ,gieng unb nad^* 



1) ©a^arb, 3)on (Sarlog 706, 698, 696 hk betreffenben »endete 
TiQcö englonb, granfreic^ unb 9iom. 



Xobtcnfcä^au. 281 

,il)nctt folgte bcr 9iuntiug in ber SWitte ber anbeten ©e-* 
»JQnbten t)on Äöntgcn, b. 1^. be§ Äaiferö, granfreid^S, ^or-* 
jtugafö unb SBenebtg'S — ^ßolen tt»urbe, öennuttilid^ »egen* 
»SSortrtttöftreitigfeit mit Portugal, nid^t berufen — ; bann' 
»folgte ber gange $of unb eine SDienge bon Seuten, 3lIIe' 
,in S^rauer unb mit einem, für einen fold^en ^ßrinjen gejie^** 
,menben ^ompe.* 

aSenn aud^ nad^ biefem Sendete fid^ einige ©rauben 
t)om Xobtenbienfte jurüdEfiielten, fo toar ber Äönig bod§ ber 
©rgebenl^eit aller übrigen öoUfommen fidler, tt»ie au§ ben 
eben toiebergegebenen SBerid^ten unb auö ber früher (©. 259) 
ertoätinten Siffaboner ©ammlung il^rer Slnttoorten auf bie 
Slnjeige ber SBerliaftung beö ^rinjen I)ert)orgeI)t. 5lud^ 
i)at ber Äönig biefem für bie SSirffamleit feiner 9iegierung 
n)idötigften ©taube mit boHem SSertrauen unb §erjlid^feit 
ba^ ^infd^eiben feinet ©ol^neö gemelbet. 

©ine 3lbfd§rift be^ betreffenben SRunbfc^reibenö t)om 
27. 3uli finbet fid^ unter ben bem Äaifer im Saläre 1568 
angegangenen ^Briefen im SBiener ©taatöardöiöe. S)aö ©tücf 
geigt freilid) burd^ baö SBafferseid^en be^ ©d^tt»ane§ italie* 
nifd^e ^erfunft beö ^ßapiereg, fann aber nad^ ben früljer 
(©. 229 f) mitget^eilten Srfat)rungen beölialb bod§ in SD?a= 
brib gefd^rieben fein, toie benn aud^ bie Uberfd^rift fpanifc^ 
abgefaßt ift. ,So|)ie beS ©riefet ©einer SKajeftät an bie* 
©rauben Don ©panien über ben 2;ob feinet ©ol^ne^*. ,@r-' 
laud^ter SBetter! ©onnabenb, aU man 24 2:age beg SKonat^* 
,3uli ääf)Ite, {)at eö Unferm §ertn gefatten, ben burd^Iaud^=^* 
,tigften ^ßringen S)on ßarloS, unfern fef)r tl^euren unb fel^r' 
,geliebten ©o^n, ju fidE) ju nefimen, uadEjbem er bie ^eiligen' 
,©acramente mit großer ©etjotion brei S^age früt)er empfangen* 
,^atte. ©ein Gnbe toar fo d^riftlid^ unb ba^ eineä fo fat£)o*' 



282 ®^^ Äataftrop^e. 



. _cn ^rittäen, ba^ e§ ung t)tel 3;roft bei betn ©c^meräC 
lunb bem ßetbc gegeben f)at, tpelc^eS ic^ um feinen %oV 
,ttage. Sa^er foü man mit ®runb öon ®ott unb beffen' 
»erbarmen hoffen, ba§ er i^n ju fic^ genommen ^at, um* 
,bic (£n)igfeit ju geniefeen. §ieröon l)abe id^ ©uc^, toxt e§' 
,rec^t ift, benachrichtigen tpotten, bamit öon ©urer ©eitc bie* 
»»ejeugung unb Smpfinbung ftatt l)abe, toeldie ^erfömmlid)' 
,ift unb t)on Suc^ ate fo treuem SSaffatten unb Wiener er^' 
,n»artet tpirb/ 

fobeBanjeige an dtjljerjog ietbinanb. 

aSir l^aben ber am 26. Sanuar 1568 toie an anbere beutfdöe 
gürften, fo, mit ni^t thm er^eblid^en aSerdnberungen, aud^ 
an ben ©rjlieräog ^erbinanb ergangenen 5lnäeige bon be§ 
Sronprinäenbon©panienSSer]^aftung frü]^er(©.230f) gebadet. 
3Ran tooHe fi^ bei biefer füf)Ien, ob aud^ bic »lutgber^ 
toanbtfdiaft f)erborI)ebenben 3KittI)eilung bo^ bergegentDdr:= 
tigen, ba^ ber König mandien ®runb ju toärmeren 2;ötten 
biefem SSetter gegenüber gel^abt ptte. ^erbinanb toar laum 
jtpei 3a^re jünger ate W^^P f^^ft. ©r toar »cfierrfc^er 
eineg erl)ebli^en Sänbergebieteö, tpid^tig für bie ©ommuni^ 
cationen stoifd^en ben italienifd^en unb nieberlanbifd^en Se^ 
fi^ungen be§ Slönigg. Sturer Xirol gel^or^ten il^m aud^ 
bie fämmtlidC)en fd^toäbifd^^alemannifd^en (Sebietc beS §au* 
fe§ §ab§burg mit ©ufd^Iufe ber einen großen 3;^cil be§ 
eifafe begreifenben. S)aäu toar biefer erj^erjog bon ätoeifet 
lofer unb öielbetüä^rter !at^oIifd£)er ©eftnnung, redE)t nad^ 
5ß^ilip^3'§ ©inne, überbieS mafeboE unb entfd^Ioffen, in beS 
Sönig§ nieberldnbifd^en SSertoidEelungen ftetS ju tl^ätiger 
§ilfe bereit. S^ro^ aUebem gab eö aber eine Seite in gcr^ 



2:obe§an5eige an ©rj^erjog fjcrblnanb. 283 

binanb'g Seben, tüeld)e 5ß^itt^t)'g fürftlt^e ©tanbc§empfin:= 
bungen petnlidö berührte: feine ®^e mit einer Unebenbürtigen. 
©el)r ernft ^at ber Äönig t)on Spanien biefen Umfianb ge^ 
nommen unb nad^ feiner Situation tpol^l nel^men muffen. 
SRoc^ ätpölf Sa^rc nac^ 5ß^ilit)<)ine SBelfef g, im 2t<)ril 1580 
erfolgten, S^obe liefe er e§ lieber ^um nnöermeiblid^cn nnb 
befinitiüen Srud^e mit bem tirolifd^en SSetter lommen, ate 
bafe er einen ©o^n beSfelben tro^ gerbinanb'ö Sitte an bem 
fpanifd^en §ofe jugetaffen tiätte^). 

3)ie Sln^eige öon S)on Sarlo^' S^obe erfolgte jebod^ an 
benfelben (26. Snli 1568) mit $aul ^fin^ingg ganj ertrag^^ 
lid^em Äanjleibeutfd^ in I)erälid^ öernjanbtfd^aftlid^en formen. 

2)er 3BortIaut toirb tool}! äl^nlid) fein, toie an ben jüngften 
aSetter ©rjl^eräog Äarl, öon beffen in faiferüd^em Sluftrage 
äu getoärtigenber 31nlunft man im Sllcafar t)on SKabrib bei 
©intritt beS Sreigniffeg noc^ nid^t in Kenntnis gefegt toar. 
@8 toirb anjune^men fein, bafe bie ft)anifd^e SotfdEjaft in 
SBien bie bei be§ ©r^tieräogS 9ieife nad^ Spanien gegen^ 
ftanbglog geworbene Senad^rid^tigung jurücfgefenbet ober 
big auf toeitere Drbre jurüdgel^alten unb etnja nadE) beren 
Slnlangen öernid^tet t)at. SKögli^ertoeife taud^t fie aber bod^ 
nocf) in einem 5ßrot)inäialard|it)e auf. 

3n ber S^obe^angeige bejiel^t fid^ ber Siönig freilidE) barauf, 
bafe er feinem ,85otfd)after bei ber Saiferlid^en äKajeftät, S)em' 
,t)on ß^antona^, angeregten gaEeö t)alber alle* Ginjel£)eiten 
(,®elegen£)eit') fd^reiben unb biefer ben ©rjl^eräog nä^er ber^^ 
ftänbigen foUe. Stber nid^t öon bem Iranlen ß^antona^, 
fonbem öon bem in aufeerorbentlid^em Sluftrage in SBien 



1) Sofep^ ^irn, erj^craog gerbinonb 1 162ff. II 231—236, 339, 238. 



284 S)ic Äataftrop^c. 

aittoefcnbcn ätoettcn fpantf^cn ®efanbten Subtoig SSenccja^ 
ift bte ©cnbung am 28. 3luguft erfolgt S)iefcr lä^t \x6), 
ätoat in frf)öncr grofeer ©d^rift^), aber bod^ nur auf einer 
©eite mit folgenben, auö bem un§ befannten Siunbfci^reiben 
nad^Iäffig ejcert)ierten 3Borten Dernel^men. S)urd^ ben an* 
liegenben ©rief be^ Äönigg ,tpirb Sure §o^eit beme^men/ 
jtpie ®ott ben ^ßrinjen meinen |)errn am 23. Suli i)üt ju* 
,fid^ nef)men tüoQen. ®ie Sranf^eit tpurbe burd^ ©jceffe' 
,t)erurfad^t , todä)t ©eine §oI)eit getüolintermafeen macE)te/ 
,inbem er grüd^te afe unb SBaffer mit ©ig tranf. ®aö l^af 
,\f)n berart überlaben, bafe e^ if|n in t)ier ober fünf 3;agen* 
jjum §immel fenbete. ®er Äönig ätoeifelt nic^t an Surer* 
,§o^eit ®efül|l I)ierü6er, tpie red^t ift, unb er einem fo guten* 
jSSertpanbten ^Jad^rid^t ju geben nid^t unterlaffen lonnte^).* 
S)iefe bürftige Slufllfirung ift für ben ©rjlieräog burd^ ben 
©d^tufefa^ nid^t aufgeljoben toorben, njeld^er bie läppifd^e 
SBenbung mit bem 3Bunfd^e nad^ befferen ^Jeuigfeiten bringt 
unb beg 2lbreffaten burd^Iaud^tigfte 5ßerfon nad^ aller feiner 
bemütt)igen Wiener SSerlangen GJott befiel^It. S)ie nod^ fot 



1) S)ie gorm ift lool^I ettoaS ungeniert: Serenissimo Principe! 
Con esta embiö a Vuestra Alteza una carta del Rey que ha Uegado 
agora etc. ettt)Q§ fönuUd^er ift bod^ ber ©dftlug: De V. A» muy 
humilde cryado y sus sereniesimas manos beso. ©tottl^altcreiard^iö 
3nn8brudt. 

2) S^iaci^ ben oben (@. 284) emäl^nten ©inleitungSttJorten : (agora), 
por la quäl entendera V. A., como Dios ha querido llevar para sy 
al principe mi Sefior a los XXIII (sie!) de Julio. La enfennadad 
fue causado de excesos que hazia Su Alteza al solito en comer frutas 
y bever con yelo, y le cargö de tal manera, que en quatro o cinco 
dias le embiö al cielo, y no dubda el Rey, que V. AI* sentira esto, 
como es razon y como ä tan buen pariente no ha podido dexar de 
avisarselo. ^u« be§ ÄönigS mitgefenbeter Srief ift felbfttocrftänblicö 
in bemfelben 5lrd)löe »ie biefeä ©tüd erhalten. 



^obe^anjeigc an ©rjl^eraog gerbinanb. 285 

geitbe gormel be^ ^anbfuffe^ füllt bie fad^üd^en Süden ebenes 
fall^ itic^t auö. 

®er Äöntg beginnt toieber, toie bei ber §aftnacE)ri^t, 
mit feinem S^itel, beffen ©d^tufemort ,%'^xoV ber Srjlieräog 
in feiner Slnttuort tt»ie bamafö fo jefet aB eine Slnma^ung 
betrad)tet unb burci^ bag SSort ,2lrto^^* erfe^te: ,3Six ^ßl^iltpp* 
,t)on Ootteg ©naben Sinnig jn §i^panien, baiber ©icilien 2C/ 
jör^tierjog öon Dfterreid^, §er^og t)on SBnrgunbj, Sörabant/ 
jäRailanb 2.c. ©raüe ju §a6g))urg, glanbern nnb S;^roI 2c.' 
,embieten bem burd^Iaud^tigen gürften ^erren ^erbinanben* 
,(£r§I|er^ogen ju Öfterreid^, §er^ogen ju SSurgunbj ac, ©raöen* 
,äu §a6»))urg unb X^rol :c. Unferm befonbern freunblid^en* 
,Iieben SSettern Unfer greunbfc^afft, betterlic^en, genaigten* 
,gueten SBillen unb aöeö ®uete. S)urd)Ieud^tiger, befonber' 
jfreunbtlid^er lieber SSetter!* 9Kan fie^t, ttjie ber Sönig auf 
bag genauefte bie im beutfc^en 55ürftentf)ume unb fpecieü im 
IiabSburgifd^en |)aufe ü6IidE)en gprmen toatirt; aber eg tiiefee 
bie ®ebulb be^ Sefer^ bocf) auf eine stuedEIofe $robe fteÖen, 
tüenn idE) ben folgenben Sn^alt beg Söriefe^ in ben un^ 
bel^olfenen Sansleiformen beS fec^jefinten 3al)rl|unbertö ttjeiter 
öorlegen tüottte. 

Sn ,freunblid)er STOeinung unb mit befümmertem ®emüti)e* 
jeigt er an, ba§ ,toeilanb ber burtf)Iaud)tige gürft §err 6arP 
j^rinj ju §i§:panien 2C. unfer freunblid^ geliebter ©of)n öor* 
jtoenigen ^agen' unöerfefien^ in eine töbtüc^e Äranl£)eit ge^ 
fallen unb ,t)orgeftern am 24. biefeS SKonatö S«Ii um ein* 
,Uf|r t)or S^age geftorben fei/ tDobei ber religiöf en SSorbereitung 
unb Haltung be^fetben nod)matg in ben oben (©. 281) er:^ 
toäiinten formen gebadet ttjirb. ,Sr fei in (Sott üerfdEiieben* 
,mit großer 2lnbad^t unb trefflid^er innerer 9ieue unb Qtx^' 
»fnirfd^ung ganj d)rifttic^, gottfelig unb bermafeen bernünftig.* 



286 ^ic Stata\tvo\^f)t. 

2)cr leitete Slu^brucf ftimmt ju beö SJluntiu^ SBortcn, bafe t)or 
feinem S^obe ber gute (Seift in i^m gen)a^fen fei^). äuc^ 
ber ung julefet nod) in beui SBtiefe an bie ©ranben entgegen- 
getretene Sluöbrud ber überirbifd^en Hoffnungen für ben 
aSerftorbenen fel^It nid^t. S^nlid^ n)ie bem Saifer unb ^apfte 
toirb aud) biefem SSetter gefagt, er tperbe fid^ ,aug Slnleitung* 
,ber Statur unb beitDoI)nenbem SSerftanbe* ©cEimerj unb i)o\)t 
öelüntmernig be§ SSaterö borfteHen lönnen. Sr gibt übrigen^ 
aud^ ber Hoffnung Slugbrucf, bafe ®ott il^m nacE) einem 
fold^en STOi^gefdEiide ettt»a§ ©lüdEIid^eg ju 3;^eil toerben laffen, 
,UnS in Slnberem für fold^e^ Seib gnäbig ergoßen* toerbe. 

Sn einem befonbern ©a^e tpirb bann aud^ l^erborgel^oben, 
beS ÄönigS 3Rittf|eilung erfolge toegen naiver ,@^})fd^aft unb' 
,^Iuetgöertoant]^umS', mit toeld^er gerbinanb bem nun ^^obten 
,jugct^an getoefen' unb toeld^e aud^ ben Sönig berül^re; bem 
entfpred^enb fenne er ba§ if|m öon bem SBettcr ju %f)^l 
toerbenbe ,fummert)oIIe SÄitleib'. SBie in ben übrigen ))erfön* 
lid^en ^Briefen, am ftärfften an bie Äaiferin, toirb bod^ aud^ 
l^ier neben jener ^intoeifung auf bie ®efanbtennad^ricf)t be* 
merft, bafe ,bie bittige unb öäterlid^e Söefümmernig, toie @uer* 
,Siebben vernünftig ermeffen toerbenS burd^ ,bie vielfältige' 
,®rinnerung* fid^ ,nid^t minbert*, b. f). fteigert unb immer pein- 
lid^er »irb. S)odö tootte er ba§ in ©ottergeben^eit gebulbig 
unb banfbar ertragen. 

(£r fd^liefet bamit, er fei bem Srätierjog ,toie atoegen ju' 
,aHer freunblid^en, öertraulid^en SBittfälirigfeit ganj geneigt*, 
alfo frei Von jeber Sßerftimmung. 



1) . . . . pareva che quanto piü se gli augmentava il male et 
gli mancava la virtü, tanto piü gli crescesse lo spirito buono. 
®a(^arb, 2)on ©arloS 696. 



gamittenrcci^tlici^c 3lnfprü(^e ber 3lgnaten. 287 

2)er Sörief ift am 7. (Se|)tetnber in Stinäbrud angelangt, 
am 8. jur 2lnttt)ort beftimmt unb biefc ift am 14. abgcfd^Ioffen 
njorbcn. ßum SScrftänbniffc biefcr Slnttoort finb bod^ no^ 
anbete ©rtoägungen erforberlid^. 



iamtliettreditlidie ^nfptudie ber Agnaten. 

SBie toeit ein SntmunbigungS^ unb ^aftüerfal^ren gegen 
einen jtDeiunbätt)anäigiäi|rigen ^ßrinjen beS l^abSburgifd^en 
gürftenl)aufe§, einen ©rjl^eräog, of)ne 3^ii^^^^9 ^^^^^ ^^^' 
milienrat^eö nad^ ^erfommen ober SSorfd^rift juläffig toar, 
ift mit bem nnä ju ©ebote ftel^enben SKateriale nid^t be* 
ftimmt 5U fagen. SBir I)aben frül^er bemerft, toie auöbrüdE* 
lid^ ber König bei ber Senad^rid^tigung beö ffiaiferS bon ber 
©nfperrung be§ ^l^ronerben toeitere SBeratl^ung mit biefem 
feinem ©dEftoager unb SSetter unb ebentueHem ©d^toiegerbater 
beS ^ringen in SluSfid^t ftettte. §ier lommt benn bod^ aud^ 
ber SBortlaut in SSetrad^t^ .Unb toeil über bag, toaä im' 
,gortgange biefer 2lngelegenf)eit toeiter folgen toirb, unb über* 
,SlUeg, toorüber babei ©urer $oi)eit SenntniS ju geben fein' 
,hjirb, id^ jur Senad^rid^tigung in fo einge{|enber SBetfe' 
,fd^tctten toerbe, toie e8 unfer brüberlid)eg 9Sert)ättni§ öer** 
,Iangt, f o »erbe id^ nunmehr biefeö mit ber faiferlii^en ^erfon* 
,6urer §o]^eit, njeldtfe ®ott fd^ügen möge, nad^ SBunfdEie ju' 



1) Y porque de lo que mas sucediere en el progreso d'este 
negocio, y de iodo lo que en el huviere de que dar noticia a Yuesiara 
Alteza le yre avisando tan paiticularmente, como lo requiere nuestra 
hermandad, acabar^ agora (?) esta con, que Dios guarde, la imperial 
persona de V. Alt» como deseo. $]^ili<)<) an SKofimilian IL am 
21. ganuar 1568. ®ad^orb a. a. O. 652. Sgl. oben @. 251. 



288 ^i<: ^ataftropl^e. 

,(Snbc futiren.' Slufecr bem crtoäl^nten Jjcrfönlid^cn SScrpItniffc 
ju bcm SBctter unb ©d^toagcr cricnnt, tüic c8 f d^etnt, ^ß^ilipp 
bcti tcd^tlid^cn STnfprud^ bcgfctbcn an, bei aUcn tDeitcrcn 
©d^ritten in bctn SBerfal^rcit gegen ®on ßarloS um fein &vlU 
ad^ten angegangen ju toerben. ©olci^en 5lnf|)rud^ l^at er afö 
ffiönig bon ©|)anten Siiemanb jugeftanben; er ertennt i^n an, 
toie mid^ biinft, bei einem ©liebe ber ^a686urgifd)en gamilie. 

Unb in gleid^em ©inne I)at aUem Stnfd^eine nad^, tro| 
einigen ©d^toanfen^, ber Staifer felbft fein, unb al3 ©enior 
beg beutfcJien QtotxQt^ ber gamilie, feiner beiben Srfiber 
SRed^t gefaxt, in biefer S^age neben Äöni^ 5ßl)ilipp mitju^ 
reben. ©elbftberftänblid^ gel)örte baju bie ©runblage ber 
geftfteHung bon nid^t eigentlid^em ober conftatiertcm SBa^n^ 
finne be^ $ßrinjen. ®iefe geftfteHung Iiattc ber Äaifer bon 
feinem S5otfd^after ©ietrid^ftein bei ©elegenl^eit ber öftere 
lid^en Kommunion beS ^ßrinjen in ber ®e))€fd^e öom 22. Slpril 
1568 mit bem günftigen, münblid^en 3^"fl^iff^ ^^^ S5eid^t* 
öaterS ertialten unb fid^, äufättig brei S^age nad^ S)on GarloS' 
2;obe, ju bem ganj eigen^nbigen ©riefe an ben Äönig ent^ 
fd^Ioffen, in tt)eIdE|em er am 27. Suli 1568 bie 3ntcrbention 
burd§ feinen jüngften SBruber, ben Srjl^erjog Äarl anlünbigt *), 
Don toeld^em übrigeng leine felbftdnbige STOeinungSäu^erung 
über bie 2)on Sarloö'-grage erl)alten ju fein fd^eint SBir 
ttjiffen, tt)ie rüdfid^töboH unb aud^ bem Äunbigen faum er^ 
fennbar, baö gefd£)a^. 

©dt)on jtüei S:age oorfier — in jenem bei SBetrad^tung 
ber nieberlänbifd^en 2lngelegenl)eiten (©. 63)2) tereitö er* 

1) Coleccion para la historia de Espafia XXVII 26 f. 

SSgl. übrigen^ oben ©. 164 fg. unb über baS in ^urter^S Elften über bcä 
^rinjen Stuftrag allein S3emer!te ©. 255 ^nm. 1. 

2) Sc^ benufe bie bort erwäl^nte, gum Steile ben SSortlaut gcbcnbc 
gütige SIRittl^eilung be§ SBriefeS öon f)erm ^rofeffor Dr. '^im. 



fjamilienred^tlld^e Slnfprüc^e bei* Signalen. 289 

tTjätinteit Sriefc, in toeld^em er fic^ bertoalirt, ,Tnit ©pamcn^ 
jUnter ber ©ecfc liegen* ju fotten — t)atte er feinem Sniber 
J^erbinanb t)on ber 5lbfic^t S^adjrid^t gegeben, liefen ©rief 
JU toürbigen, mögen folgenbe ©rtüägungen bienen. 

®ett)i§ läfet fidö bie öermutl^ete ,®ntfrembung ber §erjen* 
t)inter ben l^öflid^en formen beä fd^riftlid^en SSer!eI)re8 6ei:= 
ber SBrüber in biefen Salären nidit ertoeifen ^). S)ie ätt)ifd)en 
SBeiben fditoebenben, oft red^t ^jeinlidien ötonomif^en 
©ifferenjen, tt)ie fie bie SnnSbruder Sllten jeigen, fpred^en 
immerl)in, toie mid| biinlt, el)er für atö gegen bie 6ntfrem=^ 
bnng. Qnitvx entl^ätt eine ©epefd^e ©ietrid^ftein'^ eine 
Senaci^rid^tignng ,über bie 5ßratifen beö Srjfieräogg* in 
SRabrib, bor tüeld^en ber S!önig bereite t)on bem Äaifer 
getoarnt toorben tt)ar2). (gnblid^ ift bie entfd)Ioffen tatf)o^ 
lifd^e nnb ber ft)anifd^en ^ßolitif in ben SJiieberlanben, im 
©egenfage jnm Äaifer^), ganj offen günftige SInffaffung 
be§ SrätierjogS erl)eblid^, nm bie fdjtoer begreifliche ©elt* 
famfeit be^ ganzen faiferfid^en, naä) SnnSbrud gerid^teten 
JBriefeg Dom 25. 3nli jn tt)nrbigen, toeld^er für bie iJrage 
beS Snterbention^red^teö ber §ab§bnrgifd^en Slgnaten in ®on 
6arIoö^ 2lngelegenf)eiten immerljin toid)tig genng ift. 

6r beginnt mit ber ,befdE)toerIid^en Stmng nnb W^-' 
,t)erftanb* gtüifd^en bem Könige unb feinem ®oI)ne. (£§ fei 
,fo toeit gefommen, bafe feine Siebben gebad^teg ^rinjen' 
,^erfon in ßnftobi genommen unb bi^{)er barin gang ftreng-* 



1) ^im, ^rjl^erjog gerbtnanb II 91. 

2) 11. 3uU 1564. ^o6^ I 131. 

3) Über aJlajitnilianS II. überaus ättjeibeutige mib fd^tranlenbe 
Haltung in biefer aucft für bie aUgemeine europäifc^e $olitif fo überaus 
toid^tigen iJrage glaube t^ mid^ in hm betreffenben 5lbfcf)nitten ®. 
63 ff., fpecieH ©. 67 f. genügenb geäußert ju l^aben. 

©üb in 0er, 2)on SarloS' ^oft unb Xob. 19 



290 ®^e Äataftro<)l§e. 

Xi^, ha^ tl)m aud) aller ßugang abgeftrtdt, etttl^alten l^aben' 
,Iaffeu*. S)atin toirb über %IM& SSerfal^ren in ben SWcbcr^ 
lanben gcfprodien, toeld^c fd^tüterige unb ungebulbtge ©tttn^^ 
mung baSfelbc ,bet ßl^ur* unb gürften fammt gemeinen' 
,@tänben errege* unb in tt)ie fdömerslidiem SSerbad^t er, ber 
Äctifer, felbft l^iebei tt)egen unel^rlidjer ^anblungötoeife ge^ 
rcttl^e. Sn beiben ä[ngelegenl)eiten Iiabe er burd^ ben ®e^ 
fanbten fd^on emftlid^e SßorfteHungen mad^en laffen, aber 
öergebenö. S)eSl)aIb fjabe er befd^Ioffen ,unfern SBruber" 
,fiarp im Slitguft nad^ ©^janien ju fenben. 

^uflFalJuttg be0 (lrjl)erjog0 JFerbtnanb über Carlos' 

a^aft unb fob.i) 

®er ©rglierjog toirb t)ermnt!^lic§ öon bem Saifer ju 
einer SReinung^dufeerung afö SIgnat eingelaben tt)orben fein, 
njenn ba§ ©jcerpt beg Vorgelegten SBriefeS einen ©d^ln§ 
geftattet. (Sine fold^e fo^^rung Iiatte er bereits am 18. SRärj 
biefeö 3ctt)re§ abgefaßt. ®r !^at fie einem ©ecretär be§ auf 
bem UmfdE)Iage ftef)cnben, nid^t fidler ju lefenben 0iamen§ 
S)üring bictiert, beffen §anb aud^ fonft in ben Stften biefer 
Sal)re borfommt^). 



1) ^uf bie beiben Betreffcnben, toertl^öollen 5l!tenftü(fe l^at §err 
^rofeffor Dr. Slmolb SBuffon tnic^ aufmer!fam ju maö^tn bie ®üte 
gel^abt. Söejetd^nung unb %iid berfelben im QnnSbrucfet (5tatt^altcrei= 
ard^iöe lauten: einträfet 5l!ten n. 70 [unb 76. ,?ln bie ^e SBirbc 
gu $i§<5anien. ^Introort auf fein Slnjeigen, bag er hm ^rin^en ju 
^iS^anien in feinen getoonlid^en gimmem öertoaren laffen. 18. aJlartii 
anno 68/ ,©DntoIen^fd)reiben tüegen tobtlici^en SlbgangS be§ ^rtn^en 
ju |>i§:|3anien. 19. ©ejjtcmber anno 68.' 

2) greunbli^e SRittl^eilung be§ §ertn Dr. DSfar SRebli^ »om 
3nn§bruder 'äxdji'oe, welcher baS merfttjürbige, nid^t ganj leicj^t IcSbare 
5l!tenftüdE(jett:" AI70) mit mir ^u coüationieren fo gütig getoefcn tft. 



Sluffaffung be§ ©rsl^eräogä geröinanb über (Sarlog' ^aft u. %o\>. 291 



Sluf baö Sufeerftc ift gerbinanb ber ,ff)änigKd^cn SBirbc' 
,ju ^ifpanicn' gegenüber befßffen, feine eigeneSBürbe unb fürft* 
lid^e ©teHung ju toal^ren. (£§ fd^etnt if)m, toie ber Sefer au^ 
ben Bejeid^nenben, fogletd^ ju ertt)äf)nenben Sorrecturen beö 
erjl^eräogüd^en S)tctateö erfel)en toirb, nid^t entgangen ju 
fein, toie toenig rfidfii^töDott aud^ auf il^n, ben na^e 
t)ertDanbten beutfd^en gürften, ba§ allgemeine gormular 
tro| einiger, bie S8Iut8t)ertoanbtfd|aft betreffenber ^ßl^rafcn 
angetoenbet toorben fei. 3n biefem ©inne I)at man e8 ju 
t)erfte]^en, trenn er ben i^m geläufigen ©ingular, tt)o er 
ton fid^ rebet, in ben ^lural corrigtert; ,9Kid^' in ,UnöS ,3id^' 
in ,SBir'. ®r f)fitte baS aud^ il)m jugegangene, ,tt)ie in Ung ge* 
t^aneS©dörei6en nid^t atö ein ,freunblidöeg' bejeid^nen mögen. 
Äaum toar bie erfte ©t)Ibe biefeö SBorteg über feine Sippen 
gefommen, al8 er fie burd^ftreid^en liefe, ©elbft in ben 
erften SBorten biefeS S3riefe§ fdE)ien il)m bie SBieberl^oIung 
ber Slnrebeform ,!öniglid^e SBürbe unb Siebben' ju öiel Son^ 
ceffion. ^ieb unb ip. SBirbe' erfc^eint f ogar nad^ ben beiben 
?lnfang^filben ,3lug Sur' geftrid^en, tt)ie fpäter bie SBorte 
,§errn unb' bor ,5Setterö* bei S)on ©arlo^' erfter Srtodl^* 
nung. §iernad§ lautet ber erfte ®a^ beö S^ejte^: ,5luö ®ur' 
,unberm S)ato SWabrib ben 26ten näd^ft öerfc^inefe SÄonatö* 
,3anuarii toie in Ung getl^anen ©djreiben I)aben SBir mit* 
,grofeer SBetruebung Unfrei ®emüet§ unb fonberer Seff)üm^^ 
,berni^ öerftanben: toeld^ermafeen @uer Sieb unb f^ü« SBirbe* 
,aug fonbern eljafften (b. I). red^tmäfeigen) unb gan^ l^odE)-* 
,befuegten (b. 1^. fel)r tt)o^l begrünbeten), piHid^en Urfad^en* 
,unb Sebenlt)en unöermeibenlic^ unb nobrungenlid^ (b. 1^.* 
,not]^gebrungenerSBeife) betoeget unb öerurfad^t fet)n toorben,' 
,beg burd)leudE)tigiften dürften, Unfere§ freunblid^en, lieben' 
^SSetterg, be§ ^ßrinsen bon ^ifpanien :c. ^erfon in bereu' 

19* 



292 * ^ie Äataftrop^e. 

,Ste6 getüonblidien 3^"^^^^'^ ^^^ ®emad^ cinäiel^ett unb' 
,t)ertt)aren ju laffcn iC Stur int Slllgeineinen tüirb, tt)ie 
in ber ßufcfirift, fo in biefer Slnttoort, nod^ eben I)öflic§ 
genng, ber Slnläffe beö SlrrefteS gebadet. @§ gefd)ie^t aber 
bod^ fd^on I)ier unter [tarier §ert)or^ebung be§ fürftlid^en, 
red^t eigentlid) erälierjoglicEien SRed^te^ be§ nal)en SJern^anbten, 
beffen ®efangenfd^aft mit gcl)äuften SBorten afö Setrubni^ 
unb Äuntmer erregenb begeidinet toirb. 

3n gleidier SBeife fät)rt ber Sörief fort, bie bertoanbt* 
fdtjaftlid^e ©t)mpatl)ie bem 9Sater nid^t in l^ötiemi ©rabe aU 
bem ©oI)ne äu bereifen. S)e§ Settern UngtödE toirb atö eine, bem 
SSater bon ®ott auferlegte ©träfe, bie toegen^)flid^tmäfeigen ^n^ 
tereffeg für feine Untertl)anen berfügte |)aft be§ ©o{)ne§ afö ein 
jutraglid^eg, ganj boruberge^enbe^, böterlid^eg SSefferung^^ 
mittel erad^tet, in golge beffen ber 5ßrinj fid^ in ßulunft in 
bie gegebenen SSerpItniffe ju fügen tüiffen toerbe. S)er(Srä]^er* 
jog geftel)t bod^ nicf|t ju, bafe fold^e 3KitteI (SBege) Iiaben ,an' 
,bie §anb genommen tt)erben muffen*; er ftreidE|t biefe ätoei 
legten SBorte unb begnügt fid^ mit ber 2;i)atfad^e, bafe e^ 
gefd^at): ,tt)orben'. SRit feiner Söefferung, fo tjofft gerbinanb, 
ttjerbe ber ^rinj ,tt)ieber ju' be§ ÄönigS ,borigen bäterlid^en' 
,§ulben* gelangen, ftreid)t aber biefe, atö ^ine f)ier nodE) ju 
ftarfe, SRafinung unb fe^t bafür junädöft ein allgemeine^: 
,bal)in betoege*, um bie SBorte in rüdfid^t^boüerem ßufammen^ 
fiange tüieber p bringen. 

,Db beme SBir bann mit @uer ff)ü« SBirbe unb Sieb fo^* 
,tooI, aud^ feiner Sieb be^ ^ßrin^en I)alben, Unfer(er) für* 
,beiberfeit§ fo naf)enben 5ßluetgfreunbfd)afft unb Sßertoanb^* 
,nu§ nad^, ein befonber^ freunblid^ft, treuljer^igeft, innerlid^ff 
,3)iitleiben toegen* (b. I). tragen, empfinben); ,jtt)eiflen aber* 
,baruber gar nit, ©uer Sieb unb ff)ü« SBirbe toerben fid^* 



5tuffa))uiig bc8 ©r^l^cräogS gerbinanb über ©arloS' $aft u. Zoh. 293 

,ttt Übertragung (©rtragen) foHidieä 3ne äuegeftanbenen/ 
»großer S5cII)umbernu§ (Äutnmerg) aU ein d^rtftenlid^er* 
,S]^ünig, unb berfelben t)on bem 2lIImedE)tigen l^od^begebten/ 
,erleiid^ten SSerftanbe nad^, criftenlidEi unb bernünfftiglidö ju' 
,eräeigen unb ju tröften toüffen. Unb ob SBtr tüol aud^' 
,gar in I^einen ßtoeifel fatten — bafe burd) @uer Sieb unb' 
,ff)ü« SBirbe, tt)ie ©^ in 3rem ©einreiben Dermelben, nit' 
,allein bon berfelben, aud^ Sro Stünigreid^, gürftentl|umber/ 
,Sanben unb Seuten gemainer 9^u^ 9iuel)e unb SBoIfart* 
,tt)egen, fonbern aud^ feiner Sieb, bem 5ßringen felbft jum* 
,^eften unb Oebe^n (®ebei{)en), ate öon beut toolmainenben/ 
,for(g)ffeItigen SSatter unbemteibenlid^ foüidEie SBeje an bie' 
,|)änbe genomben tt)orben — , fo t)erf)offen toir aber bod)* 
,genfelid) ju ®ott bem Sldmec^tigen, fein Sieb ber 5ßrin|' 
,tt)erbe fid^ bermittelft ©einer ®öttlid)en ®nabe unb Sin^^* 
,gebung, in gegentüärbigem, feiner Sieb I^ümberlid^en, 3^** 
,ftanbe bermafeen erlennen unb bebenlf)en unb fid^ nunmer* 
,aIfo in bie ©ad^e fd)icE^en unb erfügen, barburdö er* 
,(Suer Sieb unb ff)ü« SBirbe bat)in betoege unb berurfad^e,' 
,fid^ gegen feiner Sieb I)ertüiberumben mit aller gnebigen' 
,t)ätterlid^en SKitterung (aKilbe) unb SBiberabfieUung bifeg* 
,gegen ime furgenombenen ernftlid^en 3Seg§ ju betoeifen, unb* 
,aIfo fein Sieb aHerbingft tüiber [ju borigen öäterlid^en* 
^ulben unb ®naben auf=^ unb anjunemben (nel^men).* 

hierauf folgt eine bringenbe SSorfteHung jur 9Serföf)nung 
mit bem ^ßrinjen unb greilaffung beöfelben, ba berfelbe 
nad^ beS ©rjl^eräogg Überjeugung unb beg ßönig^ eigener 
SSerfid^erung nid^tg 95eleibigenbe§ ober fonft Slrge^ gegen 
il|n berbrod^en, fonbern nur eine feltfame SRatur mit ents= 
fpred^enben Sßirfungen f)abe; aber biefer ganje merinjürbige 
Sbfa^ ift bon bem Srätjerjoge nad^träglid^ getilgt toorben. 



294 ^ic Äotaftrop^c. 

,®arfürl SBir benn umb fo t)iQ mcr fonberS (bcfonbcrsy 
,gütc utib alle tröftlidie Hoffnung ^abcn, tocil SBir t)on' 
,®iicr Sieb unb I{)ä« SBirbc öernatnben (t)ernal)mctt)/ 
,bafe f^c ein foHtd^ft (fei berart) — toie SBir benn aud^* 
,felbft anbetft nit öemtuetten nod^ glauben ft)ünben — , bafe* 
,tJon euer Sieb unb Ip« SBirbe foffic^ft ernftfiaffte gür^^' 
,nemben nid^t barumben (begf)alb) gegen feiner Sieb ben* 
,^rin^en befd^efin, baß Sie t)on feiner Sieb fo f)od^ unb* 
,befcf)toerlid^ belaibiget fein unb fein. Sieb ftd^ fonft fo toeit* 
,itnb fträfflid) gegen (Suer Sieb unb I{)ü« SBirbe öergeffen* 
,^tttt 2C., fonbern \>a^ bife§ nid^t anber^, bann allein' 
jfeiner Sieb angebome fonberbare Sligenfdfjafft berurfac^t* 
,unb erforbert.* 

2)er ©d^Iufeabfag fpricfit be^ ©rglieräog^ fromme, aE^^ 
gemeine, d^riftli^e, ganj befonberö aber bem in biefer 2ln* 
gclegenl)eit junäc^ft betroffenen öfterrei^ifdffen §errfd^er]^aufe 
geltenben SBünfd^e auf eine balbigfte, auc^ für ben ,geliebteften* 
5ßrinjen befriebigenbeunb eI)rent)oIIeS8eiIegung ber Angelegen* 
ijzxt mit einiger (gntfc^ulbigung feiner Dffenl)eit auö. ,S)er* 
,aflmed^tige gnebige ©ott tt)oQe t)ierfür fein gnebige ^ilff' 
,unb ®nab t)erleil)en, bafe foHidift juborberift feiner gött*' 
,IidE)en 5lIImad)t ju Sob unb (£I)re, ©uer Sieb unb f^« 2Birbe* 
,auc^ berfelben geliebteften unb betruebten @one unb unferm* 
,gan^en löblidEjen |)au§ DfterreidE) ju fdEjirifter* (balbigfter) 
,reid^Iid)er 3Bibererge^ung unb ^^roft unb bann ®uer Sieb* 
,unb !p" aSirbe, Spnigreii^en, gürftent^umben, Sanben* 
,unb Seutten, aud^ ingemain ber ganzen ©^riftenliait ju* 
jSRue^e, SBoIfart unb Slufnemben (SßortI)eiI) geraid^en.* 
,©omtf|ft ^aben (£uer Sieb unb Ip« SBirbe SBir auf ein** 
,gangen (em^^fangeneg) berfelben ©d^reiben unb angejaigten' 
jlaibigen ^w^ftcinbe freunbtlic^ unb ganj getreto mit laibent** 



Sluffaffung be§ ©rj^eraögS gerbinanb über ©arloS' $aft u. ^ob. 295 

jlicffcr SBoImrinung ttit öerl^alten fottcn nod^ tooEen, uttb' 
,t^uc barutnben @uct Sieb unb fftü« SESirbc Un§ aus freunb^^* 
,li^ctt unb bienftltd&cn S^eifeC^^) bcbcll)cn (bcfel^IenV 

9?ad^ btefer, tro^ aller formellen JRöcifi^tna^me, bod^ ganj 
unätoeibenttgen ^^erborfe^rung be§ agnatifd^en Stnfprud^g^^ 
red^teö innerl^att ber fjab^burgifd^en gamilie begreift man 
bie gleid^fam entfd^ulbigenbe unb überaus bertoanbtfc^aftlid^ 
gel^altene SCobe^anseige an ben ^x^ijtxiOQ, toeld^e tt)ir frül^er 
befprodien l^aben. S)a i)at benn ber regierenbe ^tn bon 
S^trol unb Sßorberöfterreii^ am 14. ©e|)tember 1568 aud^ 
fetnerfeitö überaus rüdEfid^töboE toarm unb anerfennenb ge^ 
anttoortet. S)te I)ier ebenfaEä ntd)t fel)lenben Gorrecturen 
be§ S)ictate§ finb formeEer unb rein fttitftifdier, einer Sr^^ 
örterung nid^t bebürfenber Slrt. Sd) tl^eile nur bie beiben 
einleitenben @ä§e in ber ©prad^e be§ Driginafö mit unb 
gebe für baS Übrige einen ben ©ebanfengang beg (Srjl^eräogg 
barlegenben Stu^jug. 

,2)em burd^Ieud^tigiften, grofemed^tigen gürften, §erm* 
,^I)iIi)}f en , Slunig ju §ift)amen, beeber ©iciEien ic, (Sr^-' 
M^H i^ Defterreid^, ^^tjog ju SSurgunbj, Srabanbt, SRai^' 
,Ianb, ©eibern 2C., ®raf 3u|)ab§purg, glannbern unb %x^' 
,tot)ö Unnferm freunbtiid) lieben §errn unb Sßettern em-' 
,bieten SBir gerbinanb, öon ®oteg ®naben ©r^Iieräog gu' 
,DefterreidE) , §er^og ju öurguubj 2C., ©rabe ju ^ab^purg' 
,unb S;t)roI 2c. Unnfern feinbttid^ guettt)iEig S)ienft unb toai' 
,SBir fonft Siebö unb ®uet§ bermugen beöor' (jubörberft). 
,5)urd)Ieu^tigifter, gro^me^tiger gurft, frunbtiidier, lieber* 
y^txx unb SSetter!' 

Sie 2;obe§nad^rid^t l^abe er mit befonberg betrübtem unb 
befd^toertem ©emütl^e ,t)erftanben*. ©r l^abe |)erfönlid^ bie 
grofee SSefümmerni^ unb ba^ ^erjeleib be^ ^önigg über ba^ 



296 ®te ^ataftro<)]§c. 

©reigni^ tüot)I erttjogen; e^ fei ba^felbe ein »laibig unb un*' 
,äeitIidE) gal(I)', gef)e aud^ il^m felbft ber SBIutööertoanbtfd^aft 
tialber mit JBetrübnig nal^e, toeld^e burd^ ba§ gottfelige 216= 
leben unb bie Hoffnung auf beg §ingefd^iebenen etüige 9iul)e 
unb ©eligleit gemilbert tüerbe. 2)er Sönig möge, in ®r= 
innerung an ba§ attgemeine unb unbermeiblid&e 3Renfd^en=^ 
gefd^icf be§ %obt^, afö Don ®ott mit f)oI)em SSerftanbe be^ 
gabt, gerul)en, biefe§ ^erjeleib in ©ottbertrauen ,au§ Sinn* 
,unb ©emütl^ abäutoenben'. ©r fd)Iiefet mit ber Sßerfidierung, 
ba§ er feinem 'frunbtlid^en lieben §errn unb SSettern mit' 
,I)ienfttt)iIIigfeit unb allem ®uten jum beften jugetlian* fei. 
©igenpnbig fcf)reibt ber ©rjlieräog bann nod^ auf ba§ 
^ktat ,ßo^)ei bem bon 2)ietri^ftein einsufdiliefeen'. @r 
l^atte an biefen fd&on SCagö borl^er einen Srief bictiert, 
ebenfalls mit Sorrecturen, in ttjeldjem ber ©efanbte, in 
fel)r ftricter gorm unb mit ®u angerebet, ba§ ,gnäbige S5e=* 
,get)ren' erfäljrt, bei perfönlid^er Übergabe be§ Sonbolenj^ 
fd)reiben§ ,f^inem beittjol^nenben SSerftanbe* gemäfe ben Sönig 
münblid) in beg erä^erjogö 9?amen ,äu S^roft unb Slbtüenbung' 
,ber Sefümmernig* ju ermahnen. 



Unb l^iemit l^ätten tt)ir feit jener @röffnung§feier ber 
©orte§, bon bem Raupte ber gamilie, bem Sfönige, unb feiner 
tjoffnung^boHen ®emal)lin tüie feiner in il^ren 6^eI)offnungen 
fd^nöbe getäufd)ten jungem ®^tt)efter angefangen, bie 
fämmtlid^en Slngel^örigen be§ ^errfd^erl)aufe§, ben @räl|eräog 
Sari aufgenommen, if)re ®efid)t^punfte über S)on ßarloö, 
feine §aft unb feinen %o\) geltenb madE)en feigen. 



©^lufe. 297 

feinen tt)oI)I6e9rünbeten Slnfprüd^en auf Untt)erfatf|errfd^aft 
t)on @uro^)a ift sufammengebrod^en. geuer \)at bte ur* 
ft^rünglidien B^^S^^ff^ ober bte Äataftro^)^e feinet älteften 
©ol^neg, geucr aud^ ben ?ßalaft öerjel^rt, in tt)eld)em ®on 
(Sarloö §aft unb ^ob gefunben f)at. 5lber bauem totrb für 
aUe Qtxttn baö SBüb be§ fd^merglid^en Sampfe^, toeld^er bent 
geifte^ftarlen, mdd^tigen Könige gegen bie jicllofen Srnft)rüd)e 
unb bie gefal^rboHen Slbfid^ten feinet fd)tt)ad^ftnnigen 2;{)ron= 
erben befcf)ieben tüar. 



ftftct Me MrfttttbetHmiUcatiütt bet ^an ^ctjogiit tjou «»«♦ 

(£rft toä^renb beg SDrucfcö btefeä »ud^eg ift mir bie für 
fijanifc^e ©efd^td^te ber fieben legten Sa^r^unbcrte mä) ber^ 
f d^tebencn ©eiten auffdiluferet^e ©ammlung bon Urfunben ju^ 
gefommen, bcrcn ©ruci if)rcrfeitö nad^ einer Sßotiä auf bem 
legten blatte (©. 611) am 30. SKärs 1891 in SKabrib be^ 
enbet toorbcn ift. ®a§ SBerf bringt auögetoö^Ite Urfunben, 
documentos escogidos, au3 bem Slrd^ibe beS $aufe§ Sllba; 
atö |)erau§ge6eritt nennt ftd^ la Duquesa de Berwick y 
Alba, condesa de Siruelai). SRit ber Slblürjung doc. es- 
cog. l^abe id) in ben Slnmerfungen, bon ©eite 121 an, Sitate 
au§ ber neuen ©ammlung gebrad^t. 

Sie, unfren ®egtfnftanb \ptdtU angel^enben ©tüdEe ge^en 
in bem SBerfe t)on ©. 401 bi§ 421 unten, ©te bilben einen 
befonberen Slbfd^nitt unter bem Sitel: ,Sriefe be§ 5ßrin^' 
,äen2)on ©arlog, ©o^ne§ 5ßl)ilipt)'§ II.,.unb SRad^rid^ten über* 
jfein Seben unb feinen %oi,^ 

aSie banlen^toertl) nun aud^ bie Slbbrüde finb, fo lann 



1) 3n bem erften 5lrtilel einer anjiel^enben unb über ben (S^ara!« 
ter tüie bie 5lbftd^t be§ 9ßer!eS inftructiöen S3ef^)re(^ung ber ©amm« 
lung t)on SBil^elm Saufer in ber Beilage S^iummer 174 jur (9Jlün(^cner) 
Slllgemeinen geitung toom 29. 3uli 1891 wirb für bie StuÄtoal^I ber 
Urhinben au(3^ Don ,bem 9?at^e be§ 5lrd^ibarg, ^on 5lntonio ^aj t) 
ajlelia* mit 5lc^tung geflprod^en. 



Sln^attcj. 299 

matt boc^ ntd|t fagen, ba§ fie SRadörtdE)tcn öon 6rl|cbltd§lett 
gegenübet bem fonft öorltegcnbcn äJJateriale gebrad^t Iiaben. 

SSon ben Jßttef en be§ ^rinäen t)at ftdö nur ber erfte (oben @. 
121) bertüertpar ettDtefen. ät)nIid|eS gilt bon einigen, auf be§ 
^rinjen §aft bejüglid^en ©d^reiben, namentlich bem gänglid^ 
äuftimmenben beS 99ifd^of§ unb ßleruä bon ßotboba (oben 
©. 259). S)ie gelef)tte |)erau3gebetin bemerft mit SRed^t, ba§ 
eine foId)e Stflärung be§ ©inbexftänbniffe^ mit ber ©infper^ 
rung be§ ^ßrinjen bon ©eiten ber (Seiftlid^feit bi3l)er nid^t 
gefunben toorben ift. 9?ad^ ber betreffenben SSerfügung in 
beä ßönig§ S^eftamente (oben @. 174) toerben aud^ tool^I 
biefe Slbreffen im |)erbfte beö 3cif|re§ 1598 Verbrannt toor^ 
ben fein. 

SSon ben ©d^retben be8 Sabinetgfecretär^ Q(it)a^ on ben 
^erjog bon 2llba, toeldje ©ienftpflid^t unb betjot freunb^ 
jd^aftlidEie SSertrauIii^feit öerbinben, l^at einige 9Wate ertoänfd^* 
ter ®ebraud^ gemadt)t n^erben !önnen (©. 201, 258, 272). SSon 
bem ©riefe ber ©ammlung ©. 407 Dom 24. Slpril 1568 über 
®rünbe unb SBirfungen ber bem geifte^franlen ^riuäen ge=5 
reid^ten ©ommunion I)abe id^ abfef)en muffen; ba§ SRotib, 
bie Äefeer mit il)ren für 2)on ©arloS^ (Stauben e^renrüt)rigen 
SBermutI)ungen jum ©dött)eigen ju bringen, l^aben tt)ir au^' 
biet befferen Duellen fennen gelernt (©. 107 f.), unb bie jtoei^ 
feinben ©d^lu^folgerungen über ba^ beüorftel^enbe ©nbe ber 
§aft be§ ^rinjen unb bie Iid)ten SnterbaHe bon ©eifteö^ 
IranlenO finb in be§ Äönigg SBriefe an feine Iaiferlid)e 

1) . . con que se caera el falso testimonio, que los hereges le 
querian levantar; pero tambien secierra la causa del detenimiento, 
que se decia del defecto natural; pero si fuera tan grande, no le 
dexara el confesor recibir el Santisimo Sacramento, aunque tambien 
ay dilucidos intervalos en los, que padescen semejantas faltas de na- 
turaleza. 



300 Sln^ang. 

©d^toefter (oben ©. 113) l^inlängltc^ jurüdgetoiefen. Um jo 
tütxti)\)oUtx finb (bgl. oben ©. 258) im »riefe öom 14. 
Sluguft 1568 bie ©. 410 mitget^eilten ©njel^eiten über ben 
bei ber ^onjjrinäeffin^^Sßitoe So^anna öon ^Portugal anSge^ 
brod^enen toilben SBafinfinn, toie man benn au§ bemfelben 
©einreiben unb, fo biel ifS) toeife, nur au§ biefem ©. 411 er:= 
fälirt, bafe bie beiben Snfantinnen bie früher bon S)on 6ar^ 
M innegefiabten SRdume jugetüiefen erl)ielten. 

SSon ©eite 414 bi§ 421 ift eine ,Sßad^rid^t (relaciön) üon* 
,bem SS;obe be§ ^ßringen S)on ©arlo^^ abgebrucit. S)er Unu 
fang biefeg ©tüdEeg ift jebod^ biet größer ju benfen, atö ber 
Slbbrnd seigt. ©n ^f)eit ift, tt)ie man ©. 415 erfährt, ber:= 
brannt/ fo bafe bon ben betreff enben aRittf)eiIungen nur 
»rudiftüie erfennbar toaren, todä)t forgfältig jur SSeröffent- 
lic^ung gebracht tüorben finb. »riefe beg^önigg über feinet 
©o^neg ^aft finb nac^ einer ?totiä auf ©eite 417 tüegge:^ 
laffen, toeit f^on bon ®a^arb Jjubliciert. »ebauerli^ mu% 
genannt tt)erben, bafe nad) einer toeitern SRotij auf ©. 418 
ber Snl^alt eine§ »latte^ nid)t tt)iebergegeben ift, auf toel* 
d^em ©jecutionen bon Äe^ern unb Siebellen in »rüffel am 
©ienötag ben 1. Suni 1568 gefd^ilbert toerben unb l^ierauf 
bie am 5. Suni boUjogene |)inricf)tung ber ®rafen (Sgmont 
unb §oome. gu bernet)men, tt)ie ein ^jatriotif d^ fpanif^er unb 
nur für bie oberfte fpanifd)e ®efeafd^aft§fd^idE)t fd)reibenber 
Seitgenoffe biefe »Iuttl)aten in »elgien auffaßt, toaxt für bie 
Ijiftorifd^e aBaI)rI)eit erf)eblid) genug. 

S)enn e§ f ann lein gn^eifel fein, bafe biefe aielation eine 
gefdiriebene 3^tong öon ber Slrt ift, tüie foIcf)e in ber ätt)ei== 
ten ^älfte be§ fed^je^nten Sal^r^unbertS in berfc^iebenen 
Säubern unb @prad)en bon ©uropa in nid^t ganj regelmä* 
feiger golge unb je na^ ber SBid^tigfeit unb güHe beö Sn^ 



Slnl^ang. 301 

f)alte§, anä) tt)ol^I ber SSertrauenötoürbigfeit bcr Sefer, einem 
oft red^t I)oI)en SlbonnententSpreife unterlagen. ^) 3Bieberf|oIt 
ift in S^ejt unb Slnmerfungen be§ öorliegenben S5ud^e§ öon 
ben italienif^en ßeitungen biefer Slrt bie SRebe getoefen, 
toetdie bem Äaifer SRajimilian 11. au§ Slont jugefenbet 
tourben. 

®ine befonberö anfd^aulid^e SSorfteHung öon bem (£f)a* 
ralter eineö SBeltblatteö ber oberften ®efeEfc{)aft§fc^i(f|ten im 
Sal)re 1568 getuinnt man aber au§ bem erften SBanbe ber 
,3?eIation gugger 1568 bi§ 1573^2). (^\^ Leitung beginnt 
mit franjöfifd^en iöerid^ten, bann folgen, ebenfalls of)ne Über:=* 
fegung, italienijdie, bann beutfd^e unb mit bemfelben, bie ®e^ 
nauigfeit ber ©riefe öerbürgenben, ©prad^ttjed^fel geljt e§ 
toeiter. 

3ur SBürbigung be^ unö je|t befd^äftigenben @tüd£e§ ber 
SÄabriber ß^i^^^S ^^^H Sa^teä tt)ä^Ie id^ au^er biefer bie 
©rjäl^Iung eines ß^^i^^^t^f^^^ ^*^^ toeld^em bie römifd^e toie 
We 5?iig9erfd^e ß^i^^^S ebenfalls berid^ten unb toeld^er für bie 



1) SSgl. ,Xl^eobor ©icfel, 3eltungcn beS 16. ^al^rl^unbertS* im cr= 
ften S3anbe be8 in ^anuoöer 1854 erfc^ienenen SBeimarifdien 3ttT^rbu(^e8 
für beutfd^e ©prac^e, Literatur unb Äunft, l^erauSgegeben öon ^offmann 
bon gaUerSleben unb Oäfar (Sdbabe. 

2) SBiener ^ofbibliotl^e! 8949, »latt 24: ,3eittung auS 2Jlabribt' 
,ben 24. 3ulii anno 1568; ber ^rin^ öon Spanien ^att fic^ bie Seit' 
»feiner SSerfd^Iießung etlid^ 93klen angenomen, nic^tö woHen effen* u. f. w. 
mit (Sd^ilberung feiner SSafferejeffe, bann furj be§ 2:obe§: ,unib ein' 
»Ul^t gar öerfd^iben, fagen boci^, er l^ab ein gar gutä d^riftli(]^§ @nbc* 
»genommen'. 2)eS Seic^enbegängniffe^ toirb nid^t gebadet. 2)iefe 9^aci^= 
rici^t meint SRanle, SSiener Sal&rbüd^er 1829 XLVI 249: »3n einer gro::' 
»^en bon ^annS Qalob &ugger jur (Sefd^ic^te be§ fed^je^nten 3[a]^r§un=' 
,bert^ öeranftalteten 6ammlung fanb id^ beutfd^c ^Briefe auS 9Jiabrib' 
»öom 24. Suli'. 3n ber 2:]^at bürfte ber Äran!^eit§= unb 5Cobe§berid^t 
bon bem un^ belannten SSertreter be8 guggerfd^en ^aufeS, K^riftopl^ 
^ermann, ftammen. Sßgl. oben ©. 126. 



802 Slnl^ang. 

borneljmen Jfreife bamaliger Qtit ein i)oI)e^ Sntereffe gcl^abt 
l^abcn mufe, tüentt man nad^ bcr SluSfül^rlid^fctt ber @r^ 
ää{)Iunfl btcfeg ©canbalä fdiliefeen barf. 

5Dte SKabriber ?ReIatton berietet ©. 48. : »grettag am 23/ 
»bcöfelbcn* (SÄonatö Suli), ,um bie aRtttagöftunbe, ba ber* 
,$ßrtnä im Sterben lag (estando en lo estremo)* fei e§ in 
bem ©orribore, toegen getoiffer Slufjeici^nnngen* (ciertos noo- 
tes) bor bem föniglid^en ©aale ju einem ©egenfampfe 
gtoifd^en jtüei genannten Sbellenten gefommen, toeld^e am 
folgenben 3;age berl^aftet würben. SRad^ ber römifd^en QtU 
tnng ^) fanb ber Äampf ,am Siage t)or bem Slbenb' bon ®on 
©arlo^' 2;obe ,um brei Uf)r* (a tre höre) ftatt ,auf bem ®or** 
,ribore beg $ßalafteg in ber M^t ber Äa:peIIe*. ,2)on S)iego* 
,bon SKenboja legte §anb an ben S)oId^ nnb jog il)n gegen' 
»genannten (S)on 3)iego) bon Seiba, unb fie legten §anb' 
,an ii)re 2)egen, nnb fie tourben getrennt unb jogen fiij^ in' 
,eine ^rd^e surud, bon tt)0 bie Suftij fie geljolt I)at unb fie* 
,im §aufe ätüeier Sllcalben tjält. ^ä) tt)ei§ gegentodrtig noc^* 
,nid^t, h)a§ folgen toirb, aud^ toeil ©eine SKajeftät e^ fe^r' 
»fd^arf aufgenommen I)at. 3)en Slnlafe »erbe id^ fagen, toie* 
,id^ it)n bernommen I)abe, unb e§ ift ber, bafe ßeiba einige* 
,?ßaSquiIIe mad^te, tt)eIdE)e bie S)amen genanntem iKenboja* 
,t|erfagten; befe^alb antwortete er in berfelben SBeife. 2)ag* 
,naf)m Seiba bcrart übel, bafe ©inige fagen, ber ßdrm fei* 
,I)ierau§ entftanben*. Srttjünfdfte toeitere Slufflärung bringt 
bod^ ber Slnfang be§ betreffenben S8eridE)te§ in ber 5^gger== 
fc^en 3^^tong, obttjol)! aud^ l^ier ber eigentlidEje 3^^^^^^ 
^urtabo beg betreffenben §erm au^ bem großen §aufe 



1) SBiencr f. unb f. gel^. |)au§=, $ofs unb ©taatSarc^ib 1568^ 
fRontona. 



^tnl^ang. 303 

äRenboja fet)lt, toel^en bie 2Rabrtbcr B^^ung ntd^t öergtfet. 
,©0 l^at \iä) geftem SRorgcn (!) begeben, bafe S)on S)iego be* 
»äKenboja, fo bomialen unferg ÄuntgS (Smba^bor ju 9iom* 
,unb ®out)emabor ju ©ena getpeft, mit einem anbern (SMa^' 
,Iero S)iego be ßa^ba ju §off bot beS Äunigö Äamer S33ortt* 
,gel|abt* u. f. to. 

S)urd^aug toirb biefer QätnnQ^ton, tpie er unS in ber 
italienifd^ctt unb beutfd^en gaffung begegnet, aud^ in ber 
SRabriber cingetialten. 9tor finb bie S^ageSbatierungen l^ier 
niemals bur^ ein »geftern' n. bgl. erfegt. Wtan lieft @. 418 
in ben Fragmenten: ,am 15. Suli 1568 tpurbe funbgema(|t . .* 
,bier Siagc, bafe er nid^t afe nnb bofe er fei fel^r . . . 2lm* 
,21. tourbe !unbgemad6t, bafe eS il^m fe^r fd^Ied^t gel^e unb* 
jbafe . . .* SSor^er ©. 417 ebenfo: ,am 10. gebruar 1569 (ber»»* 
jfd^rieben für 1568) traten bier ^rjte ein, um feine . . .* 
. . . beö SÄonatö Slpril tourbe ber SRarftaQ beS $ßrtnjen* 
»aufgelöft* (bgl. oben ©. 247.) ,. . . am 10. folgenben tourbe* 
jfunb, bafe baS ganje $aug aufgelöft unb berabfd^iebet fei.* 

®aö borfid^tige ,man fagt* fel^It freilidb nid^t feiten bei 
SRadirid^ten biefer B^i^^^^Ör toeld^e leineStoegS begrünbet finb, 
toirb aber fonft oft genug angetoenbet ©. 415 3- 12 lieft 
man mit biefem Sßorfid^tStoorte, gerabe in ber 9^ad^t ber SSer^ 
l^aftung feien bie stoei Ääftd^en (cofrezillos) mit ©d^riften, 
toeld^e ber König in feine eigene 3Bot)nung bringen liefe, bon 
bem ©ecretäre beS ^rinjen an biefen ,berfd^Ioffen unb* 
,berfiegelt* jurüdEgefenbet toorben. 2Sie l^ätte ein fo 
merlMrbigeS ß^^f^^^^^^^^ff^^ ^^^ Seftunterrid^teten ent* 
gellen fönnen!^) SRit berf elben Steferbe (dizen) folgen bei bem 
^aftberid^te mef)rere, eben fo unbegrünbete SJiad^rid^ten: ti 



1) SSgl. oben ©. 240 pgbe. 



304 ^nl^ang. 

fei eine mit jtociÄugeln unb fielen 5ßatronen gclabene Slrf ebufe 
gefunbcn toorben, bcr 5ßrtnä f)abt unter bem SBette eine SSüd^fe 
getiabt. ,S)er Sönig ging t)inab in feinem langen SRocfc unb* 
,man fagt, bafe er einen ^ßanjer unter bem Äleibe getragen* 
,t)abe unb bafe er ebenfo an bemfelben S^age jur SWeffe au^ge^' 
,gangen fei unb ©eine §ot)eit {)inter it)m.* ®ie jule^t l^ier 
ebenfalls ate ©erüd^t gegebene 9?a^ric^t, ba^ 3)on ßarlog 
am ©onntag ben 18. Sanuar I)inter unb nid^t neben feinem 
Sßater'jsur ©d^Io6!a|)eIIe gegangen fei, Vermag id^ nid^t ju 
controlieren. 3m Übrigen bürfte über aHeg in biefen beiben 
©ägen J8e{)au|)tete oben (©. 242, 240, 237) baö SRfit^ige be* 
mertt fein, gür ben SSefud^ ber SKeffe an jenem ©onntage 
bleibt nod^ immer baö fonft nid^t Ilaffifd^e Seugnife beS fto^ 
rentinifdfien ©efanbten, eben (©. 237), afö einziger unöerfäng^ 
li^er SSeleg. 

SKit ätjulid^er SKarle beS Oerüd^teS h)erben bann na^ 
bem, nur ba§ ®eh)öl)nlic^e bietenben Sendete über beS 5ßrin^ 
jen ipinfdEjeiben eine Slnjal)! anberer grunblofer, jum S^l^eile 
tooI)l au§ biefer {Quelle aud^ in bie römifd^e S^^^^^Ö ^^^^^ 
gegangener 9?adE)rid^ten bem ßefer angeführt, pr üble 
SRad^rebe befonberS ertoünfd^t ift bie ©. 419 gegebene mit 
ber Ginleitung: ,tt)ie man berfid^ert* (segun afirman). 
ipienadE) fei ber Äönig am Stage beS ^infd^eibenS feine§ @o\)^ 
neg jjur SKeffe in ber ^aptüt in ben großen ©aal gegangen,* 
,toie er |)fregt, ttjenn er fie in BurüdEgejogenlieit ^ört'. 3)er 
©d^reiber toeife fo toenig, alS ba§ ^Publicum überhaupt er:^ 
fal)ren äu I)aben fd^eint — unb tool^I aud^ ber franjöfif^c 
®efanbte nur bur^ bie Königin --, ia^ ber König bur^ 
?ßobagra ober gufegidEjt ju gef)n öer^inbert toar. ,6^ tourbe' 
,bemerlt, ha^ in ben Ornamenten beg Slltarg unb an ben-* 
»fierjen gar feine SSeränberung ^iaü l^atte, toie in einer fot* 






Stn^ang. 305 

,(i)en 3eit öorgcnommen ju tcerben Ijflegt, unb bafe gürftett===* 
,fig unb ^olfter unb bie SöebedEung bc§ Sltarä carntotfin** 
yXotf) ttjarcn, unb nic^t bon fd^tüarjem ©ammet unb bie Äer-* 
,sen tüeife. ©bcnfo ttjirb öerfic^crt, bafe erntest nur lein* 
,©d^merj8efüf|I über biefen Xobe^fall äußerte, fonbern aud^* 
,nic^t einmal einen ©^ein babon (demostracion). SSiet* 
,mel)r t)ielt er fic^, afö ob ifju gar nicf)t§ betrübt t)ätte unb* 
,man fagt,(?) bafe er in ben ©arten ber J^rau Seonora Wla^^' 
jcarenna^ gieng unb SSefe^I über eine getüiffe Slrbeit er** 
,tl|eilte, tt)eld)e bort borjuneijmen toax. SSenn ba§ bie* 
,S33ai)rI)eit ift, fo ift e8 ein fef)r feltene^ 3^^^^^ bon tjar^* 
,ter ©trenge eineö SSaterö gegen einen ©ot)n, unb man lann* 
jbarau^ fc^Iiefeen, bafe er feinem 35ater fefir großen 9tnlafe* 
,ju §aft unb 2lbfperrung gegeben f)aV. 2)ie Sßicf)tigfeit att 
biefe^ ©tabtflatfrf)e§, ber aufeertialb Spanien^ bon allen 
geinben begierig ergriffen ttjurbe, bürfte nacf| ben 2lu§fü]^5= 
rungen be^ borliegenben Sud^eö bem Sefer unmittelbar ent== 
gegentreten. 

Db ber Äönig nod^ am 8Sormittage nac^ 3)on ßarlo^' 
2:obe ungefe^en firf) jum ©otte^bienfte tragen liefe, unb ob 
bie, burd^ bie angeorbnete grofee §of* unb Sanbeötrauer (ögL 
oben ©. 271 f. 274) au^ für bie ^offapeQe felbftberftänb:^ 
lii) getoorbenen S^rauerjeid^en bei ber grü^meffe fd^on ober 
noc^ nic^t angebrad)t toaren, entjief)t fic^ unferer Äunbe. S)er 
SBortourf unnatürlicf)er §ärte beg löniglic^en Sßaterö, njie er 
l^ier au§gefprod)en loirb, bedEt fid^ ganj artig mit ben ebenfo 
grunblofen SBorten beö öenetianifd^en ®efanblen über ben 
bon ^ßl^ilipp au^ religiöfen ©rünben unterlaffenen, unb bcm^ 
gemäfe aud^ ben fürfttic^en ©amen unterfagten, öefud^ bei 
bem Äronprinjen oor Sintritt ber 3lgonie^). SaüaQi fcljvcidt 

1) SSgl. ohtn @. 263, 271 f., 274 f. 

©übinger, Don fforlo»' ^oft unb Xob. 20 



306 Änl^ang. 

nämitcf): ,2)a ^at man eine grofee §arte, um nic^t ju fagcn* 
,®raufamfctt üon ©etten ©einer äRajeftat gefeljcn, toa^ mid)* 
,ju glauben Deranlafet, bafe 0. SKaj. ettt)a§ t)on aufeerftcr* 
,3Bic^tig!eit gegen i^n l^atte* ^). 9Bie toentg !ennen bod^ biefe 
3citgenoffen ben tt)al)ren ®act)üerlöalt! 

Smmer^in öerbient ber bei ben Spaniern biefer Qtxt unö 
fd)on toiebertjolt entgegengetretene ^^^eimutt) aud^ biefcö 
SWabriber Sournaliften über ?ßf)ilipp IL oHe Slncrfennung. 
@r liebt unb öerel^rt im Übrigen ben Sönig, bem er nur mit 
moralifcfjer SJiu^anttjenbung 2) ju grofte ?iacl)giebigleit gegen 
ben Äronprinjen öortoirft. @o legt er ficf) benn aud) über 
alle fonft umlaufenben ®erüd)te üon böfen 5ßlanen beö 5ßrin* 
jien auf Empörung, SSatermorb unb Slnbereö, bie er jeitung^* 
mäfeig ®. 429 fg. t)erjei(J)net, boc^ perfönlid) 3w^ßdt)altung 
auf. ,3lber meinerfeitS fialte ic^ mid^, biö mir baö ©ac^öer^' 
,]^ältni§ flarer ift, felbft überzeugt, bafe ber Sönig, fo mie ge^* 
,fcf)et)en, öerfat)ren mufete, ba er t)erpfüd[)tet ift, ^rieben ju* 
,njaf)ren unb allgemeine ®erecf)tig!eit feiner SReid^e unb bie' 
,3iu^e ber S^riften^eit in fo gefatiröollen Qtittn'. S)a§ ift 
ja bie Slufgabc ber fpanifcf)en Uniüerfalmonard^ie! ,@§* 
,tt)aren i£)m bie 9(uSfrf)reitungen unb SButtjau^brü^e unb* 
,3lngriffe feineö ®of)neg funb getuorben, tüoburd^ biefer eine* 
,t)ä6ticf)e Sugenb I)atte, tioU bon öielen ganj öffentlidien unb* 
,getoöf|nlic^en Unäüi^tigfeiten, tpcld^e bei ben Seuten notorifc^* 
,finb, ein fetjr befledte^ Seben, tüenn nid^t burd^ Safter, fo* 
,bo(i) iDenigfteui^ hnxä) eine unetirbare greiF)eit, feine S3egier** 
,ben JU befriebigen unb, toenn if)m berartige^ nid^t jur SSer^* 



1) ®ad)arb, 2)on (SarloS 700. 

2) que son vicios y defetos que proceden de ser los padres muy 
blandes a sus hijos p. 421. ^te Später werben alfo ermal^nt, redjt 
ftreng gegen il)ve (Sö^ne ju fein. 



§ln]§ang. 307 

jfügung ftanb, un()etIt)one ©etpcgungen ju unternehmen unb* 
,t)on foldber %xt, bafe bie geringfte Don it)nen bebenfHd^ für' 
,baö SBo^I ber ©fjriften^ett gctoefen tüäre: ungemein üer^* 
jfd^tüenbertfd^e 3lu§ga6en mit großem Schimpf unb ©d^anbe/ 
.eine juditlofe S)reiftig!eit, öoU üon 3Serjtt)eiflung unb fc^Iiefe^* 
,1x6) eine fo grofee SSertt^egenl^eit, bofe fie 3ButI) unb Srr=' 
,finn natie tüar. ,f)iemit öerbanb fic^ ber Sbfc^eu, ben er* 
,gegen feinen SSater I)atte unb bie gurd^t bor beffen 2;abel* 
,unb ©träfe; ein frfjlec^ter Wiener unb 9?atl)geber ober mef}-* 
,rere unb bie für grofee Steuerungen fo geeignete 3^i^f<^9^* 
.fommen fiinju.' 

3Mit folc^en SlebeiDenbungen glaubt biefer ©c^riftfteller 
\i6) unb feinen Sefern bie Äataftrop^e erllären ju fönnen. 
55on feinen Urt^eilen über ben tobten ^ßrinjen ^abe id^ fd^on 
oben (@. 261) einige groben gegeben. S)urcf)au§ l^egt unb 
Verbreitet er bie 5Dieinung, bafe S)on ©arloö' S^ronbeftei= 
gung für ©panien ein Ungtüd getoefen toäre: ,©eine §err*' 
,fc^aft unb ^Regierung ijätte fel^r blutig auffallen muffen.' 
(@. 421.) ,3n feiner ®tprie l^alte Unfer §err ii^n, meldier* 
,grofee Slnseic^en gab, bafe er, tt)enn jur ^Regierung gelangt/ 
,ein fe^r raut)er unb fogar graufamer gürft getoorben njäre.* 
(©. 418.) 

SRun !ann too^I über bie. 9Bertf|IofigIeit ber fc^on 
oben (©• 239) berüt)rten raul^en SfiBorte fein ß^^^f^^ f^^"» 
tt)elcf)e biefe 3^^^ii"S ®- 414 bem Könige öor ber 9Serf|af* 
tung feinet ©oI)ne§ in ben 2Runb legt, ^ienad^ fagte ^\)u 
lippll ben äurSBegleitungbeftimmten Ferren golgenbe^. ,©ie' 
jfoQen i^n bei einem (Sefd^äfte begleiten, toeld^eö er Unfrem* 
^errn fe^r empfohlen l^abe, unb tt)eld)eö ju beffen ©ienfte* 
,gereic£)e. @r l^abe fie babei nid^t um SRatl^ gebeten, bitte fie* 
,aud^ um fonft nid^tä ,aU bafe fie mit ©einer äRajeftät fic^* 



308 «nl^ang. 

jCinfänben, um bag p tjören, toa^ er il)ncn auftragen* 
,tt)erbc/ 

©rtoägt man bicfe crfunbcnc 9?ebc, fo tüirb man auc^ 
fi6cr ben SBcrtf) ber SRad^rt^t bcbenflt^, toeld^e I)ter @. 416 
über bie SBeretbigung ber mit ber §ut beS Äronprinjcn be^^ 
trauten Ferren üorltegt unb an fid^ fel^r ertoünfc^t fein 
toürbe, tote ic^ fie ja au^ oben in einer 3lnmerlung (®. 264) 
mitgett)eilt I)abe. §ier l^abe id^ nocfi ju bemerlen^ ba^ bie 
SSereibigung bor bem ©taat^rat^^e im .^aufe be§ ^räfiben^ 
ten (Sfpinofa borgenommen fein foH; bie SRaci^rid)t mirb fo* . 
nad) auf einen bort Söefc^äftigten jurüdEgeI)n. Slber ber Sour* 
naiift fennt fein 2)atum für bie ^anblung, unb bafe 5Rut| 
@omej in ^eria'§ §anb einen @ib über bie gerabe i^m ju- 
näd^ft öom Könige vertraute SBetoad^ung be§ grinsen abge* 
legt t)ätte, ift minbeftenS feltfam, a\x^ toenn bie SSeretbigung 
jtoifdien bem 19. unb 25. Sänuar, alfo in ber erften §aft* 
periobe ftattgeliabt f)aben foöte, atö geria allein betoaffnet 
bei bem ^rinjen eintreten burfte 0- 

Smmer^in bleibt bie öon ber ^rau |)erjogin bon Sllba 
gefpenbete ®abe aud^ für bie in bem borliegenben Söuc^e be* 
f)anbelten tJi^agen fe^r erti)ünfd)t unb banfenötoertl^. 



1) SSgl. ®ietrt(^flein'§ ?Sorte o6cn ©. 247 Slnm. 1. 



Hamen- unb 5acl)re0t|ler. 



«Ibolf öon 9?Qffau, römif(i^=beut:= 
fd^er Äönlg 53. 

?Uaöa, fjjanifdjer ©efanbter In 
^ari« 218, 255. 

Sl I b a , $)erj09 üon, Oberfttjofmeifter 
7, ©d&IugrebeimtbnigUc^enSiQt^e 
12, über fjloriba 33fg, über feinet 
Äönigg Sluffaffungen Dom fran= 
äöftfcften ÄönigS^aufe 41 flgbe, 
unb über 3)on ©arlo^' Unfähig« 
feit äur «Rac^folge 134 fg, «Bot* 
fc^öft am JReid^Stage t>on ©J)eier 
62, (Ernennung jum Statthalter 
in ben Si^ieberlanben 14 fg, 78, 
mit böfen «bft(i^tcn ba^in 88, 
S^l^aten in ben ^iieberlanben 14, 
SSerfel^r mit bem Äaifer^ayimts 
lian II. 63 fg., in ber §ofgefelI= 
fcftaft beliebt 65, fein SSerfal^ren 
in fRom gebilligt 77, Ernennung 
gegen Portugal 15, SBerl^ältnife 
5U %on Darios 87 f., 128 f., 
144, 152, 166, 201, 219. 

Silba, §erjogin öon, L'98f., 308. 

albert, ^erjog üon Söatjern, (äbt 
jur SSermöi^lung feinet ©ol^neS 
ein 192. 

§llbred)t, ©r^l^erjog 26 ?lnm. 1, 
111, 133, 141. 

?Clbuquerque, ^erjog öon, 219. 

Sllcola be ^enare§, (Stabt, ge^ 
funbertofent§aIt,Uniüerfitätl23. 



^Icofar toon «Wobrib, SBefcl)rei= 
bung 3, 44, togl 173. 

911 gier, fpanifc^e kämpfe gegen 
91. belohnt 128. 

9lmerifa, caftilifc^er Äronbefi^ 7. 

9lnna, ©rjl^ergogin, Königin 83, 
119, 126, 138. 148 f, 150, 207, 
217, 255. 

Slntonio, $rior f. ^olebo. 

SCragonicn, SBerfaffungSönberung 
ton 1592, 170. 

Slrco, ®raf, faiferlidjer SBotf^af= 
ter in fftom über bie ^jequien 
für ^on ©arloS 109 flg, über 
bie StobeSnac^ri^t 206. 

9l§coIi, S3ifd^of toon, f . (Jamajani. 

«ltod)a, $rior Don, 202. 

^lubefpine, franjöfifc^er ©efanb* 
ter, SBeriüenbung für einen ile^er 
101, 161. 

9lug§burg,9?eic^§tage, 1548 bur= 
gunbifc^er SSertrag unb Interim 
59, 1555 9?eIigion8friebe 59 fg, 
(gfecutionSorbnung u. Änberung 
beö burgunbifdjen SSertrag§ 60, 
1566 9lblel^nung einer 3nter= 
toention in ben bliebet (anben, 61. 

JBarcelona,2anbe§ar(j^iD ju, 170. 
S3elgien 14, 131 fg., 137, 141. 
33enauibe8, fRoberic^ toon, bei 
^on ßarloS' 3Bac^e 243. 



310 



ißamens unb ©ac^regifter. 



Serg^cn, 9Karfgraf öon, ^aU 

tung 84, 85. 
©illrotl^, 5^]^eobor, ^irurgifc^eS 

Urt^cll 144. 
iBiröicfca, ÄaTnmerratl^ in ber 

Siomtniffton über ^on (SiarloS 

171. 
SBorja, ^ol^ann öon, bei ^on 

(Sarlo^' ^Q^e 243. 
^rantöme; (Srjöl^Iungen 151. 
SBreberobe, {Robert öon, 73. 
SBurgoS, in ben ^orted 16. 

CS^abot, Sol^onn, an einer norb- 
amerilanifd^en Äüfte 27. 

©abrera, akfd)i(i^tf*reiber 13, 
31, 84, 85, 166, 168 f , 170, 
172, 193, 196 bi« 199, 262 flgbe. 

©amajani, SBtWof öon SlScoIi, 
augerorbentlic^er pät)ftli(j^er ©e- 
fanbter 72. 

©anaba, portugiefifd^e unb eng= 
lifc^e ^nH)rü(^e 26 f. 

(Sa ran 5a, ©rjbifc^of Don ^olebo 
73, 99 f. 

(Sa r bona, cafrtlif^er 9lbel 80 
SWargaretl^a öon S)ietri(^ftein 
162. 

^rinj ©arloS öon SSiana f. 
SSiana. 

S)on Darios, ®eburt 24, ©ilb:: 
niffe 327, Söorfttenber bei 3luto= 
bafeS 25, 98, SBejiel^ungen ju 
feinem SSater 95 flgbe.. 105,127, 
129, 180, 182, SBer^ältnife au 
feiner Xante Qol^anna 135, ju 
2)on Qo^ann öon fcfterreid^ 189, 
SBebro^ung feiner DfJec^te burc^ 
bie Geburt feiner Sc^meftern 
181, Siebe jur (Sräl^erjogin 
5lnna 81, 83 9tnmer!ung, 181, 
®leic^giltigteit gegen beutfc^e5lb= 



fünft 124 fg., beutfcfteS ^öflicf)= 
!eitäf(^reiben 192, Seru^igungS^ 
öerfud^ hüxdj (^tlb unb ^^ren 
89, fat^olif^e ®Iäubig!eit 98, 
114 bis 123, §a6 gegen $rote= 
ftanten 108, 119, 5lbf(3^eu gegen 
3uben unb SWauren 122 f., lln:= 
fauberfcit 97, mangell^ofte (Sr- 
äiel^ung 96 f., 105, Sfiidjtung 
auf ©raufamfeit 97 f., 178 f., 
anmoglid^e 2:ituIatUT 124 fg., 
SBiberfpcnfttgfeit gegen Äarl V. 
126, ^ilung bur^ gral} S)iego'8 
®ebeine 119, 129, 3u8ie§ung 
in ©taatSgef^äften 146, $of= 
ftaat 147, mit biefem äurürfge* 
f e^t 189, bei ber ©ortcSeröffnung 
4, 5, 8, 19, (Sonflict mit ben 
©orte« 18. 79 f(gbe. SSerfud^te 
«ßriefteröerleitung 113, frü^c 
@ittenöerberbni6137,179, ©turj 
unb ärjtlic^e Sel^anblung 118, 
144, junel^menber @(i^tt)ad)ftnn 
135 f., 175f., 177 f , 187 f.. 265 
flgbe., 5ßatcrmorb202f., 237, 306, 
bittigt bie ©eftrafung ber Si^ie^ 
berlänbct 20, 91 , betrachtet bie?«ie= 
berlanbc afö aSerfu^Sfelb 57, 
78-91, eonflict mit 5llba87f., 

129, patl^ologifc^c ©ntmicfelung 
87, 175, Abneigung gegen pl^^s 
fifc^e^nftrengung 130f.,f(]^wimmt 

130, 133, SluSfe^n 134 f., racfti« 
Üf* 134, ©affertrinfer 133, 187 
flgbe., 266 f. ©ßgier 18'j f., Sln= 
lel^enSöerfu^e 181, 191, S(uf= 
rufe 193 f., aHingöerfc^Iingen 
257, aJlabrtber Urt^eil über i§n 
261 2lnm. XobeSurfad^en 268 f.. 
Überwiegen religiöfer Stimm* 
ung 273, ©cction unb ©inbaU 
famirung 279, Seid^enbegängntg 



9iamcns unb ©ad^regiftcr. 



311 



273, 280 f., Xrouerfeicr in Tta^ 
brib 272 ffbe. 304 f , in 9lom 109 f., 
S5erbrcnnungfeiner^a<)icre 174f , 
Ttt)i^tn über fein (£nbe 158 f., 
275, 277 f. «gl. baS 3n^alt8= 
berjeic^niß ©. V f. 

® artier, franjöfifc^er ©ntbcder 27. 

©aftagna, f. 9'hintiuS. 

©atalonien, Ääntpfe für ©arlo^ 
öon öiana 167 bis 171. 

©aöalli, bi,f. SBenetianifti^e S)e= 
pef(i^en. 

^i^acon, ©on^alo he, bei ^on 
©arloS^ SSa^e 243. 

©l^aloner, englifc^er Sotfd^after 
in ajlabrib 144. 

©l^antono^, f<)anifd^er ®efanbter 
in SBien, faiferlid^e» ÄabinetS= 
fd^reiben an i^n 60, Äorrefpon* 
benj mit Sllba 64, 3Jiitt^eiIung 
faiferlid^er SSerfügungenäu®un= 
ften fpanifc^er ^errfc^aft 65 f., 
über beS ÄaiferS Qnteröention 
für S)on ©arloä 248 f. 

©l^aöeS, S)iego öon, SBetd^tbater 
beS ÄTon))rinäen, bann beS ^önigS 
98, 117, 122, 173, 253, 263, 
272, 274 f. 

©olign^, Hbmiral, 28. ^ 

©orbotoa, SBif(i^of unb ÄleruS öon 
©. bittigen ©arloS^ §aft 259. 

(Sorfo, $eter, e;onbottiere42. 

©ortesSReal, <)ortugiefifc^c ®nU 
becfer 27. 

©orteS, caftilifc^e, Sufattii^enfe^s 
ung 6, Snftructionen 5. ©röff nung 
im Qa^re 1566 8, SBerlangen ber 
SBeftrafung ber 9iieberlänber 17. 

(£o8mo öon 3JlebiciS, ^erjog öon 
gflorenj 194. 

®uba, Singriff franjöfifc^er (Jolo^ 
niften, 29. 



^arnle^, ^einri(i^, (S^ema^l 
aJioria ©tuartS 50. 

^ietric^ftein, ^xdf^ttx Slbam 
öon, faiferlici^er SBotfc^aftcr, %t^ 
pefc^e mit ^ittl^eilungen ^llba'S 
in^§ili<3<)g3luftrag über bie franj. 

. O^tegierung 39 f., SBert§ feiner 
©ejjefc^en 55, 164, tritt für 9tU 
ba'S e^araltcr ein 65, (Jafti* 
lifc^e 3Sermä^Iung unb SSerbin* 
bungen 80, 161 flgbe., ^nfunft 
in Spanien 140, Urt^eile über 
S)on ©arloS 141 f., 185 f, über 
SSermä]^Iung8<)Iäne ber @rj^er= 
jogin Slnna 185, SSorgefc^ic^tc 
162, am SWorgen nac^ be8 $rin* 
Jen SSer^aftung 224, unöoUftän* 
bige tonbe l^ierüber 227 f., öer* 
legcne Situation 252 f. 

S)ominiIanerorben 123, 273, 
279. 

C^boli f. (^omej. 

©buarb VI. ^önig öon ©nglanb 
46. 

©gmont, in (S^)anien 85, 87. 

@Ii f ab et §, Königin öon Spanien, 
SD'littl^eilungen an franjöfifc^e 
©efonbte 13, 34, 161, i§r Slpo:= 
t^cler in Äe^erl^aft 101, SBer. 
]^ältni6 SU i^rer 3Jl utter 34 biä 
37, ©mpfinbungen für il^ren ©es 
ma^I 37, über ®on ©arlod' 
©c^wäc^e unb SJlifegefc^id 131 f., 
180, 214, 256, Haltung il^m ge= 
genüber 180, 182 f, 274 f, erhält 
Slnt^eil an beffen 3JlarftaII 247, 
Spott über 3)on gol^ann'S Slbs 
fixten auf 3Jlalta 190, Zoh am 
3. Dctober 1568 37, 217, erfun^ 
beneS Ötebegöer:^ältni6 278. 

eiifabetl^, Königin öon ©ng^ 



312 



9'lamcn= unb ©ac^reglftcr. 



lanb, lel^nt ^^ilipp'S IL ©cr= 
bung ab 46, 215, rcliglöfc 9li(^= 
tung 46 f., für bic fc^ottifc^en 
SfJcfoniiicrtcn 49, über ^onSar^ 
loS' ©aft 209 f. 
(glifabct^, ^rjl^erjogln, ^cr= 
mä^Iungdabfic^ten mit ^arl IX. 
40, öoUjogcn 81,$(on mit bem 
jtbnig 6ebaftian Don ^ortugol 
153. 

(JpQmelnonbaS 19, 9lnm. 2. 
@ r i d^ , 4)eriog öon Srounf(^welg> 
Äalcnberg 70. 

(grnft, eral^crjog 138, 140 fg., 
bei ®on ©arlo^^ £eid^etibegäng= 
ni6 271. 

(Sft)ino{a, (i^roginquifttor, $rä^ 
ftbent bed SRat^ed t)on (Saftitien, 
©arblnol 19, 152, 166, 171, öon 
S)on ©arlog gel^agt 196, 201, 
bevtraulic^c 3Kitt^eiIungen 204. 

ffarncfc, ^rin^ §llcf anber, 236 

fjerbinanb T. Mfer, 38, ©rb^ 
öcrtrag öon 1551 125, öon $]^i= 
li<)p II. öerc^rt 163. 

gerbinanb, ^önig, ber Statl^o^ 
ttfc^c, ©cnriqucä' ©nfel 162, 
©arlo» öon ?Siana fein Älterer 
»ruber 167. 

gerblnanb, ©rjl^erjog, öon ^i= 
rot, e^arofter 226, ^)oIitif^e 
eteHung 282, »er^ältnife ju 
^ajimilian II. 288 f., »rief 
beSfelben fiaiferS an i^n über 
2)on ©Qrlo§ unb bie 9JieberIanbe 
63, 269, SSert^ feiner »rtefent* 
würfe 160, $^ili)3>) IL an i^n 
über S)on (Sarlo«^ |)aft 230 f., 
a3erid)t über 3)on (JarloS' lefte 
.^ran!f)eit 268 f., über beffenStob 



283 f., feine genau erwogenen 
antworten 290 bid 296. 

fjerta, ®raf, Dctobcr 1567 ©er* 
50g. 238, 242, empföngt dholU 
üih für bc8 ^rinjen ^aft 264. 

fjlanbern f. 9lieberlanbc. 

gloriba 28-34. 

tJoif, ßouiS bc, fpantfdftcr ^of= 
ul^rmac^er 241, 246 $lnnL 1. 

gourqueöaulj, franjöfif c^er ®e= 
f anbter, »orgefc^ic^te unb ^ertl^ 
106 f., 161, über ^Ibo 13, 15, 
©efprädje mit %Iba 33, über 
©orte« 19, über grioriba 34, 
über Äranf^eit unb Xob ber 
Königin öon @J)anicn 37, abges 
lel^nteS <£ntIoffung»gefud& 38, 
über ^on (S^irlod^ angebli(j^e 
Äeferei 107 f., »ergleic^ung mit 
S)ietri4ftein 164, ©^jott über 
^on ©arloÄ' SSercl^rung ber 
Königin 165, über S)on Sarloä' 
^aft 213 f., 256, nac^ beffen 
%oh 273, 280, ©rmorbung fetneS 
eourierS 217 f. 

fJranätgIancrovbenl22fg.,273. 

grugger, Vertreter in ©panien 
120 f. Seitung 301 f. 

<»ad^arb, httifc^e äJletl^obe, 13, 
72, 81, 170 bi« 172, 245, 250. 

®afca, $ebro, ©ieger in $eru 
19, 99, 117. 

(Senf, »ebeutung ber bortigen 
^Deformation für ha^ faifcrlid^e 
$au8 45, »orbilb für bie f(ftot= 
tifd^c 9?eformotion 47. 

®ome5, 99uQ, ba (B\it)a, prft 
öon @bo(i, 15, Änm. 2, beffen 
©emal^Iin 38, 246, tcftamcttta= 
rifti^e ^el^altentaiel^ung 128, mit 
bem Könige nac^ ^Icala 144, alS 



^lamtn= unb «Sac^regifter. 



313 



(£orIoS^ Cberftl^ofmeifter 149 f., 
181, Urt^eile M folc^er 181, 
über 3)on ^axio^* ©^araftcr 211, 
auf earloS' fJeinbcSHfte 201, 
über beÄ $rinjcn (5ucceffion8= 
uitfä^i^feit 159 f., gurücfl^altuitg 
gegen ^ietric^ftcin 165, ^tx^U 
nife ju eabrera 168, aKitglleb 
ber ©onttniffion über S)on Q^or^ 
loS' enH)örung 171, läugnet 
bcffen Slbfid&t bc8 SBatermorbeS 
203, öertroulid^ jum englifc^en 
®efanbten 210 f., bei bcS «ßrin= 
Jen aSer^aftung 238 f., 242, 245, 
S^ereibigung für bie ^aft 264, 
übergibt S)on eorloS' Seid^e279. 

b. ®ourge3 32. 

©ranaba in ben ßorteg 6. 

®ranöelle, ©arbinal, fjamilie 
^errenot 21, SSorauefidjt langer 
geinbfc^aft jmijc^en Spaniern 
unb Sf^iebertänbem 22, SBo^I* 
woüen für ^Belgien 14, Hart 
W^^^PP II. über Oranicn^S «lb= 
fid)ten auf 54, Urtl&eil über 
W^xpp IL 95, über fpanifc^e 
ärjte 119, öeranlafet ^oura'S 
SBeförberung 168. 

®rie8ftetter, SSolfgang, öiel= 
leitet SBerfaffer beS Seric^te^ 
über S)on (Seriös' 2:ob 268. 

©ujman, 3Kartin Don. faifer« 
lidSier ©efanbter in 9Jlabribl38. 

I^enriquej, griebric^, Sll^nl^err 

öon Äönigen unb ber Freifrau 

öon S)ietri^ftein 162. 
^ermann, ©^rifto^)]^, SSertreter 

beS ©aufeS 2r"90er 126. 
^ Ofmann, Q^buarb Don, gerid^t^:" 

ärjtlic^cS Urt^eil 176. 
©oorne, ©raf, 12, 48. 



3nfantabo, ^erjog öon, 241. 

Snfanterie, -fpanifcfte, 21 f. 

Snquifitlon 23, 25, 98, 120, 
^eilige« ^mt 100 f., beauffi(^= 
tigt aUc Sranjofen in Spanien 
101. 

3a lob VI. öon ©c^ottlanb 50. 

S)on 3o5annt)onfcfterreid^l30, 
(£nttDei(^ungdt)er{ud) iunt^antJpfe 
auf 9RaIta 189 f., öon 2)on Sar* 
lo§ geliebt 201, 236, er^It Don 
beffen aWarftatt einen 2:^eil 247. 

3 1^ a n n a , Königin, 2}eutter .^arlä 
V. tua^nfinnig 258. 

3 1^ a n n a, 2:oc^ter ÄarlS V ., ^on= 
prinjeffin-^Bittoe öon Portugal 
25, öejiel^ungen ju ^on (5ars 
lo§ 135 bi8 137, 148, 163, 215 f., 
274 f., erhält einen St^eil feineä 
g)kr)tafl§ 247, tt)lrb maljnfinnig 
258. 

Sodann 5riebric^,Äurfürft toon 
eac^fen 38. 

3 f ab e IIa, Königin, SKutter 3fa* 
bella'S ber Sat^olijcöen, loal^nfin^ 
nig 258. 

Sfabella, bie ^at^oüfc^e, 199, 
258. 

3fabena, ©lara ©ugenia, 2^oc^= 
ter ^^ilipp'8 IL 130, SRul^m 
131 f., 141, jur ^oc^jeit einer 
2:o^ter S)ietricöftein'§ 162, 
©ucceffion nac^ 5)on (JarloS 
214. 

3uan |)onorato, ©rjiel^er, S3ifc^of 
öon DSma 105, 121, 262 ^nm. 

Äarl, ber ^^ne, ^tx^oQ öon 
SBurgunb, $Iane 78. 

Sari V., Äaifer, baut baS@c^to6 
Don aJlabrib um 3 f., SBertrauen 
ju aSil^elm öon Cranien 52 



314 



9iainens uttb ©a^regifter. 



ernennt Sf^leberlänber für fpo* 
nifc^e ^Regierung 57, ^lan her 
beutf(i^cn ©errf^ematä^folge 58, 
SlugSburger burgunbifcfter S!^er= 
trag unb 3nterim 59, ©tnigung 
ber g^lcberlonbe 78, 104, man^ 
benSftärfe 105, ©rbDcrtrag öon 
1551 125, SBetfei^r mit 5)on 
©arloÄ 126, ernennt |elne Zod^^ 
ter Qol^onna jur SRegentin (5^)a= 
nlenS 135, le^nt S)on ©arloS' 
Slufft^t ab 137, Don biefem fter= 
benb nad^geal^mt 275. 

Äarl IX, Äönig üon fjranlreic^, 
über gloriba 28, 34, SBermä^= 
lung mit Q^rjl^erjogin d&Iifabetl^ 
40, 81, feinet Seibarjte« (5c^ttja= 
ger aU Äefeer 101, über ®on 
©arloS' $aft 255, (g^eprojeftmit 
ber ©rj^erjogin Slnna 184 f., 
207, 217. 

Äarl, ©r^l^erjog, öon ^nnexö\ttx^ 
rei^, in (Spanien 255, 288 f., 
ber Äaifer bebauert beffen ©en« 
bung nad) ©ponien ü4, ebenfo 
öon S)ietric^ftein entfcf)ulbigt 65, 
Slnm. 1. 

Äatl^arina 3Jlebici8, Königin, 
über Sloriba 28, 34, SSer^ältniS 
ju il^rer ^od^ter ©lifabetl^ 34 
big 37, §eirot^§pIäne für l^re 
Soc^ter aRargaretl^a 37, 131, 
^Öffnungen bei S)on ©arloS' 
©d)tt)ä(^e unb SJlifegefc^id 131 f., 
212 f., 217 f., 255, beß^alb bon 
Sfourqueöaulf beglücfroünfc^t 
164. 

Äat^arina, ^erjogin öon ©a* 
öo^en, Sto^ter «Philipp» II. 131, 
gur ^od^jeit einer Soc^ter %xtU 
rid)ftein'§ 162, 185. 

Äat:^arina, Äönigin^^Sittte öon 



Portugal 222, erbietet ft* 5U 

S)on ©arloS' Überttjat^ung 247 f. 

Änoj, ft^ottifc^er 9lef ormator 47. 

Äerma, ®raf öon, Äämmcrer bei 

^on (Siarlod 241, bei beffen 

^ac^e 243. 
Saloo, ?lIonfo, ^oorne'S ©ecre= 

tär 12, 48. 
Sciöa, S)icgo öon, 302 f. 
ßlmogc«, SBifc^of öon, f. Slube- 

fpinc. 
SiöiuS 13. 
ßubttjig XI. öon gt^anfreic^, feine 

©mpbrung a(8 i^ronprinj 167. 
ßuna, ®raf, fpanifd^er ©efanbter 

in ©ien 163. 
ßutl^er aner 25, 33 fg., 51, 61, 99. 

JWIalta, fpanifd^e ^ülfe gegen bie 
2:ürfen 10, 30, 189 f. 

9Kon, Sol^ann, engtlfd^er ®efonb= 
ter in SRabrib 210, über 5)on 
Oiarlo«' Seffelung 244. 

fUlanrique. fjranj, bei S)on ©ars 
loS' 3Bac^e 243, 263, ©omej' 
93ricf an «ßeter aJi. 262 f. ügl. 
$arebeg. 

SDilargaretl^a öon SSatoiS, ©es 
mal^Un §einrid^'»IV., |)eirat]&3s 
abrichten mit ^l^ilipp E., 37 mit 
S)on ©arlo« 131, 149 f., mit 
Äönig ©ebaftian öon Portugal 
153. 

SRargaretl^aöon $arma, nieber* 
länbifd^e ©tatt^atterin, frcunb= 
Uc^e ©eftnnung für «8il^etm 
öonDranien 54, ?Wutter Slle:can= 
ber grarnefe'S 236. 

?Waria ©tuart, politifc^c ^tbtu^ 
tung für ©panien 50, @:^epro= 
ject mit ^on ©arloä 149 f. 



9?amen= unb ©Qd^regiftcr. 



315 



a^aria Xubor, Äönigin öon ©ng* 
lanb 5, 46. 

aJiatt^ieu 278. 

aJiaria, Äatferin, SSerl^ältnijj ju 
i^rem SBruber Wl^^ n. 39, 
111, 163, 274, über 3)on ear= 
lo§' |)aft 247. 

9Ka8carenna§, ßeonore, 305. 

3Jl ay im tli an II., Äalfer, Slnfrage 
ttjcgen^ertnäi^lttng {einer 2j>c^ter 
@Iifabet§ 39 f., über be^ Oleic^eS 
SSer^jflid^tung für bie 9iieberlanbe 
60, le^nt SBcrba(i^t bortigcr ge= 
Reimer SBcjiel^ungen ab 63, öon 
$]^ilip<3 II. incorrecter ^anblung 
be jc^ulbigt 63, ©orrejponbenj mit 
^Iba 64 f., ©elbftfritif 65, Uu^^ 
fi^reiben gu fünften f^janifc^er 
©etralt 67 f., über ben nieber* 
länbifi^en Silberfturm 69, gflücl== 
fic^t auf ben S^ürlenfrieg 70 f., 
in ®))anien 162, ^^ilip^j'S II. 
SBrief an i^n über beS ^rinjen 
§aft 224, Qnteröention ju S)on 
earlog* ©unften, 248 f., ergebt 
^gnatenanfpruc^ für benfelben 
289, über beffen Xob 275 3lnm., 

aJiebina f. 3ffiofeco. 

9Kebicig, f. ©oSmo unb Äat§a= 
rina. 

aJlenboja, So^^i^n oon, bei beS 
^rinjen SSac^e 243. 

SJlenboja, IRoberic^ öon, 2)on 
©arloS' Kämmerer 241, 242. 

SRenboja, S)iego öon, ^urtabo 
301 fg. 

aJienenbej, fpanifc^er S3efe^lS= 
l^aber in 9Jorbamerifa 29—32, 
aKarfgraf 43. 

9Ke^nert, SCl^eobor, pf^(i^iatrif(^e 
Urt^eile 87, 135, 142, 145, 174 f., 
187 f. 



aJiontiguJj, SKarquiS, Äufec^ 
rungen 12, Haltung 84 f., 215. 

2)fi u r a , (S^riftop^, SRinifter W^ 
lipp'g n. 168 bis 174, fein grü^: 
neS ^äftc^en in eimancaS 169. 

Slafiau f. Dranien unb Slbolf. 

ißaioaS, STlarqueS be lag 134. 

aiiebertanbe 11 5lnm. 3, 12— 
18, 21—24 , SBilberfturm 43 f., 
fpanifcfte Erbitterung über ^m=' 
fclben 48, !önigli(i^e ©oncefftonen 
mit geheimem ^roteft 49, S)on 
earloS über bie ^. 20, 57, 78 biS 
91, oon bort ©ebürtige in Äartö 
V. anfänglicher fpanifc^er 5Re= 
gierung 57, SBer^ältnife gu 3Äayis 
milian II, 60-65, biefer begüns 
fügt fpanif(i^e ®ewa(t 65—71, 
öergcblic^e SBorftellungen ju 
®unften ber ^iieberlanbe 74 f., 
neue ^rc^enöcrfaffung 102 f. 

aiobili, florentinifd^er ®efanbter 
199. 

aJuntiuS in SJlabrib, ©aftagna, 
¥a<)fl Urban VIL, ©räbifc^of 
öon moffano 72, 160, 193 biS 
200, 206 bis 208, 273, 286. 

jOranien, 3Bill^eImI üon, ©tel^ 
lung ju @<3anien 51—54, über 
S)on ©arloS 90 f., SBejiel^ungen 
ju ^fin^ing 229. 

^ad^eco, ©arbinal, öergl. ©i* 
guen^a 99, 102. 

^arebeS, ®raf öon, auS bem 
^aufe aJlanrique 263. 

$aul IV., ^ap% öon ©panien 
befiegt 76, öerbetene Suteiöen« 
tion »egen ^ärefte 99, für bie 
nieberlänbifd^e ^ird&enorganifas 
tion 104. 



316 



SlZatnen« unb @a(!^regifter. 



$erej, ^nton, In (^aragoffa be* 
freit 170. 

«IJe^cara, ^artä^efe 194. 

«Pfinfeinö, ^aul, beutfc^er ©ccrc* 
tär WiW^ n. 2'S f., 268, 
271, 282, 283. 

«ß^illp^) IL, Äönig t)on epa* 
nicn, 9lcgcnt feit 1543 für Äarl 
V 79, ^ält fi(^ ftctÄ mögüAft 
an bcffcn Slnorbnungen 2, 25, 
44, 56, 104, 129, 179. fein ^^n^^ 
6crr ^enriquej 162, 9?a*tt)lr* 
tungen feiner (g^e mit 3Äaria 
^ubor, 5, 16, bei hen ^oxtt^ 
Don 1566, 7 f., 19, bei 3lutO:= 
bafeS 25 f., 98 f., öoüenbet t>tn 
3Rabriber ©dftlojbau 4, ^onflict 
mit «Papft $iu8 V. 10, 74 biS 
76, SBer^ältniS ju feiner ®e:= 
ma^lin ^liföbetl^ öon SSaloi« 40 
bl§ 42, erJranft wegen beS nie= 
bertänbifc^en S3iIberfturmS 49, 
religiöfe Dtid^tung 99 f., 105, 
»riefe an feine ^Töd^ter 3, 39, 
SBer^ältnife ju feiner faiferlid^en 
(ö(3in)efter39, 111 f.,274,S3ermä§* 
lung mit ©rjl^erjogin Slnna81, 
©tolj auf beutfd^e ^bfunft 125, 
noc^ me^r auf ]^ab§burgif(j^e 127, 
©mpfang feiner Sf^cffen 140 f., 
164, SBejiel^ungen jur <5(^tt)eiä 

45, ju ©lifabetti öen ©nglanb 

46, 49, SSer^ältniS ju ben «ßie= 
berlanbeujß^onceffionenunb ^ro- 
teft 49, ©trafabfidjten 12 biS 16, 
über ^Iba unb ^ayimitian IL 
66, Überzeugung öon 5)on ®ar= 
loa' Unfä^igleit jur jC^ronfolge 
88, 113, 139, 164, S)rjD§ungen 
gegen S)on ©arloS 90, »gl. 105, 
über ®on ©arloS' ©lauben 110 
f., 112, ©l^arafter unb ©tellung 



95 f., perfönli^e ©rfc^^einung 95, 
97, 142 f.. unlriegerif^c S^iatur 
130, ard^iöalifc^e SeftomentSbe^ 
ftimmungen 172 bi§ 174, einige 
Seit für ©rj^erjpgin ^nna'S 
SBermä^Iung mit tarl IX. 185, 
SWilbe gegen feinen .^albbrubet 
190, geftattet ©rauben, fi(^ Xon 
earlog ju öerpf(i*ten 194, Ver- 
neint beffen g)^orJ)abfi*ten 202. 
f., 237, 93riefe über bi? SBerl^of* 
tung be^ ^rinjen 215, 219 f., 
247 f., fein SBenel^men bei biefem 
mnlaffe 237 f , 243, 290 fg., 303 
aSefuc^e öor S)on ©arloS' ^aft= 
räum 263 f., Suftanb bei S)on 
earIo§' Xpbe 272 f., briefiid)e 
^(ufeerungen über ba§ föreignife 
274 f., bie Segnung be§ Sterben:: 
ben 275 f., bgl. 305 f. 

$iu§ IV., $apft unb ha»> ©oncit 
toon Orient 10, 76, beenbet bie 
nieberlänbifd&e Äirc^enorgatiifa* 
tion 104. 

«Piug V., $o^ft, ©onflict mit 
W^^PP 11- 10, 72 f., 99, be:= 
»ittigt 1571 bie ©rujaba 73, 
über S)on (Sarlog' ©läubigfeit 

108 f., efequim für benfelben 

109 f , ©orrefponbenj mit "^W 
li^p IL über bie ^aftfrage 222 f. 

«Pijarro 19 ^'nm. 2, 29. 

öuijaba * Ouijaba, Öubmig 
194, 239, 242. 

»anfe, ßeopolb, ÄriHf 31, 125, 
157 bi» 160, 193, 201 f., 262 f., 

278. 
3liofeco,§eräogtoonaJiebinabi,194. 

gipf f ano, ^rjbifc^of öon, f. ^m^ 

tiu§. 



S'lamens unb ©ad^regifter. 



317 



SRuboIf IL, Äaifer, da ©rjiEierjog 
137 f.. Don ^^ilipp IL flee^rt 
164, bei 2)on ®arIo§' iieic^enbes 
gängniß 271. 

«aint=^eal278. 

@aint s ©ulpice, fran^öftjc^er 

©efanbter in 2)labrib 161. 
©filier 278. 

©d^Iog ju 2Rabrib f. 3llcafar. 
© ^ 1 1 1 an b, rcfotmirtc^ 58efennt= 

nig in, 47. 
©c^meij, S3e§te^ungen ju ^]^i= 

lipp IL 45. 
©ebaftian, ^önig toon Portugal, 

SBermö^IungS^)Ione 153, Dottjäl^^ 

rig 215 f. 
©ef a,^arIt)on,öecbrannt99f., 105. 
©effa. ^erjog öön, 144. 
©iguenja, SiJc^ofSft^ 19, 99. 
©imonca«, «itdjtt) 169 biS 171. 
©panien, SKiftaci^tung öon^anb= 

mer! unb Slderbau 58, SSolfS= 

c^araftcv im 16. 3<i'§i^^"^^ert 

96, Einigung öon $^tlipp'§ IL 

SBcrfal^ren gegen ©arloS 259. 
©^)eier, SReic^^tag 1570. öon 

Stiba befenbet 62, SRcid^Sfammers 

geriet 268. 
©uareji, 5)octor ber Siedete, beS 

^on^njtn - gtcmtb 114 f., 

SBarnung^bviefe 179. 

^^omaS öon ?lquino 123. 

X]^ufl)bibeÄ, ^iftoriogra^)^if c^e§ 
SRufter 75, 157. 

S^iepolo, öenetianifc^er ®efanb= 
ter, Urt^eil über S)on darlo^ 
unb beffen SSorfa^ren 140, 258. 



^olebo, in htti ©orteS 6, 16, 
©räbifc^of öon 73, 99, grauj^iS:: 
fanerflofter 120, 3Keffenftiftung 
121, Slbfidjt gelehrter ©üftung 
in %. 122 f. 

S^olebo, 3)on ®arda öon, 2)on 
daxM' ^ofmeifter 116. 

^ 1 e b , 3)on ^Intonio öon, $nor, 
238. 

ttrban Vn., ^(H)fi,f. i«untiu§. 

»QUaboUb, Slutobafeju, 25,98, 

120. 
löenegag, ßubmig be gigueroa, 

in befoni>erer ©enbung in SBien 

152, ©(^reiben an ©rjl^erjog 

fjerbinanb 283. 
SBenetiianifdje ^epefd^en 41, 89, 

103, 139 f., 193, 194, 203, 236, 

244, 248 ^nm. 1, 272, 305 f. 
SSerona f. ©efo. 
SBelafco, öertrauter 3)icner au^ 

$^ilipp8 IL legtet Seit 173. 
SBefaliug, SlnbreaS, an3)on©ars 

Io§' f ranfenbett 119, 144. 
SSiana, ^rinj (SarloS öon, ©m^ 

pörungöbeifpiel 167, 170. 

So elf er, W^ippine, 283. 
^il^elm, L ber ©c^weigfame f. 

Dranien. 
a^ i m e n e ä , ©arbinal, geleierte ©tif ^^ 

tungen 123. 

3eitungen 300 fgbe. 

güric^, SBejie^ungen ju Oranien 
90 fg. 

Smingli, »ebeutung für ^bi= 
lipp'S II. Äunbe 44 f., mit 3o= 
^ann ^noj öergli(^en 47. 



Bendjtigungen. 

@. 37 le^te Seile beS Xefteä: 3. (nic^t: 13.) 

<3. 80 Qtxh 2: aultre (nitiftt: autre). 

e 87 Seile 21 pat^ologift^ (ftatt: ^^^riologifd^). 

6. 104 Seile 19 ÜWeberlänber (nid^t: ^iicberlänben). 

®. 176 Seile 18 ©u^c« (fmit: ÄopltclS). 

(5. 234 Seile 8 Xolfon* (ni(ftt: Xrifoi>). 

©. 264 Seile 11 XobcSfronl^cit (nid^t: ^obeSfronf^eitcn). 



! 



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